enjoy-the-chaos.livejournal.comTeam: Slytherin
Challenge: Fantasy – Telekinese (für mich)
Fandom: Original
Inhalt: Eine Teufelin ist gezwungen, einer absolut untalentierten Hexe ein paar Zaubertricks beizubringen.
Anmerkung: Ich habe den Charakter Rasia vor gut 15 Jahren im Zuge einer Inuyasha-Fanfic entwickelt und sie hierfür jetzt mal wieder ausgegraben. Und ich hatte echt vergessen, wie viel Spaß es macht, aus ihrer Sicht zu schreiben, da wird also definitiv noch mehr von ihr kommen ;D
Warnung: Fieser, böser Sarkasmus (und auch ein bisschen cracky) ;)
@Mods: Ich bräuchte noch einen Autoren-tag (am besten einfach enjoy_the_chaos)
Nach zweitausend Jahren eines absoluten ruhigen Lebens in der Hölle – abgesehen von einigen Putschversuchen, Drachenaufständen, mehrere Seuchenwellen, bei denen die Erkrankten plötzlich rot-weiß-gestreift anliefen und Opernarien zu schmettern begannen, und diversen Kleinigkeiten wie Mord und Totschlag – konnte man glatt vergessen, wie unglaublich nervtötend die Menschheit doch war.
Und ganz besonders bestimmte Einzelexemplare.
Wie das Schicksal nun mal so spielte, war ich von meiner herzallerliebsten Mutter, die mir bei Verweigerung blutige Qualen und das Verfärben meiner Zähne in neongrün angedroht hatte, gezwungen worden, mich mit einem solchen Beispiel der absoluten Dämlichkeit der menschlichen Rasse abzugeben.
„Ich mache hier irgendwas falsch, nicht wahr?“ Bethany beehrte mich erneut mit ihrem berühmt-berüchtigten Schmollmund, während sie sinnlos mit ihren Armen durch die Gegend flatterte und dabei aussah wie ein Vogel mit Koliken. „Ich mein', irgendetwas müsste doch jetzt passieren, oder?“
Ein kleines bisschen Auffassungsgabe hatte sie anscheinend doch noch. Allerdings war es wirklich nicht sonderlich beeindruckend.
„Schlaues Kind“, lobte ich sie spöttisch. „Die Tatsache, dass gerade rein nichts passiert, obwohl eigentlich etwas passieren sollte, wäre dem Großteil deiner Rasse bestimmt entgangen.“
Bethany warf mir einen vorwurfsvollen Blick zu, doch sie war viel zu jung und viel zu menschlich, um mich damit irgendwie zu beeindrucken. „Du machst dich über mich lustig“, stellte sie meisterlich fest.
Ich verdrehte genervt meine Augen. „Natürlich mache ich mich über dich lustig! Das ist das einzige an Vergnügung, das ich gerade habe.“
Warum zur Hölle musste so was immer nur mir passieren?
Womit hatte ich das denn nur verdient?
Ich war eine gute, gesetzestreue Teufelin. Ich zündete die Häuser meiner Nachbarn an, ich warf die Gnome, die sich in meinem Garten breitmachten, in den nächstgelegenen Lavasee, ich erzählte meiner Schwester und ihren 47 oder 48 Kindern irgendwelche halbgaren Lügen darüber, dass ich sie einigermaßen leiden konnte, damit sie mich nicht im Schlaf töteten, und ich ließ meinen Vater am leben, obwohl ich schon mehr als tausend Gelegenheiten gehabt hätte, ihn umzubringen und es wie einen Unfall aussehen zu lassen.
Kurzum: Ich war eine absolute Freude für die Teufel um mich herum.
Aber selbstredend war das für meine herzlose Mutter völlig belanglos. Tyaria interessierte nur, dass sie einer Hexe seit gut einem Jahrzehnt einen Gefallen schuldete und als diese dann vor ein paar Tagen an meine Mutter herangetreten war, um sie aufzufordern, ihre absolut inkompetente Hexen-Tochter in der Kunst der Magie zu unterrichten, hatte sie diese Bürde sofort auf mich gewälzt, ohne auch nur einmal zu zögern.
Und so stand ich nun hier, in einem kitschig ausgestatteten Wohnzimmer irgendwo in der Menschenwelt, mit einer 16-jährigen Göre vor meiner Nase, Kleidung zerschlissen und Haare wie ein Vogelnest (und das offenbar mit voller Absicht, wie sie mir als allererstes stolz verkündet hatte und sofort in einen zehnminütigen Monolog über Kleidungstrends ausgebrochen war), und hatte das wirklich dringende Bedürfnis, irgendwen umzubringen.
Einfach irgendwen.
Ich war an einen Punkt angekommen, an dem ich echt nicht mehr wählerisch war.
Obwohl Bethany trotzdem auf meiner Liste sehr weit oben stand.
„Wenn du ein Problem mit mir hast, kannst du gerne auch wieder verschwinden, Rasia,“ zischelte das Mädchen. „Es ist wirklich keine Freude, einen Teufel im Haus zu haben.“
„Es ist wirklich keine Freude, hier zu sein“, erklärte ich ihr. „Aber wenn ich dich jetzt einfach in der Badewanne ertränke und abhaue, wird mir meine Mutter das sehr übelnehmen und mich vermutlich an einen Drachen verfüttern. Und da ziehe ich sogar tatsächlich deine Gesellschaft vor.“
Sie hob skeptisch eine Augenbraue. „Du übertreibst.“
Ich schnaubte. „Ich wünschte, es wäre so, Herzchen.“
Sehr viel wahrscheinlicher war sogar, dass Tyaria es nicht bei einer bloßen Drachenverfütterung belassen würde. So was ging ihr immer viel zu schnell und schmerzlos. Wahrscheinlich würde sie mich vorher noch dazu zwingen, einen Nachmittag mit meiner dauerquasselnden Großmutter zu verbringen und danach ein paar schreckliche Häschen mit Kulleraugen zu knuddeln.
„Also lass uns jetzt einfach fortfahren und diese Tortur hinter uns bringen“, schlug ich seufzend vor. „Vielleicht schaffen wir es sogar, noch etwas einigermaßen anständiges auf die Beine zu stellen.“
„Aber ich krieg das einfach nicht auf die Reihe“, jammerte Bethany
Ich knirschte mit den Zähnen. Wie schafften es Mütter eigentlich, die Kontrolle bei diesem furchtbaren Generve zu behalten?
Zugegeben, meine Mutter besaß diese Fähigkeit auch nicht (ich hatte es vermutlich einzig und allein meinem Vater zu verdanken, dass ich als kleines Kind nicht öfters durch die Gegend geflogen war), aber das war bei Teufeln sowieso nur ein seltenes Gut und nicht oft gesehen. Wir waren einfach nicht dafür konstruiert, liebende und fürsorgliche Eltern zu sein. Meine Schwester beispielsweise verlor ständig den Überblick über ihre ständig wachsende Brut und konnte nie genau sagen, ob in der Zwischenzeit nicht mal eins ihrer Bälger in eine Grube gefallen oder von einem Höllenmonster gefressen worden war. Ihr Motto lautete: „Wenn der Großteil noch da ist, ist alles in Ordnung.“
Aber Menschen hatten den Ruf, ihre Nachkommenschaft in 60 % der Fälle ein kleines bisschen leiden zu können, und ich hatte wirklich keine Ahnung, wie man das anstellen sollte.
„Schätzchen, wir reden hier von simpler Magie“, entgegnete ich. „Ich verlange ja nicht von dir, einen Kieselstein in ein Schloss zu verwandeln. Oder dein Haar zu bändigen.“
Sie warf mir daraufhin einen düsteren Blick zu, offenbar total vergessend, dass sie es mit einem Wesen der Hölle zu tun hatte. „Es ist trotzdem schwer.“
Ich seufzte. „Es ist nur Telekinese, mein Engel. Das kriegt sogar Larry Potter hin.“
„Harry Potter“, korrigierte sie mich.
„Wen interessiert's?“ Ich schüttelte meinen Kopf. „Streng dich einfach ein bisschen mehr an, hast du verstanden? Ich habe keine Lust, meine kostbare Zeit unnötig lange mit einer nervtötenden Ratte wie dir zu verschwenden.“
Ein Lächeln umspielte daraufhin Bethanys viel zu stark geschminkte Lippen. „Du brauchst mir nichts vorzumachen. Du magst mich, nicht wahr? Zumindest gibst du mir diese ganzen süßen Spitznamen.“
Ich verdrehte meine Augen. „Ich bin ein Teufel“, erinnerte ich sie. „Ausdrücke wie 'Herzchen' und 'Engel' sind für uns die schlimmsten Beleidigungen.“
Bethanys lästiges Lächeln verschwand sofort bei diesen Worten und ich musste zugeben, dass das ein netter Anblick war.
„Also lass uns weitermachen“, drängte ich sie und deutete auf die Vase auf dem Tisch im anderen Ende des Raumes, die Bethany schon seit gut einer halben Stunden vergeblich versuchte, alleine mit der Kraft ihrer Gedanken zu bewegen. „Konzentrier' dich einfach.“
Sie grummelte etwas Unverständliches, tat aber letztlich wie ihr geheißen. Sie lenkte all ihre Aufmerksamkeit auf das geblümte Objekt und blendete den Rest der Welt aus.
Es dauerte trotzdem nochmal zwanzig Minuten, bis die Vase zu wackeln anfing.
Bethanys Miene erhellte sich sofort und mit einem Mal verdoppelte sie ihre Anstrengungen, ihre Augen einzig und allein auf die Vase fixiert.
Und schließlich erhob sich das verfluchte Ding endlich von der Tischplatte, schwebte ein wenig in der Luft hin und her, fast schon fröhlich und unbeschwert.
Bevor es plötzlich mit voller Geschwindigkeit auf Bethany zuraste und der überraschten Hexe direkt gegen die Stirn donnerte.
Die Vase zersprang in tausend Stücke und das Mädchen sank augenblicklich bewusstlos zu Boden wie ein nasser Mehlsack.
Und ich stand einfach nur daneben, starrte auf ihre reglose Gestalt und verdrehte genervt meine Augen.
Womit hatte ich das nur verdient?