H/C - Bist du nicht müde - fürs Team
Jul. 3rd, 2016 11:20 pmTeam: Hufflepuff
Challenge: H/C – Bist du nicht müde – fürs Team
Fandom: Kpop (BigBang/Winner – Seungri, Taehyun, G-Dragon... mods, kann ich ein kpop-tag bekommen? :D)
Titel: Kleider machen Ängste
Inhalt: Während der Dreharbeiten zu Winners Version von "The Heirs" kann Taehyun plötzlich nicht mehr weitermachen wie bisher.
Anmerkung: Zur Erläuterung: Taehyun ist in einer Band, genannt "Winner" zusammen mit Mino (und noch drei anderen, die aber erst mal nicht wichtig sind), die in ihrer Variety-Show eine Parodie zur koreanischen Soap Opera "The Heirs" (die Sendung lässt sich zusammenfassen mit "Reich und Schön haben unendlich viele Probleme") gedreht haben. Seungri und G-Dragon sind ebenfalls in einer Band – genannt "BigBang" und deutlich älter und erfolgreicher als "Winner" und G-Dragon ist sowieso der Jesus des K-Pop – und beide Bands sind beim gleichen Label, nämlich YG und diesen Boss von YG spielt Seungri in der Parodie in einer Szene. Taehyun spielte in der Parodie die weibliche Hauptrolle, sehr zu seinem Widerwillen, aber er war dennoch ein sehr niedliches Mädchen. Ich male beim nächsten Mal einfach ein Bild, um die Beziehungen näher zu erläutern.
Kleider machen Ängste
Es ist ein magischer Moment für alle Beteiligten, als Seungri sich den Hut vom Boss aufsetzt und sofort und auf der Stelle zum größten Ekelpaket wird, das je unter der Sonne wandelte.
Die Dreharbeiten müssen unterbrochen werden, weil der Kameramann lachend von seinem Sitz fällt und die Regisseurin vollkommen begeistert immer neue Anweisungen in den Raum brüllt, die Seungri mit Feuereifer umsetzt, sodass die Szenen mit ihm schließlich viel länger werden als sie sollten, und Taehyun noch nicht ein einziges Mal vor der Kamera erschienen ist.
Er drückt sich, in Kleid und Strümpfchen, an der Wand herum und als sie ihn schließlich aufs Sofa setzen, damit er das herzzerreißende Dilemma der weiblichen Hauptrolle nachspielt, vergisst er seinen Text, als er in Seungris Gesicht starrt und nur einen krummen Mund und halb geschlossene Lider sieht.
"Tut mir leid", murmelt er und krallt die Hände in seinen beigen Faltenrock. Er spürt, wie ihm der Schweiß ausbricht und hofft, dass ihm vor lauter Scham nicht gleich das Makeup wegschmilzt. Reiß dich zusammen, du unprofessioneller Idiot, schreit er sich an. Seungri hat wahrscheinlich auch besseres zu tun, als dich in deinem Fummel anzuschauen, versuch doch wenigstens, einen guten Eindruck zu hinterlassen!
Es funktioniert nicht, im Gegenteil, Taehyun verkrampft noch mehr und bringt nur ein jämmerliches Quieken hervor als Seungri erneut voller Inbrunst seinen Text aufsagt.
"Junge, was ist denn los?", ruft die Regisseurin. "Sitzt deine Strumpfhose zu eng?"
Wieherndes Gelächter kracht von allen Seiten gegen Taehyun, bis er selbst prusten muss, doch mit der Heiterkeit stürzen sich auch zwei, drei Tränen aus seinen Augen und bevor er richtig weiß, was geschieht, sitzt Seungri plötzlich vor ihm und haut ihm lachend auf die Schulter.
"Kopf nach vorn", zischt er ihm zu und presst ihm die Hand in den Nacken, bis Taehyun sich auf einmal seine eigenen nylonbestrumpften Knie näher ansehen muss. "Dann verläuft der Mascara nicht so stark."
Dann lacht Seungri weiter und räuspert sich affektiert, tätschelt Taehyun den Rücken und zieht eine herrliche Show ab.
"Also das passiert mir ständig", schnarrt er, "dass die Mädels dann einfach nicht wissen, was sie sagen sollen, ich bin ja auch einfach ein umwerfender Typ!" und so weiter, in einer Tour, bis das ganze Filmteam dröhnend lacht und die Regisseurin nach fünf Minuten Pause und dann nach "Contenance!" schreit.
Taehyun starrt verbissen auf seine Knie, während in seinem Kopf alles durcheinander schreit. Seungri hat ihm einen Tipp gegeben, wie man sein Makeup nicht wegheult.
Das bedeutet, dass Seungri auch schon mal in voller Montur geheult haben muss und nicht wollte, dass jemand es mitbekam. Oder vielleicht hat jemand, den Seungri kennt, geweint? Seungri kennt viele Leute. Unter anderem G-Dragon und Top und Taeyang und CL und Park Bom und Taehyun schwirrt der Kopf, wenn er daran denkt, dass all diese Berühmtheiten möglicherweise schon mal geflennt haben und es verstecken wollten.
Taehyun schüttelt den Kopf und holt ein paar Mal tief Luft, ehe er sich ganz vorsichtig von Seungri losmacht, der ihm die ganze Zeit wie beiläufig über die Schultern gestreichelt hat.
"Geht's wieder?", fragt Seungri.
"Hm", macht Taehyun und zuckt dann zusammen, als ihm seine Manieren wieder einfallen. "Ja. Entschuldigung. Ich werde mich besser benehmen."
Seungri blinzelt, als habe Taehyun ihm gerade erzählt, welches Auto seine Oma fährt, dann nimmt er die Mütze ab und beugt sich verschwörerisch nah an Taehyuns Ohr heran. Im allgemeinen Gewusel der Lichttechniker und Mikrofonhalter geht ihr Geflüster wunderbar unter, doch Taehyun überkommt trotzdem eine Gänsehaut.
Er ist ein Wrack.
Seit Tagen schon. Seit er in Mädchenklamotten rum läuft und Mino ihm andauernd Komplimente macht, wenn sein Blick über Taehyuns Taille auf seine entblößten Beine rutscht. Wenn er ihn bei ihren gemeinsamen Szenen anfasst und seine Hände viel länger auf seinem Körper liegen lässt als notwendig und Taehyun nicht weiß, ob Mino nur Makeup, Haar und Röcke streicheln will, oder... ja, oder etwas anderes vielleicht, wie Taehyuns schmalen Brustkorb, seine noch schmaleren Hüften und knubbeligen Knie.
Er weiß es nicht. Er will es auch nicht wissen, und verbietet sich daran zu denken und hofft, dass er es irgendwann eklig finden wird, wenn Mino ihn berührt und ihm einen Kuss auf die Wange drückt.
"Woran liegt's denn?", murmelt Seungri da. Sein Atem ist warm und er riecht gut, nach Aftershave und irgendeinem Starbucks-Getränk mit Zuckerperlen drauf. "Du kennst das hier alles doch und du kennst doch auch mich. Du magst mich doch, oder?"
Taehyuns Herz setzt aus und er krallt eine Hand in seinen Rock und die andere in den Sofabezug. Sag was, schießt es ihm durch den Kopf. Sag irgendwas, mach es nicht peinlich, sag was!
"J-ja", macht Taehyun und schaut auf seine Hand, die den Rock malträtiert. Der gespannte Stoff über seinen Oberschenkeln erinnert ihn an Pornos, die er bereut, angeschaut zu haben, mit Frauen in Schulmädchenuniformen und weit geöffneten Mündern und Taehyun möchte sterben. Die Extensions kleben in seinem Nacken wie feuchte Lianen, er spürt das Haarband auf seinem Kopf, das ihm Blut und Luft abschnürt und einen Moment lang starrt er Seungri an und atmet ihm nur gegen die Wange.
Seungris Arm legt sich um seine Schultern, er zieht Taehyun noch näher an sich, flicht seine Finger in das stumpfe braune Haar. Taehyun beginnt zu zittern und presst die Beine fest zusammen, reißt sich zwei Nägel ein, weil er am Sofa kratzt, als wolle er in die Füllung kriechen.
"Ist doch alles gut", sagt Seungri und lächelt, Katzenaugen, Katzengrinsen, rosa Lippen, schwarzes Haar, vier Jahre älter und zehn Jahre mehr Erfahrung im Business.
Er ist Taehyun so nah und schlagartig rast ein Bild durch Taehyuns Kopf. Ein Sexbild. Wie Seungri ihn mit beiden Händen aufs Sofa drückt, seine Knie umfasst und ihm den Rock hochschiebt, sein Mund an Taehyuns Bauch auf dem Weg nach unten und Taehyun würde ihn machen lassen, er würde stöhnen und sich die Hand in den Mund stopfen, und aus irgendeinem Grund hätte er Tränen in den Augen, die Seungri aber nicht sehen dürfte. Und dann würden sie es machen, hier im Büro vom Boss und Taehyun würde sich die Strumpfhose zerreißen genau wie seine Bluse und der Rock wäre fleckig, von ihm selbst, von Seungri nicht, denn Seungri weiß, wie man sich beherrscht, nur Taehyun nicht und die Tür würde sich öffnen und Mino stände davor, angewidert und entsetzt und voller Hohn.
Seungri sitzt immer noch vor ihm und seine Augen flackern zu Taehyuns Mund und dann zu seinen Händen hinunter, die den Rock verknautschen und Taehyun möchte aus allen zehn Lagen und seiner eigenen Haut rausspringen, weil er sich so widerlich fühlt. Die Tränen sind wieder da und Taehyun beugt den Kopf nach vorn, wie Seungri es ihm gesagt hat, weil er ein guter Junge ist und auf Ältere hört und weil er nur noch den Teppich mit dem komischen Blumenmuster sehen will.
"Dir geht's wirklich nicht so gut", sagt Seungri dann, völlig perplex und Taehyun tut alles so schrecklich leid, doch das Zittern, das zwischen seinen Beinen angefangen hat, rast bis zu seinen Schultern hinauf, wirft seinen Kopf hin und her und lässt ihn schließlich den Mund öffnen und ein lang gezogenes, entsetzlich jämmerliches Stöhnen von sich geben.
Schlagartig kehrt am gesamten Set Stille ein. Irgendwem fällt eine Wasserflasche aus der Hand, doch Taehyun kann nichts machen. Seine ganze Welt ist das Brennen unter seinen Fingern und die dunkelblaue Fadenblume vor seinen Augen, er bebt in Seungris Armen und wenn er etwas sagen will, kommt nur das Tiergeräusch aus seinem Mund, bis er sich sicher ist, ein Werwolf zu sein. Sein Sichtfeld wird dunkler. Die Blume entfernt sich von ihm, wird kleiner, versteckt sich hinter dem Couchtisch und unter Seungris Schuhen und erst da merkt Taehyun, dass er auf die Füße gezogen wurde. Hände landen auf seiner Taille, aber es ist nicht Minos Hand, er würde ihn nicht anfassen, Taehyun stolpert zwei Schritte nach vorne, weil ihn jemand zieht.
"Er hat nur Bauchweh!", ruft jemand. "Komm mit, komm, wir gehen ins Bad, beweg dich..."
Der Werwolf sagt ja, und Taehyun wird halb gezogen, halb getragen, sieht Farben, Flure, Gardinen, weiße Bilderrahmen und schließlich weiße Kacheln mit Marmorierung, als sie in den Toilettenräumen ankommen. Ein großer Spiegel ragt gegenüber der Tür auf und daraus hervor schauen Seungri und ein kalkweißes Mädchen.
Kein Werwolf.
(Und das Mädchen ist Taehyun selbst.)
"Komm her, Kleiner, ist alles gut", wiederholt Seungri, doch Taehyun starrt sein Spiegelbild an, auch als Seungri ihm ein kaltes Tuch ins Gesicht klatscht. Wasser läuft in seinen Kragen, über sein Unterhemd und verläuft sich irgendwo auf seinem Bauch. Seine Finger, die er immer noch schmerzhaft gegen seinen Schritt presst, berührt es nicht.
Der Spiegel verschwindet plötzlich, als Taehyun auf den Boden fällt und Seungri ihn auffängt. Seine Jacke liegt als Kissen zusammengeknüllt auf den Fliesen, Taehyun rutscht fahrig darauf hin und her. Er kann immer noch nicht reden, doch was soll er schon sagen, während er auf dem Rücken im Badezimmer liegt und Seungri dabei zuschaut, wie er ihm die Schleife am Kragen aufreißt und die Knöpfe der Bluse öffnet.
Will er es hier machen?, denkt Taehyun. Hier ist es kalt. Warum hier?
Taehyun windet sich und schlägt gegen Seungris Hände, er will nicht mehr, er hat es nicht so gemeint, er weiß nicht, warum er das gedacht hat, es tut ihm leid, kann Seungri ihn gehen lassen, bitte...
Seungri fängt seine Hände ein und presst sie gegen seine Brust. "Du musst atmen, Taehyun. Tief Luft holen. Nein, lass die Augen auf, schau mich an, du musst atmen, weiter, komm schon, atmen, atmen, atmen."
Und Taehyung atmet. Er ist ein guter Junge, er macht, was ihm Ältere sagen. Und er atmet, atmet, atmet, bis er nach dem dritten Mal tatsächlich spürt, wie Luft in seine Lungen strömt.
"Gut gemacht", sagt Seungri. Taehyun sieht ihn wie durch eine Lupe. Schweiß steht ihm auf der Stirn und auf der Oberlippe und das Lächeln, was er Taehyun zuwirft, zerrt seine Lippen zurück, bis er alle Zähne zeigt.
"Du bist auch ein Werwolf", sagt Taehyun und Seungri runzelt die Stirn. "Genau..."
Die Tür geht auf und ein Paar schwarzgoldene Schuhe mit Nieten geraten in Taehyungs Blickfeld.
"Seungri, wo steckst... was zum Teufel?!"
Taehyun kennt die Stimme und als sich ein schöner, junger Mann mit dunklen, geschwungenen Brauen über ihn beugt, fällt ihm auch der Name ein.
"G-Dragon."
"Der einzig wahre", erklärt G-Dragon völlig beiläufig, als würde er einem Barista die Bestellung bestätigen und genau wissen, dass sich keiner wagen würde, sie zu versauen. "Was hast du angestellt, Seungri?"
Dann passiert etwas völlig Unvergleichliches und Taehyun ist sich nicht sicher, ob er vielleicht eingeschlafen ist und alles nur noch träumt. Seungris Selbstbewusstsein schmilzt nämlich von ihm ab, seine Augen werden groß und er schiebt die Unterlippe vor. "Gar nix, hyung, ich hab gar nix gemacht!"
"Hier liegt ein Junge in einer Schulmädchenuniform auf dem Fußboden im Badezimmer und sabbert in meine Lederjacke, die ich dir vor zwei Monaten ausgeliehen habe! Und du willst mir erzählen, dass nichts passiert ist?"
"Wir haben gedreht!", schreit Seungri. Er sieht völlig aufgelöst aus und fuchtelt mit den Händen und Taehyun fragt sich, wie er vorher so ruhig und beherrscht bleiben konnte. "Ich hab doch erzählt, dass ich mit den Winner-Jungs für ihre Show drehe, hyung, du hörst mir nie zu, das ist so gemein von dir, ich..."
"Seungri." G-Dragon verschränkt die Arme vor der Brust und wippt ungeduldig mit dem Fuß. "Ich weiß von dem Dreh, aber ich will wissen, was passiert ist, du Null."
"Er ist zusammengeklappt. Panikattacke oder sowas, ich hab der Filmcrew gesagt, ich kümmer mich um ihn, wir müssen heute noch fertig werden."
"Wo ist sein Manager?"
"Bereits unterwegs. Sie haben woanders gedreht und sind auf dem Rückweg."
Seungri bringt die letzten Worte in einem einzigen Schwall hervor und mit jeder Sekunde, in der er hektischer wird, kann Taehyun plötzlich leichter atmen. Vielleicht ist er doch kein Werwolf, sondern ein Vampir. Er fährt mit der Zunge über seine Eckzähne, während G-Dragon sich den Handrücken gegen die Stirn presst und gequält seufzt.
"Das hast du gut gemacht, Seungri", murmelt er und Seungri springt auf wie ein Welpe. Er ballt die Fäuste und strahlt G-Dragon an. "Wirklich, hyung? Ich mein, ich hab mir Mühe gegeben, oh ja, und es geht ihm auch schon fast wieder gut, nicht wahr, Taehyun?"
"Ich bin kein Vampir", sagt Taehyun.
"Gut erkannt", erwidert G-Dragon. Er lächelt milde und hockt sich auf den Fußboden, ganz nah an Taehyun heran, doch bevor er etwas sagt, hebt er nochmal den Kopf und nickt zur Tür. "Warte unten auf den Manager, Seungri. Ich bleibe hier."
"Okay, hyung. Danke, hyung."
Seungri wirft einen Blick auf Taehyun und ist dann wie ein geölter Blitz zur Tür hinaus und Taehyun spürt plötzlich eine Hand auf seiner Wange.
"Fieber hast du nicht", sagt G-Dragon. "Immerhin."
Eigentlich sollte es ihm peinlich sein, schießt es Taehyun plötzlich durch den Kopf. Weil ihm alles peinlich war in den letzten paar Tagen, die Röcke, die Blicke, ihr bescheuertes Skript, dass er zusammengebrochen ist, und jetzt in einer kaputten, schmutzigen Uniform auf dem Badezimmerfußboden liegt, und sich G-Dragon um ihn kümmern muss.
Aber Taehyun kann nicht mehr. Schlimmer kann es einfach nicht mehr kommen, denn nichts wird je wieder so entsetzlich peinlich sein wie das hier.
"Tut mir Leid", nuschelt er und schmiegt seine Wange ein klitzekleines bisschen näher gegen G-Dragons Hand. "Ich kann schon wieder aufstehen."
"Bist du nicht müde?", fragt G-Dragon da und Taehyun klappt der Mund auf. Natürlich ist er müde. Ihre ganze Industrie ist dauermüde, aber gewinnen können nur die, die trotzdem weitermachen.
"Nein", antwortet Taehyun. Ein anderes Wort ist nicht erlaubt. G-Dragon legt nur den Kopf schief und verengt die Augen zu Schlitzen.
"Ich mag es nicht, wenn du lügst", erklärt er. Es könnte ein sehr bedrohlicher Satz sein, doch Taehyun schwebt über allem und die Hand auf seiner Wange streichelt ihn ganz liebevoll.
"Ein bisschen", antwortet er also. Schlimmer kann es nicht mehr werden, wirklich nicht, aber er flüstert trotzdem.
"Was macht dich müde?"
Eine schwere Frage, wie Taehyun findet und eine, auf die er nicht sofort eine Antwort weiß. Doch G-Dragon streichelt ihn weiter, reibt ihm die Schultern und die Brust, bis die Wörter sich ganz langsam aus ihm heraus trauen.
Und dann erzählt Taehyun von Kleidern, von Minos Fingern, von Seungyoons Tränen, als der Boss seine Songs nicht anhören wollte, von der Enge in ihrem Zimmer, von den entsetzlichen Dingen, die auf Naver und anderen Klatschseiten stehen, von seiner eigenen großen Klappe, die ihn immer wieder in Schwierigkeiten bringt, weil er gern nett und lieb wäre, aber stattdessen faucht und beißt und weil er Angst hat, so viel Angst, dass sie ihm wahrscheinlich jeder ansehen kann, der ihm nur eine Sekunde lang in die Augen schaut, von der Scham, die seinen Bauch ausfüllt, weil er all diese Gedanken hat und weil er trotzdem an all dem hängt, am Singen, an seinen Freunden, an ihrem ganzen Leben, auch wenn er zu schwach dafür ist.
Irgendwann fällt ihm nichts mehr ein und G-Dragon stellt auch keine Fragen mehr, sondern betrachtet ihn nur mit dunklen, wachsamen Augen. Taehyun dreht den Kopf weg. Sein Körper kommt langsam wieder zu sich, beschwert sich über die kalten Fliesen im Rücken und seinen trockenen Mund, doch Taehyun will sich nicht um ihn kümmern. Er hat ihn immerhin im Stich gelassen, obwohl es dafür überhaupt keinen Grund gab.
Er überlegt, ob er versuchen soll, aufzustehen, doch dann wird erneut die Tür aufgestoßen und Taehyun starrt in das entsetzte Gesicht seines Managers hinauf.
"Junge", sagt der und dann verschlägt es ihm die Sprache, als er G-Dragon ebenfalls auf dem Fußboden sieht, wie er lässig winkt.
Taehyun interessiert es nicht. Seine Augen hängen an seinen Bandkollegen, die sich zu viert durch die Tür quetschen, alle mit offenen Mündern und besorgten Schreien.
Das letzte, was Taehyun sieht, ist Mino, der wie in seinem Tagtraum im Türrahmen steht und ihn anstarrt - angewidert und höhnisch, wie Taehyun glaubt, doch bevor er genauer hinschauen kann, rollen ihm die Augen nach hinten und er darf endlich, endlich in Ohnmacht fallen.
Challenge: H/C – Bist du nicht müde – fürs Team
Fandom: Kpop (BigBang/Winner – Seungri, Taehyun, G-Dragon... mods, kann ich ein kpop-tag bekommen? :D)
Titel: Kleider machen Ängste
Inhalt: Während der Dreharbeiten zu Winners Version von "The Heirs" kann Taehyun plötzlich nicht mehr weitermachen wie bisher.
Anmerkung: Zur Erläuterung: Taehyun ist in einer Band, genannt "Winner" zusammen mit Mino (und noch drei anderen, die aber erst mal nicht wichtig sind), die in ihrer Variety-Show eine Parodie zur koreanischen Soap Opera "The Heirs" (die Sendung lässt sich zusammenfassen mit "Reich und Schön haben unendlich viele Probleme") gedreht haben. Seungri und G-Dragon sind ebenfalls in einer Band – genannt "BigBang" und deutlich älter und erfolgreicher als "Winner" und G-Dragon ist sowieso der Jesus des K-Pop – und beide Bands sind beim gleichen Label, nämlich YG und diesen Boss von YG spielt Seungri in der Parodie in einer Szene. Taehyun spielte in der Parodie die weibliche Hauptrolle, sehr zu seinem Widerwillen, aber er war dennoch ein sehr niedliches Mädchen. Ich male beim nächsten Mal einfach ein Bild, um die Beziehungen näher zu erläutern.
Kleider machen Ängste
Es ist ein magischer Moment für alle Beteiligten, als Seungri sich den Hut vom Boss aufsetzt und sofort und auf der Stelle zum größten Ekelpaket wird, das je unter der Sonne wandelte.
Die Dreharbeiten müssen unterbrochen werden, weil der Kameramann lachend von seinem Sitz fällt und die Regisseurin vollkommen begeistert immer neue Anweisungen in den Raum brüllt, die Seungri mit Feuereifer umsetzt, sodass die Szenen mit ihm schließlich viel länger werden als sie sollten, und Taehyun noch nicht ein einziges Mal vor der Kamera erschienen ist.
Er drückt sich, in Kleid und Strümpfchen, an der Wand herum und als sie ihn schließlich aufs Sofa setzen, damit er das herzzerreißende Dilemma der weiblichen Hauptrolle nachspielt, vergisst er seinen Text, als er in Seungris Gesicht starrt und nur einen krummen Mund und halb geschlossene Lider sieht.
"Tut mir leid", murmelt er und krallt die Hände in seinen beigen Faltenrock. Er spürt, wie ihm der Schweiß ausbricht und hofft, dass ihm vor lauter Scham nicht gleich das Makeup wegschmilzt. Reiß dich zusammen, du unprofessioneller Idiot, schreit er sich an. Seungri hat wahrscheinlich auch besseres zu tun, als dich in deinem Fummel anzuschauen, versuch doch wenigstens, einen guten Eindruck zu hinterlassen!
Es funktioniert nicht, im Gegenteil, Taehyun verkrampft noch mehr und bringt nur ein jämmerliches Quieken hervor als Seungri erneut voller Inbrunst seinen Text aufsagt.
"Junge, was ist denn los?", ruft die Regisseurin. "Sitzt deine Strumpfhose zu eng?"
Wieherndes Gelächter kracht von allen Seiten gegen Taehyun, bis er selbst prusten muss, doch mit der Heiterkeit stürzen sich auch zwei, drei Tränen aus seinen Augen und bevor er richtig weiß, was geschieht, sitzt Seungri plötzlich vor ihm und haut ihm lachend auf die Schulter.
"Kopf nach vorn", zischt er ihm zu und presst ihm die Hand in den Nacken, bis Taehyun sich auf einmal seine eigenen nylonbestrumpften Knie näher ansehen muss. "Dann verläuft der Mascara nicht so stark."
Dann lacht Seungri weiter und räuspert sich affektiert, tätschelt Taehyun den Rücken und zieht eine herrliche Show ab.
"Also das passiert mir ständig", schnarrt er, "dass die Mädels dann einfach nicht wissen, was sie sagen sollen, ich bin ja auch einfach ein umwerfender Typ!" und so weiter, in einer Tour, bis das ganze Filmteam dröhnend lacht und die Regisseurin nach fünf Minuten Pause und dann nach "Contenance!" schreit.
Taehyun starrt verbissen auf seine Knie, während in seinem Kopf alles durcheinander schreit. Seungri hat ihm einen Tipp gegeben, wie man sein Makeup nicht wegheult.
Das bedeutet, dass Seungri auch schon mal in voller Montur geheult haben muss und nicht wollte, dass jemand es mitbekam. Oder vielleicht hat jemand, den Seungri kennt, geweint? Seungri kennt viele Leute. Unter anderem G-Dragon und Top und Taeyang und CL und Park Bom und Taehyun schwirrt der Kopf, wenn er daran denkt, dass all diese Berühmtheiten möglicherweise schon mal geflennt haben und es verstecken wollten.
Taehyun schüttelt den Kopf und holt ein paar Mal tief Luft, ehe er sich ganz vorsichtig von Seungri losmacht, der ihm die ganze Zeit wie beiläufig über die Schultern gestreichelt hat.
"Geht's wieder?", fragt Seungri.
"Hm", macht Taehyun und zuckt dann zusammen, als ihm seine Manieren wieder einfallen. "Ja. Entschuldigung. Ich werde mich besser benehmen."
Seungri blinzelt, als habe Taehyun ihm gerade erzählt, welches Auto seine Oma fährt, dann nimmt er die Mütze ab und beugt sich verschwörerisch nah an Taehyuns Ohr heran. Im allgemeinen Gewusel der Lichttechniker und Mikrofonhalter geht ihr Geflüster wunderbar unter, doch Taehyun überkommt trotzdem eine Gänsehaut.
Er ist ein Wrack.
Seit Tagen schon. Seit er in Mädchenklamotten rum läuft und Mino ihm andauernd Komplimente macht, wenn sein Blick über Taehyuns Taille auf seine entblößten Beine rutscht. Wenn er ihn bei ihren gemeinsamen Szenen anfasst und seine Hände viel länger auf seinem Körper liegen lässt als notwendig und Taehyun nicht weiß, ob Mino nur Makeup, Haar und Röcke streicheln will, oder... ja, oder etwas anderes vielleicht, wie Taehyuns schmalen Brustkorb, seine noch schmaleren Hüften und knubbeligen Knie.
Er weiß es nicht. Er will es auch nicht wissen, und verbietet sich daran zu denken und hofft, dass er es irgendwann eklig finden wird, wenn Mino ihn berührt und ihm einen Kuss auf die Wange drückt.
"Woran liegt's denn?", murmelt Seungri da. Sein Atem ist warm und er riecht gut, nach Aftershave und irgendeinem Starbucks-Getränk mit Zuckerperlen drauf. "Du kennst das hier alles doch und du kennst doch auch mich. Du magst mich doch, oder?"
Taehyuns Herz setzt aus und er krallt eine Hand in seinen Rock und die andere in den Sofabezug. Sag was, schießt es ihm durch den Kopf. Sag irgendwas, mach es nicht peinlich, sag was!
"J-ja", macht Taehyun und schaut auf seine Hand, die den Rock malträtiert. Der gespannte Stoff über seinen Oberschenkeln erinnert ihn an Pornos, die er bereut, angeschaut zu haben, mit Frauen in Schulmädchenuniformen und weit geöffneten Mündern und Taehyun möchte sterben. Die Extensions kleben in seinem Nacken wie feuchte Lianen, er spürt das Haarband auf seinem Kopf, das ihm Blut und Luft abschnürt und einen Moment lang starrt er Seungri an und atmet ihm nur gegen die Wange.
Seungris Arm legt sich um seine Schultern, er zieht Taehyun noch näher an sich, flicht seine Finger in das stumpfe braune Haar. Taehyun beginnt zu zittern und presst die Beine fest zusammen, reißt sich zwei Nägel ein, weil er am Sofa kratzt, als wolle er in die Füllung kriechen.
"Ist doch alles gut", sagt Seungri und lächelt, Katzenaugen, Katzengrinsen, rosa Lippen, schwarzes Haar, vier Jahre älter und zehn Jahre mehr Erfahrung im Business.
Er ist Taehyun so nah und schlagartig rast ein Bild durch Taehyuns Kopf. Ein Sexbild. Wie Seungri ihn mit beiden Händen aufs Sofa drückt, seine Knie umfasst und ihm den Rock hochschiebt, sein Mund an Taehyuns Bauch auf dem Weg nach unten und Taehyun würde ihn machen lassen, er würde stöhnen und sich die Hand in den Mund stopfen, und aus irgendeinem Grund hätte er Tränen in den Augen, die Seungri aber nicht sehen dürfte. Und dann würden sie es machen, hier im Büro vom Boss und Taehyun würde sich die Strumpfhose zerreißen genau wie seine Bluse und der Rock wäre fleckig, von ihm selbst, von Seungri nicht, denn Seungri weiß, wie man sich beherrscht, nur Taehyun nicht und die Tür würde sich öffnen und Mino stände davor, angewidert und entsetzt und voller Hohn.
Seungri sitzt immer noch vor ihm und seine Augen flackern zu Taehyuns Mund und dann zu seinen Händen hinunter, die den Rock verknautschen und Taehyun möchte aus allen zehn Lagen und seiner eigenen Haut rausspringen, weil er sich so widerlich fühlt. Die Tränen sind wieder da und Taehyun beugt den Kopf nach vorn, wie Seungri es ihm gesagt hat, weil er ein guter Junge ist und auf Ältere hört und weil er nur noch den Teppich mit dem komischen Blumenmuster sehen will.
"Dir geht's wirklich nicht so gut", sagt Seungri dann, völlig perplex und Taehyun tut alles so schrecklich leid, doch das Zittern, das zwischen seinen Beinen angefangen hat, rast bis zu seinen Schultern hinauf, wirft seinen Kopf hin und her und lässt ihn schließlich den Mund öffnen und ein lang gezogenes, entsetzlich jämmerliches Stöhnen von sich geben.
Schlagartig kehrt am gesamten Set Stille ein. Irgendwem fällt eine Wasserflasche aus der Hand, doch Taehyun kann nichts machen. Seine ganze Welt ist das Brennen unter seinen Fingern und die dunkelblaue Fadenblume vor seinen Augen, er bebt in Seungris Armen und wenn er etwas sagen will, kommt nur das Tiergeräusch aus seinem Mund, bis er sich sicher ist, ein Werwolf zu sein. Sein Sichtfeld wird dunkler. Die Blume entfernt sich von ihm, wird kleiner, versteckt sich hinter dem Couchtisch und unter Seungris Schuhen und erst da merkt Taehyun, dass er auf die Füße gezogen wurde. Hände landen auf seiner Taille, aber es ist nicht Minos Hand, er würde ihn nicht anfassen, Taehyun stolpert zwei Schritte nach vorne, weil ihn jemand zieht.
"Er hat nur Bauchweh!", ruft jemand. "Komm mit, komm, wir gehen ins Bad, beweg dich..."
Der Werwolf sagt ja, und Taehyun wird halb gezogen, halb getragen, sieht Farben, Flure, Gardinen, weiße Bilderrahmen und schließlich weiße Kacheln mit Marmorierung, als sie in den Toilettenräumen ankommen. Ein großer Spiegel ragt gegenüber der Tür auf und daraus hervor schauen Seungri und ein kalkweißes Mädchen.
Kein Werwolf.
(Und das Mädchen ist Taehyun selbst.)
"Komm her, Kleiner, ist alles gut", wiederholt Seungri, doch Taehyun starrt sein Spiegelbild an, auch als Seungri ihm ein kaltes Tuch ins Gesicht klatscht. Wasser läuft in seinen Kragen, über sein Unterhemd und verläuft sich irgendwo auf seinem Bauch. Seine Finger, die er immer noch schmerzhaft gegen seinen Schritt presst, berührt es nicht.
Der Spiegel verschwindet plötzlich, als Taehyun auf den Boden fällt und Seungri ihn auffängt. Seine Jacke liegt als Kissen zusammengeknüllt auf den Fliesen, Taehyun rutscht fahrig darauf hin und her. Er kann immer noch nicht reden, doch was soll er schon sagen, während er auf dem Rücken im Badezimmer liegt und Seungri dabei zuschaut, wie er ihm die Schleife am Kragen aufreißt und die Knöpfe der Bluse öffnet.
Will er es hier machen?, denkt Taehyun. Hier ist es kalt. Warum hier?
Taehyun windet sich und schlägt gegen Seungris Hände, er will nicht mehr, er hat es nicht so gemeint, er weiß nicht, warum er das gedacht hat, es tut ihm leid, kann Seungri ihn gehen lassen, bitte...
Seungri fängt seine Hände ein und presst sie gegen seine Brust. "Du musst atmen, Taehyun. Tief Luft holen. Nein, lass die Augen auf, schau mich an, du musst atmen, weiter, komm schon, atmen, atmen, atmen."
Und Taehyung atmet. Er ist ein guter Junge, er macht, was ihm Ältere sagen. Und er atmet, atmet, atmet, bis er nach dem dritten Mal tatsächlich spürt, wie Luft in seine Lungen strömt.
"Gut gemacht", sagt Seungri. Taehyun sieht ihn wie durch eine Lupe. Schweiß steht ihm auf der Stirn und auf der Oberlippe und das Lächeln, was er Taehyun zuwirft, zerrt seine Lippen zurück, bis er alle Zähne zeigt.
"Du bist auch ein Werwolf", sagt Taehyun und Seungri runzelt die Stirn. "Genau..."
Die Tür geht auf und ein Paar schwarzgoldene Schuhe mit Nieten geraten in Taehyungs Blickfeld.
"Seungri, wo steckst... was zum Teufel?!"
Taehyun kennt die Stimme und als sich ein schöner, junger Mann mit dunklen, geschwungenen Brauen über ihn beugt, fällt ihm auch der Name ein.
"G-Dragon."
"Der einzig wahre", erklärt G-Dragon völlig beiläufig, als würde er einem Barista die Bestellung bestätigen und genau wissen, dass sich keiner wagen würde, sie zu versauen. "Was hast du angestellt, Seungri?"
Dann passiert etwas völlig Unvergleichliches und Taehyun ist sich nicht sicher, ob er vielleicht eingeschlafen ist und alles nur noch träumt. Seungris Selbstbewusstsein schmilzt nämlich von ihm ab, seine Augen werden groß und er schiebt die Unterlippe vor. "Gar nix, hyung, ich hab gar nix gemacht!"
"Hier liegt ein Junge in einer Schulmädchenuniform auf dem Fußboden im Badezimmer und sabbert in meine Lederjacke, die ich dir vor zwei Monaten ausgeliehen habe! Und du willst mir erzählen, dass nichts passiert ist?"
"Wir haben gedreht!", schreit Seungri. Er sieht völlig aufgelöst aus und fuchtelt mit den Händen und Taehyun fragt sich, wie er vorher so ruhig und beherrscht bleiben konnte. "Ich hab doch erzählt, dass ich mit den Winner-Jungs für ihre Show drehe, hyung, du hörst mir nie zu, das ist so gemein von dir, ich..."
"Seungri." G-Dragon verschränkt die Arme vor der Brust und wippt ungeduldig mit dem Fuß. "Ich weiß von dem Dreh, aber ich will wissen, was passiert ist, du Null."
"Er ist zusammengeklappt. Panikattacke oder sowas, ich hab der Filmcrew gesagt, ich kümmer mich um ihn, wir müssen heute noch fertig werden."
"Wo ist sein Manager?"
"Bereits unterwegs. Sie haben woanders gedreht und sind auf dem Rückweg."
Seungri bringt die letzten Worte in einem einzigen Schwall hervor und mit jeder Sekunde, in der er hektischer wird, kann Taehyun plötzlich leichter atmen. Vielleicht ist er doch kein Werwolf, sondern ein Vampir. Er fährt mit der Zunge über seine Eckzähne, während G-Dragon sich den Handrücken gegen die Stirn presst und gequält seufzt.
"Das hast du gut gemacht, Seungri", murmelt er und Seungri springt auf wie ein Welpe. Er ballt die Fäuste und strahlt G-Dragon an. "Wirklich, hyung? Ich mein, ich hab mir Mühe gegeben, oh ja, und es geht ihm auch schon fast wieder gut, nicht wahr, Taehyun?"
"Ich bin kein Vampir", sagt Taehyun.
"Gut erkannt", erwidert G-Dragon. Er lächelt milde und hockt sich auf den Fußboden, ganz nah an Taehyun heran, doch bevor er etwas sagt, hebt er nochmal den Kopf und nickt zur Tür. "Warte unten auf den Manager, Seungri. Ich bleibe hier."
"Okay, hyung. Danke, hyung."
Seungri wirft einen Blick auf Taehyun und ist dann wie ein geölter Blitz zur Tür hinaus und Taehyun spürt plötzlich eine Hand auf seiner Wange.
"Fieber hast du nicht", sagt G-Dragon. "Immerhin."
Eigentlich sollte es ihm peinlich sein, schießt es Taehyun plötzlich durch den Kopf. Weil ihm alles peinlich war in den letzten paar Tagen, die Röcke, die Blicke, ihr bescheuertes Skript, dass er zusammengebrochen ist, und jetzt in einer kaputten, schmutzigen Uniform auf dem Badezimmerfußboden liegt, und sich G-Dragon um ihn kümmern muss.
Aber Taehyun kann nicht mehr. Schlimmer kann es einfach nicht mehr kommen, denn nichts wird je wieder so entsetzlich peinlich sein wie das hier.
"Tut mir Leid", nuschelt er und schmiegt seine Wange ein klitzekleines bisschen näher gegen G-Dragons Hand. "Ich kann schon wieder aufstehen."
"Bist du nicht müde?", fragt G-Dragon da und Taehyun klappt der Mund auf. Natürlich ist er müde. Ihre ganze Industrie ist dauermüde, aber gewinnen können nur die, die trotzdem weitermachen.
"Nein", antwortet Taehyun. Ein anderes Wort ist nicht erlaubt. G-Dragon legt nur den Kopf schief und verengt die Augen zu Schlitzen.
"Ich mag es nicht, wenn du lügst", erklärt er. Es könnte ein sehr bedrohlicher Satz sein, doch Taehyun schwebt über allem und die Hand auf seiner Wange streichelt ihn ganz liebevoll.
"Ein bisschen", antwortet er also. Schlimmer kann es nicht mehr werden, wirklich nicht, aber er flüstert trotzdem.
"Was macht dich müde?"
Eine schwere Frage, wie Taehyun findet und eine, auf die er nicht sofort eine Antwort weiß. Doch G-Dragon streichelt ihn weiter, reibt ihm die Schultern und die Brust, bis die Wörter sich ganz langsam aus ihm heraus trauen.
Und dann erzählt Taehyun von Kleidern, von Minos Fingern, von Seungyoons Tränen, als der Boss seine Songs nicht anhören wollte, von der Enge in ihrem Zimmer, von den entsetzlichen Dingen, die auf Naver und anderen Klatschseiten stehen, von seiner eigenen großen Klappe, die ihn immer wieder in Schwierigkeiten bringt, weil er gern nett und lieb wäre, aber stattdessen faucht und beißt und weil er Angst hat, so viel Angst, dass sie ihm wahrscheinlich jeder ansehen kann, der ihm nur eine Sekunde lang in die Augen schaut, von der Scham, die seinen Bauch ausfüllt, weil er all diese Gedanken hat und weil er trotzdem an all dem hängt, am Singen, an seinen Freunden, an ihrem ganzen Leben, auch wenn er zu schwach dafür ist.
Irgendwann fällt ihm nichts mehr ein und G-Dragon stellt auch keine Fragen mehr, sondern betrachtet ihn nur mit dunklen, wachsamen Augen. Taehyun dreht den Kopf weg. Sein Körper kommt langsam wieder zu sich, beschwert sich über die kalten Fliesen im Rücken und seinen trockenen Mund, doch Taehyun will sich nicht um ihn kümmern. Er hat ihn immerhin im Stich gelassen, obwohl es dafür überhaupt keinen Grund gab.
Er überlegt, ob er versuchen soll, aufzustehen, doch dann wird erneut die Tür aufgestoßen und Taehyun starrt in das entsetzte Gesicht seines Managers hinauf.
"Junge", sagt der und dann verschlägt es ihm die Sprache, als er G-Dragon ebenfalls auf dem Fußboden sieht, wie er lässig winkt.
Taehyun interessiert es nicht. Seine Augen hängen an seinen Bandkollegen, die sich zu viert durch die Tür quetschen, alle mit offenen Mündern und besorgten Schreien.
Das letzte, was Taehyun sieht, ist Mino, der wie in seinem Tagtraum im Türrahmen steht und ihn anstarrt - angewidert und höhnisch, wie Taehyun glaubt, doch bevor er genauer hinschauen kann, rollen ihm die Augen nach hinten und er darf endlich, endlich in Ohnmacht fallen.
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Date: 2016-07-04 09:03 pm (UTC)Und ich brauche definitiv eine Fortsetzung, in der Taehyun feststellt, dass Mino in ganz sicher bestimmt überhaupt nicht angewidert und höhnisch angeguckt hat!
no subject
Date: 2016-07-05 04:41 am (UTC)no subject
Date: 2016-07-05 02:03 pm (UTC)