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Team: Hufflepuff
Challenge: Hurt/Comfort – Bitte geh nicht - fürs Team
Fandom: Zootopia – Nick Wilde/Judy Hopps (darf ich für Zootopia auch noch ein Tag bekommen?)
Titel: Vom Hasen, der sich einen Fuchs fängt
Inhalt: Judy redet mit Finnick, um Nick zu finden.
Anmerkung: Spoiler für den gesamten Film! Wildehopps 4 life!!! Der



Vom Hasen, der sich einen Fuchs fängt

"Ich muss Nick finden. Bitte."

Judy weiß selbst, dass sie absolut gar nichts mehr in der Hinterpfote hat. Sie steht vor Finnicks grell-geschmacklos bemaltem Bus, atmet Staub und den sauren Geruch von Gossenpisse ein und starrt Finnick so intensiv an, dass ihr gleich die Augen aus dem Schädel rollen werden.

Finnick starrt zurück, den Baseballschläger hoch über seine sandfarbenen Ohren gehoben. Wenn er ihr die Tür vor der Nase zuschlägt, dann wird Judy nochmal anklopfen und ihm solange auf die Nerven gehen, bis er ihr weiterhelfen muss und sei es nur, damit sie endlich die Klappe hält. Darin ist sie gut und diesen Plan hat sie sich auf der ganzen Autofahrt hierher zu recht gelegt.

Womit sie nicht gerechnet hat, ist der Baseballschläger in Finnicks Krallen. Sollte er beschließen, ihr den Schädel zu spalten, hofft Judy, dass sie sich früh genug ducken kann, um ihm den Schläger zu entreißen, Finnick am Kragen aus seinem Bus zu zerren und ihm dann auf die Nerven zu gehen, bis er ihr hilft.

Sie erkennt da ein Muster in ihrer Vorgehensweise, doch sie hat keine Zeit darüber nachzudenken und sich möglicherweise Vorwürfe zu machen, denn Finnick lässt den Schläger sinken und rülpst ihr einen Schwall Billiglimoduft ins Gesicht.

"Du traust dich was", schnauft er und wischt sich grinsend den Mund ab. "Hast kein Hirn aber Arsch in der Hose. Gefällt mir."

Er lacht bellend auf und Judy seufzt kaum hörbar und entspannt ihre Oberschenkel, die hartnäckig unter ihrer alten Jeans vibrieren und sie anflehen, endlich wegzulaufen.
Finnick macht einen Schritt zur Seite und Judy hüpft in den Bus hinein. Sie schaut zu, wie er zwei eindeutig nicht legal aussehende Köfferchen unter ein Sofa zu seiner Linken tritt, und ihr dann mit einem Kopfnicken bedeutet, Platz zu nehmen. Die Luft hier drin ist noch übler als draußen, so als hätte Finnick altes Grillfett zum Marinieren verfaulter Eier verwendet und das Ganze mit Schweißsocken umwickelt. Judy beißt sich fest auf die Zunge, um nicht auf eins der vielen Sofakissen mit dem Aufdruck "Verkäufer des Jahres – Kleinteppiche" zu kotzen.

"Ich will dich gar nicht lang behelligen", haucht Judy. "Ich möchte nur wissen, wo Nick steckt, dann bin ich auch schon wieder weg." Sie atmet so wenig wie möglich durch die Nase, aber es bringt nichts, der Geruch setzt sich auf ihrer Zunge und zwischen ihren Zähnen fest. Wahrscheinlich wird ihr nichts anderes übrig bleiben, als ihre Klamotten zu verbrennen und sich am besten noch das ganze Fell vom Körper zu rasieren.

Alles für die Kunst, denkt Judy und richtet ihren Blick auf Finnick, der vor einem giftgrünen Minikühlschrank steht. Sein buschiger Schwanz tanzt wie eine Feiertagsgirlande hin und her.

"Also, wenn du mir nur kurz sagen könntest, wo…"

Finnick unterbricht sie, indem er zwei Flaschen Limo aus dem Kühlschrank zieht und "Haha!" schreit.

Judy springt fast durchs Autodach. Sie hätte nicht gedacht, dass ihr die paar Tage auf dem Land bei ihren Eltern so sehr die Großstadt aus den Knochen treiben würden, dass sie wieder genau so leicht zu erschrecken ist, wie zu Beginn ihrer Ausbildung zur Polizistin. Was für ein Chaos, denkt Judy und als Finnick ihr die Limo reicht, kommt es ihr nicht einmal mehr in den Sinn, sie höflich abzulehnen. Man soll keine Nahrungsmittel von potentiellen Verdächtigen annehmen (und so jemand wie Finnick ist ständig für irgendwas ein potentieller Verdächtiger), aber Judy ist keine Polizistin mehr und außerdem hat sie Durst und drittens wird sie gleich anfangen, vor dem Wüstenfuchs zu heulen, wenn sie ihrem Mund nicht sofort etwas zu tun gibt.

"Danke", sagt sie, dann setzt sie die Flasche an, legt den Kopf in den Nacken, bis ihre Ohren bis zur Sitzfläche der Couch runterfallen, und trinkt das giftgrüne Zeug auf Ex.

"Alle Achtung." Finnick pfeift durch die Zähne, als Judy die Flasche in Ermangelung eines Couchtisches auf den Boden knallt. "Dir geht’s wirklich nicht so gut, oder?"

"Blendend geht’s mir", sagt Judy – und rülpst. Ein Kichern erfasst sie, und sie hält sich die Hand vor den Mund. Wenn sie so weitermacht, wird sie in zwei Wochen sämtliche Banken überfallen und ein höchst kriminelles Leben am Rande der Gesellschaft führen.

Immer noch besser als Karottenfarmen.

"Hm", sagt Finnick. "Nicky geht’s beschissen."

Judy nickt. "Ich weiß, er ist sauer auf mich und er hat jedes Recht dazu. Ich hab ihm wehgetan und ich weiß auch, dass er mich wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen will, aber ich brauche seine Hilfe. Nur ein letztes Mal, dann lass ich ihn in Ruhe, versprochen, also, wenn du mir nur…"

"Er ist nicht sauer", sagt Finnick. "Er ist traurig."

"W-was?"

"Er heult rum."

"Aber… warum?"

Finnicks Hände krallen sich auf einmal um den Flaschenhals und er wirft Judy einen sehr hässlichen Blick zu. "Weil du ihm erst den Kopf verdreht und dann das Herz gebrochen hast, du dämliches Karnickel!"

Es gibt einige Dinge, die Judy jetzt sagen könnte. Zum Beispiel, dass sie eine Häsin ist und kein Karnickel, und es unhöflich und fast schon speziestisch ist, das zu verwechseln und dass man sowieso nicht mehr Karnickel sagen sollte.

Aber sie kriegt kein Wort raus und starrt stattdessen nur Finnick an, der so aussieht, als würde er gleich aufstehen und Judy doch noch mit dem Baseballschläger vermöbeln wollen.

"Was meinst du damit?", fiept sie. Die Limo schlägt heiße Wellen in ihrem Bauch und sie spürt, dass sie erneut aufstoßen muss, doch ihre Kehle ist wie zugeschnürt.

"Was soll ich schon groß meinen", murmelt Finnick. Er schaut sie immer noch nicht an. "Unser Nickie ist ein sentimentaler Sack und hat sich in dich verknallt. Und dann gehst du hin und erzählst im Nationalfernsehen irgendeinen Mist von gefährlichen Raubtieren! Mir wär das ja egal, euch Nagern kann man ja sowieso nicht vertrauen, aber Nickie hat wirklich geglaubt, dass… ach, was erzähl ich dir hier eigentlich." Mit einem Stöhnen unterbricht Finnick sich, trinkt den Rest seiner Limo und verschränkt dann mürrisch die Arme vor der Brust.

"Ja, was erzählst du mir hier eigentlich", wiederholt Judy, aber sie hört weder sich selbst noch Finnick richtig zu. Ihr schwirrt der Kopf. Sie glaubt Finnick an normalen Tagen eigentlich kein Wort und es wäre ihr viel lieber gewesen, wenn er ihr erzählt hätte, dass Nick nie wieder ein Wort mit Judy oder irgendeinem anderen Hasen auf dieser Welt wechseln würde. Sie hat alles so gründlich vermasselt, als wäre sie ein Mafiaboss mit einem Plan, die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Nick hat etwas Besseres verdient. Jemandem, der nett zu ihm ist und über seine bekloppten Witze lacht und jemand, der erkennt, dass unter seiner frechen, sarkastischen rücksichtslosen Schale ein liebenswerter und idealistischer Kerl steckt, der viel öfter knuddeln will, als er es wahrscheinlich darf.

Judy darf davon nichts mehr machen, nicht nachdem sie Nick vor der ganzen Stadt als Killer bezeichnet hat. Sie hätte es aber gerne getan, wie ihr soeben klar wird, auf der hässlichen stinkenden Couch im Inneren von Finnicks Lieferwagen.

Es gibt wahrscheinlich schönere Orte, um zu begreifen, dass man sich in einen kleinkriminellen Fuchs verguckt hat, aber vielleicht passt sich Judys Umgebung auch ihrem aus den Fugen geratenen Leben an.

Ihr Herz stolpert und nimmt dann Anlauf, um ihr direkt in die Kehle zu springen und Judy weiß nicht mehr, ob sie vor Angst oder vor dem rosarot eingerahmten Gefühl der Verknalltheit keine Luft mehr bekommt.

Egal, was es ist – sie hat keine Zeit dafür.

"Ich muss das in Ordnung bringen", sagt sie zu Finnick. "Sag mir, wo Nick steckt."

"Dir sag ich gar nichts", schnauzt Finnick zurück, aber er lässt die Ohren hängen und er schaut Judy nicht feindselig sondern nur unendlich müde an. "Echt mal, Häschen, geh nicht zu ihm. Du hast ihm schon genug wehgetan."

"Hast du Sand in den Ohren? Ich will ihm helfen."

"Ach ja? So wie du ihm geholfen hast, als du sagtest, dass er und ich und alle anderen mit ein bisschen spitzeren Zähnen wandelnde Zeitbomben sind?!"

Finnick ist von seinem Hocker aufgesprungen. Seine Krallen zittern und erst jetzt im Halbschatten und Mief des Lieferwagens fällt Judy auf, wie entsetzlich fertig Finnick aussieht. Sein Fell ist stumpf und seine Augen huschen wie besessen hin und her, als hätte er seit Tagen nicht mehr richtig geschlafen. Vielleicht gibt es einen Grund dafür, dass Judy durch die ganze Stadt rennen musste, um seinen Bus zu finden und vielleicht hat dieser Grund viel weniger mit der Vermeidung von Strafzetteln und viel mehr mit einer Meute von verängstigten Tieren zu tun, die wild um sich schlägt, noch bevor irgendetwas geschehen ist, ob gut oder schlecht.

Wieso sieht sie das erst jetzt, fragt sich Judy. Warum denkt sie erst jetzt daran, dass Nick vielleicht nicht nur deshalb unauffindbar ist, weil er sich vor Judy versteckt sondern weil er um Leib und Leben fürchtet? Sie ist die schlechteste Polizistin der Welt, nein, sie ist die schlechteste Häsin und vielleicht sogar das allerallerschlimmste Tier der Welt und wenn sie nicht gerade erst von ihren Eltern käme, würde sie aufstehen und sofort wieder wegrennen.

Aber Judy Hopps rennt nicht mehr weg. Sie hatte lang genug Zeit, um in ihrem alten Zimmer zu liegen und der Decke all die Vorwürfe zu erzählen, die sie auffressen.

Die Decke hat nicht geantwortet. Niemand hat ihr geantwortet, bis Judy endlich wieder Hoffnung aus blauen Blumen schöpfen konnte und sie wird sich nicht schon wieder vertreiben lassen, nicht von Finnicks Wut, die nur aus Angst besteht und wahrscheinlich auseinander bricht, wenn Judy nur eine einzige schnelle Bewegung macht.

"Finnick", sagt Judy und sie lächelt. Zum ersten Mal seit Tagen fällt es ihr wieder leicht. "Ich weiß, dass ich Mist gebaut habe."

"Scheiße triffts wohl eher", keift Finnick, doch er lässt sich schon wieder auf seinen Hocker fallen.

"Wohl wahr", sagt Judy. "Aber ich krieg das wieder hin. Ich muss. Für Nick und für alle anderen Raubtiere."

Finnick schüttelt den Kopf. "Du schaffst das niemals."

"Doch."

"Ach Hase, du bist so naiv."

"Vielleicht. Aber ich bin auch die Einzige, die gerade etwas ändern will."

Daraufhin fällt Finnick nichts mehr ein und er schaut auf seine Krallen hinunter. Ein letztes Mal wirft er sich Judy entgegen, aber sie spürt, dass er jede Sekunde nachgeben wird.

"Wenn ich nochmal sage "Bitte geh nicht zu Nick", hörst du dann auf mich?", fragt Finnick.

"Du würdest Bitte sagen?"

"Treibs nicht zu weit!"

Judy zwinkert. "Vertrau mir einfach."

"Merkst selbst, wie bescheuert das klingt, oder?"

"Klar. Aber ich kann es wohl kaum noch schlimmer machen, oder?"

Finnick macht den Mund auf – und klappt ihn dann sofort wieder zu. Er scheint ernstlich darüber nachzudenken.

Sie hat ja Recht, auch wenn es ihr nicht gefällt, sagen zu müssen, dass das ganze Chaos, das Feuer und die Angst in Zootopia ihre Schuld sind. Aber Judy Hopps ist niemand, der vor Herausforderungen wegläuft und deswegen ballt Judy die Fäuste und steht von Finnicks hässlichem Sofa auf und holt tief Luft.

"Ich jag mir jetzt einen Fuchs", sagt sie.

Ein paar Sekunden lang schaut Finnick sie nur an, dann stöhnt er wie von heftigen Kopfschmerzen geplagt und zerrt sein Handy aus der Tasche.

"Ich fass es nicht", mault er. "Aber ich helf dir und sei's nur, weil ich Nicks verdammte Liebeskummer-Playlist nicht mehr ertrage. Verdammtes Karnickel. "

"Hase."

"Was auch immer."

Dann ruft Finnick Nick an, um rauszufinden, wo er steckt und Judy Hopps wird der erste Hase sein, der sich einen Fuchs fängt.

(Sie heult zwar dabei – aber das macht nichts. Nick ist da und hält sie fest.)

Date: 2016-07-03 07:08 pm (UTC)
From: [identity profile] ayawinner.livejournal.com
JDFKSDJF OH GOTT OH GOTT WIE WUNDERVOLL DAS IST, die beiden sind ja sowieso schon die allerzuckersüßesten Häschen (Häschen by proxy, Nick, okay, es ist ein Kompliment), und dann muss sich Judy auch noch von diesem fiesen kleinen ... was auch immer Finnick überhaupt ist sagen lassen, dass Nick Liebeskummer hat, oh Goooott oh Gott, mein armes Herz.

Ich mag die ganze Atmosphäre, die du da in diesem Liefer?Wohn?wagen schaffst, total gerne, das klingt schon richtig schmierig und eklig, urgh, ich habe wirklich gehofft, Judy würde die Limoflasche dankend ablehnen. Bäh. Und was mir auch besonders gut gefällt ist Judys Gedankengang, dass sich ihre Umgebung ihrem aus den Fugen geratenen Leben anpasst. DAS. IST. SCHÖN. :)))

Und dass du mich bei "Hinterpfote" schon hattest mit dieser Fic habe ich dir ja schon gesagt. Sag ich dir aber gerne nochmal :D

"Ich jag mir jetzt einen Fuchs", sagt sie.
MEIN HERZ. Judy auf Fuchsjagd. (Liebevoll natürlich, nicht englisch.)

Awww ♥

Date: 2016-07-03 07:32 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
"Weil du ihm erst den Kopf verdreht und dann das Herz gebrochen hast, du dämliches Karnickel!"

MEINE GEFÜHLE!!!!!!!!!!!!!!!!
WHY WOULD YOU!!

Und ja, omg, Nick war SO VERKNALLT IN JUDY, SO VERKNALLT, OMG JA!

O M G, der Film war so toll - SOOOO TOLL! Und ich shippe Nick und Judy so HART! *___*
Das ist so niedlich und herzzereißend und aaaaaaaah! Nicky.... ;_; Nicht doch! Wein doch nicht!
Und protective baby!Wüstenfuchs!Finnick (okay, baby - hahaha XD)! ;_; Meine Gefühle!

Das war wunderhübsch und ich liebe alle und Judy muss das alles wieder gut machen1 ;_; Okay, hat sie ja - Gott sei Dank! *_*
Gah, ist das niedlich! ;_; Und tragisch!

Date: 2016-07-17 09:05 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Hach, endlich konnte ich das auch lesen! Weil ich endlich den Film gesehen habe - yeah! Wahrscheinlich in der letzten Woche, die er läuft, aber immerhin ;)

Und es ist wunderbar <3

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