ext_114511: (Default)
[identity profile] schwarze-elster.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Gryffindor
Fandom: Original
Challenge: Horror/Thriller - Leiche im Keller (fürs Team)
Personen: -
Wörter: ~720
Warnung: -
Anmerkung: Ja, ich hab versucht Horror zu schreiben. Keine Ahnung, ob mir das gelungen ist.


„Hey, bist du immer noch im Keller?“ Ihre Stimme klang die Treppe runter, müde. Sie schon im Bett gewesen und dann noch mal aufgestanden, nachdem er so lange nicht aufgetaucht war. Keine Reaktion, aber sie konnte Musik hören, ein schwerer Bass, unmelodiös. Wahrscheinlich hatte er sie nicht gehört. Sie ging die Treppe vorsichtig hinunter, eine Hand an der Wand, die andere fest am Geländer, die Stufen unter ihren Füßen steil und uneben, die Kanten abgenutzt und abgeschliffen von Generationen von Füßen. Sie mochte den Keller nicht, graue Steinwände getaucht in kaltes Licht. Nachdem sie eingezogen waren, hatte er die alten kaputten Neonröhren durch LEDs ersetzt. Das Licht war schwach und flackerte. Kaum merklich, sehr schnell, ein irritierendes flimmern im Augenwinkel. Er hatte gesagt, dass er das Flackern nicht sehen könne, aber manche Leute wären empfindlich. Er könne einen Dimmer einbauen, das könnte helfen, wenn es sie störte. Nicht so schlimm. Nicht so, als würde sie viel Zeit auf der Kellertreppe verbringen.
Das Licht im Hobbyraum war besser, wärmer, sehr hell. Hinter der Tür eine Wand aus Lärm. Marilyn Manson. Es roch nach Kleber, aber nicht zu sehr. Er hatte einen Klimaanlage in das einzige winzige Fenster eingebaut, auch um den Raum trocken zu bekommen. Ein Regal mit Marmeladengläsern, Wurst, eingewecktem Gemüse, Wein, eine riesige Tiefkühltruhe und der Tisch mit seinen Modellen. Feingliedrige Gebäude aus Holz und Papier. Er hatte eine Vorliebe für Renaissancearchitektur, aber zur Zeit arbeitete er an einem Modell des Taj Mahal, zwei der vier hohen Türme standen schon, filigran und zerbrechlich, ein Gegensatz zu der wütenden Musik. Er hatte sich nicht umgedreht, als sie hereingekommen war, sein Rücken zur Tür, seine Hände ruhig. Sie wartete, bis er nicht mehr direkt am Modell arbeitete, bevor sie ihm eine Hand auf die Schulter legte. Er zuckte zusammen, schien einen Moment zu erstarren, bevor er sich zu ihr umdrehte und lächelte.
„Oh. Es ist spät“, sagte er, bevor er einen Blick auf seine Armbanduhr warf und das Gesicht verzog. „Tut mir leid.“
Sie zuckte die Schultern während er ein paar Sachen zusammenräumte und die Musik ausmachte. Der Ventilator der Klimaanlage und das Kühlaggregat des Tiefkühlers waren plötzlich laut in dem stillen Raum. Er fing an, seine Brille zu suchen und sie kam näher, nahm sie ihm vom Kopf, wo er sie hochgeschoben und dann vergessen hatte, und setzte sie ihm auf die Nase. „Danke.“ Er grinste schief und gab ihr einen Kuss auf die Nasenspitze, dann auf den Mund, seine Hand in ihrem Haar, gepresst an der Seite ihres Halses. „Okay, lass uns hochgehen.“
Sie schaltete das Licht aus und wollte gerade die Tür schließen, als er sagte: „Hast du das gehört?“
„Nein. Da war nichts. Komm schon.“ Das Licht im Flur schien noch schwächer, nachdem sich ihre Augen an das hellere Licht im Zimmer gewöhnt hatten. Sie blinzelte vergeblich gegen das Flackern an.
Er zögerte und sie nahm seine Hand in ihre und er folgte ihr die Treppe hoch. Nur noch drei Stufen, dachte sie, als er plötzlich stehen blieb.
„Da war es wieder“, sagte er, sein Blick über das Treppengeländer auf die Zimmertür geheftet. Seine Stimme war ruhig, sachlich. „Sie ruft mich. Die Leiche im Tiefkühler.“
Er schaute sie an, abwartend, unsicher, wie sie reagieren würde. Sie schüttelte den Kopf. „Da ist keine Leiche“, sagte sie bestimmt. „Wir sollten schlafen gehen, es ist spät.“ Sie zog seine Hand näher, an ihr Gesicht, küsste seine Finger. „Komm schon.“
Er bewegte sich nicht, wich ihrem Blick aus, als er seine Hand zurückzog. „Ich will nachsehen, okay?“
„Nein, komm hoch“, sagte sie, „bitte.“
Er fuhr sich nervös mit den Fingern durch Haar, rückte seine Brille auf seiner Nase zurecht. „Ich will nachsehen“, wiederholte er.
Sie schüttelte den Kopf, streckte ihre Hand nach ihm aus, aber er drehte sich um und ging die Treppe wieder hinab. Eilig, zwei Stufen auf einmal. Sie folgte ihm langsamer, kam neben ihm zu stehen, als er neben der offenen Tiefkühltruhe stand und hineinsah.
Da war keine Leiche. Natürlich nicht. Da waren Beutel mit Gemüse und Obst, Grillgut und ein angefangener Bottich Eis. Sie legte ihm eine Hand auf die Schulter und schloss die Tiefkühltruhe. „Ich versteh das nicht, sie ruft mich“, sagte er kleinlaut.
„Komm schon“, sagte sie und er setzte sich in Bewegung und folgte ihr die Treppe hinauf.
Noch drei Stufen, dacht sie, als hinter ihr stehenblieb. „Sie ruft mich.“

Date: 2016-07-03 08:44 pm (UTC)
servena: (Default)
From: [personal profile] servena
" Ein Regal mit Marmeladengläsern, Wurst, eingewecktem Gemüse, Wein, eine riesige Tiefkühltruhe..." Ich fühlte mich spontan an den Keller meiner Oma erinnert. XD

Ich habe den Eindruck, da ist doch eine Leiche in dieser Tiefkühltruhe...

Date: 2016-07-06 01:30 pm (UTC)
der_jemand: (Default)
From: [personal profile] der_jemand
Brrr. Ich glaube, es ist dir gelungen, es hatte mich auf alle Fälle sehr überzeugend hibbelnd "Na, wann kommt es, wann kommmt es..." Und, japp, brrr.

Date: 2016-10-01 09:21 am (UTC)
From: [identity profile] nessaniel.livejournal.com
Es ist umwerfend geworden! Du hast den Grusel perfektioniert, wirklich! Dieses hin und her zwischen den beiden und dass am Ende doch nichts da ist, gefallen mir am besten glaub ich. Weil man dadurch weiß, dass die Bedrohung noch nicht vorbei ist und AHHH es IST WIRKLICH GRUSELIG BRR.

Es ist ja sowieso immer zermürbender, wenn man Alltagsdingen wie einer ollen Kühltruhe irgendwas Gruseliges überstülpt, DANKE FÜR DIE ALPTRÄUME ICH WOLLTE SOWIESO NIE WIEDER WAS VON BOFROST AHHH. XDDD

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