[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Weihnachtston in jedem Raum
Challenge: Einsame Bushaltestelle im Schnee
Fandom: The Expendables, aber kitschig
Inhalt: Billy kommt an Weihnachten nach Hause und macht sich mehr Gedanken als unbedingt nötig.
Anmerkung: Frohe Weihnachten euch allen!!!

Weihnachtston in jedem Raum

An Heiligabend sitzt Billy in drei Pullis gehüllt und mit fünf Paar Socken an den Füßen in einem Bushaltestellenhäuschen und wartet auf ein Wunder. Er ist eine zwanzig Minuten vom Flughafen entfernt und eine Stunde von dort, wo er eigentlich sein sollte, sein Handy hat keinen Akku mehr und er spürt die eisig kalte Schneesturmluft mit jedem Atemzug.

"Scheiße", keucht Billy, kurz vor einem hysterischen Lachen und zieht Schal und Mütze fester um seinen Kopf. Kälte tut ihm nicht gut, seit Vilain ihm die Lunge durchlöchert hat, doch weil er zwei Jahre in Frankreich gewohnt hat, erst in Paris und dann am Mittelmeer, wo der einzige Schnee im Fernsehen fällt, hat er vergessen, wie schwer ihm das Atmen fällt, wenn die Luft nur noch aus weißen Flocken besteht.

Natürlich musste Billy den einzigen Flug buchen, der wegen eines Blizzards am Heiligabend drei Stunden zu spät gelandet ist, natürlich musste er vergessen, sein Handy aufzuladen, natürlich musste er in den letzten Bus steigen, der nur noch bis in diese miese, einsame Gegend von New Orleans fuhr und keine Station weiter und natürlich muss es ausgerechnet jetzt anfangen zu schneien und zu stürmen, als brauche Charles Dickens persönlich Inspiration für eine Weihnachtsnovelle.

Billy stampft mit den Füßen auf und schaut in die Dunkelheit hinaus, doch bis auf Schnee und das Blinken der Lichterketten im Burger King gegenüber sieht er nichts. Er hat vom Flughafen aus noch mit Lee telefoniert und ihm gesagt, dass er unterwegs ist und Lee hatte "Verstanden" gesagt und aufgelegt.

Billy hatte es ihm nicht übel genommen. Erstens weiß er, dass Lee am Telefon kein Wort mehr als nötig verliert und zweitens ist sich Billy bewusst, dass er sich ziemlich spontan für den Weihnachtsbesuch entschieden hat.

Genau genommen hat er vor vier Tagen nämlich noch in Nizza gesessen und Barney eine SMS geschrieben, dass er an Weihnachten vorbeikommen wird.

Er hat natürlich gefragt, ob das in Ordnung sei und Barney hatte mit einem überschwänglichen "Selbstverständlich!" geantwortet (und dann hinterher geschickt, dass er gerade in Ankara bei einer Observation ist und sie deshalb erst reden können, wenn sie sich in den Staaten sehen).

Hätte er das nicht getan, hätte sich Billy wahrscheinlich im Mittelmeer ertränkt.

Er vermisst Barney nämlich schon seit August, doch ohne einen Vorwand zu ihm zu kommen, hat er sich nicht getraut.

Billy ist kein Idiot und kein Feigling, er kann das zugeben, doch es schnürt ihm die Kehle zu, wenn er daran denkt, dass er keine Ahnung hat, wie das Willkommen bei Barney ausfallen wird.

Er hat von Lee erfahren, dass es ein paar neue Leute im Team gibt, etwa alle in Billys Alter und dass Weihnachten jetzt nicht mehr heißt "Lee und Barney mit einer Flasche Whiskey auf dem Sofa, sondern große Party sogar mit nem hässlichen Baum, kannst du dir das vorstellen, Junge, der alte Idiot ist so ein sentimentaler Sack und alles nur weil Smilee und Luna ihn um den Finger gewickelt haben, aber mir glaubt er ja nicht, der Trottel…"

Billy hatte kein Wort verstanden, doch jetzt hier an dieser Bushaltestelle kurz vor seinem Kältetod hat er genug Zeit sich noch einmal alles durch den Kopf gehen zu lassen und komplett in Panik zu verfallen.

Barney hätte ihn nicht eingeladen, wenn er ihn nicht hätte sehen wollen, sagt der rationale Teil seines Gehirns.

Barney hängt nur alten Zeiten nach und er wird nach fünf Minuten nicht mehr wissen, was er mit dir anfangen soll, weil du nicht ins Team zurück kannst und er hat außerdem schon neue Leute, antwortet seine durchlöcherte Lunge und zerrt blutverschmierte Bilder von Vilain und Barneys totenbleichem Gesicht vor sein inneres Auge.

"Halt die Schnauze", knurrt Billy dem Schneesturm entgegen und schiebt die Gänsehaut, die seinen ganzen Körper erfasst, auf die Eiseskälte. "Halt einfach die Schnauze."

"Na, Junge sowas sagt man aber nicht", sagt auf einmal eine tiefe Stimme neben ihm. Billy springt fast durch das Dach des Haltestellenhäuschens und kann sich gerade noch so einen Schrei verkneifen, als er den Kopf herumreißt.

Vor ihm steht Barney, angeleuchtet von den Scheinwerfern seines Pickups. Er hat eine Zigarre im Mund, deren Köpfchen rot glimmt, und er lächelt Billy an, und als Billy keine Anstalten macht sich zu bewegen, nimmt Barney die Hände aus den Manteltaschen und stiefelt auf ihn zu.

"Mein Junge", hört Billy ihn murmeln, ehe er in eine gewaltige, warme, nach Zigarrenrauch und Motoröl und Rasierwasser duftende Umarmung gezogen wird. "Mein Junge, mein Junge, mein lieber Junge…"

Billy schließt die Arme um ihn und ignoriert Lee, der sie anhupt, weil er sich "den Arsch abfriert, ihr Turteltäubchen" und er ignoriert die zwei jungen Typen, die hinten im Auto sitzen und neugierig die Köpfe aus dem Fenster strecken.

Barney ist da. Barney ist gekommen und hat ihn gerettet, aus diesem blöden Sturm und aus dem blöden Nizza und alles andere ist Billy scheißegal.

"Ich bin zuhause", murmelt Billy atemlos in Barneys Haar und umarmt ihn noch ein bisschen fester.

"Ja, das bist du", antwortet Barney. "Frohe Weihnachten, mein Junge."

Date: 2015-12-24 02:12 pm (UTC)
From: [identity profile] tristraine.livejournal.com
Ich schmelze zu einer ekligen Masse aus Gefühlen. Schau, was du angerichtet hast. Pfui!

Date: 2015-12-24 11:21 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Oh Goooooott ;_______;
Ist das schön!
Ach Billy.....
Ach Billy, du Depp! ;___;
*weint eine Runde*

Wo ist die Fortsetzung??? ;_; *schnief* Ach Billy. Ach Barney. Ach Lee. Ihr dämlichen Gefühlskrüppel voller Gefühle. ;__;

Frohe Weihnachten!! <33333

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