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Fandom: Star Trek – The next generation
Charaktere: Picard/Q

Challenge:
1.(Zu viel) Glühwein
2.
Sehe ich aus, als wäre ich der Weihnachtsmann?“

Wörter: 1881

Warnung: Crack/Fluff


Eigentlich hatte er geplant, seinen Landurlaub anders zu verbringen. Zugegeben – er war nicht eben traurig, dass die Feierlichkeiten noch ein wenig warten mussten. Obgleich er immer noch gerne nach Hause zu seinen Eltern zurückkehrte, war er doch immer das „Sorgenkind“ der Familie gewesen. In seiner Jugend hatte er einige wilde Dinge getan, den Blick dabei immer in die Ferne, Richtung Zukunft, gewandt und seit jeher hatte Jean-Luc eine Sehnsucht nach den Sternen besessen, die seinen Eltern und auch seinem älteren Bruder durchweg fremd waren. Seine Familie bestand aus Traditionalisten, die ihr ruhiges Leben auf einem französischen Weingut schätzten und die sich auch für ihren Jüngsten ein ähnlich „bodenständiges“ Leben gewünscht hätten. Wortwörtlich.

Hinzu kam, dass Picard sich, obwohl er kein junger Sternenflottenkadett mehr war, sich doch immer wieder schlecht fühlte, wenn er seiner Mutter erklären musste, dass er ohne das langersehnte „Plus eins“ zum Familiendinner erschien würde und die gewünschten Enkelkinder wohl auch weiterhin auf sich warten lassen müssten. Auch hier hatte sein älterer Bruder die Nase vorne. Picard mochte seinen Neffen, keine Frage, René war ein vielversprechender, ambitionierter Junge, es fiel ihm nur im Allgemeinen sehr schwer, mit Kindern umzugehen. Er wusste nie, was er in ihrer Gegenwart sagen oder tun sollte. Also kam es ihm gar nicht so ungelegen, dass er wohl etwas später zu den Familienfeierlichkeiten kommen würde... Dennoch - über die Weihnachtsfeiertage auf eine diplomatische Mission zu müssen, das hatte auch er sich nicht gewünscht. Um dem Unwillen seiner Mannschaft wenigstens etwas entgegen zu kommen, hatte er so viele Mitglieder seiner Crew in die Ferien entlassen, wie er eben entbehren konnte, sodass sie nur mit einer Minimalbesetzung unterwegs waren. Die Führungsoffiziere mussten jedoch wohl oder übel das gleiche Schicksal erleiden wie er.

Die Mission verlief bisher sehr ruhig, sodass Picard beschlossen hatte, seine Pause im Zehn vorne zu verbringen. Er saß an einem Bartisch, eine dampfende Tasse Earl Grey in der Hand, und sah gedankenverloren aus dem Fenster. Wie sehr er sich an den Anblick des Weltalls gewöhnt hatte, und doch würde dieses seinen Zauber und seine Faszination niemals verlieren. All die Geheimnisse, die es noch zu ergründen gab, all die neuen Welten und Spezies, die noch nicht erforscht waren... Er konnte sich nicht vorstellen, dass er es jemals bereuen würde, diesen Weg gewählt zu haben. Auch dann nicht, wenn er an Weihnachten arbeiten musste.

Mit einem beinahe zufriedenen Lächeln nippte der Captain an seinem Tee – nur, um ihn gleich darauf zurück in die Tasse zu spucken. Was bis eben noch Earl Grey gewesen war, stellte sich nun als ein heißes, alkoholisches Getränk heraus, welches Jean-Luc eindeutig als Glühwein identifizieren konnte. In einer ruckartigen Bewegung stellte er die Tasse auf der Theke ab, sodass der rote Inhalt ein wenig über den Rand schwappte und sich auf die Oberfläche ergoss. Als Picard von seiner Tasse aufsah, stellte er fest, dass die schlichte, grau-beige Einrichtung des Zehn Vorne, umdekoriert worden war. Über der Bar hingen nun aufgereihte Socken, aus denen Zuckerstangen und ähnliche weihnachtliche Leckereien untergebracht waren. Mitten im Raum befand sich plötzlich ein ausladender Weihnachtsbaum, welcher mit bunt blinkenden Lichtern und rot-golden Christbaumkugeln geschmückt war, darunter lag ein Berg von Geschenken. An den Gesichtern der anderen Crewmitglieder, welche sich ebenfalls in der Bar aufgehalten hatten, konnte Picard erkennen, dass diese nicht minder überrascht über den Wandel zu sein schienen als er. Diese Überraschung hielt jedoch nur einen kurzen Moment an, bevor ihn die Erkenntnis traf wie ein Blitzschlag. Es erstaunte ihn selbst, wie sehr er mittlerweile resignierte, als er sich in einer fließenden Bewegung dem Stuhl neben sich zuwandte und wenig begeistert knurrte: „Q....“

Er musste nicht erst aufsehen um zu erkennen, wer neben ihm Platz genommen hatte. Und tatsächlich – das allmächtige Wesen hatte sich neben ihm niedergelassen, eine – wie Picard fand – überaus kitschige Weihnachtstasse mit Glühwein in der Hand.

Merry Christmas!“, tönte es dem Captain fröhlich entgegen.

Hatte ich Ihnen nicht gesagt, dass Sie sich von meinem Schiff fernhalten sollen, Q?“ -

Ach kommen Sie schon, Jean-Luc, geben Sie wenigstens zu, dass Sie mich vermisst haben.“ Q legte Picard mit einem schelmischen Grinsen auf dem Gesicht einen Arm um die Schulter, den Picard sofort in einer abfälligen Geste abwehrte.

Was soll dieses Theater, Q? Was für ein diabolisches Spiel spielen Sie nun schon wieder mit uns? Nehmen Sie sofort diese.... Dekoration von meinem Schiff!“ Picard war alles andere als zum Scherzen aufgelegt. Sie alle hatten vorgehabt, diese Mission so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen, sodass sie über die Feiertage zu ihren Familien zurückkehren konnten. Da konnte er alles gebrauchen außer Q. Q bedeutete Ärger. Immer.

Er wusste selbst nicht, wieso das omnipotente Wesen sich allem Anschein nach in den Kopf gesetzt hatte, dass sie so etwas wie „Freunde“ waren. Sie waren bestenfalls Spielzeug für ihn. Lustige, kleine, unbedeutende Kreaturen, mit denen er seine Späße treiben konnte, wenn es ihm im Kontinuum mal wieder zu langweilig geworden war. Er hatte mehr als einmal bewiesen, dass seine Absichten nie rechtschaffen waren und Picard war nicht gewillt, diese Späße mitzutragen. Gestern nicht und heute ebenso wenig.

Q sah Picard mit einem verletzten Schmollmund an. „Kommen Sie schon, Jean-Luc, seien Sie doch kein Grinch. Ihr Menschen mögt doch dieses – wie nennt ihr das? Weihnachten? Also lassen Sie uns feiern!“

Ich wiederhole mich nur ungern, Q! Schaffen Sie mir dieses -“, er deutete auf den in allen Farben funkelnden Weihnachtsbaum, „Zeug aus den Augen.“

Picards Gegenüber ließ mit einem Fingerschnippen die Tasse aus seiner Hand verschwinden und verschränkte beleidigt die Arme vor seiner Brust. „Was veranlasst Sie zu der Annahme, dass ich diese Dekoration so einfach wieder entfernen könnte? Sehe ich aus, als wäre ich der Weihnachtsmann?“ Kaum hatte er seine Worte gesprochen, saß er Picard mit langem weißem Rauschebart und roter Weihnachtsmannmütze gegenüber. „Kleiner Scherz!“

Ein weiteres Fingerschnippen und Picard fand sich in seinem Bereitschaftsraum wieder. Alleine. Fragte sich nur, wie lange. Auch hier hatte, zu seinem Missmut, die weihnachtliche Dekoration Qs Einzug gehalten. Als der Türsummer sich meldete, war Picard nur milde überrascht, Commander Riker in der Tür stehen zu sehen, was ihn dazu veranlasste, zu vermuten, dass es auf der Brücke nur wenig besser aussehen würde. „Captain...?“, setzte dieser an, doch er musste nicht weitersprechen, damit Picard ihn verstand.

Dieser seufzte tief und massierte sich entnervt die Schläfen. „Ich weiß, Nummer eins. Q.“ -

Was will er dieses Mal?“

Der Kommandant der USS Enterprise zuckte mit den Schultern. „Das, was er immer will, nehme ich an. Unruhe und Chaos verbreiten, wo er nur kann. Halten Sie die Augen offen und scannen Sie permanent nach fremden Lebensformen. Ich möchte nicht wissen, mit welch gastfreundlichen Wesen Q uns dieses Mal bekannt machen möchte. Ich kann mich noch zu gut an unsere letzte Begegnung mit den Borg erinnern und möchte diese so schnell nicht wiederholen.“

Aye, Captain!“

Mit einem leisen Summen schloss sich die Tür hinter Riker wieder.

Also wirklich, Captain, es verletzt mich, dass Sie immer vom Schlechtesten ausgehen.“

Obgleich Picard beinahe damit gerechnet hatte, zuckte er zusammen als Q sich direkt auf seinem Schreibtisch materialisierte. Er saß vor ihm mit überschlagenen Beinen und hatte sein Weihnachtsmannoutfit wieder gegen die Sternenflottenuniform eingetauscht, welche er zu tragen pflegte, wenn er Picard gegenübertrat.

Das meinen Sie aber jetzt nicht wirklich ernst, Q? Sie haben die Menschheit vor Gericht gestellt und wollten unsere ganze Rasse auslöschen. Wenig später haben Sie uns den Borg vorgestellt, sodass die Enterprise beinahe vernichtet worden wäre. Wie können Sie ernsthaft annehmen, dass wir Ihnen über den Weg trauen würden?“ Picard war von seinem Sitz aufgesprungen und hatte mit den Händen auf den Tisch gehauen. Wie konnte Q ernsthaft immer wieder überrascht davon sein, dass das Leben für sie eben nicht einfach nur ein Spiel war?

Q sah Picard jedoch verletzt und beinahe ein wenig zerknirscht an. „Ich gebe zu, dass das mit dem Gericht ein wenig.... aus dem Ruder gelaufen ist“, antwortete er, was Picard nur mit einem verächtlichen Schnauben kommentierte. „Aber Sie sind auch kein einfaches Individuum. Ich habe Ihnen sooft angeboten, Sie von der Begrenztheit ihres Seins zu befreien, Ihnen die Macht eines Q angeboten und Sie haben immer abgelehnt. Dabei meine ich es gut mit Ihnen, Jean-Luc, das müssen Sie mir glauben. Ich könnte Ihnen das Universum zu Füßen legen, Sie zu Welten führen, von denen Sie nicht einmal träumen können. Stattdessen sitzen Sie hier und gehen einer a~absolut langweiligen diplomatischen Mission nach, obwohl doch heute ein Feiertag ist. Sind die Menschen nicht ganz verrückt nach diesem Weihnachten?“

Picard seufzte leise. „Sie vergessen, dass wir vollkommen zufrieden mit unserer Existenz sind, Q. Und was Weihnachten betrifft – Ja, das ist ein Feiertag bei uns auf der Erde, der auf einer sehr alten Tradition beruht. Deswegen möchten wir auch unsere Mission so schnell wie möglich fortsetzen, damit die Crew zu ihren Familien zurückkehren kann.“

Nun hatte Q ein schelmisches Grinsen auf den Lippen. „Ich könnte dafür sorgen, dass Sie alle schnellstmöglich zu ihren Familien zurückkehren und ihr kleines, niedliches Fest feiern können. Alles, was Sie dafür tun müssen, ist mich darum bitten. U~und mir einen kleinen Gefallen erweisen.“

Der Captain horchte auf. Ah ja, da waren sie also. Sie näherten sich dem wahren Grund, weshalb Q wirklich hier war. „Und das wäre?“, fragte er missmutig.

Bei meiner Recherche bin ich auf eine Tradition der Menschen gestoßen, die ich nicht recht verstehe...“, meinte Q und kam ein wenig näher an Picard heran. „Was hat es mit diesen.... Mistelzweigen auf sich?“ Picard seufzte leise und schüttelte den Kopf. „Das ist alles? Wenn ich Ihnen das erkläre, lassen Sie uns wieder unsere Arbeit machen?“

Aber sicher doch! Hand aufs Herz!“ Q unterstützte seine Worte mit der entsprechenden Geste, wobei er ein menschliches, schlagendes Herz dabei in der Hand hielt, welches wenige Sekunden später auch schon wieder verschwunden war.

Na schön... Die Menschen hängen bereits seit Generationen in der Weihnachtszeit Mistelzweige in ihren Häusern auf, meist über einer Türschwelle. Wenn zwei Leute unter einem Mistelzweig stehen, so müssen diese sich küssen. Der Brauch besagt, dass ein Paar, welches sich unter einem Mistelzweig küsst, ein Leben lang zusammenbleibt.“

Ein triumphierendes Grinsen schlich sich auf Qs Gesicht. „So ist das also? Welch ein Glück für mich, nicht wahr, Jean-Luc? Wer hätte gedacht, dass wir just in diesem Moment unter einem Mistelzweig stehen würden?“ Q machte sich nicht einmal die Mühe, den Zweig sonderlich subtil über ihren Köpfen zu platzieren, als dieser plötzlich aus dem Nichts auftauchte. Ehe Picard auch nur reagieren konnte, hatte Q sich zu ihm noch vorne gebeugt und hauchte einen Kuss auf seine Lippen. Der Captain war überrascht, dass Q weniger forsch dabei vorging, als er es erwartet hatte. Doch kaum hatte der Kuss begonnen, war er auch schon wieder vorbei und Q löste sich von ihm. Das Lächeln, welches sein Grinsen abgelöst hatte, wirkte sanfter als alles, was Picard bisher auf Qs Gesicht gesehen hatte. „Merry Christmas, Jean-Luc“, sagte Q „Jetzt werden Sie mich für den Rest ihres Lebens nicht mehr los!“ Und mit einem Schnippen waren sowohl er also auch jeglicher Weihnachtszauber wieder verschwunden.

Picard ließ sich stöhnend in seinen Sessel zurückfallen, als er realisierte, dass das wohl die ganze Zeit der Grund gewesen war, weshalb Q überhaupt aufgetaucht war. „Merry fucking Christmas“, knurrte er nur leise.

Date: 2015-12-09 07:46 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Sehr schön <3

Wie der Zufall es will, habe ich gerade eine Next Generation Episode angesehen, und Q/Picard ist sowieso eine alte Liebe, und von daher war das wirklich wunderbar!

Es erstaunte ihn selbst, wie sehr er mittlerweile resignierte, als er sich in einer fließenden Bewegung dem Stuhl neben sich zuwandte und wenig begeistert knurrte: „Q....“
Ach was ;)

Q hätte sowas von Spaß an der Rolle!
„Jetzt werden Sie mich für den Rest ihres Lebens nicht mehr los!“
Und am Mistelzweig ...

Date: 2015-12-09 08:47 pm (UTC)
From: [identity profile] mrsmoriarty.livejournal.com
Ich MAG das Pairing! Meeeehr bitte! Picard und Q gehören einfach zusammen. Auf sehr seltsame Art und Weise;-) Ich mochte die Story sehr und hab mich riesig darüber gefreut, dass du das Türchen so gefüllt hast<3

Date: 2015-12-12 09:23 am (UTC)
From: [identity profile] nebel-kraehe.livejournal.com
Ich kann gar nicht sagen wie euphorisch ich war als ich das pairing gesehen habe :D

Eine wunderschön fluffig-genervte Geschichte. Die Interaktion der Beiden war herrlich und dass Q den ganzen Aufwand nur wegen der Mistelzweig-Aktion betrieben hat, traue ich ihm absolut zu <3

Der Captain war überrascht, dass Q weniger forsch dabei vorging, als er es erwartet hatte. Ich interpretiere das mal so, dass er auch schon vor der Mistelzweig-Sache den ein oder anderen Gedanken an einen Kuss verschwendet hat ;)

Date: 2015-12-16 11:23 pm (UTC)
From: [identity profile] nadjeschda.livejournal.com
„Merry Christmas, Jean-Luc“, sagte Q „Jetzt werden Sie mich für den Rest ihres Lebens nicht mehr los!“

Bei dem Satz habe ich mich glatt an meinem Pudding verschluckt. Allgemein konnte ich mir Q und Picard (inkl. unbeeidrucktem Gesichtsausdruck) bildhaft vorstellen. Q würde das auf jeden Fall bringen :D Herrlich lustige Geschichte zu Weihnachten ♥

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