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Fandom: Original (Tracy)
Challenge: #2 Der Geruch angebrannter Plätzchen
Warnung: uncorrected, unbetaed

Continuation: Advent 2010 | Valentinstag 2011 | Sommerchallenge 2011 | Advent 2011 | Spam-Party 2012 | Advent 2012 | Sommerchallenge 2013 / 1 | Sommerchallenge 2013 / 2 | Advent 2013 | Sommerchallenge 2014 | Advent 2014 | Sommerchallenge 2015

Kommentar: Ich wünsche allen eine besinnliche Vorweihnachtszeit. Das hier war gar nicht so einfach fertig zu stellen und ich bin auch nicht ganz glücklich darüber, aber ich liebe Tracy immer noch und ich bin froh, dass sie auch dieses Jahr wieder einen Weihnachtsauftritt hat. Einen schönen "Krampus"-Tag an alle!

Alle Jahre wieder
kommt das Christuskind
auf die Erde nieder
wo wir Menschen sind...


"Der Chef hat echt einen an der Waffel... waren ja schon die Hüte an Valentinstag grenzwertig, aber das setzt allem wirklich die Krone auf!" Tracy konnte ihrer Kollegin nur beipflichten. Auch sie fühlte sich in der 'neuen Weihnachtsuniform' mehr als gedemütigt und nur einmal war ihr der Wunsch gekommen, einfach zu kündigen und ihren Chef dorthin zu wünschen, wo der Pfeffer wuchs. Wenn es nur nicht quasi unmöglich wäre, woanders im Blumenhandeln eine Anstellung zu finden. Auch wenn Menschen immer Blumen kaufen und kultivieren würden, bedeutete das ja noch lange nicht, dass sie auch zahlungswilliger gegenüber denjenigen waren, die sie auch vertreiben konnten.
Das Kostüm, das sie nun bei der Arbeit tragen mussten, war allerdings wirklich eine Zumutung. Es gehörte zur Kategorie 'sexy Weihnachtself' und war bei weitem nicht so sexy, wie es klang. Es bestand aus einer rot-grün-weiß gestreiften Strumpfhose, einem roten Multifunktionslatzrock - mit vielen Taschen, damit sie ja gut arbeiten konnten -, der bis in die Kniekehle reichte (bestimmt wollte der Chef verhindern, dass er Kunden vergraulte, wenn die älteren Mitarbeiter einen zu kurzen Rock trugen, nicht dass es durch die blickdichte Strumpfhose irgendeinen Unterschied gemacht hätte), einer roten Bluse - und wehe sie würden schwarz tragen, schwarz war die Farbe der Trauer und zu Weihnachten sollte niemand traurig sein -, und dieser wirklich bescheiden tollen Mütze mit den drei Zipfel, an denen am Ende Glöckchen hingen.
Oh und dann durfte man natürlich nicht das passende Schuhwerk missachten, das aus Pantoffel bestand, denen vorne eingerollte Filzzipfelchen angeklebt wurden - wieder mit Glöckchen.
Wenn Tracy nicht schon bis dahin Weihnachten gehasst hätte, dann wäre es spätestens jetzt soweit gewesen. Nicht nur dieses konstante Weihnachtsgedudel und die hektischen, verrückt gewordenen Menschen musste sie ertragen, nein - jetzt musste sie sich auch noch vor diesen wahnsinnigen Menschen demütigen lassen. Hätte wirklich noch gefehlt, dass einer von ihnen Rudolf spielen musste!
"Herzlich willkommen, wie kann ich Ihnen behilflich sein?" Die Glocke der Fronttüre hatte gerade erst geläutet, da hörte Tracy und ihre Kollegin bereits, wie der Kunde empfangen wurde und beide warfen sich einen überraschten Blick zu, bevor sie gleichzeitig aufstanden und spionieren gingen. Es war kein besonders großer Blumenladen und mit drei wohlgemerkt weiblichen Angestellten sehr gut besetzt. Die Stimme allerdings war männlichen Ursprungs gewesen und der einzige Mann, den sie hatten, war der Chef höchstpersönlich.
Tracy grunzte, als sie den Mann sah und musste sich die Hand vor den Mund schlagen. Es war ihr Chef, der die Kunden begrüßt hatte und nun in ein Verkaufsgespräch verwickelt war. Hatte sie gedacht, dass keiner von ihnen Rudolf mimen musste, so hatten sie nun ein leibhaftiges Rentier unter ihren Reigen. Sie hätte es dem Chef niemals zugetraut, diese Erniedrigung mitzumachen, stand er doch so schon sehr selten im Laden für Kunden zur Verfügung.
Aber scheinbar war heute die Dritte im Bunde ausgefallen, anders konnte sie sich wohl kaum vorstellen, warum sie plötzlich diese Art von Verstärkung bekamen. "Lass uns verschwinden, ich kann mich kaum noch halten...", bat Tracy ihre Kollegin, die ihr auch gleich wieder nach hinten folgte, wo sie beide dabei waren, die Weihnachtskränze flechten und Sträuße zu binden, die Kunden bestellt hatten.
Sie begannen beide zu lachen, als sie sich sicher waren, das man das im Verkaufsraum nicht mehr hören würde und Tracy musste sich die Lachtränen aus den Augen tupfen.
"Etwas Gutes hat es, dass Misses 'Ich leide unter Arbeitsallergie' heute nicht da ist - ich fühle mich in meinem Elfenkostüm gleich viel wohler", meinte Tracys Kollegin schließlich, als sich der Lachrausch etwas gelegt hatte.
Tracy nickte. Sie konnte zwar das Kostüm immer noch nicht leiden, aber sie hatte nun die Gewissheit, dass es ihr Chef nicht aus Bosheit tat, sondern tatsächlich so verrückt war und es für eine gute Idee hielt. Das machte es zumindest erträglicher.

Das Rudolfskostüm war auch schon das einzige Gute an dem Arbeitstag. Es stellte sich heraus, dass mit dem Chef zu Weihnachten zu arbeiten nicht gerade das angenehmste war. Wenn es so schon mit dem Kundenverkehr stressig war, war es mit Chef dreimal so schlimm und Tracy konnte es gar nicht mehr abwarten, in den Feierabend zu stürzen.
Pünktlichst warf sie sich den Mantel über und verabschiedete sich zum Verkaufsschluss so schnell, dass sie nicht einmal mehr hörte, was ihre Kollegin oder ihr Chef noch sagten. Sie brauchte Abstand, Pause, Ruhe. Heiße Schokolade, ein heißes Bad und ganz viel Verwöhnprogramm. Sie brauchte ihren Freund. Ihre treue Seele und ganz viel Liebe.
Draußen war es natürlich schon dunkel und trist und ekelhaft kalt. Windig, eisig und alles, was sie hasste. Sie hasste Winter und vor allem Weihnachten. Die bunten, blinkenden Lichter machten sie wahnsinnig, überall war dieses schummrig gelbe Licht und sie vergrub ihre Hände tief in den Manteltaschen und ihre Nase tief in ihrem Schal, während sie sich auf den Weg machte.
Nicht nach Hause. Zumindest nicht ihr zu Hause. Sie meinte es ernst, dass sie nach diesem beschissenen Arbeitstag etwas brauchte, das sie aufheitern würde und da war zu Weihnachten das beste Rezept immer noch ihr Goldschatz. Gewiss würde der sie nicht wegschicken, wenn sie so überraschend auftauchte.
Als sich die Türe zu seiner Wohnung öffnete, machte sich erst Überraschung auf seinem Gesicht breit und dann, zu Tracys absoluter Irritation, ehrliche Belustigung, die in einem Lachen zurückhaltenden Grunzlaut endete. "Komm rein", bat er mit eben jenem Lachen in der Stimme und Tracy wurde skeptisch.
"Du scheinst dich ja sehr zu freuen, dass ich da bin...", merkte sie an und kniff leicht die Augen zusammen, als sie misstrauisch fragte: "Was ist so lustig?"
Er schüttelte leicht den Kopf, grinste aber von einem Ohr zum anderen. "Nichts, nichts. Heiße Schokolade? Ich musste heute an dich denken und hab deine Lieblingsmarke gekauft."
"Irgendetwas ist doch!", beschuldigte Tracy ihn genervt. Es hatte sie nur bedingt erleichtert, ihn zu sehen - nämlich genau für den kurzen Moment, bevor er angefangen hatte, einen Lachanfall zurückzuhalten. Mittlerweile hatte sie sich ihren Mantel ausgezogen und wollte aus den Schuhen schlüpfen, als ihr dämmerte, was ihn so erheitern könnte - im selben Moment wo er sagte: "Nichts. Komme erst mal weiter, mein kleiner Weihnachtself."
Sofort lief Tracy rot an. In ihrer Hast hatte sie doch tatsächlich vergessen, ihre Straßenschuhe anzuziehen und vermutlich hatte sie auch...
Ihre Hand tastete zu ihrem Kopf und zog sich entsetzt die Mütze von ihrem Kopf. Dabei hatte sie sich vorgenommen, dass sie ihn diesmal nicht die peinlichen Uniform zeigen würde. An Valentinstag hatte sie ja keine andere Wahl bekommen, aber diesmal. Und dann vermasselte sie es selbst.
"Mach dir nicht so viel drauß, Tracy. Du bist der hübscheste Weihnachtself, der mir je begnet ist", nahm er ihr die Mütze aus der Hand und setzte sie ihr wieder auf den Kopf, bevor er ihr Hände nahm und sie ins Wohnzimmer zog. "Und ich wette, du warst auch der fleißigste. Du kannst gleich deinen ganzen Frust bei mir abladen, ich mache dir nur eben deinen heißgeliebten Kakao." Damit verfrachtete er sie auf das Sofa, aber bevor er sich wieder verziehen konnte, zog Tracy ihn am Ärmel zurück und zu sich auf das Sofa.
Mit einem seufzen und einem leidenden Blick, meinte sie: "Viel lieber hätte ich einen Kuss von dir. Den könnte ich nach dieser Demütigung wirklich gebrauchen."
Liebevoll lächelte er sie an und zupfte an einer Locke. "Du musst dich wirklich nicht schämen. Du siehst toll aus." Das konnte auch nur von ihm kommen, aber sie konnte nichts mehr sagen, als er schon ihrem Wunsch nachkam und sie zärtlich küsste.
Sie genoss es genauso sehr, wie das anschließende Kuschel und sie schloss müde die Augen, um sich ganz diesem Feierabendgefühl hinzugeben. Bis ihre Nase etwas kitzelte. "Riechst du das auch?", fragte sie leise und schnupperte etwas deutlicher.
"Was meinst du?", fragte er leise und klang dabei so, als wäre er selbst gerade erst von einem Dämmerschlaf erwacht. "Oh... Oh!" Scheinbar roch er es auch und Tracy konnte nur noch seinen Rücken bestaunen, als er wie von der Tarantel gestochen aufsprang und in die Küche stürzte. Tracy gönnte sich ein leichtes Grinsen und erhob sich. Eins war klar: Heute würde es keine Plätzchen geben.
Aber sie hatte schon eine Idee, wie sie ihn aufheitern konnte.

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