[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Nowhere Boys, ein College-AU oder eher ein sie-sind-Anfang-20-und-haben-Zauberkräfte-AU
Challenge: Erster Schnee
Inhalt: Dezember in Australien und Felix macht Schnee.
Anmerkung: FRÖHLICHEN ERSTEN WEIHNACHTEN EUCH ALLEN! Es tut mir SO leid, dass ich so spät bin, aber ich musste spontan auf die Arbeit und hab erst jetzt die Zeit gefunden, zu posten Q__Q



Erster Schnee


Jake weiß nicht so genau, wie er Felix ansprechen soll, als er ihn nach fünfzehn ignorierten Handyanrufen und Andys zweistündiger Panik endlich vor einer Bank im Stadtpark findet.

Am liebsten würde er ihn treten, doch Felix ist dürr und klapprig und würde wahrscheinlich in zwei Teile brechen, also lässt sich Jake nur auf die Bank fallen und stopft die Hände in die Taschen.

Felix rührt sich nicht. Er trägt einen großen schwarzen Mantel, den Jake noch nie an ihm gesehen hat und malt mit einem Stock Rillen in die braune matschige Erde.

Vielleicht sind es auch Runen. Jake erkennt es nicht und er ist zu faul, um sich zu konzentrieren und die Form im Matsch nachzufühlen. Es wäre ein leichtes für ihn. Die magische Verbindung zur Erde liegt immer eingerollt in seinem Hinterkopf und wenn er nicht aufpasst, überdeckt sie sein Gehirn und lässt ihn nur noch in Erdkernwärme und dem Knirschen und Rumpeln von jahrtausendealtem Gestein denken.

Das ist oftmals sehr tröstlich (und warm), aber meistens vollkommen nutzlos, wenn er sich mit irgendwem unterhalten will, weil es die wenigstens Leute interessiert, dass das Pflaster unter ihren Füßen Staubpartikel vom Ursprungskontinenten enthält. Jake fragt sich manchmal, ob Andy und Sam auch von Wasser- und Luftatomen zugeflüstert bekommen, wo sie schon überall waren, aber er spricht es nie an. Irgendwie verpasst er immer die rechte Gelegenheit und die richtigen Worte fallen ihm sowieso nie ein.

Felix schweigt weiterhin hartnäckig und malt und malt. Selbst als Jake ihn sanft mit dem Fuß gegen den Oberschenkel stößt, sagt er nichts sondern schüttelt nur den Kopf.

"Willst du Satan beschwören?", fragt Jake.

Felix knurrt, doch er unterbricht seine Malerei, um die Hand zu heben und eine kleine, flackernde Flamme auf seiner Handfläche erscheinen zu lassen.

"Der sitzt schon hier", murmelt er zurück.

Jake lacht und schreckt damit ein paar Tauben auf, die sich hoffnungsvoll an ihre Füße angepirscht haben. Felix steht endlich auf und streckt sich. Sein schwarzer Mantel fällt ihm bis zu den Knien und ist mindestens drei Nummern zu groß. Jake hat noch nie so etwas schreckliches gesehen und er fragt sich wirklich, wie ihm dieses Monstrum noch nie aufgefallen ist, immerhin wohnen er, Andy, Sam und Felix jetzt schon seit einem Jahr zusammen.

Vielleicht ist das Felix' Wintermantel. Was im Dezember in Australien natürlich ein bisschen albern ist – es herrschen lauschige zwanzig Grad und die Sonne wird erst in etwa zwei Stunden untergehen – aber Felix war schon immer mehr Stil über Substanz.

"Solltest du mich einfangen?"

Jake reißt den Blick von den Schulternähten des Mantels, die bei Felix auf die Mitte der Oberarme gerutscht sind, und schaut ihn an.

"So ziemlich. Du bist nicht ans Handy gegangen."

Felix nickt. "Ja", sagt er, als sei das Erklärung genug und lässt sich mit einigem Abstand neben Jake auf der Bank nieder, wie ein halbgerupfter Vogel Strauß, der einen wirklich miesen Tag hatte.

"Andy hat sich Sorgen gemacht."

"Hm."

"Wir haben uns alle Sorgen gemacht."

"Oh."

Keine Entschuldigung, keine Erklärung. Stattdessen zieht Felix die Füße auf die Bank und legt den Kopf auf den Knien ab.

Elend steht ihm nicht, findet Jake. Stand ihm noch nie, weder in der High School noch jetzt, ein paar Monate nach ihrem Abschluss. Mittlerweile merkt es Jake immerhin schneller und es tut ihm in der Seele weh.

Unbeholfen streckt er die Hand aus, doch er traut sich nicht, Felix anzufassen und legt sie deshalb nur auf der Bank ab. Dann nimmt er seinen ganzen Mut zusammen und stellt die Frage, die ihn verfolgt, seit Felix heute Mittag ans Telefon gegangen ist und seiner Mutter versprechen musste, an Weihnachten nach Hause zu kommen.

"Was hast du denn erwartet?", murmelt er und hofft fast, dass Felix ihn nicht hört. "Dass dich deine Familie nicht zu Weihnachten einlädt?"

Felix stöhnt und dreht den Kopf zur Seite. "Ich weiß nicht", gibt er zu. "Eigentlich habe ich erwartet, dass mich Ende November ein Dämon fressen wird oder ich durch ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum falle."

Jake schnaubt. "Dann war die Aktion vor drei Wochen also pure Absicht?"

"Du meinst, als wir den Leviathan unter dem Starbucks aufgeweckt haben?"

"Ja, und du fast gestorben wärst?!"

"Oh", macht Felix und dann grinst er, völlig schmerzfrei und als sei der Umstand, dass er lichterloh in Flammen stand und fast von einer riesigen Schnecke verschluckt worden wäre, etwas, womit man im Starbucks eben rechnen müsse, so wie falschgeschriebene Namen auf Pappbechern.

Dieser Vollidiot, denkt Jake. Und dann blinzelt er, als ihm auffällt, dass er Felix auf den Leim gegangen ist und er sich hat ablenken lassen.

"Verdammt noch mal, Felix", knurrt Jake und es klingt viel lauter und bösartiger, als er eigentlich wollte. Felix versinkt erschrocken in seinen Bahnen aus schwarzer Wolle und zieht den Kopf ein.

"Tut mir Leid", sagt er hastig. "Das war natürlich keine Absicht und ich bin auch ziemlich froh, dass du mir das Leben gerettet hast. Ehrlich."

"Auch wenn du jetzt Weihnachten feiern musst?"

"Hm."

"Wovor hast du Angst?"

Jake weiß, dass Felix noch nie gern bei seiner Familie war, doch dass ihn die Aussicht, bloß ein paar Tage in Bremin zu verbringen so fertig macht, kapiert Jake auch nicht. Felix sagt nichts sondern schaut in den Himmel hinauf.

"Oscar ist doch da."

"Hm."

"Felix..."

Jake seufzt und dann lässt er die Erde unter ihnen beben, ganz sanft nur, sodass die Parkbank leicht vibriert. Er hätte Felix auch gegen den Arm boxen können, das hätte den gleichen Effekt gehabt, doch Jake ist sich immer noch nicht sicher, wo überhaupt Felix' Arm unter all diesen Lagen Stoff anfängt.

"Lass das", sagt Felix und zieht seine Hand, aus den Untiefen seines Mantels, um sich an der Bank festzuhalten.

Jake verstärkt das Beben, bis der Mülleimer neben ihnen knirscht und die Tauben empört aufflattern. Er hat eigentlich keine Lust, Sydney in Schutt und Asche zu legen, nur um Felix' Sturheit zu brechen und er ist sich ziemlich sicher, dass Felix das auch weiß. Doch ein bisschen ärgern kann er ihn noch und nach einer Minute, in der ihnen ordentlich die Hirne durchgeschüttelt wurden, schreit Felix endlich auf.

"Schon gut, schon gut! Ich red ja schon!"

Jake verbeißt sich mühevoll ein Grinsen.

"Also?"

Felix ziert sich noch ein bisschen. Er versteckt sich wieder in seinem Mantel, verzieht das Gesicht und windet sich, als säße er auf glühenden Kohlen.

"Ich hab einfach Angst, okay", murmelt er schließlich.

Jake nickt. So weit waren sie schon. "Wovor?"

"Davor, nach Hause zu kommen und... immer noch der gleiche zu sein, wie vor einem Jahr."

Jake versteht kein Wort, doch Felix sieht so ernst und unglücklich aus, dass er sich das ungeduldige "Was laberst du?" verkneift und stattdessen nur "Okay" sagt.

Felix läuft rot an und schaut auf seine Knie. "Es ist nur... ich hab nichts vorzuweisen." Seine Stimme wird immer leiser bis Jake sich rüberbeugen muss, um ihn überhaupt noch zu hören. "Andy studiert und kriegt Glanznoten, du ebenfalls und Sam macht Karriere in der Surfschule. Und ich... ich bin Aushilfe in einem Laden für okkulten Krimskrams."

"Und Magier", sagt Jake. Er will weiter sprechen, aber die Worte bleiben in seiner Kehle stecken und er hat plötzlich alle Gedanken voll damit zu tun, kein Erdbeben der Stärke neun auszulösen, als er Felix schnauben hört.

"Ja. Kann ich nur nicht meiner Mutter erzählen, wenn sie mich fragt, was ich mit dem Rest meines Lebens machen will."

Ein kleines, trauriges Lachen entwischt Felix bevor er sich wieder in seine gigantische Höhle von einem Mantel zurückzieht. Jake weiß nicht, was er sagen soll. Ihm wird übel, wenn er daran denkt, wie lange Felix diese Gedanken vielleicht schon mit sich rumschleppt, denn das ihm das nicht erst seit heute Mittag im Magen liegt, ist ziemlich offensichtlich.

Als sie sich nach dem Schulabschluss gefragt hatten, was sie machen sollen, hatte Felix vorgeschlagen, gemeinsam nach Sydney zu ziehen, damit ihr magisches Potential nicht völlig verkümmerte, wie er das ausgedrückt hatte. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, richtig zaubern zu lernen und das ging in ihrem Heimatkaff nicht, behauptete er, und er hatte so motiviert und überzeugt geklungen, dass Jake ohne zu zögern zugestimmt hatte. Sydney war neu und riesengroß und während Andy und Jake von Bibliotheken und Hörsälen verschluckt wurden (und Sam von Wellen in der Surfschule), vergrub sich Felix in okkulten, abgedrehten Kreisen und brachte ihnen voller Feuereifer immer neue Tricks bei und schleppte uralte Bücher und blutbefleckte Ritualdolche an, bis seine Ecke des Wohnzimmers aussah wie direkt aus einem Horrorfilm.

Jake hatte wirklich geglaubt, dass Felix glücklich war (und dass der Ritualdolch das beste Tomatenmesser war, das er je benutzt hatte), doch das war anscheinend schon länger nicht mehr der Fall.

Felix seufzt und rutscht unruhig auf der Bank umher, und Jake sucht immer noch verzweifelt nach Worten. Sie treffen sich, als Felix aufsteht und Jake vor lauter Panik nach seiner Hand greift.

Felix schaut ihn an, mit großen, schwarz umrandeten Augen.

"Ich... ich kann auch mit dir hier bleiben", stottert Jake. Felix' Hände sind eiskalt und seine eigenen Finger zittern wie verrückt. "Wenn du nicht nach Hause willst."

Einen Moment lang sieht es so aus, als würde Felix ernsthaft darüber nachdenken - dann lächelt er aber nur und drückt zärtlich Jakes Hand.

"Und deine Mutter alleine lassen mit Mister Bates? Das wär zu grausam. Außerdem will ich Oscar wirklich wiedersehen."

Das Lächeln auf Felix' Gesicht fühlt sich an wie ein Schrei, der Jake direkt durch Mark und Bein geht. Das Chaos in seinem Kopf, das ihm Satzfetzen und Schlamm entgegen wirft, durchdringt er trotzdem nicht.

"Wollen wir?", fragt Felix und zieht an Jakes Hand. "Sam teilt wahrscheinlich gleich den ganzen Ozean, um uns zu finden."

"Kl-klar."

Jake lässt sich mitziehen von Felix und seinem schwarzen Mantel und nach ein paar Metern fragt er: "Was hast du vorhin eigentlich gemalt?"

Er sollte ganz viele andere Sachen fragen und Felix sagen, dass er ein großartiger, liebenswerter Kerl ist und dass Jake ihn so sehr bewundert. Doch er kriegt die Worte nicht an dem Kloß in seinem Hals vorbei und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als Felix ein bisschen abzulenken.

"Hm? Ach das." Felix grinst tatsächlich ein bisschen und schaut in den Himmel hinauf. Jake folgt seinem Blick - und sieht plötzlich hunderttausend kleine weiße Flocken auf sie zutanzen. Instinktiv macht er den Mund auf fängt eine mit der Zunge ein.

"Ich hab Schnee gezaubert."

Date: 2015-12-01 08:07 pm (UTC)
From: [identity profile] ayawinner.livejournal.com
Oooooooooooooooooooooooh, was für ein wunderschöner (melancholischer) Einstieg in den Advent! ♥ Ich freu mich riesig, dass du noch geschafft hast, es zu posten, denn es ist wie immer ganz ganz ganz wundervoll und ich überschütte dich hiermit mit Liebe und so :D

(Und ich drücke Felix ganz fest ♥ )

Irgendwie habe ich die Jungs schon ziemlich vermisst (unser occasional Constantine-Crossover hilft da auch nicht viel! D:), also ist es umso schöner, dass du den Advent damit startest, haaach, und dann sind sie auch noch so süß und relatable und mein Herz blutet ein bisschen, aber irgendwie ist es ja auch hoffnungsvoll? Also. Ich bilde mir das zumindest ein.

Du hast Jakes Elementkraft~ da so schön eingebaut, im Hinterkopf, Ursprungskontinente etc., und dann lässt Jake auch noch den Boden vibrieren, weil er sonst nicht zu Felix durchdringen kann, ach Gott, ICH WEINE JA!

womit man im Starbucks eben rechnen müsse, so wie falschgeschriebene Namen auf Pappbechern.
ICH SCHREIE DIR DAS VON MIR AUS JETZT UND BIS IN ALLE EWIGKEIT ENTGEGEN ABER DEINE SÄTZE SIND SO SUPER. MANN. GLAUB ES MIR DOCH. DU HAST SO VIELE WITZIGE GROSSARTIGE IDEEN UND VERGLEICHE UND SCHÖNE BILDER UND ich muss dringend nochmal wiederholen wie diese ganzen sprachlichen Mittel heißen ABER SKJFKSFLKSDFLKÖSF MANN

Das Lächeln auf Felix' Gesicht fühlt sich an wie ein Schrei, der Jake direkt durch Mark und Bein geht. Das Chaos in seinem Kopf, das ihm Satzfetzen und Schlamm entgegen wirft, durchdringt er trotzdem nicht.
SOWAS MEINE ICH.

UND DANN ZAUBERT FELIX SCHNEE. IM SOMMER IN AUSTRALIEN. MANN. ... ♥

Vielen Dank hierfür :D

Date: 2015-12-01 08:44 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Awww, ich will auch Schnee!

(Und bin neidisch auf Deine Phantasie ...)

Date: 2015-12-02 09:56 am (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Ich bin so stolz auf dich (!!!) und das ist SOOOO niedlich und ich mag nicht mal Schnee!!! XD
Aber awwwwwwwwww!!! ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ *____*
Ach die beiden !! *___*

Date: 2015-12-07 07:47 pm (UTC)
der_jemand: (lorelai <3)
From: [personal profile] der_jemand
Awwwwwwww! Ich hab ja keine Ahnung vom Fandom, aber das ist wunderbar, melancholisch, niedlich und so, so wunderbar geschrieben.
Jake hatte wirklich geglaubt, dass Felix glücklich war (und dass der Ritualdolch das beste Tomatenmesser war, das er je benutzt hatte)
Oh, und lustig. XD

Ich grinse jetzt selig vor mich hin, danke dafür. <3

Date: 2015-12-09 05:38 pm (UTC)
der_jemand: (crush)
From: [personal profile] der_jemand
Ach, verdammt, du kennst mich zu gut. NATÜRLICH BIN ICH ÜBERZEUGT! ZUM TERMINKALENDER!!!!!!!!!!!!!!!!!

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios