[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Morpheus
Fandom: Tumbling (AU)
Challenge: h/c - Gerüchte/Verleumdung - für mich - und damit habe ich eine Weltherrschaft!
Personen: Mizusawa, Ryôsuke, Kaneko
Warnung: Andeutung von Gewalt (graphic und so)
Anmerkung: Meine letzte Fic für die Sommer-Challenge :D Wie sonst sollte ich das begehen, wenn nicht noch einmal Ryôsuke so richtig schön wehtun. Ähm ja.
Kaneko hat Fressneid. Und Issues.

Der erste Satz, den Kaneko zu Ryôsuke sagt, ist kein Gruß.
Kein „hallo“, kein „Tagchen“, kein „'n Morgen“. Nichts dergleichen.

Nein, denn das erste, was Taku an einem verregneten Nachmittag mitbekommt, als er aus einem leichten Schlummer erwacht und Ryôsuke auf dessen Krankenlager sich bewegen spürt, ist Kaneko, der die Schiebetür zum Raum mit deutlich zu viel Enthusiasmus aufreißt. Sie rummst im Holzrahmen und Ryôsuke zuckt neben, unter, an ihm zusammen.

Taku öffnet alarmiert die Augen.

Kaneko steht im Zimmer und sieht aus wie zum Zerreißen gespannt.
Seine Brille sitzt schief auf der Nase, seine Fäuste sind geballt. Wenn er nicht so klein und dünn wäre, würde Taku ihn bedrohlich finden.

Ryôsuke neben ihm blinzelt nervös. Er setzt sich etwas auf im Futon und senkt den Kopf, schaut vorsichtig nach oben zu Kaneko auf. Es mutet an wie die Geste eines in die Ecke getriebenen Tieres.

„Wie viel isst du?“

Es klingt fast nicht mehr nach einer Frage. Dafür, dass Kaneko so dünn und zerbrechlich ist, klingt er so fordernd, dass er für Taku beinah wie ein Fremder wirkt.

Ryôsuke blinzelt scheu.
„...Was?“, murmelt er vorsichtig.

„Wie viel du isst, will ich wissen!“

Kaneko tritt hektisch von einem Fuß auf den anderen.

„Nur damit du's weißt, unser Essen hier war schon knapp, bevor du dich hierher hast tragen lassen. Wataru und Kiyama müssen jeden Tag immer weiter von hier pilgern, damit wir was zwischen die Zähne kriegen. So wie du aussiehst, frisst du uns dann irgendwann die Haare vom Kopf. Also?“

„Kaneko“, sagt Taku sehr leise und warnend.

„Was soll das?“

„Das weißt du genau!“ Für ihn wirkt Kaneko noch immer nicht bedrohlich. Taku hat ihn am Kragen hochgezogen und gegen eine Wand gestoßen. Unglaublich, aber wahr: Er würde den Jungen im Zweifelsfall schon ein bisschen verprügeln können. Und momentan bekommt er darauf sogar ein wenig Lust.

„Ich hab mir Yûtas Aufzeichnungen angesehen. Das hat schon kaum hinten und vorne gereicht, als sie dich hier angeschleppt haben. Aber den da können wir gar nicht gebrauchen.“

Es würde nur noch fehlen, dass er anklagend mit dem Finger auf Ryôsuke zeigen würde.

Ryôsuke, der um ein Haar verhungert wäre. Ryôsuke, der inzwischen auf die Toilette gehen kann, aber dafür immer noch gestützt werden muss. Ryôsuke mit den großen Augen und den weichesten Armen.

„Das reicht jetzt“, sagt Taku drohend.

„Hör auf, ihm irgendwas zu unterstellen. Du weißt genau, dass wir trotzdem gut hinkommen. Du rennst doch immer in die Speisekammer und kontrollierst den Bestand noch zwei Mal, ganz so, als wäre Yûta blind!“

Es ist etwas Zwanghaftes, das weiß Taku.
Aber wenn Kaneko austeilen kann, dann kann er das erst recht. Vor allem, wenn es darum geht, Ryôsuke zu beschützen.

„Ich wollte nie...“
Ryôsuke schaut auf seine Hände über der Decke.

„Es tut mir wirklich leid, ich wollte nie...“

„Ja, davon, dass es dir leid tut, können wir uns auch nichts kaufen.“
Kaneko schaut bockig zur Seite.

„Sag das dann denen, die von uns zuerst verhungert sind.“

Taku kann nicht anders – er sieht rot.
Er ist auf den Füßen, bevor er es selbst bemerkt und vor ihm kracht Kaneko mit dem Rücken gegen die Schiebetür.
„Halt den Mund!“, knurrt Taku. Er sieht die Tränen in Kanekos Augen, doch jetzt ist es ihm egal.

„Halt doch einfach den Mund! Wie kannst du nur so herzlos sein und das zu jemandem sagen, der selber fast verhungert wäre!“

„Mizusawa“, hört er Ryôsuke zaghaft hinter sich.
„Ist schon gut.“

„Nein, ist es nicht!“, poltert Taku und stößt Kaneko erneut gegen die Tür. Es rummst auf der ganzen Etage.

„Was soll ich mit dem?!“
Kaneko schreit jetzt. Seine Stimme überschlägt sich, quietschig und brüchig und erbärmlich.

„Was soll ich mit dem, wenn ich meine Eltern haben könnte?!“

Er verpasst Taku einen so kräftigen Stoß, dass dieser zurücktaumelt und, unfähig, sich auf den Beinen zu halten, auf seinem Hintern auf den Tatami-Matten landet.

Kaneko atmet heftig ein und aus. Er ist rot im Gesicht, zum Zerbrechen gespannt und Tränen laufen ihm über die Wangen.

Taku presst Luft in seine Lungen, bis er keine Sterne mehr vor den Augen sieht. Der Aufprall hallt in seinem ganzen Körper wider.

„Meine Eltern sind auch tot“, sagt er stur.
„Und ich bin froh, ihn zu haben. Heilfroh. Hör auf, andere für dein Unglück verantwortlich zu machen.“

„Was interessiert mich das“, ruft Kaneko heiser. Er fährt mit den Fingern unter die Gläser seiner Brille und wischt sich brutal die Tränen weg.

„Und du?“, herrscht er Ryôsuke hinter Taku an.

„Sind deine Eltern wenigstens auch tot?!“

Der Zorn treibt Taku wieder auf die Beine. Er rutscht dabei auf der Tatami aus, flucht leise. In seinem Bauch glüht es rot und heiß und er ist sicher, er hat noch nie in seinem Leben jemanden so erwürgen wollen. In seinem Kopf hört er Wataru, der sagt, man soll vorsichtig mit Kaneko sein.Er meint nicht immer, was er sagt. Er wacht noch immer nachts schreiend auf, weil er von den ausgemergelten Leichen seiner Eltern träumt. Taku wüsste nicht, was das entschuldigen soll. Er wacht oft genug von der Erinnerung daran auf, wie das Gehirn aus dem gespaltenen Schädel seines Vaters tropft.

Es ist Ryôsuke, der etwas sagt, bevor Taku sich mit Mordlust auf Kaneko stürzen kann.

„Nein“, entgegnet er leise.

„Oder nein...ich weiß es nicht. Sie haben mich zurückgelassen.“

Alles in Taku hält an. Seine Bewegungen, sein Atem, womöglich sogar sein Herzschlag.

Er dreht sich zu dem Jungen im Futon herum.
„Zurückgelassen?“, wiederholt er zaghaft.

Ryôsuke weicht seinem Blick aus. Er lässt ihn über die Matten wandern, über die Wände und zurück zu den dürren Händen in seinem Schoß.

„Sie...“ Er presst kurz die Lippen aufeinander.
„Sie brauchten mich nicht mehr. Zu viel Ballast.“

Irgendetwas zerbricht in Taku. Er weiß nicht, ob es daran liegt, wie Ryôsuke aussieht, als würde er sich für seine gesamte Existenz entschuldigen wollen, daran, dass er in genau diesem Moment ein wenig zu verschwinden scheint wie ein Geist oder daran, dass Kaneko auf der anderen Seite den Mund öffnet, aber keine Worte zu finden scheint, die er dem Jungen entgegenwerfen kann.

Und genau das ist es. Tote Eltern sind tragisch.
Eltern, die ihr Kind dem sicheren Tod überlassen, sind ungeahnte Grausamkeit.

Kaneko atmet stoßend aus, seufzend, frustriert.
Er macht eine trotzige, wegwerfende Handbewegung und verschwindet aus dem Zimmer.

Taku ignoriert ihn.
Alles, was er weiß, ist, dass er auf Knien zu Ryôsuke hinüber robbt und die Arme um ihn legt.

„Kümmer dich nicht um ihn“, murmelt er in Ryôsukes Haar und drückt den Jungen vorsichtig an sich.
„Der kriegt sich wieder ein. Wir haben genug zu essen. Wir haben genug, wirklich. Du bist kein Ballast! Wir brauchen dich, wir brauchen dich, ich brauche dich.“

Er hört Ryôsuke schlucken und bemerkt erst dann, was er am Ende des Satzes gesagt hat.
Oh Gott.

Doch der Junge legt scheu die Arme um ihn.

Dünn und warm und knochig ist er.

Er trägt die Hölle und Geister und den Tod in sich. Taku weiß nicht, wie er all das zwischen seinen schwachen Rippen hält.

Doch er umarmt ihn noch die ganze Nacht, um seinen Worten Gewicht zu verleihen.

Date: 2015-10-04 10:18 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Gott Wino .... Wino...
;___________;
Abgesehen davon, dass ich mich jetzt hinlegen und weinen will, habe ich gar keine Worte dafür zu beschreiben wie schrecklich und wunderbar und schmerzhaft und grausam das ist.
Gott...
Mein Herz.

Das ist so intense und tut an all den richtigen Stellen weh.
Kaneko, den man erst - im Takt zu Mizu - anbrüllen und schütteln will, weil oh Gott, seriously, sowas kann er doch nicht zu Ryousuke sagen. ;__; Mein armes Rehkind. Das geht nicht. Und der einem dann am Ende doch irgendwie unerwartet so leid tut ... weil er so wie alle in diesem Camp über die Maßen traumatisiert und mitgenommen ist und das bei ihm nur in einer so aggressiven Art und Weise rauskommt.
Und Mizu .... ach Mizu....
Ernsthaft, protective!Mizu, der sich wie eine schützende Wand vor Ryousuke aufbauen und sich um ihn herumwickeln will ... ;__; *schluchz* Das ist so schön und das gibt mir so viel ...
Und als ihm am Ende auch noch rausrutscht, dass er ihn braucht ...
MEIN HERZ. SERIOUSLY. ;__;
Niemand braucht Ryousuke in dieser AU so sehr wie Mizu .... Ich weiß nicht, ob Ryousuke selbst das jemals so klar wird (vielleicht müssen er und Wataru darüber auch eines Tages ein langes Gespräch haben) - aber er hat Mizus Leben genauso gerettet wie umgekehrt ...
;___;

Und Ryousuke...
Gott.
Mir fehlen die Worte. *schluchzt*
Niemand bricht mir so gut und so konsequent das Herz wie Ryousuke.
Sie haben mich zurückgelassen.
Gooooott....
Ich weiß das, weil wir das erfunden haben und weil ich dabei war als es passiert ist ... und trotzdem tut es so wahnsinnig weh das so zu hören ...
Ryousuke....
Gott...
Er hat wirklich die epischsten Abandonment Issues die wir jemals erfunden haben ...
Es ist SO schlimm.

Und du bist kein Balast, Baby, lass dir sowas nicht erzählen .... ;_; Du bist so viel mehr!

HAch Wino ... *an dich klammer und wein*

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