[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Ich weiß, heute bin ich extrem spät. Aber ich war erst halb neun zu Hause, musste Abendbrot machen, essen, musste meine Mutter an meinen PC lassen und den ganzen Quatsch ;_;

Challenge: #1-3 Tage wie dieser
Fandom: Original "Papierflugzeuge"
Warnung: Viel Regen

Diese Handies von heute hielten aber auch gar nichts mehr aus.
KeineRegengüsse. Kein In-den-Matsch-Werfen.
Sie kratzten einfach so ab.

Samuel stieg aus dem Auto aus und der Regen strömte sofort in alle Ritzen, die zwischen seinen Kleidern und seiner Haut waren.

Sein Handy hatte den Geist aufgegeben, der Kühler seines sonst sehr geliebten schwarzen Golfes kochte. Er stand irgendwo im Nirgendwo. In etwa dreißig Metern Entfernung leuchteten die Scheinwerfer das gelbe Ortsschild „Spitzmühle“ an.

Einen Moment lang musste er an Ariane denken, die vorhin so rote Wangen gehabt hatte, so hellblonde Haare, so weiße Brüstchen.
„Komm schon!“, hatte sie geflüstert als sie, betrunken wie sie gewesen war, an seinem Poloshirt gezogen hatte, an ihm gezogen hatte.
„Komm schon, wie in alten Zeiten!“

Sie hatte geraucht, hatte ganz geweitete Pupillen gehabt und sich an ihn geschmiegt bis sein Körper auf die Barrikaden gegangen war. Noch dazu ihre leise, lüsterne Stimme.

Samuel spürte wie der Rest seines Körpers einregnete. Es war ein Regen wie aus der Hollywoodmaschinerie, laut und heftig. Seine Tropfen warfen Blasen auf dem schwarzen Asphalt, es sah hübsch aus im Scheinwerferlicht.

„Fick mich!“, hatte Ariane gehaucht und plötzlich ihre Hand in seiner Hose gehabt.
„Ich weiß doch, dass du es willst!“
Irgendwo dahinter hatte sich im selben Moment Conny damenhaft in die Chips übergeben, Schimmel hatte geschrien und Martin gejuchzt.
Der ganze Abend war hinüber gewesen.

„Mein Auto ist im Arsch!“, hatte Samuel eine halbe Stunde später in sein Handy gebrüllt. Das Gespräch war mehr Funkloch als alles andere gewesen. Was erwartete man auch von einem Kaff, dass „Spitzmühle“ hieß?
Der schwarze Golf hatte geächzt, geraucht, gestunken, als ob er die schlechte Party vor der Tür mit Schimmelchens Jeep und Arianes Tussen-Peugeot mitgefeiert hätte.

Warum nur war heute Abend alles schiefgegangen?

„Schatz, wir können nicht kommen!“, hatte Samuels Mutter ins Telefon geflötet.
„Wir schicken dir ein Taxi vorbei oder so!“
Das war vor zwei Stunden gewesen.

Der kalte Oktoberwind riss an den Regenstrippen. Irgendwann würde die Batterie des Autos auch leer sein. Samuel hatte große Lust, sein Handy mit dem Golf zu überfahren, wenn dieser noch angesprungen wäre. Seither war kein einziges Auto vorbeigekommen.

„Lass mich!“, hatte er zu Ariane gesagt.
„Ich bin nicht so einer!“
Da hatte sie nur gelacht und ihre dünnen, durchblondeten Haare geschüttelt.
„Du hast doch keine andere, also komm schon! Komm schon, ich weiß alles!“

Sie wusste nichts.
Von nichts hatte sie eine Ahnung. Das hatte ihn so sehr gereizt, dass er ihr eigentlich eine hatte knallen wollen, wenn sie nicht so betrunken und hilflos ausgesehen hätte.
Er steckte in einer Sinnkrise und sie hatte Nerven, ihm auch noch den Finger in die Wunde zu legen.
Es wäre die Gelegenheit gewesen, sich selbst zu beweisen, dass er noch immer derselbe Stecher war wie früher. Leider hatte er Ariane in keinster Weise einen Gefallen tun wollen. Sie hätte ihm hinterher wieder nachtelefoniert. Frauen verstanden so etwas doch immer gerne als Zeichen.

„Keinen blassen Schimmer hast du, du blöde Kuh!“, hatte er ihr unfreundlich zugeraunt und war gegangen.

Der Abend war ruiniert.
Das Auto zu reparieren würde ein Vermögen kosten. Ein neues Handy ebenso.
Aber wahrscheinlich würde das alles keine Rollen mehr spielen, da er bis morgen früh hier im Regen längst durchgeweicht und erfroren sein würde.
Und das ohne ein letztes Mal Sex.

„Scheiße!“, fauchte Samuel und verpasste seinem Auto einen Tritt.

Er hörte das knatternde Motorengeräusch erst viel später, so sehr rauschten der Regen und sein Blut in seinen Ohren.
Durch den Vorhang aus Oktoberwasser konnte er sehen wie sich ein Zweirad näherte, so einer dieser Cityroller, die die Omas von nebenan benutzten, langsam und extrem bedächtig, und dann, kurz vor seinem Auto, stieg der Fahrer ab.

Einen Augenblick stand Samuel reglos da und betrachtete den Fremden, der langsam auf ihn zukam. Er fühlte sich ein wenig wie Marty McFly in „Zurück in die Zukunft“, bevor er den Brief von Doc aus dem Wilden Westen von einem unheimlichen Mann in strömenden Regen zugestellt bekam.

„Entschuldigen Sie!“, rief er zaghaft. Wahrscheinlich war es ein Rentner aus der Gegend.
„Könnten Sie mich wohl mitnehmen? Mein Auto hat den Geist aufgegeben und...“

Sein Gegenüber klappte das Visier des Motorradhelms hoch. Die sterbenden Scheinwerfer des Golfes strahlten dunkle Schatten in das junge Gesicht, welches Samuel sehr erstaunt erkannte, ihn geradezu verstummen hatte lassen.

„Was machst du denn hier?!“

„Hi!“
Rufus lächelte freundlich wie es seine Art war.
„Mama und ich waren deine Eltern gerade besuchen als du dort angerufen hast. Sie haben mir den Roller hier geliehen und da bin ich halt los um dich zu holen.“
Dunkelblonde Strähnchen klebten an seinen Wangen.
„Sind die denn bescheuert?“
Samuel schüttelte den Kopf.
„Sie haben gesagt, sie schicken ein Taxi!“

Es war ihm unangenehm, Rufus jetzt ins Gesicht zu blicken.
Der Augenblick mit Ariane saß fest in Samuels Kopf, saugte an seinen Gedanken wie ein Parasit. Es war lächerlich, weil es weder eine Erklärung noch überhaupt eine Frage gab.
Es gab nur den Regen und die Verlegenheit.

Rufus lächelte schüchtern.
„Ja.“
Er murmelte gegen den Regen an.
„Das Taxi bin ich!“

In dem Moment schien die Autobatterie ihre letzte Energie verbraucht zu haben, denn die Scheinwerfer erloschen langsam und harmonisch wie das Rampenlicht im Theater. Um die beiden jungen Männer herum verblieb Regen, Finsternis und die schwarzen Wälder in der Ferne. Eine unheimliche Dunkelheit.

Samuel hatte den Kopf auf Rufus´ Schulter abgelegt. Er fühlte sich verwirrt und resigniert.
„Bist du müde?“
Sein Freund regte sich kaum. Er roch nach gerösteten Mandeln und Sahnepudding.
Heimelig.

„Ich hätte meine Ex knallen können.“, murmelte Samuel leise.
Es war als würde sein Verstand mit dem Regen durchweichen. Das Auto, das Handy, die kotzenden Conny und Ariane...das alles war zerfetzt und doch noch nahe.
Rufus hob die Arme und legte sie vorsichtig um ihn.

„Und? Hast du?“
Natürlich war er nicht eifersüchtig. Rufus hatte keine Ahnung, was ablief.
Aber vielleicht war gerade das das Gute.
Einen Augenblick lang wollte ihm Samuel sagen, dass er lieber ihn knallen wollte.
Es war das erste Mal, dass er sich diesen Spruch verkniff.

„Wie schnell fährt denn dieser unglaubliche Ofen?“
„25 Kilometer pro Stunde.“
„Wahnsinn. Ich hoffe, dich hat keiner geblitzt!“
„Es gibt Blitzer für so wenig Geschwindigkeit?“
„Schon gut. Fahr mich heim, ja?“
„Ja, aber halt dich gut an mir fest, okay?“

Samuel warf sein Handy in den Matsch am Straßengraben.

Date: 2007-09-28 08:55 am (UTC)
From: [identity profile] funky-mina.livejournal.com
Awww~ Awwww~ Awwwwwwwwwwwwwwwwwww~~~!!!!!!!
Ich LIEBE die beiden einfach so unglaublich sehr und überhaupt, sie machen mich so hibbelig und weich und blubb und... jetzt will ich mich wieder ins Bett legen und weiterschlafen, zufrieden und heimelig von ihnen träumend. *hach*
Es ist toll, wenn abgefuckte Tage schön enden können.

(Und ich hab fast meine Cornflakes rausgeprustet, als Connie elegant in die Chips gekotzt hat XDD~~~)

Date: 2007-09-28 02:15 pm (UTC)
From: [identity profile] shojo-pingu.livejournal.com
Langsam, aber sicher dürften dir meine Kommentare zeigen, dass ich keinerlei Fantasie habe, denn ich kann schon wieder nur schreiben: Oh Gott, ich liebe die Stimmung zwischen den beiden! *-* Es hat so was wunderschönes, dass ich jedesmal nach einer Papierflieger-Story seelig lächelnd vor meinem PC sitze.
Danke für die schöne Story kurz vorm Einschlafen. ^^

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