Romantik - ich vermisse dich - fürs Team
Sep. 30th, 2015 01:50 pmTeam: Morpheus
Challenge: Romantik – Ich vermisse dich – fürs Team
Fandom: School 2013
Titel: Schlafenszeit
Inhalt: Lehrer Kang beschließt, dass er etwas gegen Namsoons Müdigkeit tun muss.
Anmerkung: für ayawinner. THEY ARE BOTH LEGAL, I SWEAR.
Schlafenszeit
Es ist keine der üblichen Gegenden, die er für diesen Auftrag besuchen muss.
Die Hochhäuser hier sind gepflegt und mit viel weniger greller Werbung ausgestattet.
So weit nach draußen in die Vororte fährt Namsoon eigentlich nur ungern, weil die Spritkosten sich meistens nicht lohnen, wenn er nur einen Stapel Dokumente abholen und irgendwo zurück in die Innenstadt bringen soll.
Doch ihm bleibt nichts anderes übrig, wenn er seinen Chef wieder gnädig stimmen will und so fährt er an Bushaltestellen und Kinderspielplätzen vorbei, bis sich die Straße vor ihm verbreitert und zu einem großen runden Platz ausläuft, der von weißen, riesigen Glas- und Betonbauten umschlossen wird. Alles ist hell erleuchtet und sehr, sehr sauber.
Wahrscheinlich könnte Namsoon seinen Motoroller einfach stehen lassen, doch er ist misstrauisch und achtet ganz besonders darauf, den Roller abzuschließen. Er lässt nicht einmal den Helm im Fach liegen sondern klemmt ihn sich unter den Arm und schlendert gähnend auf einen der Hauseingänge zu. Sein Chef hat ihm gesagt, dass der Auftrag mindestens drei Stunden in Anspruch nehmen wird, wenn nicht länger, doch das Wichtigste, nämlich was Namsoon transportieren soll, hat er ihm verschwiegen.
Trottel, denkt Namsoon, doch solang er sein Geld bekommt, ist ihm alles egal. Vielleicht ist er so gegen ein Uhr nachts zuhause, wenn alles gut geht.
Er gähnt noch einmal, dann drückt er auf das Klingelschild von Appartment 115 und wartet, doch anstatt dass sich eine verzerrte Stimme aus der Gegensprechanlage meldet, geht plötzlich die Tür auf.
Namsoon schaut sich um. Außer ihm ist niemand auf der Straße unterwegs und sein Roller steht unter der nächsten, hell leuchtenden Straßenlaterne. Wird schon gutgehen, denkt er und schlüpft durch die Tür in den hellgelb gestrichenen Flur hinein und sucht nach Appartment 115.
Es dauert eine ganze Weile, bis er sich in dem schrecklich verwinkelten Gebäude zurechtgefunden hat und als er endlich vor der richtigen Wohnungstür steht, sind ihm schon fünf Minuten verloren gegangen. Vielleicht kommt er auch erst um drei Uhr ins Bett, wenn das so weiter geht.
Seufzend streicht sich Namsoon einmal über die Haare, damit er halbwegs präsentabel aussieht, und drückt auf die Klingel.
"Whatever Errands", ruft er, "Sie bestellen, wir liefern!"
Das ist überhaupt nicht der Slogan von Whatever Errands, aber für kompliziertere Wörter ist Namsoon gerade zu müde. Einem Lieferanten hört außerdem sowieso niemand zu, also ist es eh völlig egal, was er außerhalb von "Ja, der Herr" noch sagt.
Vielleicht sollte er mal versuchen, wie viele Schimpfwörter er in einer Kundeninteraktion unterbringen kann, ohne dass es irgendwer mitbekommt.
Später, entscheidet er. Wenn ihm vor lauter Müdigkeit nicht mehr die Augen vom Schädel fließen wollen.
Gerade als Namsoon die Faust hebt, um noch einmal zu klopfen, wird die Tür endlich aufgerissen.
"Das wurde aber auch Zeit!"
Namsoon sagt gar nichts. Er bleibt mit hocherhobener Hand stehen und lässt seinen Mund aufklappen.
Vor ihm, in einem frühlingsgrünen Pulli und einem Küchentuch über die Schulter geschlungen, steht Lehrer Kang und grinst ihn schadenfroh an.
"Es war gar nicht so leicht, herauszufinden, wo du dich noch für ein paar Almosen ausbeuten lässt", sagt Lehrer Kang. "Gott sei Dank hatte ich noch die Quittung von unserem ersten denkwürdigen Treffen."
Namsoon steht im Wohnzimmer und sagt gar nichts.
Es fällt ihm sowieso nichts ein und wenn er Lehrer Kangs breites Grinsen richtig deutet, dann steckt er bereits jetzt in sehr großen Schwierigkeiten. Namsoon kann sich zwar nicht dran erinnern, dass er irgendeinen Blödsinn angestellt hat, doch man weiß ja nie, was sich die Erwachsenen wieder in den Kopf gesetzt haben.
"Was ist eigentlich aus deinem Job bei der Tankstelle geworden?", fragt Lehrer Kang. "Miese Arbeitsbedingungen?"
"Hat sich mit Mathe überschnitten", sagt Namsoon, als wisse Lehrer Kang nicht ganz genau, was vorgefallen ist. Manchmal hat er das Gefühl, dass sie nur Theater miteinander spielen, Lehrer Kang aber viel mehr vom Skript kennt, als Namsoon. Er kann nur reagieren und hoffen, dass er den nächsten Schlag kommen sieht.
Lehrer Kang lächelt schon wieder und wenn Namsoon nicht so müde wäre, dann würde ihn diese Selbstgefälligkeit mit Sicherheit stören.
"Sie haben also was zu liefern?", murmelt Namsoon und umfasst den Helm in seiner Hand noch ein bisschen fester, bis das billige Leder seine Handschuhe knirscht.
"Sonst hätte ich wohl kaum einen Lieferanten bestellt", erwidert Lehrer Kang. Er bewegt sich keinen Zentimeter von seinem Platz am Küchentisch weg, nur sein Blick wird plötzlich noch durchdringender und kühler. Hinter ihm stapelt sich dreckiges Geschirr in der Spüle und aus dem Augenwinkel kann Namsoon sehen, dass auf dem Bett ein Jackett und ein Gürtel liegen und obwohl Lehrer Kang überall sein ganz privates Leben verteilt hat, in den Regalen, im Schrank, auf dem Wohnzimmertisch, fühlt es sich trotzdem genau so an, als stünde Namsoon vor Lehrer Kang im Klassenzimmer.
Vielleicht können Lehrer das nicht abstellen, denkt Namsoon und spürt, wie er die Hände wieder entspannt. Vielleicht sind sie deshalb Lehrer geworden. Lehrer Kang lächelt, als er ihm zuschaut, doch Namsoon beschließt, sich nicht mehr daran zu stören.
"Geh hinüber zum Schrank", sagt Lehrer Kang. "Nimm eine Schüssel raus und ein Glas. Und dann bring beides zum Tisch."
Namsoon zögert, doch er legt zumindest den Helm ab und macht einen halben Schritt auf den Schrank zu.
"Ich dachte, ich soll was für Sie ausliefern."
"Sollst du ja auch", sagt Lehrer Kang. "Die Schüssel und das Glas. Zum Tisch. Brauchst du es schriftlich?"
Namsoon seufzt. Es bringt überhaupt nichts, sich mit dem Lehrer anzulegen, das hat er mittlerweile begriffen und außerdem ist Namsoon vielleicht müde und stapft durchs Leben, als würde er durch klebrigen Nebel warten, aber die Neugier strampelt in seiner Brust und befiehlt ihm, endlich rauszufinden, worum es hier eigentlich geht.
Er trägt wie befohlen die Sachen hinüber zum Tisch und bleibt dann wieder stehen, als sei er ein Roboter und seine Programmierung reiche nur dafür.
Lehrer Kang schaut ihn an. "Bist du in einem Stall aufgewachsen? Zieh deine Jacke aus, wenn du dich zum Essen hinsetzt."
Namsoon gehorcht. Was anderes bleibt ihm nicht übrig, und als er sich hingesetzt hat, bewegt sich Lehrer Kang endlich und füllt seine Schale bis zum Rand mit Nudelsuppe.
Dann setzt er sich vor ihn an den Tisch und deutet auf die Stäbchen und während Namsoon anfängt zu essen, beginnt Lehrer Kang zu erklären.
"Du schläfst in letzter Zeit noch häufiger im Unterricht als sonst, Namsoon."
"Ja", sagt Namsoon. Es gibt keinen Grund, das abzustreiten. "Ich bin müde."
"Wegen deiner Nebenjobs."
Namsoon kaut und denkt nach. Er denkt an Heungsoo und an Jung Oh und an all die anderen aus ihrer Klasse, die sich mit ihren Lügen und Geheimnissen wie ein Netz um seine Brust legen und ihm die Luft abschnüren. "Auch."
Lehrer Kang nickt, als sei das eine völlig neue Information gewesen. Er lächelt, als Namsoon sich an seiner Suppe verschluckt.
"Du weißt, dass Lehrerin Jung sich in den Kopf gesetzt hat, dich wenigstens auf eine Vier zu heben, nicht wahr?"
"Ja", sagt Namsoon.
"Und du weißt auch, dass du noch so häufig in den Nachholunterricht kommen kannst und es trotzdem nichts bringen wird, wenn du die ganze Zeit nur schläfst?"
Er könnte die Stäbchen hinknallen, denkt Namsoon. Und die Arme vor der Brust verschränken und sich beschweren, dass es unfair ist und was er denn machen soll, er braucht das Geld dringender als eine gute Note in Literatur und dass es ihm leid tut, wenn er die Lehrerin enttäuscht, das tut es wirklich, doch er sieht keine andere Möglichkeit und kann er jetzt bitte wieder arbeiten gehen, er muss Geld verdienen!
Er sagt nichts davon. Er schlürft seine Suppe und beobachtet Lehrer Kang und seinen lächelnden Mund.
"Wär möglich", sagt Namsoon schließlich.
"Gut", sagt Lehrer Kang. Dann verliert er sein Lächeln und starrt Namsoon direkt in die Augen. "Bis zum nächsten Test wird das folgendermaßen laufen: du kommst hierher, isst etwas und haust dich dann drei Stunden aufs Ohr."
"Ich muss arbeiten", sagt Namsoon.
"Du musst vor allem lernen, zuzuhören, Herr Klassensprecher." Lehrer Kang seufzt. "Gerade in diesem Moment arbeitest du. Was meinst du, warum ich deinen Transportservice angerufen habe, und nicht dich direkt?"
"Weil ich sonst nicht gekommen wäre?"
"Du bist tatsächlich gar nicht so blöd."
Namsoon grinst und verschlingt den Rest seiner Suppe. "Sie bezahlen mich also, damit ich hier auf Ihrem Sofa liege und schlafe? Ich glaube, dafür haben Sie die falsche Agentur angerufen."
Er hat es kaum gesagt, als ihm klar wird, dass er zu weit gegangen ist. Hastig senkt er den Blick und überlegt sich, wie er am besten eine Entschuldigung formulieren und gleichzeitig zur Tür rennen kann, als Lehrer Kang plötzlich anfängt zu lachen.
"Du wirst immer besser, Go Namsoon", sagt er und nimmt die Brille ab, um sich über die Augen zu wischen. "Was für ein Rotzlöffel du bist."
Namsoon grinst vorsichtig. "Ich… ich kann das nicht annehmen. Es ist sehr nett, dass Sie mir helfen wollen, aber…"
"Das ist überhaupt nicht nett", unterbricht Lehrer Kang ihn. "Ich mache das, weil sich Lehrerin Jung solche Mühe mit dir gibt und…"
Der Satz bleibt unvollendet und von einer Sekunde auf die andere schweigt Lehrer Kang wieder und verschränkt die Arme vor der Brust.
"Ich mache das, weil ich offensichtlich zu viel Geld habe", sagt er nach ein paar Sekunden, doch er schaut Namsoon nicht an. "Es ist keine sehr elegante Lösung, doch es ist die einzige, die sich anbietet. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du schon verstanden hast, dass es manchmal nur so funktioniert in dieser Welt."
Nur so, sagt der Lehrer und Namsoon versteht 'mit Geheimnissen, mit Halbwahrheiten, mit Risiken'. Er hat das tatsächlich schon verstanden, besser als ihm selbst lieb ist.
Namsoon legt die Stäbchen weg und gähnt. Er weiß, wann er besiegt ist und auch, wann er aufhören muss, jemanden zu treten, der schon am Boden liegt.
"Also… also schlaf ich jetzt?"
"Ja. Außer du möchtest tatsächlich Nachhilfestunden in Literatur nehmen."
"Gute Nacht, Lehrer Kang."
"Gute Nacht, Namsoon."
Am nächsten Tag wird Namsoon wieder in die Vororte gerufen, isst Nudeln an Lehrer Kangs Küchentisch und haut sich drei Stunden aufs Ohr, ehe er zurück zur Zentrale und dann nach Hause fährt. Am übernächsten und dem Tag darauf geht es genauso weiter.
Am Donnerstag kommt kein Auftrag und Namsoon liegt erst kurz nach zwei Uhr nachts im Bett. Er stellt völlig überrascht fest, dass er Hunger hat. Seine übliche Packung Kekse, die er sonst immer vor der Arbeit verputzt, hat er nicht in seinen Ranzen gepackt, weil er sich auf eine Schale Suppe bei Lehrer Kang eingestellt hat.
Namsoon dreht sich auf die andere Seite und hört auf nachzudenken und am nächsten Abend bekommt er einen Dauerauftrag für drei Wochen.
"Herr Klassensprecher!"
Namsoon bleibt stehen und dreht sich um, als er Lehrer Kang nach sich rufen hört. Heungsoo, der neben ihm den Gang entlang gelaufen ist, bleibt ebenfalls stehen.
"Was hast du jetzt wieder angestellt?", murmelt er.
"Hab seinen Kühlschrank leer gefressen und in seinem Bettchen geschlafen", antwortet Namsoon und lacht, als Heungsoo nach ihm schlägt.
Dann geht er zu Lehrer Kang hinüber, der ihm in leisen Worten mitteilt, dass er nicht eingekauft hat und Namsoon irgendetwas mitbringen soll.
Sie essen Huhn an dem Abend und Lehrer Kang lacht, als Namsoon erzählt, dass er extra seine Schuluniform wieder anziehen musste, damit die Boten vom Fastfood-Laden nicht denken, er würde ihnen das Geschäft weg nehmen wollen.
Eines Abends, als er wieder bei Lehrer Kang auf der Couch schläft, schreckt er plötzlich hoch, ohne richtig aufzuwachen. Es ist dunkel im Wohnzimmer und in jedem Winkel lauern Monster mit spitzen Zähnen, die ihm die Beine abbeißen wollen.
Namsoon schaut nach oben. Über ihm, vorgebeugt und so nah bei ihm, dass er sein Parfüm riechen kann, steht Lehrer Kang.
"Du schreist schon wieder im Schlaf", murmelt er und dann streckt er die Hand aus und streicht Namsoon über die Wange, ganz sanft und zögerlich, so als sei er sich nicht sicher, ob Namsoon nicht nur ein Geist sei, der auf seinem Sofa wohnt.
Endlich, denkt Namsoon, und dann Was?
Er greift nach der Hand auf seiner Wange und dann bleiben sie eine Weile so.
Sie haben noch zwei Wochen.
Lehrerin Jung bestellt Namsoon ins Lehrerzimmer, als die Prüfungen vorbei sind, doch sie bleiben nicht dort. Stattdessen packt sie ihn und Lehrer Kang an den Händen und zerrt sie in Richtung der Turnhalle.
Namsoon hofft sehr, dass er nicht schon wieder einen Mopp in die Hand gedrückt bekommt, oder dass ihm zumindest erklärt wird, warum er schon wieder irgendetwas fegen soll. Er wirft einen Blick auf Lehrer Kang, doch der schaut nur verblüfft auf seine Kollegin und als sie die Turnhalle betreten, sieht es so aus, als wolle er einen dummen Spruch machen.
Doch bevor er auch nur den Mund öffnen kann, dreht sich Lehrerin Jung um und holt tief Luft. Ihre Wangen sind feuerrot und mit ihrer weiten rostfarbenen Jacke sieht sie plötzlich aus wie ein Rachegott.
"Ich frage das nur einmal", sagt sie, langsam und deutlich. Namsoon läuft ein Schauer über den Rücken. "Was hast du um Mitternacht bei Lehrer Kang in der Wohnung zu suchen, Namsoon?"
Es fühlt sich an, als hätte ihm jemand in den Magen geschlagen, direkt unter die Rippen, wo es am meisten wehtut und deshalb klappt Namsoon der Mund auf und er keucht.
Lehrerin Jung ist das anscheinend Bestätigung genug, denn sie macht ein kleines unglückliches Geräusch und schaut dann seufzend zwischen ihnen beiden hin und her.
"Jemand hat die Uniform erkannt", erklärt sie, "und die Schule informiert. Lehrer Uhm hat mich gebeten, vorher mit euch zu sprechen, bevor irgendwas… "
Sie kann den Satz nicht beenden und das muss sie auch gar nicht, denn Namsoon weiß längst, was sie sagen will. Diese unbestimmte, schreckliche Ahnung, all die Gefahr und die Gerüchte, haben die ganze Zeit von den Wänden geflüstert, im dunklen Schlafzimmer von Lehrer Kang, und Namsoons leises Stöhnen war bei weitem nicht genug, um sie zu übertönen.
"Ach du jemine", sagt Lehrer Kang plötzlich und lacht, bis die ganze Turnhalle dröhnt. Lehrerin Jung zuckt zusammen und verzieht das Gesicht, als hätte sie noch nie ein grässlicheres Geräusch gehört. "Ich kann mir Lehrer Uhms entsetztes Gesicht sehr gut vorstellen."
Es ist vielleicht nicht die beste Taktik, Witze zu machen, denn Lehrerin Jung reißt die Augen auf und Namsoon ist sich eine Sekunde lang ziemlich sicher, dass sie die Fäuste ballen und Lehrer Kang schlagen will.
Doch dann lächelt Lehrer Kang, genauso wie er vor einem Monat gelächelt hat, als Namsoon voller Wut seinen Helm umkrallt hat. Er legt die Hand auf Namsoons Schulter ab und schüttelt ihn, bis Namsoon blinzelt, nachdenkt und endlich mitlacht.
"Ich habe unserem Klassensprecher hier ein paar Einzelstunden gegeben, damit er wenigstens ansatzweise das Klassenziel erreicht", sagt Lehrer Kang, was die logischste und gleichzeitig fadenscheinigste Erklärung der Welt ist. "Was soll er denn sonst bei mir gemacht haben?"
Lehrer Kang wirft Lehrerin Jung einen ungläubigen Blick zu und er schafft es tatsächlich, ein wenig beleidigt auszusehen, während Namsoon spürt, wie die Hand auf seiner Schulter zittert. Ihm fällt nichts ein, was er sagen könnte. Lehrer Kang beherrscht dieses Spiel viel besser als Namsoon, also grinst er nur und bestätigt ihr Lügenmärchen und obwohl er das überhaupt nicht möchte, sorgen sie gemeinsam dafür, dass sich Lehrerin Jung scheußlich fühlt.
Irgendwer bekommt immer die Rechnung in dieser grauenhaften Welt, denkt Namsoon, und meistens sind es die, die gar nichts dafür können.
"Wieso trefft ihr euch nicht in der Schule", sagt Lehrerin Jung schließlich. Sie ist immer noch entsetzlich rot und blinzelt heftig, so als müsste sie Tränen verscheuchen. "Dann gibt es keine… Möglichkeiten für Missverständnisse. Das hätte Ihnen von Anfang einfallen können, Lehrer Kang. Anstatt Ihre Schüler spätabends durch die ganze Stadt zu schicken!"
"Ich werds mir merken", lächelt Lehrer Kang, dann packt er Namsoon im Nacken und zwingt ihn in eine tiefe Verbeugung. "Sag Entschuldigung, Namsoon."
"Entschuldigung", sagt Namsoon. Und dann ist er ganz froh, dass er nur noch den Fußboden der Turnhalle anschauen muss, bis Lehrerin Jung gegangen ist, weil ihm auf einmal schlecht wird.
Er will nicht darüber nachdenken, was genau gerade geschehen ist, doch er spürt auf einmal diesen fürchterlichen Trotz in sich. Er will nicht aufgeben müssen, was auch immer sich zwischen Lehrer Kang und ihm entwickelt hat, doch Namsoon weiß auch, dass es nichts bringt, sich gegen die Umstände aufzulehnen. Sie sind fürchterlich und werden sich nicht ändern. Der einzige, der sich ändern und beugen kann, ist Namsoon. Je schneller er das lernt, desto schneller kann er wieder schlafen und für ein paar Stunden so tun, als sei alles in Ordnung.
Er packt sich ein Grinsen aufs Gesicht und hält dem Lehrer die Hand hin. "Ich werd Sie vermissen", sagt er.
Lehrer Kang sieht lange auf seine Hand und dann in Namsoons Gesicht. "Ich dich auch, Herr Klassensprecher."
Dann streckt er die Arme aus und zieht Namsoon in eine schmerzhafte, viel zu kurze Umarmung, mitten in der hellerleuchteten Turnhalle.
Challenge: Romantik – Ich vermisse dich – fürs Team
Fandom: School 2013
Titel: Schlafenszeit
Inhalt: Lehrer Kang beschließt, dass er etwas gegen Namsoons Müdigkeit tun muss.
Anmerkung: für ayawinner. THEY ARE BOTH LEGAL, I SWEAR.
Schlafenszeit
Es ist keine der üblichen Gegenden, die er für diesen Auftrag besuchen muss.
Die Hochhäuser hier sind gepflegt und mit viel weniger greller Werbung ausgestattet.
So weit nach draußen in die Vororte fährt Namsoon eigentlich nur ungern, weil die Spritkosten sich meistens nicht lohnen, wenn er nur einen Stapel Dokumente abholen und irgendwo zurück in die Innenstadt bringen soll.
Doch ihm bleibt nichts anderes übrig, wenn er seinen Chef wieder gnädig stimmen will und so fährt er an Bushaltestellen und Kinderspielplätzen vorbei, bis sich die Straße vor ihm verbreitert und zu einem großen runden Platz ausläuft, der von weißen, riesigen Glas- und Betonbauten umschlossen wird. Alles ist hell erleuchtet und sehr, sehr sauber.
Wahrscheinlich könnte Namsoon seinen Motoroller einfach stehen lassen, doch er ist misstrauisch und achtet ganz besonders darauf, den Roller abzuschließen. Er lässt nicht einmal den Helm im Fach liegen sondern klemmt ihn sich unter den Arm und schlendert gähnend auf einen der Hauseingänge zu. Sein Chef hat ihm gesagt, dass der Auftrag mindestens drei Stunden in Anspruch nehmen wird, wenn nicht länger, doch das Wichtigste, nämlich was Namsoon transportieren soll, hat er ihm verschwiegen.
Trottel, denkt Namsoon, doch solang er sein Geld bekommt, ist ihm alles egal. Vielleicht ist er so gegen ein Uhr nachts zuhause, wenn alles gut geht.
Er gähnt noch einmal, dann drückt er auf das Klingelschild von Appartment 115 und wartet, doch anstatt dass sich eine verzerrte Stimme aus der Gegensprechanlage meldet, geht plötzlich die Tür auf.
Namsoon schaut sich um. Außer ihm ist niemand auf der Straße unterwegs und sein Roller steht unter der nächsten, hell leuchtenden Straßenlaterne. Wird schon gutgehen, denkt er und schlüpft durch die Tür in den hellgelb gestrichenen Flur hinein und sucht nach Appartment 115.
Es dauert eine ganze Weile, bis er sich in dem schrecklich verwinkelten Gebäude zurechtgefunden hat und als er endlich vor der richtigen Wohnungstür steht, sind ihm schon fünf Minuten verloren gegangen. Vielleicht kommt er auch erst um drei Uhr ins Bett, wenn das so weiter geht.
Seufzend streicht sich Namsoon einmal über die Haare, damit er halbwegs präsentabel aussieht, und drückt auf die Klingel.
"Whatever Errands", ruft er, "Sie bestellen, wir liefern!"
Das ist überhaupt nicht der Slogan von Whatever Errands, aber für kompliziertere Wörter ist Namsoon gerade zu müde. Einem Lieferanten hört außerdem sowieso niemand zu, also ist es eh völlig egal, was er außerhalb von "Ja, der Herr" noch sagt.
Vielleicht sollte er mal versuchen, wie viele Schimpfwörter er in einer Kundeninteraktion unterbringen kann, ohne dass es irgendwer mitbekommt.
Später, entscheidet er. Wenn ihm vor lauter Müdigkeit nicht mehr die Augen vom Schädel fließen wollen.
Gerade als Namsoon die Faust hebt, um noch einmal zu klopfen, wird die Tür endlich aufgerissen.
"Das wurde aber auch Zeit!"
Namsoon sagt gar nichts. Er bleibt mit hocherhobener Hand stehen und lässt seinen Mund aufklappen.
Vor ihm, in einem frühlingsgrünen Pulli und einem Küchentuch über die Schulter geschlungen, steht Lehrer Kang und grinst ihn schadenfroh an.
"Es war gar nicht so leicht, herauszufinden, wo du dich noch für ein paar Almosen ausbeuten lässt", sagt Lehrer Kang. "Gott sei Dank hatte ich noch die Quittung von unserem ersten denkwürdigen Treffen."
Namsoon steht im Wohnzimmer und sagt gar nichts.
Es fällt ihm sowieso nichts ein und wenn er Lehrer Kangs breites Grinsen richtig deutet, dann steckt er bereits jetzt in sehr großen Schwierigkeiten. Namsoon kann sich zwar nicht dran erinnern, dass er irgendeinen Blödsinn angestellt hat, doch man weiß ja nie, was sich die Erwachsenen wieder in den Kopf gesetzt haben.
"Was ist eigentlich aus deinem Job bei der Tankstelle geworden?", fragt Lehrer Kang. "Miese Arbeitsbedingungen?"
"Hat sich mit Mathe überschnitten", sagt Namsoon, als wisse Lehrer Kang nicht ganz genau, was vorgefallen ist. Manchmal hat er das Gefühl, dass sie nur Theater miteinander spielen, Lehrer Kang aber viel mehr vom Skript kennt, als Namsoon. Er kann nur reagieren und hoffen, dass er den nächsten Schlag kommen sieht.
Lehrer Kang lächelt schon wieder und wenn Namsoon nicht so müde wäre, dann würde ihn diese Selbstgefälligkeit mit Sicherheit stören.
"Sie haben also was zu liefern?", murmelt Namsoon und umfasst den Helm in seiner Hand noch ein bisschen fester, bis das billige Leder seine Handschuhe knirscht.
"Sonst hätte ich wohl kaum einen Lieferanten bestellt", erwidert Lehrer Kang. Er bewegt sich keinen Zentimeter von seinem Platz am Küchentisch weg, nur sein Blick wird plötzlich noch durchdringender und kühler. Hinter ihm stapelt sich dreckiges Geschirr in der Spüle und aus dem Augenwinkel kann Namsoon sehen, dass auf dem Bett ein Jackett und ein Gürtel liegen und obwohl Lehrer Kang überall sein ganz privates Leben verteilt hat, in den Regalen, im Schrank, auf dem Wohnzimmertisch, fühlt es sich trotzdem genau so an, als stünde Namsoon vor Lehrer Kang im Klassenzimmer.
Vielleicht können Lehrer das nicht abstellen, denkt Namsoon und spürt, wie er die Hände wieder entspannt. Vielleicht sind sie deshalb Lehrer geworden. Lehrer Kang lächelt, als er ihm zuschaut, doch Namsoon beschließt, sich nicht mehr daran zu stören.
"Geh hinüber zum Schrank", sagt Lehrer Kang. "Nimm eine Schüssel raus und ein Glas. Und dann bring beides zum Tisch."
Namsoon zögert, doch er legt zumindest den Helm ab und macht einen halben Schritt auf den Schrank zu.
"Ich dachte, ich soll was für Sie ausliefern."
"Sollst du ja auch", sagt Lehrer Kang. "Die Schüssel und das Glas. Zum Tisch. Brauchst du es schriftlich?"
Namsoon seufzt. Es bringt überhaupt nichts, sich mit dem Lehrer anzulegen, das hat er mittlerweile begriffen und außerdem ist Namsoon vielleicht müde und stapft durchs Leben, als würde er durch klebrigen Nebel warten, aber die Neugier strampelt in seiner Brust und befiehlt ihm, endlich rauszufinden, worum es hier eigentlich geht.
Er trägt wie befohlen die Sachen hinüber zum Tisch und bleibt dann wieder stehen, als sei er ein Roboter und seine Programmierung reiche nur dafür.
Lehrer Kang schaut ihn an. "Bist du in einem Stall aufgewachsen? Zieh deine Jacke aus, wenn du dich zum Essen hinsetzt."
Namsoon gehorcht. Was anderes bleibt ihm nicht übrig, und als er sich hingesetzt hat, bewegt sich Lehrer Kang endlich und füllt seine Schale bis zum Rand mit Nudelsuppe.
Dann setzt er sich vor ihn an den Tisch und deutet auf die Stäbchen und während Namsoon anfängt zu essen, beginnt Lehrer Kang zu erklären.
"Du schläfst in letzter Zeit noch häufiger im Unterricht als sonst, Namsoon."
"Ja", sagt Namsoon. Es gibt keinen Grund, das abzustreiten. "Ich bin müde."
"Wegen deiner Nebenjobs."
Namsoon kaut und denkt nach. Er denkt an Heungsoo und an Jung Oh und an all die anderen aus ihrer Klasse, die sich mit ihren Lügen und Geheimnissen wie ein Netz um seine Brust legen und ihm die Luft abschnüren. "Auch."
Lehrer Kang nickt, als sei das eine völlig neue Information gewesen. Er lächelt, als Namsoon sich an seiner Suppe verschluckt.
"Du weißt, dass Lehrerin Jung sich in den Kopf gesetzt hat, dich wenigstens auf eine Vier zu heben, nicht wahr?"
"Ja", sagt Namsoon.
"Und du weißt auch, dass du noch so häufig in den Nachholunterricht kommen kannst und es trotzdem nichts bringen wird, wenn du die ganze Zeit nur schläfst?"
Er könnte die Stäbchen hinknallen, denkt Namsoon. Und die Arme vor der Brust verschränken und sich beschweren, dass es unfair ist und was er denn machen soll, er braucht das Geld dringender als eine gute Note in Literatur und dass es ihm leid tut, wenn er die Lehrerin enttäuscht, das tut es wirklich, doch er sieht keine andere Möglichkeit und kann er jetzt bitte wieder arbeiten gehen, er muss Geld verdienen!
Er sagt nichts davon. Er schlürft seine Suppe und beobachtet Lehrer Kang und seinen lächelnden Mund.
"Wär möglich", sagt Namsoon schließlich.
"Gut", sagt Lehrer Kang. Dann verliert er sein Lächeln und starrt Namsoon direkt in die Augen. "Bis zum nächsten Test wird das folgendermaßen laufen: du kommst hierher, isst etwas und haust dich dann drei Stunden aufs Ohr."
"Ich muss arbeiten", sagt Namsoon.
"Du musst vor allem lernen, zuzuhören, Herr Klassensprecher." Lehrer Kang seufzt. "Gerade in diesem Moment arbeitest du. Was meinst du, warum ich deinen Transportservice angerufen habe, und nicht dich direkt?"
"Weil ich sonst nicht gekommen wäre?"
"Du bist tatsächlich gar nicht so blöd."
Namsoon grinst und verschlingt den Rest seiner Suppe. "Sie bezahlen mich also, damit ich hier auf Ihrem Sofa liege und schlafe? Ich glaube, dafür haben Sie die falsche Agentur angerufen."
Er hat es kaum gesagt, als ihm klar wird, dass er zu weit gegangen ist. Hastig senkt er den Blick und überlegt sich, wie er am besten eine Entschuldigung formulieren und gleichzeitig zur Tür rennen kann, als Lehrer Kang plötzlich anfängt zu lachen.
"Du wirst immer besser, Go Namsoon", sagt er und nimmt die Brille ab, um sich über die Augen zu wischen. "Was für ein Rotzlöffel du bist."
Namsoon grinst vorsichtig. "Ich… ich kann das nicht annehmen. Es ist sehr nett, dass Sie mir helfen wollen, aber…"
"Das ist überhaupt nicht nett", unterbricht Lehrer Kang ihn. "Ich mache das, weil sich Lehrerin Jung solche Mühe mit dir gibt und…"
Der Satz bleibt unvollendet und von einer Sekunde auf die andere schweigt Lehrer Kang wieder und verschränkt die Arme vor der Brust.
"Ich mache das, weil ich offensichtlich zu viel Geld habe", sagt er nach ein paar Sekunden, doch er schaut Namsoon nicht an. "Es ist keine sehr elegante Lösung, doch es ist die einzige, die sich anbietet. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du schon verstanden hast, dass es manchmal nur so funktioniert in dieser Welt."
Nur so, sagt der Lehrer und Namsoon versteht 'mit Geheimnissen, mit Halbwahrheiten, mit Risiken'. Er hat das tatsächlich schon verstanden, besser als ihm selbst lieb ist.
Namsoon legt die Stäbchen weg und gähnt. Er weiß, wann er besiegt ist und auch, wann er aufhören muss, jemanden zu treten, der schon am Boden liegt.
"Also… also schlaf ich jetzt?"
"Ja. Außer du möchtest tatsächlich Nachhilfestunden in Literatur nehmen."
"Gute Nacht, Lehrer Kang."
"Gute Nacht, Namsoon."
Am nächsten Tag wird Namsoon wieder in die Vororte gerufen, isst Nudeln an Lehrer Kangs Küchentisch und haut sich drei Stunden aufs Ohr, ehe er zurück zur Zentrale und dann nach Hause fährt. Am übernächsten und dem Tag darauf geht es genauso weiter.
Am Donnerstag kommt kein Auftrag und Namsoon liegt erst kurz nach zwei Uhr nachts im Bett. Er stellt völlig überrascht fest, dass er Hunger hat. Seine übliche Packung Kekse, die er sonst immer vor der Arbeit verputzt, hat er nicht in seinen Ranzen gepackt, weil er sich auf eine Schale Suppe bei Lehrer Kang eingestellt hat.
Namsoon dreht sich auf die andere Seite und hört auf nachzudenken und am nächsten Abend bekommt er einen Dauerauftrag für drei Wochen.
"Herr Klassensprecher!"
Namsoon bleibt stehen und dreht sich um, als er Lehrer Kang nach sich rufen hört. Heungsoo, der neben ihm den Gang entlang gelaufen ist, bleibt ebenfalls stehen.
"Was hast du jetzt wieder angestellt?", murmelt er.
"Hab seinen Kühlschrank leer gefressen und in seinem Bettchen geschlafen", antwortet Namsoon und lacht, als Heungsoo nach ihm schlägt.
Dann geht er zu Lehrer Kang hinüber, der ihm in leisen Worten mitteilt, dass er nicht eingekauft hat und Namsoon irgendetwas mitbringen soll.
Sie essen Huhn an dem Abend und Lehrer Kang lacht, als Namsoon erzählt, dass er extra seine Schuluniform wieder anziehen musste, damit die Boten vom Fastfood-Laden nicht denken, er würde ihnen das Geschäft weg nehmen wollen.
Eines Abends, als er wieder bei Lehrer Kang auf der Couch schläft, schreckt er plötzlich hoch, ohne richtig aufzuwachen. Es ist dunkel im Wohnzimmer und in jedem Winkel lauern Monster mit spitzen Zähnen, die ihm die Beine abbeißen wollen.
Namsoon schaut nach oben. Über ihm, vorgebeugt und so nah bei ihm, dass er sein Parfüm riechen kann, steht Lehrer Kang.
"Du schreist schon wieder im Schlaf", murmelt er und dann streckt er die Hand aus und streicht Namsoon über die Wange, ganz sanft und zögerlich, so als sei er sich nicht sicher, ob Namsoon nicht nur ein Geist sei, der auf seinem Sofa wohnt.
Endlich, denkt Namsoon, und dann Was?
Er greift nach der Hand auf seiner Wange und dann bleiben sie eine Weile so.
Sie haben noch zwei Wochen.
Lehrerin Jung bestellt Namsoon ins Lehrerzimmer, als die Prüfungen vorbei sind, doch sie bleiben nicht dort. Stattdessen packt sie ihn und Lehrer Kang an den Händen und zerrt sie in Richtung der Turnhalle.
Namsoon hofft sehr, dass er nicht schon wieder einen Mopp in die Hand gedrückt bekommt, oder dass ihm zumindest erklärt wird, warum er schon wieder irgendetwas fegen soll. Er wirft einen Blick auf Lehrer Kang, doch der schaut nur verblüfft auf seine Kollegin und als sie die Turnhalle betreten, sieht es so aus, als wolle er einen dummen Spruch machen.
Doch bevor er auch nur den Mund öffnen kann, dreht sich Lehrerin Jung um und holt tief Luft. Ihre Wangen sind feuerrot und mit ihrer weiten rostfarbenen Jacke sieht sie plötzlich aus wie ein Rachegott.
"Ich frage das nur einmal", sagt sie, langsam und deutlich. Namsoon läuft ein Schauer über den Rücken. "Was hast du um Mitternacht bei Lehrer Kang in der Wohnung zu suchen, Namsoon?"
Es fühlt sich an, als hätte ihm jemand in den Magen geschlagen, direkt unter die Rippen, wo es am meisten wehtut und deshalb klappt Namsoon der Mund auf und er keucht.
Lehrerin Jung ist das anscheinend Bestätigung genug, denn sie macht ein kleines unglückliches Geräusch und schaut dann seufzend zwischen ihnen beiden hin und her.
"Jemand hat die Uniform erkannt", erklärt sie, "und die Schule informiert. Lehrer Uhm hat mich gebeten, vorher mit euch zu sprechen, bevor irgendwas… "
Sie kann den Satz nicht beenden und das muss sie auch gar nicht, denn Namsoon weiß längst, was sie sagen will. Diese unbestimmte, schreckliche Ahnung, all die Gefahr und die Gerüchte, haben die ganze Zeit von den Wänden geflüstert, im dunklen Schlafzimmer von Lehrer Kang, und Namsoons leises Stöhnen war bei weitem nicht genug, um sie zu übertönen.
"Ach du jemine", sagt Lehrer Kang plötzlich und lacht, bis die ganze Turnhalle dröhnt. Lehrerin Jung zuckt zusammen und verzieht das Gesicht, als hätte sie noch nie ein grässlicheres Geräusch gehört. "Ich kann mir Lehrer Uhms entsetztes Gesicht sehr gut vorstellen."
Es ist vielleicht nicht die beste Taktik, Witze zu machen, denn Lehrerin Jung reißt die Augen auf und Namsoon ist sich eine Sekunde lang ziemlich sicher, dass sie die Fäuste ballen und Lehrer Kang schlagen will.
Doch dann lächelt Lehrer Kang, genauso wie er vor einem Monat gelächelt hat, als Namsoon voller Wut seinen Helm umkrallt hat. Er legt die Hand auf Namsoons Schulter ab und schüttelt ihn, bis Namsoon blinzelt, nachdenkt und endlich mitlacht.
"Ich habe unserem Klassensprecher hier ein paar Einzelstunden gegeben, damit er wenigstens ansatzweise das Klassenziel erreicht", sagt Lehrer Kang, was die logischste und gleichzeitig fadenscheinigste Erklärung der Welt ist. "Was soll er denn sonst bei mir gemacht haben?"
Lehrer Kang wirft Lehrerin Jung einen ungläubigen Blick zu und er schafft es tatsächlich, ein wenig beleidigt auszusehen, während Namsoon spürt, wie die Hand auf seiner Schulter zittert. Ihm fällt nichts ein, was er sagen könnte. Lehrer Kang beherrscht dieses Spiel viel besser als Namsoon, also grinst er nur und bestätigt ihr Lügenmärchen und obwohl er das überhaupt nicht möchte, sorgen sie gemeinsam dafür, dass sich Lehrerin Jung scheußlich fühlt.
Irgendwer bekommt immer die Rechnung in dieser grauenhaften Welt, denkt Namsoon, und meistens sind es die, die gar nichts dafür können.
"Wieso trefft ihr euch nicht in der Schule", sagt Lehrerin Jung schließlich. Sie ist immer noch entsetzlich rot und blinzelt heftig, so als müsste sie Tränen verscheuchen. "Dann gibt es keine… Möglichkeiten für Missverständnisse. Das hätte Ihnen von Anfang einfallen können, Lehrer Kang. Anstatt Ihre Schüler spätabends durch die ganze Stadt zu schicken!"
"Ich werds mir merken", lächelt Lehrer Kang, dann packt er Namsoon im Nacken und zwingt ihn in eine tiefe Verbeugung. "Sag Entschuldigung, Namsoon."
"Entschuldigung", sagt Namsoon. Und dann ist er ganz froh, dass er nur noch den Fußboden der Turnhalle anschauen muss, bis Lehrerin Jung gegangen ist, weil ihm auf einmal schlecht wird.
Er will nicht darüber nachdenken, was genau gerade geschehen ist, doch er spürt auf einmal diesen fürchterlichen Trotz in sich. Er will nicht aufgeben müssen, was auch immer sich zwischen Lehrer Kang und ihm entwickelt hat, doch Namsoon weiß auch, dass es nichts bringt, sich gegen die Umstände aufzulehnen. Sie sind fürchterlich und werden sich nicht ändern. Der einzige, der sich ändern und beugen kann, ist Namsoon. Je schneller er das lernt, desto schneller kann er wieder schlafen und für ein paar Stunden so tun, als sei alles in Ordnung.
Er packt sich ein Grinsen aufs Gesicht und hält dem Lehrer die Hand hin. "Ich werd Sie vermissen", sagt er.
Lehrer Kang sieht lange auf seine Hand und dann in Namsoons Gesicht. "Ich dich auch, Herr Klassensprecher."
Dann streckt er die Arme aus und zieht Namsoon in eine schmerzhafte, viel zu kurze Umarmung, mitten in der hellerleuchteten Turnhalle.
no subject
Date: 2015-09-30 12:19 pm (UTC)Und sehr schön geworden ist das <3
no subject
Date: 2015-10-01 03:13 pm (UTC)DU BRINGST UNS MIT DIESEM PAIRING NOCH BEIDE IN DIE HÖLLE, ICH SCHWÖRE ES DIR.
ALSO. ICH MAG JA DEN STIMMUNGSVOLLEN AUFBAU DIESER FIC SEHR GERNE. WIRKLICH. UND WENN ICH NICHT GENAU GEWUSST HÄTTE, DASS "NUR" LEHRER KANG IHN BESTELLT HAT (achduscheißewiedasklingt) DANN WÜRDE ICH SPÄTESTENS NACH DREI SÄTZEN KREISCHEN DASS DAS VIELLEICHT KEINE SO GUTE IDEE FÜR SO EINEN HÜBSCHEN JUNGEN IST GANZ ALLEINE GOTT WEISS WO HIN ZU FAHREN ABER ZUM GLÜCK KANN NAMSOON SICH JA VERTEIDIGEN. JA.
Ich könnte die ganze Fic zitieren, aber weil die ja schon da oben komplett steht, mache ich das jetzt mal nicht.
Allerdings:
"Sie bezahlen mich also, damit ich hier auf Ihrem Sofa liege und schlafe? Ich glaube, dafür haben Sie die falsche Agentur angerufen."
JESUS FUCKING CHRIST NAMSOON WAS FÜR EINE EISERNE SELBSTBEHERRSCHUNG HAT DENN LEHRER KANG OH MEIN GOTT
"Ich mache das, weil sich Lehrerin Jung solche Mühe mit dir gibt und…"
ICH SEHE DEIN ANDERES SHIP UND ICH LIEBE EEESSSSS SO SEEEEEEHHHHRRRR ;______________; DAS IST SO EINE SCHÖNE ANTWORT AUF DIE FRAGE UND ES SAGT SO VIEL DASS ER SIE NICHT BEENDET UND ARGH
"Hab seinen Kühlschrank leer gefressen und in seinem Bettchen geschlafen"
AHAHJFHSDKFHKSJDFHKSJDFHSKJFSF SDFJSHFKSDFHD WAS HAT ER DENN HEUNGSOO ERZÄHLT WAS ER DA MACHT ALSO ICH MEINE........ WAS ERZÄHLT ER IHM? ICH MUSS DAS WISSEN. AUS GRÜNDEN VON ... ... ... AUS GRÜNDEN.
Endlich, denkt Namsoon, und dann Was?
ICH LIEEEBEEEEE DAAAAASSSSSSSSSSS UND DICH UND ALLES ;_______; UND VOR ALLEM LIEBE ICH DASS MIT DIESEM EINEN SATZ SO VIEL GESAGT IST UND ES GAR NICHT MEHR BRAUCHT UND ARGH OH GOTT
Und dann ist Lehrerin Jung traurig und ich muss mich kurz zusammenrollen und weinen weil sie doch so süß ist und nicht traurig sein soll und ich hoffe Namsoon und Lehrer Kang haben deswegen das schlechteste Gewissen der Welt.
Ich hab dir glaube ich schon gesagt, dass mIR DAS ENDE ZWAR DAS HERZ AUS DER BRUST RISS, aber ich es trotzdem total perfekt finde, weil so eine Beziehung nun mal so hart an der Grenze ist, dass ich vorerst (zumindest bis nach Namsoons Schulabschluss) auch bevorzugen würde, dass sie das irgendwie anders regeln :)
ABER AKSJDKSDJFKSDJFLKSDJFLÖSDKF GOTT WAS FÜR EINE WUNDERSCHÖNE PERFEKTE STIMMUNGSVOLLE ATMOSPHÄRISCHE GROSSARTIGE FIC VIELEN VIELEN VIELEN DANK MEINE SÜSSE MAUS ♥
no subject
Date: 2015-10-09 12:04 am (UTC)DAS IST SO EINE SCHÖNE ANTWORT AUF DIE FRAGE UND ES SAGT SO VIEL DASS ER SIE NICHT BEENDET UND ARGH
ER WÜRDE DAS NIEMALS ZUGEBEN!!! Das, was er da schon gesagt hat, ist eigentlich schon zu viel und ÜBERHAUPT!!!!
Ich schwöre, wenn Teacher Jung nicht wäre, dann hätte ich a) diese Serie überhaupt nicht zuende geschaut und b) dann wären Teacher Kang und Namsoon mein second OTP. So sind sie eher das... "ich komme in die Hölle, aber ihre Wuschelhaare sind es wert"-Pärchen :Dauch bevorzugen würde, dass sie das irgendwie anders regeln :)
Yeah, jetzt im Nachhinein bin ich irgendwie ganz froh, dass es nicht ... expliziter geworden ist? WEIL MAN SICH JA AUCH GANZ HÜBSCH HINTER ANDEUTUNGEN VERSTECKEN KANN JAJA :DDD ABER ANDERERSEITS... WUSCHELHAAR. ABER EINERSEITS... MORAL UND ETHIK.
GNAH ICH FREU MICH AUF JEDEN FALL DASS ES DIR GEFÄLLT, ES FREUT MICH WIRKLICH, LASS MA WEITER ÜBER DIE BEIDEN UND ALLE GENERELL HEULEN!!!!