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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Persephone
Challenge: Angst - „Wahnsinn bedeutet immer das gleiche zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten.“
Fandom: Tumbling
Charaktere: Ryôsuke, (Natsuko)


Wenn man seine Zeit lange damit verbracht hatte, einfach nur durch die Gegend zu laufen, lernte man ein paar Ecken kennen, wo man seine Ruhe hatte. Wenn man denn endlich so erschöpft war, dass man nur noch schlafen wollte. Egal wo.
Auf dem Weg zu dem ehemaligen Kiosk versuchte er, seine vorletzte Zigarette anzuzünden. Das war schon eine seltendämliche Idee, weil es immer noch regnete, aber zu allem Überfluss war die Zigarette feucht geworden, was es zusätzlich zu einem sinnlosen Unterfangen machte.
Trotzdem stellte Ryôsuke sich einen Moment unter und versuchte es nochmal.
„Wahnsinn bedeutet, immer das gleiche zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten“, meinte jemand neben ihm. Eine junge Frau mit Schürze, die eindeutig geschafft hatte, woran er gerade scheiterte.
„Bei dem Wetter bleibt halt nichts trocken“, murmelte Ryôsuke und schob die Zigarette wieder in die Packung zurück, Feuerzeug hinterher.
„Das stimmt. Hier.“ Sie hielt ihm ihre eigene Packung entgegen und Ryôsuke nahm das Angebot dankbar an. Nachdem die Zigarette endlich brannte und er den ersten, ersehnten Zug genommen hatte, schaffte er es auch, seinen Dank laut auszusprechen. Sie winkte ab. „Du siehst aus, als könntest du es wirklich brauchen. Harte Nacht?“
Ihr Blick war neugierig unter dunklen Ponysträhnen auf ihn gerichtet. Vermutlich sah er noch schlimmer aus als er sich fühlte. Aber nachdem Kurosaki ihm so eine reingehauen hatte, war er wohl kaum ein schöner Anblick.
„Nachtschicht“, log er und erhielt einen verständnisvollen Laut als Antwort.
„Wenn du nen Kaffee brauchst um auf dem Heimweg nicht einzuschlafen...“ Sie machte eine vage Geste hinter sich und Ryôsuke bemerkte erst jetzt, dass er vor einem Café gelandet war, das offenbar noch nicht geöffnet hatte. „Meine Chefin kommt erst in einer halben Stunde, sie kriegt es nicht mit, wenn ich dir einen aufs Haus gebe.“
Nasse Haare fielen ihm über die Augen, als er den Kopf schüttelte. Wie nah kamen ihre Überlegungen der Wahrheit, dass sie meinte, ihm etwas umsonst geben zu müssen? Eigentlich sollte er sich ja nicht beschweren, zur Abwechslung war es angenehm, dass mal jemand nett zu ihm war. Aber aus irgendeinem bescheuerten Grund den er selbst nicht verstand, machte das alles nur noch schlimmer.
„Ich muss gehen. Danke nochmal.“ Er wollte ein Grinsen schaffen, aber es blieb bei dem Versuch.
Dann machte er, das er wegkam.

Ein paar Stunden später war er zumindest wacher. Musste er auch sein, schlafen würde er nicht mehr können, so kalt wie ihm war. Aus reiner Gewohnheit sah er auf sein Handy, aber das hatte ja den Geist aufgegeben. Und hier würde er es kaum aufladen können. Das Gebäude hatte schon bessere Tage gesehen und verteilte Zigarettenstummel und leere Bierdosen zeugten davon, dass er nicht der erste war, der hier Schutz gesucht hatte.
Auch wenn seine Vorgänger anscheinend eher eine Party veranstaltet hatten. Nach einem prüfenden Blick nach draußen (es regnete immer noch oder schon wieder) überprüfte Ryôsuke den Inhalt seines Rucksacks. Klar war alles mindestens feucht. Ehrlich, seine Eltern hätten ruhig auf schöneres Wetter warten können, um ihn rauszuwerfen.
Ihm war so erbärmlich kalt...
Ob er wirklich nicht mehr heimkonnte? Er hatte aus reiner Gewohnheit seinen Schlüssel mitgenommen, aber das bedeutete nicht, dass er den auch einfach benutzen sollte. Oder wollte. Er wollte nicht dorthin zurück. An den Ort, wo seine Existenz nur lästig war.
Besser, er blieb dort erstmal weg.
Wenn er wenigstens Wataru anrufen könnte. Aber dafür brauchte er Strom für sein Handy und den hatte er nicht. Ohne große Hoffnungen zählte er sein Geld. Wenn er keine hohen Ansprüche an seine Schlafplätze stellte, würde er ein paar Tage damit klarkommen. Die Frage war, ob er das wirklich wollte. Oder konnte.
Was hatte die Frau am morgen gesagt? Wahnsinn bedeutet, immer das gleiche zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten. Sich verkriechen und hoffen, dass seine Probleme sich von selbst lösten, fiel wohl auf dieselbe Schiene.
Aber er hatte es so satt. Einfach nur satt. Wieso sollte er nochmal aufstehen, wenn das Leben ihn sowieso wieder in den Dreck warf? Wenn er könnte, würde er die Zeit einfach wieder zurückdrehen. Als das Leben noch einfacher gewesen er. Weniger ätzend.
Er hievte sich wieder auf die Füße. Ewig hier rumhängen konnte er auch nicht, vermutlich tauchten die Besitzer der Kippen und leeren Dosen regelmäßiger hier auf. Und bei seinem Glück bekam er von denen auch gleich noch eine Abreibung.

Der Regen hatte nachgelassen und seine Wanderung war nur teilweise ziellos gewesen. Das jedenfalls merkte er, als die Gegend vertrauter wurde. Bewusst hatte er seine Schritte nicht zum Kamome gelenkt, und doch war er jetzt nur noch einen Block davon entfernt. Das Lächeln, das nun über sein Gesicht huschte, wusste er selbst nicht zu deuten. Wo sollte er auch sonst hin?
Es war spät geworden, Wataru wäre vielleicht sogar da.
Langsam setzte er sich wieder in Bewegung. Jetzt langsamer, aber hier fühlte er sich etwas besser. Vor allem, als er wirklich die Treppen zu dem Restaurant nach oben ging. Dort brannte Licht, natürlich tat es das. Um ihn herum ging alles normal weiter. Der Welt war es egal, ob er noch dazugehörte oder nicht.
Bevor er es sich wieder anders überlegen konnte, öffnete er die Tür.
Das gedämpfte Stimmgewirr verriet die Besucher und Ryôsuke zögerte nochmal. Aber drinnen war es warm und er... er wollte nicht wieder gehen. Trotzdem konnte er den Blick kaum vom Boden heben. Hoffentlich waren Kashiwagi und Ezaki nicht ausgerechnet heute hier.
Ziemlich genau drei Schritte später hörte er seinen Namen. Erschrocken. Erleichtert.
Natsuko-san musste sofort alles stehen und liegen lassen haben, so schnell wie sie bei ihm war. Er sollte wohl nicht überrascht sein, dass sie ihn energisch nach oben schickte, um warm zu duschen und sich aufzuwärmen.

Date: 2015-09-28 09:00 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Oh Gott sei Dank ...!! ;____________;
Endlich!
Ich bin so froh, dass er endlich im Kamome aufgeschlagen ist und ich bin so froh für Natsuko (die hat sich bestimmt auch schon Sorgen um ihn gemacht!)

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Die Uhr läuft ... jetzt!

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