h/c - Gerüchte/Verleumdung
Sep. 24th, 2015 08:53 pmTeam: Persephone
Challenge: hc – Gerüchte/Verleumdung
Fandom: Tumbling
Charaktere: Ryôsuke, Wataru, Ocs
Wörter: ~1600
Anmerkung: Ich habe vor allem zum Ende hin wohl die falsche Musik gehört... ._. Es tut mir selbst Leid, was ich ihm antue. Ehrlich! Ein bisschen wenigstens.
Er hatte nicht gut geschlafen. Absolut nicht.
Es war, als hätte er bisher in einer Seifenblase gelebt, die nun geplatzt war. Die Realität hatte ihn wieder eingeholt. Kurosaki hatte ihn in den ganzen letzten Monaten in Ruhe gelassen und jetzt tauchte er wieder auf. Nochmal richtig schön nachtreten. Als ob seine Lage nicht schon beschissen genug wäre.
Ryôsuke war todmüde, als sein Wecker ihn aus dem Schlaf holte. Wie immer ging sein erster Blick auf das Display seines Handys, aber er hatte keine Nachrichten. Vermutlich hätte er es sowieso mitbekommen, hätte jemand sich bei ihm gemeldet. Es war eine schlechte Angewohnheit, das Handy nicht auf stumm zu stellen, wenn er schlafen wollte, aber so bekam er wenigstens noch etwas von seinen Freunden mit. Und wenn es nur Nippori war, der sich über irgendetwas auslassen musste. Seinen Chef, die Lehrer, den Club. Bei letzterem vor allem über Hino und einen Neuling aus dem ersten Jahr, der einfach viel zu talentiert für die restlichen Ottonormalsportler war.
Er vermisste Wataru.
Am liebsten würde er einfach blaumachen und bei ihm vorbeigehen. Aber dann würde er nur ein riesiges Theater heraufbeschwören und da hatte er keinen Bedarf. Und vielleicht wäre Wataru nicht einmal da.
Eher als nötig verließ er die Wohnung. Im Moment war das ganz sicher eine total bescheuerte Idee, aber was sollte er da noch? Außerdem musste er dann nicht zusammen mit seinem Vater zur Arbeit fahren. Der war den Rest der Zeit schon ätzend genug.
Beinahe wäre er falsch abgebogen. Es war so lange zu Wataru gegangen, wenn er Ärger zu Hause hatte oder sich einfach... so fühlte. Da war es immer noch beinahe zu natürlich, zum Kamome zu gehen.
Viel zu natürlich.
Wütend auf sich selbst und seine Blödheit trat Ryôsuke gegen die nächstbeste Wand und drehte wieder um. Jetzt war es gut, dass er so früh losgegangen war, ansonsten wäre er auf jeden Fall zu spät gekommen und dann hätte er sich nur noch mehr Ärger eingehandelt. Der Chef konnte ihn sowieso schon nicht leiden. Den nächste Tritt bekam ein Stein ab, der ein paar Meter die Straße entlangrolle und dann neben einem Laternenpfahl liegen blieb.
Warum hatte nur alles so unglaublich ätzend werden müssen? Das war einfach nicht fair.
Aber seit wann war das Leben schon fair? Wenigstens zu denen, die sowieso schon am Arsch waren. Merkte man doch an Nippori, der sich jetzt schon beinahe zerriss zwischen Familie, Schule und Tumbling. Wataru wusste wohl nicht einmal, was für ein verdammtes Glück er hatte. Und Ryôsuke konnte es ihm nicht einmal übel nehmen. Er wünschte es niemanden, so etwas am eigenen Leib zu erfahren. Wataru am allerwenigsten.
Dass er heute überpünktlich war, brachte ihm einen spöttischen (und vollkommen unangebrachten) Kommentar des Schichtleiters ein, auf den Ryôsuke nur mit einem gereiztem Murmeln antwortete. Der Typ spielte sich eindeutig zu sehr auf.
Vielleicht war das der Grund, warum er die nächstbeste Pause nutzte, um wieder eine zu rauchen. Eine andere Möglichkeit, wieder etwas zur Ruhe zu kommen, sah er einfach nicht. Wenn er einfach könnte, wie er wollte, hätte er sich gerade gerne in die nächste Prügelei gestürzt. Ging aber nicht. So schlug er nur einmal mit der Faust gegen die Wand. Er konnte diese dummen Sprüche einfach nicht mehr hören.
Er wusste selbst, dass er nichts auf die Reihe bekam. Sonst wäre er ja wohl kaum hier!
Am liebsten wäre er nun doch einfach gegangen. Zu Wataru. Oder sonstwohin. Nur weg von hier.
Tat er aber nicht. Das konnte er sich einfach nicht erlauben.
Bis zum Schichtende ging auch alles noch recht gut. Jedenfalls schaffte er es, Nakamura, dem Schichtleiter, keine reinzuhauen. Das war der Stand der Dinge, als der Typ ihn nach Feierabend abfing.
„Du hast Nerven, einfach wegzuspazieren!“
„Hä?“ Soweit Ryôsuke sich erinnerte, hatte er in den letzten paar Stunden nichts angestellt, was ihn in Schwierigkeiten bringen könnte. Von einer etwas zu ausgedehnten Raucherpause einmal abgesehen. Ein kräftiger Stoß ließ Ryôsuke zurückstolpern, aber er blieb auf den Füßen. „Was soll der Scheiß!?“
„Rück meine Kohle wieder raus!“
Erstmal wusste Ryôsuke nicht, wie er darauf reagieren sollte. „Was für Kohle? Ich hab keine.“
„Darum musst du mich noch lange nicht beklauen! Ich sags nur noch einmal. Mein Geld!“
„Ich klaue nicht!“ So tief würde er bestimmt nicht sinken. Allein die Anschuldigung ließ sein Temperament hochkochen. Wie kam der Idiot dazu, ausgerechnet ihn zu beschuldigen?
„Lügner! Hiroshi, halt den Freak fest.“
Ryôsuke wich vor dem riesigen Kollegen zurück, der sich davon aber nicht stören ließ. „Machs dir noch noch schwerer, Kleiner. Wenn du nichts getan hast, hast du nichts zu befürchten.“ Diese Worte mochten nachsichtig klingen, aber Ryôsuke hatte keinen Grund, dem zu trauen. Er hatte keinen Bock, sich jetzt noch herumschubsen zu lassen, egal wie unvernünftig er gerade ganz bestimmt war.
„Fass mich nicht an!“ Zitterte seine Stimme? Egal. Warum mussten immer alle auf ihm rumhacken? Er wich noch einen Schritt zurück, aber Hiroshi musste mal ein Rausschmeißer gewesen sein, so schnell wie er reagierte und ihm beide Arme auf den Rücken verdrehte. Vermutlich hatte Nakamura ihn darum mitgebracht. An einen Zufall glaubte Ryôsuke nun jedenfalls nicht mehr. „Lass mich los! Ich hab nichts getan!“ Als ob sein Leben nicht schon beschissen genug wäre, warum musste noch einer draufgesetzt werden?
„Halts Maul oder es setzt was“, wurde er schon angeknurrt und Nakamura begann, an seinen Taschen herumzufummeln. Ryôsuke spürte Übelkeit hochkommen. Niemand sollte ihn so anfassen. Nicht so... in dem Versuch, nicht einfach zu kotzen, schloss Ryôsuke die Augen und atmete langsam durch.
Es half nur bedingt. Er hielt ganz still. Umso eher wäre es vorbei. Und hier hatte keiner einen Grund, ihm irgendwie an die Wäsche zu gehen. Oder?
„Hey... Tsukimori... alles klar?“ Hiroshis Griff um seine Arme wurde etwas gelockert. Nicht genug, dass er sich befreien könnte, aber es tat nicht mehr so weh.
„Lass mich los...“, flüsterte er und war sich des flehenden Untertons viel zu stark bewusst.
Etwas knisterte und Ryôsuke öffnete die Augen. Vor seinem Gesicht schwebte Nakamuras Hand, mit einigen Yen-Scheinen. Von denen Ryôsuke so schon erkannte, dass das kein Kleckerbetrag war. Die Sonne, die sich langsam höher an den Himmel traute, zeichnete scharfe Schatten auf Nakamuras Gesicht.
Ryôsuke wurde eiskalt. „Ich war das nicht...“ Seine eigene Stimme erkannte er kaum mehr. Das musste ein schlechter Scherz sein. Er hatte es nicht gestohlen.
„Es war in deiner Jacke“, antwortete Nakamura kalt.
„Ich war das nicht... wirklich... irgendjemand...“ Er sprach nicht weiter. Das würde man ihm sowieso nicht glauben. Wieso sollte ihm jemand ausgerechnet das Geld seines Vorgesetzten unterschieben?
Einen Augenblick lang glaubte Ryôsuke, Nakamura würde ihn schlagen. Andere hätten es getan. Offenbar gehörte sein Vorgesetzter aber nicht zu dieser Art Leuten. Egal wie große Töne er spuckte. Aber das machte ihn deswegen nicht weniger bedrohlich.
„Deinen Job bist du los. Und wenn ich rauskriege, dass du noch mehr geklaut hast, gibt’s ne Anzeige. Und jetzt verpiss dich. Ich will dich hier nie wieder sehen.“
Hiroshi ließ ihn so plötzlich los, dass Ryôsuke beinahe Bekanntschaft mit dem Boden geschlossen hätte, so sehr zitterte er. Er begriff das einfach nicht.
Hastig brachte er einen Sicherheitsabstand zwischen sich und Nakamura. Nicht, dass der es sich am Ende noch anders überlegte. Vielleicht sollte er sich irgendwie verteidigen. Nochmal versuchen klarzumachen, dass er nicht gestohlen hatte, aber sein Kopf war wie leergefegt.
Es fühlte sich an, als würde er ferngesteuert werden, als er langsam davonging. Wohin, wusste er selbst nicht genau, es genügte ihm, einen Fuß vor den anderen zu setzen.
Weg hier.
Einfach nur weg von hier.
Wohin, war egal.
Dass er Wataru anrief, war nicht einmal geplant gewesen. Aber er musste jetzt einfach seine Stimme hören. Und wenn es nur die Mailbox war. Die Stimme von jemandem, der ihn nicht für einen Versager oder einen Dieb hielt. Auch wenn ersteres wohl wahr war.
Während er auf das Freizeichen lauschte, nagten wieder diese dummen Zweifel an ihm. Dass Wataru doch besseres zu tun hatte, als...
„Ryôsuke?“ Watarus Stimme klang etwas atemlos, aber sofort machte Ryôsukes Herz einen kleinen Hüpfer.
„Hey...“ Das kam nicht so rüber, wie es sollte. Viel zu leise. So kleinlaut, wie er sich eigentlich gar nicht fühlen wollte. „Du hast gestern angerufen...“, fuhr er fort, zu schnell vermutlich. „Sorry, dass ich nicht drangegangen bin.“
Einen Moment lang herrschte Schweigen am anderen Ende und Ryôsuke begann nervös nach seinen Zigaretten zu angeln. „Du hast mich dann ja auch nicht erreicht.“ Nun klang Wataru etwas... weniger selbstsicher als sonst. Man konnte es noch nicht als nervös bezeichnen, aber auf jeden Fall vorsichtiger.
Mit einem Grinsen, dass Wataru keine Sekunde überzeugt hätte, stünde er jetzt vor ihm, meinte Ryôsuke: „Dann sind wir ja jetzt quitt. Alles klar bei dir?“
Bloß von sich selbst ablenken. Dann konnte gar nichts schiefgehen. Nicht noch mehr als sonst. Wataru sprang zum Glück sofort darauf an. „Die Uni ist viel zu anstrengend. Ich hab für gar nichts mehr Zeit!“
„Das liegt wohl eher daran, dass du so einen ewig weiten Weg hast“, antwortete Ryôsuke trocken. Aber nicht einmal im Scherz konnte er ihm vorschlagen, näher ran zu ziehen. Dann wäre Wataru weg. Wirklich weg.
„Pfff, das sind doch nur drei Stunden insgesamt. Könnte schlimmer sein. Außerdem ist morgens oft Yûta dabei. Halb so wild.“
Jemand lachte im Hintergrund auf und eine Faust schien sich um Ryôsukes Herz zu schließen. Es war doch abzusehen gewesen, dass er ersetzt werden würde. Er hatte es nur nicht wahrhaben wollen. Aber was hatte er schon noch zu bieten?
„Und was“, begann Wataru, aber Ryôsuke schnitt ihm das Wort ab. „Sorry, ich muss los. Grüß Yûta von mir.“ Dann legte er auf. Er war so ein Idiot...
Challenge: hc – Gerüchte/Verleumdung
Fandom: Tumbling
Charaktere: Ryôsuke, Wataru, Ocs
Wörter: ~1600
Anmerkung: Ich habe vor allem zum Ende hin wohl die falsche Musik gehört... ._. Es tut mir selbst Leid, was ich ihm antue. Ehrlich! Ein bisschen wenigstens.
Er hatte nicht gut geschlafen. Absolut nicht.
Es war, als hätte er bisher in einer Seifenblase gelebt, die nun geplatzt war. Die Realität hatte ihn wieder eingeholt. Kurosaki hatte ihn in den ganzen letzten Monaten in Ruhe gelassen und jetzt tauchte er wieder auf. Nochmal richtig schön nachtreten. Als ob seine Lage nicht schon beschissen genug wäre.
Ryôsuke war todmüde, als sein Wecker ihn aus dem Schlaf holte. Wie immer ging sein erster Blick auf das Display seines Handys, aber er hatte keine Nachrichten. Vermutlich hätte er es sowieso mitbekommen, hätte jemand sich bei ihm gemeldet. Es war eine schlechte Angewohnheit, das Handy nicht auf stumm zu stellen, wenn er schlafen wollte, aber so bekam er wenigstens noch etwas von seinen Freunden mit. Und wenn es nur Nippori war, der sich über irgendetwas auslassen musste. Seinen Chef, die Lehrer, den Club. Bei letzterem vor allem über Hino und einen Neuling aus dem ersten Jahr, der einfach viel zu talentiert für die restlichen Ottonormalsportler war.
Er vermisste Wataru.
Am liebsten würde er einfach blaumachen und bei ihm vorbeigehen. Aber dann würde er nur ein riesiges Theater heraufbeschwören und da hatte er keinen Bedarf. Und vielleicht wäre Wataru nicht einmal da.
Eher als nötig verließ er die Wohnung. Im Moment war das ganz sicher eine total bescheuerte Idee, aber was sollte er da noch? Außerdem musste er dann nicht zusammen mit seinem Vater zur Arbeit fahren. Der war den Rest der Zeit schon ätzend genug.
Beinahe wäre er falsch abgebogen. Es war so lange zu Wataru gegangen, wenn er Ärger zu Hause hatte oder sich einfach... so fühlte. Da war es immer noch beinahe zu natürlich, zum Kamome zu gehen.
Viel zu natürlich.
Wütend auf sich selbst und seine Blödheit trat Ryôsuke gegen die nächstbeste Wand und drehte wieder um. Jetzt war es gut, dass er so früh losgegangen war, ansonsten wäre er auf jeden Fall zu spät gekommen und dann hätte er sich nur noch mehr Ärger eingehandelt. Der Chef konnte ihn sowieso schon nicht leiden. Den nächste Tritt bekam ein Stein ab, der ein paar Meter die Straße entlangrolle und dann neben einem Laternenpfahl liegen blieb.
Warum hatte nur alles so unglaublich ätzend werden müssen? Das war einfach nicht fair.
Aber seit wann war das Leben schon fair? Wenigstens zu denen, die sowieso schon am Arsch waren. Merkte man doch an Nippori, der sich jetzt schon beinahe zerriss zwischen Familie, Schule und Tumbling. Wataru wusste wohl nicht einmal, was für ein verdammtes Glück er hatte. Und Ryôsuke konnte es ihm nicht einmal übel nehmen. Er wünschte es niemanden, so etwas am eigenen Leib zu erfahren. Wataru am allerwenigsten.
Dass er heute überpünktlich war, brachte ihm einen spöttischen (und vollkommen unangebrachten) Kommentar des Schichtleiters ein, auf den Ryôsuke nur mit einem gereiztem Murmeln antwortete. Der Typ spielte sich eindeutig zu sehr auf.
Vielleicht war das der Grund, warum er die nächstbeste Pause nutzte, um wieder eine zu rauchen. Eine andere Möglichkeit, wieder etwas zur Ruhe zu kommen, sah er einfach nicht. Wenn er einfach könnte, wie er wollte, hätte er sich gerade gerne in die nächste Prügelei gestürzt. Ging aber nicht. So schlug er nur einmal mit der Faust gegen die Wand. Er konnte diese dummen Sprüche einfach nicht mehr hören.
Er wusste selbst, dass er nichts auf die Reihe bekam. Sonst wäre er ja wohl kaum hier!
Am liebsten wäre er nun doch einfach gegangen. Zu Wataru. Oder sonstwohin. Nur weg von hier.
Tat er aber nicht. Das konnte er sich einfach nicht erlauben.
Bis zum Schichtende ging auch alles noch recht gut. Jedenfalls schaffte er es, Nakamura, dem Schichtleiter, keine reinzuhauen. Das war der Stand der Dinge, als der Typ ihn nach Feierabend abfing.
„Du hast Nerven, einfach wegzuspazieren!“
„Hä?“ Soweit Ryôsuke sich erinnerte, hatte er in den letzten paar Stunden nichts angestellt, was ihn in Schwierigkeiten bringen könnte. Von einer etwas zu ausgedehnten Raucherpause einmal abgesehen. Ein kräftiger Stoß ließ Ryôsuke zurückstolpern, aber er blieb auf den Füßen. „Was soll der Scheiß!?“
„Rück meine Kohle wieder raus!“
Erstmal wusste Ryôsuke nicht, wie er darauf reagieren sollte. „Was für Kohle? Ich hab keine.“
„Darum musst du mich noch lange nicht beklauen! Ich sags nur noch einmal. Mein Geld!“
„Ich klaue nicht!“ So tief würde er bestimmt nicht sinken. Allein die Anschuldigung ließ sein Temperament hochkochen. Wie kam der Idiot dazu, ausgerechnet ihn zu beschuldigen?
„Lügner! Hiroshi, halt den Freak fest.“
Ryôsuke wich vor dem riesigen Kollegen zurück, der sich davon aber nicht stören ließ. „Machs dir noch noch schwerer, Kleiner. Wenn du nichts getan hast, hast du nichts zu befürchten.“ Diese Worte mochten nachsichtig klingen, aber Ryôsuke hatte keinen Grund, dem zu trauen. Er hatte keinen Bock, sich jetzt noch herumschubsen zu lassen, egal wie unvernünftig er gerade ganz bestimmt war.
„Fass mich nicht an!“ Zitterte seine Stimme? Egal. Warum mussten immer alle auf ihm rumhacken? Er wich noch einen Schritt zurück, aber Hiroshi musste mal ein Rausschmeißer gewesen sein, so schnell wie er reagierte und ihm beide Arme auf den Rücken verdrehte. Vermutlich hatte Nakamura ihn darum mitgebracht. An einen Zufall glaubte Ryôsuke nun jedenfalls nicht mehr. „Lass mich los! Ich hab nichts getan!“ Als ob sein Leben nicht schon beschissen genug wäre, warum musste noch einer draufgesetzt werden?
„Halts Maul oder es setzt was“, wurde er schon angeknurrt und Nakamura begann, an seinen Taschen herumzufummeln. Ryôsuke spürte Übelkeit hochkommen. Niemand sollte ihn so anfassen. Nicht so... in dem Versuch, nicht einfach zu kotzen, schloss Ryôsuke die Augen und atmete langsam durch.
Es half nur bedingt. Er hielt ganz still. Umso eher wäre es vorbei. Und hier hatte keiner einen Grund, ihm irgendwie an die Wäsche zu gehen. Oder?
„Hey... Tsukimori... alles klar?“ Hiroshis Griff um seine Arme wurde etwas gelockert. Nicht genug, dass er sich befreien könnte, aber es tat nicht mehr so weh.
„Lass mich los...“, flüsterte er und war sich des flehenden Untertons viel zu stark bewusst.
Etwas knisterte und Ryôsuke öffnete die Augen. Vor seinem Gesicht schwebte Nakamuras Hand, mit einigen Yen-Scheinen. Von denen Ryôsuke so schon erkannte, dass das kein Kleckerbetrag war. Die Sonne, die sich langsam höher an den Himmel traute, zeichnete scharfe Schatten auf Nakamuras Gesicht.
Ryôsuke wurde eiskalt. „Ich war das nicht...“ Seine eigene Stimme erkannte er kaum mehr. Das musste ein schlechter Scherz sein. Er hatte es nicht gestohlen.
„Es war in deiner Jacke“, antwortete Nakamura kalt.
„Ich war das nicht... wirklich... irgendjemand...“ Er sprach nicht weiter. Das würde man ihm sowieso nicht glauben. Wieso sollte ihm jemand ausgerechnet das Geld seines Vorgesetzten unterschieben?
Einen Augenblick lang glaubte Ryôsuke, Nakamura würde ihn schlagen. Andere hätten es getan. Offenbar gehörte sein Vorgesetzter aber nicht zu dieser Art Leuten. Egal wie große Töne er spuckte. Aber das machte ihn deswegen nicht weniger bedrohlich.
„Deinen Job bist du los. Und wenn ich rauskriege, dass du noch mehr geklaut hast, gibt’s ne Anzeige. Und jetzt verpiss dich. Ich will dich hier nie wieder sehen.“
Hiroshi ließ ihn so plötzlich los, dass Ryôsuke beinahe Bekanntschaft mit dem Boden geschlossen hätte, so sehr zitterte er. Er begriff das einfach nicht.
Hastig brachte er einen Sicherheitsabstand zwischen sich und Nakamura. Nicht, dass der es sich am Ende noch anders überlegte. Vielleicht sollte er sich irgendwie verteidigen. Nochmal versuchen klarzumachen, dass er nicht gestohlen hatte, aber sein Kopf war wie leergefegt.
Es fühlte sich an, als würde er ferngesteuert werden, als er langsam davonging. Wohin, wusste er selbst nicht genau, es genügte ihm, einen Fuß vor den anderen zu setzen.
Weg hier.
Einfach nur weg von hier.
Wohin, war egal.
Dass er Wataru anrief, war nicht einmal geplant gewesen. Aber er musste jetzt einfach seine Stimme hören. Und wenn es nur die Mailbox war. Die Stimme von jemandem, der ihn nicht für einen Versager oder einen Dieb hielt. Auch wenn ersteres wohl wahr war.
Während er auf das Freizeichen lauschte, nagten wieder diese dummen Zweifel an ihm. Dass Wataru doch besseres zu tun hatte, als...
„Ryôsuke?“ Watarus Stimme klang etwas atemlos, aber sofort machte Ryôsukes Herz einen kleinen Hüpfer.
„Hey...“ Das kam nicht so rüber, wie es sollte. Viel zu leise. So kleinlaut, wie er sich eigentlich gar nicht fühlen wollte. „Du hast gestern angerufen...“, fuhr er fort, zu schnell vermutlich. „Sorry, dass ich nicht drangegangen bin.“
Einen Moment lang herrschte Schweigen am anderen Ende und Ryôsuke begann nervös nach seinen Zigaretten zu angeln. „Du hast mich dann ja auch nicht erreicht.“ Nun klang Wataru etwas... weniger selbstsicher als sonst. Man konnte es noch nicht als nervös bezeichnen, aber auf jeden Fall vorsichtiger.
Mit einem Grinsen, dass Wataru keine Sekunde überzeugt hätte, stünde er jetzt vor ihm, meinte Ryôsuke: „Dann sind wir ja jetzt quitt. Alles klar bei dir?“
Bloß von sich selbst ablenken. Dann konnte gar nichts schiefgehen. Nicht noch mehr als sonst. Wataru sprang zum Glück sofort darauf an. „Die Uni ist viel zu anstrengend. Ich hab für gar nichts mehr Zeit!“
„Das liegt wohl eher daran, dass du so einen ewig weiten Weg hast“, antwortete Ryôsuke trocken. Aber nicht einmal im Scherz konnte er ihm vorschlagen, näher ran zu ziehen. Dann wäre Wataru weg. Wirklich weg.
„Pfff, das sind doch nur drei Stunden insgesamt. Könnte schlimmer sein. Außerdem ist morgens oft Yûta dabei. Halb so wild.“
Jemand lachte im Hintergrund auf und eine Faust schien sich um Ryôsukes Herz zu schließen. Es war doch abzusehen gewesen, dass er ersetzt werden würde. Er hatte es nur nicht wahrhaben wollen. Aber was hatte er schon noch zu bieten?
„Und was“, begann Wataru, aber Ryôsuke schnitt ihm das Wort ab. „Sorry, ich muss los. Grüß Yûta von mir.“ Dann legte er auf. Er war so ein Idiot...
no subject
Date: 2015-09-25 10:01 am (UTC)LUINA!
WIESO???? ;______________;
Himmel Hilf ....
Ich bin bei der Arbeit und sollte das gar nicht lesen, aber oh Gott....
Ach Ryousuke ...
Diese Szene wo er durchsucht wird, oh Gott. Die war SO GUT. Und so beklemmend. Und ugh, so viele non-con Assoziationen.
Und ich glaube, es entwickelt sich langsam zu meinem Lieblingstrope, dass Ryousuke ungerechtfertigt angeschuldigt wird. XD
Oh Gott... mein Herz ... ;__;
Rede doch mit Wataru! *wein* Der kann zwar nicht alles wieder gut machen aber dich wenigstens lange in den Arm nehmen oder so. ;_;
Ach baby...