Romantik - Joker - fürs Team
Sep. 18th, 2015 12:08 amTeam: Morpheus
Challenge: Intimität – Joker, Beziehung zu dritt (Sommerchallenge 2014) – fürs Team
Fandom: To be continued
Titel: Betrüger
Inhalt: Man verträgt sich wieder so halb. Und Bin muss einsehen, dass er tatsächlich nicht ganz unschuldig ist
Anmerkung: Teil 3! Alles wirkt falsch, die sollten doch knuddeln ;_; Und nein ich hab das nicht innerhalb von zehn Sekunden geschrieben, ich wollte es nur unbedingt zusammen posten. xD
Betrüger
Eunwoos Vater holt sie wie versprochen ab und unterschreibt die Bürgschaft für sie alle. Bin kann sich nicht erinnern, wann er sich das letzte Mal so tief vor einem Menschen verbeugt hat, doch er war auch noch nie in seinem Leben jemandem so dankbar. Rocky geht es genauso und MJ fällt fast vornüber beim Versuch, Herrn Cha gleichzeitig die Hand zu schütteln, sich zu verbeugen und ihm zu erklären, dass er der tollste Vater der Welt sei und falls er jemals einen weiteren Sohn adoptieren wolle, MJ stehe bereit, er brauche nur anzurufen.
"Das ist nett", sagt Herr Cha, während er sich die Hand schütteln lässt, auch wenn es eher nach 'Warum kann mein Kind keine normalen Freunde haben' klingt. Dann steigen sie alle in den Kombi ein und das extrem peinliche Schweigen zwischen Eunwoo und Bin beginnt, kaum dass Herr Cha den Motor angeworfen und die Adressen aller ins Navigationsgerät eingegeben hat.
Die anderen machen es sich leicht. Sie schlafen einfach ein, wie etwa Sanha, der in der Reihe vor Bin sitzt und den es anscheinend überhaupt nicht stört, dass er mit dem Kopf andauernd gegen die Scheibe knallt. MJ erbarmt sich nach ein paar Minuten und zieht ihn auf seine Schulter, während Yeoreum Jinjin einen ihrer Kopfhörer anbietet und sich somit geschickt aus sämtlichen Gesprächen zieht. Ahrin sitzt zwar vorn auf dem Beifahrersitz (was dank der ungeschriebenen Autogesetze heißt, dass sie genauso gut in Mittelerde sein könnte), doch sie erzählt Herrn Cha in ruhigen, beherrschten elterngeeigneten Worten, was passiert ist und Bin wird sich hüten, da mit seiner großen Klappe reinzuplatzen und womöglich die erste gute Sache zu ruinieren, die ihnen heute passiert ist.
Bin mag die Stille einfach nicht, doch er weiß auch nicht, was er sagen soll. Er hat sich bei Eunwoo entschuldigt, mit einem kleinen, fast nicht zu hörenden "Tut mir Leid", doch trotz der Freudensprünge der anderen und obwohl Eunwoo gelächelt hat, fühlt sich Bin eher so, als hätten sie zwar alles gesagt, aber noch überhaupt nichts geklärt.
Die Sache mit Rocky steht noch zwischen ihnen (ziemlich buchstäblich sogar, denn Rocky sitzt zwischen ihnen auf der engen zweiten Rückbank des großen Autos und hat den Kopf auf Bins Schulter abgelegt). Bin weiß nicht mal so genau, wann Rockys An- oder Abwesenheit oder überhaupt seine generelle Existenz zu einem Problem geworden sind, oder warum Eunwoo immer schrecklich wütend wurde, wann immer Bin erzählt hat, dass er zum Tanzen geht.
Wahrscheinlich hat er wieder irgendetwas verpasst. Bin weiß, dass er nicht der Hellste ist und dass er oftmals schon die Fäuste in der Luft und einen fiesen Spruch zwischen den Zähnen hat, wenn andere noch beim 'Guten Morgen' sind.
Und bei Typen wie Eunwoo, die erstmal alles schlucken, mit sich herumschleppen und dann erst viel später explodieren, blickt Bin meistens sowieso nicht mehr durch.
Aber das kennt er schon. Dass Eunwoo manchmal der Kragen platzt, auch wenn eine Woche lang alles gut lief, und normalerweise schreien sie sich dann ein bisschen an, hassen sich fünf Minuten und dann gibt sich irgendwer einen Ruck (meistens Bin, weil er vom vielen "Es tut mir Leid" sagen schon einen Abdruck in der Zunge hat) und sie vertragen sich wieder.
Das ging, bis Rocky dazu kam, ziemlich gut und jetzt hockt Bin hier, mit pochender, aufgeplatzter Lippe, und auf MJs Lederjacke klebt Blut und Eunwoos Vater muss sie nachts um elf einmal im Zickzackkurs durch die Stadt fahren. Er weiß nicht mehr, wie das alles miteinander zusammenhängt.
Wahrscheinlich ist es wieder seine Schuld. Und wahrscheinlich wird er es nie herausfinden, weil Eunwoo ihm wieder nichts Genaues erklären wird.
Doch das ist okay, denkt Bin und legt die Hand auf Rockys Oberschenkel ab. Er ist schließlich immer da, wenn sie ihn brauchen, weil Bin sie wieder in irgendeinen Schlamassel gebracht hat und nur darauf kommt es an.
Sie bringen zuerst Sanha nach Hause, dann Yeoreum und MJ, dann müssen sie tanken. Schließlich ist Rocky dran. Bin muss aussteigen, um Rocky aus dem Wagen zu lassen und sie bleiben ein paar Augenblicke auf dem Bürgersteig stehen, während Rocky sich die Augen reibt und völlig verwirrt nach links und rechts schaut.
Bin lächelt. "Schaffst du's bis nach oben oder muss ich dich tragen? Wäre ja nicht das erste Mal."
"Nein, schon gut", antwortet Rocky, so als sei das ein ernstgemeintes Angebot gewesen, dann gähnt er noch einmal und zieht Bin in eine müde, ganz vorsichtige Umarmung. "Sehen wir uns morgen in der Pause?"
"Na klar", sagt Bin und schaut Rocky hinterher und erst als die Tür hinter ihm ins Schloss fällt, merkt Bin, dass er morgen in die Schule gehen muss, wenn er Rocky sehen will.
Mistkerl, denkt Bin und grinst.
Am Ende sitzen nur noch Bin und Eunwoo auf der Rückbank. Bin hat den Verdacht, dass Jinjin das genau so geplant hat, denn er ist sich ziemlich sicher, dass Jinjin überhaupt nicht da wohnt, wo sie ihn rausgelassen haben. Beweisen kann er es nicht, also lässt er sich in die Polster fallen und lauscht nach der sanften Rockmusik, die aus dem Radio dudelt.
Aus dem Augenwinkel sieht er, dass Eunwoo aus dem Fenster schaut und stumm die Lippen bewegt. Jede Straßenlaterne taucht ihn in warmes Licht und färbt seine weiße Jacke golden, wie einen alten schweren Bilderrahmen. Seine Hand liegt ganz entspannt auf dem Platz, wo vorher Rocky saß und Bin überlegt, ob er nach ihr greifen soll.
Er lässt es bleiben. Er weiß nicht, ob Eunwoo die Hand vielleicht zurückziehen würde und er will es nicht riskieren, ihr Schweigen noch unangenehmer machen.
Ein paar Minuten später kommen sie bei Bin zuhause an und obwohl er müde ist und sich nichts sehnlicher wünscht als eine Dusche, spürt Bin dennoch einen Stich in der Brust, als er sich abschnallt und die Tür aufschiebt. Er wäre gern noch länger gefahren, einfach nur um in Eunwoos Nähe sein zu können, egal ob sie reden oder nicht.
Er will sich gerade umdrehen und verabschieden, als sich Eunwoo plötzlich an ihm vorbei drängelt und ebenfalls aussteigt.
"Ich bring dich bis zur Tür", sagt er und er sieht genauso überrascht aus, wie Bin sich fühlt.
Bevor er reagieren kann, hat Eunwoo die Tür zugeworfen und stiefelt mit riesengroßen Schritten auf den kleinen hellblau gefliesten Tunnel zu, an dessen Ende der Eingang zu dem großen schönen Mietshaus liegt.
Bin starrt ihm völlig verwirrt hinterher, dann verbeugt er sich rasch vor Herrn Cha und beeilt sich, Eunwoo zu folgen.
Auf einmal hat er Herzklopfen, obwohl alles genauso abläuft, wie im Auto: sie befinden sich nebeneinander und schweigen. Eunwoo starrt stur geradeaus, als wolle er ein Loch durch die Glastür brennen und Bin wappnet sich für die Standpauke, die er höchstwahrscheinlich genau jetzt abbekommen wird.
"Es tut mir Leid", sagt Eunwoo nach der Hälfte des Weges. Er schaut ihn dabei nicht an, er verlangsamt nicht einmal seinen Schritt, doch er sagt es laut und deutlich und Bin stolpert fast über seine eigenen Füße.
"W-was?"
Er muss sich verhört haben. Es gibt keine andere Erklärung dafür, doch als Bin sich umdreht, schaut Eunwoo nicht weg. Im Gegenteil, er holt tief Luft und fixiert Bin mit einem Blick, der ihm Schauer über den Rücken jagt.
"Es tut mir Leid. Dass ich dich aus dem Team geworfen habe. Und dass ich sauer war, weil du mir von Rocky nichts erzählt hast. Und dass ich heute nicht da war. Es tut mir Leid."
Die Sätze sind abgehackt, Eunwoo setzt zweimal an und beißt sich auf die Lippen, als er fertig ist. Bin fragt sich, ob Eunwoo vorhin im Auto diese Entschuldigung auswendig gelernt hat, doch das ist der letzte klare Gedanke, den er fassen kann, bevor der Wirbelsturm in seinem Kopf ihn in totales Chaos stürzt.
Das ist alles falsch! Eunwoo sollte sich nicht entschuldigen, das ist Bins Aufgabe, alles ist durcheinander, Rocky steht plötzlich zwischen ihnen, wo er überhaupt nicht hingehört, er sollte an ihrer Seite sein, gemeinsam mit ihnen tanzen und singen, und auf einmal hat Bin Angst, dass ihm wieder alles entgleitet.
"Du… du musst nicht…", sagt er hastig, doch Eunwoo hebt die Hand und Bin zuckt zurück, als sei er geschlagen worden.
"Ich muss", knurrt Eunwoo. "Es tut mir leid."
"Du brauchst dich nicht entschuldigen, es war meine Schuld, ich hab…"
"Es reicht!" Eunwoo schreit so laut, dass das Echo von den Tunnelwänden springt und bis auf den Bürgersteig hinausfliegt. Bin würde am liebsten hinterher rennen, doch er bleibt wie festgefroren stehen. "Kannst du nicht einfach akzeptieren, dass ich mich entschuldigen will? Damit alles wieder wie früher wird?!"
Eunwoo hat Tränen in den Augen und wischt sich wütend übers Gesicht. Er hält Bin mit seinem Blick eingesperrt. und Bin gerät in Panik und sagt das erstbeste, was ihm einfällt:
"Ich hab nicht mit Rocky…"
Rumgemacht ist das erste Wort, was Bin durch den Kopf schießt, und er kann sich gerade noch so davon abhalten, es auszusprechen. Er hat keine Ahnung, wo diese Idee plötzlich herkam. Darum geht es überhaupt nicht, danach hat Eunwoo ihn gar nicht gefragt und selbst wenn, bräuchte er das Eunwoo auf keinen Fall zu erzählen.
Sie sind kein Paar. Sie mögen sich an drei von sieben Tagen ja nicht einmal. Und trotzdem überflutet das schlechte Gewissen plötzlich Bins Kopf und lässt ihn sich Dinge vorstellen (mit Rocky, mit Eunwoo, mit beiden zusammen), die er überhaupt nicht denken und noch viel weniger jemals aussprechen will.
Er hat Rocky nie geküsst. Doch all die Erinnerungen, die ihm gerade durch den Kopf gehen, machen ihm klar, dass es ihm gerade nicht um die Dinge geht, die man mit Lippen oder Hände anstellen kann, sondern um etwas viel weniger greifbares und viel wichtigeres.
Vertrauen zum Beispiel, und sich gemeinsam über Dinge freuen. Fotos machen und sie jemandem schicken, weil man weiß, dass sich derjenige darüber kaputtlachen würde. Sich gegenseitig von Träumen erzählen, von Schmerzen und Wundern, die man sich erhofft und noch tausend Dinge mehr, die wichtiger sind als Küssen und Streicheln.
Und genau deshalb bekommt er vor Scham gerade Bauchschmerzen, denn alles das, was er sonst nur mit Eunwoo gemacht hat, hat er auch mit Rocky gemacht.
Manchmal, wenn er sich mit Eunwoo gestritten hatte, ist er förmlich zu Rocky geflohen, in ihre bunte graffitibesprühte Höhle voller Musik und Tanz und hat die Risse in seinem Herzen ganz von Rockys Lachen und seinen schnellen, warmen Berührungen ausfüllen lassen.
(Und ja. Einmal hat er ihn nach einem Tanz an den Oberarmen gepackt und gegen die Wand gedrückt, in Rockys große, blitzende Augen geschaut, auf seinen breiten, lächelnden Mund geblickt – und ihn dann losgelassen und ist heimgefahren. Einmal hat er das gemacht und dann nie wieder und Rocky hat ihn auch nicht mehr drauf angesprochen.)
Vielleicht hat Bin nicht mit Rocky rumgeknutscht, das stimmt.
Aber er fühlt sich trotzdem so, als habe er Eunwoo betrogen.
Bin seufzt und zwingt sich, den Mund aufzumachen. "Ich wollte, dass Rocky bei uns mitmacht", gibt er schließlich zu, was eigentlich nur ein leerer Satz ist, in dem nichts von dem steckt, was Bin eigentlich fühlt. Doch es ist spät, er ist müde und ihm tut alles weh und deshalb hofft er einfach, dass Eunwoo ihn verstehen wird. "Ich hab dich nicht gefragt, weil ich dich überraschen wollte. Und dann ist alles schiefgegangen und das tut mir leid."
"Ja", sagt Eunwoo und verzieht das Gesicht, bevor er Bin ein schiefes Lächeln schenkt. "Ich… darum geht’s auch nicht. Ich hab mich wie ein Idiot benommen."
"Alles ist durcheinander", murmelt Bin. Die Geständnisse, die er eigentlich machen müsste, sind viel zu groß für diese enge Gasse, in der sie sich gerade in totaler Hilflosigkeit gegenüber stehen.
"Ja."
Sie schweigen. Und dann hupt ein Auto weit vor ihnen, in dem Eunwoos Vater sitzt und ungeduldig auf seinen Sohn wartet.
Sie zucken beide zusammen und grinsen noch mehr und dann streckt Bin die Hand aus und sagt: "Freunde?"
Eunwoos Lächeln wird ein bisschen schmaler, doch er greift trotzdem nach Bins Fingern und verschlingt sie mit seinen. "Freunde", haucht er. Einen Herzschlag später beugt er sich blitzschnell vor und küsst Bin auf die Wange.
"Bis morgen", hört Bin noch, dann rennt Eunwoo weg und springt ins Auto, als sei der Teufel hinter ihm her.
Alles ist geklärt, denkt Bin und schaut ihm nach. Und nichts gesagt.
Challenge: Intimität – Joker, Beziehung zu dritt (Sommerchallenge 2014) – fürs Team
Fandom: To be continued
Titel: Betrüger
Inhalt: Man verträgt sich wieder so halb. Und Bin muss einsehen, dass er tatsächlich nicht ganz unschuldig ist
Anmerkung: Teil 3! Alles wirkt falsch, die sollten doch knuddeln ;_; Und nein ich hab das nicht innerhalb von zehn Sekunden geschrieben, ich wollte es nur unbedingt zusammen posten. xD
Betrüger
Eunwoos Vater holt sie wie versprochen ab und unterschreibt die Bürgschaft für sie alle. Bin kann sich nicht erinnern, wann er sich das letzte Mal so tief vor einem Menschen verbeugt hat, doch er war auch noch nie in seinem Leben jemandem so dankbar. Rocky geht es genauso und MJ fällt fast vornüber beim Versuch, Herrn Cha gleichzeitig die Hand zu schütteln, sich zu verbeugen und ihm zu erklären, dass er der tollste Vater der Welt sei und falls er jemals einen weiteren Sohn adoptieren wolle, MJ stehe bereit, er brauche nur anzurufen.
"Das ist nett", sagt Herr Cha, während er sich die Hand schütteln lässt, auch wenn es eher nach 'Warum kann mein Kind keine normalen Freunde haben' klingt. Dann steigen sie alle in den Kombi ein und das extrem peinliche Schweigen zwischen Eunwoo und Bin beginnt, kaum dass Herr Cha den Motor angeworfen und die Adressen aller ins Navigationsgerät eingegeben hat.
Die anderen machen es sich leicht. Sie schlafen einfach ein, wie etwa Sanha, der in der Reihe vor Bin sitzt und den es anscheinend überhaupt nicht stört, dass er mit dem Kopf andauernd gegen die Scheibe knallt. MJ erbarmt sich nach ein paar Minuten und zieht ihn auf seine Schulter, während Yeoreum Jinjin einen ihrer Kopfhörer anbietet und sich somit geschickt aus sämtlichen Gesprächen zieht. Ahrin sitzt zwar vorn auf dem Beifahrersitz (was dank der ungeschriebenen Autogesetze heißt, dass sie genauso gut in Mittelerde sein könnte), doch sie erzählt Herrn Cha in ruhigen, beherrschten elterngeeigneten Worten, was passiert ist und Bin wird sich hüten, da mit seiner großen Klappe reinzuplatzen und womöglich die erste gute Sache zu ruinieren, die ihnen heute passiert ist.
Bin mag die Stille einfach nicht, doch er weiß auch nicht, was er sagen soll. Er hat sich bei Eunwoo entschuldigt, mit einem kleinen, fast nicht zu hörenden "Tut mir Leid", doch trotz der Freudensprünge der anderen und obwohl Eunwoo gelächelt hat, fühlt sich Bin eher so, als hätten sie zwar alles gesagt, aber noch überhaupt nichts geklärt.
Die Sache mit Rocky steht noch zwischen ihnen (ziemlich buchstäblich sogar, denn Rocky sitzt zwischen ihnen auf der engen zweiten Rückbank des großen Autos und hat den Kopf auf Bins Schulter abgelegt). Bin weiß nicht mal so genau, wann Rockys An- oder Abwesenheit oder überhaupt seine generelle Existenz zu einem Problem geworden sind, oder warum Eunwoo immer schrecklich wütend wurde, wann immer Bin erzählt hat, dass er zum Tanzen geht.
Wahrscheinlich hat er wieder irgendetwas verpasst. Bin weiß, dass er nicht der Hellste ist und dass er oftmals schon die Fäuste in der Luft und einen fiesen Spruch zwischen den Zähnen hat, wenn andere noch beim 'Guten Morgen' sind.
Und bei Typen wie Eunwoo, die erstmal alles schlucken, mit sich herumschleppen und dann erst viel später explodieren, blickt Bin meistens sowieso nicht mehr durch.
Aber das kennt er schon. Dass Eunwoo manchmal der Kragen platzt, auch wenn eine Woche lang alles gut lief, und normalerweise schreien sie sich dann ein bisschen an, hassen sich fünf Minuten und dann gibt sich irgendwer einen Ruck (meistens Bin, weil er vom vielen "Es tut mir Leid" sagen schon einen Abdruck in der Zunge hat) und sie vertragen sich wieder.
Das ging, bis Rocky dazu kam, ziemlich gut und jetzt hockt Bin hier, mit pochender, aufgeplatzter Lippe, und auf MJs Lederjacke klebt Blut und Eunwoos Vater muss sie nachts um elf einmal im Zickzackkurs durch die Stadt fahren. Er weiß nicht mehr, wie das alles miteinander zusammenhängt.
Wahrscheinlich ist es wieder seine Schuld. Und wahrscheinlich wird er es nie herausfinden, weil Eunwoo ihm wieder nichts Genaues erklären wird.
Doch das ist okay, denkt Bin und legt die Hand auf Rockys Oberschenkel ab. Er ist schließlich immer da, wenn sie ihn brauchen, weil Bin sie wieder in irgendeinen Schlamassel gebracht hat und nur darauf kommt es an.
Sie bringen zuerst Sanha nach Hause, dann Yeoreum und MJ, dann müssen sie tanken. Schließlich ist Rocky dran. Bin muss aussteigen, um Rocky aus dem Wagen zu lassen und sie bleiben ein paar Augenblicke auf dem Bürgersteig stehen, während Rocky sich die Augen reibt und völlig verwirrt nach links und rechts schaut.
Bin lächelt. "Schaffst du's bis nach oben oder muss ich dich tragen? Wäre ja nicht das erste Mal."
"Nein, schon gut", antwortet Rocky, so als sei das ein ernstgemeintes Angebot gewesen, dann gähnt er noch einmal und zieht Bin in eine müde, ganz vorsichtige Umarmung. "Sehen wir uns morgen in der Pause?"
"Na klar", sagt Bin und schaut Rocky hinterher und erst als die Tür hinter ihm ins Schloss fällt, merkt Bin, dass er morgen in die Schule gehen muss, wenn er Rocky sehen will.
Mistkerl, denkt Bin und grinst.
Am Ende sitzen nur noch Bin und Eunwoo auf der Rückbank. Bin hat den Verdacht, dass Jinjin das genau so geplant hat, denn er ist sich ziemlich sicher, dass Jinjin überhaupt nicht da wohnt, wo sie ihn rausgelassen haben. Beweisen kann er es nicht, also lässt er sich in die Polster fallen und lauscht nach der sanften Rockmusik, die aus dem Radio dudelt.
Aus dem Augenwinkel sieht er, dass Eunwoo aus dem Fenster schaut und stumm die Lippen bewegt. Jede Straßenlaterne taucht ihn in warmes Licht und färbt seine weiße Jacke golden, wie einen alten schweren Bilderrahmen. Seine Hand liegt ganz entspannt auf dem Platz, wo vorher Rocky saß und Bin überlegt, ob er nach ihr greifen soll.
Er lässt es bleiben. Er weiß nicht, ob Eunwoo die Hand vielleicht zurückziehen würde und er will es nicht riskieren, ihr Schweigen noch unangenehmer machen.
Ein paar Minuten später kommen sie bei Bin zuhause an und obwohl er müde ist und sich nichts sehnlicher wünscht als eine Dusche, spürt Bin dennoch einen Stich in der Brust, als er sich abschnallt und die Tür aufschiebt. Er wäre gern noch länger gefahren, einfach nur um in Eunwoos Nähe sein zu können, egal ob sie reden oder nicht.
Er will sich gerade umdrehen und verabschieden, als sich Eunwoo plötzlich an ihm vorbei drängelt und ebenfalls aussteigt.
"Ich bring dich bis zur Tür", sagt er und er sieht genauso überrascht aus, wie Bin sich fühlt.
Bevor er reagieren kann, hat Eunwoo die Tür zugeworfen und stiefelt mit riesengroßen Schritten auf den kleinen hellblau gefliesten Tunnel zu, an dessen Ende der Eingang zu dem großen schönen Mietshaus liegt.
Bin starrt ihm völlig verwirrt hinterher, dann verbeugt er sich rasch vor Herrn Cha und beeilt sich, Eunwoo zu folgen.
Auf einmal hat er Herzklopfen, obwohl alles genauso abläuft, wie im Auto: sie befinden sich nebeneinander und schweigen. Eunwoo starrt stur geradeaus, als wolle er ein Loch durch die Glastür brennen und Bin wappnet sich für die Standpauke, die er höchstwahrscheinlich genau jetzt abbekommen wird.
"Es tut mir Leid", sagt Eunwoo nach der Hälfte des Weges. Er schaut ihn dabei nicht an, er verlangsamt nicht einmal seinen Schritt, doch er sagt es laut und deutlich und Bin stolpert fast über seine eigenen Füße.
"W-was?"
Er muss sich verhört haben. Es gibt keine andere Erklärung dafür, doch als Bin sich umdreht, schaut Eunwoo nicht weg. Im Gegenteil, er holt tief Luft und fixiert Bin mit einem Blick, der ihm Schauer über den Rücken jagt.
"Es tut mir Leid. Dass ich dich aus dem Team geworfen habe. Und dass ich sauer war, weil du mir von Rocky nichts erzählt hast. Und dass ich heute nicht da war. Es tut mir Leid."
Die Sätze sind abgehackt, Eunwoo setzt zweimal an und beißt sich auf die Lippen, als er fertig ist. Bin fragt sich, ob Eunwoo vorhin im Auto diese Entschuldigung auswendig gelernt hat, doch das ist der letzte klare Gedanke, den er fassen kann, bevor der Wirbelsturm in seinem Kopf ihn in totales Chaos stürzt.
Das ist alles falsch! Eunwoo sollte sich nicht entschuldigen, das ist Bins Aufgabe, alles ist durcheinander, Rocky steht plötzlich zwischen ihnen, wo er überhaupt nicht hingehört, er sollte an ihrer Seite sein, gemeinsam mit ihnen tanzen und singen, und auf einmal hat Bin Angst, dass ihm wieder alles entgleitet.
"Du… du musst nicht…", sagt er hastig, doch Eunwoo hebt die Hand und Bin zuckt zurück, als sei er geschlagen worden.
"Ich muss", knurrt Eunwoo. "Es tut mir leid."
"Du brauchst dich nicht entschuldigen, es war meine Schuld, ich hab…"
"Es reicht!" Eunwoo schreit so laut, dass das Echo von den Tunnelwänden springt und bis auf den Bürgersteig hinausfliegt. Bin würde am liebsten hinterher rennen, doch er bleibt wie festgefroren stehen. "Kannst du nicht einfach akzeptieren, dass ich mich entschuldigen will? Damit alles wieder wie früher wird?!"
Eunwoo hat Tränen in den Augen und wischt sich wütend übers Gesicht. Er hält Bin mit seinem Blick eingesperrt. und Bin gerät in Panik und sagt das erstbeste, was ihm einfällt:
"Ich hab nicht mit Rocky…"
Rumgemacht ist das erste Wort, was Bin durch den Kopf schießt, und er kann sich gerade noch so davon abhalten, es auszusprechen. Er hat keine Ahnung, wo diese Idee plötzlich herkam. Darum geht es überhaupt nicht, danach hat Eunwoo ihn gar nicht gefragt und selbst wenn, bräuchte er das Eunwoo auf keinen Fall zu erzählen.
Sie sind kein Paar. Sie mögen sich an drei von sieben Tagen ja nicht einmal. Und trotzdem überflutet das schlechte Gewissen plötzlich Bins Kopf und lässt ihn sich Dinge vorstellen (mit Rocky, mit Eunwoo, mit beiden zusammen), die er überhaupt nicht denken und noch viel weniger jemals aussprechen will.
Er hat Rocky nie geküsst. Doch all die Erinnerungen, die ihm gerade durch den Kopf gehen, machen ihm klar, dass es ihm gerade nicht um die Dinge geht, die man mit Lippen oder Hände anstellen kann, sondern um etwas viel weniger greifbares und viel wichtigeres.
Vertrauen zum Beispiel, und sich gemeinsam über Dinge freuen. Fotos machen und sie jemandem schicken, weil man weiß, dass sich derjenige darüber kaputtlachen würde. Sich gegenseitig von Träumen erzählen, von Schmerzen und Wundern, die man sich erhofft und noch tausend Dinge mehr, die wichtiger sind als Küssen und Streicheln.
Und genau deshalb bekommt er vor Scham gerade Bauchschmerzen, denn alles das, was er sonst nur mit Eunwoo gemacht hat, hat er auch mit Rocky gemacht.
Manchmal, wenn er sich mit Eunwoo gestritten hatte, ist er förmlich zu Rocky geflohen, in ihre bunte graffitibesprühte Höhle voller Musik und Tanz und hat die Risse in seinem Herzen ganz von Rockys Lachen und seinen schnellen, warmen Berührungen ausfüllen lassen.
(Und ja. Einmal hat er ihn nach einem Tanz an den Oberarmen gepackt und gegen die Wand gedrückt, in Rockys große, blitzende Augen geschaut, auf seinen breiten, lächelnden Mund geblickt – und ihn dann losgelassen und ist heimgefahren. Einmal hat er das gemacht und dann nie wieder und Rocky hat ihn auch nicht mehr drauf angesprochen.)
Vielleicht hat Bin nicht mit Rocky rumgeknutscht, das stimmt.
Aber er fühlt sich trotzdem so, als habe er Eunwoo betrogen.
Bin seufzt und zwingt sich, den Mund aufzumachen. "Ich wollte, dass Rocky bei uns mitmacht", gibt er schließlich zu, was eigentlich nur ein leerer Satz ist, in dem nichts von dem steckt, was Bin eigentlich fühlt. Doch es ist spät, er ist müde und ihm tut alles weh und deshalb hofft er einfach, dass Eunwoo ihn verstehen wird. "Ich hab dich nicht gefragt, weil ich dich überraschen wollte. Und dann ist alles schiefgegangen und das tut mir leid."
"Ja", sagt Eunwoo und verzieht das Gesicht, bevor er Bin ein schiefes Lächeln schenkt. "Ich… darum geht’s auch nicht. Ich hab mich wie ein Idiot benommen."
"Alles ist durcheinander", murmelt Bin. Die Geständnisse, die er eigentlich machen müsste, sind viel zu groß für diese enge Gasse, in der sie sich gerade in totaler Hilflosigkeit gegenüber stehen.
"Ja."
Sie schweigen. Und dann hupt ein Auto weit vor ihnen, in dem Eunwoos Vater sitzt und ungeduldig auf seinen Sohn wartet.
Sie zucken beide zusammen und grinsen noch mehr und dann streckt Bin die Hand aus und sagt: "Freunde?"
Eunwoos Lächeln wird ein bisschen schmaler, doch er greift trotzdem nach Bins Fingern und verschlingt sie mit seinen. "Freunde", haucht er. Einen Herzschlag später beugt er sich blitzschnell vor und küsst Bin auf die Wange.
"Bis morgen", hört Bin noch, dann rennt Eunwoo weg und springt ins Auto, als sei der Teufel hinter ihm her.
Alles ist geklärt, denkt Bin und schaut ihm nach. Und nichts gesagt.
no subject
Date: 2015-10-05 06:01 pm (UTC)DEINE GRAFIK TÖTET MICH SCHONMAL "GRAPHIC DESIGN IS MY PASSION" AHAHAHAHA KIWI PLS XDDDDDDDDDDDD "Einziger Grund warum Bin noch nicht im Knast ist", bawling.
Den ersten Satz vom ersten Teil find ich schon super, aber ich bin ja auch ein sucker für "erst mal in die Story geworfen werden, erklären können wir später". (AUSSER DIE ERKLÄRUNGEN KOMMEN NIE, LOOKING AT YOU, "LONDON FALLING".)
im Krankenhaus gelandet war, Bin vielleicht oder im schlimmsten Fall sogar Sanha
DAS IST SO SÜSS OH GOTT, "ja, Bin, das wär schlimm, aber das würd ich ja noch aushalten, ABER WENN DEM BABY WAS PASSIERT OH GOTT WAS MACHEN WIR DENN DANN ;__;"
Ich find's großartig, wie du diesen ekligen schmierigen Polizisten beschreibst, das passt so guuut, das gefällt mir sooo! Und wie er mit den Kids interagiert, DAS IST ALLES SO SCHÖN BESCHRIEBEN ICH MAG DAS ALLES!
Bin und Rocky haben die Hände ineinander verschlungen
MEIN HEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEERZ. UND DANN MACHT SICH EUNWOO AUCH NOCH VORWÜRFE MEIN HERZ HOCH FÜNF EY
aber statt sieben gestressten Müttern und Vätern würde einer reichen
"Alternativ könnt ihr aber auch eure Klassenlehrerin anrufen :D!"
und dann hebt Bin langsam die Faust und streckt sie Eunwoo entgegen.
IST DAS SCHÖN IST DAS SCHÖN IST DAS SCHÖN OH GOTT KIWI IST DAS SCHÖÖÖÖÖÖN ICH LIEBE ALLES
Der zweite Teil passt so schön rein! Ich bin ganz baff, weil das mit dem Prompt so gut funktioniert (nur wörtliche Rede, aka mein Schreiberalptraum, ahahah) und man sich Eunwoos Reaktionen auch einfach so dazudenken kann, ohne, dass sie beschrieben werden. Sein armer armer Vater. Wirklich, Eunwoo, such dir doch mal Freunde mit anderen Namen... DA IN KOREA.
ich werde Vater und Mutter ehren
C R Y I N G
falls er jemals einen weiteren Sohn adoptieren wolle, MJ stehe bereit
ICH LIEBE DIESEN SATZ SO SEHR ICH STERBE GLEICH VOR LACHEN DAS IST SO MJ :DDDDDDDDD
(was dank der ungeschriebenen Autogesetze heißt, dass sie genauso gut in Mittelerde sein könnte)
DAS IST DIE BESTE. BESCHREIBUNG. EVER. DAFÜR.
Dieser ganze dritte Teil gibt mir so viele Gefühle, ich schreie gleich. BIN MACHT SICH SO VIELE WUNDERSCHÖNE HERZZERREISSENDE GEDANKEN OH GOTT KSDJFKLSJDFLKSJDFÖLKSDJFLKSJDF ICH LIEBE DAS ICH LIEEEBE DASSSSSS SDFKJSDLFDSFSDF ROCKY SITZT ZWISCHEN IHNEN FSKDJFSKDÖFJSDF UND BIN KENNT DEN EXTREMEN KONTRAST ZWISCHEN SICH UND EUNWOO UND AAAAHHHHHHHH ICH BIN SO GLÜCKLICH UND SO TRAURIG
Seine Hand liegt ganz entspannt auf dem Platz, wo vorher Rocky saß und Bin überlegt, ob er nach ihr greifen soll.
ICH KREISCHE SO LAUT DU MÜSSTEST ES EIGENTLICH BIS ZU DIR HÖREN
ER HAT DIE ENTSCHULDIGUNG IM AUTO AUSWENDIG GELERNT ICH KANN NICHT MEHR ICH BISDFKJSLDFJLSDÖKFJSKLDFJLSKDJFLÖSKDJFLÖSDJFSDÖFD SEND HELP
"Ich hab nicht mit Rocky…"
Rumgemacht
KDJFLÖKSJDFLÖKSJDFLKSJDFLKSJFLKJSDFLKJSDLFJSLDKFJSLKDFJLSKDJFLSDFJSLKDF UND DANN BEMERKT ER SELBST DASS ES DARUM GAR NICHT GEHT ABER ER HAT TROTZDEM EIN SCHLECHTES GEWISSEN ??? UND ICH ROLLE MICH KURZ HIER HINTEN IN DER ECKE ZUSAMMEN OKAY
lässt ihn sich Dinge vorstellen (mit Rocky, mit Eunwoo, mit beiden zusammen)
NA ZUM GLÜCK LIEGE ICH HIER SCHON EINGEROLLT!!!
Vertrauen zum Beispiel, und sich gemeinsam über Dinge freuen. Fotos machen und sie jemandem schicken, weil man weiß, dass sich derjenige darüber kaputtlachen würde. Sich gegenseitig von Träumen erzählen, von Schmerzen und Wundern, die man sich erhofft und noch tausend Dinge mehr, die wichtiger sind als Küssen und Streicheln.
ICH LASS DAS EINFACH SO HIER STEHEN WEIL ICH NICHT GENUG WORTE HABE UM ZU BESCHREIBEN WIE SCHÖN ICH DIESEN ABSATZ FINDE. WUNDERSCHÖN FINDE ICH IHN. KIWI. WUNDERSCHÖN.
no subject
Date: 2015-10-05 06:02 pm (UTC)Eunwoos Lächeln wird ein bisschen schmaler
MITTEN INS HERZ, OH GOTT. NEIN, VIEL MEHR ALS FREUNDE, VIEL VIEL VIEL MEHR.
Dass ich das mal über so eine Dreiecksgeschichte sagen würde, aber: Ich finde das so großartig, diese ... naja, sie sind ja alle nicht zusammen, aber dieses Gefühl, dass Bin hat, dass er Eunwoo betrügt, wenn er doch einfach nur so mit Rocky rumhängt, und wie real das alles ist, und wie schlimm er sich dabei fühlt, das ist alles so wunderschön und gibt mir so so so so viele Gefühle.
Da ist es auch überhaupt nicht schlimm, dass das Ende so melancholisch geworden ist, denn das passt so gut zum Rest der Fic und zu den beiden und die haben einfach noch so viele issues, durch die sie sich arbeiten müssen, aaaachhhhh, ich liebe diese Fic (und besonders den dritten Teil) sehr ♥
(ERNSTHAFT LJ, FÜR DIE 300 ZEICHEN ZU VIEL MACHST DU SO NEN AUFSTAND)