[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Morpheus
Challenge: Hurt/Comfort– Was ist passiert? – fürs Team
Fandom: To be continued
Titel: Zwanzig Minuten zu spät ohne Starbucks
Inhalt: Eunwoo muss seine sieben Freunde aus der Polizeistation befreien und hat dabei sehr viele Gefühle.
Anmerkung: "To be continued" ist die Webshow einer koreanischer Boyband und sie ist ganz ganz zauberhaft, weil es um Freundschaft geht und um Gefühle. <3 Die sechs Typen sind eine Band und wollen bei einem Musik-Festival mitmachen und es gibt natürlich ein riesiges Drama mit Prügeln und dramatischen Telefonanrufen und allerdramatischsten, langen, schmachtenden Blicken. Das hier spielt nach Folge 8 und 9 also… Achtung vor Spoilern? xD (Hier ist ein Bild mit Erklärungen für alle, die den Namen gern Gesichter zuordnen wollen).
Anmerkung 2: Mods, ich bräuchte ein neues Tag. Haha. Verdammt.


Zwanzig Minuten zu spät ohne Starbucks

Eunwoo rennt beinah frontal gegen die Glastür, dann reißt er sie auf und steht keuchend und mit hochrotem Kopf mitten in der Polizeistation.

Der Raum ist vollgestopft mit Schreibtischen, auf denen sich Papierberge türmen, kaum aufrecht gehalten von PC-Monitoren und Kaffeetassen. Es riecht nach Schweiß, halb aufgegessenem Fastfood und Regenwasser.

Vor Eunwoo sitzen sieben Leute auf unbequemen Plastikstühlen, die alle gleichzeitig den Kopf herumreißen und ihn mit offenem Mund anstarren.

Ahrin hatte ihm gesagt, dass Bin und die anderen sich geprügelt hatten und als Eunwoo an der Brücke ankam und nur ein bisschen Blut auf dem Asphalt und einen verbeulten Verkehrskegel gefunden hatte, war ihm kotzübel geworden.

Dann hatte Ahrin angerufen, um ihm zu erklären, dass die Polizei sie aufgegabelt hatte. Eunwoo hatte sie nicht ausreden lassen, um zu fragen, ob alle seiner Freunde auf der Wache saßen, sondern hatte das Handy eingesteckt und war gerannt, was das Zeug hielt.

Wenn er nämlich erfahren hätte, dass irgendwer im Krankenhaus gelandet war, Bin vielleicht oder im schlimmsten Fall sogar Sanha, dann wäre er mitten auf dem Schotterweg in Ohnmacht gefallen.

Jetzt sitzen sie zwar alle vor ihm, lebend, und in MJs Fall sogar grinsend, doch Eunwoo fühlt sich kein bisschen besser.

Sie sehen übel aus. Zumindest Bin, der konsequent auf den Fußboden starrt, und MJ, der völlig fasziniert in dem fingerlangen Kratzer auf seiner Wange herum doktortert, und – zu Eunwoos absolutem Schock – auch Yeoreum, deren rechtes Auge ein schimmerndes Veilchen ziert.

"Eunwoo", haucht Ahrin und lächelt. "Da bist du ja!"

"Wurde auch langsam Zeit", knurrt Yeoreum und wendet den Kopf ab, als eine wütende Träne aus ihrem zerschlagenen Auge läuft.

"Ja", sagt Eunwoo, doch er hat schon wieder vergessen, worauf er da gerade geantwortet hat. Er sucht mit den Augen noch einmal die Gesichter seiner Freunde ab, bis ihm der Atem stockt.

Sie leben. Es geht ihnen gut. Unter all den Schrammen und dem verschmierten Makeup und ihrem wahrscheinlich angekratzten Stolz geht es ihnen gut.

Eunwoo fühlt, wie ihm Tränen in die Augen steigen und er blinzelt hastig. Sie haben keine Zeit dafür, denn der Polizist, der hinter dem unordentlichsten Schreibtisch sitzt, hat anscheinend keine Lust mehr auf ihr Wiedersehen.

Er nimmt das Stück Trockenfleisch aus dem Mund und macht Anstalten, sich zu erheben.

"Was zum...? Ist das hier ein Kindergarten? Wer bist du denn jetzt schon wieder?", fragt er und wedelt mit dem Stückchen Fleisch durch die Gegend.

Hinter ihm schnaubt irgendwer amüsiert und der Polizist fährt wütend herum und lässt einen Fluch vom Stapel.

Sanha kichert und MJ prustet los, eh der Polizist sie niederzischt und seine ganze, am Mund fettverschmierte Aufmerksamkeit wieder auf Eunwoo richtet.

"Also?"

"Ich bin ihr Freund!", sagt Eunwoo und stellt sich mit Namen und der tiefstmöglichen Verbeugung vor.

Der Polizist ist nicht beeindruckt. Er lässt sich in seinen Stuhl zurückfallen und streicht sich stöhnend durchs Haar, so als seien Eunwoo und die anderen das Schlimmste, was ihm jemals passiert ist.

"Hör mal, Junge", sagt er schließlich und stopft sich den Rest vom Trockenfleisch in den Mund. "Ich hab hier schon genug Papierkram mit diesen Spinnern..."

"Hey!", faucht Bin, doch Jin Jin schlägt ihm gegen die Schulter und zwingt ihn auf seinen Stuhl zurück.

Der Polizist tut so, als sei nichts gewesen und fixiert Eunwoo weiterhin mit einem giftigen Blick. "Also wenn du keine Zeugenaussage machen willst, dann verschwinde. Ich hab keine Lust, noch ein Elternteil anrufen zu müssen, das nicht ans Telefon geht!"

Der Polizist schließt wieder die Augen und runzelt die Stirn und aus dem Augenwinkel sieht Eunwoo, wie MJ wild herumfuchtelt und auf Rocky und Bin zeigt.

"Falsche Nummern angegeben!", liest Eunwoo von seinen Lippen.

Das hätte er sich denken können. Er hat zwar keine Ahnung, wie es bei Rocky zuhause aussieht, doch dafür weiß er genau, was Bin erwarten würde, wenn rauskäme, dass er sich mit irgendwelchen Idioten unter einer Brücke geprügelt hat.

Zum ersten Mal seit Tagen schaut Eunwoo Bin wieder richtig an, auch wenn der alles tut, um seinem Blick auszuweichen.

Sein bester Freund hat Ringe unter den Augen, so dunkel wie seine Lederjacke, sein Ohrring steht im schräg verknickten Winkel von seinem Kopf ab und schimmert blutverklebt unter den Neonröhren. Er und MJ haben ordentlich eingesteckt, was wahrscheinlich der einzige Grund ist, warum Rocky und Sanha immer noch alle Zähne haben.

Bin und Rocky haben die Hände ineinander verschlungen und lehnen sich, wahrscheinlich ohne es zu merken, gegeneinander.

Eigentlich sollte Eunwoo auf diesem Stuhl sitzen und Bins Hand halten. Eigentlich hätte er da sein und Bin davon abhalten sollen, sich schon wieder zu prügeln, damit sie sich alle nicht wehtun, so wie früher.

Er muss Bin beschützen. Das ist seine Aufgabe und dabei hat er kolossal versagt, weil er stur und so eifersüchtig auf Rocky war, der am allerwenigsten dafür kann, dass Bin und Eunwoo sich wie Idioten benommen haben, die nicht in der Lage sind, vernünftig miteinander zu reden.

Bin schaut immer noch an ihm vorbei, doch Eunwoo kennt ihn. Er ist nicht wütend sondern nur unendlich müde und wenn Eunwoo das Rot seiner Wangen richtig deutet, dann schämt sich Bin gerade in Grund und Boden.

Wahrscheinlich wartet er drauf, dass Eunwoo der Kragen platzt und er ihn anschreit, genau wie die letzten paar Wochen lang.

Doch Eunwoo will nicht schreien. Seine Beine tun weh, weil er so sehr gerannt ist, von der Schule bis zur Brücke und dann den ganzen Weg bis zur Polizeistation, und er hätte fast geheult, als er die anderen nicht gefunden hat und wenn er ehrlich ist, dann hat er überhaupt keine Lust mehr, sich zu streiten.

Er muss Bin beschützen, und die anderen auch. Und das wird er jetzt auch tun.

Eunwoo holt tief Luft und zieht sein Handy aus der Tasche.

"Ich kann meinen Vater anrufen", sagt er so laut, dass jeder im Büro vor Schreck zusammenzuckt.

Der Trockenfleischpolizist wirft ihm über den Rand seiner Sportzeitung nur einen schrecklichen finsteren Blick zu.

"Tu dir keinen Zwang an", sagt er. "Aber solang ich von den anderen Suppenkaspern keine Anrufe habe, geht hier niemand!"

Eunwoo presst die Lippen aufeinander und seine Gedanken rasen. Irgendwas muss er doch tun können. Er darf sie nicht im Stich lassen, sie gehören zu seinem Team, zu seinen Freunden und zu seinem ganzen Leben dazu. Er schaut zu Bin, der völlig unsicher zurückschaut.

"Ich schaff das", formt Eunwoo mit den Lippen. "Vertrau mir."

Bin nickt, genau wie MJ und Sanha. Die Mädchen halten sich an den Händen und werfen ihm aufmunternde Blicke zu, Jin Jin grinst und macht ein Daumenhochzeichen und Rocky schaut Eunwoo an, als sei er ein vom Himmel herabgestiegener Engel, der sie retten wird.

Bloß kein Druck, denkt Eunwoo und zwingt sich ein Grinsen aufs Gesicht. Er wird das schaffen, egal wie.

Gerade als er überlegt, ob er vielleicht damit durchkommen könnte, sich am Telefon für Sanhas Mutter auszugeben, räuspert sich eine Kollegin vom Trockenfleischpolizisten. Sie tackert zwei Papiere zusammen, dann dreht sie sich auf ihrem Bürostuhl um und schaut Eunwoo ins Gesicht.

"Wenn dein Vater für alle hier die Bürgschaft übernimmt, dann könnt ihr gehen", erklärt sie.

"Hä?", machen Eunwoo und der Trockenfleischpolizist gleichzeitig.

"Ihr seid minderjährig. Ohne ein Elternteil lassen wir euch sowieso nicht raus, aber statt sieben gestressten Müttern und Vätern würde einer reichen", fährt die Polizistin fort und zwinkert dann ihrem Kollegen zu. "Jetzt hab dich nicht so. Die müssen morgen alle in die Schule, es ist spät und ein einziger gesetzlicher Vormund bedeutet weniger Papierkram."

Einen Moment lang sieht es so aus, als wolle der Trockenfleischpolizist erst seiner Kollegin und dann jedem einzelnen von Eunwoos Freunden den Kopf abreißen und sie als Blumenvasen benutzen, doch dann lässt er nur einen dramatischen Seufzer hören und fuchtelt mit der Hand in Eunwoos Richtung.

"Ruf schon an", meint er und Eunwoo hört schon MJs Jubelschrei, obwohl noch gar nichts passiert ist.

Er nickt, umklammert sein Handy fester und tritt hinaus in den Flur.

Er hat keine Ahnung, wie er seinen Vater überzeugen soll, zur Polizeistation zu fahren und für sieben verprügelte Kinder eine Bürgschaft zu übernehmen, doch irgendwie wird er das schon hinkriegen.

Durch die Scheibe kann er Eunwoo seine Freunde sehen, die sich alle den Hals verrenken, um ihm aufmunternd zuzulächeln.

Nur Bin lächelt nicht.

Eunwoo fängt seinen Blick ein – und dann hebt Bin langsam die Faust und streckt sie Eunwoo entgegen.

Sie schaffen das.

Zusammen.

So wie es sein sollte.

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