[identity profile] ayawinner.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Morpheus
Challenge: Schreibaufgabe - ohne wörtliche Rede (fürs Team)
Titel: Heimathafen
Fandom: Crows Zero
Warnungen: Bildungsromane sind nix dagegen. ungebetat.

Die Schiffe fahren hier ganz dicht am Ufer vorbei, so kurz draußen vor dem Hafen, sodass Tamao fast glaubt, nur einmal ordentlich Anlauf nehmen zu müssen, um darauf springen und mitfahren zu können.

Wenn es hier nicht so gemütlich wäre und er sich nicht so wohl fühlen würde.

Das Wasser funkelt hier nicht wie in irgendwelchen schnulzigen Filmen, es ist ganz ruhig und grau und schwappt vorsichtig ein paar Meter vor ihm gegen die Steine. Heftiger wird es nur, wenn wieder ein großes Schiff vorbeigefahren ist, und selbst dann nicht sofort, sondern erst, wenn das Schiff fast schon wieder im Nebel verschwunden ist.

Er könnte den Rest seines Lebens hier sitzen und auf das Wasser sehen, und auf die großen, schweren Schiffe, und davon träumen, mit ihnen zu fahren. Nicht weit weg, immer nah am Ufer vorbei, und immer wieder zurück in den Hafen, zurück nach Hause.

Neben ihm liegt Tokio ausgestreckt auf den schmutzigen schwarzen Steinen in einem strahlend weißen Hemd, das vermutlich mehr gekostet hat als alles, was Tamao besitzt, zusammengenommen, und blinzelt gegen den wolkenverhangenen Himmel.

Es war seine Idee gewesen, herzukommen, weil der Sommer stürmisch und verregnet begonnen hatte und die folgenden warmen Tage unerträglich schwül gewesen waren, schwer und atemlos und unendlich. Er verlor kein Wort darüber, aber Tamao konnte an jedem einzelnen Tag sehen, wie sehr es ihm zu schaffen machte, und wenn Tokio noch so sehr versuchte, seine quälenden Kopfschmerzen hinter lautem, ansteckendem Lachen zu verbergen.

(Tamao war das Lachen mehr als einmal im Hals stecken geblieben. Er hatte den Sommer mehr als einmal verflucht für das, was er Tokio antat, jedes Mal dann, wenn Tokio das Gesicht in den Händen vergrub, die Handballen auf die Augen presste und die Zähne zusammenbiss, bis sie hätten brechen müssen.)

So entspannt wie hier war Tokio seit Wochen nicht mehr, und wenn Gesprächsfetzen zu ihnen herüberwehen von Menschen, die dem Sommer nachtrauern, lacht Tokio nur zufrieden und gänzlich ehrlich und Tamao hat das Gefühl, als hätte man auch ihm eine riesige, tonnenschwere Last, die mindestens so groß ist wie ein ganzes riesiges Schiff, von der Seele genommen.

Er beobachtet Tokio, wie er einem Kind zugrinst, das mit aufgerissenen Augen an ihnen vorbeiläuft, um einem riesigen Containerschiff nachzusehen, und dabei vor lauter Staunen beinahe über die eigenen Füßchen fällt. Als Tokio seinen Blick bemerkt, wird sein Grinsen noch breiter.

Tamao weiß, dass er die ersten Stunden hier mit dem gleichen Gesichtsausdruck verbracht hat wie das Kind, das jetzt aufgeregt rufend zu seinen Eltern läuft und sich immer wieder nach dem Schiff umsieht. Er hat es an Tokios eigenem amüsiertem Blick gesehen, den er für keine Sekunde von Tamao abgewendet hat.

Ob ihm der Ausblick gefällt, hatte Tamao ihn gefragt.

Na klar, hatte Tokio geantwortet.

Na klar.

Am Nachmittag fängt es an zu regnen. Es ist kein peitschender Sturm, kein unerbittlicher Guß, sondern ein ganz sanftes Nieseln, das nicht einmal die ruhigen Wellen stört und das sich auf Tamaos Armen und seinem Gesicht fast anfühlt wie ein ganz weiches, erfrischendes Tuch und ihn schützend einhüllt.

Tokio kommt mit einer alten Regenplane und zwei Dosen Bier vom Motorrad zurück. Er lässt sich neben ihm auf den feuchten schwarzen Stein sinken und legt die Plane über sie, sodass sie wie in einer kleinen, entfernt nach Motoröl riechenden Höhle sitzen und durch den feinen Regen aufs Meer sehen können.

Tokio öffnet eine der Bierdosen und hält sie Tamao hin; Tamao rutscht ein Stück näher an ihn heran. Es ist gemütlich in ihrem kleinen Fleck Welt.

Er würde so gerne einen Arm um Tokio legen, einfach so, weil Tokio noch da ist und weil das das Schönste der Welt ist, aber mit der Dose in der einen Hand und weil er mir der anderen den Zipfel der Plane festhalten muss, geht es eben nicht. Missmutig stößt er Tokio mit der Schulter an.

Vor ihnen fährt ganz nah ein riesiges Containerschiff vorbei. Als Tamao sich sattgesehen hat, küsst Tokio ihn, umständlich und unbequem und mit dem Bier in der Hand. Er muss selbst darüber lachen und sieht wieder hinaus aufs Wasser.

So habe er sich das Leben immer vorgestellt, sagt Tokio plötzlich.

Tamao versteht nicht, was er meint. Im Regen Bier trinkend unter einer stinkigen Plane sitzen und sich beim Küssen das Genick zerren?

Tokio grinst.

Romantiker.

Am Abend fährt kein einziges Schiff mehr an ihnen vorbei.

Dass der Wind gedreht habe, erklärt Tokio, und fügt hinzu: Oder so ähnlich.

Er hat doch selbst keine Ahnung.

Tokio stimmt ihm zu und sieht so glücklich dabei aus, als habe er keine einzige Sorge in der Welt.

Tamao glaubt ihm trotzdem, denn er weiß es selbst nicht besser und eine falsche Erklärung ist immerhin besser als gar keine. Außerdem hat der Wind – aus welcher Richtung er auch immer kommen mag – die grauen Wolken am Horizont vertrieben, sodass die Sonne sie noch einmal in die wärmsten Farben tauchen kann.

Die Plane flattert neben ihnen; Tokio hat Tamaos Hand in seine genommen, einfach so, weil es geht.

Tokio blinzelt gegen die untergehende Sonne und Tamao befürchtet schon, dass die Kopfschmerzen zurückkommen, aber der Wind bleibt frisch und kühl und Tokio streichelt weiter ganz zart seine Hand, weil es sie beide entspannt.

(Und weil Tokio noch da ist und weil das das Schönste der Welt ist. Es wiederholt sich in Tamaos Kopf, jedes Mal, wenn er Tokio ansieht und ihm vor Freude ganz warm wird, wenn er Tokio berühren kann und wenn Tokio glücklich ist. Wenn sie allein sind oder wenn sie mit Tokaji und den Zwillingen wie in alten Zeiten auf dem Schuldach spielen und es um nichts mehr geht außer darum, sorgloser zu sein, als sie es in ihrer Schulzeit jemals waren.)

(Tamao weiß, dass er ohne Tokio sorgloser gewesen wäre, aber die Gefühle, die solche Gedanken auslösen, gefallen ihm nicht, denn ein Leben ohne Tokio wäre doch verschwendet.)

Tokios Griff um seine Hand wird fester, als wisse er genau, worüber Tamao nachdenkt, während sie zusammen einem Sonnenuntergang zusehen, der Tamao an nichts weiter denken lässt als: Zuhause, obwohl er ganz anders ist als es ein Sonnenuntergang über einer verpesteten, stinkenden, grellen Stadt jemals sein könnte.

Vielleicht ist es ja nicht der Anblick, der ihn daran erinnert.

Als die Sonne verschwunden ist, küsst Tokio ihn nochmal, und diesmal ist es gar nicht unbequem.

Sie lachen trotzdem.

Date: 2015-09-28 07:57 am (UTC)
From: [identity profile] nessaniel.livejournal.com
ICH FASS ES NICHT, DASS ICH DAS BISHER NICHT KOMMENTIERT HABE ASCHE AUF MEIN HAUPT.

Ich bin so sprachlos. Das ist so großartig, es weckt SO VIELE GEFÜHLE in mir (meistens so was in die Richtung wie ASÖLKDSFLDKSDKFJLDSKJ!!!!!!!!! *_€_* und SCREECHES und WEINEN).

ALSO ERSTMAL ist das wirklich Bildungsroman. Vor allem die Art und Weise wie du den Prompt umgesetzt hast, ich liebe das! Es wirkt dadurch, dass man keine direkte Rede hat einfach so, als dürfe man als Leser zwar dieser wunderschönen Szene beiwohnen, aber sie nicht miterleben, weil das TAMAO VIEL ZU PRIVAT IST, JA?! BRAUCHT NICHT JEDER EIN PUBLIKUM, OKAY GENJI?!?! (All the metaebenen durchgemixt grade, aber du weißt was ich meine, ne.)

und davon träumen, mit ihnen zu fahren. Nicht weit weg, immer nah am Ufer vorbei, und immer wieder zurück in den Hafen, zurück nach Hause.
WAS IST DAS EINFACH FÜR EIN SCHÖNES BILD. ES PASST SO GUT ZU TAMAO, DER JA WIRKLICH KEINE GRÖSSEREN AMBITIONEN HAT. UND DANN ZURÜCK NACH HAUSE UND DANN ERWÄHNST DU TOKIO IM NÄCHSTEN ABSATZ UND ICH STERBE EINFACH VOR GLÜCK UND HEULEN UND OTP FEELS

Vor ihnen fährt ganz nah ein riesiges Containerschiff vorbei. Als Tamao sich sattgesehen hat, küsst Tokio ihn,
ich wünschte es gäbe etwas anderes als capslock um meinen gefühlen ausdruck zu verleihen aber bis auf alles kleinzuschreiben, damit es besser wirkt, wenn ich schreie INDUSTRIE-UND SEEROMANTIK UND DANN BEILÄUFIG SO VIEL LIEBE ERWÄHNT ICH KANN NICHT MEHR OH MEIN GOTT ICH LIEBE ALLES fällt mir ncihts ein ich bin tot und im himmel und ich liebe sie, alles, dich und jegliche hochseeschiffe

Die Plane flattert neben ihnen; Tokio hat Tamaos Hand in seine genommen, einfach so, weil es geht.
HAAKHSJAHSKJFHDKJFHSKDJfkdajfh WRITING FROM BEYOND THE GRAVE WIE SANFT SIE SIND UND WIE LIEBEVOLL UND WIE GUT DASS ZU IHNEN PASST UND ZU IHRER SCHWÄCHE MITEINANNDER UND KATHI DANKE DNAKE DNAKSJDSKDJFSDKJFHSKDJFKSJHDF ICH BIN EINFACH VÖLLIG DURCH VIELEN VIELEN VIIIIIIIIEEEEEELEEEEEEEEN DANK OH MEIN GOTT SKJFLSDJFL

DAS IST DAS ALLERSCHÖNSTE AUFFE WELT OH GAWD

Date: 2015-10-08 08:22 pm (UTC)
From: [identity profile] nessaniel.livejournal.com
Das ist so eine wundervolle Antwort, ALL THAT CAPSLOCK ALL DEM TEARS OH GAWD. DDDD: DEIN GANZES HERZBLUT STECKT IN DIESER FIC UND MAN LIEST ES IN JEDEM WORT, SEI BITTE BITTE GANZ GANZ STOLZ AUF DICH, OKAY!

Crows Zero kommt AUCH auf die Rewatchliste okay? OKAY Q_Q

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