[identity profile] wieldy22.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original
Challenge: Gab ja nur eine… XD
Wörter: 1098
Genre: Humor
Handlung: Aaron is back! So ganz hat er den letzten Satz von seiner Mutter aus der letzten Geschichte immer noch nicht mitbekommen, aber deprimiert ist er noch immer…
Kommentar: Mein Gott, wie viel Schwachsinn einem einzelnen Menschen inerhalb von anderthalb Stunden einfallen kann.



Grüne Handtaschen, Grüne Handtaschen Everywhere...

Manche Tage fangen genau so schrecklich an, wie der jeweils vorhergehende aufgehört hat. Auch wenn man manchmal denkt, es gehe gar nicht mehr schrecklicher. Und dabei war es Wochenende. Samstagabend und Sonntagmorgen um genau zu sein. Samstagabend, das war gestern. Da hab ich Party gemacht. Mag sein, dass Party machen für manche Leute das schönste auf der Welt ist, aber ich hab festgestellt, dass es mich deprimiert. Erst vier Stunden lang zusammengepfercht in einer verqualmten Shishabar mit einer nicht minder verstopften Toilette zu hocken, nur um später in einer Disko irgendeinen klebrigen Alkopop aufs Hemd geschüttet zu bekommen ist einfach nicht so ganz das Wahre. Dass sich fünf schlecht aussehende Mädchen meiner angenommen hatten und mir wild kichernd den Vorschlag unterbreiteten, das Hemd doch gleich auszuziehen, verbesserte die Situation meiner bescheidenen Meinung nach auch nicht wesentlich. Zu guter Letzt durfte ich dann gezwungenermaßen einen ganz dezent angetrunkenen Kumpel nach Hause transportieren – um 2.00 Uhr morgens. Den Nachtbus um 2.13 hatten wir dann auch noch verpasst. Nein, „verpasst“ trifft es nicht so ganz. Hechelnd und Torkelnd und in diverse Tretbomben latschend, sind wir diesem verdammten Bus hinterher gerannt – der sogar erstaunlich lange an der Bushaltestelle wartete um eine kleine alte Dame mit hellgrüner Handtasche noch hereinzulassen – bis diese sich gesetzt hatte, wir beide uns schon auf etwa zwei Meter der Eingangstür des Busses genähert hatten und der Busfahrer mit diesem kleinen hämischen Grinsen im Gesicht, das Busfahrer halt manchmal so aufsetzen, die Tür verschloss, zur roten Ampel vorfuhr, dort in sein Tomaten-Mozzarella-Baguette biss und uns mit System ignorierte. Und da sag noch einer, das sei keine Absicht gewesen.
Wenigstens hatten wir nun weit mehr Stoff um über Gott und die Welt zu philosophieren, als wir in der einen Stunde, die wir auf den nächsten Bus warten mussten, überhaupt aufbrauchen konnten: Gab es eine Verschwörung der Busfahrer? Was hatte es mit dem geheimnisvollen Hundeklo auf sich, das fünf Meter von genau dem Bürgersteig beanspruchte, den auch wir benutzt hatten? Und welche Rolle spielte die kleine alte Dame mit der hellgrünen Handtasche? Was um alles in der Welt macht eigentlich eine kleine ältere Dame mit Handtasche um 2.13 Uhr in der früh? Wie kommt die da hin? Die war doch bestimmt schon achtzig!
Der nächste Bus kam, nahm uns auf und hatte drei Stationen später eine Panne. Also jetzt nicht nur so von wegen die Tür ging nicht mehr zu oder so. Mehr so ein Unfall. Der Motor des Busses fing an zu rauchen, der Busfahrer blieb stehen und das einzige Auto, das sich außer uns noch zu dieser gottverdammten Unzeit auf der Straße befand musste natürlich reinfahren. Seltsamerweise kam bei dieser Aktion absolut niemand zu schaden. Noch nicht einmal der Fahrer des Autos. Aber dessen Wagen. Und der hätte eigentlich am nächsten Tag bei irgend so nem Oldie-Wettbewerb den ersten Platz holen sollen. Also ehrlich gesagt fand ich die Karre so toll auch vorher nicht. Ist aber auch nur mein Geschmack. Jedenfalls haben der Auto- und der Busfahrer sich ganz schön in die Haare gekriegt und sich gegenseitig die Schuld zugewiesen. Der Busfahrer meinte, der Unfallverursacher müsse den Bus bezahlen und das könne ganz schön teuer werden. Da hat dieser hirnverbrannte Autofahrer doch allen ernstes behauptet, sein Oldie sei viel mehr wert als so ein popliger Bus. Das hät der sich vielleicht verkneifen sollen, denn um ehrlich zu sein, war der Bus auch schon eher so ein Oldie gewesen. Da hats dann jedenfalls eine gesetzt und ich hab versucht die Polizei anzurufen, denn als die beiden miteinander fertig waren sahen sie alle beide mehr aus, als hätten sie einen Flugzeugabsturz überlebt, denn einen harmlosen Autounfall. Aber der Akku von meinem Handy war leer und mein dämlicher betrunkener Kumpel konnte sich an seine Pin nicht mehr erinnern.
Also sind wir beide wie die verrückten durch die Straßen gelaufen und haben an den Türen der ganzen kleinen Einfamilienhäuschen geklingelt, die da so in der Gegend halt rumstanden. Seltsamerweise hat kein Mensch aufgemacht. Die müssen doch alle zu Hause gewesen sein, so mitten in der Nacht und laut warn wir außerdem.
Aber vielleicht wars auch besser so, denn wenn ich uns beide da so um drei Uhr in der Nacht gesehn hätte – ich hätt sofort die Polizei gerufen aber aus ganz andern Gründen.
Schließlich hatten wir dann doch Glück, und uns wurde die Tür aufgemacht. Und ratet mal von wem. Von der kleinen älteren Dame. Sie sah noch nicht mal aus, als wenn sie geschlafen hätte. Komplett angezogen war sie und ihre mausgrauen Haare lagen in akkuraten Locken, wie grad erst frisch gewickelt. Sie hat dann auch gleich die Polizei gerufen und uns selbstgebackene Kekse angeboten. Aber von denen hab ich nichts genommen, denn diese seltsamen grünen Pflanzen in ihrem Garten hatte sie da sicher nicht aus Schönheitsgründen angepflanzt.
Aus ihrem Leben hat sie uns auch erzählt, wie alte Damen das halt so tun. Sie sei halt recht nachtaktiv und diese hellgrüne Omahandtasche habe sie letzten Sommer in Tokio gekauft, obwohl ihr Arzt ihr von langen Flugreisen abgeraten hatte…
Schließlich hat sie uns dann doch noch nach Hause gefahren. Mit so nem Oldtimer. Damit wollte sie am nächsten Tag auf nem Wettbewerb gewinnen. Aber besonders pfleglich ist sie nicht mit umgegangen. Ist mit siebzig Stundenkilometern durch die Vororte gerast. Bin dann todmüde ins Bett gefallen.
Und konnte nicht einschlafen. Ich war tatsächlich so müde, dass ich noch nicht einmal schlafen konnte. Irgendwie hab ich’s trotzdem ein paar Stunden lang versucht. Aber als meine Geschwister Chantelle und Simon angefangen haben Krach zu machen, hab ich’s nicht mehr ausgehalten. Bin aufgestanden. Und da hatte ich plötzlich einen Geistesblitz für so eine Story die ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr weiter geschrieben hatte. Also hab ich mich sofort an meinen Uralt-PC gehockt und meinen Diskettenkarton hervorgekramt. Dämlicherweise waren in meinem Diskettenkarton keine Disketten sondern ein Barbiepuppenwohnzimmer. Ich hab Chantelle gefragt, was sie um alles in der Welt mit meinen Disketten gemacht hätte. Und da hat sie mit dieser süßesten aller Stimmen, mit der nur vierjährige Mädchen sprechen können und die ein bisschen wie zerlaufener Honig klingt gesagt: „Das sind doch keine Disketten! Das ist eine Tapete! Ich hab sie mit Simons Supi-Magneten aus dem neuen Experimentierkasten an den Kühlschrank gehängt!“
Irgendwann werde ich eine Geschichte schreiben, in dem genau das der erste Satz ist: Ich hab deine Disketten mit Magneten an den Kühlschrank gehängt! Nur dass Disketten bis dahin so ausgestorben sein werden wie Dinosaurier. Und dass ich mich jetzt erstmal von dem erholen muss, was mir heute noch so passiert ist. Aber das ist eine andere Geschichte. Und das war jetzt ein verdammt abgedroschener Satz.

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