Angst - Joker - fürs Team
Sep. 12th, 2015 03:19 amTeam: Morpheus
Challenge: Angst– Joker von dieser Challege Tabuthema – fürs Team
Fandom: Original, die Mutantenkinder
Titel: Das Monsterhaus
Inhalt: Dodo hat Schmerzen und versucht durchzuhalten.
Anmerkung: Charaktereinführung Nummer zwei.
Das Monsterhaus
Der Weg vom Bett bis zum Schreibtisch verändert sich jeden Morgen. Manchmal erscheinen die Dielen schmal wie Strohhalme und man kann über sie hinweg laufen, ohne irgendeinen Gedanken an sie zu verschwenden. Im Sommer quillt das Holz ab und zu auf und man muss besonders vorsichtig sein, damit man nicht über schmale Abgründe stolpert, die sich wie ein mikroskopisch kleines zerklüftetes Gebirge unter einem auftun.
Das sind die Wochen, in denen Dodo noch langsamer als eh schon voranschleicht und zwanzig Minuten bis ins Badezimmer und wieder zurück einplant.
Und dann wieder gibt es Tage wie heute, wenn Dodo mit schmerzenden Knochen im Bett liegt und nicht weiß, wie sie die fünf Schritte bis zu ihrem Schreibtisch überwinden soll, wenn die Dielen genau so breit sind wie an jedem anderen Tag und dennoch so unüberwindlich wie die meterdicke, eiskalte Außenmauer einer Burg.
Es kostet Dodo Energie, still liegen zu bleiben und in ihrem dunklen Zimmer umher zu starren. Die Jalousien hat sie gestern Nacht, als sie sich noch bewegen konnte, runtergelassen, was sie jetzt bereut.
Sie ballt vorsichtig die Faust. Ein Fingergelenk nach dem anderen knackt und knirscht und vom Daumen aus geht ein schmerzhaftes Ziehen direkt bis in ihren Kopf hinauf, als habe ihr jemand einen rotglühenden Draht auf den Arm gepresst.
Neben ihr, auf dem umgedrehten Pappkarton, den sie als ihren Nachttisch bezeichnet, liegen Schmerztabletten, das rezeptfreie Zeug aus dem Drogeriemarkt, die sie nur nimmt, damit sie das Gefühl hat, wenigstens irgendwas zu tun.
Im letzten Jahr, als sie aus dem Haus ihres Stiefvaters ausziehen konnte, und endlich anfangen wollte, ohne Angst zu leben, hat ihr Körper ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Schmerzen.
Ohne Ende Schmerzen, in unregelmäßigen Abständen, ohne erkennbaren Auslöser. Sie überfielen sie einfach so, manchmal in der U-Bahn, morgens direkt nach dem Aufstehen und dreimal sogar auf der Arbeit, sodass sie verkrümmt und heulend unter ihrem Zeichnerpult lag und gehofft hat, dass ihr jemand einen Drucker auf den Kopf schmeißt, nur damit sie wenigstens nicht mehr mitbekommen muss, wie sich ihre Muskeln einen erbitterten Kampf gegeneinander liefern.
(Einen Drucker gab es nicht, dafür aber die Kündigung).
Natürlich ist sie zum Arzt gegangen. Doch der konnte ihr nicht helfen, denn anscheinend ist Dodo kerngesund, bis auf die Tatsache, dass sie jeden Tag Höllenqualen leidet.
Vielleicht ist ihre Krankheit noch nicht erfunden worden, hatte ein Mann im Wartezimmer neben ihr gescherzt und Dodo hatte tatsächlich ein bisschen lächeln müssen, eh ihr kotzübel wurde.
Ihre Krankheit existiert deshalb noch nicht, weil sie nicht krank ist, sondern nur ein Ungeheuer.
Dodo hat übermenschlich große Kraft.
Wenn sie aufstampft, entstehen Krater im Boden. Wenn sie rennt, löst das Erdbeben aus, so schnell und großflächig, als habe man einen dodo-förmigen Stein in Wasser geworfen und die knirschenden, staubtrockenen Wellen, die von ihrem Körper ausgehen, verschlucken ganze Bauwerke und spucken sie als Schutthaufen wieder aus.
Beim Sportfest der Schule vor fünf Jahren hat sie das zum ersten Mal erlebt, als während des Tausendmeterlaufs plötzlich eine Tribüne zusammenbrach und Dodo in jeder Faser ihrer Unterschenkel spüren konnte, dass es ihre Schuld war.
Unter ihren Muskeln lebt etwas Unnatürliches und Fremdes, wie ein Tier, das sich von innen gegen ihre Handflächen und Fußsohlen stemmt und manisch gegen Dodos dünne Haut anrennt, damit es nach außen dringen und in Gewalt explodieren kann.
Dodo lässt es nicht raus. Sie rennt nicht mehr, sie stellt sich nicht mal mehr auf die Zehenspitzen. Sie setzt sich in ihren Rollstuhl und bewegt sich wie in Zeitlupe durch ihren Alltag.
Das Tier rächt sich, indem es ihr das Knochenmark in Brand steckt und ihre Muskeln abfrisst und Dodo liegt im Schützengraben ihres Bettes und führt Krieg gegen einen übermächtigen Feind.
Sie schluckt Schmerztabletten, die ihr in der Werbung von schönen, arbeitssamen Frauen angepriesen werden, die innerhalb von Sekunden ihr verzerrtes Gesicht verlieren und wieder ganz normal ins Leben eintauchen, während Dodo hinter einer unsichtbaren Burgmauer aus Holzdielen sitzt und bewegungslos zuschauen muss.
Dodo beißt die Zähne zusammen und drückt sich langsam mit den Armen nach oben. Sie will sich aufsetzen. Wenigstens das muss sie schaffen, auch wenn ihre Knochen sich anfühlen wie ein Haus aus Spielkarten, das bei der kleinsten Bewegung ineinander fällt. Wenn sie sitzt, kann sie in das Regal über sich greifen und den Laptop hervorziehen.
Als sie den Kopf dreht, fällt ihr Blick auf den Flickenteppich, der schief und krumm und überhaupt nicht mittig im Zimmer liegt.
Vor ein paar Monaten kam sie von einem weiteren nutzlosen Arztbesuch zurück. Und obwohl sie genau wusste, was passieren würde, hob sie den Fuß und ließ ihn mit voller Kraft auf den Fußboden donnern.
Das Tier kreischte voller Freude und eine Sekunde lang war aller Schmerz wie weggeblasen.
Dann knirschten die Holzdielen und das ganze Haus stöhnte, als habe Dodo einem alten Mann zwischen die Rippen getreten. Sie spürte, wie der Boden zwei Fingerbreit nachgab, die Dielen brachen, ein Riss tauchte im unverputzten Beton darunter auf.
Dodo ließ sich auf den Boden gleiten, so langsam es nur ging und kroch Zentimeter für Zentimeter ihrem Bett entgegen. Sie heulte die ganze Nacht lang durch und am nächsten Morgen warf sie den Teppich über den Krater und heulte weiter, bis sie verschwitzt einschlief.
Sie schämt sich immer noch, wenn sie den Teppich sieht. Ein Mahnmal, ein Gipfelkreuz aus Baumwolle und Staub, in ihrem eigenen Schlafzimmer, das sie daran erinnert, sich für alle Zeiten zusammenzureißen und niemals aufzugeben.
Manchmal fragt sich Dodo, ob sie es irgendwann nicht mehr aushalten kann, ein guter Mensch zu sein. Ob das Ende ihrer Willenskraft mit dem Ende ihrer letzten Aspirinpackung zusammenfallen und sie dann Angst und Erdbeben verbreiten wird.
Ob sie dann genau so wird, wie das Monster, in dessen Haus sie so lange leben musste.
Nach ein paar Minuten Schwerstarbeit sitzt Dodo aufrecht im Bett.
Mit zitternden Fingern und letzter Kraft zieht sie den Laptop aus dem Regal und lässt ihn auf die Decke fallen.
Sie hat Tränen in den Augen.
Challenge: Angst– Joker von dieser Challege Tabuthema – fürs Team
Fandom: Original, die Mutantenkinder
Titel: Das Monsterhaus
Inhalt: Dodo hat Schmerzen und versucht durchzuhalten.
Anmerkung: Charaktereinführung Nummer zwei.
Das Monsterhaus
Der Weg vom Bett bis zum Schreibtisch verändert sich jeden Morgen. Manchmal erscheinen die Dielen schmal wie Strohhalme und man kann über sie hinweg laufen, ohne irgendeinen Gedanken an sie zu verschwenden. Im Sommer quillt das Holz ab und zu auf und man muss besonders vorsichtig sein, damit man nicht über schmale Abgründe stolpert, die sich wie ein mikroskopisch kleines zerklüftetes Gebirge unter einem auftun.
Das sind die Wochen, in denen Dodo noch langsamer als eh schon voranschleicht und zwanzig Minuten bis ins Badezimmer und wieder zurück einplant.
Und dann wieder gibt es Tage wie heute, wenn Dodo mit schmerzenden Knochen im Bett liegt und nicht weiß, wie sie die fünf Schritte bis zu ihrem Schreibtisch überwinden soll, wenn die Dielen genau so breit sind wie an jedem anderen Tag und dennoch so unüberwindlich wie die meterdicke, eiskalte Außenmauer einer Burg.
Es kostet Dodo Energie, still liegen zu bleiben und in ihrem dunklen Zimmer umher zu starren. Die Jalousien hat sie gestern Nacht, als sie sich noch bewegen konnte, runtergelassen, was sie jetzt bereut.
Sie ballt vorsichtig die Faust. Ein Fingergelenk nach dem anderen knackt und knirscht und vom Daumen aus geht ein schmerzhaftes Ziehen direkt bis in ihren Kopf hinauf, als habe ihr jemand einen rotglühenden Draht auf den Arm gepresst.
Neben ihr, auf dem umgedrehten Pappkarton, den sie als ihren Nachttisch bezeichnet, liegen Schmerztabletten, das rezeptfreie Zeug aus dem Drogeriemarkt, die sie nur nimmt, damit sie das Gefühl hat, wenigstens irgendwas zu tun.
Im letzten Jahr, als sie aus dem Haus ihres Stiefvaters ausziehen konnte, und endlich anfangen wollte, ohne Angst zu leben, hat ihr Körper ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Schmerzen.
Ohne Ende Schmerzen, in unregelmäßigen Abständen, ohne erkennbaren Auslöser. Sie überfielen sie einfach so, manchmal in der U-Bahn, morgens direkt nach dem Aufstehen und dreimal sogar auf der Arbeit, sodass sie verkrümmt und heulend unter ihrem Zeichnerpult lag und gehofft hat, dass ihr jemand einen Drucker auf den Kopf schmeißt, nur damit sie wenigstens nicht mehr mitbekommen muss, wie sich ihre Muskeln einen erbitterten Kampf gegeneinander liefern.
(Einen Drucker gab es nicht, dafür aber die Kündigung).
Natürlich ist sie zum Arzt gegangen. Doch der konnte ihr nicht helfen, denn anscheinend ist Dodo kerngesund, bis auf die Tatsache, dass sie jeden Tag Höllenqualen leidet.
Vielleicht ist ihre Krankheit noch nicht erfunden worden, hatte ein Mann im Wartezimmer neben ihr gescherzt und Dodo hatte tatsächlich ein bisschen lächeln müssen, eh ihr kotzübel wurde.
Ihre Krankheit existiert deshalb noch nicht, weil sie nicht krank ist, sondern nur ein Ungeheuer.
Dodo hat übermenschlich große Kraft.
Wenn sie aufstampft, entstehen Krater im Boden. Wenn sie rennt, löst das Erdbeben aus, so schnell und großflächig, als habe man einen dodo-förmigen Stein in Wasser geworfen und die knirschenden, staubtrockenen Wellen, die von ihrem Körper ausgehen, verschlucken ganze Bauwerke und spucken sie als Schutthaufen wieder aus.
Beim Sportfest der Schule vor fünf Jahren hat sie das zum ersten Mal erlebt, als während des Tausendmeterlaufs plötzlich eine Tribüne zusammenbrach und Dodo in jeder Faser ihrer Unterschenkel spüren konnte, dass es ihre Schuld war.
Unter ihren Muskeln lebt etwas Unnatürliches und Fremdes, wie ein Tier, das sich von innen gegen ihre Handflächen und Fußsohlen stemmt und manisch gegen Dodos dünne Haut anrennt, damit es nach außen dringen und in Gewalt explodieren kann.
Dodo lässt es nicht raus. Sie rennt nicht mehr, sie stellt sich nicht mal mehr auf die Zehenspitzen. Sie setzt sich in ihren Rollstuhl und bewegt sich wie in Zeitlupe durch ihren Alltag.
Das Tier rächt sich, indem es ihr das Knochenmark in Brand steckt und ihre Muskeln abfrisst und Dodo liegt im Schützengraben ihres Bettes und führt Krieg gegen einen übermächtigen Feind.
Sie schluckt Schmerztabletten, die ihr in der Werbung von schönen, arbeitssamen Frauen angepriesen werden, die innerhalb von Sekunden ihr verzerrtes Gesicht verlieren und wieder ganz normal ins Leben eintauchen, während Dodo hinter einer unsichtbaren Burgmauer aus Holzdielen sitzt und bewegungslos zuschauen muss.
Dodo beißt die Zähne zusammen und drückt sich langsam mit den Armen nach oben. Sie will sich aufsetzen. Wenigstens das muss sie schaffen, auch wenn ihre Knochen sich anfühlen wie ein Haus aus Spielkarten, das bei der kleinsten Bewegung ineinander fällt. Wenn sie sitzt, kann sie in das Regal über sich greifen und den Laptop hervorziehen.
Als sie den Kopf dreht, fällt ihr Blick auf den Flickenteppich, der schief und krumm und überhaupt nicht mittig im Zimmer liegt.
Vor ein paar Monaten kam sie von einem weiteren nutzlosen Arztbesuch zurück. Und obwohl sie genau wusste, was passieren würde, hob sie den Fuß und ließ ihn mit voller Kraft auf den Fußboden donnern.
Das Tier kreischte voller Freude und eine Sekunde lang war aller Schmerz wie weggeblasen.
Dann knirschten die Holzdielen und das ganze Haus stöhnte, als habe Dodo einem alten Mann zwischen die Rippen getreten. Sie spürte, wie der Boden zwei Fingerbreit nachgab, die Dielen brachen, ein Riss tauchte im unverputzten Beton darunter auf.
Dodo ließ sich auf den Boden gleiten, so langsam es nur ging und kroch Zentimeter für Zentimeter ihrem Bett entgegen. Sie heulte die ganze Nacht lang durch und am nächsten Morgen warf sie den Teppich über den Krater und heulte weiter, bis sie verschwitzt einschlief.
Sie schämt sich immer noch, wenn sie den Teppich sieht. Ein Mahnmal, ein Gipfelkreuz aus Baumwolle und Staub, in ihrem eigenen Schlafzimmer, das sie daran erinnert, sich für alle Zeiten zusammenzureißen und niemals aufzugeben.
Manchmal fragt sich Dodo, ob sie es irgendwann nicht mehr aushalten kann, ein guter Mensch zu sein. Ob das Ende ihrer Willenskraft mit dem Ende ihrer letzten Aspirinpackung zusammenfallen und sie dann Angst und Erdbeben verbreiten wird.
Ob sie dann genau so wird, wie das Monster, in dessen Haus sie so lange leben musste.
Nach ein paar Minuten Schwerstarbeit sitzt Dodo aufrecht im Bett.
Mit zitternden Fingern und letzter Kraft zieht sie den Laptop aus dem Regal und lässt ihn auf die Decke fallen.
Sie hat Tränen in den Augen.
no subject
Date: 2015-09-16 06:19 pm (UTC)no subject
Date: 2015-09-18 10:52 am (UTC)Möglicherweise basiert Dodo auf meinem zweitliebsten Boybanddude und wie immer wenn man Charasganz dolle lieb hat, MUSS MAN DRINGEND AUF SIE DRAUFHAUEN UND IHNEN DIE ALLERSCHLIMMSTEN SCHMERZEN BEREITEN! TOUGH LOVE! ;^;Ich schwöre auf meine überdurchschnittlich große Sammlung von Youtube-Videos von Boybands, dass es Dodo gut gehen wird! Sie braucht nur ne Weile Q_Q (aka ich. Ich brauch ne Weile XD)
no subject
Date: 2015-09-18 07:22 pm (UTC)