[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Morpheus
Challenge: Action/Suspense – Joker von dieser Challege (wenn auch wieder nur ganz knapp) – fürs Team
Fandom: Original, die Mutantenkinder
Titel: Alle bis auf ihn
Inhalt: Cookie steht am Flussufer und denkt.
Anmerkung: Ich werde nicht vom Touristikbüro von Suriname bezahlt, versprochen. Das hier ist mehr so eine Charaktereinführung und ein Versuch, Stimmung zu kreieren.


Alle bis auf ihn

Morgens halb sechs in Albina, Suriname.

Cookie steht am Ufer des Maroni-Flusses und schaut nach Französisch-Guyana hinüber. Seine Schuhe hat er in den Rucksack geworfen und er genießt das Gefühl von warmem Sand unter seinen Sohlen. Er schmeckt Fisch und Algen in der Luft und wenn er sich anstrengt sogar das Salz vom Meer. Es ist windstill und bereits jetzt sehr warm und stickig.

Eigentlich wollte Cookie längst weg sein.

Heißes Klima gefällt ihm überhaupt nicht.

Gestern hat er in Paris ein Reiseprospekt gesehen mit wunderschönen Bildern von Surinam und sich selbst überredet, nur einen kurzen Abstecher dorthin zu unternehmen. Aber dann ist er hängen geblieben. Hat sich verzaubern lassen von Palmen und Sand, sich vollgestopft mit Pom und Eindrücken, versucht, ein paar Brocken Sranantongo zu lernen, wenn er schon mal da ist, und sich schließlich in den halbleeren Schlafsaal eines grauenhaft stinkenden, insektenverseuchten Hostels begeben.

Einen weiteren Tag in schwüler Luft will er sich allerdings nicht zumuten, also ist er extra früh aufgestanden, hat sich aus dem Schlafsaal gestohlen und nach dem einsamsten Flecken Strand gesucht, um in die Schweiz oder vielleicht nach Finnland abhauen zu können.

Und jetzt steht er hier und kann sich nicht dazu durchringen, endlich zu gehen.

Das andere Ufer lacht ihn menschenleer an.

Ein Dutzend schmaler, grüngelber Holzboote liegen ein paar Dutzend Meter flussabwärts fest vertäut im Wasser. Er hat die Männer in ihren bunten Poloshirts und Cargohosen gesehen, die in diesen Booten – bis an den Rand vollgepackt mit Rucksacktouristen – den Fluss überqueren und sich gegen Wellen, Motorboote und den ein oder anderen Fischer durchsetzen müssen.

Cookie merkt, wie er zu grinsen beginnt. Er könnte das alles ohne dieses Theater schaffen. Einfach hinüberspringen. Zweihundert Meter, vielleicht weniger.
Niemand würde ihn sehen, denn beide Länder schlafen noch tief und fest und selbst wenn, würden sich die meisten Menschen bestimmt nicht an irgendeinen braunhaarigen Touristenjungen erinnern können, den sie nur eine Sekunde lang gesehen haben, egal, an welchem Ufer.

"Trau dich", murmelt sich Cookie selbst zu."Los, trau dich."
Er könnte innerhalb von ein paar Sekunden in Bern oder Oslo sein. Oder in New York und mehrere tausend Kilometer überwinden.

Cookie weiß das alles. Doch er will nicht nach New York, sondern nur nach Saint-Laurent-du-Maroni, dem Ort auf der anderen Seite dieser schnell fließenden natürlichen Grenze, die alle Menschen zwingt, ein Boot zu bauen und schwimmen zu lernen, damit sie nicht jämmerlich ersaufen.

Alle bis auf ihn.

Cookie wirft den Rucksack auf den Boden und holt tief Luft, ehe er die Arme ausbreitet und so schnell er kann aufs Wasser zu rennt.

Dann teleportiert er.

Er fängt an zu schreien und zu jubeln, noch bevor er richtig auf der anderen Seite angekommen ist, fällt aus dünner Luft heraus in weichen, warmen Sand, der sich genauso anfühlt wie der in Suriname und gleichzeitig tausendmal besser.

Cookie stolpert und schlägt der Länge nach hin, doch es ist ihm egal. Seine Arme und sein linkes Jochbein kribbeln immer noch vom Teleport, jagen Blitze bis in seine Zehen hinunter und einen Moment lang, ist es ihm völlig egal, dass er keine Wohnung hat, keinen vollständigen Namen und keine Ahnung, was er eigentlich ist.

Er ist Cookie.

Cookie, der teleportieren kann und für den es auf der ganzen Welt keine Grenzen gibt, weder Gebirge noch Flüsse und schon gar nicht unsichtbare Linien, die nur im Atlas existieren.


Als er wieder in Suriname am Strand aufschlägt ist sein Rucksack fort. In der Ferne sieht er ein kleines Mädchen in einem Goofytshirt davonrennen.

Cookie grinst. "Der Kekse schmecken nicht!", brüllt er ihr auf Niederländisch hinterher, dann macht er, dass er endlich weg kommt.
In der Schweiz gibt es schließlich auch Schuhläden.

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