Team: Morpheus
Challenge: Romantik – ein Geheimnis anvertrauen (wenn auch nur haarscharf)– fürs Team
Fandom: Original (zehn junge Menschen mit Mutantenfähigkeiten)
Titel: Heimweh
Inhalt: Sean und Cookie unterhalten sich im Schwimmbad.
Anmerkung: Das spielt zeitlich… irgendwann vor oder nach der anderen Geschichte, ich bin mir noch nicht sicher.Still not a boyband. Absolut nicht.
Heimweh
"Ich hab nachgedacht!", sagt Takuya als sie zusammen am Esstisch sitzen (oder auf der Couch dahinter, wo eben Platz ist) und ab da wissen bereits alle, dass das in einem Desaster enden wird.
"Aha", sagt Marike, doch sie wird übertönt von Billys "Hat's wehgetan?" und Shinyas "Ich auch!"
Takuya ignoriert sie alle, doch er lächelt Billy zu und gibt ihm ein Daumenhoch-Zeichen. "Wir sollten mal alle zusammen einen Ausflug machen", erklärt er weiter. "Das haben wir noch nie gemacht."
"Aus gutem Grund", murmelt Dodo und zieht vorsorglich die Füße auf ihren Stuhl. "Wir würden eine Naturkatastrophe auslösen."
"Vielleicht", sagt Takuya, dann dreht er den Kopf und wirft Marike ein Lächeln zu, als wolle er ihr eine Zahnzusatzversicherung verkaufen. "Aber es würde uns helfen, Vertrauen aufzubauen und als Team enger zusammenzuwachsen."
Das ist eine dermaßen durchschaubare und verlogene Taktik, dass sogar Lilo ihren Löffel auf den Tisch wirft und in das völlig entnervte Stöhnen der anderen mit einstimmt. Takuya lässt sich nicht beirren.
Er fixiert Marike weiterhin mit einem Blick irgendwo zwischen Staubsaugervertreter und kleinem, süßen Welpen und als sich der Tumult am Tisch halbwegs gelegt hat, räuspert sich Marike und streicht sich über den Nacken. Sie sieht tatsächlich geschmeichelt aus und sehr verwirrt, so als habe sie gerade einen Heiratsantrag von der japanischen Prinzessin erhalten.
"Das ist… also…", fängt sie leise an und bemüht sich, niemandem in die Augen zu sehen, außer ihrem Kartoffelpüree.
"Du fällst doch nicht darauf rein, oder?", unterbricht Chen sie und es wird schlagartig gespannt still am Tisch. Nur Billy flüstert "Oh, Mama und Papa streiten sich! Susi, geh ins Bett!" und erhält dafür einen Windstoß, der ihn direkt vom Stuhl fegt.
"Keine Kräfte beim Essen!", murmelt Marike völlig automatisch, dann hebt sie den Kopf, ignoriert Chens fassungsloses Kopfschütteln und schaut Takuya direkt ins Gesicht."Was ist das für eine Idee?"
Takuyas Grinsen wird noch breiter und von seinen Haaren flattern erste, aufgeregte Feuerfunken hoch zur Lampe. Er wartet, bis sich alle voller Neugier soweit es geht über den Tisch gebeugt haben und sagt dann voller Stolz: "Wir brechen ins Schwimmbad ein."
Sean steht vor dem Kassenhäuschen des Schwimmbads und denkt darüber nach, wie es dazu kommen konnte, dass er ein Schloss einfrieren und kleinschlagen muss, nur damit er einen Haufen zerknüllter Geldscheine und fleckiger Münzen auf den Tisch legen, und sich dann wieder zu seinen kriminellen, übernatürlich begabten Freunden begeben kann, deren Eintritt ins Schwimmbad er mit geliehenem Geld bezahlen soll.
Am verwirrendsten findet er den Teil, in dem er zugestimmt haben muss, bei Takuyas vollkommen bescheuerter Idee mitzumachen. Eigentlich ist es Marikes Schuld, findet Sean. Immerhin hat sie das Gleichgewicht im Universum durcheinander gebracht, als sie ihnen erlaubt hat, nachts ins örtliche Schwimmbad einzubrechen – dass Sean danach einen totalen Denkaussetzer hatte und plötzlich mit den anderen im Bus saß, war mit Sicherheit die kosmische Rache.
Und dass Marike ihn, kurz bevor sie losgefahren sind, zur Seite genommen und ihm verstohlen Geld in die Hand gedrückt hat - "Leg's an die Kasse. Ich dreh sonst durch." - war dann eigentlich nur noch die logische Konsequenz gewesen.
Marike ist natürlich nicht mitgekommen. Sie habe genug mit Wasser zu tun und nur um am Rand zu hocken und ihnen zuzusehen, dafür würde sie sie nicht begleiten, hatte sie gesagt, nachdem Takuya seinen grandiosen Plan geäußert und das allgemeine Gebrüll verebbt war.
"Ich bin schließlich nicht eure Mutter!", fügte Marike hinzu. Billy griff sich voller Empörung ans Herz und rief: "Nicht?! Bin ich etwa adoptiert?!" und dann musste sogar Sean lachen.
Jetzt steht er hier, dreht die Münzen und Scheine in der Hand hin und her und wünscht sich ein bisschen von seiner Euphorie zurück. Durch die große Scheibe hinter dem Kassenhäuschen kann er die Schwimmbecken sehen, ein normales, ein ganz flaches für Kleinkinder mit einem gigantischen Goldfisch in der Mitte und dahinter, zwischen Pflanzen und kleinen Brücken, das große mit der Rutsche. Von dort geht ein weißgoldenes Leuchten aus, denn das einzige Licht im ganzen Schwimmbad stammt von Billys Händen.
Sean runzelt die Stirn und atmet nochmal tief ein. Die Luft schmeckt nach Chlor und in dem leeren Raum hallt alles schrecklich laut wider. Er sollte zurückgehen. Die anderen sind bestimmt längst fertig umgezogen und Sean wäre allein in den Umkleiden mit dem Hass auf seine Beine, seine Brust und seinen Bauch.
Sein Magen zieht sich fest und schmerzhaft zusammen, bis er das Gefühl hat eine Kugel aus Blei im Leib zu haben, die sich zwischen seinen Rippen spannt.
Gott sei Dank hat er seinen Pulli noch an. Und seine Jacke. Eigentlich hat er nur seine Tasche hingeworfen und sich seines Schals entledigt, eher er Hals über Kopf geflohen ist.
Vielleicht sollte er einfach wieder nach Hause gehen, sich in sein Zimmer setzen und hoffen, dass ihn niemand vermisst.
"Sean? Bist du hier?"
Sean schreit und obwohl er bereits einen Herzschlag später merkt, dass alles in Ordnung ist, schießt Frost aus seinen Handflächen und lässt die Geldscheine erstarren.
Leise fluchend stopft er die Hand in seine Hosentasche und dreht sich um.
"Hier bin ich", sagt er und lächelt gezwungen. "Cookie?"
Ein erleichtertes Seufzen kommt aus der Düsternis zu seiner Linken, dann tritt Cookie aus dem Flur hinaus und steht plötzlich im sanften Schimmer von Billys Licht, das in unregelmäßigen Abständen durch die Scheibe blitzt.
Er trägt bunte Badeshorts mit Blumen und weißen Schleifchen drauf, und dazu Flipflops, die wahrscheinlich Shinya gehören. Sein Haar ist noch trocken und er schaut mit großen, dunklen Augen zu Sean hinüber.
"Hier bist du", haucht er. Er muss sich räuspern. "Ich… du warst so schnell weg."
Sean weiß nicht, was er tun soll. Er beißt sich auf die Lippen, als das Leuchten über Cookies Brust gleitet und Schatten wie Geschmeide auf seinen Hals malt und senkt hastig den Kopf.
"Ich hatte noch etwas zu erledigen", sagt er dem Fußboden und zieht dann die Hand aus der Hosentasche. Es klirrt leise und aus dem Augenwinkel kann er die Schneeflocken sehen, die langsam zu Boden segeln.
Cookie kommt langsam näher. "Hat Marike dir Geld mitgegeben?", fragt er.
Sean nickt und lächelt ein klitzekleines bisschen.
"Auf Mutti ist Verlass", sagt Cookie und aus dem Lächeln auf Seans Gesicht wird ein breites Grinsen.
Ganze fünf Sekunden lang geht es ihm gut, dann nickt Cookie ihm zu und fragt: "Warum bist du noch nicht umgezogen?"
Sean rutscht das Herz in die Hose und er verschränkt hastig die Arme vor der Brust. An seinem Wollpulli kriecht in Sekundenschnelle Frost hoch und er muss sich konzentrieren, um nicht den ganzen Boden in eine spiegelglatte Eisfläche zu verwandeln.
"Hab meine Badesachen vergessen", lügt er und versucht zu lächeln. "Völlig bescheuert."
"Oh", macht Cookie. "Schade." Er klingt ehrlich enttäuscht, was Sean einen Stich versetzt.
Zum ersten Mal, seit sie alle zusammen gezogen sind vermisst Sean seine Eishöhle in Berlin. Dort ist er zwar fast vor Einsamkeit gestorben, aber das war im Nachhinein gar nicht so schlimm im Vergleich zu dem Herzrasen und den ständigen Eisanfällen, wenn Cookie vor ihm steht und ganz normal mit ihm redet.
Sean weiß, dass er sich schämen sollte, und er tut es auch. Cookie ist sein bester Freund. Es sollte nicht schwer sein mit ihm zu reden und es tut ihm leid, dass Cookie nur seinetwegen gerade so peinlich berührt aus der Wäsche guckt.
Er hätte zu Hause bleiben sollen.
"Du musst nicht auf mich warten", sagt er mit einem Seufzen. "Ich lege das Geld ab und dann… komme ich zu euch."
Er fragt sich, seit wann ihm das Lügen so leicht fällt, doch bevor er sich erneut schämen kann, steht Cookie plötzlich vor ihm, legt die Hand auf seine und lächelt.
Sean stockt der Atem. Er spürt die Kälte unter den Rändern seiner Fingernägel toben, doch seltsamerweise schießt kein Eis aus seinen Händen, im Gegenteil, Sean spürt, wie lavaheiße Aufregung seine Brust nach oben schwappt und für eine Sekunde sämtlichen Frost vertreibt.
"So geht’s schneller", haucht Cookie, dann nimmt er Sean das Geld aus der Hand und teleportiert sich ins Innere des Kassenhäuschens.
Noch bevor Sean zweimal geblinzelt hat steht Cookie wieder vor ihm. Schwarzgrauer Rauch dünn wie Wasserfarbe umgibt ihn, wie jedes Mal wenn er teleportiert.
"D-danke", stammelt Sean. "Aber sag Marike nicht, dass du mir geholfen hast, okay? Das sollte ein Geheimnis bleiben."
Das ist überhaupt nicht das, was er sagen wollte, doch es fällt ihm schwer zu denken, da Cookie immer noch so dicht vor ihm steht. Sein Atem geht etwas schneller, so wie immer, wenn er teleportiert. Er hat seine Fähigkeit mal mit Treppensteigen verglichen, nur dass die Treppe über Kopf hängt und sich ein paar Mal um die eigene Achse dreht.
"Das klingt überhaupt nicht wie Treppensteigen", hatte Sean gesagt. "Eher wie ne Achterbahn."
Cookie hatte gestutzt und gesagt: "Stimmt. Man, du bist echt klug!" Dann hatte er gelacht und Sean vom Fußboden der schäbigen Wohnung in Berlin aus ein Lächeln zugeworfen.
Jetzt hat er genau das gleiche Lächeln auf dem Gesicht und Sean weiß genau wie damals immer noch nicht, was er tun soll, außer auf seine Hände zu gucken und zu hoffen, dass Cookie es nicht irgendwann leid wird, sich mit ihm abzugeben.
"Wollen wir gehen?"
Cookie streckt die Hand aus, ganz vorsichtig, als würde Sean jeden Moment vor ihm Reißaus nehmen (vielleicht stimmt das auch). Sean greift nicht danach, weil er spürt, wie kalt seine Handflächen sind, doch er nickt und folgt Cookie ins Innere des Schwimmbads hinein.
Challenge: Romantik – ein Geheimnis anvertrauen (wenn auch nur haarscharf)– fürs Team
Fandom: Original (zehn junge Menschen mit Mutantenfähigkeiten)
Titel: Heimweh
Inhalt: Sean und Cookie unterhalten sich im Schwimmbad.
Anmerkung: Das spielt zeitlich… irgendwann vor oder nach der anderen Geschichte, ich bin mir noch nicht sicher.
Heimweh
"Ich hab nachgedacht!", sagt Takuya als sie zusammen am Esstisch sitzen (oder auf der Couch dahinter, wo eben Platz ist) und ab da wissen bereits alle, dass das in einem Desaster enden wird.
"Aha", sagt Marike, doch sie wird übertönt von Billys "Hat's wehgetan?" und Shinyas "Ich auch!"
Takuya ignoriert sie alle, doch er lächelt Billy zu und gibt ihm ein Daumenhoch-Zeichen. "Wir sollten mal alle zusammen einen Ausflug machen", erklärt er weiter. "Das haben wir noch nie gemacht."
"Aus gutem Grund", murmelt Dodo und zieht vorsorglich die Füße auf ihren Stuhl. "Wir würden eine Naturkatastrophe auslösen."
"Vielleicht", sagt Takuya, dann dreht er den Kopf und wirft Marike ein Lächeln zu, als wolle er ihr eine Zahnzusatzversicherung verkaufen. "Aber es würde uns helfen, Vertrauen aufzubauen und als Team enger zusammenzuwachsen."
Das ist eine dermaßen durchschaubare und verlogene Taktik, dass sogar Lilo ihren Löffel auf den Tisch wirft und in das völlig entnervte Stöhnen der anderen mit einstimmt. Takuya lässt sich nicht beirren.
Er fixiert Marike weiterhin mit einem Blick irgendwo zwischen Staubsaugervertreter und kleinem, süßen Welpen und als sich der Tumult am Tisch halbwegs gelegt hat, räuspert sich Marike und streicht sich über den Nacken. Sie sieht tatsächlich geschmeichelt aus und sehr verwirrt, so als habe sie gerade einen Heiratsantrag von der japanischen Prinzessin erhalten.
"Das ist… also…", fängt sie leise an und bemüht sich, niemandem in die Augen zu sehen, außer ihrem Kartoffelpüree.
"Du fällst doch nicht darauf rein, oder?", unterbricht Chen sie und es wird schlagartig gespannt still am Tisch. Nur Billy flüstert "Oh, Mama und Papa streiten sich! Susi, geh ins Bett!" und erhält dafür einen Windstoß, der ihn direkt vom Stuhl fegt.
"Keine Kräfte beim Essen!", murmelt Marike völlig automatisch, dann hebt sie den Kopf, ignoriert Chens fassungsloses Kopfschütteln und schaut Takuya direkt ins Gesicht."Was ist das für eine Idee?"
Takuyas Grinsen wird noch breiter und von seinen Haaren flattern erste, aufgeregte Feuerfunken hoch zur Lampe. Er wartet, bis sich alle voller Neugier soweit es geht über den Tisch gebeugt haben und sagt dann voller Stolz: "Wir brechen ins Schwimmbad ein."
Sean steht vor dem Kassenhäuschen des Schwimmbads und denkt darüber nach, wie es dazu kommen konnte, dass er ein Schloss einfrieren und kleinschlagen muss, nur damit er einen Haufen zerknüllter Geldscheine und fleckiger Münzen auf den Tisch legen, und sich dann wieder zu seinen kriminellen, übernatürlich begabten Freunden begeben kann, deren Eintritt ins Schwimmbad er mit geliehenem Geld bezahlen soll.
Am verwirrendsten findet er den Teil, in dem er zugestimmt haben muss, bei Takuyas vollkommen bescheuerter Idee mitzumachen. Eigentlich ist es Marikes Schuld, findet Sean. Immerhin hat sie das Gleichgewicht im Universum durcheinander gebracht, als sie ihnen erlaubt hat, nachts ins örtliche Schwimmbad einzubrechen – dass Sean danach einen totalen Denkaussetzer hatte und plötzlich mit den anderen im Bus saß, war mit Sicherheit die kosmische Rache.
Und dass Marike ihn, kurz bevor sie losgefahren sind, zur Seite genommen und ihm verstohlen Geld in die Hand gedrückt hat - "Leg's an die Kasse. Ich dreh sonst durch." - war dann eigentlich nur noch die logische Konsequenz gewesen.
Marike ist natürlich nicht mitgekommen. Sie habe genug mit Wasser zu tun und nur um am Rand zu hocken und ihnen zuzusehen, dafür würde sie sie nicht begleiten, hatte sie gesagt, nachdem Takuya seinen grandiosen Plan geäußert und das allgemeine Gebrüll verebbt war.
"Ich bin schließlich nicht eure Mutter!", fügte Marike hinzu. Billy griff sich voller Empörung ans Herz und rief: "Nicht?! Bin ich etwa adoptiert?!" und dann musste sogar Sean lachen.
Jetzt steht er hier, dreht die Münzen und Scheine in der Hand hin und her und wünscht sich ein bisschen von seiner Euphorie zurück. Durch die große Scheibe hinter dem Kassenhäuschen kann er die Schwimmbecken sehen, ein normales, ein ganz flaches für Kleinkinder mit einem gigantischen Goldfisch in der Mitte und dahinter, zwischen Pflanzen und kleinen Brücken, das große mit der Rutsche. Von dort geht ein weißgoldenes Leuchten aus, denn das einzige Licht im ganzen Schwimmbad stammt von Billys Händen.
Sean runzelt die Stirn und atmet nochmal tief ein. Die Luft schmeckt nach Chlor und in dem leeren Raum hallt alles schrecklich laut wider. Er sollte zurückgehen. Die anderen sind bestimmt längst fertig umgezogen und Sean wäre allein in den Umkleiden mit dem Hass auf seine Beine, seine Brust und seinen Bauch.
Sein Magen zieht sich fest und schmerzhaft zusammen, bis er das Gefühl hat eine Kugel aus Blei im Leib zu haben, die sich zwischen seinen Rippen spannt.
Gott sei Dank hat er seinen Pulli noch an. Und seine Jacke. Eigentlich hat er nur seine Tasche hingeworfen und sich seines Schals entledigt, eher er Hals über Kopf geflohen ist.
Vielleicht sollte er einfach wieder nach Hause gehen, sich in sein Zimmer setzen und hoffen, dass ihn niemand vermisst.
"Sean? Bist du hier?"
Sean schreit und obwohl er bereits einen Herzschlag später merkt, dass alles in Ordnung ist, schießt Frost aus seinen Handflächen und lässt die Geldscheine erstarren.
Leise fluchend stopft er die Hand in seine Hosentasche und dreht sich um.
"Hier bin ich", sagt er und lächelt gezwungen. "Cookie?"
Ein erleichtertes Seufzen kommt aus der Düsternis zu seiner Linken, dann tritt Cookie aus dem Flur hinaus und steht plötzlich im sanften Schimmer von Billys Licht, das in unregelmäßigen Abständen durch die Scheibe blitzt.
Er trägt bunte Badeshorts mit Blumen und weißen Schleifchen drauf, und dazu Flipflops, die wahrscheinlich Shinya gehören. Sein Haar ist noch trocken und er schaut mit großen, dunklen Augen zu Sean hinüber.
"Hier bist du", haucht er. Er muss sich räuspern. "Ich… du warst so schnell weg."
Sean weiß nicht, was er tun soll. Er beißt sich auf die Lippen, als das Leuchten über Cookies Brust gleitet und Schatten wie Geschmeide auf seinen Hals malt und senkt hastig den Kopf.
"Ich hatte noch etwas zu erledigen", sagt er dem Fußboden und zieht dann die Hand aus der Hosentasche. Es klirrt leise und aus dem Augenwinkel kann er die Schneeflocken sehen, die langsam zu Boden segeln.
Cookie kommt langsam näher. "Hat Marike dir Geld mitgegeben?", fragt er.
Sean nickt und lächelt ein klitzekleines bisschen.
"Auf Mutti ist Verlass", sagt Cookie und aus dem Lächeln auf Seans Gesicht wird ein breites Grinsen.
Ganze fünf Sekunden lang geht es ihm gut, dann nickt Cookie ihm zu und fragt: "Warum bist du noch nicht umgezogen?"
Sean rutscht das Herz in die Hose und er verschränkt hastig die Arme vor der Brust. An seinem Wollpulli kriecht in Sekundenschnelle Frost hoch und er muss sich konzentrieren, um nicht den ganzen Boden in eine spiegelglatte Eisfläche zu verwandeln.
"Hab meine Badesachen vergessen", lügt er und versucht zu lächeln. "Völlig bescheuert."
"Oh", macht Cookie. "Schade." Er klingt ehrlich enttäuscht, was Sean einen Stich versetzt.
Zum ersten Mal, seit sie alle zusammen gezogen sind vermisst Sean seine Eishöhle in Berlin. Dort ist er zwar fast vor Einsamkeit gestorben, aber das war im Nachhinein gar nicht so schlimm im Vergleich zu dem Herzrasen und den ständigen Eisanfällen, wenn Cookie vor ihm steht und ganz normal mit ihm redet.
Sean weiß, dass er sich schämen sollte, und er tut es auch. Cookie ist sein bester Freund. Es sollte nicht schwer sein mit ihm zu reden und es tut ihm leid, dass Cookie nur seinetwegen gerade so peinlich berührt aus der Wäsche guckt.
Er hätte zu Hause bleiben sollen.
"Du musst nicht auf mich warten", sagt er mit einem Seufzen. "Ich lege das Geld ab und dann… komme ich zu euch."
Er fragt sich, seit wann ihm das Lügen so leicht fällt, doch bevor er sich erneut schämen kann, steht Cookie plötzlich vor ihm, legt die Hand auf seine und lächelt.
Sean stockt der Atem. Er spürt die Kälte unter den Rändern seiner Fingernägel toben, doch seltsamerweise schießt kein Eis aus seinen Händen, im Gegenteil, Sean spürt, wie lavaheiße Aufregung seine Brust nach oben schwappt und für eine Sekunde sämtlichen Frost vertreibt.
"So geht’s schneller", haucht Cookie, dann nimmt er Sean das Geld aus der Hand und teleportiert sich ins Innere des Kassenhäuschens.
Noch bevor Sean zweimal geblinzelt hat steht Cookie wieder vor ihm. Schwarzgrauer Rauch dünn wie Wasserfarbe umgibt ihn, wie jedes Mal wenn er teleportiert.
"D-danke", stammelt Sean. "Aber sag Marike nicht, dass du mir geholfen hast, okay? Das sollte ein Geheimnis bleiben."
Das ist überhaupt nicht das, was er sagen wollte, doch es fällt ihm schwer zu denken, da Cookie immer noch so dicht vor ihm steht. Sein Atem geht etwas schneller, so wie immer, wenn er teleportiert. Er hat seine Fähigkeit mal mit Treppensteigen verglichen, nur dass die Treppe über Kopf hängt und sich ein paar Mal um die eigene Achse dreht.
"Das klingt überhaupt nicht wie Treppensteigen", hatte Sean gesagt. "Eher wie ne Achterbahn."
Cookie hatte gestutzt und gesagt: "Stimmt. Man, du bist echt klug!" Dann hatte er gelacht und Sean vom Fußboden der schäbigen Wohnung in Berlin aus ein Lächeln zugeworfen.
Jetzt hat er genau das gleiche Lächeln auf dem Gesicht und Sean weiß genau wie damals immer noch nicht, was er tun soll, außer auf seine Hände zu gucken und zu hoffen, dass Cookie es nicht irgendwann leid wird, sich mit ihm abzugeben.
"Wollen wir gehen?"
Cookie streckt die Hand aus, ganz vorsichtig, als würde Sean jeden Moment vor ihm Reißaus nehmen (vielleicht stimmt das auch). Sean greift nicht danach, weil er spürt, wie kalt seine Handflächen sind, doch er nickt und folgt Cookie ins Innere des Schwimmbads hinein.
no subject
Date: 2015-09-16 08:37 pm (UTC)Ihm wird heiß und kalt, ich kann nicht mal. ;_; Das ist ein schöner Satz und du solltest ihn an den Kühlschrank hängen!
Niedliche Babies, die erstmal lernen müssen, dass sie plötzlich Menschen um sich haben, vor denen sie sich nicht fürchten brauchen, und die sich vor ihnen nicht fürchten, sind niedlich.
no subject
Date: 2015-09-18 10:36 am (UTC)Welt. Get on that, ASAP!