[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Morpheus
Challenge: Romantik – zusammen ziehen – fürs Team
Fandom: Original (zehn junge Menschen mit Mutantenfähigkeiten)
Titel: Schlafwandler
Inhalt: Cookie kann teleportieren, Sean hat Eiskräfte und so richtig passt das nicht zusammen.
Anmerkung: Das ist die Story, die jede mit vierzehn mal schreiben wollte. Ich mach das halt zehn Jahre später. Es ist definitiv keine Story über die Marketingstrategie einer Boyband. Definitiv nicht.



Schlafwandler
Es ist die dritte Woche in ihrem gemeinsamen Haus. Cookie liegt im Bett, starrt die Decke an und lauscht nach dem Knarren und Zischen und Plätschern und all den tausend kleinen anderen Geräusche, die ganz automatisch entstehen, wenn man mit zehn Leuten in einem Haus zusammen lebt, Superkräfte hin oder her.

Cookies Zimmer liegt am Ende des langen Flurs im zweiten Stock. Direkt neben ihm wohnt Dodo. Manchmal, wenn Dodos Bett knarzt, wenn das Mädchen sich im Schlaf umdreht, hat Cookie das Gefühl, dass ein sanftes Erdbeben durch den Boden läuft und die Scheiben zum Klirren bringt. Das ist natürlich Quatsch, Cookie weiß das. Dodo hat von ihnen allen ihre Kräfte am besten im Griff. Sie würde nicht aus Versehen ein Erdbeben – oder, wie gewisse andere Leute, einen Kabelbrand - im Schlaf auslösen.

Aber vielleicht, denkt Cookie, wäre ihm das sogar lieber. Eine Springflut aus der Küchenspüle oder ein Miniwirbelsturm im Trockner gehören mittlerweile einfach dazu. Sie sind Alltag geworden, so verrückt das auch klingt.

Cookie hat zum ersten Mal in seinem Leben einen Alltag, der nicht aus Klauen und Wegteleportieren und Schlafen in fremden Betten und Wegteleportieren besteht. Und das ist einerseits ganz schön (vom Putzplan mal abgesehen, auf den könnte er gut und gern verzichten) aber andererseits auch gruselig und ungewohnt.

Das wohlbekannte Prickeln auf seinem Schädel macht sich plötzlich bemerkbar und springt hinunter zu seinen Schultern. Hastig greift Cookie nach der Bettdecke und klammert sich so fest es geht in den Stoff und nach ein paar Augenblicken voller Herzrasen, lässt das Erdbeben in seinem Körper nach. Er wird nicht vor Schreck teleportieren, das hat er mittlerweile gut im Griff, auch wenn er manchmal mit genau solchen Situationen wie dieser hier zu kämpfen hat.

Weil er Angst vor all den Veränderungen hat, ist sein erster Reflex immer noch weglaufen (was früher hieß, dass er in Shanghai einschlafen und in Oberstdorf aufwachen konnte). Doch im letzten halben Jahr ist so einiges passiert, was dafür gesorgt hat, dass Cookie viel häufiger gar nicht mehr weg möchte.

Der Umzug spielt natürlich eine Rolle, und dass er andere getroffen hat, die, wie er selbst mit allen möglichen seltsamen Fähigkeiten ausgestattet sind. Doch am allermeisten hat Sean auf ihn Eindruck gemacht.

Sean, der sich in Berlin in Eis und Schnee eingeschlossen hat, weil er der Welt nicht wehtun wollte. Sean, der als Erster gesagt hat, dass Marike recht hat, und sie zusammen ziehen sollten, damit sie sich gegenseitig helfen können. Cookie allein hätte dem niemals zugestimmt, doch Sean musste ihm bloß einmal aufmunternd zunicken und ein paar Wochen später trug Cookie seine wenigen Habseligkeiten in ihr gemeinsames neues Zuhause, eine Bruchbude in der Pampa, weit weg von der nächsten Stadt und sämtlichen neugierigen Augen.

"Wow", sagt Cookie aus Versehen laut in sein Zimmer hinein und unterdrückt mit aller Kraft einen neuerlichen Anfall. Er hat Herzklopfen, doch es fühlt sich ganz anders an, als das übliche Adrenalinrasen beim Teleport.

Er weiß noch nicht, ob er es wirklich über sich bringen kann, den anderen zu vertrauen und vor allem sich vertrauen zu lassen, was fast noch schlimmer ist.

Ob er tatsächlich schaffen kann, was Marike von ihnen verlangt.

Eine Familie zu werden.

Oder was auch immer sie sind.

"Ne Boyband", murmelt Cookie und kichert leise. Das Vibrieren zwischen seinen Knochen lässt langsam nach und sein Körper sinkt endlich schwerer in die Matratze hinein. Er sollte schlafen. Die anderen werden morgen immer noch da sein, mit allen schlechten und großartigen Eigenschaften, mit all ihren Erwartungen an Cookie und all ihrem Verständnis, wenn er sie mitten in der Nacht aus dem Bett schreit, weil er auf dem Dach aufgewacht ist.

Sie sind da, und er wird sie nicht mehr los werden, egal, wie weit weg er sich teleportiert. Es ist ein schöner und gleichzeitig schrecklicher Gedanke, mit dem Cookie beschließt, einzuschlafen.


Ein paar Stunden später schreckt er wieder hoch, mitten aus der Tiefschlafphase. Sein Kopf schwimmt vor Müdigkeit, er blinzelt gegen die Dunkelheit an und will sich aufrichten, doch sein Arm ist blutleer und kribbelt fürchterlich und überhaupt liegt etwas Schweres auf Cookies Brust und er bekommt kaum Luft.

Außerdem ist ihm fürchterlich kalt – und dann geht ihm plötzlich ein Licht auf und Cookie erstarrt mitten im Luftholen.

Schlagartig ist er hellwach.

Sean, der neben ihm liegt, seufzt leise im Schlaf und murmelt irgendetwas, bevor er den Kopf tiefer ins Kissen drückt und einen Arm über Cookies Bauch wirft.

Oh nein.

Cookie könnte heulen. Es passiert ihm natürlich ständig, dass er im Schlaf teleportiert, doch bisher hat er es vermieden, in Betten aufzuwachen, in denen sein bester Freund schläft.

Macht man einfach nicht, unter Freunden.

Cookie spürt, wie ihm plötzlich heiß wird, was in dieser Kühlkammer von einem Zimmer, in dem Eiszapfen von der Decke hängen und im Mondlicht bezaubernd funkelnd, ein wahres Wunder ist, doch die Scham tritt wie wild in seinem Bauch umher und erstickt ihn beinah.

Er muss hier weg. Sofort. Am besten so wie er hergekommen ist.

Cookie schließt die Augen und konzentriert sich, doch in dem Moment dreht sich Sean vollständig um und legt den Kopf etwas höher. Warmer Atem und weiches Haar kitzeln Cookie am Hals und seine Willenskraft löst sich in viele kleine rosa Eisblumen auf.

Scheiße. Er kann so nicht teleportieren. Doch hierblieben kann er auch nicht. Er will sich gar nicht vorstellen, wie er am nächsten Morgen Sean erklären soll, dass er in seinem Bett geschlafen hat, weil sich sein Unterbewusstsein anscheinend ein bisschen mehr Nähe zwischen ihnen gewünscht hat (und wenn Cookie das Ziehen in seinem Unterleib richtig deutet, dann ist sein Unterbewusstsein nicht das Einzige, was an dieser Situation Interesse hegt).

Zitternd atmet Cookie aus und achtet nur am Rande auf die Wolke, die sich vor seinen Lippen bildet. In Zeitlupe hebt er die linke Hand und schiebt Seans Arm zentimeterweise von seinem Körper.

Sein Atem flieht flach und heftig aus seinem trockenen Mund und trotz der Gänsehaut wird ihm auf einmal siedend heiß. In seinem Kopf jagt ein furchtbares Szenario das nächste. Sean darf auf keinen Fall aufwachen und sie hier so finden. Das geht einfach nicht.

Vorsichtig streckt Cookie den Fuß aus und lässt ihn über die Kante des Bettes auf den Boden gleiten.

Spiegelglattes Eis begrüßt seine nackten Sohlen. Cookie zuckt zusammen und flucht, beißt sich auf die Lippen und schaut panisch auf Sean. Der runzelt die Stirn, öffnet den Mund – und schläft weiter.

Mit einem gewaltigen Satz springt Cookie aus dem Bett, schlittert über den Boden in Richtung Zimmertür und teleportiert im letzten Moment in den Flur.

Der Holzboden knarzt empört, Cookie stolpert noch zwei Schritte weiter und fängt sich keuchend an der Wand ab.

Fassungslos starrt er auf seine Füße.

"Ach du Scheiße", flüstert er, entsetzt von seinem verräterischen Körper, der ihm immer noch völlig ungewohnte Wärme durch die Brust jagt. "Ach du Scheiße."

Es zieht in seinem Bauch und in seinem Kopf, seine Schultern biegen sich zurück, als würde er jeden Moment ungewollt teleportieren, doch seine Gedanken sind viel zu durcheinander und er bleibt, wo er ist.

Vorläufig zumindest.

Nach ein paar Sekunden beruhigt sich Cookies Herzschlag wieder und er schafft es sogar, ein bisschen über sein Glück zu lächeln. Sean ist nicht aufgewacht und niemand sonst hat irgendwas von Cookies furchtbarem Missgeschick mitbekommen.

"Wow", haucht Cookie fassungslos und richtet sich endlich wieder auf, um in sein Zimmer zurück zu gehen.

Vor ihm im dunklen Flur steht Takuya, ein Glas Wasser in der Hand.

Einen Augenblick lang bewegt sich keiner von ihnen, während in Cookies Gehirn sämtliche Alarmglocken losschrillen, doch bevor er irgendwas tun kann, fängt Takuya an zu grinsen, als hätte ihm jemand seinen Lebenstraum erfüllt.

Mit dem Kinn deutet er auf Seans Zimmertür und fragt laut und deutlich:

"War's so gut, ja?"

Cookie teleportiert sich bis zum städtischen Sportplatz, bevor Takuya den Satz richtig beendet hat.

Date: 2015-08-29 12:02 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Es passiert ihm natürlich ständig, dass er im Schlaf teleportiert, doch bisher hat er es vermieden, in Betten aufzuwachen, in denen sein bester Freund schläft.
Das ist mal ein interessanter Einsatz von Superkräften ...
Edited Date: 2015-08-29 04:52 pm (UTC)

Date: 2015-09-15 09:03 pm (UTC)
der_jemand: (Default)
From: [personal profile] der_jemand
Man sollte grundsätzlich Geschichten schreiben, die das vierzehnjährige Ich hätte schreiben wollen. Speziell, wenn sie Missbrauch von Mutaantenfähigkeiten und Miniwirbelstürme in Trocknern und Schicksalgemeinschafts-WGs beinhalten. ♥

Date: 2015-09-16 07:52 pm (UTC)
From: [identity profile] asthenie-vd.livejournal.com
Ach ist das schön. Genau, was man nach dem vorigen Teil braucht. Es wird alles gut, Kinderchen! ;__;

(was früher hieß, dass er in Shanghai einschlafen und in Oberstdorf aufwachen konnte)

Was für ein Tausch, ey. XD

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