Team: Morpheus
Fandom: Tumbling
Challenge: h/c - Sie ist weg (für mich)
Personen: Mizusawa Taku --> Tsukimori Ryôsuke
Anmerkung: Das gehört zu keiner angefangenen Reihe und soll eigentlich ein eigenständiger one shot aus der Serie sein. Vermutlich von so gegen Ende.
Ryôsuke hat Probleme mit seinen acht "Freundinnen" und Mizusawa hat Probleme mit Ryôsuke.
„Sie ist weg!“
Ryôsukes Stimme schreckt Taku mitten im Unterricht aus dem Sekundenschlaf.
Schlafen ist derzeit schwierig – nachts will es nicht gelingen und tagsüber überkommt er ihn immer wieder wie wenn ein ungeliebter Klassenkamerad einen von hinten anfällt.
So richtig wach ist Taku derzeit nur, wenn er trainiert. Im Handstand ist Einschlafen etwas schwerer als sonst.
Hinter Ryôsuke hebt Wataru schmatzend den Kopf;
„Hm? Wer ist weg?“
„Yukina-chan!“, ruft Ryôsuke unglücklich.
„Ihre E-Mail-Adresse funktioniert nicht mehr! Ich bekomme nur Mailer Demon-Nachrichten, dabei hat sie mir gestern noch geschrieben!“
„Tsukimori-kun“, meldet sich Kashiwagi-sensei von vorne.
„Ich ähm...würde es begrüßen, wenn du deinen acht Freundinnen nicht im Unterricht schreibst. Und Azuma-kun und Mizusawa-kun, es wäre schön, wenn ihr nicht schlafen würdet. Zumindest nicht die ganze Stunde.“
„Es sind ja keine acht mehr“, murrt Ryôsuke während Taku eine entschuldigende Verbeugung andeutet und sich mit der Miene seines Bleistiftes ins Handgelenk piekst, damit der Schmerz ihn wachhält.
„Sieben reichen doch auch“, hört er Wataru von hinten murmeln.
Und dann, so leise, dass man es kaum zu hören ist, schiebt Ryôsuke etwas hinterher, was Taku aufhorchen lässt.
„Wenn's nur eine davon richtig wäre.“
–
Es ist kein Wunder, dass kein Mädchen so richtig bei Ryôsuke bleiben will, denkt Taku, während er nachmittags Räder und Rückwärtssaltos übt.
Niemand von ihnen hat jemals eine von Ryôsukes Freundinnen gesehen. Oder von den Mädchen, die Ryôsuke „Freundin“ nennt. Taku ist nicht sicher, wie der Junge das definiert.
Alles, was er sieht, ist die ungewohnt unsichere Art, mit der Ryôsuke zwischen den Trainingseinheiten immer wieder sein Handy aufklappt und auf das Display starrt wie in eine Kristallkugel, wie seine Lippen ganz dünn und zusammengepresst werden und er das Telefon wieder in die Ecke pfeffert.
„Beim Essen legst du das Ding weg!“, sagt Natsuko-san regelmäßig zu ihm, wenn sie ihm und den anderen Essen serviert.
Und: „Wenn sie erwartet, dass du immer sofort auf Nachrichten antwortest, ist es die Falsche für dich.“
Aber wie kann Ryôsuke sieben falsche Freundinnen haben?
–
Taku ist nach ihrem gemeinsamen Bad bei Tsuchiya noch dabei, sich Wasser aus den Ohren zu schütteln und seine Haare zu frottieren, als Ryôsuke neben ihm zu seinem Spind gesprintet kommt, beinahe ausrutscht und sein erster Handgriff nach dem Handy ist.
Er ist splitterfasernackt und noch immer ziemlich feucht. Einzelne Wassertropfen rinnen ihm die Schulterblätter und den Rücken hinab bis zu seinen runden, hübschen-
Taku wendet den Blick ab.
„Nicht zu fassen“, seufzt Ryôsuke leise und gedankenverloren. Taku findet, dass der Kerl wenigstens ein Handtuch vor seinen Schritt halten könnte.
Andererseits muss man da ja auch wirklich nicht hinsehen. Oh Gott.
„Was denn?“, murmelt er also und schaut angestrengt auf den Boden, rubbelt mit dem Handtuch an seinem Kopf herum, als wollte er seine Haare an den Wurzeln ausrupfen.
„Nichts“, murrt Ryôsuke.
Er greift in sein Fach und zerrt sein Handtuch heraus, wickelt es sich um und streicht sich die langen Haare aus dem Gesicht.
Himmel, er ist so schön.
Anders schön als Kiyama, natürlich.
Kiyama ist der Typ „einsamer Bergwanderer“ mit den wilden schwarzen Haaren und den harten Gesichtszügen und einem schweigsamen Mund, der aussieht, als würde er nie lächeln. Er ist muskulös und sieht hart und unbarmherzig aus.
An Ryôsuke ist alles lang und dünn und heller. Er hat diese blondierten Haare und riesige, runde Augen und geschwungene Lippen wie mit dem Kalligraphiepinsel gezogen.
Er sieht weich und auf seltsame Art einladend aus, wenn er hier beinahe nackt steht, ohne seine viel zu weite Uniform.
„Keine antwortet...“, wispert er plötzlich und schreckt Taku aus seinen Beobachtungen auf.
„Das ist nur eine Idee“, sagt dieser vorsichtig,
„Aber vielleicht wäre es besser, sich nur auf eine zu konzentrieren? Nicht, dass ich mich damit auskennen würde.“
Tut er wirklich nicht. Er hat sich schon damit abgefunden, dass er vermutlich als einsamer Bergwanderer enden wird. Vielleicht sollte er sich schon jetzt eine Bettelmönchkluft besorgen. Die steht ihm vielleicht auch ganz gut.
„Aber bei nur einer hab ich doch keine zum Ausweichen“, entgegnet Ryôsuke.
„Das sind Mädchen.“ Taku blinzelt perplex.
„Keine Überholspuren auf der Straße. Hast du sie denn gar nicht gern, dass du so über sie redest?“
Ryôsuke wird mit einem Mal sehr leise. Er sieht plötzlich noch schmaler aus als ohnehin schon. Seine Schultern ziehen sich zusammen, als würde er sich in sich selbst einschließen wollen, bevor er sich abwendet.
„Spielt doch keine Rolle“, brummt er.
„Und ja, du kennst dich damit wirklich nicht aus. Du ja mal schon gar nicht.“
Oh.
Das tut tatsächlich mehr weh als Taku vorher gedacht hätte. Er hält kurz inne und fühlt seine Finger, die eben sein Shirt übergestreift und seinen Hosengürtel geschlossen haben, leicht beben.
„Richtig“, entgegnet er tonlos.
„Der Schwule hat keine Ahnung von Dating. Oder von Beziehungen. Oder von Liebe.“
„Mann ey, so hab ich das nicht gemeint!“
Vielleicht sollte das eine Entschuldigung sein. Oder irgendsowas. Aber die Art, mit der Ryôsuke ihn anblafft, impliziert nichts davon.
„Ich meinte Frauen! Du hast keine Ahnung von Frauen, okay? Willst du doch auch gar nicht, soweit ich das kapiert habe. Also halt mal den Ball flach.“
Taku atmet tief ein und aus.
Er schließt seinen Spind und wirft sich seine Uniformjacke über die Schulter.
„Frauen sind Menschen“, erklärt er versucht sachlich.
„Wenn du die Mädchen alle so herablassend behandelst wie mich gerade, hast du es verdient, verlassen zu werden!“
–
Er möchte sich ein bisschen dafür schlagen, dass er Ryôsuke vorhin noch als hübsch und weich bezeichnet hat in seinem Kopf. Ryôsuke ist aufbrausend, gedankenlos und ein Idiot, und ihm ist anscheinend total egal, wer sich auf der anderen Seite seines Handys befindet.
Taku geht nach Hause, schlägt seine Biologiehausaufgaben auf und wieder zu, auf und wieder zu und kann sich auf keinen Satz in seinem Lehrbuch konzentrieren.
Und er hasst sich ein klein wenig dafür, weil er sich von jemandem wie Ryôsuke so hat verwirren lassen. Zugegeben, sehr viele seiner Clubkollegen und Schulkameraden sind schön anzusehen. Kiyama natürlich. Wataru. Yûta, auch wenn das nie irgendeinen weiteren Gedanken nach sich ziehen wird. Sogar Nippori irgendwie.
Ryôsuke.
Ryôsuke mit dem Pinselmund.
Und dem Müll, der herauskommt, wenn er diesen Mund aufmacht.
Taku kliert falsche Beschriftungen an Mitochondrien, Nucleus und das Endoplasmatische Retikulum und geht frustriert ins Bett.
Er wälzt sich etwas hin und her, versucht, Musik zu hören und dann etwas zu lesen, wälzt sich noch etwas mehr. Er denkt darüber nach, ob er sich an Ryôsuke rächt, indem er jetzt masturbiert und ihn als Wichsvorlage benutzt.
Weil das in Ryôsukes Welt garantiert eine Strafe und furchtbar und ekelhaft wäre.
Wäh, der Schwule hat es sich zu dir gemacht. Das ist wie man ein Onigiri anleckt, damit die Geschwister es nicht essen.
Die Strafe des einsamen Ausgestoßenen.
Doch als Taku die Hand unter den Saum seiner Schlafanzughose hat gleiten lassen, durchzuckt es ihn mit einem Mal wie ein Blitz:
Genau das ist es.
Ryôsuke hat Angst davor, dass er allein ist. Dass alle sich von ihm abwenden.
Deswegen hantiert er mit acht Mädchen herum, die er nicht mal wirklich kennt.
Er will um jeden Preis gemocht werden.
Deswegen ist er damals halb durchgedreht, als er dachte, Wataru interessiere sich für ihn nicht mehr.
Er will, nein, er kann nicht verlassen werden.
Und plötzlich denkt Taku nicht mehr an Wassertropfen, die an Ryôsukes Rücken entlangperlen, sondern an den ängstlich-traurigen Ausdruck, den seine großen, runden Augen hatten.
–
Der Junge fängt ihn schon auf dem Schulweg ab.
Er nährt sich mit donnernden Schritten und wehenden Haaren und aufgeblähter, viel zu weiter Uniformhose;
„Hey, Mizusawa!“
Aha. Hat wohl genug Zeit gehabt zum Nachdenken, sein Mütchen zu kühlen und sein Gehirn anzuschalten. Taku versteht nicht, wieso er das mit so einem hübschen Kopf nicht besser hinkriegt.
Er versucht, nicht an gestern zu denken und daran, dass sie ab einem gewissen Punkt (dem „Seven Eleven“ Convenience Store da drüben) denselben Weg zur Schule haben. Und ihn gemeinsam eigentlich jeden Morgen gehen könnten.
„Morgen“, sagt Taku tonlos und geht einige Schritte weiter. Das ziepende, schuldbewusste Gefühl, das tief in seiner Brust sitzt, versucht er zu ignorieren.
„Hör mal... Das mit gestern....“
Ryôsuke latscht neben ihm her und vergräbt die Hände in seinen Hosentaschen. Vielleicht holt er da ja gleich irgendwas raus. Keine Ahnung, was. Vielleicht Kondome. Weil Taku sich zumindest vorstellt, dass Ryôsuke immer welche dabei hat.
Er wartet und geht weiter und seufzt innerlich, als nichts mehr kommt.
Taku weiß, dass er hier nicht das Arschloch sein sollte. Er sollte über den Dingen stehen. Er sollte der nette, lustige Schwule von nebenan sein, der später ein Curryrestaurant eröffnet und mit angewinkelten Handgelenken sein Schaufenster dekoriert und zu dem immer alle Heteropärchen mit Heteropärchenkrisen kommen und sich ausheulen. Dann wird er ihnen lächelnd immer einen weisen Ratschlag geben und glücklich weiter sein Schaufenster dekorieren, während die Heteropärchen glücklich Curry futtern und in ihrem verfluchten Heteropärchenglück schwelgen.
„Ich hätte nichts so Gemeines sagen sollen“, fängt er also an, auch wenn es ihn beinahe erstickt.
„Ich hab natürlich wirklich keine Ahnung, wie du zu den Mädels stehst. Tut mir leid.“
Ryôsuke sieht ihn an wie vom Donner gerührt. Er bleibt sogar kurz stehen, berappelt sich und hüpft anschließend wieder neben ihn.
„Nee, du“, sagt er schnell.
„Du ähm... du....du hattest ja Recht.“
Jetzt ist Taku an der Reihe mit dem perplex Stehenbleiben.
Moment mal – entwickelt sich das hier gerade zu einem ernsthaften, empathischen Gespräch?
Ryôsuke schaut peinlich berührt zu Boden, kratzt sich am Nacken und am Hinterkopf.
Seine Haare glänzen in der Morgensonne wie Gold.
Oh Gott.
„Mir tut's leid. Ich war nur... ich...wollte nur nicht...“
„Alleine sein?“, vervollständigt Taku seinen Satz. Er wartet auf das zaghafte Nicken und es kommt tatsächlich.
Ryôsuke ist gerade nicht nackt, aber er wirkt dennoch plötzlich weich und verletzlich, und Taku weiß mit einem Mal, wieso Wataru es so gut drauf hat, wie auf Knopfdruck von laut und krawallig in einen ruhigen und behutsamen Modus zu wechseln. Den braucht man für Ryôsuke.
Das überrascht Taku so sehr, dass er sich kurz sammeln muss.
Denn das ist neu. So neu und so.... Oh Gott.
Nein, tu's nicht, betet er sich in seinem Kopf selbst vor.
Verlieb dich nicht schon wieder unglücklich. Nicht schon wieder! Stopp! Aus! Kommando zurück!
„Schon okay“, presst er heraus.
„Ich weiß, wie das ist. Aber... es ist letztlich nicht so schlimm wie man denkt. Man muss nur....“ Er senkt den Kopf und versucht, sein heftig klopfendes Herz zu ignorieren.
„Man muss nur akzeptieren, dass da niemand ist.“
Dass da niemand sein wird. Jemals.
Also, für ihn, nicht für Ryôsuke.
Der wird sicherlich irgendwann schon ein niedliches Mädchen finden, das nicht die E-Mail-Adresse wechselt.
Ryôsuke schaut ihn sehr lange an. Er beißt gedankenverloren auf seine Unterlippe (er sollte das wirklich nicht tun!) und hebt die Augenbrauen;
„Wie machst du das?“
„Was?“
„Naja... das Alleinsein ertragen?“
Es ist die ernsthafteste Frage, die Tsukimori Ryôsuke jemals gestellt hat. Sie nimmt Taku die Luft aus den Lungen, macht seine Knie weich und – hier erschreckt er sich wirklich – treibt ihm Tränchen in die Augen.
„Weil ich muss“, erwidert er schließlich und zuckt mit den Achseln.
„Weil ich nicht mal wen habe, der überhaupt mit mir redet noch bevor er seine E-Mail-Adresse ändert. Weil ich nur die Wahl habe, der lustige Schwule von nebenan mit dem Curryrestaurant oder Bettelmönch in den Bergen zu werden. Weil ich...“
Alle anderen Worte sterben unter seiner viel zu schweren Zunge.
Er schöpft nach Atem. Na toll. Ausgerechnet vor dem Yankee losheulen wäre keine so tolle Idee. Das hat er doch schon mit Wataru durch. Und mit der ganzen Truppe. Und überhaupt.
Und dann geschieht etwas, was ihn so verwirrt und überrascht, dass er vor Schreck gar nicht weiterweinen kann;
Ryôsuke ist plötzlich ganz nah und legt einen Arm um seine Schulter.
Er drückt ihn langsam und...ja, zärtlich gegen seine Seite.
Er ist so da, dass Taku sein Deo riecht und sein Aftershave und sein Haarspray. Er ist groß und schlank und schön und...weich.
„Wir können ja zusammen allein sein“, schlägt er vor und er hat anscheinend keine Ahnung, wie man das verstehen kann, wenn man siebzehn, schwul und dabei ist, sich zu verlieben.
„Wär das nicht was?“
Und Taku verflucht sich und möchte sich den Kopf abreißen und weiß genau, dass das alles nur in vielen bitteren Tränen enden kann.
Aber er ist zu schwach, sich gegen den Moment zu wehren:
Er lehnt sich Ryôsuke entgegen und murmelt:
„Klar. Warum nicht?“
Sein Herz klopft zitternd gegen seinen Brustkorb.
Fandom: Tumbling
Challenge: h/c - Sie ist weg (für mich)
Personen: Mizusawa Taku --> Tsukimori Ryôsuke
Anmerkung: Das gehört zu keiner angefangenen Reihe und soll eigentlich ein eigenständiger one shot aus der Serie sein. Vermutlich von so gegen Ende.
Ryôsuke hat Probleme mit seinen acht "Freundinnen" und Mizusawa hat Probleme mit Ryôsuke.
„Sie ist weg!“
Ryôsukes Stimme schreckt Taku mitten im Unterricht aus dem Sekundenschlaf.
Schlafen ist derzeit schwierig – nachts will es nicht gelingen und tagsüber überkommt er ihn immer wieder wie wenn ein ungeliebter Klassenkamerad einen von hinten anfällt.
So richtig wach ist Taku derzeit nur, wenn er trainiert. Im Handstand ist Einschlafen etwas schwerer als sonst.
Hinter Ryôsuke hebt Wataru schmatzend den Kopf;
„Hm? Wer ist weg?“
„Yukina-chan!“, ruft Ryôsuke unglücklich.
„Ihre E-Mail-Adresse funktioniert nicht mehr! Ich bekomme nur Mailer Demon-Nachrichten, dabei hat sie mir gestern noch geschrieben!“
„Tsukimori-kun“, meldet sich Kashiwagi-sensei von vorne.
„Ich ähm...würde es begrüßen, wenn du deinen acht Freundinnen nicht im Unterricht schreibst. Und Azuma-kun und Mizusawa-kun, es wäre schön, wenn ihr nicht schlafen würdet. Zumindest nicht die ganze Stunde.“
„Es sind ja keine acht mehr“, murrt Ryôsuke während Taku eine entschuldigende Verbeugung andeutet und sich mit der Miene seines Bleistiftes ins Handgelenk piekst, damit der Schmerz ihn wachhält.
„Sieben reichen doch auch“, hört er Wataru von hinten murmeln.
Und dann, so leise, dass man es kaum zu hören ist, schiebt Ryôsuke etwas hinterher, was Taku aufhorchen lässt.
„Wenn's nur eine davon richtig wäre.“
–
Es ist kein Wunder, dass kein Mädchen so richtig bei Ryôsuke bleiben will, denkt Taku, während er nachmittags Räder und Rückwärtssaltos übt.
Niemand von ihnen hat jemals eine von Ryôsukes Freundinnen gesehen. Oder von den Mädchen, die Ryôsuke „Freundin“ nennt. Taku ist nicht sicher, wie der Junge das definiert.
Alles, was er sieht, ist die ungewohnt unsichere Art, mit der Ryôsuke zwischen den Trainingseinheiten immer wieder sein Handy aufklappt und auf das Display starrt wie in eine Kristallkugel, wie seine Lippen ganz dünn und zusammengepresst werden und er das Telefon wieder in die Ecke pfeffert.
„Beim Essen legst du das Ding weg!“, sagt Natsuko-san regelmäßig zu ihm, wenn sie ihm und den anderen Essen serviert.
Und: „Wenn sie erwartet, dass du immer sofort auf Nachrichten antwortest, ist es die Falsche für dich.“
Aber wie kann Ryôsuke sieben falsche Freundinnen haben?
–
Taku ist nach ihrem gemeinsamen Bad bei Tsuchiya noch dabei, sich Wasser aus den Ohren zu schütteln und seine Haare zu frottieren, als Ryôsuke neben ihm zu seinem Spind gesprintet kommt, beinahe ausrutscht und sein erster Handgriff nach dem Handy ist.
Er ist splitterfasernackt und noch immer ziemlich feucht. Einzelne Wassertropfen rinnen ihm die Schulterblätter und den Rücken hinab bis zu seinen runden, hübschen-
Taku wendet den Blick ab.
„Nicht zu fassen“, seufzt Ryôsuke leise und gedankenverloren. Taku findet, dass der Kerl wenigstens ein Handtuch vor seinen Schritt halten könnte.
Andererseits muss man da ja auch wirklich nicht hinsehen. Oh Gott.
„Was denn?“, murmelt er also und schaut angestrengt auf den Boden, rubbelt mit dem Handtuch an seinem Kopf herum, als wollte er seine Haare an den Wurzeln ausrupfen.
„Nichts“, murrt Ryôsuke.
Er greift in sein Fach und zerrt sein Handtuch heraus, wickelt es sich um und streicht sich die langen Haare aus dem Gesicht.
Himmel, er ist so schön.
Anders schön als Kiyama, natürlich.
Kiyama ist der Typ „einsamer Bergwanderer“ mit den wilden schwarzen Haaren und den harten Gesichtszügen und einem schweigsamen Mund, der aussieht, als würde er nie lächeln. Er ist muskulös und sieht hart und unbarmherzig aus.
An Ryôsuke ist alles lang und dünn und heller. Er hat diese blondierten Haare und riesige, runde Augen und geschwungene Lippen wie mit dem Kalligraphiepinsel gezogen.
Er sieht weich und auf seltsame Art einladend aus, wenn er hier beinahe nackt steht, ohne seine viel zu weite Uniform.
„Keine antwortet...“, wispert er plötzlich und schreckt Taku aus seinen Beobachtungen auf.
„Das ist nur eine Idee“, sagt dieser vorsichtig,
„Aber vielleicht wäre es besser, sich nur auf eine zu konzentrieren? Nicht, dass ich mich damit auskennen würde.“
Tut er wirklich nicht. Er hat sich schon damit abgefunden, dass er vermutlich als einsamer Bergwanderer enden wird. Vielleicht sollte er sich schon jetzt eine Bettelmönchkluft besorgen. Die steht ihm vielleicht auch ganz gut.
„Aber bei nur einer hab ich doch keine zum Ausweichen“, entgegnet Ryôsuke.
„Das sind Mädchen.“ Taku blinzelt perplex.
„Keine Überholspuren auf der Straße. Hast du sie denn gar nicht gern, dass du so über sie redest?“
Ryôsuke wird mit einem Mal sehr leise. Er sieht plötzlich noch schmaler aus als ohnehin schon. Seine Schultern ziehen sich zusammen, als würde er sich in sich selbst einschließen wollen, bevor er sich abwendet.
„Spielt doch keine Rolle“, brummt er.
„Und ja, du kennst dich damit wirklich nicht aus. Du ja mal schon gar nicht.“
Oh.
Das tut tatsächlich mehr weh als Taku vorher gedacht hätte. Er hält kurz inne und fühlt seine Finger, die eben sein Shirt übergestreift und seinen Hosengürtel geschlossen haben, leicht beben.
„Richtig“, entgegnet er tonlos.
„Der Schwule hat keine Ahnung von Dating. Oder von Beziehungen. Oder von Liebe.“
„Mann ey, so hab ich das nicht gemeint!“
Vielleicht sollte das eine Entschuldigung sein. Oder irgendsowas. Aber die Art, mit der Ryôsuke ihn anblafft, impliziert nichts davon.
„Ich meinte Frauen! Du hast keine Ahnung von Frauen, okay? Willst du doch auch gar nicht, soweit ich das kapiert habe. Also halt mal den Ball flach.“
Taku atmet tief ein und aus.
Er schließt seinen Spind und wirft sich seine Uniformjacke über die Schulter.
„Frauen sind Menschen“, erklärt er versucht sachlich.
„Wenn du die Mädchen alle so herablassend behandelst wie mich gerade, hast du es verdient, verlassen zu werden!“
–
Er möchte sich ein bisschen dafür schlagen, dass er Ryôsuke vorhin noch als hübsch und weich bezeichnet hat in seinem Kopf. Ryôsuke ist aufbrausend, gedankenlos und ein Idiot, und ihm ist anscheinend total egal, wer sich auf der anderen Seite seines Handys befindet.
Taku geht nach Hause, schlägt seine Biologiehausaufgaben auf und wieder zu, auf und wieder zu und kann sich auf keinen Satz in seinem Lehrbuch konzentrieren.
Und er hasst sich ein klein wenig dafür, weil er sich von jemandem wie Ryôsuke so hat verwirren lassen. Zugegeben, sehr viele seiner Clubkollegen und Schulkameraden sind schön anzusehen. Kiyama natürlich. Wataru. Yûta, auch wenn das nie irgendeinen weiteren Gedanken nach sich ziehen wird. Sogar Nippori irgendwie.
Ryôsuke.
Ryôsuke mit dem Pinselmund.
Und dem Müll, der herauskommt, wenn er diesen Mund aufmacht.
Taku kliert falsche Beschriftungen an Mitochondrien, Nucleus und das Endoplasmatische Retikulum und geht frustriert ins Bett.
Er wälzt sich etwas hin und her, versucht, Musik zu hören und dann etwas zu lesen, wälzt sich noch etwas mehr. Er denkt darüber nach, ob er sich an Ryôsuke rächt, indem er jetzt masturbiert und ihn als Wichsvorlage benutzt.
Weil das in Ryôsukes Welt garantiert eine Strafe und furchtbar und ekelhaft wäre.
Wäh, der Schwule hat es sich zu dir gemacht. Das ist wie man ein Onigiri anleckt, damit die Geschwister es nicht essen.
Die Strafe des einsamen Ausgestoßenen.
Doch als Taku die Hand unter den Saum seiner Schlafanzughose hat gleiten lassen, durchzuckt es ihn mit einem Mal wie ein Blitz:
Genau das ist es.
Ryôsuke hat Angst davor, dass er allein ist. Dass alle sich von ihm abwenden.
Deswegen hantiert er mit acht Mädchen herum, die er nicht mal wirklich kennt.
Er will um jeden Preis gemocht werden.
Deswegen ist er damals halb durchgedreht, als er dachte, Wataru interessiere sich für ihn nicht mehr.
Er will, nein, er kann nicht verlassen werden.
Und plötzlich denkt Taku nicht mehr an Wassertropfen, die an Ryôsukes Rücken entlangperlen, sondern an den ängstlich-traurigen Ausdruck, den seine großen, runden Augen hatten.
–
Der Junge fängt ihn schon auf dem Schulweg ab.
Er nährt sich mit donnernden Schritten und wehenden Haaren und aufgeblähter, viel zu weiter Uniformhose;
„Hey, Mizusawa!“
Aha. Hat wohl genug Zeit gehabt zum Nachdenken, sein Mütchen zu kühlen und sein Gehirn anzuschalten. Taku versteht nicht, wieso er das mit so einem hübschen Kopf nicht besser hinkriegt.
Er versucht, nicht an gestern zu denken und daran, dass sie ab einem gewissen Punkt (dem „Seven Eleven“ Convenience Store da drüben) denselben Weg zur Schule haben. Und ihn gemeinsam eigentlich jeden Morgen gehen könnten.
„Morgen“, sagt Taku tonlos und geht einige Schritte weiter. Das ziepende, schuldbewusste Gefühl, das tief in seiner Brust sitzt, versucht er zu ignorieren.
„Hör mal... Das mit gestern....“
Ryôsuke latscht neben ihm her und vergräbt die Hände in seinen Hosentaschen. Vielleicht holt er da ja gleich irgendwas raus. Keine Ahnung, was. Vielleicht Kondome. Weil Taku sich zumindest vorstellt, dass Ryôsuke immer welche dabei hat.
Er wartet und geht weiter und seufzt innerlich, als nichts mehr kommt.
Taku weiß, dass er hier nicht das Arschloch sein sollte. Er sollte über den Dingen stehen. Er sollte der nette, lustige Schwule von nebenan sein, der später ein Curryrestaurant eröffnet und mit angewinkelten Handgelenken sein Schaufenster dekoriert und zu dem immer alle Heteropärchen mit Heteropärchenkrisen kommen und sich ausheulen. Dann wird er ihnen lächelnd immer einen weisen Ratschlag geben und glücklich weiter sein Schaufenster dekorieren, während die Heteropärchen glücklich Curry futtern und in ihrem verfluchten Heteropärchenglück schwelgen.
„Ich hätte nichts so Gemeines sagen sollen“, fängt er also an, auch wenn es ihn beinahe erstickt.
„Ich hab natürlich wirklich keine Ahnung, wie du zu den Mädels stehst. Tut mir leid.“
Ryôsuke sieht ihn an wie vom Donner gerührt. Er bleibt sogar kurz stehen, berappelt sich und hüpft anschließend wieder neben ihn.
„Nee, du“, sagt er schnell.
„Du ähm... du....du hattest ja Recht.“
Jetzt ist Taku an der Reihe mit dem perplex Stehenbleiben.
Moment mal – entwickelt sich das hier gerade zu einem ernsthaften, empathischen Gespräch?
Ryôsuke schaut peinlich berührt zu Boden, kratzt sich am Nacken und am Hinterkopf.
Seine Haare glänzen in der Morgensonne wie Gold.
Oh Gott.
„Mir tut's leid. Ich war nur... ich...wollte nur nicht...“
„Alleine sein?“, vervollständigt Taku seinen Satz. Er wartet auf das zaghafte Nicken und es kommt tatsächlich.
Ryôsuke ist gerade nicht nackt, aber er wirkt dennoch plötzlich weich und verletzlich, und Taku weiß mit einem Mal, wieso Wataru es so gut drauf hat, wie auf Knopfdruck von laut und krawallig in einen ruhigen und behutsamen Modus zu wechseln. Den braucht man für Ryôsuke.
Das überrascht Taku so sehr, dass er sich kurz sammeln muss.
Denn das ist neu. So neu und so.... Oh Gott.
Nein, tu's nicht, betet er sich in seinem Kopf selbst vor.
Verlieb dich nicht schon wieder unglücklich. Nicht schon wieder! Stopp! Aus! Kommando zurück!
„Schon okay“, presst er heraus.
„Ich weiß, wie das ist. Aber... es ist letztlich nicht so schlimm wie man denkt. Man muss nur....“ Er senkt den Kopf und versucht, sein heftig klopfendes Herz zu ignorieren.
„Man muss nur akzeptieren, dass da niemand ist.“
Dass da niemand sein wird. Jemals.
Also, für ihn, nicht für Ryôsuke.
Der wird sicherlich irgendwann schon ein niedliches Mädchen finden, das nicht die E-Mail-Adresse wechselt.
Ryôsuke schaut ihn sehr lange an. Er beißt gedankenverloren auf seine Unterlippe (er sollte das wirklich nicht tun!) und hebt die Augenbrauen;
„Wie machst du das?“
„Was?“
„Naja... das Alleinsein ertragen?“
Es ist die ernsthafteste Frage, die Tsukimori Ryôsuke jemals gestellt hat. Sie nimmt Taku die Luft aus den Lungen, macht seine Knie weich und – hier erschreckt er sich wirklich – treibt ihm Tränchen in die Augen.
„Weil ich muss“, erwidert er schließlich und zuckt mit den Achseln.
„Weil ich nicht mal wen habe, der überhaupt mit mir redet noch bevor er seine E-Mail-Adresse ändert. Weil ich nur die Wahl habe, der lustige Schwule von nebenan mit dem Curryrestaurant oder Bettelmönch in den Bergen zu werden. Weil ich...“
Alle anderen Worte sterben unter seiner viel zu schweren Zunge.
Er schöpft nach Atem. Na toll. Ausgerechnet vor dem Yankee losheulen wäre keine so tolle Idee. Das hat er doch schon mit Wataru durch. Und mit der ganzen Truppe. Und überhaupt.
Und dann geschieht etwas, was ihn so verwirrt und überrascht, dass er vor Schreck gar nicht weiterweinen kann;
Ryôsuke ist plötzlich ganz nah und legt einen Arm um seine Schulter.
Er drückt ihn langsam und...ja, zärtlich gegen seine Seite.
Er ist so da, dass Taku sein Deo riecht und sein Aftershave und sein Haarspray. Er ist groß und schlank und schön und...weich.
„Wir können ja zusammen allein sein“, schlägt er vor und er hat anscheinend keine Ahnung, wie man das verstehen kann, wenn man siebzehn, schwul und dabei ist, sich zu verlieben.
„Wär das nicht was?“
Und Taku verflucht sich und möchte sich den Kopf abreißen und weiß genau, dass das alles nur in vielen bitteren Tränen enden kann.
Aber er ist zu schwach, sich gegen den Moment zu wehren:
Er lehnt sich Ryôsuke entgegen und murmelt:
„Klar. Warum nicht?“
Sein Herz klopft zitternd gegen seinen Brustkorb.
no subject
Date: 2015-08-15 10:39 am (UTC)Ach Wino.
Ach Wino!
Ich liebe es. ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥
So sehr! ;__;
Es ist so wunderschön und soft und ein bisschen traurig, aber auch so süß und warmherzig und schön und Mizu ist so entzückend und Ryousuke ist so entzückend (wenn er nicht gerade seine fünf Minuten Arschbretzel hat XD) und sie sind beide so lieb und haben so viele Issues und sie sind beide auf ihre Art ein bisschen einsam und versuchen damit klar zu kommen und tun es mehr schlecht als recht (Mizu indem er sich einredet es ist OKAY EINSAM ZU STERBEN - NEIN BABY IST ES NICHT! ;_;) und Ryousuke indem er versucht Lücken zu stopfen und so viele Freundinnen wie möglich zu haben DAMIT ES NICHT SO SCHLIMM IST WENN EINE ABSPRINGT. ;__;
Ach ihr zwei ...
Und es ist so schön wie man Mizus Sicht auf Ryousuke bekommt und die Art wie man erst mit ihm verwirrt und auch ein bisschen amüsiert ist, weil Ryousuke so aus der Fassung gerät nur weil eine seiner Freundinnen sich mal nicht meldet, dann mit ihm frustriert und auch ein bisschen sauer wird, weil ey Ryousuke! òó Behandel deine Frauen nicht so! Behandel Mizu nicht so! òó
Und dann - zeitgleich mit Mizu - kapiert WAS er da eigentlich macht und WIESO er das macht und einem dann das Herz in tausend Stücke zerspringt und man Ryousuke nur noch knuddeln und in eine Decke hüllen will ... ;_; Ach Junge ... du hast solche Issues. ;__;
Kiyama ist der Typ „einsamer Bergwanderer“ mit den wilden schwarzen Haaren und den harten Gesichtszügen und einem schweigsamen Mund, der aussieht, als würde er nie lächeln. Er ist muskulös und sieht hart und unbarmherzig aus.
An Ryôsuke ist alles lang und dünn und heller. Er hat diese blondierten Haare und riesige, runde Augen und geschwungene Lippen wie mit dem Kalligraphiepinsel gezogen.
Er sieht weich und auf seltsame Art einladend aus, wenn er hier beinahe nackt steht, ohne seine viel zu weite Uniform.
KIYAMA DER EINSAME BERGWANDERER!!!! XD Ich musste so lachen hier - omg !!!
Aber awww, deine Beschreibung von Ryousuke war so schön! *___* HACH! Mit dem Kalligraphiepinsel gezogen! *_*
Und wie sie sich dann gegenseitig beieinander entschuldigen .. ;__;
Ach babies.
Ryousuke weil er eine Arschbretzel war und Mizu weil er nicht mitgekriegt hat was Ryousukes eigentliches Problem ist (wie auch) und hach .... ihr zwei beide. ;__;
„Wir können ja zusammen allein sein“, schlägt er vor und er hat anscheinend keine Ahnung, wie man das verstehen kann, wenn man siebzehn, schwul und dabei ist, sich zu verlieben.
OH GOTT RYOUSUKE, ICH LIEBE DICH !!! *_* ;__;
BITTE JAAA JA JA JA JA!!
Und dir ist schon klar, dass das nach einer Fortsretzung schreit ????
Ich will doch lesen wie sie awkward Freunde werden und sich gegenseitig helfen und Ryousuke keine Ahnung hat wie er mit Mizu umgehen soll und dabei ganz weich und behutsam wird because he can !! ;_; Und wie Mizu sich immer mehr in ihn verliebt und nicht weiß wohin mit sich !! WiNO!!! ;__;
Es ist wundervoll, gib mir mehr??? XD