Team: Morpheus
Challenge: Angst: Unsichtbar (für's Team)
Fandom: Tumbling (Dystopie AU)
Warnung: Suizidgedanken (angedeutet)
Personen: Wataru, Mizusawa, Yûta, Kaneko
Anmerkung: Ja, es ist immer noch düster. Mizusawa will nicht essen und Kaneko hält es nicht aus.
Mizusawa verblasst.
Wataru kann es täglich sehen. Wenn er morgens aufsteht und den Jungen an der Hintertür, die in den Garten führt, stehen sieht, wirkt es, als würde das Morgenlicht schon durch ihn hindurchscheinen.
Mizusawa ist eine Hülle aus Bedauern und Traurigsein. Er ist fast transparent.
Wenn es so weitergeht, wird er unsichtbar, wird als Geist durch die Küche gehen, die Treppe hinaufschweben, im Krankenzimmer spuken.
Als Wataru an diesem Tag mit Kiyama von Besorgungen heimkommt, platzt er in eine Szene, die er so nie erleben wollte.
Die anderen sind im großen Raum, der früher als Restaurant „Kamome“ gedient hat und wo man die Tische zusammengeschoben hat an eine der Wände.
In der Mitte des Raumes stehen Kaneko und Nippori, die Mizusawa anschreien. Zu ihren Füßen liegt ein zerbrochener Teller mit dem Eintopf, den Watarus Mutter gestern Abend eingekocht hat.
Neben Mizusawa steht Yûta, stützt sich auf eine der Krücken, die Wataru ihm vor gar nicht allzu langer Zeit aus einer zerstörten Klinik mitgenommen hat und schüttelt heftig den Kopf.
„Was ist hier los?“, ruft Wataru in die Menge.
Erst jetzt bemerkt er Satoshi, der am Eingang zur Küche steht und ganz blass im Gesicht ist. Vorsichtig muss man sein, weiß Wataru. Satoshi hat es mit dem Herzen. Satoshi hat nur eine Handvoll Pillen, die gegen seine Attacken helfen und es wäre besser, wenn er sich nicht aufregen würde.
„Aniki...“
Nippori hat den Anstand, betreten dreinzuschauen, als Kiyama hinter sich sehr laut die Tür des Hauses schließt und verbarrikadiert.
„Wir haben nur... Wir...“
„Der Neue verschmäht unser Essen!“, platzt es aus Kaneko heraus. Hinter seinen notdürftig reparierten Brillengläsern funkelt Zorn.
„Guck dir das hier an!“
„Es ist ihm runtergefallen“, wirft Satoshi ein.
„Das war wirklich keine Absicht!“
Yûta nickt heftig.
„Ist doch egal!“, faucht Kaneko.
„Dem feinen Herrn schmeckt unser Eintopf wohl nicht gut genug. Soll er doch abhauen und wem anders die Haare vom Kopf fressen!“
Seine dünnen Arme sind sehnig. Wie zum Zerreißen sehen sie aus, als er seine mageren Hände zu Fäusten ballt.
Mizusawas Blick ist auf den Boden geheftet. Er schluckt leicht und seine Augen blinzeln, als müsste er sich daran erinnern, dass er wirklich noch auf dieser Welt ist. Es ist, als ob die Kerzen auf den Tischen neben ihn durch ihn hindurchscheinen.
„Ich will niemandem die Haare vom Kopf fressen“, sagt er leise und zieht den Kopf ein.
„Ich will überhaupt nie wieder etwas essen.“
„Mizusawa-san..“ Satoshi hebt die Hand, als würde er über den Tresen fassen wollen, als ob er nach dem Jungen greifen wollte.
„Dann lass es!“, giftet Kaneko.
„Niemand hat dich gebeten, zu überleben, du undankbarer Sack! Millionen Menschen sind gestorben und du beschwerst dich darüber, dass du nicht krepiert bist! Du hast doch keinen Schimmer, was du da von dir gibst!“
Er gibt Mizusawa einen Schubs – keinen brutalen, auch wenn Mizusawa schwankt – und stürzt an Satoshi vorbei. Kurz darauf hört man die Hintertür zum Garten zuschlagen. Das Glas vibriert im Fensterrahmen. Schränke klirren.
Wataru schöpft tief Atem.
Er möchte Mizusawa sagen, dass Kaneko vor Wut nicht versteht, was er da sagt, dass seine Eltern langsam und qualvoll verhungert sind, weil sie es auf Dauer nicht geschafft haben, sich mit Lebensmitteln zu versorgen, dass sie Allergien hatten und trotzdem Dinge gegessen haben, von denen ihnen die Luftröhre und die Augen zugeschwollen sind. Er will Mizusawa erzählen, dass Kaneko und Essen ein höllisch schwieriges Thema ist.
Doch Mizusawa steht in der Mitte des Raumes und sieht die leere Wand an.
Ein Teil von ihm ist gar nicht mehr da. Ein anderer Teil rattert tief in seinem Gehirn Ideen herunter, wie man am besten sterben kann.
Wataru spürt, wie Yûta hilflos nach seinem Blick sucht und mit den Augen „Was machen wir denn nur mit ihm?“ fragt.
Aber Wataru weiß es nicht. Er hat Menschen verloren, die ihren Verletzungen erlegen sind, er hat Menschen aufgenommen, die er gleich wieder aufpäppeln konnte. In dieser Welt sind das die beiden wichtigsten Dinge: Gib auf deinen Körper acht und iss.
Er hat keine Ahnung, was er mit einem Jungen tun soll, der sich gegen beides verwehrt.
Für den leisen Augenblick, den es Mizusawa braucht, sich wortlos umzudrehen und die Treppe nach oben zu erklimmen, flüstert eine kleine Stimme in Watarus Hinterkopf, dass man sich nicht gegen den Wunsch eines Menschen stellen sollte. Wenn Mizusawa keinen Sinn mehr in all dem hier sieht, wieso sollte man ihn nicht tun lassen, was er will?
Nein, ruft ein anderer Teil in Wataru bockig; nein, wir haben viel zu viele Menschen verloren.
Er wird nicht tatenlose zusehen, wie aus einem Jungen ein Geist wird.
Er schaut ratlos zu, wie Yûta sich umdreht und langsam hinter Mizusawa herhumpelt. Seine Krücke gibt klackende Geräusch auf der ausgetretenen Holztreppe. Tock. Tock. Tock.
„Letztlich sind wir alle nur Verwundete“, hört er Kiyama hinter sich sagen.
„Vielleicht können wir uns nicht alle gegenseitig retten.“
Wataru ballt die Hände zu Fäusten- dann geht er in die Hocke und fängt an, die Scherben aufzusammeln.
„Ist mir egal“, grummelt er.
„Solange ich in diesem Haus bin, versuchen wir es.“
To be continued...
Challenge: Angst: Unsichtbar (für's Team)
Fandom: Tumbling (Dystopie AU)
Warnung: Suizidgedanken (angedeutet)
Personen: Wataru, Mizusawa, Yûta, Kaneko
Anmerkung: Ja, es ist immer noch düster. Mizusawa will nicht essen und Kaneko hält es nicht aus.
Mizusawa verblasst.
Wataru kann es täglich sehen. Wenn er morgens aufsteht und den Jungen an der Hintertür, die in den Garten führt, stehen sieht, wirkt es, als würde das Morgenlicht schon durch ihn hindurchscheinen.
Mizusawa ist eine Hülle aus Bedauern und Traurigsein. Er ist fast transparent.
Wenn es so weitergeht, wird er unsichtbar, wird als Geist durch die Küche gehen, die Treppe hinaufschweben, im Krankenzimmer spuken.
Als Wataru an diesem Tag mit Kiyama von Besorgungen heimkommt, platzt er in eine Szene, die er so nie erleben wollte.
Die anderen sind im großen Raum, der früher als Restaurant „Kamome“ gedient hat und wo man die Tische zusammengeschoben hat an eine der Wände.
In der Mitte des Raumes stehen Kaneko und Nippori, die Mizusawa anschreien. Zu ihren Füßen liegt ein zerbrochener Teller mit dem Eintopf, den Watarus Mutter gestern Abend eingekocht hat.
Neben Mizusawa steht Yûta, stützt sich auf eine der Krücken, die Wataru ihm vor gar nicht allzu langer Zeit aus einer zerstörten Klinik mitgenommen hat und schüttelt heftig den Kopf.
„Was ist hier los?“, ruft Wataru in die Menge.
Erst jetzt bemerkt er Satoshi, der am Eingang zur Küche steht und ganz blass im Gesicht ist. Vorsichtig muss man sein, weiß Wataru. Satoshi hat es mit dem Herzen. Satoshi hat nur eine Handvoll Pillen, die gegen seine Attacken helfen und es wäre besser, wenn er sich nicht aufregen würde.
„Aniki...“
Nippori hat den Anstand, betreten dreinzuschauen, als Kiyama hinter sich sehr laut die Tür des Hauses schließt und verbarrikadiert.
„Wir haben nur... Wir...“
„Der Neue verschmäht unser Essen!“, platzt es aus Kaneko heraus. Hinter seinen notdürftig reparierten Brillengläsern funkelt Zorn.
„Guck dir das hier an!“
„Es ist ihm runtergefallen“, wirft Satoshi ein.
„Das war wirklich keine Absicht!“
Yûta nickt heftig.
„Ist doch egal!“, faucht Kaneko.
„Dem feinen Herrn schmeckt unser Eintopf wohl nicht gut genug. Soll er doch abhauen und wem anders die Haare vom Kopf fressen!“
Seine dünnen Arme sind sehnig. Wie zum Zerreißen sehen sie aus, als er seine mageren Hände zu Fäusten ballt.
Mizusawas Blick ist auf den Boden geheftet. Er schluckt leicht und seine Augen blinzeln, als müsste er sich daran erinnern, dass er wirklich noch auf dieser Welt ist. Es ist, als ob die Kerzen auf den Tischen neben ihn durch ihn hindurchscheinen.
„Ich will niemandem die Haare vom Kopf fressen“, sagt er leise und zieht den Kopf ein.
„Ich will überhaupt nie wieder etwas essen.“
„Mizusawa-san..“ Satoshi hebt die Hand, als würde er über den Tresen fassen wollen, als ob er nach dem Jungen greifen wollte.
„Dann lass es!“, giftet Kaneko.
„Niemand hat dich gebeten, zu überleben, du undankbarer Sack! Millionen Menschen sind gestorben und du beschwerst dich darüber, dass du nicht krepiert bist! Du hast doch keinen Schimmer, was du da von dir gibst!“
Er gibt Mizusawa einen Schubs – keinen brutalen, auch wenn Mizusawa schwankt – und stürzt an Satoshi vorbei. Kurz darauf hört man die Hintertür zum Garten zuschlagen. Das Glas vibriert im Fensterrahmen. Schränke klirren.
Wataru schöpft tief Atem.
Er möchte Mizusawa sagen, dass Kaneko vor Wut nicht versteht, was er da sagt, dass seine Eltern langsam und qualvoll verhungert sind, weil sie es auf Dauer nicht geschafft haben, sich mit Lebensmitteln zu versorgen, dass sie Allergien hatten und trotzdem Dinge gegessen haben, von denen ihnen die Luftröhre und die Augen zugeschwollen sind. Er will Mizusawa erzählen, dass Kaneko und Essen ein höllisch schwieriges Thema ist.
Doch Mizusawa steht in der Mitte des Raumes und sieht die leere Wand an.
Ein Teil von ihm ist gar nicht mehr da. Ein anderer Teil rattert tief in seinem Gehirn Ideen herunter, wie man am besten sterben kann.
Wataru spürt, wie Yûta hilflos nach seinem Blick sucht und mit den Augen „Was machen wir denn nur mit ihm?“ fragt.
Aber Wataru weiß es nicht. Er hat Menschen verloren, die ihren Verletzungen erlegen sind, er hat Menschen aufgenommen, die er gleich wieder aufpäppeln konnte. In dieser Welt sind das die beiden wichtigsten Dinge: Gib auf deinen Körper acht und iss.
Er hat keine Ahnung, was er mit einem Jungen tun soll, der sich gegen beides verwehrt.
Für den leisen Augenblick, den es Mizusawa braucht, sich wortlos umzudrehen und die Treppe nach oben zu erklimmen, flüstert eine kleine Stimme in Watarus Hinterkopf, dass man sich nicht gegen den Wunsch eines Menschen stellen sollte. Wenn Mizusawa keinen Sinn mehr in all dem hier sieht, wieso sollte man ihn nicht tun lassen, was er will?
Nein, ruft ein anderer Teil in Wataru bockig; nein, wir haben viel zu viele Menschen verloren.
Er wird nicht tatenlose zusehen, wie aus einem Jungen ein Geist wird.
Er schaut ratlos zu, wie Yûta sich umdreht und langsam hinter Mizusawa herhumpelt. Seine Krücke gibt klackende Geräusch auf der ausgetretenen Holztreppe. Tock. Tock. Tock.
„Letztlich sind wir alle nur Verwundete“, hört er Kiyama hinter sich sagen.
„Vielleicht können wir uns nicht alle gegenseitig retten.“
Wataru ballt die Hände zu Fäusten- dann geht er in die Hocke und fängt an, die Scherben aufzusammeln.
„Ist mir egal“, grummelt er.
„Solange ich in diesem Haus bin, versuchen wir es.“
To be continued...