3. H/C: krank und erschöpft
Jul. 28th, 2015 09:51 amTeam: Persephone
Autor: Jenchan
Challenge: H/C - krank und erschöpft (fürs Team)
Titel: Ausreden und andere Krankheiten
Fandom: Original (Tracy)
Words: 1481
Warnings: unbetaed, uncorrected
Continuation: Advent 2010 | Valentinstag 2011 | Sommerchallenge 2011 | Advent 2011 | Spam-Party 2012 | Advent 2012 | Sommerchallenge 2013 / 1 | Sommerchallenge 2013 / 2 | Advent 2013 | Sommerchallenge 2014 | Advent 2014
Kommentar: Wow - das ist länger geworden, als ich zu hoffen gewagt habe >.< (aber jetzt fühl ich mich erschöpft @.@)
Ausreden und andere Krankheiten
Als Tracy in der Früh aufstand, war sie quietschvergnügt und voller Tatendrang. Heute war ihr freier Tag und auch wenn ihr Partner arbeiten musste, so hatten sie sich schon vor einigen Tagen ausgemacht, dass sie ihn heute von dort abholen würde. Ohnehin war sie schon ganz gespannt, wie es dort aussah. Sie wusste zwar, was er arbeitete, aber er verlor selten ein Wort über seinen Job oder hatte gar mal die Adresse eingestreut. Natürlich hätte sie Gina fragen können, die hätte es ganz gewiss gewusst. Die alte Klatschtante wusste schließlich alles. Aber Tracy war schon allein der Gedanke falsch vorgekommen und direkt danach fragen hatte sie auch nicht gewollt.
Insofern hatte sie der Plan, dass sie ihn von der Arbeit abholen würde, in absoluten Hochmut versetzt. Sie freute sich schon seit er ihr die Adresse verraten und erklärt hatte, wie sie dort hinkommen würde. Und heute war es soweit. Sie würde vormittags noch ein wenig shoppen gehen und hoffentlich ein neues Outfit finden, mit dem sie ihn regelrecht von den Socken hauen würde. Außerdem noch Zutaten, dass sie ihn bekochen konnte und er ausnahmsweise mal auf der feierabendlichen Verwöhnseite stand, wo normalerweise immer sie diejenige war, der soviel Gutes getan wurde.
Er hatte aber immer wieder bekräftigt, dass es in Ordnung war. Sie hatte schließlich einen schwierigen Job und konnte das durchaus vertragen. Außerdem schien er es tatsächlich zu genießen, sie derartig verwöhnen zu können. Nur war das auf Dauer dann doch recht einseitig und sie hatte erst unlängst bemerkt, dass sie einfach viel mehr zurückgeben sollte. Schließlich bekam sie eine ganze Menge von ihm und eine Beziehung - das wusste sie aus Erfahrung - konnte nur funktionieren, wenn sie auch wirklich ausbalanciert war.
Tracy war also bestrebt, dass sie heute auf der Geberseite sein würde.
Können wir das Treffen absagen? Es tut mir Leid, aber es ist etwas dazwischen gekommen.
Tracy starrte auf die Nachricht, die ihr Handy gerade empfangen hatte und konnte ihren Augen nicht trauen. Sie sah auf die Tüte mit den neuen Kleidern und Schuhen und anschließend auf die Uhr. Es war kurz nach Mittag und eigentlich wollte sie das Treffen ganz und gar nicht absagen.
Aber auf eine besorgte Anfrage, was passiert sei, kam keine befriedigende Antwort. Abheben tat ihr Partner auch nicht, als sie ihn immer wieder einmal versuchte zu erreichen. Das Verhalten von ihm war äußerst dubios und Tracy beschloss, dass sie ihre eigenen Pläne nicht über den Haufen schmeißen würde, wenn er nicht zu einer klaren Ansage bereit war. Sie freute sich einfach viel zu sehr darauf, ihn von der Arbeit abholen zu können. Und wenn es sich wirklich um Überstunden handelte, wie sie vermutete, dann würde sie eben solange warten oder ihm zu einem früheren Feierabend verhelfen. Jetzt hatte sie ja die Adresse seiner Arbeitsstelle.
Sie fuhr also mit ihrem Shoppingtrip fort, bereitete aber anders als ursprünglich gedacht, schon ein Teil vom Abendessen vor. Wenn er wirklich länger arbeiten musste, dann würde sie so die Kochzeit fürs Abendessen gut reduzieren können und es sparte ihr, alle Zutaten einzeln zu mitzunehmen. Tupperboxen ließen sich doch um so vieles leichter transportieren.
Mit einem erneuten Blick auf die Uhr, machte sie sich schließlich zeitgerecht auf dem Weg. Sie hatte sich extra auf einem Plan noch einmal angesehen, wo sie hinmusste und wurde mit jeder verstreichenden Minute nervöser. Das war sicher eine unglaubliche Überraschung für ihn, aber dann wiederum hatte sie ja nie eine positive Antwort darauf gegeben, dass sie das Treffen tatsächlich absagen würde. Das war die Ausrede, die sie ihren leisen Zweifeln zu knabbern gab, damit sie sich nicht doch noch anders entschied. Immerhin hätte es ja auch gut sein können, dass er ganz und gar nicht begeistert davon war, dass sie trotzdem auftauchte. Vielleicht war es ihm sogar zutiefst unangenehm und es würde zu einem Streit kommen. Vielleicht nahm sie sich auch einfach zuviel heraus und er würde sich von ihr trennen, weil sie klammerte und ihm keinen Freiraum ließ.
Aber sie schob diese unwillkommenen Gedanken weg. Sie war jetzt schon auf den Weg und so kurzfristig abzusagen, war in ihren Augen ganz schlechter Stil. Natürlich konnte immer wieder mal ein Notfall eintreten, aber dann konnte man natürlich auch sagen, was los war. Und diese klare Aussage hatte er sich gespart und abheben tat er auch nicht. Also konnte sie einfach ignorieren, dass er absagen wollte. Vor allem hatte er nicht einmal etwas von verschieben geredet. Er hatte definitiv geschrieben, dass er es absagen wollte! Und ersatzlos ein Date zu streichen ging schon mal gar nicht.
Tracy sah an dem Bürogebäude hoch und atmete ein paar Mal tief durch. In diesem Gebäude befand sich die Firma, in der er arbeitete. Sie würde einfach ganz souverän und selbstbewusst hineingehen und nach ihm fragen. Das war sicher keine Schwierigkeit. Außerdem war sie pünktlich zum gängigen Feierabend. Es würden also ohnehin nur noch die fleißigen Angestellten hier sein, die Überstunden machten. Alles also kein Problem.
Sie raffte ihren Mut zusammen und betrat das Gebäude. An Hinweisschildern war ausgewiesen, in welchen Stock sie das Unternehmen finden konnte und sie fuhr mit dem Lift nach oben. Gerade herrschte reger Verkehr in der Lobby, da scheinend viele Arbeitgeber die Büros um diese Zeit schlossen. Aber sie kümmerte sich nicht um diese Leute, sondern sagte innerlich einfach nur ihr Mantra auf, das ein Umkehren verhindern sollte.
In dem Stockwerk war es schon recht ruhig, aber ein Mitarbeiter, der offensichtlich auch schon gehen wollte, sprach sie an. Es war offensichtlich, dass sie nicht hierhergehörte und der Mann war wenigstens freundlich. Sicher ein guter Kollege von ihrem Partner.
Nachdem sie sich vorgestellt hatte und erklärt hatte, warum sie hier war, bekam sie einen überraschten Blick. "Der hat sich heute krankgemeldet", erklärte dann der Mitarbeiter. Dann bekam sie ein mitfühlendes Lächeln. "Tut mir Leid, jetzt sind Sie ganz umsonst hergekommen."
Das machte ihr nicht soviel aus. Viel eher schockierte sie die Nachricht, dass ihr Freund krank war. Warum zur Hölle, hatte er das nicht gleich gesagt! Das war doch nichts schlimmes und sie hätte es verstanden. Sie hätte ihm sogar geholfen, schnell wieder fit zu werden.
"Macht nichts. Danke für die Auskunft", rang sich Tracy ebenso ein leichtes Lächeln ab und ging wieder zu den Aufzügen. Die Sorge stand ihr allerdings ins Gesicht gekleistert. Sie verstand einfach nicht, warum er nicht einfach etwas gesagt hatte und sie probierte gleich auf der Straße noch einmal, ihn zu erreichen. Aber erneut ging nur die Mailbox ran, was sie nur noch sorgenvoller stimmte. Vielleicht hatte es ihn wirklich schlimm erwischt?
Anstatt wütend nach Hause zu fahren, weil er sie so unschön hinters Licht geführt hatte, schlug sie den Weg zu seiner Wohnadresse ein. Wenn er wirklich so krank war, sah sie besser nach ihm. Wenn er gleich gesagt hätte, was los war, hätte sie ja auch schon früher auftauchen können. So blieben ihr jetzt nur noch ein paar Stunden, ihn zu umsorgen.
Wenigstens wohnte er nicht allzu weit von seiner Arbeit entfernt und nur fünfzehn Minuten später klingelte sie bei ihm und wartete geduldig, bis er öffnete. Was sie zu sehen bekam, schockierte sie. Er sah wirklich krank aus. Richtig blass und müde. Vollkommen erschöpft und... so hatte sie ihn noch nie gesehen.
"Tracy...", krächzte er und klang nicht gerade positiv überrascht. Er wandte sich auch gleich ab und hielt sich eine Hand vor, als er in ein kehliges, röchelndes Husten verfiel.
"Etwas dazwischengekommen...", merkte Tracy an, als sie sich vom ersten Schock erholt hatte. "Warum zur Hölle hast du nicht gesagt, dass du krank bist!", brach es dann aus ihr heraus und sie schob sich an ihm vorbei. "Warst du schon beim Arzt? Hast du dir Medikamente geholt?" Sie hätte gleich vorbeisehen sollen. Die Nachricht hatte sie doch schon so misstrauisch gemacht. Dass Männer immer die Starken spielen mussten.
"Es ist halb so schlimm...", flüsterte er leise und war ihr gefolgt. "Außerdem sollst du dir nicht soviele Sorgen machen." Ein weiterer Hustenanfall unterbrach ihn und er setzte sich auf den nächstbesten Stuhl, den er in seiner Küche erreichen konnte. "Ist dein freier Tag...", nuschelte er und schloss einen Moment die Augen.
"Scheiß auf meinen freien Tag. Du klingst, als würdest du fast sterben! Hast du nicht daran gedacht, dass du mir wesentlich wichtiger bist! Los, verschwinde wieder ins Bett. Ich bring dir gleich frischen, heißen Tee und mach dir was zu essen. So wie du aussiehst, hast du heute sicher noch nichts gegessen."
"Keinen Hunger...", murmelte er und hielt seine Sätze offensichtlich bewusst knapp.
"Hunger hin oder her spielt doch gar keine Rolle. Du musst was essen und viel trinken. Und jetzt hopp, ab ins Bett." Tracy hatte Wasser aufgestellt und zog nun an seinem Oberarm, um ihm aufzuhelfen und ihn ins Bett zu bringen. Wäre doch gelacht, wenn sie es nicht schaffen würde, ihn schnell wieder auf die Beine zu bringen. Ein Glück, dass sie morgen einen kurzen Dienst hatte.
Autor: Jenchan
Challenge: H/C - krank und erschöpft (fürs Team)
Titel: Ausreden und andere Krankheiten
Fandom: Original (Tracy)
Words: 1481
Warnings: unbetaed, uncorrected
Continuation: Advent 2010 | Valentinstag 2011 | Sommerchallenge 2011 | Advent 2011 | Spam-Party 2012 | Advent 2012 | Sommerchallenge 2013 / 1 | Sommerchallenge 2013 / 2 | Advent 2013 | Sommerchallenge 2014 | Advent 2014
Kommentar: Wow - das ist länger geworden, als ich zu hoffen gewagt habe >.< (aber jetzt fühl ich mich erschöpft @.@)
Ausreden und andere Krankheiten
Als Tracy in der Früh aufstand, war sie quietschvergnügt und voller Tatendrang. Heute war ihr freier Tag und auch wenn ihr Partner arbeiten musste, so hatten sie sich schon vor einigen Tagen ausgemacht, dass sie ihn heute von dort abholen würde. Ohnehin war sie schon ganz gespannt, wie es dort aussah. Sie wusste zwar, was er arbeitete, aber er verlor selten ein Wort über seinen Job oder hatte gar mal die Adresse eingestreut. Natürlich hätte sie Gina fragen können, die hätte es ganz gewiss gewusst. Die alte Klatschtante wusste schließlich alles. Aber Tracy war schon allein der Gedanke falsch vorgekommen und direkt danach fragen hatte sie auch nicht gewollt.
Insofern hatte sie der Plan, dass sie ihn von der Arbeit abholen würde, in absoluten Hochmut versetzt. Sie freute sich schon seit er ihr die Adresse verraten und erklärt hatte, wie sie dort hinkommen würde. Und heute war es soweit. Sie würde vormittags noch ein wenig shoppen gehen und hoffentlich ein neues Outfit finden, mit dem sie ihn regelrecht von den Socken hauen würde. Außerdem noch Zutaten, dass sie ihn bekochen konnte und er ausnahmsweise mal auf der feierabendlichen Verwöhnseite stand, wo normalerweise immer sie diejenige war, der soviel Gutes getan wurde.
Er hatte aber immer wieder bekräftigt, dass es in Ordnung war. Sie hatte schließlich einen schwierigen Job und konnte das durchaus vertragen. Außerdem schien er es tatsächlich zu genießen, sie derartig verwöhnen zu können. Nur war das auf Dauer dann doch recht einseitig und sie hatte erst unlängst bemerkt, dass sie einfach viel mehr zurückgeben sollte. Schließlich bekam sie eine ganze Menge von ihm und eine Beziehung - das wusste sie aus Erfahrung - konnte nur funktionieren, wenn sie auch wirklich ausbalanciert war.
Tracy war also bestrebt, dass sie heute auf der Geberseite sein würde.
Können wir das Treffen absagen? Es tut mir Leid, aber es ist etwas dazwischen gekommen.
Tracy starrte auf die Nachricht, die ihr Handy gerade empfangen hatte und konnte ihren Augen nicht trauen. Sie sah auf die Tüte mit den neuen Kleidern und Schuhen und anschließend auf die Uhr. Es war kurz nach Mittag und eigentlich wollte sie das Treffen ganz und gar nicht absagen.
Aber auf eine besorgte Anfrage, was passiert sei, kam keine befriedigende Antwort. Abheben tat ihr Partner auch nicht, als sie ihn immer wieder einmal versuchte zu erreichen. Das Verhalten von ihm war äußerst dubios und Tracy beschloss, dass sie ihre eigenen Pläne nicht über den Haufen schmeißen würde, wenn er nicht zu einer klaren Ansage bereit war. Sie freute sich einfach viel zu sehr darauf, ihn von der Arbeit abholen zu können. Und wenn es sich wirklich um Überstunden handelte, wie sie vermutete, dann würde sie eben solange warten oder ihm zu einem früheren Feierabend verhelfen. Jetzt hatte sie ja die Adresse seiner Arbeitsstelle.
Sie fuhr also mit ihrem Shoppingtrip fort, bereitete aber anders als ursprünglich gedacht, schon ein Teil vom Abendessen vor. Wenn er wirklich länger arbeiten musste, dann würde sie so die Kochzeit fürs Abendessen gut reduzieren können und es sparte ihr, alle Zutaten einzeln zu mitzunehmen. Tupperboxen ließen sich doch um so vieles leichter transportieren.
Mit einem erneuten Blick auf die Uhr, machte sie sich schließlich zeitgerecht auf dem Weg. Sie hatte sich extra auf einem Plan noch einmal angesehen, wo sie hinmusste und wurde mit jeder verstreichenden Minute nervöser. Das war sicher eine unglaubliche Überraschung für ihn, aber dann wiederum hatte sie ja nie eine positive Antwort darauf gegeben, dass sie das Treffen tatsächlich absagen würde. Das war die Ausrede, die sie ihren leisen Zweifeln zu knabbern gab, damit sie sich nicht doch noch anders entschied. Immerhin hätte es ja auch gut sein können, dass er ganz und gar nicht begeistert davon war, dass sie trotzdem auftauchte. Vielleicht war es ihm sogar zutiefst unangenehm und es würde zu einem Streit kommen. Vielleicht nahm sie sich auch einfach zuviel heraus und er würde sich von ihr trennen, weil sie klammerte und ihm keinen Freiraum ließ.
Aber sie schob diese unwillkommenen Gedanken weg. Sie war jetzt schon auf den Weg und so kurzfristig abzusagen, war in ihren Augen ganz schlechter Stil. Natürlich konnte immer wieder mal ein Notfall eintreten, aber dann konnte man natürlich auch sagen, was los war. Und diese klare Aussage hatte er sich gespart und abheben tat er auch nicht. Also konnte sie einfach ignorieren, dass er absagen wollte. Vor allem hatte er nicht einmal etwas von verschieben geredet. Er hatte definitiv geschrieben, dass er es absagen wollte! Und ersatzlos ein Date zu streichen ging schon mal gar nicht.
Tracy sah an dem Bürogebäude hoch und atmete ein paar Mal tief durch. In diesem Gebäude befand sich die Firma, in der er arbeitete. Sie würde einfach ganz souverän und selbstbewusst hineingehen und nach ihm fragen. Das war sicher keine Schwierigkeit. Außerdem war sie pünktlich zum gängigen Feierabend. Es würden also ohnehin nur noch die fleißigen Angestellten hier sein, die Überstunden machten. Alles also kein Problem.
Sie raffte ihren Mut zusammen und betrat das Gebäude. An Hinweisschildern war ausgewiesen, in welchen Stock sie das Unternehmen finden konnte und sie fuhr mit dem Lift nach oben. Gerade herrschte reger Verkehr in der Lobby, da scheinend viele Arbeitgeber die Büros um diese Zeit schlossen. Aber sie kümmerte sich nicht um diese Leute, sondern sagte innerlich einfach nur ihr Mantra auf, das ein Umkehren verhindern sollte.
In dem Stockwerk war es schon recht ruhig, aber ein Mitarbeiter, der offensichtlich auch schon gehen wollte, sprach sie an. Es war offensichtlich, dass sie nicht hierhergehörte und der Mann war wenigstens freundlich. Sicher ein guter Kollege von ihrem Partner.
Nachdem sie sich vorgestellt hatte und erklärt hatte, warum sie hier war, bekam sie einen überraschten Blick. "Der hat sich heute krankgemeldet", erklärte dann der Mitarbeiter. Dann bekam sie ein mitfühlendes Lächeln. "Tut mir Leid, jetzt sind Sie ganz umsonst hergekommen."
Das machte ihr nicht soviel aus. Viel eher schockierte sie die Nachricht, dass ihr Freund krank war. Warum zur Hölle, hatte er das nicht gleich gesagt! Das war doch nichts schlimmes und sie hätte es verstanden. Sie hätte ihm sogar geholfen, schnell wieder fit zu werden.
"Macht nichts. Danke für die Auskunft", rang sich Tracy ebenso ein leichtes Lächeln ab und ging wieder zu den Aufzügen. Die Sorge stand ihr allerdings ins Gesicht gekleistert. Sie verstand einfach nicht, warum er nicht einfach etwas gesagt hatte und sie probierte gleich auf der Straße noch einmal, ihn zu erreichen. Aber erneut ging nur die Mailbox ran, was sie nur noch sorgenvoller stimmte. Vielleicht hatte es ihn wirklich schlimm erwischt?
Anstatt wütend nach Hause zu fahren, weil er sie so unschön hinters Licht geführt hatte, schlug sie den Weg zu seiner Wohnadresse ein. Wenn er wirklich so krank war, sah sie besser nach ihm. Wenn er gleich gesagt hätte, was los war, hätte sie ja auch schon früher auftauchen können. So blieben ihr jetzt nur noch ein paar Stunden, ihn zu umsorgen.
Wenigstens wohnte er nicht allzu weit von seiner Arbeit entfernt und nur fünfzehn Minuten später klingelte sie bei ihm und wartete geduldig, bis er öffnete. Was sie zu sehen bekam, schockierte sie. Er sah wirklich krank aus. Richtig blass und müde. Vollkommen erschöpft und... so hatte sie ihn noch nie gesehen.
"Tracy...", krächzte er und klang nicht gerade positiv überrascht. Er wandte sich auch gleich ab und hielt sich eine Hand vor, als er in ein kehliges, röchelndes Husten verfiel.
"Etwas dazwischengekommen...", merkte Tracy an, als sie sich vom ersten Schock erholt hatte. "Warum zur Hölle hast du nicht gesagt, dass du krank bist!", brach es dann aus ihr heraus und sie schob sich an ihm vorbei. "Warst du schon beim Arzt? Hast du dir Medikamente geholt?" Sie hätte gleich vorbeisehen sollen. Die Nachricht hatte sie doch schon so misstrauisch gemacht. Dass Männer immer die Starken spielen mussten.
"Es ist halb so schlimm...", flüsterte er leise und war ihr gefolgt. "Außerdem sollst du dir nicht soviele Sorgen machen." Ein weiterer Hustenanfall unterbrach ihn und er setzte sich auf den nächstbesten Stuhl, den er in seiner Küche erreichen konnte. "Ist dein freier Tag...", nuschelte er und schloss einen Moment die Augen.
"Scheiß auf meinen freien Tag. Du klingst, als würdest du fast sterben! Hast du nicht daran gedacht, dass du mir wesentlich wichtiger bist! Los, verschwinde wieder ins Bett. Ich bring dir gleich frischen, heißen Tee und mach dir was zu essen. So wie du aussiehst, hast du heute sicher noch nichts gegessen."
"Keinen Hunger...", murmelte er und hielt seine Sätze offensichtlich bewusst knapp.
"Hunger hin oder her spielt doch gar keine Rolle. Du musst was essen und viel trinken. Und jetzt hopp, ab ins Bett." Tracy hatte Wasser aufgestellt und zog nun an seinem Oberarm, um ihm aufzuhelfen und ihn ins Bett zu bringen. Wäre doch gelacht, wenn sie es nicht schaffen würde, ihn schnell wieder auf die Beine zu bringen. Ein Glück, dass sie morgen einen kurzen Dienst hatte.