[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Morpheus
Challenge: H/C- "Was ist passiert?" - Für mich
Fandom: Tumbling
Wörter: ~ 1.000
Personen: Wataru, Mizusawa, Yûta, Kaneko, Kiyama
Warnung: selbstverletztendes Verhalten, Suizidversuch (angedeutet)
Kommentar: Mein erster Versuch mit Watarus POV, gehört zur AU, zu der ich die letzten Einträge auch schon schrieb. Natürlich hat Wataru Mizusawa gerettet. Fragt sich nur, für wie lange.

„Was ist passiert?“

Wataru beeilt sich, sich zwischen Kiyama und Kaneko zu stellen. Ersterer ist mit einem Mal leichenblass geworden und hat den Sack Kartoffeln, den er mitgebracht hat, fallenlassen. Zweiterer wischt mit einem dreckigen Lappen Blut vom Küchenboden auf.

Wataru schluckt. Er kämpft krampfhaft gegen den Schockzustand an, der seine Beine mit einem Mal lähmt, der seinen Mund austrocknet.

„Was ist passier?“, wiederholt er laut.
„Kaneko!“

Kiyamas Hände zittern. Über den Boden rollen einzelne kleine Kartoffeln.
Wataru weiß, dass Kiyama kein Blut mehr sehen kann seitdem sie Takashi totgeschlagen haben, seitdem das Blut seines besten Freundes gegen sein Gesicht gespritzt ist damals.

„Der Neue“, nuschelt Kaneko und sieht hoch. Er richtet seine Brille, die schief sitzt, seitdem er den rechten Bügel notdürftig kleben musste.

„Er hat...“
Zaghaft deutet der Junge nach oben auf die Spüle. Im Abendsonnenlicht spiegelt sich darin eines der großen Fleischmesser, die Watarus Mutter immer benutzt. Seine Klinge ist dunkelrot getüncht.

„Mizusawa“, stößt Wataru hervor. Das Wort schnürt ihm die Kehle ab, lässt den Schwindel wie einen Wirbelsturm in seinem Kopf auftoben.

Es ist eine Woche her, dass er und Kiyama den Jungen neben den verwesenden Leichen von dessen Eltern gefunden haben. Wenn Wataru die Augen schließt, sieht er Mizusawa vor sich, der sich zum Sterben danebengelegt hat, der nichts anderes als eine lebende Leiche war, den er von den Toten wegzerren musste, der sich unter Tränen und Schreien und mit seinen kleinen Fäusten dagegen wehrte, von der Hand seiner verstümmelten Mutter abzulassen.
Seine Finger sind kalt gewesen, als Wataru sie auf dem Weg in sein eigenes Haus festgehalten hat.
Seine Augen sind leer und schwarz gewesen.

„Ist er...“, bringt er erstickt hervor und Kaneko schüttelt schnell den Kopf.

„Nein, Yûta, Hino und Natsuko-san haben ihn oben verbunden. Aber es hat nicht viel gefehlt.“


Wataru lässt ihn und Kiyama stehen und stürzt mit federnden Schritten die Treppe hoch.

Als er oben im zur Krankenstation umfunktionierten Zimmer die Schiebetür zur Seite wirft, schlagen ihm Sonnenstäubchen und der Geruch von Desinfektionsmittel entgegen.



Yûta sitzt neben ihm.

Als Wataru das Zimmer betritt, schaut er vom Notizheft in seinem Schoß auf, welches er stets bei sich trägt.
Wataru weiß auf Anhieb, was er dort gerade hineinschreibt.
Mizusawa Taku: Wunde am Handgelenk. Yûta schreibt es gleich neben die Spalte mit Essen, das Mizusawa nichts verträgt (Erdnüsse), sein Geburtsdatum (03.06.1992), seine Namenskanji (水沢拓).
Yûta führt über jeden Bewohner dieses Hauses Buch und er nimmt seine Aufgabe sehr, sehr ernst.

Er streckt sein schlechtes Bein gerade vor sich aus und öffnet den Mund mit den hübschen Lippen etwas.

Wataru steht über ihm, schaut hinab auf seinen Freund und auf den Jungen, der neben Yûta in einem Gästefuton auf der Seite liegt. Sein linkes Handgelenk ist dick einbandagiert. Wataru lässt den Blick über den Verband schweifen und registriert, dass er nicht breiter ist als seine eigenen Finger lang sind. Mizusawa weiß offensichtlich nicht, wie man sich effektiv und korrekt die Pulsadern aufschneidet. Das und die Fertigkeit von Watarus Mutter, offenes Gewebe wenigstens einigermaßen wieder zusammenzunähen, haben ihn heute gerettet.

Im Hinterkopf notiert Wataru sich, Mizusawa für die nächste Zeit keine Arbeiten mehr zu geben, bei denen irgendetwas geschnitten werden muss.
Vielleicht ist Wäschewaschen eine bessere Option. Oder im Garten im Hinterhof die Gemüsebeete gießen. Oder abends auf die Kerzen achtgeben.
Obwohl, nein, auch das könnte gefährlich sein.

Mizusawa weint tonlos.

Die Tränen laufen über seine Nase und Lippen nach unten in das Kissen.

„Ich darf nicht bleiben“, flüstert er gebrochen.
„Ich bin doch nur noch hier, weil ich ein Feigling war und weggelaufen bin. Ich muss auch tot sein. Ich muss auch tot sein.“

Durch die Fenster scheint die Abendsonne golden und gnädig hinein und unter ihrem Licht werden Mizusawas Augen rot und geschwollen.

Wataru hat einige vor dem Tod bewahrt.
Nippori und dessen Geschwister. Kaneko. Hino. Satoshi. Er hat Kiyama quasi gezwungen, zu ihnen zu kommen, statt draußen in seinen offensichtlichen Tod zu laufen. Er hat Yûta mit dessen zertrümmertem Bein aus dem Schutt eines zusammengestürzten Hauses gezogen.
Er hat auch einige Menschen hier oben verloren, weil sie zu verletzt waren. Er weiß, wie es sich anfühlt, wenn ein Mensch unter seinen Händen aufhört zu atmen, wenn Augen starr und gestockt werden wie Glasmurmeln.

Aber er weiß nicht, wie er sich bei diesem Zwischending verhalten soll.

Mizusawas Herz pumpt noch das Blut durch die Adern, aber seine Seele liegt begraben neben seinen Eltern.

Wie rettet man so einen halbtoten Menschen, wenn es nicht reicht, ihm Essen und Trinken verabreichen und ihm ein Bett in der Nacht zu geben?

Wataru schluckt den giftigen Kloß, den Mizusawas Namen in seiner Kehle hinterlassen hat, hinunter.

„Bleibst du bei ihm?“, bittet er Yûta leise und Yûta nickt.


„Danke dir. Hey.“

Wataru geht neben dem Futon in die Hocke.
Mizusawa sieht an ihm vorbei in die Leere, als würde in der Ecke des Zimmers ein Geist sitzen, der ihn mit toten Fingern zu sich zitiert.

„Ich weiß, du glaubst mir das nicht, aber es ist gut, dass du überlebt hast. Meinst du nicht, deine Eltern würden das für dich auch wollen? Halt durch.“

Er legt einen Arm auf Mizusawas schmale Schulter und erschrickt ein wenig darüber, wie wenig lebendig sie sich anfühlt.
Es ist Yûtas Hand an seinem Ärmel, die das Gefühl aus Wataru drückt, dass er mit einem Toten spricht.

„Gib ihm Zeit“, wispert Yûta.

Es sind seine ersten Worte seit Wochen.


To be continued...

Date: 2015-07-29 06:13 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Gott, Wino.... whyyy?
*Herz überreich* Hier bitte, ich brauchte es sowieso nicht mehr ... ;__; *schluchz*
Gott, Mizu...
Es ist so schmerzhaft und so schrecklich ihn so zu sehen, so mehr tot als lebendig, so völlig... am Boden. Als ob er vollkommen aufgegeben hat. Hat er ja auch irgendwie. ;_;
Und ich versteh total wieso Wataru das so besonders schrecklich findet. Weil wenn es eine körperliche Wunde ist, die er hätte, dann könnte man wenigstens versuchen sie zu heilen, aber so ....? So ist es praktisch ihm beim Sterben auf Raten zu zusehen ohne irgendwas tun zu können. ;__;

Mizusawas Herz pumpt noch das Blut durch die Adern, aber seine Seele liegt begraben neben seinen Eltern.
*weiterwein*
Das ist ein wundervoller, schrecklicher Satz und er drückt so gut aus was mit Mizu los ist, dass es einem die Kehle zuschnürt.

Ugh, ich hasse dich und ich liebe dich.
So simultaneously
Es ist wunderschön und schmerzhaft und ich liebe die vielen kleinen Details über die Charas, die du eingebaut hast und die so vieles andeuten und erzählen und wie Puzzleteile zu einem riesen Ganzen sind.
Wie Kiyama, der kein Blut mehr sehen kann seit sie seinen besten Freund erschlagen haben (wir sind so nah beim canon bei ihm und trotzdem wird das nicht weniger schrecklich) und wie solche Kleinigkeiten wie Kaneko der seine Brille vermutlich nur noch mit Klebeband und Spucke zusammenhält. ;_;
Und Yuuta.
Hach Yuuta.
Ich hab Yuuta in dieser AU auch so wahsinnig lieb. Er ist so ruhig und so sortiert, aber auf seine Art und Weise auch so wahnsinnig verletzt/verletzlich.

Yûta schreibt es gleich neben die Spalte mit Essen, das Mizusawa nichts verträgt (Erdnüsse), sein Geburtsdatum (03.06.1992), seine Namenskanji (水沢拓).
Yûta führt über jeden Bewohner dieses Hauses Buch und er nimmt seine Aufgabe sehr, sehr ernst.

Ich liebe es, dass wir uns das so ausgedacht haben. ;__; In gewisser Weise ist es ja Yuutas Versuch auf die anderen aufzupassen trotz seines kaputten Beins und mit ihnen zu connecten (trotz der Tatsache, dass er kaum redet).

Und das alles macht mir mehr und mehr Lust zu schreiben wie Wataru Yuuta unter dem kaputten Haus hervor gezerrt hat. *hust* Weil aus Gründen...

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