Romantik - unerwiderte Liebe - fürs Team
Jul. 21st, 2015 11:08 amTeam: Morpheus
Challenge: Romantik – (un)erwiderte Liebe – fürs Team
Fandom: Crows Zero (Tokio/Tamao)
Titel: Der König der Ratten
Inhalt: Tamao ist schon länger in Tokio verliebt, doch Tokio hält ihn auf Abstand.
Anmerkung: Ich habe viel zu viele Ideen für diese beiden. Spoiler für den gesamten ersten Film!
Der König der Ratten
Tokio sieht es manchmal, nur so aus dem Augenwinkel, Tamao ist schließlich nicht unauffällig, egal, was er denkt. Tokio merkt, wenn er angestarrt wird, egal ob beim Trinken, beim Sprechen, beim Lachen, doch immer, wenn er den Kopf dreht, schaut Tamao in die andere Richtung, so als hätte er nie irgendetwas anderes gemacht.
Nicht unauffällig.
Aber schnell.
Sie wissen es beide, was da zwischen ihnen ist, in jeder Berührung, in jedem gemeinsamen Lachen, wenn Tamao sich vor ihn wirft, wenn sie sich prügeln. Doch keiner spricht es aus und selbst wenn Tamao ab und zu den Mund aufmacht und nach Worten ringt, während sie auf dem Dach der Schule sitzen, dreht sich Tokio weg und starrt mit weit aufgerissenen Augen in den Sonnenuntergang hinein, bis ihm Tränen übers Gesicht laufen und er Tamao nicht mehr erkennen kann.
Irgendwann, im zweiten Jahr auf der Suzuran, hält Tamao es nicht mehr aus. Er ballt die Faust und lässt sie dicht neben Tokios Oberschenkel auf die bröckelige Betonbank krachen, auf der sie immer gemeinsam hocken.
"Warum nicht?", faucht er, ohne irgendwelche Überleitungen, aber Tamao ist sein bester Freund und Tokio weiß, was er meint. Am Himmel türmen sich schwere Gewitterwolken auf, verdecken die Sonne und das Licht wird grau und grauer.
Tokio schließt die Augen. "Schau dich um, du Trottel", sagt er langsam, über den Wind und Tamaos empörten Schrei hinweg. "Du bist fast da."
"Ich bin nirgends!", schreit Tamao zurück, doch Tokio ignoriert ihn und lächelt sogar ein bisschen, weil Tamao manchmal schrecklich dumm und langsam ist.
"Du stehst an der Spitze der Suzuran", erklärt Tokio weiter. "Und ich werd nicht zulassen, dass du das wegschmeißt. Wegen mir."
"Was laberst du", mault Tamao und es tut Tokio weh, zu hören, wie verzweifelt er klingt, weil er es wirklich nicht begreift.
Tokio steht auf, streckt die Arme hoch über den Kopf und öffnet den Mund, um die ersten Regentropfen mit der Zunge aufzufangen.
"Du bist König hier", sagt er, doch ihm bricht die Stimme mittendrin. "Und deshalb küss ich dich nicht."
Er schaut nicht hin, als Tamao völlig ungläubig schnaubt und sich dann trampelnd, fluchend und um sich schlagend auf den Heimweg macht, vom Dach runter, durch die Schule und der erste, der ihm begegnet, wird sich wahrscheinlich ein blaues Auge einfangen.
Er kapiert es nicht, denkt Tokio. Er kapiert nicht, dass ich sein Schwachpunkt bin.
Was für ein Idiot.
Zwei Wochen später haben sie ein Riesenproblem. Tamao hat das Maul zu weit aufgerissen und ihnen bleibt nichts anderes übrig, als sich eine Nacht lang in dem schäbigen Hinterzimmer der Kneipe von Tsutsumotos Eltern zu verstecken, bis die Wogen sich wieder geglättet haben.
Als Tamao die Tür öffnet, bleibt er wie angewurzelt stehen und faucht "Scheiße." und Tokio stolpert fast in ihn hinein.
"Was ist los", knurrt er, weil er müde ist von ihrer durchwachten, durchprügelten Nacht, weil ihm der Schädel dröhnt, obwohl er nur Schläge in den Magen kassiert hat, weil er und Tamao sich immer noch nicht wieder vertragen haben und das hier ganz weit weg vom Idealzustand ist.
Dann hebt er den Kopf und sieht, dass in dem Raum genau eine fleckige, feuchte Matratze auf dem Boden liegt und sonst nichts.
"Ich schlaf bei mir", sagt Tamao sofort, doch Tokio schlägt ihm gegen die Schulter, fester als sonst und starrt ihn wütend an.
"Red keine Scheiße. Du kommst keine zwei Meter weit."
"Aber..."
"Halts Maul und komm."
Tokio packt ihn an der Hand und zerrt ihn förmlich in den Raum, der wirklich mehr eine Abstellkammer ist, und wenn sie nicht schon seit mehr als dreißig Stunden ununterbrochen auf den Beinen wären, würde Tokio sich einfach an die Tür lehnen und Wache halten. Doch er spürt, wie alles in ihm schwerer wird, seine Lider, seine Beine, je näher er der Matratze kommt und Tamao hinter ihm stolpert schon über seine eigenen Füße, weil er bescheuert ist vor lauter Müdigkeit.
Sie legen sich hin, Tokio zuerst, weil Tamao sich nicht rührt und erst als Tokio sich irgendwie ganz an den Rand der Matratze gelegt hat, sodass er mit der Nase fast die feuchte Wand berührt und mit jedem Atemzug den Schimmel schmeckt, schmeißt sich Tamao neben ihn. Er macht ein Hohlkreuz, denn Tokio spürt Tamaos Schulterblätter an seinem Rücken und darunter nichts mehr, so als bestünde sein Freund nur noch aus Kopf und unsichtbaren Lungen, die den Atem stoßweise aus seinem Mund jagen.
Tokio grinst ein bisschen - bis er spürt, wie sich sein Bauch bei jedem Herzschlag zusammenzieht, wie seine Hände plötzlich feucht werden und sein ganzer Körper vollkommen verkrampft.
Oh Gott. Tokio beißt sich auf die Zunge und die Wangen, doch es ist längst zu spät, sein Herz klopft so laut, dass es sogar Tamaos Atem übertönt und jede noch so kleine Bewegung verlangsamt sich bis ins Unendliche und sein Gehirn wird von Chaos überflutet.
Fass mich nicht an, geh weg, oh Gott, bitte bitte fass mich an, ich geb dir alles, was du willst, fass mich an ...
Es wird nichts passieren, das weiß Tokio, Tamao würde ihm nie irgendetwas tun, was er nicht will, doch das Problem ist, dass er es will, seit Jahren schon, und jetzt sind sie sich so nah, dass er sich kaum zurückhalten kann, weil in ihm alles brennt, doch wenn er sich nicht unter Kontrolle kriegt, dann endet Tamaos Herrschaft vielleicht genau hier, auf dieser widerlichen Matratze im Hinterzimmer einer Bar.
Tokio macht die Augen zu und zählt die Sekunden, lauscht auf Tamaos Atemgeräusche, doch er ist kein Idiot, er merkt, dass Tamao nicht schläft und Tokio hat zum ersten Mal in seinem Leben keine Ahnung, wie Tamao reagieren wird.
Als er bei achtunddreißig angekommen ist, wird er plötzlich an der Schulter gepackt und herumgeworfen, er stößt sich das Knie an der Wand und plötzlich hängt Tamao auf ihm, mit wild funkelnden Augen starrt er auf ihn herunter.
Er hält ihn nicht fest, seine Finger krallen sich nur in den dünnen Stoff neben Tokios Kopf (er kann sie zittern sehen) und Tokio streckt die Arme aus, mit der festen Absicht Tamao von sich zu schieben, doch es endet damit, dass er eine Hand in Tamaos Nacken und die andere auf seine Wange legt.
Tamao fängt an zu zittern und dreht den Kopf, um einen Kuss in Tokios Hand zu drücken. Hitze geht von seiner Haut aus, so sehr, dass Tokio dagegen ganz kühl wirkt.
"Ich tu dir nix", murmelt Tamao, als hätte Tokio irgendeinen Grund, daran zu zweifeln. "Das weißt du."
Tokio nickt, weil kurz davor ist, zu ersticken und sowieso nicht reden kann. Ohne es richtig zu merken, beginnt er mit den Fingerspitzen durch Tamaos lange Haare zu streicheln.
Tamao starrt ihn an, bis er weint, doch er merkt es wahrscheinlich nicht einmal.
"Erklärs mir", verlangt er und bewegt seine Finger vorsichtig gegen Tokios Wange. "Ich seh doch, wie du mich anguckst. Ich spür es doch", fügt er hinzu, als er sein Knie zwischen Tokios Beine presst.
Diese kleine Ratte, denkt Tokio, als er es nicht schafft, sein Stöhnen völlig zu unterdrücken. Gerissene, dreckige Ratte. Er liebt ihn, glaubt er.
Tokio verstärkt seinen Griff und zieht Tamao näher zu sich, bis er ganz auf ihm liegt, und drückt seinen Kopf fest gegen seine Brust, als Tamao zu schluchzen beginnt.
"Ich will nicht…", murmelt er und dann muss er selbst schlucken, weil er sich so schrecklich grausam vorkommt. "Ich will nicht bei jeder Berührung drüber nachdenken müssen, wie das wirkt, kapierst du das denn nicht. Die anderen..."
"Scheiß doch auf die anderen", faucht Tamao in seine Jacke hinein, doch er meint es nicht so, das weiß Tokio.
"Die anderen folgen dir. Und das soll so bleiben, bis du ganz oben stehst, hast du mich verstanden."
Er meint es wirklich ehrlich, doch die Worte schmecken seltsam hohl in seinem Mund und als Tamao ihm gegen die Schulter schlägt und keucht "Du bist ein gottverdammter Feigling", da spürt Tokio, dass er vielleicht gerade den größten Fehler seines Lebens begangen hat.
Er schließt die Arme noch ein bisschen fester um Tamao und lässt ihn heulen, bis sie beide vor Erschöpfung einschlafen.
Monate später verlässt Tokio das Sprechzimmer eines Arztes.
Er hat genau vierzig Meter Zeit, um sich zu überlegen, was er Tamao sagt, der draußen vor dem Krankenhaus auf ihn wartet.
Dass er lügen wird, ist klar, und während er die drei Zettel in seiner Hosentasche, die ihm Medikamente und zwei weitere Untersuchungen bescheren sollen, fest umklammert, denkt er fieberhaft über die richtigen Worte nach.
"Schwachpunkt", zischt es plötzlich neben ihm, als zwei Krankenschwestern an ihm vorbei gehen und auch wenn er weiß, dass sie sich nicht über ihn unterhalten, ballt er automatisch die Fäuste und stapft so heftig mit den Füßen auf, dass seine Knie zu schmerzen beginnen.
Niemals, denkt er. Nicht so.
"Ich bin gesund", brüllt er Tamao entgegen, kaum, dass er auf der Straße steht und in ihm erstarrt alles für ein Moment, als er seinen Freund dort sitzen sieht und ihm durch den Kopf geht Wie lange noch?
Genji platzt wie ein Gewittersturm in ihr Leben und der hämmernde Kopfschmerz wird mit jedem Tag schlimmer, bis Tokio manchmal befürchtet, seinen eigenen Namen zu vergessen.
Ihm gleitet alles durch die Finger, die Zeit verwischt hinter seiner Stirn, ein Streit mit Genji, der vor Wochen stattgefunden hat, passiert genau so noch einmal, ehe Tokio feststellt, dass er wenigstens einen davon nur geträumt hat.
Er ist müde, und bleich, und plötzlich hat er Angst wie noch nie in seinem Leben und er muss Tamao ansehen, jede Stunde, jede Minute am besten, weil er sein Gesicht nicht vergessen will.
Er muss zum Arzt, das weiß er, doch er kann nicht gehen, er kann Tamao nicht alleine lassen, redet er sich ein, und der Schmerz in seinem Kopf fragt ihn heimtückisch, ob es nicht eher so ist, dass er Tamao nicht alleine lassen will, weil er Angst hat, ihn nie wieder zu sehen?
(Natürlich ist es so).
Sie schauen gemeinsam in den Sonnenuntergang, als sich die Angst plötzlich aus Tokios Mund heraus kämpft und er eine ganz und gar gemeine Frage stellt.
"Glaubst du, dass sich die Dinge zwischen uns mal ändern könnten?"
Es ist eine Frage voller Panik und verpasster Chancen und es tut ihm leid, doch er hat Todesangst und Tamao ist der einzige, der ihn retten kann.
Er will gar keine Antwort mehr haben, doch dann sagt Tamao, dass er sich entspannen soll, dass er dafür sorgen wird, dass ihm nichts passiert, dass er immer da sein wird, egal was passiert.
Und Tokio spürt, wie alle Angst in ihm verschwindet, wie die Zweifel ausgelöscht werden und wie der Schmerz in seinem Kopf einen Moment lang schweigt.
Er wird es schaffen. Denn Tamao wird immer da sein.
Als er nach der OP aufwacht, steht sein Monster neben dem Bett, mit Pflastern im zerschlagenen Gesicht und tiefer, endloser Verzweiflung in den Augen.
Tokio lächelt, was eine beschissene Idee ist, weil alle seine Muskeln protestierend aufschreien und in einem heißen Knoten an seinem Hinterkopf zusammenlaufen.
"Hi", haucht er mit ausgedörrtem Mund.
"Ich bin nicht länger König", sagt Tamao ohne Überleitung. Tokio sieht, wie seine Augen über die Verbände und Schläuche huschen, nur damit er Tokio nicht ins Gesicht schauen muss.
Idiot, denkt Tokio und lächelt, egal, wie sehr es wehtut, und dann, weil er gerade erst bemerkt hat, dass er noch am Leben ist, dass alles gut gegangen ist, dass er Tamao wieder vor sich sieht, streckt er die Hand aus und testet, einfach weil er es kann, weil er lebt, seine Grausamkeit.
"Hast du absichtlich verloren?"
Tamao zuckt zusammen und stolpert tatsächlich einen Schritt zurück, seine Hand schießt zu seinem Mund hinauf und zu seinen Augen, weil es ihm wahrscheinlich ähnlich dreckig geht, wie Tokio gerade und Tokio lacht laut auf, als er die Empörung in seinem Blick sieht.
"Du verdammtes Arschloch", keift er und ballt die Fäuste und Tokio würde sich nicht beschweren, wenn er ihm jetzt hier mitten im Krankenhaus eine reinhauen würde. "Nein, hab ich nicht!"
"Weiß ich", beeilt sich Tokio zu sagen. "Genji ist einfach vollkommen irre."
"Ja."
"Hm."
"Und ich bin nicht mehr König."
Er sagt es zum zweiten Mal und Tokio seufzt voller Glück. Er hat genug von Grausamkeit. Er streckt die Hand aus und nickt.
Endlich.
"Komm her."
Und Tamao ist neben ihm, innerhalb eines Herzschlags umschließt er seine Hand mit seinen Fingern, beugt sich vor und küsst Tokio zärtlich auf den Mund.
Soll Genji die Suzuran doch haben, denkt Tokio und schließt die Augen. Er hat ihren König.
Challenge: Romantik – (un)erwiderte Liebe – fürs Team
Fandom: Crows Zero (Tokio/Tamao)
Titel: Der König der Ratten
Inhalt: Tamao ist schon länger in Tokio verliebt, doch Tokio hält ihn auf Abstand.
Anmerkung: Ich habe viel zu viele Ideen für diese beiden. Spoiler für den gesamten ersten Film!
Der König der Ratten
Tokio sieht es manchmal, nur so aus dem Augenwinkel, Tamao ist schließlich nicht unauffällig, egal, was er denkt. Tokio merkt, wenn er angestarrt wird, egal ob beim Trinken, beim Sprechen, beim Lachen, doch immer, wenn er den Kopf dreht, schaut Tamao in die andere Richtung, so als hätte er nie irgendetwas anderes gemacht.
Nicht unauffällig.
Aber schnell.
Sie wissen es beide, was da zwischen ihnen ist, in jeder Berührung, in jedem gemeinsamen Lachen, wenn Tamao sich vor ihn wirft, wenn sie sich prügeln. Doch keiner spricht es aus und selbst wenn Tamao ab und zu den Mund aufmacht und nach Worten ringt, während sie auf dem Dach der Schule sitzen, dreht sich Tokio weg und starrt mit weit aufgerissenen Augen in den Sonnenuntergang hinein, bis ihm Tränen übers Gesicht laufen und er Tamao nicht mehr erkennen kann.
Irgendwann, im zweiten Jahr auf der Suzuran, hält Tamao es nicht mehr aus. Er ballt die Faust und lässt sie dicht neben Tokios Oberschenkel auf die bröckelige Betonbank krachen, auf der sie immer gemeinsam hocken.
"Warum nicht?", faucht er, ohne irgendwelche Überleitungen, aber Tamao ist sein bester Freund und Tokio weiß, was er meint. Am Himmel türmen sich schwere Gewitterwolken auf, verdecken die Sonne und das Licht wird grau und grauer.
Tokio schließt die Augen. "Schau dich um, du Trottel", sagt er langsam, über den Wind und Tamaos empörten Schrei hinweg. "Du bist fast da."
"Ich bin nirgends!", schreit Tamao zurück, doch Tokio ignoriert ihn und lächelt sogar ein bisschen, weil Tamao manchmal schrecklich dumm und langsam ist.
"Du stehst an der Spitze der Suzuran", erklärt Tokio weiter. "Und ich werd nicht zulassen, dass du das wegschmeißt. Wegen mir."
"Was laberst du", mault Tamao und es tut Tokio weh, zu hören, wie verzweifelt er klingt, weil er es wirklich nicht begreift.
Tokio steht auf, streckt die Arme hoch über den Kopf und öffnet den Mund, um die ersten Regentropfen mit der Zunge aufzufangen.
"Du bist König hier", sagt er, doch ihm bricht die Stimme mittendrin. "Und deshalb küss ich dich nicht."
Er schaut nicht hin, als Tamao völlig ungläubig schnaubt und sich dann trampelnd, fluchend und um sich schlagend auf den Heimweg macht, vom Dach runter, durch die Schule und der erste, der ihm begegnet, wird sich wahrscheinlich ein blaues Auge einfangen.
Er kapiert es nicht, denkt Tokio. Er kapiert nicht, dass ich sein Schwachpunkt bin.
Was für ein Idiot.
Zwei Wochen später haben sie ein Riesenproblem. Tamao hat das Maul zu weit aufgerissen und ihnen bleibt nichts anderes übrig, als sich eine Nacht lang in dem schäbigen Hinterzimmer der Kneipe von Tsutsumotos Eltern zu verstecken, bis die Wogen sich wieder geglättet haben.
Als Tamao die Tür öffnet, bleibt er wie angewurzelt stehen und faucht "Scheiße." und Tokio stolpert fast in ihn hinein.
"Was ist los", knurrt er, weil er müde ist von ihrer durchwachten, durchprügelten Nacht, weil ihm der Schädel dröhnt, obwohl er nur Schläge in den Magen kassiert hat, weil er und Tamao sich immer noch nicht wieder vertragen haben und das hier ganz weit weg vom Idealzustand ist.
Dann hebt er den Kopf und sieht, dass in dem Raum genau eine fleckige, feuchte Matratze auf dem Boden liegt und sonst nichts.
"Ich schlaf bei mir", sagt Tamao sofort, doch Tokio schlägt ihm gegen die Schulter, fester als sonst und starrt ihn wütend an.
"Red keine Scheiße. Du kommst keine zwei Meter weit."
"Aber..."
"Halts Maul und komm."
Tokio packt ihn an der Hand und zerrt ihn förmlich in den Raum, der wirklich mehr eine Abstellkammer ist, und wenn sie nicht schon seit mehr als dreißig Stunden ununterbrochen auf den Beinen wären, würde Tokio sich einfach an die Tür lehnen und Wache halten. Doch er spürt, wie alles in ihm schwerer wird, seine Lider, seine Beine, je näher er der Matratze kommt und Tamao hinter ihm stolpert schon über seine eigenen Füße, weil er bescheuert ist vor lauter Müdigkeit.
Sie legen sich hin, Tokio zuerst, weil Tamao sich nicht rührt und erst als Tokio sich irgendwie ganz an den Rand der Matratze gelegt hat, sodass er mit der Nase fast die feuchte Wand berührt und mit jedem Atemzug den Schimmel schmeckt, schmeißt sich Tamao neben ihn. Er macht ein Hohlkreuz, denn Tokio spürt Tamaos Schulterblätter an seinem Rücken und darunter nichts mehr, so als bestünde sein Freund nur noch aus Kopf und unsichtbaren Lungen, die den Atem stoßweise aus seinem Mund jagen.
Tokio grinst ein bisschen - bis er spürt, wie sich sein Bauch bei jedem Herzschlag zusammenzieht, wie seine Hände plötzlich feucht werden und sein ganzer Körper vollkommen verkrampft.
Oh Gott. Tokio beißt sich auf die Zunge und die Wangen, doch es ist längst zu spät, sein Herz klopft so laut, dass es sogar Tamaos Atem übertönt und jede noch so kleine Bewegung verlangsamt sich bis ins Unendliche und sein Gehirn wird von Chaos überflutet.
Fass mich nicht an, geh weg, oh Gott, bitte bitte fass mich an, ich geb dir alles, was du willst, fass mich an ...
Es wird nichts passieren, das weiß Tokio, Tamao würde ihm nie irgendetwas tun, was er nicht will, doch das Problem ist, dass er es will, seit Jahren schon, und jetzt sind sie sich so nah, dass er sich kaum zurückhalten kann, weil in ihm alles brennt, doch wenn er sich nicht unter Kontrolle kriegt, dann endet Tamaos Herrschaft vielleicht genau hier, auf dieser widerlichen Matratze im Hinterzimmer einer Bar.
Tokio macht die Augen zu und zählt die Sekunden, lauscht auf Tamaos Atemgeräusche, doch er ist kein Idiot, er merkt, dass Tamao nicht schläft und Tokio hat zum ersten Mal in seinem Leben keine Ahnung, wie Tamao reagieren wird.
Als er bei achtunddreißig angekommen ist, wird er plötzlich an der Schulter gepackt und herumgeworfen, er stößt sich das Knie an der Wand und plötzlich hängt Tamao auf ihm, mit wild funkelnden Augen starrt er auf ihn herunter.
Er hält ihn nicht fest, seine Finger krallen sich nur in den dünnen Stoff neben Tokios Kopf (er kann sie zittern sehen) und Tokio streckt die Arme aus, mit der festen Absicht Tamao von sich zu schieben, doch es endet damit, dass er eine Hand in Tamaos Nacken und die andere auf seine Wange legt.
Tamao fängt an zu zittern und dreht den Kopf, um einen Kuss in Tokios Hand zu drücken. Hitze geht von seiner Haut aus, so sehr, dass Tokio dagegen ganz kühl wirkt.
"Ich tu dir nix", murmelt Tamao, als hätte Tokio irgendeinen Grund, daran zu zweifeln. "Das weißt du."
Tokio nickt, weil kurz davor ist, zu ersticken und sowieso nicht reden kann. Ohne es richtig zu merken, beginnt er mit den Fingerspitzen durch Tamaos lange Haare zu streicheln.
Tamao starrt ihn an, bis er weint, doch er merkt es wahrscheinlich nicht einmal.
"Erklärs mir", verlangt er und bewegt seine Finger vorsichtig gegen Tokios Wange. "Ich seh doch, wie du mich anguckst. Ich spür es doch", fügt er hinzu, als er sein Knie zwischen Tokios Beine presst.
Diese kleine Ratte, denkt Tokio, als er es nicht schafft, sein Stöhnen völlig zu unterdrücken. Gerissene, dreckige Ratte. Er liebt ihn, glaubt er.
Tokio verstärkt seinen Griff und zieht Tamao näher zu sich, bis er ganz auf ihm liegt, und drückt seinen Kopf fest gegen seine Brust, als Tamao zu schluchzen beginnt.
"Ich will nicht…", murmelt er und dann muss er selbst schlucken, weil er sich so schrecklich grausam vorkommt. "Ich will nicht bei jeder Berührung drüber nachdenken müssen, wie das wirkt, kapierst du das denn nicht. Die anderen..."
"Scheiß doch auf die anderen", faucht Tamao in seine Jacke hinein, doch er meint es nicht so, das weiß Tokio.
"Die anderen folgen dir. Und das soll so bleiben, bis du ganz oben stehst, hast du mich verstanden."
Er meint es wirklich ehrlich, doch die Worte schmecken seltsam hohl in seinem Mund und als Tamao ihm gegen die Schulter schlägt und keucht "Du bist ein gottverdammter Feigling", da spürt Tokio, dass er vielleicht gerade den größten Fehler seines Lebens begangen hat.
Er schließt die Arme noch ein bisschen fester um Tamao und lässt ihn heulen, bis sie beide vor Erschöpfung einschlafen.
Monate später verlässt Tokio das Sprechzimmer eines Arztes.
Er hat genau vierzig Meter Zeit, um sich zu überlegen, was er Tamao sagt, der draußen vor dem Krankenhaus auf ihn wartet.
Dass er lügen wird, ist klar, und während er die drei Zettel in seiner Hosentasche, die ihm Medikamente und zwei weitere Untersuchungen bescheren sollen, fest umklammert, denkt er fieberhaft über die richtigen Worte nach.
"Schwachpunkt", zischt es plötzlich neben ihm, als zwei Krankenschwestern an ihm vorbei gehen und auch wenn er weiß, dass sie sich nicht über ihn unterhalten, ballt er automatisch die Fäuste und stapft so heftig mit den Füßen auf, dass seine Knie zu schmerzen beginnen.
Niemals, denkt er. Nicht so.
"Ich bin gesund", brüllt er Tamao entgegen, kaum, dass er auf der Straße steht und in ihm erstarrt alles für ein Moment, als er seinen Freund dort sitzen sieht und ihm durch den Kopf geht Wie lange noch?
Genji platzt wie ein Gewittersturm in ihr Leben und der hämmernde Kopfschmerz wird mit jedem Tag schlimmer, bis Tokio manchmal befürchtet, seinen eigenen Namen zu vergessen.
Ihm gleitet alles durch die Finger, die Zeit verwischt hinter seiner Stirn, ein Streit mit Genji, der vor Wochen stattgefunden hat, passiert genau so noch einmal, ehe Tokio feststellt, dass er wenigstens einen davon nur geträumt hat.
Er ist müde, und bleich, und plötzlich hat er Angst wie noch nie in seinem Leben und er muss Tamao ansehen, jede Stunde, jede Minute am besten, weil er sein Gesicht nicht vergessen will.
Er muss zum Arzt, das weiß er, doch er kann nicht gehen, er kann Tamao nicht alleine lassen, redet er sich ein, und der Schmerz in seinem Kopf fragt ihn heimtückisch, ob es nicht eher so ist, dass er Tamao nicht alleine lassen will, weil er Angst hat, ihn nie wieder zu sehen?
(Natürlich ist es so).
Sie schauen gemeinsam in den Sonnenuntergang, als sich die Angst plötzlich aus Tokios Mund heraus kämpft und er eine ganz und gar gemeine Frage stellt.
"Glaubst du, dass sich die Dinge zwischen uns mal ändern könnten?"
Es ist eine Frage voller Panik und verpasster Chancen und es tut ihm leid, doch er hat Todesangst und Tamao ist der einzige, der ihn retten kann.
Er will gar keine Antwort mehr haben, doch dann sagt Tamao, dass er sich entspannen soll, dass er dafür sorgen wird, dass ihm nichts passiert, dass er immer da sein wird, egal was passiert.
Und Tokio spürt, wie alle Angst in ihm verschwindet, wie die Zweifel ausgelöscht werden und wie der Schmerz in seinem Kopf einen Moment lang schweigt.
Er wird es schaffen. Denn Tamao wird immer da sein.
Als er nach der OP aufwacht, steht sein Monster neben dem Bett, mit Pflastern im zerschlagenen Gesicht und tiefer, endloser Verzweiflung in den Augen.
Tokio lächelt, was eine beschissene Idee ist, weil alle seine Muskeln protestierend aufschreien und in einem heißen Knoten an seinem Hinterkopf zusammenlaufen.
"Hi", haucht er mit ausgedörrtem Mund.
"Ich bin nicht länger König", sagt Tamao ohne Überleitung. Tokio sieht, wie seine Augen über die Verbände und Schläuche huschen, nur damit er Tokio nicht ins Gesicht schauen muss.
Idiot, denkt Tokio und lächelt, egal, wie sehr es wehtut, und dann, weil er gerade erst bemerkt hat, dass er noch am Leben ist, dass alles gut gegangen ist, dass er Tamao wieder vor sich sieht, streckt er die Hand aus und testet, einfach weil er es kann, weil er lebt, seine Grausamkeit.
"Hast du absichtlich verloren?"
Tamao zuckt zusammen und stolpert tatsächlich einen Schritt zurück, seine Hand schießt zu seinem Mund hinauf und zu seinen Augen, weil es ihm wahrscheinlich ähnlich dreckig geht, wie Tokio gerade und Tokio lacht laut auf, als er die Empörung in seinem Blick sieht.
"Du verdammtes Arschloch", keift er und ballt die Fäuste und Tokio würde sich nicht beschweren, wenn er ihm jetzt hier mitten im Krankenhaus eine reinhauen würde. "Nein, hab ich nicht!"
"Weiß ich", beeilt sich Tokio zu sagen. "Genji ist einfach vollkommen irre."
"Ja."
"Hm."
"Und ich bin nicht mehr König."
Er sagt es zum zweiten Mal und Tokio seufzt voller Glück. Er hat genug von Grausamkeit. Er streckt die Hand aus und nickt.
Endlich.
"Komm her."
Und Tamao ist neben ihm, innerhalb eines Herzschlags umschließt er seine Hand mit seinen Fingern, beugt sich vor und küsst Tokio zärtlich auf den Mund.
Soll Genji die Suzuran doch haben, denkt Tokio und schließt die Augen. Er hat ihren König.