[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Morpheus
Challenge: Schreibaufgabe – rückwärts erzählt – fürs Team
Fandom: Tumbling
Titel: Rückwärtssalto
Inhalt: Das Problem zwischen Yuuta Takenaka und Akihiko Tsurumi ist ein typisches: sie lieben sich, aber sie sind nicht gut für einander.
Anmerkung: Spielt nach dem Ende der Serie (Folge 10-11), also Achtung vor Spoilern!


Rückwärtssalto

3.
"Was soll das denn werden?" Akihiko schaut auf, als eine Welle aus Murmelei sein Team erfasst und er folgt den erhobenen Armen und ausgestreckten Zeigefingern, die seinen Blick zur Tribüne führen.

Neben den roten Fahnen und Plakaten ihrer Schulkameraden, die zum Anfeuern mitgekommen sind, tauchen plötzlich neun Jungen in schwarzen Uniformen auf. Zwei von ihnen haben rotgefärbtes und blondiertes Haar und machen einen Riesenradau. Sie ziehen fast alle Blicke auf sich, doch Akihiko findet auf der Stelle den Jungen mit den glattesten, dunkelsten Haaren, der sich gerade hinsetzt, etwas aus seiner Tasche zieht und es zusammen mit seinen Freunden auseinanderrollt.

Es ist ein großes, weißes Plakat, bemalt mit pinken, schwarzumrandeten Zeichen.

"Karasumori für Washizu" steht drauf, und darunter, in krakeliger Schrift mit durchgestrichenen, verbesserten, überschriebenen Teilen: "Gebt euer Bestes!"

Das ganze Gebilde ertrinkt in Glitzer und bunten Farbklecksen und Pailletten und irgendwer hinter Akihiko schnaubt empört und sagt: "Wollen die sich über uns lustig machen, oder was?"

Nein, wollen sie nicht, denkt Akihiko, doch er hält den Mund und schaut weiterhin Takenaka an, bis der ihn endlich in dem Meer aus Köpfen und Polyesterturnanzügen gefunden hat – und ihm zulächelt, sein scheues, schmales Lächeln, was man so leicht für Unehrlichkeit halten kann und was Akihiko schon immer in den Wahnsinn getrieben hat.

Er lächelt trotzdem zurück und hebt seine stille, ruhige Faust zum Gruß.

Vielleicht muss es so sein, denkt er. Dass sie zwar beide hier sind, aber eine ganze Turnhalle Abstand zwischen ihnen liegt.

Akihiko wird ihn nicht überbrücken, aber er freut sich, aufblicken und Takenaka sehen zu können.

2.
Beim Nationalwettbewerb kommt niemand den Gang hinunter, um nach ihm zu sehen und Akihiko hat alle Zeit der Welt, um seine zitternden Hände zu verstecken. Sein Team schaut nicht nach ihm, kein einziger und er will auch gar nicht, dass sie ihn suchen. Seine Schwäche gehört allein ihm und er wird sie mit niemandem teilen.

Er lauscht trotzdem nach dem Geräusch von weichen Schläppchen auf dem rauen Hallenboden, aber nur, weil er seit sechs Jahren an dieses Geräusch gewöhnt ist. An Takenakas eifriges, hastiges Trappeln in der Mittelschule und an die zögerlichen, leisen Anschleichversuche im ersten Jahr der Oberschule, als sie zum ersten Mal zu einem gegnerischen Team gehörten. Im zweiten Jahr wurden sie noch leiser, weil sie bereits am Anfang des Ganges innehielten und nur noch ihr Echo bis zu Akihiko vordrang.

Und dann, in diesem Jahr, vor wenigen Wochen waren die Schritte plötzlich fest und sicher und Takenaka stand vor ihm, mit zersprungenem Puppengesicht und so viel Kraft in den Händen wie noch nie zuvor.

Diesmal kommt Takenaka nicht, sieht Akihiko nach einer Weile ein und ballt die Faust, bis sie nicht mehr zittert. Er wird nicht kommen, weil er nicht hier ist, weil er und sein Team es nicht bis zum Nationalwettbewerb geschafft haben.

Und das ist gut so, denkt Akihiko.

Sie gehören nicht hier her.

Zumindest nicht er und Takenaka zusammen.


1.
Sie haben gewonnen und sie haben exzellente Arbeit abgeliefert – doch Akihiko fühlt sich trotzdem grässlich und als er Takenaka nach dem Vorentscheid sieht, zieht sich sein Bauch schmerzhaft zusammen.

Er weiß nicht so genau, was er ihm überhaupt sagen will, doch er geht trotzdem zu ihm hinüber und dann sprudelt es einfach aus ihm heraus, die ganze Anspannung, die er mit sich herumschleppt und die ihn jedes Mal zu Boden reißt, wenn er Takenaka sieht.

Er sagt ihm, dass er glaubt, dass Takenaka und seine alberne Mummenschanz-Truppe wirklich gute Arbeit abgeliefert haben. Dass sie großartig getanzt haben, dass Akihiko noch nie gesehen hat, wie ein Publikum dermaßen berührt wurde von einer Darbietung.

Und dann schiebt er hastig hinterher, dass er sich nicht ändern wird, weil Takenaka nur schweigt und lächelt, und Akihiko plötzlich das Gefühl hat, sich rechtfertigen zu müssen.
Er könnte heulen vor Wut und er weiß nicht einmal, warum er so wütend ist.

Er dreht sich um und geht und dann ruft Takenaka plötzlich seinen Namen und wünscht ihm viel Glück beim Nationalwettbewerb, weil Takenaka niemals aufgibt und er schon immer der bessere Mensch war.

Akihiko bleibt nichts anderes übrig, als die Faust zu ballen, um das mörderische Zittern seiner Finger zu verbergen und so viel Abstand wie möglich zwischen sich und Takenaka zu bringen.

Ob jemals genug Platz zwischen ihnen sein wird, fragt sich Akihiko.

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