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Team: Morpheus
Challenge: H/C – Gerüchte/Verleumdung – fürs Team
Fandom: Tumbling
Titel: Kampfausrüstung
Inhalt: Taku hat Angst, in die Schule zurückzugehen und seine Freunde versuchen, ihm zu helfen.
Anmerkung: Spielt direkt nach Folge 5, also Achtung vor Spoilern! Gott, war das ein Krampf.


Kampfausrüstung

Sie fahren gemeinsam im Bus zurück und es ist eine sehr peinliche Angelegenheit für alle Beteiligten. Die Mädchen sitzen auf den vorderen Plätzen und Taku richtet den Blick fest auf Yuutas Nacken und sonst nirgendwo hin, während er an den tuschelnden Reihen aus Zöpfen und türkisen Trainingsjacken vorbeigeht, bis sie die hintersten Plätze erreichen.

Taku sinkt in seinen Sitz und rutscht so tief, dass er nur noch die Vorderlehne sehen kann und weil das immer noch zu viel Realität ist, macht er die Augen schließlich ganz zu.

Er kann Yuuta neben sich rumoren hören. Er kramt nach irgendwas in seinem Rucksack und Taku hofft, dass er nicht nach seinem Notizblock sucht. Allein bei dem Gedanken an all den kitschigen Kram, den er dort rein geschrieben hat, wird ihm ganz heiß und er hofft, dass Yuuta die Seiten einfach herausreißen wird, sobald sie wieder zu Hause sind (wenn er das nicht schon längst getan hat).

Taku presst die Augen noch ein bisschen fester zusammen und als er spürt, dass sich irgendwer an ihm vorbei drängt, dreht er den Kopf weg.

"Oh!", sagt der Jemand. Es ist Kiyama. Natürlich ist es Kiyama. Taku öffnet die Augen und starrt direkt in einen besorgten Blick hinein. "Sorry. Hab ich dir wehgetan?"

Taku hat überhaupt keine Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, was für eine wirklich bescheuerte Frage das ist, denn Kiyama reißt sofort die Augen auf, senkt den Kopf und geht hastig weiter. Er zischt irgendwas, was sich sehr nach einem "Tut mir Leid" oder einem "Scheiße!" anhört.

Vor ihnen fängt es wieder an zu tuscheln. Zöpfe wippen auf und ab, Taku hört Gekicher und er würde am liebsten in Yuutas Rucksack kriechen und nie wieder hervorkommen. Vielleicht kann Taku seine Eltern davon überzeugen, dass die Schule asbestverseucht ist und sie dringend umziehen müssen, am besten nach Nicaragua, wo sie keiner kennt. Was man dort wohl spricht? Spanisch? Taku würde auf der Stelle Spanisch lernen, kein Problem.

Auf einmal räuspert sich Yuuta neben ihm. "Kannst du mir einen Stift geben?", fragt er. "Satoshi hat mir ein paar Dinge über unsere Choreo gesagt und wenn ich die jetzt nicht aufschreibe, habe ich das bestimmt vergessen, bis wir zuhause sind."

Was für eine Unverschämtheit, denkt Taku, dass sein bester Freund einfach in seine Auswanderer-Lebenspläne hinein quatscht. Er öffnet den Mund, um ihm zu sagen, dass er keinen Stift hat – und dann fällt ihm der Fehler in seinem Plan auf.

Wenn er nach Nicaragua zieht, dann kann er Yuuta nie wieder sehen. Und auch Wataru und Kaneko nicht. Oder Tsuchiya, der so sehr versucht hat, ihm zu helfen.

Seufzend beugt Taku sich vor und öffnet seinen Rucksack, um nach einem Stift zu kramen. Er kann nicht von seinem Team weg, das geht nicht, nicht nach allem, was sie zusammen durchgemacht haben.

Nicht nachdem Wataru ihm gesagt hat, dass er bleiben muss, nicht nachdem Ryousuke und Nippori sich bei Taku entschuldigt haben, was viel mehr war, als er je erwartet hat, nicht nachdem Kiyama sich schützend vor ihn gestellt hat.

Taku lächelt bei der Erinnerung daran – und dann hält er inne, und starrt auf die Zöpfe der Mädchen vor ihm.

"Was mach ich, wenn sie's rausfinden?", flüstert er und schließt die Augen. "Die anderen in der Schule."

"Hm?", macht Yuuta, doch Taku antwortet nicht mehr. Seine Kehle zieht sich zu. Kiyama wird nicht immer da sein, um ihn zu beschützen und er würde das auch niemals verlangen (er will sowieso nichts mehr mit Kiyama zu tun haben, zumindest so lange, bis es nicht mehr wehtut).

Er könnte das von niemandem verlangen.

Das ist Takus Problem, ganz allein seins.

Und seine Angst.

Er beißt sich auf die Lippen und ballt die Fäuste, bis sich seine Fingernägel in seine Handflächen bohren und er hofft so sehr, dass er nicht anfangen muss zu heulen.

Dann haut ihm plötzlich jemand auf die Schulter.

Taku schreit auf, zuckt zusammen und wirft sein Mäppchen nach oben, sodass Stifte, zwei Lineale und drei Radiergummis auf eine Reise quer durch den Bus gehen. Yuuta duckt sich blitzschnell vor einem Spitzer, der gegen das Fenster knallt.

Aus dem Augenwinkel kann Taku sehen, wie sich alle Köpfe zu ihm herumdrehen. Wenn er jetzt leise von drei runter zählen würde, könnte er genau sagen, wann das Geflüster wieder losgehen würde. Er weiß nicht, wie er das überleben soll, wenn es jeden Tag in den Gängen der Schule so sein wird und bevor er wirklich anfängt zu weinen, richtet er seinen Blick auf seinen Angreifer.

Es ist Wataru. Der Taku angrinst, während Ryousuke und Nippori ihre Gliedmaßen sortieren, weil sie anscheinend direkt in ihn hineingelaufen sind.

"Na?", fragt Wataru. "Alles gut bei dir?"

"Klar", antwortet Taku mit rauer, brüchiger Stimme. Er fühlt, wie sich Yuuta hinter ihm bewegt, wahrscheinlich, um den Spitzer zu retten.

"Gut", sagt Wataru. Und dann grinsen er und Ryousuke, als hätten sie sich abgesprochen und drehen sich zu den Mädchen um.

"EY!"

Alle zucken zusammen und Kashiwagi-sensei, der gerade einsteigen wollte, knallt mit dem Kopf gegen die Tür, als Wataru in voller Lautstärke durch den ganzen Bus brüllt.

Bevor Taku Zeit hat, vor lauter Peinlichkeit einfach zu sterben, hat Ryousuke Luft geholt.

"Könnt ihr mal alle die Klappe halten? Ich hab keinen Bock mehr auf euer Getuschel!"

Schlagartig kehrt Stille ein, als hätten Wataru und Ryosuke (begleitet von Nipporis eifrigem Nicken und Johlen) der Welt den Ton abgedreht. Und anstatt kleiner zu werden und sich vor all diesen Blicken zu verstecken, wie Taku es auf der Stelle getan hätte, scheinen beide nur noch größer zu werden.

Shoko-sensei findet als erste ihre Stimme wieder.

"Nicht in diesem Ton!", brüllt sie zurück. "Setzt euch hin und seid still! Das gilt für alle in diesem Bus!", fügt sie hinzu und Kashiwagi-sensei schließt hastig wieder den Mund.

"Sicher doch!", antwortet Wataru, grinst und geht mit einem letzten Schlag gegen Takus Schulter zu seinem eigenen Platz, dicht gefolgt von Nippori, der vor lauter Aufregung erst einmal Hino auf die Füße tritt.

Als er empört aufschreit, wird er von den Mädchen stumm gezischelt und Taku kann nicht anders, er fängt an zu grinsen und fängt Ryousukes Blick ein. Der Junge zwinkert ihm verschmitzt zu.

"Mach dir keine Sorgen", murmelt er und hält Taku einen seiner verloren gegangenen Bleistifte hin.

Taku greift danach und nickt, während Shoko-sensei Ryousuke mit lauten, bestimmten Worten auf seinen eigenen Sitzplatz befiehlt.

Natürlich wird Taku sich auch weiterhin Sorgen machen, das ist nun einmal seine Art.

Doch dann schaut er auf den Bleistift, den er wie ein Schwert umklammert hält, und Yuuta legt ihm den Spitzer auf den Oberschenkel und lächelt ihm zu.

Natürlich wird er sich Sorgen machen.

Aber vielleicht nicht mehr ganz so viele wie vorher.

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