Challenge: Angst- "Diesmal ist es wirklich vorbei"
Fandom: Naruto
Pairing: Naru/Sas
A/N: Fortsetzung zu "Hilflos". Canon- verse. Am Abend von Narutos Hochzeit. Hemmungslos angstig- kitschig ´xD
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„Diesmal ist es wirklich vorbei“
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Sasuke ist schon ordentlich angetrunken, als sie sich in einer stillen Ecke abseits der übrigen Festgesellschaft treffen, und der andere ist es noch mehr.
„Da bist du!“, Narutos Augen sind glasig, er strahlt dieses übertriebene, fest entschlossene Zähnefletschen das ihn nicht wirklich erreicht, klatscht ihm mit einer Hand auf den Oberarm,
„Ich hab dich echt-... überall... ewig gesucht!“
Sasuke spürt Bitterkeit auf seiner Zunge bei diesem Satz, so als hätte er sich ein klein wenig übergeben, und nimmt einen neuen Schluck Bier, hält pflichtbewusst seine Hand zwischen sie:
„Herzlichen Glückwunsch“
„Ohh, danke, danke! Haha!“, der Blonde greift danach, schüttelt sie und hat plötzlich Tränen in seinen Augen. Die Stimmung kippt.
Auf einmal fällt eine Tonne von Ungesagtem zwischen sie, und Naruto senkt seinen Kopf, lässt seine fröhliche Maske los, reibt sich das Gesicht, seine Lippe zittert.
„Wir... tun doch das Richtige... oder?“
Die Erwiderung liegt Sasuke auf der Zunge.
Er will ihn packen und schütteln und „Idiot“ schreien, aber das würde sich so sehr nach früher anfühlen, damals, als alles noch irgendwie anders war... zwar nicht wirklich -in Ordnung- aber besser als jetzt, irgendwie wenigstens noch mit diesem Hauch von trotziger Hoffnung gegen jede Wahrscheinlichkeit... also schluckt er seine Gefühle und sagt es nicht.
Naruto antwortet sich längst selber:
„Ich-... ich weiß nicht-... alles fühlt sich so komisch an... ich meine, vorher hab ich mir das alles genau vorgestellt-... und ich dachte, wenn ich erstmal Hokage bin-... aber jetzt-.. jetzt ist alles auf einmal so-...“
Er sieht auf, und das Wasserblau in seinen Augen fließt über, und er sieht so verloren aus, dass Sasuke auf einmal dieses Gefühl wieder hat: Schmerz. Er kennt das Gefühl so gut, und er würde gern irgendwas tun, aber er hat keine Ahnung was und oh Gott, jetzt fängt der Andere auch noch an, richtig zu heulen.
Schluchzend sucht Naruto, der Held der Stunde, Halt in Sasukes Armen und auf einmal ist nichts mehr in Ordnung. Er hat ihn noch nie so besiegt, so gescheitert, so hilflos gesehen, und es zerreißt ihm das Herz, er kann die Umarmung nur unbeholfen erwidern und stehen bleiben, während der Andere immer schwerer wird.
„Sasuke...“, heult der andere laut, immer wieder nur sein Name, so wie er das die letzten paar Jahre wohl immer wieder getan hat, und Sasuke steht jetzt zwar direkt vor ihm, aber er muss versuchen, ihn hektisch mit „Schh!“ zu beruhigen, damit all die hohen Tiere der Festgesellschaft, all ihre angeblichen Freunde und Dorfbewohner sie nicht hören und das in einem Skandal endet, nach der ganzen Mühe die sie sich gegeben hatten, diskret zu bleiben:
„Sasuke... ich wollte-... wir, ich-... ich meine wir wollten doch-...“
Da ist der Elefant im Raum und steht vor ihnen. Naruto muss nicht weiter sprechen. Sie beide wissen, was er damit meint, auch wenn sie nie wirklich darüber geredet haben, nicht auf diese Art-... es war alles immer okay für sie beide, sich eine subtile Option offen zu halten, es war okay als verrückte Idee, denn die Möglichkeit, dass feste Entscheidungen dazwischen stehen könnten, war so weit entfernt und so surreal, und jetzt plötzlich...
„Vielleicht war das ein bescheuerter Traum...“, flüstert Naruto, „Vielleicht wollte ich das gar nicht wirklich, vielleicht-... will ich gar nicht dieses- ganze- Dorf... was ist schon so ein ganzes Dorf, ohne-...“
Und es tut weh, Zeuge davon zu sein, wie er, wie ausgerechnet- Naruto- seinen großen Traum unter den Händen zersplittern spürt, nicht weil er ihn nicht erreicht hat, sondern grausamer- weil er ihn erreicht und ihm klar wird, dass Träume manchmal an der Realität sterben. Es tut so weh, ihn mit dieser neuen Frisur zu sehen, die einfach nicht mehr ER ist; pünktlich zur Hochzeit haben sie seine wilde Mähne militärisch kurz geschoren, was nie zu bändigen war, wurde einfach entfernt (typisch Hyuga... wer hatte die Idee? Sie oder ihre Familie?)-... und das ist alles so unerträglich, so surreal, so furchtbar, dass Sasuke ihm instinktiv widerspricht. Er zieht seine Arme fest, hält seinen Kopf ein bisschen zu grob und flüstert ihm ins Ohr dass er Unsinn redet, dass er nur durcheinander ist, dass er ein toller Anführer sein wird, so wie er es sich immer vorgestellt hat, aber tief in seinem Herzen spürt er, dass es nicht stimmt, und er spürt auch, dass Naruto das sehr gut selbst weiß.
„Ich werde alles genau so schlimm machen“, schluchzt Naruto, „Wie all die anderen vor mir-... Shikamaru wäre besser dafür, ich hab... das Gefühl, ich hab jetzt schon so unverzeihliche, dumme Fehler gemacht...“
Sasuke hält ihn fest, und er weiß nicht, ob er versucht Naruto oder sich selbst oder sie beide zu trösten:
„Alles wird gut... Du bist stark. Du hast getan, was du konntest, und jetzt musst du eben tun, was du musst... wir können nicht ewig Kinder bleiben, hm?“
Naruto reißt sich los.
Sturmblaue Augen sind auf einmal wieder so jung, so jung wie er einmal gewesen ist, damals, als Sasuke zum ersten Mal diese Gefühle hatte, die dass ER, von allen Menschen, vielleicht tatsächlich anders sein könnte:
„Warum?!“, bockt er trotzig, ein kurzes Aufbäumen von seinem alten, wilden Geist, „Warum können wir nicht?! Wenn es das ist, was es bedeutet, erwachsen zu werden-...“
Und dann kann er nicht mehr weiter sprechen, weil schon wieder zu viel Tränen kullern und er schluchzt, und Sasuke vergräbt den Kopf in seiner Halsbeuge, weil das alles zu viel ist und er es nicht mehr erträgt ihn so anzusehen.
„Hör auf“, flüstert er, und sein Unterton ist weniger Befehl, mehr inständige Bitte, „Hör auf“
Resolut drückt er ihn von sich, reibt ihm kurzerhand ein paar Tränen weg, atmet durch, fängt sich wieder. Er kann das. Selbstbeherrschung ist das erste, was man ihm beigebracht hat.
„Das ist dein Hochzeitstag“, flüstert er, „Dieses Gefühlschaos, das sind doch nur die Hormone. Es ist normal, Angst zu haben...“, er nimmt den Kopf des Anderen, drückt die eigene Stirn fest an die des Anderen, so fest, bis es auf eine gute Art weh tut:
„Lass uns tapfer sein. So wie früher.“
Naruto bleibt einen Moment wie erstarrt. Und dann greift er ihm in den Nacken, drückt ihre Lippen aufeinander, im nächsten Augenblick hat Sasuke seine Zunge im Mund. Alles ist plötzlich heiß und schrecklich und wunderbar, ihre Körper kämpfen instinktiv gegen- miteinander, harte Griffe, Druck, Zug, Zerren-... schwer atmend, keuchend lösen sie sich nur widerwillig, Sasukes Haut brennt, Narutos Hand ist auf einmal so kühl an seiner Wange, und da ist die erstickte Bekenntnis:
„Ich hab das Gefühl-...“, sagt Naruto leise, wie in stillem Horror vor dem Gedanken, der sich einmal ausgesprochen nicht zurück nehmen lässt, „Von allen Menschen die dir jemals etwas Furchtbares angetan haben-... Danzou, Itachi... Orochimaru... bin ich am Ende der Schlimmste“
Sasuke zuckt zusammen.
Sie halten inne, sehen sich lange an.
Bis Sasuke, aus purer, instinktiver Rebellion die winzige Distanz zwischen ihnen schließt. Er küsst ihn sanft, absichtlich, mit viel Nachdruck und zieht sich langsam zurück.
„Ich bin ein Uchiha“, flüstert er, „... Ich halte eine Menge aus.“
Naruto sieht zu Boden, beschämt, verstört.
„Hey. Das was... wir haben, kann uns niemand weg nehmen. Völlig egal was noch kommt. Es wäre nicht dasselbe, wenn alles auf einmal einfach wäre... oder?“
Seine Lippen zucken in ein verformtes Lächeln.
Naruto macht einen schmerzhaft aussehenden Versuch, das Lächeln zu erwidern, es stirbt auf halbem Weg, stattdessen flüstert er mit einer Stimme, die mitten im Satz bricht, weil er schon wieder weint:
„Ich liebe dich“
Da ist es. Ausgesprochen. Einfach so.
Sasuke ist wie erstarrt, wie unter einem Bannsiegel. Diese Worte hätten so viel Macht haben können, und am Ende bleiben sie einfach wirkungslos.
„Ich-...“, Naruto lacht verzweifelt auf, wirft die Hände in die Luft, „Ich kenn´ sie doch eigentlich gar nicht...! Ich tu das nur-... weißt du-... Neji, es war doch sein letzter Wunsch und-...“
„Geh“, Sasuke hat das Gefühl er kann kein Wort mehr ertragen, schiebt ihn entschieden von sich, flüstert: „Geh schon! Es ist deine Hochzeitsnacht“
Naruto macht Anstalten zu gehorchen-... bleibt aber im letzten Moment nochmal stehen und sagt schniefend die verhängnisvollen, bedeutungsschwangeren Worte, die er vielleicht gar nicht so gemeint hat, die Sasuke aber genau so versteht:
„Pass... bitte auf Sakura-chan für mich auf... würdest du das für mich tun? Ich-... ich möchte nur, dass sie glücklich ist... wenigstens... heute Nacht...?“
Sasuke sieht ihn an. Er hatt das Gefühl als hätte jemand in seine Brust gegriffen und sein Herz ausgepresst, wie eine reife Orange.
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