Angst - Hilflos - fürs Team
Jul. 5th, 2015 08:09 pmTeam: Morpheus
Challenge: Angst – Hilflos – fürs Team
Fandom: Crows Zero
Titel: Platzregen
Inhalt: Tokio und Tamao streiten sich.
Anmerkung: Irgendwann schreib ich mal was total Fluffiges zu den beiden, versprochen. Spielt nach dem ersten Film, also Achtung vor Spoilern!
Platzregen
Er sollte nicht frieren. Es ist immerhin August, vierunddreißig Grad im Schatten und die verdammten, schwülen Regenschauer lassen auch endlich nach.
Es gibt also überhaupt keinen Grund, zu zittern, wenn er hier oben auf dem Dach hockt, im Windschatten der Betonpfeiler, und er seine Jacke bis obenhin zugeknöpft hat.
Tokio nimmt einen Zug von seiner Zigarette und klappert weiter mit den Zähnen.
Scheißwetter. Scheißschule. Scheißoperation.
Vielleicht sollte er wieder reingehen und sich ins Klassenzimmer setzen, da wäre es zumindest wärmer.
Doch wenn er sich entscheiden muss zwischen Arsch abfrieren und vielleicht Tamao über den Weg laufen, dann wird er auf jeden Fall hier oben sitzen bleiben, zur Not bis er erfroren ist.
Scheißtag.
Tokio hebt die Zigarette wieder an den Mund, doch seine Hände zittern so sehr, dass sie ihm plötzlich runterfällt.
"Scheiße", flucht er und schlägt hastig die heiße Asche von seiner Hose und dann, weil er schon mal dabei ist, ballt er die Faust und donnert sie mehrmals gegen den Boden.
Weil alles zu viel ist.
Weil er friert, weil er müde und krank ist und er das alles nicht mehr will.
Mittendrin fängt er auch an zu schreien, doch schon nach wenigen Augenblicken hat er keine Luft mehr übrig und überhaupt, bringt das alles ja auch nichts, außer aufgerissenen Knöcheln und purer Atemnot.
Scheißleben.
Er lässt die Hände sinken und dann hört er, wie die schwere Eisentür, die zum Treppenhaus führt, aufgestoßen wird.
Theoretisch könnte das jeder sein, überlegt Tokio, das Schuldach ist längst nicht mehr das unangefochtene Territorium von Tamaos Armee. Genji treibt sich häufiger hier oben rum, meist mit Izaki im Schlepptau, der anscheinend nirgends mehr ohne ihn hingeht. Oder einer der Zwillinge lässt sich blicken, um zu rauchen und die Möbel kurz und klein zu schlagen. Vielleicht sind es aber auch Tsutsumoto oder Makise oder irgendwer anders, bitte irgendwer, scheißegal…
Natürlich ist es Tamao. Tokio weigert sich den Kopf zu heben, doch er würde das Geräusch seiner Schritte und den Klang seines Atems überall erkennen.
Tokio holt tief Luft, und steht auf, denn er hat keine Lust auf irgendeine Art der Konfrontation, doch plötzlich trifft ihn eine schwere, schwarze Jacke mitten im Gesicht. Reflexartig hebt Tokio die Hand, er verliert das Gleichgewicht und stolpert rückwärts, bis er gegen die Mauer prallt und sehr unelegant auf dem Hintern landet.
Wütend reißt er die Jacke von seinem Kopf herunter und schleudert sie weg. "Sag mal, spinnst du?!", faucht er, doch Tamao, der in kurzen Hosen, einem grünblauen Blümchenhemd und Badelatschen vor ihm steht, ignoriert seinen Blick. Er zündet sich in aller Seelenruhe seine Zigarette an, beugt sich vor und hebt die Jacke auf.
"Mir", sagt er, "ist so beschissen heiß, ich sterbe gleich, Alter."
Dann lässt er sich blitzschnell neben Tokio fallen, den Rücken gegen die Mauer gelehnt.
Tokio presst die Lippen aufeinander, um sich davon abzuhalten, irgendetwas zu sagen. Er sieht, wie Tamao die Jacke auf seinem Schoß drapiert und ihm läuft ein Schauer über den Rücken. Ruckartig dreht Tokio den Kopf weg.
Er könnte aufstehen und gehen, denkt er, Tamao würde ihn wahrscheinlich nicht aufhalten. Doch warum sollte er, er war schließlich zuerst hier oben.
Also beißt er die Zähne zusammen und sagt nichts, während er zuhört, wie sein Herz immer lauter klopft.
Ein paar Augenblicke lang herrscht Schweigen und dann, gerade als Tokio glaubt, dass er es nicht mehr aushalten kann und Tamao anbrüllen will, nimmt Tamao die Zigarette aus dem Mund und sagt langsam und deutlich: "Du bist sauer auf mich."
"Nein."
Es ist ein schnelles, ganz leicht ausgesprochenes Wort und es sollte dafür sorgen, dass Tamao die Klappe hält und Tokio in Ruhe lässt, denn Tokio hat keine Lust auf diese Diskussion. Wieso ist er heute früh nicht im Bett geblieben, wieso ist er in die Schule gegangen, wieso konnte Washio, dieser Idiot, seine verdammte Fresse nicht halten, wieso verdammte Scheiße noch eins hat Tamao ihn nicht zuschlagen lassen!
Tokio öffnet den Mund und atmet angestrengt leise aus.
"Nein", wiederholt er, doch er spürt, dass es zu spät ist. Er beugt sich nach vorne, damit er Tamao auch aus dem Augenwinkel nicht mehr sehen kann, doch er kommt nicht weit.
Eine Hand krallt sich in seine Schulter, verknittert den Stoff seiner Jacke und plötzlich wird Tokio zurückgerissen, sodass er fast mit dem Hinterkopf gegen die Wand knallt.
Tamao starrt ihn an und lächelt sein böses irres Lächeln, während er den Kopf schüttelt.
"Kannst du irgendwann mal aufhören, mich anzulügen, du Arschloch?"
Tokio klappt der Mund auf, doch bevor er irgendwas sagen kann, hebt Tamao die Jacke von seinem Schoß und wirft sie Tokio zum zweiten Mal an diesem Tag entgegen.
"Zieh an", knurrt er.
"Leck mich", faucht Tokio zurück,und es tut ihm weh, weil sie so nicht miteinander umgehen, weil sie nicht so miteinander reden, doch Tamao schaut ihn nicht mal an sondern lehnt sich wieder gegen die Mauer und starrt angestrengt geradeaus.
Er erwartet einfach, dass Tokio sitzen bleibt. Und Tokio will aufstehen, wirklich, er fühlt wie seine Beine kribbeln, weil er genau jetzt jeden Moment aufstehen und endlich, endlich gehen wird, direkt nach Hause, weil das ja anscheinend das Einzige ist, wozu er noch taugt: nutzlos im Bett liegen und darauf warten, dass dieses giftige Geschwür in seinem Kopf aufplatzt und ihn umbringt!
Tokio hebt Tamaos Jacke hoch, presst sein Gesicht hinein und atmet, atmet, atmet.
"Ich bin gesund", flüstert er, erstickt von starrem, schwarzen Stoff, der nach kaltem Rauch und Farbverdünner riecht. "Ich hab überlebt."
Das hat er wirklich. Er war im Krankenhaus und hat die Operation hinter sich gebracht, während Tamao sich draußen im Schlamm gewälzt und die schlimmste Prügel seines Lebens kassiert hat.
Das Geschwür ist weg.
Es kann ihn nicht mehr vergiften.
Und auch wenn er es selbst ab und zu vergisst, wenn ihm ein Schauer über den Nacken läuft, weil ihn die Erinnerung an die Kopfschmerzen erschreckt, dann könnte doch wenigstens Tamao sich daran erinnern, oder nicht?
Langsam hebt Tokio den Kopf und schaut Tamao an.
"Ich bin gesund", wiederholt er.
"Das hast du mir schon mal gesagt", erklärt Tamao. Er hält Tokios Blick einem Moment lang stand, dann seufzt er schwer, und legt den Kopf und sein Lächeln schief. Seine Hand beginnt kleine Linien auf den Boden zu malen, die natürlich unsichtbar sind auf dem staubtrockenen Beton. "Und ich will dir das wirklich glauben", fügt Tamao leise hinzu. "Wirklich."
Es ist so ein kleiner, hilfloser Satz und mit einem Mal wird Tokio noch kälter. Er sagt nichts, weil er nicht weiß, was, und Tamao seufzt erneut.
"Du bist aus dem Krankenhaus raus, ja, aber das heißt nicht, dass du gesund bist."
"Heißt es doch!", murmelt Tokio und zuckt zusammen, als Tamao plötzlich schnaubt, und die Fäuste ballt.
"Macht dir das Spaß?", fragt er. "Mich anzulügen?"
"W-was?"
Und da erst merkt Tokio, worum es hier eigentlich geht, denn Tamao springt plötzlich auf und schaut ihn so wütend an, wie noch nie zuvor.
"Ich reiß mir den Arsch auf, damit dich keiner anpackt!", faucht er. "Ich sorg dafür, dass es dir gut geht und was ist dein Dank? Du machst mich blöd an, du redest nicht mehr mit mir, du haust ab und lügst mich an! Was soll das, Tokio? Was soll das?"
Sie sind es nicht gewöhnt zu streiten, sie haben noch nie miteinander gestritten und deshalb hat Tokio keine Ahnung, was er tun soll. Er starrt Tamao mit großen Augen an und plötzlich hat er Angst davor, in seiner Wut zu ertrinken. Instinktiv strampelt er sich nach oben und baut sich vor Tamao auf.
"Was das soll?", schreit er zurück und er erschreckt sich vor all dieser Kraft, die plötzlich in seiner Lunge steckt. "Du packst mich in Watte! Du traust mir nichts mehr zu und lässt mich nicht mehr zuschlagen! Glaubst du ernsthaft, ich wäre heute Mittag nicht mit Washio fertig geworden? Was bin ich denn für dich? Nutzloser Ballast? Der kranke, schwache Typ, den du mitschleifst, weil du so ein großartiger Kerl bist? Leck mich, Tamao! Ich bin nicht schwach!"
Beim letzten Wort verschluckt er sich. Er hustet und schlägt sich die Faust gegen die Brust und als er den Kopf endlich wieder heben kann, sieht er in Tamaos Gesicht - und erkennt, dass er zu weit gegangen ist.
Zurück schaut nämlich das pure Entsetzen und schrecklicher Verrat.
Tokio gerät in Panik. Er streckt die Hand aus, die er immer noch zur Faust geballt hat.
"Tamao…"
Doch Tamao reagiert nicht. Er beißt den Mund zu, schlägt die Augen nieder, sodass Tokio den Schmerz darin nicht mehr sehen kann und dann dreht er sich um und geht ohne ein weiteres Wort zurück zum Treppenhaus.
Tokio will ihm nachlaufen, ihm wenigstens etwas nachrufen, doch er weiß nicht was, er hat Angst, alles noch schlimmer zu machen.
Hilflos sieht er zu wie Tamao die Tür aufreißt und mit riesigen, eiligen Schritten in der Schule verschwindet.
Was hat er getan.
Challenge: Angst – Hilflos – fürs Team
Fandom: Crows Zero
Titel: Platzregen
Inhalt: Tokio und Tamao streiten sich.
Anmerkung: Irgendwann schreib ich mal was total Fluffiges zu den beiden, versprochen. Spielt nach dem ersten Film, also Achtung vor Spoilern!
Platzregen
Er sollte nicht frieren. Es ist immerhin August, vierunddreißig Grad im Schatten und die verdammten, schwülen Regenschauer lassen auch endlich nach.
Es gibt also überhaupt keinen Grund, zu zittern, wenn er hier oben auf dem Dach hockt, im Windschatten der Betonpfeiler, und er seine Jacke bis obenhin zugeknöpft hat.
Tokio nimmt einen Zug von seiner Zigarette und klappert weiter mit den Zähnen.
Scheißwetter. Scheißschule. Scheißoperation.
Vielleicht sollte er wieder reingehen und sich ins Klassenzimmer setzen, da wäre es zumindest wärmer.
Doch wenn er sich entscheiden muss zwischen Arsch abfrieren und vielleicht Tamao über den Weg laufen, dann wird er auf jeden Fall hier oben sitzen bleiben, zur Not bis er erfroren ist.
Scheißtag.
Tokio hebt die Zigarette wieder an den Mund, doch seine Hände zittern so sehr, dass sie ihm plötzlich runterfällt.
"Scheiße", flucht er und schlägt hastig die heiße Asche von seiner Hose und dann, weil er schon mal dabei ist, ballt er die Faust und donnert sie mehrmals gegen den Boden.
Weil alles zu viel ist.
Weil er friert, weil er müde und krank ist und er das alles nicht mehr will.
Mittendrin fängt er auch an zu schreien, doch schon nach wenigen Augenblicken hat er keine Luft mehr übrig und überhaupt, bringt das alles ja auch nichts, außer aufgerissenen Knöcheln und purer Atemnot.
Scheißleben.
Er lässt die Hände sinken und dann hört er, wie die schwere Eisentür, die zum Treppenhaus führt, aufgestoßen wird.
Theoretisch könnte das jeder sein, überlegt Tokio, das Schuldach ist längst nicht mehr das unangefochtene Territorium von Tamaos Armee. Genji treibt sich häufiger hier oben rum, meist mit Izaki im Schlepptau, der anscheinend nirgends mehr ohne ihn hingeht. Oder einer der Zwillinge lässt sich blicken, um zu rauchen und die Möbel kurz und klein zu schlagen. Vielleicht sind es aber auch Tsutsumoto oder Makise oder irgendwer anders, bitte irgendwer, scheißegal…
Natürlich ist es Tamao. Tokio weigert sich den Kopf zu heben, doch er würde das Geräusch seiner Schritte und den Klang seines Atems überall erkennen.
Tokio holt tief Luft, und steht auf, denn er hat keine Lust auf irgendeine Art der Konfrontation, doch plötzlich trifft ihn eine schwere, schwarze Jacke mitten im Gesicht. Reflexartig hebt Tokio die Hand, er verliert das Gleichgewicht und stolpert rückwärts, bis er gegen die Mauer prallt und sehr unelegant auf dem Hintern landet.
Wütend reißt er die Jacke von seinem Kopf herunter und schleudert sie weg. "Sag mal, spinnst du?!", faucht er, doch Tamao, der in kurzen Hosen, einem grünblauen Blümchenhemd und Badelatschen vor ihm steht, ignoriert seinen Blick. Er zündet sich in aller Seelenruhe seine Zigarette an, beugt sich vor und hebt die Jacke auf.
"Mir", sagt er, "ist so beschissen heiß, ich sterbe gleich, Alter."
Dann lässt er sich blitzschnell neben Tokio fallen, den Rücken gegen die Mauer gelehnt.
Tokio presst die Lippen aufeinander, um sich davon abzuhalten, irgendetwas zu sagen. Er sieht, wie Tamao die Jacke auf seinem Schoß drapiert und ihm läuft ein Schauer über den Rücken. Ruckartig dreht Tokio den Kopf weg.
Er könnte aufstehen und gehen, denkt er, Tamao würde ihn wahrscheinlich nicht aufhalten. Doch warum sollte er, er war schließlich zuerst hier oben.
Also beißt er die Zähne zusammen und sagt nichts, während er zuhört, wie sein Herz immer lauter klopft.
Ein paar Augenblicke lang herrscht Schweigen und dann, gerade als Tokio glaubt, dass er es nicht mehr aushalten kann und Tamao anbrüllen will, nimmt Tamao die Zigarette aus dem Mund und sagt langsam und deutlich: "Du bist sauer auf mich."
"Nein."
Es ist ein schnelles, ganz leicht ausgesprochenes Wort und es sollte dafür sorgen, dass Tamao die Klappe hält und Tokio in Ruhe lässt, denn Tokio hat keine Lust auf diese Diskussion. Wieso ist er heute früh nicht im Bett geblieben, wieso ist er in die Schule gegangen, wieso konnte Washio, dieser Idiot, seine verdammte Fresse nicht halten, wieso verdammte Scheiße noch eins hat Tamao ihn nicht zuschlagen lassen!
Tokio öffnet den Mund und atmet angestrengt leise aus.
"Nein", wiederholt er, doch er spürt, dass es zu spät ist. Er beugt sich nach vorne, damit er Tamao auch aus dem Augenwinkel nicht mehr sehen kann, doch er kommt nicht weit.
Eine Hand krallt sich in seine Schulter, verknittert den Stoff seiner Jacke und plötzlich wird Tokio zurückgerissen, sodass er fast mit dem Hinterkopf gegen die Wand knallt.
Tamao starrt ihn an und lächelt sein böses irres Lächeln, während er den Kopf schüttelt.
"Kannst du irgendwann mal aufhören, mich anzulügen, du Arschloch?"
Tokio klappt der Mund auf, doch bevor er irgendwas sagen kann, hebt Tamao die Jacke von seinem Schoß und wirft sie Tokio zum zweiten Mal an diesem Tag entgegen.
"Zieh an", knurrt er.
"Leck mich", faucht Tokio zurück,und es tut ihm weh, weil sie so nicht miteinander umgehen, weil sie nicht so miteinander reden, doch Tamao schaut ihn nicht mal an sondern lehnt sich wieder gegen die Mauer und starrt angestrengt geradeaus.
Er erwartet einfach, dass Tokio sitzen bleibt. Und Tokio will aufstehen, wirklich, er fühlt wie seine Beine kribbeln, weil er genau jetzt jeden Moment aufstehen und endlich, endlich gehen wird, direkt nach Hause, weil das ja anscheinend das Einzige ist, wozu er noch taugt: nutzlos im Bett liegen und darauf warten, dass dieses giftige Geschwür in seinem Kopf aufplatzt und ihn umbringt!
Tokio hebt Tamaos Jacke hoch, presst sein Gesicht hinein und atmet, atmet, atmet.
"Ich bin gesund", flüstert er, erstickt von starrem, schwarzen Stoff, der nach kaltem Rauch und Farbverdünner riecht. "Ich hab überlebt."
Das hat er wirklich. Er war im Krankenhaus und hat die Operation hinter sich gebracht, während Tamao sich draußen im Schlamm gewälzt und die schlimmste Prügel seines Lebens kassiert hat.
Das Geschwür ist weg.
Es kann ihn nicht mehr vergiften.
Und auch wenn er es selbst ab und zu vergisst, wenn ihm ein Schauer über den Nacken läuft, weil ihn die Erinnerung an die Kopfschmerzen erschreckt, dann könnte doch wenigstens Tamao sich daran erinnern, oder nicht?
Langsam hebt Tokio den Kopf und schaut Tamao an.
"Ich bin gesund", wiederholt er.
"Das hast du mir schon mal gesagt", erklärt Tamao. Er hält Tokios Blick einem Moment lang stand, dann seufzt er schwer, und legt den Kopf und sein Lächeln schief. Seine Hand beginnt kleine Linien auf den Boden zu malen, die natürlich unsichtbar sind auf dem staubtrockenen Beton. "Und ich will dir das wirklich glauben", fügt Tamao leise hinzu. "Wirklich."
Es ist so ein kleiner, hilfloser Satz und mit einem Mal wird Tokio noch kälter. Er sagt nichts, weil er nicht weiß, was, und Tamao seufzt erneut.
"Du bist aus dem Krankenhaus raus, ja, aber das heißt nicht, dass du gesund bist."
"Heißt es doch!", murmelt Tokio und zuckt zusammen, als Tamao plötzlich schnaubt, und die Fäuste ballt.
"Macht dir das Spaß?", fragt er. "Mich anzulügen?"
"W-was?"
Und da erst merkt Tokio, worum es hier eigentlich geht, denn Tamao springt plötzlich auf und schaut ihn so wütend an, wie noch nie zuvor.
"Ich reiß mir den Arsch auf, damit dich keiner anpackt!", faucht er. "Ich sorg dafür, dass es dir gut geht und was ist dein Dank? Du machst mich blöd an, du redest nicht mehr mit mir, du haust ab und lügst mich an! Was soll das, Tokio? Was soll das?"
Sie sind es nicht gewöhnt zu streiten, sie haben noch nie miteinander gestritten und deshalb hat Tokio keine Ahnung, was er tun soll. Er starrt Tamao mit großen Augen an und plötzlich hat er Angst davor, in seiner Wut zu ertrinken. Instinktiv strampelt er sich nach oben und baut sich vor Tamao auf.
"Was das soll?", schreit er zurück und er erschreckt sich vor all dieser Kraft, die plötzlich in seiner Lunge steckt. "Du packst mich in Watte! Du traust mir nichts mehr zu und lässt mich nicht mehr zuschlagen! Glaubst du ernsthaft, ich wäre heute Mittag nicht mit Washio fertig geworden? Was bin ich denn für dich? Nutzloser Ballast? Der kranke, schwache Typ, den du mitschleifst, weil du so ein großartiger Kerl bist? Leck mich, Tamao! Ich bin nicht schwach!"
Beim letzten Wort verschluckt er sich. Er hustet und schlägt sich die Faust gegen die Brust und als er den Kopf endlich wieder heben kann, sieht er in Tamaos Gesicht - und erkennt, dass er zu weit gegangen ist.
Zurück schaut nämlich das pure Entsetzen und schrecklicher Verrat.
Tokio gerät in Panik. Er streckt die Hand aus, die er immer noch zur Faust geballt hat.
"Tamao…"
Doch Tamao reagiert nicht. Er beißt den Mund zu, schlägt die Augen nieder, sodass Tokio den Schmerz darin nicht mehr sehen kann und dann dreht er sich um und geht ohne ein weiteres Wort zurück zum Treppenhaus.
Tokio will ihm nachlaufen, ihm wenigstens etwas nachrufen, doch er weiß nicht was, er hat Angst, alles noch schlimmer zu machen.
Hilflos sieht er zu wie Tamao die Tür aufreißt und mit riesigen, eiligen Schritten in der Schule verschwindet.
Was hat er getan.
no subject
Date: 2015-07-05 06:44 pm (UTC)Ich finde es ganz großartig so als missing scene und irgendwie ... Katalysator für alles, was danach kommt. (Ich stelle mir im Anschluss hieran nämlich eine ewig lange Aussprache vor, in der sie alles sagen, was sie jemals sagen wollte, was ihnen jemals auf der Seele gebrannt hat, all ihre Sorgen und Ängste und jedes einzelne kleine Gefühl, das sie füreinander empfinden, weil Tokio erst im Streit so richtig merkt, was ihm ohne Tamao fehlt - was Tamao umgekehrt natürlich schon längst weiß, weil er wochenlang mit der Angst rumgelaufen ist, Tokio verlieren zu können, und ihn dann fast auf ganz andere (fast vielleicht sogar noch schmerzhaftere) Weise verliert, als er eigentlich gedacht hatte.)
Frieren bei tropischen Temperaturen gefällt mir gut, weil es sooo schön zeigt, dass Tokio wirklich noch nicht gesund ist, egal, was er sagt. Und weil es Tamao so eine wunderschöne nonchalante Einstiegszeile ermöglicht wie:
"Mir ist so beschissen heiß, ich sterbe gleich, Alter."
(FÜR GENAU SOLCHE DIALOGE LIEBE ICH DEINE FICS JA GANZ BESONDERS HART, ALTER.)
Scheißleben.
GROOOOSSARTIG mit diesen Ein-Satz-(Ein-Wort-)Absätzen, WIE SEHR TOKIO EINFACH DONE IST MIT ALLEM ARGH
ICH LIEEEHEEEEBE ES wie Tamao in die Konfrontation einsteigt, weil Tokio ja schon auf 180 ist weil Tamao ihn nicht einfach in Ruhe lassen kann, und dann kommt Tamao mit seiner Seelenruhe und vermutlich aber innerlichen panischen Angst irgendwas zu versauen bei Tokio und wirft ihm die Jacke ins Gesicht weil er nicht weiß was er sonst machen soll weil er nicht weiß wie er mit Tokio umgehen soll weil das eine Situation ist die sie noch nie hatten aLSO BESSER SO NORMAL WIE MÖGLICH ANFANGEN!?!?? ARGH
sagt langsam und deutlich: "Du bist sauer auf mich."
oh Gott oh Gott der sichere Weg, um jemanden, der sauer ist, noch mehr sauer zu machen. LANGSAM UND DEUTLICH UND RUHIG DIE FAKTEN AUF DEN TISCH LEGEN
"Kannst du irgendwann mal aufhören, mich anzulügen, du Arschloch?"
DU ARSCHLOCH ;____________; MEIN HERZ BRICHT
"Leck mich", faucht Tokio zurück, und es tut ihm weh, weil sie so nicht miteinander umgehen, weil sie nicht so miteinander reden
MIR TUT ES AUCH WEH OH GOTT
Tokio hebt Tamaos Jacke hoch, presst sein Gesicht hinein und atmet, atmet, atmet.
DSLKFJLSDFJSLKFJKLSDFSLKFJLÖSKDJFÖLSKDFJKLSDFJKLÖSDFJ
Es ist so ein kleiner, hilfloser Satz
SDLKFJSLKDFLSKÖFLKSDFSDF!!!!!!!!!! Tamao hat bestimmt versucht, das zu üben. Mit ganz erstickter Stimme.
Sie sind es nicht gewöhnt zu streiten, sie haben noch nie miteinander gestritten
*WAILS*
den du mitschleifst, weil du so ein großartiger Kerl bist? Leck mich, Tamao!
MEIN HEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEERZ
Zurück schaut nämlich das pure Entsetzen und schrecklicher Verrat.
OH GOOOOOOTT
Was hat er getan.
*STIBT*
no subject
Date: 2015-07-07 06:46 am (UTC)Frieren bei tropischen Temperaturen gefällt mir gut,
Mir auch. Das war die reinste Wunscherfüllung hier. BECAUSE GUESS WHAT, ICH FRIERE NÄMLICH NICHT. XDD
LANGSAM UND DEUTLICH UND RUHIG DIE FAKTEN AUF DEN TISCH LEGEN
Ich glaube, Tamao hat wirklich keine Ahnung, wie er reagieren soll, wenn er mit jemandem Stress hat und denjenigen aber nicht verkloppen oder wenigstens bedrohen darf (bzw in diesem Fall hier, nicht mal bedrohen will!). Also versucht er das genaue Gegenteil ihrer sonst üblichen Prozedur zu machen... wie man sieht, absolut von Erfolg gekrönt. :D Meister der Worte, TAMAO!
WIE SEHR TOKIO EINFACH DONE IST MIT ALLEM ARGH
Ich fühle ihn auf einer Meta-Ebene, weißte. xD Ich finds so interessant, dass man Tokio im ganzen Film kein einziges Mal sich prügeln sieht (außer in etwas, was ich als Rückblende beschreiben würde, weil er da so funky Haare hat xD), also kein WUNDER wenn sich da massiver Frust aufbaut, wenn sich sonst alle nur darüber definieren, wie fest sie zuschlagen können.
*WAILS*/MEIN HEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEERZ/OH GOOOOOOTT/*STIBT*
ES TUT MIR SO LEID, WIRKLICH, ES TUT MIR SO LEID BUHUUU Q___Q