Am Abgrund

Jun. 6th, 2015 05:12 pm
[identity profile] peterhforalpha.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Criminal Minds
Challenge: Sturzgefahr
Charaktere: Spencer Reid/Derek Morgan
Genre: Angst
Wortanzahl: 800w
Widmung: Für [livejournal.com profile] rei17, weil sie mich zu diesem Ship und besonders zu dieser Serie gebracht hat. Vielen Dank dafür :*


Seine Hände waren vollkommen ruhig. Sein Zeigefinger lag um den Auslöser, sein Daumen hatte gerade die Sicherung gelöst. Er zielte auf den Kopf des Mannes mittleren Alters. Seine Hände waren unglaublich ruhig, während alles andere in ihm vor Panik schrie.
„Lassen Sie ihn los“, versuchte Morgan es erneut. Seine Stimme war bestimmend, aber dennoch nicht einschüchternd. Der Mann sollte nichts Unüberlegtes tun. Zumindest nicht noch mehr, als er bereits schon getan hatte.
Bei jeder kleinen Bewegung bekam Morgan fast einen Herzinfarkt. Der Mann stand genau am Rand des Daches. Nur ein falscher Schritt und er würde in die Tiefe stürzen. Wie schlimm das auch war, Morgan würde damit leben können. Allerdings stand nicht nur das Leben von Mr. Mackenzie auf dem Spiel. Er hatte Reid als Geisel genommen und er hielt seinen Partner so umschlungen, dass Reid keine Chance hätte, sich zu befreien. Sie würden beide in den Tod stürzen.
Morgan versuchte ganz vorsichtig etwas näher an die Beiden heranzukommen. „Mr. Mackenzie, hören sie zu. Wir sind keine Gefahr-“
„Bleiben Sie stehen. Genau da!“ Mr. Mackenzie fuchtelte mit der Hand herum und deutete mit der Pistole genau auf Morgan. „Keinen Schritt näher.“
Mr. Mackenzie bewegte seinen Fuß nach hinten, um zu verdeutlichen, was sonst passieren würde. Morgan blieb direkt stehen und hob sogar noch seine Arme hoch. Er wollte so wenig wie möglich als Bedrohung herüberkommen. „Lassen sie uns reden.“
“Worüber?“
„Über ihre Frau“, mischte sich Reid ein. “Sie konnten sie nicht beschützen, stimmt’s?”
Morgan fluchte innerlich und hätte Reid am liebsten den Mund zugeklebt. Man sollte diesen Mann nicht zu sehr bedrängen, nicht wenn Reid in einer solchen Situation war. Aber Morgan konnte nichts dagegen tun. Wenn sich Reid etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann setzte er es auch durch. Außerdem konnte er ihm nun schlecht widersprechen, ohne alles nur noch viel schlimmer zu machen.
„Sie haben zugesehen, wie sie abgestürzt ist. Sie hat ihren Namen geschrien, um Hilfe gefleht, aber sie kamen nicht mehr rechtzeitig an sie heran. Sie konnten nur noch zusehen, wie sie in die Tiefe stürzte, die Hand nach ihnen ausgestreckt.“
„Sei still!“ Mr. Mackenzie verstärkte den Griff um Reid und Morgan wurde nur noch unruhiger. Er überlegte fieberhaft, wie er helfen konnte.
Wie Reid war, redete er einfach weiter: „Diese ganzen Menschen. Sie wollten sie nicht verletzen. Sie wollten ihnen helfen. Sie wollten sie retten.“ Reid schluckte schwer, als er plötzlich die Pistole gegen seinen Hals gedrückt spürte. „Ich verstehe sie.“
„Dann weißt du auch, dass es noch eine Person gibt, die ich retten muss.“
Reid nickte, zumindest soweit es ihm möglich war. Die Richtung, die die Konversation einschlug, gefiel Morgan ganz und gar nicht. Wer war diese letzte Person? Wenn er Reid damit meinte, würde Morgan den Mann eigenhändig umbringen.
„Gut.“ Mr. Mackenzie ließ die Waffe sinken. Sein Griff um Reid lockerte sich etwas, aber er war noch immer zu fest, als dass Reid seinen Gegner einfach abschütteln könnte. Morgan war fast nun soweit, dass er überlegte, einfach nach vorne zu preschen und Reid zu schnappen. Mit dem gelockerten Griff könnte er sogar Erfolg haben. Die Waffe war auch keine Bedrohung mehr und im Moment schien es die einzige Möglichkeit zu sein, Reid zu helfen.
Reid allerdings schüttelte den Kopf, als ob er seine Gedanken gelesen hätte. Wieder einmal verfluchte er seinen Partner leise. Morgan wollte ihm doch nur helfen. Und mit jeder Sekunde die Reid so nahe am Abgrund stand, stiegen die Ungeduld und die Panik. Morgan konnte nicht mehr einfach tatenlos zusehen. Allerdings wusste er auch, dass er seinem Partner vertrauen musste, deshalb blieb er stehen und wartete noch ab. Reid schien scheinbar einen Plan zu haben.
„Vielleicht können sie diese letzte Person auf einem anderen Weg retten, Mr. Mackenzie“, sagte Reid. „Sie müssen nicht fallen.“
„Wenn man fällt, steht man wieder auf“, war die einzige Antwort darauf und nach einer kleinen Pause fügte er noch hinzu: „Vielen Dank, Dr. Reid.“
Morgan beobachtete, wie Mr. Mackenzie Reid losließ und sich nach hinten fallen ließ. Genau im gleichen Moment stürzte Morgan nach vorne und packte Reid am Pullover, um ihn zu sich zu ziehen. Er wollte nicht das Risiko eingehen, dass er vielleicht aus irgendeinem Grund noch das Gleichgewicht verlieren würde. Seine freie Hand legte er in Reids Nacken und drehte seinen Kopf zu sich herüber. „Bist du okay, Kid?“
Reid nickte nur. „Ja, alles okay.“
Morgan klopfte ihm auf die Schulter und wandte sich dann dem Gebäuderand zu. Er ging vorsichtig einen Schritt näher und lugte nach unten. Mr. Mackenzie lag mit verwinkelten Gliedmaßen auf der Straße. Morgan atmete tief ein, als ihn der Gedanke erwischte, dass es Reid hätte sein können. So trat er wieder zurück und schlang einen Arm um seinen Partner. Er drückte Reid fest an sich. „Tu das nie wieder“, sagte er mit gebrochener Stimme.
„Versprochen.”

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