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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Tumbling
Challenge: Prügelstrafe
Charakter: Tsukimori Ryôsuke... die anderen *hust*
Wörter: ~1800

Anmerkung: Es ist mein erster Versuch mit tumbling. Möglich, dass ich was durcheinandergeschmissen habe oder falsch erinnere. Seht es mir also bitte nach.
Außerdem: Rei ist schuld! XD


Langsam kroch die feuchte Kälte der Nacht durch seine Schuluniform. Sie war vorher schon nicht im besten Zustand gewesen, aber jetzt konnte er sie wohl nur noch wegwerfen. Es war dieser widersinnige Gedanke, der ihm durch den Kopf schoss, als er sich aufrappelte und die Zähne zusammen biss.
Er würde nicht weinen. Sie hatten ihn noch lange nicht so weit gebracht, dass er weinte.
Mit einem unterdrückten Aufkeuchen krümmte er sich zusammen. Okay, vielleicht würde er doch weinen, aber ganz sicher nicht hier. Blind tastete er nach einem Halt und fand einen Zaun. Mühsam krallte er seine Finger in die Maschen und zog sich auf die Beine.
Wimmernd. Aufstehen war keine gute Idee. Aber hierbleiben konnte er ja auch nicht.
Probeweise sah er sich um, was nicht nur wegen der Dunkelheit nicht ganz einfach war. Ein Auge fühlte sich nicht ganz richtig an. Aber er brauchte jetzt beide Hände, um auf den Beinen zu bleiben und das andere Auge tat langsam wieder seinen Dienst. Wohl nur der Kreislauf.
Auch der Boden wurde wieder zu einer festeren Angelegenheit und fühlte sich nicht mehr an, als gäbe es gerade ein Erdbeben. Oder es hatte eins gegeben, er war sich nicht ganz sicher.
In einiger Entfernung war eine Laterne, deren Licht in einer Pfütze ein Stück entfernt reflektiert wurde. Also musste es geregnet haben. Das eklärte, warum seine Haare ihm so feucht in der Stirn klebten. Wenigstens hoffte er das.
Sehr vorsichtig ging er am Zaun entlang. Sein Fuß schmerzte, seine Rippen sowieso und sein Kopf. Wenn ihm nur nicht so schwindelig wäre... Er biss seine Zähne so fest zusammen, dass es wehtat. Der Kiefer hatte also auch etwas abbekommen. Er konzentrierte sich auf diesen Schmerz, um den Kopf wieder klarer zu bekommen. Es war ein weiter Weg bis nach Hause. Er kannte ihn im Schlaf, schließlich er war ihn auch schon oft genug mitten in der Nacht gegangen und das nicht immer voll zurechnungsfähig. Das würde wieder einen Ärger geben, wenn seine Eltern mitbekamen, in welchem Zustand er war. Ihm war das egal. Er hatte keinen Bock auf die Scheinheiligkeit seiner Eltern, mit der sie seine Existenz behandelten. Aber wenigstens bemerkten sie ihn dann.

Ryôsuke saß kerzengerade im Bett. Von draußen drang sanftes Dämmerlicht durch eine Ritze in den Vorhängen herein und er hörte das morgendliche Lied der Vögel. Der Welt war es egal, dass er gerade einen Alptraum der allerübelsten Sorge gehabt hatte. Einen, der ihn bis weit in den Tag hinein begleiten würde.
Durch seine Zimmertür hörte er, wie seine Eltern miteinander redeten. Sein Vater fuhr jeden Montag früh nach Tokyo zur Arbeit und würde entweder eine oder zwei Wochen nicht wieder hier auftauchen. Seine Mutter war allein mit ihm und zwei jüngeren Geschwistern. Die kleinen Engel, die niemals etwas falsch machen konnten.
Nun ja, sie waren auch meistens brav.
Kein Wunder, dass er kaum mehr hier war.
Als er in jener furchtbaren Nacht heimgekommen war, musste irgendetwas in der Toleranzgrenze seiner Mutter gerissen sein. Sie war aus dem Schlafzimmer gekommen, als er reingekommen war. Wortlos hatte sie ihn angesehen und sich dann wieder umgedreht. Ryôsuke wusste genau, er hätte sie grob zurückgewiesen, wenn sie versucht hätte, mit ihm zu reden. Warum er sich immer wieder in Schwierigkeiten brachte. Das war danach nie wieder vorgekommen. Sie hatte nur seine ruinierten Klamotten eingesammelt und ihn ansonsten ignoriert. Eine Weile lang hatte er ernsthaft befürchtet, dass sie ihn wegschicken würde. Aber das war nicht geschehen. Irgendwann hatte er es sich sogar gewünscht.
Er wartete, bis es wieder ruhiger in der Wohnung geworden war und keine halbe Stunde später war er schon unterwegs. Viel zu früh, um zur Schule zu gehen, aber man musste eben seine Tricks entwickeln, um der Familie aus dem Weg zu gehen. Seine Mutter würde jetzt die kleinen Geschwister wecken, damit sie vor der Schule noch ein vernünftiges Frühstück bekamen.
Langsam ging er zum Strand, wo normalerweise wenigstens einer der anderen aus dem Team schon trainieren würde. Wataru aber wohl eher nicht. Der musste am Wochenende jetzt immer im Restaurant aushelfen. Zwar hatte er lautstark protestiert, aber niemand widersprach Natsuko-san. Vor allem nicht Wataru.
Es war Nippori, der zusammen mit Hino Dehnübungen machte. Die beiden waren ein merkwürdiges Gespann. Ryôsuke setzt ein fröhliches Lächeln auf und kam näher. „Guten Morgen. Was hat euch denn aus dem Bett getrieben?“ Er ließ erst seine Tasche in den Sand plumpsen und dann sich selbst.
„Wir nehmen unser Training ernst“, erklärte Hino etwas pikiert. „Nächstes Schuljahr müssen wir in Topform sein.“
Ehrgeizige Nervensäge, dachte Ryôsuke amüsiert. Er könnte natürlich mitmachen. Könnte. Im Moment hatte er aber eher das dringende Bedürfnis nach einer Zigarette. Schon hier so ruhig sitzen zu bleiben war schwierig genug. Abrupt sprang er auf. Er warf Nippori und Hino noch ein „Bis später“ hin und machte sich dann auf den Weg in die Schule. Training war keine schlechte Idee. Nur auf Gesellschaft hatte er jetzt keine Lust.
Allerdings hätte er es direkt besser wissen sollen. Natürlich war er in der Halle nicht allein, nicht eine Stunde vor Unterrichtsbeginn. Yuuta und Mizusawa übten eine Figur, während Satoshi neben der Matte sitzt und Verbesserungsvorschläge anbringt.
Und natürlich bemerkt Satoshi ihn und ruft strahlend: „Tsukimori-senpai! Guten Morgen!“
„Uhm... morgen...“ Er schielt zu den anderen beiden, die wieder auf ihre Füße kommen. „Ich ziehe mich eben um.“ Es war klar, dass er um Gesellschaft jetzt nicht herumkam. Und der Sport würde seine Aufmerksamkeit wenigstens genug auf sich ziehen, dass er nicht mehr herumgrübelte. Oder eher: Krampfhaft damit beschäftigt war, es nicht zu tun.

Das funktionierte genau bis Samstag. Klar, er hätte auch die ganze Zeit bei Wataru rumhängen können und ihm dabei zuschauen, wie er von Natsuko-san herumkommandiert wurde, aber wieder war da diese Unruhe. Wataru würde es bemerken und wissen wollen, was los war. Weil Wataru es immer bemerkte. Und er jeden Vorwand, sich vor der Arbeit drücken zu können, begeistert ergreifen würde. Nein. Bevor Wataru seinetwegen Ärger bekam, drehte Ryôsuke lieber eine Runde.
Vielleicht war das nicht die beste Idee, letztes Mal wäre er beinahe Akabane in die Arme gelaufen und der hatte eine etwas zu große Vorliebe für Eisenstangen entwickelt. Außerdem würde Wataru ausrasten. Der nahm es immer so persönlich, wenn irgendjemand in seinem Umfeld verletzt wurde. Ryosuke kickte eine leere Dose zur Seite.
„Ryô-kun... lange nicht gesehen.“
Innerlich gefror Ryôsuke zu Eis. In den Hosentaschen ballte er beide Hände zu Fäusten und sah auf. Vor ihm war niemand. Nach links.
„Ein lahmerer Spruch ist dir wohl nicht eingefallen, oder?“ Es waren drei. Mindestens. Und Ryôsuke wusste, dass die nicht aufhören würden, wenn sie merkten, dass ihr Opfer sich nicht wehrte. Wenn er schnell genug war, könnte er es zurück... nein. Dann würde Wataru mit hineingezogen und das war das letzte, was er wollte. Wataru würde wissen wollen, wer die Typen waren... was passiert war. Und genau das würde er ihm nicht sagen. Konnte es einfach nicht.
„Du hast nicht dazugelernt, oder? Man reißt die Klappe nicht so weit auf.“
Die Zahl erhöhte sich auf vier und Ryôsuke wich nun doch einen Schritt zurück.
„Okay, okay...“ Abwehrend hob er die Hände und sah sich nun doch nach einem Fluchtweg um. Vielleicht war Wataru doch das kleinere Übel.
„Willst du dich nicht entschuldigen?“, fragte der Wortführer und Ryôsuke schluckte. Es ging ihm gegen den Strich, aber vielleicht hatte er ja doch noch eine Chance, in einem Stück nach Hause zu kommen. Einfach den Kopf unten und sein großes Mundwerk geschlossen halten. Mit einer tiefen Verbeugung sagte er: „Tut mir Leid, Takano-senpai.“ In einiger Entfernung fuhr ein Auto vorbei. Stimmen näherten sich, aber Ryôsuke machte sich da keine Hoffnungen, ein Yankee, der sich ganz offenbar in Schwierigkeiten gebracht hatte, interessierte hier niemanden.
„Schon besser.“ Takanos Stimme klang nun näher. Um genau zu sein, direkt vor ihm und Ryôsuke richtete sich wieder auf. In letzter Sekunde bemerkte er den Schlag und wich aus. Er war wendiger als früher und Takano war sowieso nie der schnellste gewesen. Oder der Hellste. Leider war er aber nicht allein und den Stoß von hinten sah Ryôsuke nicht kommen. Zwar schaffte er es, den Sturz abzufangen, aber Takano hatte schon das Knie gehoben, das Ryôsukes Kiefer zum Glück nur streifte. Er war sich jedenfalls sicher, dass er ansonsten den einen oder anderen Zahn eingebüßt hätte. Man konnte über Takano sagen was man wollte, aber er war stark. In Ryôsukes Gesicht explodierte der Schmerz, aber er rollte sich vom Boden ab und war schon dabei, wieder auf die Beine zu kommen, als jemand ihn von hinten packte und festhielt. Obwohl es wenig Sinn machte, versuchte er sich zappelnd zu befreien, aber wurde nur dadurch belohnt, dass Takano ihm die Faust in die Magengrube versenkte. Einige Sekunden lang schien Ryôsuke die Luft wegzubleiben und sein Abendessen war kurz davor, den Rückweg anzutreten. Die Aussicht, Takano auf die Schuhe zu kotzen hatte zwar was, aber Ryôsuke war sich ziemlich sicher, dass er das nicht überleben würde.
Mit einem schraubstockartigem Griff umfasste Takano Ryôsukes Kinn und zwang ihn, ihn anzusehen. In der Dunkelheit der Seitenstraße konnte Ryôsuke sein Gesicht nicht besonders gut erkennen, aber er war in der Mittelschule lange genug in seiner Gang gewesen um zu wissen, dass Takano den Moment genoss. Schwächere fertig zu machen, schien immer noch sein Lebensinhalt zu sein, das hatte sich wohl nicht geändert.
„Ich hab gehört, du machst jetzt so nen Homosport...“
Ryôsuke wusste, er sollte seinen Mund halten. Aber die Worte kamen viel zu schnell: „Und darum stattest du mir nen Besuch ab? Willst du etwa mitmachen?“
Diesmal übergab er sich wirklich, als der schon zu erwartende Schlag in den Magen kam. Takano zog es immer vor, dorthin zu schlagen, wo es nicht sofort zu sehen war. Die Sache mit dem Kiefer war eher die Ausnahme und Ryôsuke wäre wohl darüber erleichtert, wenn er nicht genau wüsste, dass es trotzdem auffallen würde, wenn er voller blauer Flecken zum Training kam. Und schlimmerem. Es blieb eher selten bei ein paar Blutergüssen, wenn Takano einen als Boxsack missbrauchte.
Irgendwann aber war es vorbei und er wurde losgelassen. Eine Sekunde schaffte er es, auf den Beinen zu bleiben, dann sank er auf die Knie. Noch ein letzter, harter Tritt in die Seite, dann gingen sie. Trotzdem blieb Ryôsuke noch ein paar Sekunden auf dem Boden sitzen. Einmal, weil er nicht riskieren wollte, dass sie zurückkamen, wenn sie der Meinung waren, dass sie bei der Abreibung nicht gründlich genug gewesen waren, aber vor allem deswegen, weil er seinen Beinen nicht traute.
Verdammte Scheiße, es war in letzter Zeit doch alles so gut gelaufen, wieso musste ihn der beschissenste Teil seiner Vergangenheit ausgerechnet jetzt einholen?

Date: 2015-06-05 09:39 am (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
OH GOOOOTTT LUINA WARUUUUM??? T__________T
Das ist ja grauenhaft!
Ich meine, es ist toll und intense, aber OH GOOOOTT!!!
WARUM
TUST
DU
MIR
DAS
AN ??????
(Besser gefragt wieso tust du ihm das an? ;__; )
Mein armes Häschen ....
Es ist so schön beschrieben und es geht einem wirklich wirklich unter die Haut ... ugh.... auf eine ganze tolle, schmerzhafte Art und Weise. Es ist brutal und intensiv und tut weh und ich habe beim Lesen eigentlich nur gelitten. Und gehofft, dass endlich Wataru auftaucht.
WEIL OMG WATARU WÜRDE DOCH WAS MERKEN! ER HAT "FRIENDS-SENSES", er hat auf jeden Fall BEST FRIEND-SENSES und die müssen doch gerade tinglen wie verrückt .. ;__;
Mach es wieder gut, bitte? ;__;

Abgesehen davon, dass ich leide wie ein Tier: Es war wundervoll! *___* T____T

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