Adventskalender: 24. Türchen
Dec. 24th, 2014 10:10 amTitel: Junk-Food for Christmas
Challenges: #1 Schneegestöber an Heiligabend / #2 Familienfeiern und andere Krisenherde / #3 "Das kann man auch umtauschen!"
Wörter: 1760
Warnings: unbetaed, uncorrected
Kommentar: Leider hab ich nicht ganz so viel Zeit zum Schreiben gehabt, wie ich gerne wollte - und noch weniger Konzentration. Meine Tochter hat ein neues Spielzeug bekommen und in meinem Kopf schwirren nun lauter Kinderlieder und Melodien herum >.< (Aber sie ist ein kleiner Engel XD) Deshalb sorry, wenns ein bisschen abgehackt klingen sollte und ich wünsche allen, allen ein richtig frohes Fest mit keinen Katastrophen.
Junk-Food for Christmas
"Oh the weather outside is frightful, but the fire is so delightful, and since we have nowhere to go, let it snow, let it snow, let it snow..." Nicodemus hätte gerne sofort wieder umgedreht, als er ins Wohnzimmer kam und dort seine Schwester und seine Mutter aus vollem Hals ausgerechnet dieses Weihnachtslied sangen. So wirklich hatte sich bei ihm die Weihnachtsstimmung noch nicht eingestellt, was sicher nicht an ihm lag. Es war alles einfach immer zuviel und jedes Jahr wurde es mehr.
Schon als das erste Lied im Radio angekündigt hatte, dass wieder diese Zeit im Jahr angebrochen war, hatten seine Ohren von den Liedern gedröhnt und seine Augen sich vom schummrigen Lichterketten irritiert gefühlt.
Was hatte das noch großartig mit Weihnachten zu tun?
"Ah Nico! Du bist doch so ein Riese! Hilfst du uns mal?"
Zu spät. Seine Mutter, die wohlgemerkt auf einer kleinen Trittleiter stand, hatte ihn bereits bemerkt. Er fragte sich, was er also nun großartig machen sollte. Dass er der größte in der Familie war, hatte sich bisher immer als Nachteil erwiesen. Ständig hieß es: Nico du bist groß, hol mir das bitte aus dem obersten Regal, Nico du bist doch so riesig, mach bitte die Oberluke zu, oh Nico halt das mal in die Höhe, damit ich besseres Licht hab.
Als wäre er zu nichts anderem zu gebrauchen.
Aber er lächelte - wie immer eigentlich - und tat, um was man ihn bat. "Was kann ich für euch tun?", fragte er also, als er herangetreten war und seine Mutter reichte ihm sofort den goldenen Stern, der an die Baumspitze gehörte. Warum es immer so ein riesiger Baum sein musste, war ihm auch schleierhaft, aber er nahm es hin, tauschte mit seiner Mutter Platz auf der Trittleiter und befestigte den Stern mit etwas Mühe an dem Baum.
"Und das hier häng bitte auch oben hin", bekam er sogleich sämtlichen anderen Baumbehang in die Hände geschoben, sodass ihm gar keine andere Wahl blieb, als beim Baumaufputz zu helfen. Eigentlich hatte er etwas anderes vorgehabt.
"Nach so vielen Jahren gibt es heute endlich wieder einmal weiße Weihnachten", tönte der Moderator aus dem Radio und der Co-Moderator lachte. "Das ist wohl das einzig positive an Sturmtief Klaus", merkte er an. Schon seit gestern gingen die Warnungen raus, dass haufenweise Schnee an Heiligabend fallen sollte. Das wiederum hieß, dass er an Weihnachten wirklich hier festsaß, obwohl er eigentlich zu seiner Freundin fahren wollte. Die war ihm wesentlich liebere Gesellschaft, musste aber leider arbeiten.
Dabei hätte sie natürlich gut andere Mitarbeiter die Schicht übernehmen lassen können, aber dazu war sie einfach zu nett und hatte ihren Angestellten ermöglichen wollen, zu Weihnachten frei zu haben.
Dafür musste sie als Chefin den Laden hüten - ausgerechnet bei Schlechtwetter. Nico hatte ihr also Gesellschaft leisten wollen und seiner eigenen persönlichen Hölle ein wenig entgehen.
Aber wie jedes Jahr schien sich das eher schwierig gestalten. Er wollte sich nicht rechtfertigen müssen und er wollte seiner Familie nicht vor den Kopf stoßen. So jemand war er nicht, auch wenn er alt genug war, seine eigenen Entscheidungen zu treffen.
Demnach blieb ihm nichts anderes übrig, als auf seine Chance zu warten, einen guten Grund zu haben, noch einmal loszuziehen.
"Was riecht hier?", fragte sein Vater als dieser mit einem Arm voll Holzscheite wieder ins Haus kam, um für ordentlich Nachschub beim Kaminfeuer zu sorgen.
"Oh nein! Der Truthahn!" Seine Mutter schlug einen Moment die Hände vor den Mund, bevor sie in die Küche rauschte. Nicodemus, sowie der Rest der Familie folgte ihr in unheilvoller Vorahnung: Der Truthahn war verbrannt.
Es war gemein, aber er hätte trotzdem fast angefangen zu lachen. Das kam davon, wenn man sich zu sehr bemühte und zuviel wollte.
Aber er hielt sich zurück, zu amüsiert über diese Sache auszuziehen, da alle anderen eher bestürzt und ratlos wirkten. Für seine Mutter war das natürlich der Untergang von Weihnachten.
"Ich fahre los und besorge für uns etwas zu essen", schlug Nico vor, auch wenn er im Grunde bei diesem Mistwetter nicht fahren wollte, aber das war DIE Chance und die wollte er nicht ungenutzt lassen. Aber seine Familie hörte ihm kaum zu. Sollte ihm auch Recht sein. Wenn er wieder zurückkam und entsprechend Essen mithatte, würden sie ihn schon früh genug wieder registrieren.
Also verließ er die Küche und begann sich warm anzuziehen. Draußen war es kalt, das hatte er seinem Vater angesehen und tatsächlich biss ihn ein eisiger Wind sofort in die Nase. Nur aufhalten konnte ihn das heftige Schneegestöber nicht, als er seinen Wagen so gut es ging vom Schnee befreite und dann losfuhr.
Für den Weg zum Burgerland brauchte er länger als sonst. Die Straßenräumfahrzeuge schienen nicht hinterherzukommen, den fallenden Schneemassen Herr zu werden und entsprechend rutschig waren auch die Fahrbahnen. Aber wenigstens waren die Hauptstraßen soweit einigermaßen gut geräumt.
Als er sich am Parkplatz des Fastfood-Ladens einparkte, kündigte der Verkehrsfunk an, dass Teile der Zufahrtsstraßen vorübergehend gesperrt wurden und wer nicht unbedingt hinausmusste, sollte lieber zu Hause bleiben. Tja, dafür war es jetzt zu spät und er war schon gespannt, wann er nach Hause fahren konnte.
Er stellte den Motor ab und stieg aus. Schnell betrat er den Laden und schüttelte sich sofort die Schneeflocken ab. Außer ihm war niemand sonst hier und er lächelte breit, als er seine Freundin hinter dem Verkaufsthresen gelangweilt am Smartphone spielen fand.
"Du solltest wenigstens die Türglocke aktivieren, wenn du am Handy rumspielst", merkte er amüsiert an und sofort hob Sarah den Kopf. Ein strahlendes, sichtlich erfreutes Lächeln breitete sich auf ihrem hübschen Gesicht auf. "NIC!", verlieh sie auch gleich ihrer Freude Ausdruck und kam hinter den Thresen hervor und fiel ihm in die Arme. Sie war offensichtlich über seine Anwesenheit mehr erbaut als seine Familie, die ihn immer nur dann zu registrieren schien, wenn sie seine Größe ausnutzen wollten.
Liebevoll schloss Nico seine Arme um seine Freundin und meinte scherzend: "Ich hoffe doch nicht, dass du alle Kunden so überschwänglich begrüßt."
"Kunden? Siehst du hier irgendwo Kundschaft?", fragte Sarah darauf und deutete eine ausladende Handbewegung an. "Bei dem Wetter kommt doch niemand", beschwerte sie sich.
"Ich bin da", merkte Nicodemus mit einem Lachen in der Stimme an.
"Du zählst nicht! Du schläfst mit der Chefin", schoss Sarah zurück und brachte Nico damit entgültig zum Lachen.
"Du solltest mich nicht auf dumme Ideen bringen", meinte er schließlich und küsste Sarah liebevoll. Dann wurde er allerdings etwas ernster: "Aber ich versteh immer noch nicht ganz, warum du nicht einfach zusperrst. Es ist heiliger Abend und die meisten Straßen sind gesperrt. Es ist unwahrscheinlich, dass du den Umsatz deines Lebens machen wirst."
Sarah seufzte. "Ja, das hab ich auch schon überlegt. Aber ich dachte, nachdem ich sowieso nichts anderes zu tun hab, kann ich genauso gut hier rumlungern und vielleicht noch was verdienen."
Sanft fuhr Nico ihr durch die Haare. "Dann habe ich einen Vorschlag für dich", merkte er an. "Wir sitzen hier zwar noch eine Weile fest, aber sobald die Sperre aufgehoben ist, machen wir ein paar Burger und fahren zu meiner Familie."
"Ich dachte, du hättest schon gegessen?", fragte sie und Nico zuckte mit den Schultern.
Unbeeindruckt erklärte er: "Mutter hat den Truthahn vergessen und ich hatte keine Lust auf Kohle."
"Achso. Wenn du mich einen Moment loslässt, mach ich uns schnell ein kleines Festmahl!", versprach Sarah und obgleich etwas unwillig gab Nico seine Freundin doch frei, die sofort wieder hinter den Thresen verschwand und begann bruzelnd etwas zuzubereiten.
Nicht wissend, was er jetzt großartig tun sollte, während er darauf wartete, dass Sarah zurückkehrte, begann er damit einen Tisch ein wenig festlicher herzurichten. Er breitete einige Servietten als Tischdecke auf und faltete zudem zwei Servietten. Außerdem platzierte er noch den Saucenspender und den Salz und Pfefferstreuer.
Überrascht hob Nico beide Augenbrauen als Sarah ihm eine Kinderbox hinstellte und sich selbst setzte. Sie hatte sich nur einen Teller mit Pommes Frites hingestellt und grinste ihn ein wenig verträumt an. "Frohe Weihnachten, Nic", wünschte sie ihm und Nicodemus hatte sich selten in seinem Leben so reich beschenkt gefühlt.
"Darf ich es denn schon öffnen? Es ist noch nicht Mitternacht", merkte er an und erntete eine leises Lachen.
"Mach schon. Sonst wird der Burger kalt", forderte sie ihn auf und Nico stimmte in das sanfte Lachen ein.
"Jetzt hast du ja meine Überraschung verraten", beschwerte er sich scherzhaft und öffnete die Box. Er holte das Spielzeug, das sich darin befand heraus und beäugte es skeptisch.
Sarah lachte. "Wenn dir dein Geschenk nicht gefällt, kannst du es auch umtauschen", merkte sie an und hielt Nico eins ihrer Pommes vor den Mund. "Vorsicht heiß", warnte sie allerdings, bevor Nico sie am Handgelenk fasste und ihr einen Kuss auf den Handrücken drückte.
"Ich behalte es. Und dich gleich mit", meinte er ernst und fand irgendwie, dass es eins der schönsten Weihnachtsfeste seines Lebens war. Auch wenn es mal keinen Truthahn gab.
Es war kurz nach Mitternacht, als der Sturm etwas nachließ und im Radio angekündigt wurde, dass die Straßensperren großteils wieder aufgehoben waren.
Also half Nico Sarah dabei, für seine Familie einige Burger zusammenzustellen und einzupacken, dass sie gut warm bleiben würden, bevor sie alles ins Auto packten und er noch wartete, dass Sarah ihren Laden abschloss. Er fand, dass die Retterin in der Not diesmal nicht fehlen durfte und Sarah schien nicht unglücklich darüber zu sein, dass er sie überzeugte, zu seiner Familie mitzukommen.
Der Weg ging nun auch wesentlich besser und sie kamen recht bald bei dem großen Haus an. Kaum hatte er die Türe aufgeschlossen und war auch schon lautest Getrampel zu hören und seine Mutter, die sich beschwerte: "Wo zur Hölle bist du gewesen! Hast du überhaupt eine Ahnung, welche Sorgen wir uns um dich gemacht haben?"
Nico war bemüht, die Augen zu verdrehen und hielt seiner Familie die große Tüte mit dem Burgerland-Aufdruck entgegen. "Ich habe uns essen besorgt und einen Gast mitgebracht. Fröhliche Weihnachten."
Es war seine Schwester, die Sarah und ihn daran hinderte, wirklich weiter ins Haus vorzudringen. "Nicht so schnell", grinste sie und nahm Nico das Essen ab. Dann deutete sie nach oben.
"Oh bitte. Musst du diese Mistdinger überall aufhängen?", fragte Nico als er den Mistelzweig entdeckte.
Sarah lachte leise und legte ihm eine Hand auf die Wange. "Also ich finde das nicht so schlecht", raunte sie ihm zu und plötzlich hatte auch Nico nichts mehr gegen die Mistelzweige, als er von Sarah einen zärtlichen Kuss bekam, der sich langsam in die Länge zog.
Dass seine Familie inzwischen daran waren, die noch warmen Burger aus der Tüte zu plündern war ihm dabei vollkommen egal. Er hatte schließlich alles, was er brauchte.
Challenges: #1 Schneegestöber an Heiligabend / #2 Familienfeiern und andere Krisenherde / #3 "Das kann man auch umtauschen!"
Wörter: 1760
Warnings: unbetaed, uncorrected
Kommentar: Leider hab ich nicht ganz so viel Zeit zum Schreiben gehabt, wie ich gerne wollte - und noch weniger Konzentration. Meine Tochter hat ein neues Spielzeug bekommen und in meinem Kopf schwirren nun lauter Kinderlieder und Melodien herum >.< (Aber sie ist ein kleiner Engel XD) Deshalb sorry, wenns ein bisschen abgehackt klingen sollte und ich wünsche allen, allen ein richtig frohes Fest mit keinen Katastrophen.
Junk-Food for Christmas
"Oh the weather outside is frightful, but the fire is so delightful, and since we have nowhere to go, let it snow, let it snow, let it snow..." Nicodemus hätte gerne sofort wieder umgedreht, als er ins Wohnzimmer kam und dort seine Schwester und seine Mutter aus vollem Hals ausgerechnet dieses Weihnachtslied sangen. So wirklich hatte sich bei ihm die Weihnachtsstimmung noch nicht eingestellt, was sicher nicht an ihm lag. Es war alles einfach immer zuviel und jedes Jahr wurde es mehr.
Schon als das erste Lied im Radio angekündigt hatte, dass wieder diese Zeit im Jahr angebrochen war, hatten seine Ohren von den Liedern gedröhnt und seine Augen sich vom schummrigen Lichterketten irritiert gefühlt.
Was hatte das noch großartig mit Weihnachten zu tun?
"Ah Nico! Du bist doch so ein Riese! Hilfst du uns mal?"
Zu spät. Seine Mutter, die wohlgemerkt auf einer kleinen Trittleiter stand, hatte ihn bereits bemerkt. Er fragte sich, was er also nun großartig machen sollte. Dass er der größte in der Familie war, hatte sich bisher immer als Nachteil erwiesen. Ständig hieß es: Nico du bist groß, hol mir das bitte aus dem obersten Regal, Nico du bist doch so riesig, mach bitte die Oberluke zu, oh Nico halt das mal in die Höhe, damit ich besseres Licht hab.
Als wäre er zu nichts anderem zu gebrauchen.
Aber er lächelte - wie immer eigentlich - und tat, um was man ihn bat. "Was kann ich für euch tun?", fragte er also, als er herangetreten war und seine Mutter reichte ihm sofort den goldenen Stern, der an die Baumspitze gehörte. Warum es immer so ein riesiger Baum sein musste, war ihm auch schleierhaft, aber er nahm es hin, tauschte mit seiner Mutter Platz auf der Trittleiter und befestigte den Stern mit etwas Mühe an dem Baum.
"Und das hier häng bitte auch oben hin", bekam er sogleich sämtlichen anderen Baumbehang in die Hände geschoben, sodass ihm gar keine andere Wahl blieb, als beim Baumaufputz zu helfen. Eigentlich hatte er etwas anderes vorgehabt.
"Nach so vielen Jahren gibt es heute endlich wieder einmal weiße Weihnachten", tönte der Moderator aus dem Radio und der Co-Moderator lachte. "Das ist wohl das einzig positive an Sturmtief Klaus", merkte er an. Schon seit gestern gingen die Warnungen raus, dass haufenweise Schnee an Heiligabend fallen sollte. Das wiederum hieß, dass er an Weihnachten wirklich hier festsaß, obwohl er eigentlich zu seiner Freundin fahren wollte. Die war ihm wesentlich liebere Gesellschaft, musste aber leider arbeiten.
Dabei hätte sie natürlich gut andere Mitarbeiter die Schicht übernehmen lassen können, aber dazu war sie einfach zu nett und hatte ihren Angestellten ermöglichen wollen, zu Weihnachten frei zu haben.
Dafür musste sie als Chefin den Laden hüten - ausgerechnet bei Schlechtwetter. Nico hatte ihr also Gesellschaft leisten wollen und seiner eigenen persönlichen Hölle ein wenig entgehen.
Aber wie jedes Jahr schien sich das eher schwierig gestalten. Er wollte sich nicht rechtfertigen müssen und er wollte seiner Familie nicht vor den Kopf stoßen. So jemand war er nicht, auch wenn er alt genug war, seine eigenen Entscheidungen zu treffen.
Demnach blieb ihm nichts anderes übrig, als auf seine Chance zu warten, einen guten Grund zu haben, noch einmal loszuziehen.
"Was riecht hier?", fragte sein Vater als dieser mit einem Arm voll Holzscheite wieder ins Haus kam, um für ordentlich Nachschub beim Kaminfeuer zu sorgen.
"Oh nein! Der Truthahn!" Seine Mutter schlug einen Moment die Hände vor den Mund, bevor sie in die Küche rauschte. Nicodemus, sowie der Rest der Familie folgte ihr in unheilvoller Vorahnung: Der Truthahn war verbrannt.
Es war gemein, aber er hätte trotzdem fast angefangen zu lachen. Das kam davon, wenn man sich zu sehr bemühte und zuviel wollte.
Aber er hielt sich zurück, zu amüsiert über diese Sache auszuziehen, da alle anderen eher bestürzt und ratlos wirkten. Für seine Mutter war das natürlich der Untergang von Weihnachten.
"Ich fahre los und besorge für uns etwas zu essen", schlug Nico vor, auch wenn er im Grunde bei diesem Mistwetter nicht fahren wollte, aber das war DIE Chance und die wollte er nicht ungenutzt lassen. Aber seine Familie hörte ihm kaum zu. Sollte ihm auch Recht sein. Wenn er wieder zurückkam und entsprechend Essen mithatte, würden sie ihn schon früh genug wieder registrieren.
Also verließ er die Küche und begann sich warm anzuziehen. Draußen war es kalt, das hatte er seinem Vater angesehen und tatsächlich biss ihn ein eisiger Wind sofort in die Nase. Nur aufhalten konnte ihn das heftige Schneegestöber nicht, als er seinen Wagen so gut es ging vom Schnee befreite und dann losfuhr.
Für den Weg zum Burgerland brauchte er länger als sonst. Die Straßenräumfahrzeuge schienen nicht hinterherzukommen, den fallenden Schneemassen Herr zu werden und entsprechend rutschig waren auch die Fahrbahnen. Aber wenigstens waren die Hauptstraßen soweit einigermaßen gut geräumt.
Als er sich am Parkplatz des Fastfood-Ladens einparkte, kündigte der Verkehrsfunk an, dass Teile der Zufahrtsstraßen vorübergehend gesperrt wurden und wer nicht unbedingt hinausmusste, sollte lieber zu Hause bleiben. Tja, dafür war es jetzt zu spät und er war schon gespannt, wann er nach Hause fahren konnte.
Er stellte den Motor ab und stieg aus. Schnell betrat er den Laden und schüttelte sich sofort die Schneeflocken ab. Außer ihm war niemand sonst hier und er lächelte breit, als er seine Freundin hinter dem Verkaufsthresen gelangweilt am Smartphone spielen fand.
"Du solltest wenigstens die Türglocke aktivieren, wenn du am Handy rumspielst", merkte er amüsiert an und sofort hob Sarah den Kopf. Ein strahlendes, sichtlich erfreutes Lächeln breitete sich auf ihrem hübschen Gesicht auf. "NIC!", verlieh sie auch gleich ihrer Freude Ausdruck und kam hinter den Thresen hervor und fiel ihm in die Arme. Sie war offensichtlich über seine Anwesenheit mehr erbaut als seine Familie, die ihn immer nur dann zu registrieren schien, wenn sie seine Größe ausnutzen wollten.
Liebevoll schloss Nico seine Arme um seine Freundin und meinte scherzend: "Ich hoffe doch nicht, dass du alle Kunden so überschwänglich begrüßt."
"Kunden? Siehst du hier irgendwo Kundschaft?", fragte Sarah darauf und deutete eine ausladende Handbewegung an. "Bei dem Wetter kommt doch niemand", beschwerte sie sich.
"Ich bin da", merkte Nicodemus mit einem Lachen in der Stimme an.
"Du zählst nicht! Du schläfst mit der Chefin", schoss Sarah zurück und brachte Nico damit entgültig zum Lachen.
"Du solltest mich nicht auf dumme Ideen bringen", meinte er schließlich und küsste Sarah liebevoll. Dann wurde er allerdings etwas ernster: "Aber ich versteh immer noch nicht ganz, warum du nicht einfach zusperrst. Es ist heiliger Abend und die meisten Straßen sind gesperrt. Es ist unwahrscheinlich, dass du den Umsatz deines Lebens machen wirst."
Sarah seufzte. "Ja, das hab ich auch schon überlegt. Aber ich dachte, nachdem ich sowieso nichts anderes zu tun hab, kann ich genauso gut hier rumlungern und vielleicht noch was verdienen."
Sanft fuhr Nico ihr durch die Haare. "Dann habe ich einen Vorschlag für dich", merkte er an. "Wir sitzen hier zwar noch eine Weile fest, aber sobald die Sperre aufgehoben ist, machen wir ein paar Burger und fahren zu meiner Familie."
"Ich dachte, du hättest schon gegessen?", fragte sie und Nico zuckte mit den Schultern.
Unbeeindruckt erklärte er: "Mutter hat den Truthahn vergessen und ich hatte keine Lust auf Kohle."
"Achso. Wenn du mich einen Moment loslässt, mach ich uns schnell ein kleines Festmahl!", versprach Sarah und obgleich etwas unwillig gab Nico seine Freundin doch frei, die sofort wieder hinter den Thresen verschwand und begann bruzelnd etwas zuzubereiten.
Nicht wissend, was er jetzt großartig tun sollte, während er darauf wartete, dass Sarah zurückkehrte, begann er damit einen Tisch ein wenig festlicher herzurichten. Er breitete einige Servietten als Tischdecke auf und faltete zudem zwei Servietten. Außerdem platzierte er noch den Saucenspender und den Salz und Pfefferstreuer.
Überrascht hob Nico beide Augenbrauen als Sarah ihm eine Kinderbox hinstellte und sich selbst setzte. Sie hatte sich nur einen Teller mit Pommes Frites hingestellt und grinste ihn ein wenig verträumt an. "Frohe Weihnachten, Nic", wünschte sie ihm und Nicodemus hatte sich selten in seinem Leben so reich beschenkt gefühlt.
"Darf ich es denn schon öffnen? Es ist noch nicht Mitternacht", merkte er an und erntete eine leises Lachen.
"Mach schon. Sonst wird der Burger kalt", forderte sie ihn auf und Nico stimmte in das sanfte Lachen ein.
"Jetzt hast du ja meine Überraschung verraten", beschwerte er sich scherzhaft und öffnete die Box. Er holte das Spielzeug, das sich darin befand heraus und beäugte es skeptisch.
Sarah lachte. "Wenn dir dein Geschenk nicht gefällt, kannst du es auch umtauschen", merkte sie an und hielt Nico eins ihrer Pommes vor den Mund. "Vorsicht heiß", warnte sie allerdings, bevor Nico sie am Handgelenk fasste und ihr einen Kuss auf den Handrücken drückte.
"Ich behalte es. Und dich gleich mit", meinte er ernst und fand irgendwie, dass es eins der schönsten Weihnachtsfeste seines Lebens war. Auch wenn es mal keinen Truthahn gab.
Es war kurz nach Mitternacht, als der Sturm etwas nachließ und im Radio angekündigt wurde, dass die Straßensperren großteils wieder aufgehoben waren.
Also half Nico Sarah dabei, für seine Familie einige Burger zusammenzustellen und einzupacken, dass sie gut warm bleiben würden, bevor sie alles ins Auto packten und er noch wartete, dass Sarah ihren Laden abschloss. Er fand, dass die Retterin in der Not diesmal nicht fehlen durfte und Sarah schien nicht unglücklich darüber zu sein, dass er sie überzeugte, zu seiner Familie mitzukommen.
Der Weg ging nun auch wesentlich besser und sie kamen recht bald bei dem großen Haus an. Kaum hatte er die Türe aufgeschlossen und war auch schon lautest Getrampel zu hören und seine Mutter, die sich beschwerte: "Wo zur Hölle bist du gewesen! Hast du überhaupt eine Ahnung, welche Sorgen wir uns um dich gemacht haben?"
Nico war bemüht, die Augen zu verdrehen und hielt seiner Familie die große Tüte mit dem Burgerland-Aufdruck entgegen. "Ich habe uns essen besorgt und einen Gast mitgebracht. Fröhliche Weihnachten."
Es war seine Schwester, die Sarah und ihn daran hinderte, wirklich weiter ins Haus vorzudringen. "Nicht so schnell", grinste sie und nahm Nico das Essen ab. Dann deutete sie nach oben.
"Oh bitte. Musst du diese Mistdinger überall aufhängen?", fragte Nico als er den Mistelzweig entdeckte.
Sarah lachte leise und legte ihm eine Hand auf die Wange. "Also ich finde das nicht so schlecht", raunte sie ihm zu und plötzlich hatte auch Nico nichts mehr gegen die Mistelzweige, als er von Sarah einen zärtlichen Kuss bekam, der sich langsam in die Länge zog.
Dass seine Familie inzwischen daran waren, die noch warmen Burger aus der Tüte zu plündern war ihm dabei vollkommen egal. Er hatte schließlich alles, was er brauchte.