Im Netz

Sep. 16th, 2007 04:46 pm
[identity profile] les-lenne.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Autor: les_lenne
Fandom: Original (Fantasy)
Challenge: #3 - Distanz oder 500 Kilometer waren nicht genug
Warnings: tentacle rape (irgendwie -- so ums Eck gedacht)
A/N: In letzter Zeit bin ich ganz fasziniert von Naturgeistern, Wäldern, sprechenden Tieren und Pflanzen...



Im Netz




Penwyl saß an seinem Lieblingskreisfenster und sah zum Mond hinauf, als er nach zehn Monaten, drei Wochen und vier Tagen wieder an Tawyl denken musste. Tawyl, seine Verlobte, die ihn vor elf Monaten, drei Wochen und vier Tagen verlassen hatte. Einen Monat lang hatte er nur an sie denken können, dann war es besser geworden. Penwyl hatte spüren können, wie sie sich weit genug von ihm entfernte, dass ihre Verbindung schwächer wurde.
Es war genug gewesen, ihr zu vergeben, gegangen zu sein.
Jetzt war sie wieder innerhalb des Radius, der ihre Verbindung vernetzte. Er hätte die dünnen Fäden schon vorgestern bemerken können, als es ihn unter den Fingernägeln angefangen hatte zu jucken, als sein Zahnfleisch eine ungesund-menschliche Farbe angenommen hatte. Penwyl aber war erst in diesem Moment, als sich die Wolken am Himmel auseinanderzogen und die Sterne wieder freilegten, vollkommen klar, dass Tawyl zurückkehren würde. In ein, zwei Wochen? Aber nicht zu ihm. Sie würde an dieser magischen Grenze bleiben, wo er sie zwar noch spürte, aber sie nicht aufspüren konnte.
Penwyl seufzte und strich sich seine blättrigen Locken aus dem Gesicht. Er griff nach dem Haarband und machte sich einen losen Zopf. Als er damit fertig war, öffnete er sein Haar wieder und begann von neuem, zog die Eiben- und Walnußbaumblätter aber fester an seinen Birkenschädel.
Tawyl wollte ihn nicht wiedersehen. Als er sie nicht hatte spüren können, war es einfach gewesen, die Hoffnung zu behalten. Nichts war sicher. Es hätte immer noch anders ausgehen können. Aber jetzt? Jetzt nicht mehr. Die Fäden stahlen sich in sein Geäst, machten einen Knoten, einen festen, und schlängelten sich dann wieder aus seinem Haus heraus, bis zu ihr, wo sie an ihnen zupfte und überlegte, und seufzte, und dachte, dass sie keine Chance mehr für sie beide sah.
Penwyl streckte die Beine aus so weit es ging. Seine Wurzeln berührten die weichen Rillen des Baums, der ihm als Zuhause diente. Er piekste in das Baumfleisch. Sein Zuhause rüttelte und ein brummiges Gähnen schüttelte sein Herz durch. Der Baum schmatzte. "Penwyl? Die Fäden."
Penwyl nickte. "Die Fäden, du spürst sie also auch."
"Natürlich. Glatt durchs Astloch. Sehr ungeschickt. Hab nie verstanden, was du an ihr fandest." Ein paar Blätter fielen direkt vor dem Fenster, an dem Penwyl saß, zu Boden.
War denn schon wieder Herbstanfang? "Ja, sie ist sehr ungeschickt."
Der Baum lachte. "Du stimmst mir nur zu, weil die einzig andere Möglichkeit wäre, dass sie gemein ist, dass es ihr Freude bereitet, dich zu quälen, dass sie ein manipulatives Biest ist, und..."
"Harrh, stopp."
Harrh verstummte, aber Penwyl fühlte, wie ihm der Baum durch seine Wurzeln mitteilte, dass er gern noch etwas sagen wollte. Penwyl ließ ihn nicht. "Gibt es eine Möglichkeit, das zu unterbinden? Dass die Fäden mich wenigstens hier drinnen zufrieden lassen?"
"Lass mich ein Weilchen überlegen." Ein tiefes Brummen fuhr Penwyl die Wurzeln hoch.
Er presste schnell die Beine zusammen und sprang vom Fenstersims. Auf Vibrationen hatte er schon immer schnell reagiert. Die Blätter zwischen seinen Schenkeln zappelten umher. Einige rupfte er aus. Der Schmerz verscheuchte das Gefühl, neue Pixen auszutragen, oder austragen zu lassen. Penwyl biss sich auf seine moosige Unterlippe -- letzteres ging ja gar nicht. Tawyl war die letzte Arie gewesen, die in diesem Wald gelebt hatte. Dann würden die Pixen bald aussterben. In anderen Wäldern -- das hatte er zumindest gehört -- war es ohnehin viel schöner. Es gab nichts zu betrauern. Höchstens, dass der Drang, sich zu vermehren, bis zu seinem Lebensende nicht vergehen würde. Das konnte eine lange Zeit sein.
Penwyl entfuhr ein kurzer, erschreckend hoher Schrei, als etwas sein linkes Bein entlangkletterte und ihn schließlich auf den Boden zog. "Harrh!"
"Es gibt keine Möglichkeit, das zu unterbinden, auf die du dich einlassen würdest."
Penwyl bleckte seine vierblättrigen Zähne. "Du hast nicht meine Gedanken gelesen, oder?"
"Oh doch", lachte Harrh, und das Brummen ließ die schützenden Zweige vor dem verborgenen Fruchtknoten sich von Penwyls Körper abspreizen.
Penwyl spürte einen von Harrhs knospentragenden Ästen nach dem Knoten tasten. Ihm legten sich alle Blätter eng ans Geäst. Penwyl öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch die Knospen rieben schon an seiner Frucht. Er keuchte.
Harrh legte einen weiteren Ast um Penwyls Brust, dass ihm die Luft wegblieb. "Du bist der letzte Pixen. Wenn du stirbst, stirbt dieser Wald auch. Ich bin ein Baum. Ich bin der Wald. Das kann ich nicht zulassen."
Penwyl ließ den Kopf sinken. Sein Geäst gehorchte ihm nicht mehr. Es hielt sich an Harrhs Ast fest, der Samen über den Fruchtknoten strich und sie mit Sirup versiegelte. Penwyl wurde schwindlig, so sehr zogen seine Zweige den Ast tiefer hinein. Der Sirup quoll aus ihm heraus und verklebte die äußeren Blätter. Was er jedoch auch spürte, kurz bevor er in Ohnmacht fiel, waren die Fäden, die sich von ihm lösten und zurück zu Tawyl krochen.

Date: 2007-09-16 03:00 pm (UTC)
From: [identity profile] darkcloe.livejournal.com
Du hast wirklich Talent, Tiere und Pflanzen aller Art zum Leben erwecken. Ich war ja schon von Koerte begeistert, aber das hier... gegen Ende hatte ich mich schon gefragt, wo die angekündigte Rape-Szene kommt, aber das hat sich dann auch geklärt. Pervers (wie nicht anders gewohnt x3), aber sehr gut geschrieben und eine tolle Idee (mal wieder). Am Anfang habe ich einen Moment gebraucht zu verstehen, worum es genau geht, wer die einzelnen Charaktere sein sollen, aber das ist ja nicht verwunderlich bei einer relativ kurzen Geschichte dieser Art. Wie gesagt, schön geschrieben, sehr schön formuliert, das macht Lust auf mehr ^.^

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