Adventskalender: 8. Türchen
Dec. 8th, 2014 11:06 pmFandom: Professor Layton
Challenge: Erster Schnee
Charaktere: Professor Layton, Luke Triton
Wörter: 2091
Anmerkung: Angesiedelt zwischen „Der Ruf des Phantoms“ und „Die Maske der Wunder“.Wer Plot sucht, sucht vergebens, sorry.
Trotz jahrelanger Anstellung als Professor an der Gressenheller Universität hatte der Moment, in dem er hinter sich griff, um eines seiner Fossilien einer Studentin zu zeigen und stattdessen einen Spielzeugroboter in der Hand hielt, etwas einzigartiges für sich, wenn nicht zuletzt deswegen, dass er für einen kurzen Moment absolut sprachlos war.
Die Studentin ihm gegenüber verbarg ihr Kichern nur schlecht hinter den Notizen für ihre Doktorarbeit. „Da muss Ihr Sohn wohl etwas in Ihrem Büro vergessen haben,“ bemerkte sie mit einem Lächeln, das Layton oft auf den Gesichter anderer Personen sah, wenn Luke zugegen war.
„Er ist nicht mein Sohn,“ korrigierte Layton, während er den Roboter zurücklegte und nach dem eigentlichen Fossil griff. So langsam glaubte er, dass es Luke sich zur Aufgabe machte, jede einzelne Person der Universität kennen zu lernen. Leute, die er zuvor allein dadurch kannte, dass er ihnen die Türen offen hielt oder sie höflich auf dem Gang begrüßte, hielten nun an, um mit ihm zu sprechen und sich nach dem Wohlbefinden seines kleinen Begleiters zu erkundigen. Selbst der mürrische Hausmeister ließ sich zu etwas hinreißen, das Freundlichkeit doch sehr nah kam. Layton vermutete, es hatte nicht wenig mit Lukes Zuneigung zu seiner ebenso mürrischen Bulldogge zu tun. Luke hatte ein Talent dafür, das zu bekommen was er wollte und er tat dies mit einer subtilen Hartnäckigkeit, die es schwer machte, ihm etwas zu verweigern. Es war dieselbe Hartnäckigkeit, mit der er Layton davon überzeugt hatte, ihn als „Lehrling“ begleiten zu dürfen, ein Titel, den er mit Stolz trug, auch wenn Layton ihn recht irreführend fand.
Brenda und Clark waren hingegen begeistert von der Hingabe, mit der ihr Sohn seine Anstellung als „Lehrling“ verfolgte – auch wenn Layton vermutete, dass sie darin mehr kindliche Naivität sahen als wirklich darin steckte. Seit ihn der Junge auf seinen Reisen begleitete, schwärmten seine Eltern davon, wie sehr Luke aufgeblüht war. Layton musste zugeben, dass wenig von dem stillen Kind, das er anfangs in Misthallery kennen gelernt hatte, übrig geblieben war, denn Luke war lebhaft, manches mal etwas zu lebhaft. Aber er war auch intelligent und interessiert und voll von einer Neugier, die es einfach machte, zu vergessen, dass Luke erst zehn Jahre alt war.
Vergessene Spielzeuge in Laytons Büro erinnerten ihn aber nur allzu deutlich an diese Tatsache. Er würde später ein Gespräch mit Luke über angemessene Orte für Spielzeuge in seinem Büro reden müssen. Wie er den Jungen kannte, war der Roboter ordentlich auf dem Regal platziert worden, frei von allem Staub. Frau Grimes, die Putzfrau der Professorenbüros, bemerkte immer wieder, wie viel angenehmer Laytons Büro war, seitdem Luke es sich zur Aufgabe gemacht hatte, es sauber und ordentlich zu halten. Layton hatte zwar wieder und wieder betont, dass er das nicht zu machen brauche, aber Luke tendierte dazu, Dinge, die er nicht hören wollte, aktiv zu überhören. Und Layton musste zugeben, dass es angenehm war, seine Bücher und Unterlagen fein sortiert vorzufinden oder Blumen zu haben, die nicht innerhalb kürzester Zeit kläglich verdursteten. Ihre trockenen, braunen Stängel kamen ihm immer vor wie ein Mahnmal, das ihn daran erinnerte, dass er Gutes daran tat, sich mit Dingen zu beschäftigen, deren Fortbestand nicht an ein paar Tassen Wasser gekoppelt war.
„Stimmt ja,“ sagte seine Studentin. „Er ist ihr ‚Lehrling‘, nicht wahr?“ Layton brauchte nicht zu fragen, wie die junge Frau davon wissen konnte – Luke saß mittwochsabends in seiner Vorlesung zu antiker Steinschneidekunst, natürlich in der ersten Reihe und mit einer Aufmerksamkeit, die kaum einer abends um sechs noch aufzubringen vermochte.
„Er ist auch nicht mein Lehrling,“ korrigierte Layton seine Studentin sanft, bevor er ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Fossil (das dieses mal wirklich ein Fossil war) lenkte. Er wollte nicht, dass seine Studenten und Kollegen einen falschen Eindruck davon bekamen, wer Luke war und warum er bei ihm war. Clark hatte Layton gegenüber angedeutet, dass er darüber nachdachte, nicht mehr für das Bürgermeisteramt in Misthallery zu kandidieren und zurück nach London zu ziehen. Ihm fehlte seine eigentliche Profession als Archäologe und so beschaulich der kleine Ort Misthallery auch war, so glaubte er, dass er für Luke vielleicht ein wenig zu beschaulich war. Layton erinnerte sich noch gut an das Gespräch mit Brenda und Clark, in dem sie ihn baten, Luke für eine Zeit zu sich zu nehmen. Die nächste Bürgermeisterwahl war im Mai des kommenden Jahres und sie wollten es Luke ersparen, mitten im Schuljahr die Schule wechseln zu müssen. Außerdem waren die häufigen Reisen zwischen London und Misthallery anstrengend für alle Beteiligten, ganz gleich ob Lukes Eltern oder Layton ihn fuhren.
Und so war es dazu gekommen, dass sich Laytons Haushalt seit Anfang September um eine sehr lebhafte Person erweitert hatte. Emmy und Luke hatte die Zeit genutzt, in der Layton eine Ausgrabung begleitet hatte, um das kleine Zimmer, das ihm bisher als Lagerort für seine Bücher gedient hatte, auszuräumen und zu streichen. Seitdem stapelten sich die Bücher in Laytons Schlaf-, Arbeits- und Wohnzimmer noch mehr als zuvor (dank Luke allerdings alphabetisch sortiert). Er würde neue Regalbretter kaufen müssen... ebenso wie einen Teppich für Lukes Zimmer. Der Junge hatte die Angewohnheit, seine Hausschuhe unter dem Tisch im Wohnzimmer stehen zu lassen. Abgesehen davon, dass sich ein solches Verhalten nicht schickte, war es nun im Dezember definitiv zu kalt, um barfuß im Haus herum zu laufen. Layton wollte nicht riskieren, dass sich der Junge eine Erkältung zuzog. Er würde ihn morgen mitnehmen, vielleicht fanden sie ja einen Teppich, der ihm zusagte.
Als Layton sich nach dem Gespräch mit seiner Studentin erhob, um ihr die Tür seines Büros zu öffnen, warf er einen Blick auf die Uhr. Schon vier Uhr, offiziell war seine Sprechstunde vorbei. Aber wie so oft saßen noch Studenten vor seiner Tür und warteten. Und so bat er den nächsten hinein. Er war es inzwischen gewohnt, dass zwei Stunden in der Woche oft nicht genügten, um alle Fragen seiner Studenten anzusprechen. Es war der Grund, warum er die Sprechstunde auf Freitagnachmittag gelegt hatte. Nur wenige Seminar fanden um diese Uhrzeit statt, da seine Kollegen den Freitag mindestens genauso schätzten wie ihre Studenten. So konnte er sicherstellen, dass niemand allzu viel verpasste, wenn er das Gespräch mit ihm suchte.
Nach drei weiteren Gesprächen fand Layton draußen Luke vor. Er hatte inmitten von den zwei verbleibenden Studenten Platz genommen und hatte sie offensichtlich in ein Rätsel verwickelt. Layton kannte die Streichholzfigur auf dem Buch in Lukes Schoß nur zu gut – er selbst hatte Luke das Rätsel vor einiger Zeit gestellt.
„Guten Tag, Luke. Ich hoffe, du störst die beiden Herrschaften nicht...?“
„Kein bisschen“, versicherte ihm der eine Student, während der andere tief in Gedanken über der Lösung des Rätsels brütete. Lukes Gesichtsausdruck zu urteilen nach genoss er die Position als Rätselsteller und Layton war dazu geneigt, ihn zur Zurückhaltung zu ermahnen. Aber der andere Student schien sich nicht gestört zu fühlen und Layton beschloss, es dabei zu belassen.
„Ihr Sohn ist Ihnen wirklich sehr ähnlich“, bemerkte der junge Mann, der zu ihm uns Büro trat.
„Er ist nicht mein Sohn“, antwortete Layton schon fast aus Reflex, während er sich mental eine Notiz machte, dass er am Wochenende Lukes Schuluniform waschen musste.
Es war nach fünf Uhr, als er seine Sprechstunde beenden und Luke zu sich ins Büro beten konnte. Der Student, der zuerst zu ihm im Büro gewesen war, war noch da, als der andere es verließ, die Streichhölzer inzwischen in die Lösungsformation verschoben. Es war schwer zu sagen, ob der Student oder Luke stolzer auf das Ergebnis waren und Layton fragte sich, ob er einen ähnlichen Gesichtsausdruck hatte, wenn er Luke Rätsel lösen ließ. Emmy hatte einige ausgewählte Kommentare für sein Verhalten, auch wenn er ihre Erheiterung nur schwerlich nachvollziehen konnte.
Der Professor setzte eine frische Tanne Tee auf und holte die Sandwiches, die er am Morgen vorbereitet hatte, aus seiner Tasche, während Luke ihm von seinem Schultag erzählte. Er hatte noch ein paar Dinge zu erledigen und war sich sicher, dass auch Luke noch Hausaufgaben zu machen hatte, aber eine Pause bei einer Tasse Tee würde ihnen beiden gut tun. Mit einem zufriedenem Nicken beobachtete er Luke, wie er ihren Tee vorsichtig aus der Kanne aufgoss. Er zitterte nach wie vor ein wenig, aber vergoss nichts mehr neben die Tasse.
Zwischen Sandwich zwei und drei zog Luke ein Stück Stoff aus seiner Schultasche, um es Layton zu zeigen. Auf ihm war in zittriger Schrift „Mama“ gestickt und die Anfänge von etwas, was wahrscheinlich einmal eine Katze werden sollte. Vielleicht auch eine Blume. Es sollte sein Weihnachtsgeschenk für seine Mutter werden und erst als Layton ihm versichert hatte, dass ein selbst besticktes Taschentuch ein bezauberndes Geschenk war, legte er es wieder aus der Hand, um zwei weitere Sandwichs zu essen. Der Gedanke an Weihnachten war etwas Seltsames für den Professor. Noch letztes Jahr hatte er die Festtage so wie die in den Jahren zuvor verbracht: alleine mit einem guten Buch. Natürlich hatte er einigen seiner Kollegen, sowie Frau Grimes und seinen Nachbarn kleine Aufmerksamkeiten vorbeigebracht, aber ansonsten war das Fest eine ziemlich ruhige Angelegenheit gewesen. In diesem Jahr hatten Clark und Brenda ihn und Emmy zu sich eingeladen. Auch wenn er zuerst das Gefühl hatte, ziemlich fehl am Platz zu sein, konnte er nicht abstreiten, dass ihn der Gedanke, Weihnachten zusammen mit Luke und Emmy zu verbringen, glücklich machte. Seit Claire hatte er nicht viel von der Freude verspürt, die die Menschen um ihn herum mit diesem Fest verbanden. Lukes Vorfreude jedoch war ebenso ansteckend wie seine Begeisterung und so hatte Layton sich am letzten Wochenende schon dazu überzeugen lassen, das Haus mit ihm und Emmy zu schmücken. Für dieses überlegte er sich, ob er sich nicht an Plätzchen versuchen sollte. Luke hatte in letzter Zeit öfter von denen seiner Mutter geschwärmt und selbst wenn es mehr als ein Jahrzehnt her war, dass Layton zuletzt welche gebacken hatte, war er sich sicher, dass Luke seine Freude daran haben würde. Und bekanntlich war ja der Weg das Ziel.
Als sie Stunden später die Universität verließen, bedeckte eine Schicht Schnee die Welt um sie herum. Luke, der nur einen Moment zuvor noch fast über seinem Mathebuch eingenickt war, war mit einem Mal hellwach, sein Blick auf die dicken Flocken gerichtet, die vom Himmel fielen.
„Lass uns durch den Park nach Hause laufen, was sagst du dazu?“ schlug Layton vor. Sie würden zwar eine gute Stunde nach Hause brauchen, aber es war Wochenende und ein bisschen Bewegung konnte ihnen nicht schaden. Außerdem musste er sowieso Wäsche machen, da machte es nichts aus, wenn Lukes Hosen nass vom Schnee wurden, als er aufgeregt durch den ersten Schnee stapfte. Trotz Laytons Ermahnung konnte er Lukes Aufregung nur wenig Einhalt gebieten und so ließ er den Jungen für den Moment durch den Schnee toben. Ein Bad und eine warme Tasse Tee würden ihn zu Hause wieder aufwärmen. Und Layton konnte nicht leugnen, dass der Grund, warum er quer durch den Schnee im Park laufen musste, der war, dass er sicher gehen musste, dass nicht ein frierendes Tier im Schnee zurückgeblieben war.
Es war seltsam, wie sich Dinge änderten, dachte Layton. Nichts hatte sein Leben so sehr verändert, wie Lukes Ankunft in seinem Leben. Er hatte den Professor gezwungen, eine Struktur in sein Leben zu bringen, die er davor nicht hatte – keine langen Nächte mehr in seinem Büro in der Universität, keine Tage mehr, an denen er sich ausschließlich von Tee und Keksen ernährte. Luke war unglaublich reif für sein Alter, aber er war nach wie vor ein Kind. Layton musste dafür sorgen, dass er abends rechtzeitig im Bett war und morgens pünktlich aufstand, musste seine Kleidung herrichten und dafür sorgen, dass er drei Mahlzeiten am Tag hatte. Dazu kamen alltägliche Dinge und all diejenigen, die alles andere als alltäglich waren. Aber das, was ihn wirklich überraschte, war das seltsam egoistische Gefühl, das ihn manches Mal überkam, wenn er Luke ansah, oder wenn Leute annahmen, dass er sein Sohn war. Es war Art von Glück, das er mit niemanden teilen wollte, etwas, von dem er froh war, das es allein seines war. Aus diesem Grund konnte er Luke auch nicht mit guten Gewissen seinen Lehrling nennen, abgesehen von der rein technischen Inkorrektheit dieses Begriffs: Es klang, als wäre Layton der einzige, der dem anderen etwas gab. Luke schien sich nicht bewusst zu sein, wie sehr er Einfluss auf seinen Professor nahm und Layton wusste auch nicht immer, was er mit allem Neuen, das der Junge in sein Leben brachte, anfangen sollte. Aber in Momenten wie diesen wurde ihm bewusst, dass er bereit war, zu lernen.
Challenge: Erster Schnee
Charaktere: Professor Layton, Luke Triton
Wörter: 2091
Anmerkung: Angesiedelt zwischen „Der Ruf des Phantoms“ und „Die Maske der Wunder“.
Trotz jahrelanger Anstellung als Professor an der Gressenheller Universität hatte der Moment, in dem er hinter sich griff, um eines seiner Fossilien einer Studentin zu zeigen und stattdessen einen Spielzeugroboter in der Hand hielt, etwas einzigartiges für sich, wenn nicht zuletzt deswegen, dass er für einen kurzen Moment absolut sprachlos war.
Die Studentin ihm gegenüber verbarg ihr Kichern nur schlecht hinter den Notizen für ihre Doktorarbeit. „Da muss Ihr Sohn wohl etwas in Ihrem Büro vergessen haben,“ bemerkte sie mit einem Lächeln, das Layton oft auf den Gesichter anderer Personen sah, wenn Luke zugegen war.
„Er ist nicht mein Sohn,“ korrigierte Layton, während er den Roboter zurücklegte und nach dem eigentlichen Fossil griff. So langsam glaubte er, dass es Luke sich zur Aufgabe machte, jede einzelne Person der Universität kennen zu lernen. Leute, die er zuvor allein dadurch kannte, dass er ihnen die Türen offen hielt oder sie höflich auf dem Gang begrüßte, hielten nun an, um mit ihm zu sprechen und sich nach dem Wohlbefinden seines kleinen Begleiters zu erkundigen. Selbst der mürrische Hausmeister ließ sich zu etwas hinreißen, das Freundlichkeit doch sehr nah kam. Layton vermutete, es hatte nicht wenig mit Lukes Zuneigung zu seiner ebenso mürrischen Bulldogge zu tun. Luke hatte ein Talent dafür, das zu bekommen was er wollte und er tat dies mit einer subtilen Hartnäckigkeit, die es schwer machte, ihm etwas zu verweigern. Es war dieselbe Hartnäckigkeit, mit der er Layton davon überzeugt hatte, ihn als „Lehrling“ begleiten zu dürfen, ein Titel, den er mit Stolz trug, auch wenn Layton ihn recht irreführend fand.
Brenda und Clark waren hingegen begeistert von der Hingabe, mit der ihr Sohn seine Anstellung als „Lehrling“ verfolgte – auch wenn Layton vermutete, dass sie darin mehr kindliche Naivität sahen als wirklich darin steckte. Seit ihn der Junge auf seinen Reisen begleitete, schwärmten seine Eltern davon, wie sehr Luke aufgeblüht war. Layton musste zugeben, dass wenig von dem stillen Kind, das er anfangs in Misthallery kennen gelernt hatte, übrig geblieben war, denn Luke war lebhaft, manches mal etwas zu lebhaft. Aber er war auch intelligent und interessiert und voll von einer Neugier, die es einfach machte, zu vergessen, dass Luke erst zehn Jahre alt war.
Vergessene Spielzeuge in Laytons Büro erinnerten ihn aber nur allzu deutlich an diese Tatsache. Er würde später ein Gespräch mit Luke über angemessene Orte für Spielzeuge in seinem Büro reden müssen. Wie er den Jungen kannte, war der Roboter ordentlich auf dem Regal platziert worden, frei von allem Staub. Frau Grimes, die Putzfrau der Professorenbüros, bemerkte immer wieder, wie viel angenehmer Laytons Büro war, seitdem Luke es sich zur Aufgabe gemacht hatte, es sauber und ordentlich zu halten. Layton hatte zwar wieder und wieder betont, dass er das nicht zu machen brauche, aber Luke tendierte dazu, Dinge, die er nicht hören wollte, aktiv zu überhören. Und Layton musste zugeben, dass es angenehm war, seine Bücher und Unterlagen fein sortiert vorzufinden oder Blumen zu haben, die nicht innerhalb kürzester Zeit kläglich verdursteten. Ihre trockenen, braunen Stängel kamen ihm immer vor wie ein Mahnmal, das ihn daran erinnerte, dass er Gutes daran tat, sich mit Dingen zu beschäftigen, deren Fortbestand nicht an ein paar Tassen Wasser gekoppelt war.
„Stimmt ja,“ sagte seine Studentin. „Er ist ihr ‚Lehrling‘, nicht wahr?“ Layton brauchte nicht zu fragen, wie die junge Frau davon wissen konnte – Luke saß mittwochsabends in seiner Vorlesung zu antiker Steinschneidekunst, natürlich in der ersten Reihe und mit einer Aufmerksamkeit, die kaum einer abends um sechs noch aufzubringen vermochte.
„Er ist auch nicht mein Lehrling,“ korrigierte Layton seine Studentin sanft, bevor er ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Fossil (das dieses mal wirklich ein Fossil war) lenkte. Er wollte nicht, dass seine Studenten und Kollegen einen falschen Eindruck davon bekamen, wer Luke war und warum er bei ihm war. Clark hatte Layton gegenüber angedeutet, dass er darüber nachdachte, nicht mehr für das Bürgermeisteramt in Misthallery zu kandidieren und zurück nach London zu ziehen. Ihm fehlte seine eigentliche Profession als Archäologe und so beschaulich der kleine Ort Misthallery auch war, so glaubte er, dass er für Luke vielleicht ein wenig zu beschaulich war. Layton erinnerte sich noch gut an das Gespräch mit Brenda und Clark, in dem sie ihn baten, Luke für eine Zeit zu sich zu nehmen. Die nächste Bürgermeisterwahl war im Mai des kommenden Jahres und sie wollten es Luke ersparen, mitten im Schuljahr die Schule wechseln zu müssen. Außerdem waren die häufigen Reisen zwischen London und Misthallery anstrengend für alle Beteiligten, ganz gleich ob Lukes Eltern oder Layton ihn fuhren.
Und so war es dazu gekommen, dass sich Laytons Haushalt seit Anfang September um eine sehr lebhafte Person erweitert hatte. Emmy und Luke hatte die Zeit genutzt, in der Layton eine Ausgrabung begleitet hatte, um das kleine Zimmer, das ihm bisher als Lagerort für seine Bücher gedient hatte, auszuräumen und zu streichen. Seitdem stapelten sich die Bücher in Laytons Schlaf-, Arbeits- und Wohnzimmer noch mehr als zuvor (dank Luke allerdings alphabetisch sortiert). Er würde neue Regalbretter kaufen müssen... ebenso wie einen Teppich für Lukes Zimmer. Der Junge hatte die Angewohnheit, seine Hausschuhe unter dem Tisch im Wohnzimmer stehen zu lassen. Abgesehen davon, dass sich ein solches Verhalten nicht schickte, war es nun im Dezember definitiv zu kalt, um barfuß im Haus herum zu laufen. Layton wollte nicht riskieren, dass sich der Junge eine Erkältung zuzog. Er würde ihn morgen mitnehmen, vielleicht fanden sie ja einen Teppich, der ihm zusagte.
Als Layton sich nach dem Gespräch mit seiner Studentin erhob, um ihr die Tür seines Büros zu öffnen, warf er einen Blick auf die Uhr. Schon vier Uhr, offiziell war seine Sprechstunde vorbei. Aber wie so oft saßen noch Studenten vor seiner Tür und warteten. Und so bat er den nächsten hinein. Er war es inzwischen gewohnt, dass zwei Stunden in der Woche oft nicht genügten, um alle Fragen seiner Studenten anzusprechen. Es war der Grund, warum er die Sprechstunde auf Freitagnachmittag gelegt hatte. Nur wenige Seminar fanden um diese Uhrzeit statt, da seine Kollegen den Freitag mindestens genauso schätzten wie ihre Studenten. So konnte er sicherstellen, dass niemand allzu viel verpasste, wenn er das Gespräch mit ihm suchte.
Nach drei weiteren Gesprächen fand Layton draußen Luke vor. Er hatte inmitten von den zwei verbleibenden Studenten Platz genommen und hatte sie offensichtlich in ein Rätsel verwickelt. Layton kannte die Streichholzfigur auf dem Buch in Lukes Schoß nur zu gut – er selbst hatte Luke das Rätsel vor einiger Zeit gestellt.
„Guten Tag, Luke. Ich hoffe, du störst die beiden Herrschaften nicht...?“
„Kein bisschen“, versicherte ihm der eine Student, während der andere tief in Gedanken über der Lösung des Rätsels brütete. Lukes Gesichtsausdruck zu urteilen nach genoss er die Position als Rätselsteller und Layton war dazu geneigt, ihn zur Zurückhaltung zu ermahnen. Aber der andere Student schien sich nicht gestört zu fühlen und Layton beschloss, es dabei zu belassen.
„Ihr Sohn ist Ihnen wirklich sehr ähnlich“, bemerkte der junge Mann, der zu ihm uns Büro trat.
„Er ist nicht mein Sohn“, antwortete Layton schon fast aus Reflex, während er sich mental eine Notiz machte, dass er am Wochenende Lukes Schuluniform waschen musste.
Es war nach fünf Uhr, als er seine Sprechstunde beenden und Luke zu sich ins Büro beten konnte. Der Student, der zuerst zu ihm im Büro gewesen war, war noch da, als der andere es verließ, die Streichhölzer inzwischen in die Lösungsformation verschoben. Es war schwer zu sagen, ob der Student oder Luke stolzer auf das Ergebnis waren und Layton fragte sich, ob er einen ähnlichen Gesichtsausdruck hatte, wenn er Luke Rätsel lösen ließ. Emmy hatte einige ausgewählte Kommentare für sein Verhalten, auch wenn er ihre Erheiterung nur schwerlich nachvollziehen konnte.
Der Professor setzte eine frische Tanne Tee auf und holte die Sandwiches, die er am Morgen vorbereitet hatte, aus seiner Tasche, während Luke ihm von seinem Schultag erzählte. Er hatte noch ein paar Dinge zu erledigen und war sich sicher, dass auch Luke noch Hausaufgaben zu machen hatte, aber eine Pause bei einer Tasse Tee würde ihnen beiden gut tun. Mit einem zufriedenem Nicken beobachtete er Luke, wie er ihren Tee vorsichtig aus der Kanne aufgoss. Er zitterte nach wie vor ein wenig, aber vergoss nichts mehr neben die Tasse.
Zwischen Sandwich zwei und drei zog Luke ein Stück Stoff aus seiner Schultasche, um es Layton zu zeigen. Auf ihm war in zittriger Schrift „Mama“ gestickt und die Anfänge von etwas, was wahrscheinlich einmal eine Katze werden sollte. Vielleicht auch eine Blume. Es sollte sein Weihnachtsgeschenk für seine Mutter werden und erst als Layton ihm versichert hatte, dass ein selbst besticktes Taschentuch ein bezauberndes Geschenk war, legte er es wieder aus der Hand, um zwei weitere Sandwichs zu essen. Der Gedanke an Weihnachten war etwas Seltsames für den Professor. Noch letztes Jahr hatte er die Festtage so wie die in den Jahren zuvor verbracht: alleine mit einem guten Buch. Natürlich hatte er einigen seiner Kollegen, sowie Frau Grimes und seinen Nachbarn kleine Aufmerksamkeiten vorbeigebracht, aber ansonsten war das Fest eine ziemlich ruhige Angelegenheit gewesen. In diesem Jahr hatten Clark und Brenda ihn und Emmy zu sich eingeladen. Auch wenn er zuerst das Gefühl hatte, ziemlich fehl am Platz zu sein, konnte er nicht abstreiten, dass ihn der Gedanke, Weihnachten zusammen mit Luke und Emmy zu verbringen, glücklich machte. Seit Claire hatte er nicht viel von der Freude verspürt, die die Menschen um ihn herum mit diesem Fest verbanden. Lukes Vorfreude jedoch war ebenso ansteckend wie seine Begeisterung und so hatte Layton sich am letzten Wochenende schon dazu überzeugen lassen, das Haus mit ihm und Emmy zu schmücken. Für dieses überlegte er sich, ob er sich nicht an Plätzchen versuchen sollte. Luke hatte in letzter Zeit öfter von denen seiner Mutter geschwärmt und selbst wenn es mehr als ein Jahrzehnt her war, dass Layton zuletzt welche gebacken hatte, war er sich sicher, dass Luke seine Freude daran haben würde. Und bekanntlich war ja der Weg das Ziel.
Als sie Stunden später die Universität verließen, bedeckte eine Schicht Schnee die Welt um sie herum. Luke, der nur einen Moment zuvor noch fast über seinem Mathebuch eingenickt war, war mit einem Mal hellwach, sein Blick auf die dicken Flocken gerichtet, die vom Himmel fielen.
„Lass uns durch den Park nach Hause laufen, was sagst du dazu?“ schlug Layton vor. Sie würden zwar eine gute Stunde nach Hause brauchen, aber es war Wochenende und ein bisschen Bewegung konnte ihnen nicht schaden. Außerdem musste er sowieso Wäsche machen, da machte es nichts aus, wenn Lukes Hosen nass vom Schnee wurden, als er aufgeregt durch den ersten Schnee stapfte. Trotz Laytons Ermahnung konnte er Lukes Aufregung nur wenig Einhalt gebieten und so ließ er den Jungen für den Moment durch den Schnee toben. Ein Bad und eine warme Tasse Tee würden ihn zu Hause wieder aufwärmen. Und Layton konnte nicht leugnen, dass der Grund, warum er quer durch den Schnee im Park laufen musste, der war, dass er sicher gehen musste, dass nicht ein frierendes Tier im Schnee zurückgeblieben war.
Es war seltsam, wie sich Dinge änderten, dachte Layton. Nichts hatte sein Leben so sehr verändert, wie Lukes Ankunft in seinem Leben. Er hatte den Professor gezwungen, eine Struktur in sein Leben zu bringen, die er davor nicht hatte – keine langen Nächte mehr in seinem Büro in der Universität, keine Tage mehr, an denen er sich ausschließlich von Tee und Keksen ernährte. Luke war unglaublich reif für sein Alter, aber er war nach wie vor ein Kind. Layton musste dafür sorgen, dass er abends rechtzeitig im Bett war und morgens pünktlich aufstand, musste seine Kleidung herrichten und dafür sorgen, dass er drei Mahlzeiten am Tag hatte. Dazu kamen alltägliche Dinge und all diejenigen, die alles andere als alltäglich waren. Aber das, was ihn wirklich überraschte, war das seltsam egoistische Gefühl, das ihn manches Mal überkam, wenn er Luke ansah, oder wenn Leute annahmen, dass er sein Sohn war. Es war Art von Glück, das er mit niemanden teilen wollte, etwas, von dem er froh war, das es allein seines war. Aus diesem Grund konnte er Luke auch nicht mit guten Gewissen seinen Lehrling nennen, abgesehen von der rein technischen Inkorrektheit dieses Begriffs: Es klang, als wäre Layton der einzige, der dem anderen etwas gab. Luke schien sich nicht bewusst zu sein, wie sehr er Einfluss auf seinen Professor nahm und Layton wusste auch nicht immer, was er mit allem Neuen, das der Junge in sein Leben brachte, anfangen sollte. Aber in Momenten wie diesen wurde ihm bewusst, dass er bereit war, zu lernen.
no subject
Date: 2014-12-09 05:43 pm (UTC)Dawwwwwwwww<3 PapaLayton ist der beste Layton! Das ist so verdammt niedlich. Hast du wirklich schön geschrieben. Jetzt hab ich wieder Lust, Layton zu spielen und dabei hab ich doch gar keinen 3DS...
no subject
Date: 2014-12-22 10:04 pm (UTC)(Das Problem mit den Spielen kenne ich... ich spiele gerade wieder "Die Verlorene Zukunft", weil ich ja auch keinen 3DS besitze)
no subject
Date: 2014-12-10 06:38 pm (UTC)Und bei dem Satz, den mrsmoriarty zitiert hat, musste ich auch ziemlich schmunzeln~
no subject
Date: 2014-12-22 10:06 pm (UTC)Ich finde den Aspekt schon recht wichtig, da man im vierten Spiel ja sieht, wie Layton z. B. in seinem Büro übernachtet etc. Ich denke, Luke hat sein Leben in dem Sinne schon sehr beeinflusst. (Bzw gibt es im dritten eine Szene, in der die beiden sich eine Statue ansehen, die sie an sie selbst erinnert, da muss ich auch immer dran denken)
no subject
Date: 2014-12-11 08:46 am (UTC)Awwwwwww~, ist das schön!
Du hast das Verhältnis zwischen den beiden so herrlich rübergebracht, da kann man einfach nur lächeln, wenn man das liest :3 Papa!Layton ist einfach so wunderbar und ich finde ja auch, dass man beim Spielen immer mal vergisst, dass diesen gar nicht Vater und Sohn sind :)
(und du hast auch Claire erwähnt!! ;A;)
<333
no subject
Date: 2014-12-22 10:08 pm (UTC)Es freut mich, wenn ich dich mit Papa!Layton glücklich machen konnte (weil domestic Vater-Sohn bei den beiden einfach so perfekt ist askdjhas).
(Und ja, Claire ;_; Claire muss erwähnt werden, so oft es geht! ;A;)
no subject
Date: 2014-12-11 05:19 pm (UTC)Hatte ich schon gefreut, als ich gesehen habe, dass du Layton schreibst (hatte einen kurzen Schockmoment weil ich befürchtete habe, dass du da irgendetwas shippst) und wurde dann mit der niedlichsten Geschichte EVER belohnt! Ich finde Papa Layton soooo süß!
Er war es inzwischen gewohnt, dass zwei Stunden in der Woche oft nicht genügten, um alle Fragen seiner Studenten anzusprechen. Es war der Grund, warum er die Sprechstunde auf Freitagnachmittag gelegt hatte.
Da musste ich doch sehr lachen, da merkt man den Studenten, der schon Stunden vor einer Sprechstunde gesessen hat! Aber ich finde es so niedlich, wie alle einfach akzeptiert haben, dass ihr Prof jetzt einen Sohn adoptiert hat, der gelegentlich das Büro sauber hält. Und Spielzeuge mit Fossilien vertauscht. <3
no subject
Date: 2014-12-22 10:12 pm (UTC)Papa!Layton ist meine große Schwäche, leider gibt es wenige Fanfictions dazu .__. Wir brauchen mehr Papa!Layton! *Banner schwing*
(Keine Sorge, ich shippe nichts Besorgniserregendes in dem Fandom... allein der Gedanke... *schüttelt sich* Nein.)
Das Campieren vor der Dozententür ist doch eines Studenten liebstes Hobby... ;) *hust* Und ja, ich glaube, die Studenten nehmen das einfach hin und sind teilweise sehr begeistert von dem kleinen Jungen, der in einer ihrer Vorlesungen sitzt. Auch wenn es einige Rätsel gibt, die offiziell verboten sind, da der durch sie ausgelöste Frustlevel der Aufmerksamkeit der Studenten während der Vorlesung nicht zuträglich war :D
no subject
Date: 2014-12-17 01:20 pm (UTC)Ich kenn das Fandom nur vom Hörensagen aber OHHHHHH <33333 Ich finde es wunderschön, wie leicht Layton in seine häuslichen Pflichten abgleitet, während er sich mit seinen Studenten beschäftigt ("Hier schauen Sie sich dieses Fossil an OH MEIN GOTT ICH MUSS EINEN TEPPICH KAUFEN!") und wie sehr Luke Teil seines Lebens geworden ist, hach <333
Ganz ganz wunderschön, wirklich <3333
no subject
Date: 2014-12-22 10:14 pm (UTC)Es sollte einfach tausende domestic Fanfictions zu den beiden geben, denn ihre Niedlichkeit BRINGT MICH FAST UM ;3;<3
Es freut mich jedenfalls, dass dir die Geschichte gefallen hat und ich meine Liebe zu Papa!Layton und seinem Ziehsohn teilen konnte <3