[identity profile] akira-san13.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: The Maze Runner (Newtmas angedeutet)
Challenges:
1. Kälteeinbruch
2. "Was soll das werden, wenn es fertig ist?"
3. Silberlametta
Inhalt: Thomas macht Newt eine Freude. Irgendwie.
Anmerkung: Geschafft!!! Entschudligt bitte, ich bin ein langsamer Tipper. :(
Ich hoffe es gefällt euch.^^
Wörter: 3480


Der Kälteeinbruch kam so langsam, dass Thomas ihn anfangs gar nicht richtig bemerkte.
Mit der Zeit war der Himmel eben etwas öfter wolkenverhangen als er es noch bei seiner Ankunft gewesen war. Das kam halt vor, wenn der Wind sich mal drehte. Und? Da regnete es auch öfter mal, weswegen die Luft im Glade sich fühlbar stark abkühlte und immer mehr seiner Bewohner des Nachts immer öfter frieren lies. Das kam vor.
Als er allerdings morgens zum ersten Mal die weißen Ränder auf dem saftig grünen Gras sah und sein Atem sich in weichen, puffigen Wolken in Richtung Himmel kräuselte, bemerkte Thomas erst, wie kalt es eigentlich geworden war.
Verwundert schaute er sich um.
Vorher hatte er nie bemerkt, dass die anderen Jungs seit neuestem morgens entweder blaugefroren und zitternd aus ihren Hängematten staksten oder sich abends bereits mit anderen zusammen unter dicken Decken zusammengekuschelt hatten und nun versuchten, sich wieder aus diesen Stapeln herauszubuddeln.
Er selbst hatte vor einiger Zeit eine Decke gefunden, in der er seit her dick eingemummelt geschlafen hatte. So hatte er nichts von den Temperaturschwankungen mitbekommen. Aber nun fror er. Entsetzlich!
Reflexartig schlang er beide Arme um seinen Körper, in der Hoffnung, wenigstens etwas von seiner Körperwärme unter dem dünnen Oberteil halten zu können.
War es die ganze Zeit schon so kalt gewesen oder kam das gerade erst jetzt? Seit er mit Minho jeden Tag von früh bis spät durch das Labyrinth lief, bekam er kaum noch etwas mit von den Dinge, die im Glade passierten. Würde Newt ihm nicht jeden Abend bei Schließung der Tore auflauern, würde er ihn wohl auch wesentlich seltener zu Gesicht bekommen. 
Um so erstaunter entdeckte er plötzlich die Veränderungen in der Wohnstadt selbst. Seit wann hing denn da Efeu unterm Dach?
Verdattert schaute er sich um. Von jeder Ecke zur nächsten und jeweils von den Ecken zum Mittelpunkt hin waren grünschwarze Ranken aus Efeu gespannt, an denen allerhand seltsamer Klimbim aus Holz hing. Ein kleiner Hammer, kleine Schaufeln, Frypans Küchenutensilien in Miniaturausgabe... - und waren das etwa Schleifen?
Fast hätte er wegen seiner neuen Entdeckung Chuck über den Haufen gerannt.
"Guten Morgen Thomas!" grinste der ihn jedoch nur fröhlich von der Seite her an, wobei seine rote Wangen mit seiner roten Nase keck um die Wette leuchteten. Er war dick in einen viel zu großen Pullover und einem noch dickeren Schal gemummelt, dass ihm die Kälte offenbar nichts mehr ausmachte.  Um sich herum gewickelt und in seinen Händen hatte der Junge noch mehr von diesen seltsamen Efeuranken, mit diesen komischen Verzierungen daran, dass Thomas ihn wohl kurze Zeit nur verdattert anstarrte, denn Chuck strahlte gleich fröhlich weiter: "Alby hat erlaubt, dass wir für die Jahresnacht schmücken dürfen! Alle sind mit Vorbereitungen beschäftigt, darum muss heut' auch keiner Arbeiten!"
Verwirrt schaute ihn Thomas weiter an, als wenn er eine andere Sprache benutzen würde: "Jahresnacht...?"
"Ja, das ist, wenn -" "Chuck! Beweg' endlich deinen Hintern hier rüber!" Aufgeschreckt schauten beide zu Minho auf der anderen Seite der Wohnstadt, der mit Nägeln im Mund in einer Ecke auf einer kurzen Leiter stand und mit einem Hammer wedelnd offenbar Chuck bedeuten wollte, dass der gefälligst den Efeu ranbringen sollte. "Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!"
Sofort fing Chuck an zu traben.
"Frag am besten Newt! Der kann dir auch gleich eine Aufgabe geben!" rief ihm der Junge noch zu, ehe er sich voll und ganz wieder seiner Aufgabe - offenbar Minho die Ranken reichen, damit der sie an der Decke festnageln konnte - widmen konnte.
Für Thomas wurde die ganze Aktion immer verwunderlicher.
Doch Chucks Rat schien das Nächstliegende zu sein, da sein Laufpartner und Keeper der Runner ganz offensichtlich heute auch nicht zum Labyrinth aufbrach.
Er musste auch nicht lange suchen, denn Newt stand nicht weit, bei ihrer großen Feuerstelle, die nun allerdings freigeräumt war und anstelle von dem einen großen Feuer von vielen kleinen Lagerfeuerstapeln umringt war. Stattdessen dirigierte er eine vor sich hinfluchenden Gally, der auf der ausgebrannten Stelle in der Mitte offenbar erfolglos versuchte, zwei bis drei fast laublose Birkenstämmchen aneinander zu binden, offenbar mit dem Ziel, sowohl unten als auch oben gleichmäßig viele Zweige abstehen zu haben.
"Was genau wird das, wenn es fertig ist?" Eigentlich hatte er zuerst nach etwas warmen zum anziehen fragen wollen, aber Thomas' Neugier hatte eindeutig gesiegt.
"Oh, guten Morgen Schlafmütze." Newt lächelte ihn einen kurzen Moment lang so lieb an, dass Thomas kurz zu glauben versucht was, dass die Kälte gar nicht so schlimm war. Der nächste Windstoß überzeugte ihn aber schlagartig vom Gegenteil.
"Ist dir kalt?" Newt wartete nicht einmal auf eine Antwort. "Los komm mit, Gally kriegt das auch allein hin."
Widerwortslos ließ sich Thomas zu einem der hinteren Lagerräume führen, dessen Tür sperrangelweit offen stand und aus dem immer wieder Glader rein und rausschwirrten wie aus einem Bienenstock.
Auf dem Weg dorthin entdeckte er noch mehr Vorbereitungen für diesen Jahrestag, die offenbar das ganze Tal ergriffen hatten. Die beiden Schlächter schlachteten ein fettes Huhn nach dem anderen, offenbar auf Anweisung von Frypan hin, der mit einem großen Hackebeil in der Hand und verschränkten Armen akribisch genau jede Handbewegung beobachtete und auch auszusuchen schien, welches Huhn dran glauben musste und welches nicht.
Alles war mit diesen geschmückten Efeuranken verziert und umkringelt, wenn auch einige von ihnen noch etwas kahl waren. Dafür saß Winston in einer Ecke, genau neben Frypans warmer Kochstelle, mit einem großen Glas von Gallys Gesöff neben sich und einem der kleinsten Küchenmesser, die sie haben mussten, in der Hand, mit gekonnten Bewegungen aus kleinen Holzstücken einen kleinen Gegenstand nach dem anderen schnitzend. Um ihn herum türmten sich bereits Unmengen an Werkzeuge, Kochutensilien, Gärtnereizubhör, Tieren - sogar Laufschuhe! - in Miniaturausgabe aus schöngeschnitztem Holz.
Newt musste seinen erstaunten Blick gesehen haben, denn als er ihn in das Lager zog und sich in eine der dort offenstehenden Kisten mit unmengen an dicken Pullovern und Schals bückte, begann er zu erklären: "Einige von den Jungs die in der kalten Jahreszeit ins Glade geschickt wurden, hatten verschwommene Erinnerungen an Feiern, die zum Jahresende hin gehalten werden. Alles ist mit grünen Tannen geschmückt, es gibt viel gutes Essen und Spiele und Geschenke für jeden." Kommentarlos schlang er Thomas einen langen, blauen Schal um den Hals und wickelte ihn wie selbstverständlich sorgsam darin ein, ehe er weiter erzählte: "Es wird die nächsten Nächte zu kalt werden, um tagsüber gefahrlos ins Labyrinth zu gehen - und wenn der Boden gefroren ist können wir nichts anpflanzen oder bauen, darum hat Alby vor langer Zeit beschlossen, dass wir in der Zeit ausruhen und Kräfte sammeln sollen." Newt bückt sich noch einmal in die Kiste und fischte einen besonders warm aussehenden Pullover raus, der zufällig die gleiche Farbe hatte wie der Schal.
"Und damit uns nicht langweilig wird, bereiten wir eben alles für die Endjahresnacht vor. Das macht jedes Jahr spaß und es gibt mal etwas Abwechslung." grinste er schließlich abschließend, als Thomas sich ein wenig unbeholfen den Pullover über den Kopf zog.
Kaum hatte der es geschafft, und eine wohlige Wärme begann langsam sich wieder seinen Rücken hochzukriechen und in seine Gliedern einzunisten, fiel ihm etwas auf: "Woher kommen die Geschenke?"
Als Newt ihm statt einer Antwort eine große Kiste mit weiteren Efeuranken und noch mehr Schleifen in die Arme drückte, sah er erst die Unmengen an Schmückwerk, die neben den Pulloverkisten noch in der Lagerhütte standen. Um sie herum schwirrten immer noch andere Glader raus und rein, auf der Suche nach weiteren Dekokisten oder auch nach einem neuen Pullover, wenn der vorhandene zu dünn war.
Fast hätte er Newt nicht verstanden, als der ebenfalls mit einer Kiste beladen schon wieder auf dem Weg nach draußen nun doch zu einer Erklärung ansetzte: "Von uns selbst. Jeder der will, schenkt jedem den er mag ein kleines Geschenk. Was zu essen, was nützliches... Albys gestrickte Mützen sind jedes Jahr der Renner!" Sein keckes Zwinkern hätte wäre fast im allgemeinen Gewusel untergegangen.
Brav folgte Thomas Newt zurück zum Feierplatz, wo Gally offenbar als Baumbinder erfolgreich gewesen ist und nun anfing, die kahlen, dürren Zweige mit immer noch kräfitg grünen Efeuranken so zu um wickeln, dass es aussah, als wenn sie dort natürlich gewachsen. Auf Thomas' fragenden Blick hin zuckte sein Freund nur mit den Schultern. "Wir haben keine Tannen hier im Glade, und die Laubbäume sind um die Zeit kahler als Albys Kopf. Irgendwie müssen wir das Ganze ja grün kriegen. Unter kargem Knochengeäst will bestimmt keiner seine Geschenke rauspflücken."
Prüfend nickte Thomas einmal zum Baum, als Zeichen, dass er verstanden hatte, dann zu Newt, wo er den Kopf schief legte: "Schenkst du mir auch etwas?"
Für einen Moment war Newt still.
Sofort befürchtete Thomas etwas unglaublich dummes gefragt zu haben, als Newts helles Lachen von einer Sekunde zur Anderen die Atemwolken um sie herum zum Tanzen brachte.
Kräftig schlug der Andere ihm mit der Hand auf die Schulter, während es in seinen Augen schelmisch blitzte. "Das wüsstest du wohl gern!" lachte er.
"- So. Aber nun fass' gefälligst mit an, du fauler Shank, sonst kriegen wir die Jahrestanne nie fertig!"
-:-
Die Zeit verging wie im Flug. Unter Newts konkreten Anweisungen und mit Gallys unnützen Kommentaren schafften es die Drei es schon bis zum Mittag die sogenannte Tanne komplett mit Efeu zu verkleiden und anschließend mit den Massen an Schleifen und Winstons aufwendigen Schnitzarbeiten zu verzieren.
Als Gally das letzte Holzei anhängte, taten Thomas und Newt schon einen Schritt zurück um sich ihr Werk zu betrachten. Dafür, dass es höchst wahrscheinlich Thomas' erste Efeu-Tanne war, sah sie wirklich gar nicht mal so schlecht aus.
Gally schien da ausnahmsweise mal seiner Meinung zu sein. "Klar sieht sie toll aus! Alles was ich mache, wird toll!" beschwerte er sich noch ein letztes mal, ehe er mit stolz erhobenem Kopf zum Mittagessen stapfte.
Newt und Thomas blieben zurück und betrachteten ihr ganze Werk noch einmal von oben bis unten.
"Irgendwas fehlt irgendwie." stellte Newt schließlich laut fest.
"Was denn?" Thomas konnte sich ehrlich nichts mehr vorstellen, was an dem beladenen Bäumchen noch fehlen konnte.
"Keine Ahnung. Irgendwas glänzendes. Was scheinendes, was den Baum erstrahlen lässt."
"Wir könnten kleinen Kerzen reinsetzen und sie zur Feier anzünden..." mutmaßte Thomas weiter, doch das winkte sein Gegenüber sofort wieder ab: "Lieber nicht, nachher brennt uns noch der ganze Baum ab."
-:-
Newt wurde still danach.
Beim Essen schien er durchgehend in seinen Gedanken zu hängen und auch als sie anschließend die Tische und Stühle für das große Festessen um ihre Efeu-Tanne aufbauten, sah Thomas immer wieder, wie der Andere einen kurzen Moment verharrte und auf den Baum starrte, ganz so, als wenn er sich immer noch Gedanken um das Fehlende Etwas machen würde.
Irgendwann - lange nachdem die Stühle und Tische standen, der Festplatz selbst mit Girlanden verziert war und alle Helfer längst wieder am warmen Feuer in gemütlicher Abendrunde beisammen saßen - Alby mit einem dicken Kneul Wolle und zwei abgenutzten Stricknadeln in der Hand - als Thomas sich neben Newt setzte und der im Feuerschein wie selbstverständlich näher an ihn heranrutschte, um den Kopf auf dessen Schulter zu legen und die Kälte hoffentlich ein bisschen weiter auszuschließen, sagte er plötzlich ganz unvermittelt: "Silberlametta wäre schön."
Fast hätte Thomas geglaubt, das nur geträumt zu haben. "Was?"
"Lametta." Newt sah ihn nicht einmal an sondern starrte nur weiter ins warme Feuer. "Silberne Fäden, wie Stroh, die an den Zweigen hängen und den Schein der Feuer zurückwerfen. Als wenn in der Tanne Sterne glänzen würde..."
Er sagte nicht mehr dazu. Thomas wusste nicht, was er noch sagen sollte, deshalb wechselte er einfach das Thema und rutschte stattdessen in die Unterhaltung der Anderen mit rein, die gerade Winston ärgerten, dass, wenn er schon buntbemusterte Eier an den Baum hängen ließ, er doch auch schwappende Milch mit Punkten oder gestreifte Schweinekeulen oder irgendwas schnitzen müsste, um wenn schon denn schon allen Tieren im Glade gerecht zu werden.
-:-
Der nächste Morgen kam früh, das die Sonne durch den wolkenfreien Himmel schon zeitig zu sehen war. Die Luft war klar und windstill und es roch nach Schnee.
Newt hatte sich nach dem Aufstehen noch einen dicken Pulli mehr drüber ziehen müssen, so kalt war ihm geworden. Vorsorglich nahm er noch einen Pullover mehr mit, für Thomas, den er direkt für die nächsten Vorbereitungen abholen wollte, doch als er an dessen Hängematte ankam, musste er feststellen, dass diese bereits leer war.
"Er ist heute ganz früh aufgestanden." sagte Chuck ihm, ehe der sich noch einmal gähnend umdrehte und wieder in seine Hängematte kuschelte. Offenbar hatte er heute einen faulen Tag vor sich.
Was Newt im Moment nicht sonderlich weiterhalf, denn Thomas gefunden hatte er dadurch immer noch nicht.
Als logischste Schlussfolgerung fiel ihm erst einmal nur der Weg zum Frühstück ein, in der Hoffnung, dem Runner vielleicht dort zu begegnen. Wusste der Geier, warum der Morgenmuffel plötzlich freiwillig so früh aufstand.
Leider hatte er auch dort kein Glück.
Stattdessen kam ihm Alby entgegen, von fast komplett leeren Frühstückstischen, mit lautstarkem Geschepper im Hintergrund gefolgt von feurigen Schimpftiraden.
"Ich würde da lieber nicht reingehen!" begrüßte ihn der Leader auch gleich, gefolgt von erneutem Scheppern, als würde Frypan die ganze Küche auseinander nehmen. "Jemand hat ihm heute Nacht drei große Töpfe geklaut - die großen mit den Löchern." Wieder schepperte es ohrenbetäubend. Dann war es kurz still.
Im nächsten Moment stapfte Frypan so wütend auf sie beide zu, dass Newt unwillkührlich einen Schritt zurück tat. Die drohende Kelle in des Koches Hand entspannte die Situation dabei nicht wirklich. "Was glauben diese Shanks eigentlich, wie ich das Essen koche!? In meiner Schürze?" Frypan spuckte Donner und Doria.
"Beruhige dich!" Newt und Alby fielen fast gleichzeitig in die Rolle des beruhigenden Leaders zurück. "Weit können sie ja nicht sein." versuchte Newt sofort zu beschwichtigen. "Es hat sich bestimmt nur jemand einen Scherz erlaubt." ging auch Alby sofort darauf ein.
Mit einem kurzen Blick wusste beiden, dass sie nicht genau wussten, warum sich Frypan eigentlich so aufregte. Die Töpfe, um die es ging, waren alt, löschrig, eigentlich völlig nutzlos, und einzig der Koch allein bestand darauf, dass diese Töpfe nicht weggeschmissen wurden, weil er sie brauchte. Für was wusste keiner. 
Newt wusste es auch nicht so genau, als er mit Alby kurz ausmachte, dass er die Töpfe beziehungsweise den Übeltäter suchen gehen würde und der Leader bei Frypan bleiben würde, um den Glader mit der Kelle zu beruhigen. Probleme in der Küche verhinderten meistens geregelte Essenszeiten, was bei komplett nicht arbeitender Gladerschaft nicht besonders lustig war.
Außdem war Newt froh, dem kellenschwingenden Koch entkommen zu können. Wer weiß, ob der nicht noch irgendwann zu hieb, so wütend wie er war.
Leider bedeutete das aber auch, dass seine Suche nach Thomas erst einmal warten musste. So ungern er das auch aufgab. Aber Gladerbusiness ging in jedem Fall vor.
-:-
Wenn er gehofft hatte, den Schuldigen in ihrem kleinen Glade schnell zu finden, so hatte Newt sich leider deutlich geirrt. Auch nach mehreren Stunden des Suchens und Rumfragens fand sich weder eine Spur der Töpfe noch von Thomas, den er ja bei der Gelegenheit gleich mitsuchen konnte. 
Allerdings blieb beides wie vom Erdboden verschluckt.
Selbst das Mittagessen war längst vorbei und sogar Frypan hatte sich langsam wieder beruhigt, doch von Thomas fehlte weiterhin jede Spur.
Ganz langsam beschlich Newt sogar der dumpfe Gedanken, dass Thomas selbst etwas mit den verschollenen Töpfen zu tun haben könnte. Wie sonst sollte man sich das Verschwinden erklären?
Inzwischen hatte er sich sogar bis zu den Schuppen der einzelnen Gladergruppen durchgearbeitet, nachdem das systematische Durchsuchen der näheren Gebäude nichts gebracht hatte.
Mit einem Schlag beschlich Newt ein ungutes Gefühl. Thomas würde doch nicht etwa etwas dummes machen!?
In Newts Kopf schwirrte es, bei dem beängstigenden Gedanken, was Thomas nun schon wieder ausgeheckt haben könnte. Irgendwas musste es sein. Warum sollte er sonst schon den ganzen Tag verschwunden bleiben?
Ohne es zu wollen, spielten sich in seinem Kopf die wildesten Szenarien ab. Er würde nicht allein ins Labyrinth hinauslaufen, richtig? Wieso sollte er auch? Richtig?
Er würde ihm Bescheid geben. Ganz bestimmt.
Er würde nicht versuchen, die Töpfe als Panzerung zu benutzen oder - noch schlimmer - Versuchen mit den Töpfen einen Greever oder irgendwas anzugreifen, richtig? Tommy war hitzig, aber nicht dumm, RICHTIG!?
Ein jäher Schmerzensschrei riss ihn völlig überrascht aus den Gedanken.
Dann schepperte es dumpf, als wenn etwas hohles gegen eine Wand geworfen würde. Etwas hohles... Wie ein Topf.
Verwirrt schaute er sich um.
Er stand genau neben dem Schuppen wo die Gartenwerkzeuge aufbewahrt wurden - Schaufeln, Schneidwerkzeuge, ein paar unbenutzte Holzkübel - und erneut fluchte es verhalten.
Fast hätte Newt aufgelacht. Diese Stimme hätte er überall erkannt. Ohne Umschweife lief er sofort zur Schuppentür und drückte sie begleitet von dumpfen brummen leise auf.
Vorsichtig steckte er den Kopf durch den schmalen Spalt - und hatte fast laut aufgelacht.
Dort saß der verlorene Sohn. Mit den vermissten Töpfen! Zumindest konnte er einen davon in dem schlechten Licht der kleinen Kerzen ausmachen, in deren winzigen Schein Thomas angestrengt vor sich hinwerkelte.
Er selbst saß mit dem Rücken zur Tür, so dass er wahrscheinlich mitbekommen hatte, dass da jemand war, aber ganz offensichtlich nicht wissen konnte, wer es war.
"Mach die Tür zu und geh weg!"
Newt musste unweigerlich grinsen. Thomas schien zu denken, dass Chuck an der Tür war. Außer mit Newt sprach er mit niemandem so salopp vertraut. Und Newt schien er nicht zu erwarten, sonst, so wusste er, wäre seine Reaktion ein ganz andere.
Ungeachtet dessen schritt er in den Schuppen und machte die Tür trotzdem zu. Von innen.
Leise, aber eindeutig nicht unbemerkt ging er zu ihm hinüber, immer darauf bedacht, hinter seinem Rücken zu bleiben.
Dabei konnte er problemlos zusehen, was Thomas eigentlich tat.
Überall auf Tisch lagen lange und kurze Aluminiumstreifen verteilt, zum Teil sehr ungleichmäßig geschnitten, andere ausgefranst, wie abgerissen, verbogen und zur Unkenntlichkeit deformiert, offensichtlich in wildem durcheinander.
Eine zerbeulte, runde Platte mit einem großen Loch und spitz aussehendem Zackenrand lag nicht weit neben Thomas, währen der selbst versuchte, von einem recht langen, gerade gebogenen Stück Alu mit einer offenbar stumpfen Astschere einen langen Streifen abzuschneiden. Bei jedem Schnitt, mehr schlecht als recht ausführbar rollte sich der Streifen ein und kratzte ihm dabei entweder in die rotgefrohrene Hand oder versperrte ihm dabei die Sicht auf den nächsten Schnitt, was das ganze mehr wie reine Schikane der Aluplatte aussehen lies, als wirklich produktive Arbeit.
Nicht zu knapp fluchte Thomas erneut herzhaft.
Vorsichtig kam Newt noch einen Schritt näher.
"Was genau soll das werden, wenn es fertig ist?" Mit verschränkten Armen baute er sich seitlich hinter Thomas' Rücken auf, stark darauf bedacht, so desinteressiert wie möglich dabei zu klingen.
Thomas hingegen ignorierte ihn weiterhin. Stattdessen versuchte er einmal mehr mit seiner stumpfen Gartenschere durch die langen Bahnen aus Aluminium zu schneiden, was eher einem Gereiße und Gesäge ähnlich kam als alles andere.
"Lamettastreifen." kam nur die knappe Antwort. Offenbar wusste er immer noch nicht wer da stand.
Newt hingegen stockte. "Bitte was?"
"Lamettastreifen ." antwortete Thomas auch sofort noch einmal, weiterhin starr auf seine Arbeit fixiert. "Streifen die wie Sterne funkeln, keine Ahnung, frag Newt."
Mit großen Augen starrte genau der ihn von oben herab an, völlig perplex ob dieser Antwort.
Dann sah er noch einmal zu, wie Thomas versuchte mit seinem stumpfen Werkzeug lange, dünne Streifen aus dem Aluminium zu schneiden, die er anschließend, gelungen oder nicht gelungen auf einen Stapel neben sich legte, wo bereits einige mehr oder minder erkennbare, ungleichmäßig dicke Streifen lagen, teilweise gebogen, wie schlechte Hufeisen, teilweise noch glatt, dafür stellenweise scharf und ungerade.
"Lametta?" Newt war so überrascht, dass ihm kurzzeitig die Worte fehlte.
Thomas hingegen brummte noch einmal: "Ja, sag ich doch. Frag Newt. Der weiß das. Ich hab keine Zeit."
Nun musste der Andere doch lächeln.
Sanft wurde sein Blick, als er weiterhin Thomas dabei zusah, wie er sich weiterhin abmühte, ganz offensichtlich darauf bedacht, sich nicht noch einmal zu schneiden
"Ich red aber lieber mit dir als mit mir selbst." lächelte er frech, dass Thomas sich so plötzlich umdrehte, dass Newt fast glaubte, es in dessen Nacken knacken hören zu müssen.
"Was machst du denn hier!?" entfuhr es ihm auch sofort.
"Frypans Töpfe suchen." antwortete Newt mit einem gespielt finsteren Blick, wobei er noch einmal, diesmal ganz offen und prüfender Miene genau betrachtete, was Thomas da tat. Nicht dass er es schon gesehen hatte.
Thomas selbst lief so rot an, dass seine rotgefrorene Nase schon fast nicht mehr zu sehen war. "Ich wollte - also das Lametta... - die Töpfe..."
Selbst Newt konnte sehen, dass in Thomas' Kopf die Gedanken mehrere Meilen Minute rasten und konnte es sich nicht nehmen lassen, ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue zu ärgern.
Das brachte Thomas nur noch mehr aus der Fassung.
Doch noch ehe er weiter stottern konnte, erlöste Newt ihn aus seinem Dilemma und beugte sich kurzerhand vor um ihm zwinkernd die Astschere aus der Hand zu nehmen. "Rutsch rüber, du Grobmotoriker. Ich zeig dir jetzt mal, wie richtiges Lametta aussieht!"

Date: 2014-12-06 10:26 am (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com
Hach, ich hab eben nochmal drübergelesen und ich mag es. :)
Es ist doch erstaunlich, wie man selbst in einer so düsteren Geschichte so schönes fluff hinkriegt *__*
Und oh Gott, Winston, der Figuren aus Holz zur Deko schnitzt, Gott, es ist so niedlich ;_;

Und nur Thomas käme auf die Idee, Lametta aus alten Töpfen zu bauen (da kommen nur harte Alustreifen raus, aber Thoma, you tried ;_; You tried so hard xD)
Hach...ach Newtmas ;___; Ich hoffe, die beiden haben sich dann noch nett unterhalten und gelacht und sich vielleicht ein bisschen umarmt? *_*

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