Kaktuskummer
Sep. 13th, 2007 10:32 pmFandom: Digimon (02)
Pairing: Keines diesmal
Personen: Jou Kido, Taichi Yagami, Yamato Ishida
Warnung: Ein bisschen Jou ooc, fürchte ich. Ich kann es einfach nicht XD
Challenge: #2 Gewinnen und Verlieren
Kommentar: Das ist die "Fortsetzung" eines Drabbles, welches ich mal letztes Jahr oder so geschrieben habe. Muss man dazu aber nicht kennen.
Sie hatten einen Kaktus dabei, als sie ihn im Krankenhaus besuchen kamen.
Keinen dieser stacheligen, unverträglichen Dinger, nein, einen ganz weich anmutenden mit einer großen pinkfarbenen Blüte.
„Blumen sind immer so scheiße kitschig.“, sagte Taichi und zog mit entschuldigem Lächeln eine Tüte M&Ms aus seiner Jackentasche.
„Hier, gibt´s dazu!“
Jou setzte sich ein bisschen gerader hin, so gerade wie das eben ging mit dem seltsamen Krankenbett. Er blickte die beiden aus seinem gesunden Auge an und versuchte, zurück zu lächeln.
„Und der da wird dich nie pieksen.“, versprach Taichi während Yamato das Pflänzchen auf den Nachttisch neben Jous Bett stellte. Zwischen all dem klinischen Weiß wirkte es verloren.
Dann wurde es still zwischen ihnen.
Jou konnte nicht gerade von sich behaupten, dass er peinliche Pausen hasste. Im Gegenteil, er brachte ihnen viel Verständnis entgegen, weil er selbst oft genug Momente hatte, in denen er nicht wusste, was er sagen sollte, bzw. wie er sagen sollte, was er zu sagen gedachte.
„Wie geht´s dir so?“
Es war schließlich Yamato, der den Mut bewies, eine Klischeefrage zu stellen. Unerschrocken sah er ihn an, der er sich fühlte wie eine Mumie. Es war schwer genug, die Brille auf die Nase zu bekommen bei all den Verbänden. Um seinen Kopf hatte man ihm noch einen gewickelt, sein zu Brei zerschlagenes Auge war ohnehin verpackt und dazwischen guckten oben und unten liederlich seine dunklen, langen Haare heraus wie bei einer schlecht gebauten Vogelscheuche.
„Es wird schon wieder besser.“, sagte Jou diplomatisch. Er mochte es nicht, wenn man sich seinetwegen Sorgen machte. Und doch, in seiner Brustgegend fühlte sich etwas eng an. Diese beiden hier hätte er am liebsten gar nicht gesehen.
Wenn man es von der unbesonnenen Seite betrachtete, waren sie Schuld an seiner Misere.
„Lass dir nicht immer alles gefallen!“, hatte Taichi gesagt.
„Wer sind die denn, dass die Schutzgeld von dir kassieren dürfen! Stampf einfach mal mit dem Fuß auf und sag nein dazu!“
Genau das hatte er getan. Und dann hatten ihn diese Kerle auseinandergenommen.
Mit dem Ergebnis, dass er nun mit einem ausgeschlagen Zahn, einem Breiauge und einem gebrochenen Arm im Krankenhaus liegen musste, nicht zur Prüfungsvorbereitung in die Juku gehen konnte und seine AGs in der Schule vernachlässigen musste.
„Das Leben ist wie ein Spiel!“, hatte Taichi verschmitzt gelacht.
„Nur wer sich was traut, kommt weiter!“
„Du wirst doch wieder ganz gesund, oder?“
Yamato kam vorsichtig näher und berührte den dicken Kopfverband sanft. Seine hellen Haare schimmerten in der Nachmittagssonne.
Nein, das Leben war kein Spiel, in dem man den Fortgang selbst bestimmen konnte. Es war wie Schere-Stein-Papier. Wenn man zur falschen Zeit falsch handelte, fickte es einen. Das Leben fickt mich, das war einer dieser Aussprüche von Yamato, wenn dieser mal wieder mit den Nerven am Ende war und aus lauter Zynismus seine Kurt Cobain-Masche hervorholte.
Jou selbst benutzte diese Redewendung eigentlich nie.
„Ja, das wird schon.“, wehrte er freundlich ab.
„Macht euch keinen Kopf.“
So richtig wusste er selbst nicht, wie er denken sollte. Ob er innerlich von Taichi eine Entschuldigung verlangen sollte. Aber die ultimative Wahrheit gab es nicht. Es gab nur das Spiel, nur Gewinnen oder Verlieren und scheinbar setzte sich das vorher fest.
Und er, er konnte nicht einmal beim Pokern bluffen. Es war eine Katastrophe mit ihm.
„Wir machen uns ganz viel Kopf.“, sagte Taichi dann.
Er sagte es nicht laut, auch nicht mit dem Brustton, den er sonst an den Tag legte. Dennoch, dies war ehrlich bis in die Knochen gemeint.
„Wir haben vielleicht so gar nichts gemeinsam, aber wir sind doch Freunde.“
Jou seufzte und schaute den Kaktus an, der neben ihm so unschuldig blühte. Er fühlte sich ein bisschen so wie dieses Mitbringsel. Stacheln vortäuschend, aber wehrlos bis zum Letzten.
Scheinbar hatte er alles falsch gemacht.
Alles auf die falsche Karte gesetzt, die falsche Kombination beim Schere-Stein-Papier gebracht, was auch immer.
Taichis Freundschaftserwähnung half ihm nicht.
Und das war es, was ihn in diesem Augenblick tieftraurig stimmte.
Zum ersten Mal griff das Freundschaftsargument nicht mehr.
Er spürte ihre Wärme, spürte wie sie ihm gut zuredeten, ihn sanft knufften und streichelten.
Doch es änderte nichts.
Gar nichts.
Im entscheidenden Moment war er allein gewesen.
Pairing: Keines diesmal
Personen: Jou Kido, Taichi Yagami, Yamato Ishida
Warnung: Ein bisschen Jou ooc, fürchte ich. Ich kann es einfach nicht XD
Challenge: #2 Gewinnen und Verlieren
Kommentar: Das ist die "Fortsetzung" eines Drabbles, welches ich mal letztes Jahr oder so geschrieben habe. Muss man dazu aber nicht kennen.
Sie hatten einen Kaktus dabei, als sie ihn im Krankenhaus besuchen kamen.
Keinen dieser stacheligen, unverträglichen Dinger, nein, einen ganz weich anmutenden mit einer großen pinkfarbenen Blüte.
„Blumen sind immer so scheiße kitschig.“, sagte Taichi und zog mit entschuldigem Lächeln eine Tüte M&Ms aus seiner Jackentasche.
„Hier, gibt´s dazu!“
Jou setzte sich ein bisschen gerader hin, so gerade wie das eben ging mit dem seltsamen Krankenbett. Er blickte die beiden aus seinem gesunden Auge an und versuchte, zurück zu lächeln.
„Und der da wird dich nie pieksen.“, versprach Taichi während Yamato das Pflänzchen auf den Nachttisch neben Jous Bett stellte. Zwischen all dem klinischen Weiß wirkte es verloren.
Dann wurde es still zwischen ihnen.
Jou konnte nicht gerade von sich behaupten, dass er peinliche Pausen hasste. Im Gegenteil, er brachte ihnen viel Verständnis entgegen, weil er selbst oft genug Momente hatte, in denen er nicht wusste, was er sagen sollte, bzw. wie er sagen sollte, was er zu sagen gedachte.
„Wie geht´s dir so?“
Es war schließlich Yamato, der den Mut bewies, eine Klischeefrage zu stellen. Unerschrocken sah er ihn an, der er sich fühlte wie eine Mumie. Es war schwer genug, die Brille auf die Nase zu bekommen bei all den Verbänden. Um seinen Kopf hatte man ihm noch einen gewickelt, sein zu Brei zerschlagenes Auge war ohnehin verpackt und dazwischen guckten oben und unten liederlich seine dunklen, langen Haare heraus wie bei einer schlecht gebauten Vogelscheuche.
„Es wird schon wieder besser.“, sagte Jou diplomatisch. Er mochte es nicht, wenn man sich seinetwegen Sorgen machte. Und doch, in seiner Brustgegend fühlte sich etwas eng an. Diese beiden hier hätte er am liebsten gar nicht gesehen.
Wenn man es von der unbesonnenen Seite betrachtete, waren sie Schuld an seiner Misere.
„Lass dir nicht immer alles gefallen!“, hatte Taichi gesagt.
„Wer sind die denn, dass die Schutzgeld von dir kassieren dürfen! Stampf einfach mal mit dem Fuß auf und sag nein dazu!“
Genau das hatte er getan. Und dann hatten ihn diese Kerle auseinandergenommen.
Mit dem Ergebnis, dass er nun mit einem ausgeschlagen Zahn, einem Breiauge und einem gebrochenen Arm im Krankenhaus liegen musste, nicht zur Prüfungsvorbereitung in die Juku gehen konnte und seine AGs in der Schule vernachlässigen musste.
„Das Leben ist wie ein Spiel!“, hatte Taichi verschmitzt gelacht.
„Nur wer sich was traut, kommt weiter!“
„Du wirst doch wieder ganz gesund, oder?“
Yamato kam vorsichtig näher und berührte den dicken Kopfverband sanft. Seine hellen Haare schimmerten in der Nachmittagssonne.
Nein, das Leben war kein Spiel, in dem man den Fortgang selbst bestimmen konnte. Es war wie Schere-Stein-Papier. Wenn man zur falschen Zeit falsch handelte, fickte es einen. Das Leben fickt mich, das war einer dieser Aussprüche von Yamato, wenn dieser mal wieder mit den Nerven am Ende war und aus lauter Zynismus seine Kurt Cobain-Masche hervorholte.
Jou selbst benutzte diese Redewendung eigentlich nie.
„Ja, das wird schon.“, wehrte er freundlich ab.
„Macht euch keinen Kopf.“
So richtig wusste er selbst nicht, wie er denken sollte. Ob er innerlich von Taichi eine Entschuldigung verlangen sollte. Aber die ultimative Wahrheit gab es nicht. Es gab nur das Spiel, nur Gewinnen oder Verlieren und scheinbar setzte sich das vorher fest.
Und er, er konnte nicht einmal beim Pokern bluffen. Es war eine Katastrophe mit ihm.
„Wir machen uns ganz viel Kopf.“, sagte Taichi dann.
Er sagte es nicht laut, auch nicht mit dem Brustton, den er sonst an den Tag legte. Dennoch, dies war ehrlich bis in die Knochen gemeint.
„Wir haben vielleicht so gar nichts gemeinsam, aber wir sind doch Freunde.“
Jou seufzte und schaute den Kaktus an, der neben ihm so unschuldig blühte. Er fühlte sich ein bisschen so wie dieses Mitbringsel. Stacheln vortäuschend, aber wehrlos bis zum Letzten.
Scheinbar hatte er alles falsch gemacht.
Alles auf die falsche Karte gesetzt, die falsche Kombination beim Schere-Stein-Papier gebracht, was auch immer.
Taichis Freundschaftserwähnung half ihm nicht.
Und das war es, was ihn in diesem Augenblick tieftraurig stimmte.
Zum ersten Mal griff das Freundschaftsargument nicht mehr.
Er spürte ihre Wärme, spürte wie sie ihm gut zuredeten, ihn sanft knufften und streichelten.
Doch es änderte nichts.
Gar nichts.
Im entscheidenden Moment war er allein gewesen.