Unter den Blinden ist der Einäugige König
Oct. 19th, 2014 12:42 pmChallenge: hc-Tabelle - Stimmlos
Fandom: Original: Our Own World
Charaktere: Sabine, Nathalie
Anmerkung: Nicht wundern, ich bin gerade dabei, die Geschichte nochmal komplett neu aufzurollen, diesmal mit Fokus auf Nathalie. Die anderen werden natürlich nicht zu kurz kommen, in den kleinen Ficlets kann ich ja eh machen, was ich will. *grins*
Inspiriert von diesem großartigen Bild *-*
Das Eiscafé war ziemlich voll. Irgendwie merkwürdig, wenn man bedachte, dass es Herbst war. Aber außerhalb von dem Kaff aus dem Sabine kam, hatten diese Läden nunmal mehr zu bieten als einfach nur Eis. Was auch ganz gut so war. Sie mochte zwar Eis, aber wenn es draußen nieselte war das nicht gerade ihre Lieblingsspeise. Ein schöner Latte und eine Portion Waffeln taten auch ihren Dienst, während Nathalie in ihrem Eisbecher herumstocherte.
Es hatte eine Weile gebraucht, bis Sabine aufgefallen war, dass Nathalie irgendwie abwesend erschien. Sie war viel zu sehr darin vertieft gewesen, sich über Stephan auszulassen, der allen Ernstes den Nerv gehabt hatte, in der Anatomievorlesung einzuschlafen. „Für nen angehenden Pathologen ist Anatomie sogar nicht ganz unwichtig, aber der scheints ja nicht nötig zu haben. Ich weiß nicht mal, warum er in dem Kurs überhaupt sitzt, er sollte den schon lange fertig haben. Nathalie? Hörst du mir zu?“ Vielleicht war es eine eher bescheidene Idee gewesen, ausgerechnet Stephan oder ihr Studium als Thema zu wählen. Immerhin konnte Nathalie damit sicher nichts anfangen. Liang hätte ihr schon lange das Wort abgeschnitten oder sie einfach reden lassen und sein Handy rausgeholt. Verena hätte ihr klipp und klar zu verstehen gegeben, dass ihr Geschwätz über die Uni keinen interessierte und sie weiter über Stephan ausgefragt. Der war für Sabines Geschmack zwar etwas zu oft das Thema, aber selbst sie merkte, dass sie in der Regel selbst davon anfing.
Aber Nathalie... die saß da, rührte in ihrem Eisbecher herum bis da sicher nichts mehr guten Gewissens als Eis bezeichnet werden konnte und träumte. Jetzt schreckte sie auf und grinste verlegen. Eindeutig verlegen. Klar, keiner wurde gerne dabei erwischt, wie er so offensichtlich nicht zuhörte.
„Ähm... ja? Sorry. Ich war woanders.“ Sie fuhr sich durch ihre ohnehin schon unordentlichen Haare. Seit Wochen redete sie davon, dass sie zum Friseur musste, um sie wieder ansehlich zu bekommen, aber das liebe Geld fehlte leider.
„Ja, das habe ich gemerkt. Wenns dich nicht interessiert, dann sags doch einfach. Ich weiß ja, dass ich ins Plappern komme, wenn ich in einem Thema zu sehr drin bin.“
„Nein nein. Mach dir keinen Kopf. Ich habe an meine Bachelorarbeit gedacht.“
„Die hast du doch noch nicht mal angemeldet.“
„Na und? Das werde ich auch erst machen, wenn ich sie halb fertig habe. Sechs Wochen Bearbeitungszeit, das ist doch dämlich.“
„Es sind nur 30 Seiten die du da schreiben musst.“ Das war jetzt nun wirklich kaum der Rede wert. Nathalie schrieb doppelt so viel in in der Hälfte der Zeit, wenn die Muse sie zwickte. Sie wussten alle, dass an Nathalie kein neuer Stern am Literaturhimmel verloren ging, aber darum gings ja nicht. Nicht für sie.
„Das Problem ist, dass es 30 verdammt gute Seiten sein müssen. Mein Erstprüfer hat das Thema ja schon abgesegnet und will mir Tipps geben, wenn ich hänge. Aber die Bachelorarbeit kann meinen ganzen Schnitt runterreißen. Und dann kann ich den Master vergessen. Vor allem weil ich ja meine Eltern noch davon überzeugen muss, dass ich ihn mache. Mit einer miesen Abschlussnote kann ich das knicken.“
Das war das Hauptproblem. Nathalies Eltern hatten eine sehr problematische Beziehung zueinander und wenn es nach ihrer Mutter ging, würde sie nach dem Bachelorabschluss endlich arbeiten gehen. Was Nathalie überhaupt nicht einsah. Sabine war heilfroh, nicht solche Probleme zu haben. Sie hatte ihre Ausbildung zur Krankenschwester in der Tasche und bekam den Vollsatz an Bafög. Zwar hatte sie mit dem Studiumsbeginn das Rauchen aufgeben müssen, es war auf Dauer einfach zu teuer geworden, aber im Großen und Ganzen kam sie gut klar. Vor allem weil ihre Eltern es grandios fanden, dass sie Ärztin werden wollte und sich auf gut Deutsch den Arsch dafür aufrissen, dass sie sich voll und ganz darauf konzentrieren konnte.
Nathalie seufzte tonnenschwer. „Das ist doch alles zum Kotzen.“
„Die Uni?“
„Ja, die auch.“
„Was denn noch?“ Eigentlich bildete Sabine sich ein, über Nathalies Probleme Bescheid zu wissen oder wenigstens dass sie ihr genug vertraute, um sich ihr anzuvertrauen. Dass es da etwas gab, was sie nicht wusste, gefiel ihr nicht.
„Nichts weiter.“
„Ja. Klar. Ich bin zwar schwer von Begriff aber so schwer dann doch nicht.“ Bachelorarbeit hin oder her, Nathalie gehörte nicht zu denen, die sich langfristig von so etwas ärgern ließen. Da war irgendetwas anderes. Etwas, worüber sie ganz offensichtlich nicht reden wollte.
Der Blick, den Nathalie ihr daraufhin zuwarf gehörte zu der Sorte, die Sabine nicht lesen konnte. In diesem Moment ärgerte sie sich nur noch mehr über ihre offensichtliche Schwäche, zu erkennen was mit anderen nicht stimmte. Auf der emotionalen Ebene. Wenn man ihr Symptome gab, konnte sie damit arbeiten. Aber Patienten redeten normalerweise mit einem, schließlich wollten sie, dass der Arzt ihnen half.
„Liebeskummer?“, wagte sie einen Schuss ins Blaue und wurde prompt belohnt indem Nathalie das Gesicht verzog. „Ich hab doch gesagt, da ist nichts weiter.“
Also ja. Wow, ausnahmsweise hatte sie mal richtig gelegen. Aber sie fragte nicht weiter nach, obwohl es sie brennend interessierte, was da genau vorgefallen war. Einmal hatte Nathalie sich total betrunken bei ihr ausgeheult, wie unfair es doch war, dass die tollen Frauen alle hetero waren. Am nächstne Tag hatte sie so getan, als würde sie sich nicht mehr daran erinnern, was Sabine aber keine Sekunde lang geglaubt hatte.
Möglich, dass dieses Problem immer noch bestand.
Wie aber reagieren? Etwas mitfühlendes (und total abgedroschenes) sagen? Die Klappe halten?
Sabine entschied sich für letzteres. Bis das Schweigen zwischen ihnen zu lange anhielt. Dann meinte sie: „Wir können ja morgen abend in diese Cocktailbar gehen. Diese neueröffnete am Hafen. Oder ins Kino.“
„Ich bin morgen schon mit Verena verabredet... oder eher: Sie hat angedroht, mich abzufüllen, damit ich wieder besser drauf bin. Wir können dabei ja diese Cocktailbar testen und beim nächsten Mal gehen wir beide. Oder schleppen Liang mit.“
„Guter Plan.“ Falls Liang sich dazu breitschlagen ließ, er war kein großer Fan von solchen Aktionen. Einsiedler.
Fandom: Original: Our Own World
Charaktere: Sabine, Nathalie
Anmerkung: Nicht wundern, ich bin gerade dabei, die Geschichte nochmal komplett neu aufzurollen, diesmal mit Fokus auf Nathalie. Die anderen werden natürlich nicht zu kurz kommen, in den kleinen Ficlets kann ich ja eh machen, was ich will. *grins*
Inspiriert von diesem großartigen Bild *-*
Das Eiscafé war ziemlich voll. Irgendwie merkwürdig, wenn man bedachte, dass es Herbst war. Aber außerhalb von dem Kaff aus dem Sabine kam, hatten diese Läden nunmal mehr zu bieten als einfach nur Eis. Was auch ganz gut so war. Sie mochte zwar Eis, aber wenn es draußen nieselte war das nicht gerade ihre Lieblingsspeise. Ein schöner Latte und eine Portion Waffeln taten auch ihren Dienst, während Nathalie in ihrem Eisbecher herumstocherte.
Es hatte eine Weile gebraucht, bis Sabine aufgefallen war, dass Nathalie irgendwie abwesend erschien. Sie war viel zu sehr darin vertieft gewesen, sich über Stephan auszulassen, der allen Ernstes den Nerv gehabt hatte, in der Anatomievorlesung einzuschlafen. „Für nen angehenden Pathologen ist Anatomie sogar nicht ganz unwichtig, aber der scheints ja nicht nötig zu haben. Ich weiß nicht mal, warum er in dem Kurs überhaupt sitzt, er sollte den schon lange fertig haben. Nathalie? Hörst du mir zu?“ Vielleicht war es eine eher bescheidene Idee gewesen, ausgerechnet Stephan oder ihr Studium als Thema zu wählen. Immerhin konnte Nathalie damit sicher nichts anfangen. Liang hätte ihr schon lange das Wort abgeschnitten oder sie einfach reden lassen und sein Handy rausgeholt. Verena hätte ihr klipp und klar zu verstehen gegeben, dass ihr Geschwätz über die Uni keinen interessierte und sie weiter über Stephan ausgefragt. Der war für Sabines Geschmack zwar etwas zu oft das Thema, aber selbst sie merkte, dass sie in der Regel selbst davon anfing.
Aber Nathalie... die saß da, rührte in ihrem Eisbecher herum bis da sicher nichts mehr guten Gewissens als Eis bezeichnet werden konnte und träumte. Jetzt schreckte sie auf und grinste verlegen. Eindeutig verlegen. Klar, keiner wurde gerne dabei erwischt, wie er so offensichtlich nicht zuhörte.
„Ähm... ja? Sorry. Ich war woanders.“ Sie fuhr sich durch ihre ohnehin schon unordentlichen Haare. Seit Wochen redete sie davon, dass sie zum Friseur musste, um sie wieder ansehlich zu bekommen, aber das liebe Geld fehlte leider.
„Ja, das habe ich gemerkt. Wenns dich nicht interessiert, dann sags doch einfach. Ich weiß ja, dass ich ins Plappern komme, wenn ich in einem Thema zu sehr drin bin.“
„Nein nein. Mach dir keinen Kopf. Ich habe an meine Bachelorarbeit gedacht.“
„Die hast du doch noch nicht mal angemeldet.“
„Na und? Das werde ich auch erst machen, wenn ich sie halb fertig habe. Sechs Wochen Bearbeitungszeit, das ist doch dämlich.“
„Es sind nur 30 Seiten die du da schreiben musst.“ Das war jetzt nun wirklich kaum der Rede wert. Nathalie schrieb doppelt so viel in in der Hälfte der Zeit, wenn die Muse sie zwickte. Sie wussten alle, dass an Nathalie kein neuer Stern am Literaturhimmel verloren ging, aber darum gings ja nicht. Nicht für sie.
„Das Problem ist, dass es 30 verdammt gute Seiten sein müssen. Mein Erstprüfer hat das Thema ja schon abgesegnet und will mir Tipps geben, wenn ich hänge. Aber die Bachelorarbeit kann meinen ganzen Schnitt runterreißen. Und dann kann ich den Master vergessen. Vor allem weil ich ja meine Eltern noch davon überzeugen muss, dass ich ihn mache. Mit einer miesen Abschlussnote kann ich das knicken.“
Das war das Hauptproblem. Nathalies Eltern hatten eine sehr problematische Beziehung zueinander und wenn es nach ihrer Mutter ging, würde sie nach dem Bachelorabschluss endlich arbeiten gehen. Was Nathalie überhaupt nicht einsah. Sabine war heilfroh, nicht solche Probleme zu haben. Sie hatte ihre Ausbildung zur Krankenschwester in der Tasche und bekam den Vollsatz an Bafög. Zwar hatte sie mit dem Studiumsbeginn das Rauchen aufgeben müssen, es war auf Dauer einfach zu teuer geworden, aber im Großen und Ganzen kam sie gut klar. Vor allem weil ihre Eltern es grandios fanden, dass sie Ärztin werden wollte und sich auf gut Deutsch den Arsch dafür aufrissen, dass sie sich voll und ganz darauf konzentrieren konnte.
Nathalie seufzte tonnenschwer. „Das ist doch alles zum Kotzen.“
„Die Uni?“
„Ja, die auch.“
„Was denn noch?“ Eigentlich bildete Sabine sich ein, über Nathalies Probleme Bescheid zu wissen oder wenigstens dass sie ihr genug vertraute, um sich ihr anzuvertrauen. Dass es da etwas gab, was sie nicht wusste, gefiel ihr nicht.
„Nichts weiter.“
„Ja. Klar. Ich bin zwar schwer von Begriff aber so schwer dann doch nicht.“ Bachelorarbeit hin oder her, Nathalie gehörte nicht zu denen, die sich langfristig von so etwas ärgern ließen. Da war irgendetwas anderes. Etwas, worüber sie ganz offensichtlich nicht reden wollte.
Der Blick, den Nathalie ihr daraufhin zuwarf gehörte zu der Sorte, die Sabine nicht lesen konnte. In diesem Moment ärgerte sie sich nur noch mehr über ihre offensichtliche Schwäche, zu erkennen was mit anderen nicht stimmte. Auf der emotionalen Ebene. Wenn man ihr Symptome gab, konnte sie damit arbeiten. Aber Patienten redeten normalerweise mit einem, schließlich wollten sie, dass der Arzt ihnen half.
„Liebeskummer?“, wagte sie einen Schuss ins Blaue und wurde prompt belohnt indem Nathalie das Gesicht verzog. „Ich hab doch gesagt, da ist nichts weiter.“
Also ja. Wow, ausnahmsweise hatte sie mal richtig gelegen. Aber sie fragte nicht weiter nach, obwohl es sie brennend interessierte, was da genau vorgefallen war. Einmal hatte Nathalie sich total betrunken bei ihr ausgeheult, wie unfair es doch war, dass die tollen Frauen alle hetero waren. Am nächstne Tag hatte sie so getan, als würde sie sich nicht mehr daran erinnern, was Sabine aber keine Sekunde lang geglaubt hatte.
Möglich, dass dieses Problem immer noch bestand.
Wie aber reagieren? Etwas mitfühlendes (und total abgedroschenes) sagen? Die Klappe halten?
Sabine entschied sich für letzteres. Bis das Schweigen zwischen ihnen zu lange anhielt. Dann meinte sie: „Wir können ja morgen abend in diese Cocktailbar gehen. Diese neueröffnete am Hafen. Oder ins Kino.“
„Ich bin morgen schon mit Verena verabredet... oder eher: Sie hat angedroht, mich abzufüllen, damit ich wieder besser drauf bin. Wir können dabei ja diese Cocktailbar testen und beim nächsten Mal gehen wir beide. Oder schleppen Liang mit.“
„Guter Plan.“ Falls Liang sich dazu breitschlagen ließ, er war kein großer Fan von solchen Aktionen. Einsiedler.