Team: Erato
Fandom: Teen Wolf
Challenge: Angst - Joker (Blut, Schweiß und Tränen vom 10.01.2014) - Für das Team
Wörter: ~ 1000
Personen: Scott, Jackson und ein gewisser Kerl mit raspelkurzen Haaren
Anmerkung: Sozusagen ein Prequel zu meiner Bigbang, die ich gerade fertig stelle. Man nehme eine AU, in der Scott und Stiles sich als Kinder nie angefreundet haben (und deswegen ganz traurige kleine Würstchen sind)
Atmen.
Einfach immer weiteratmen.
Die meisten Menschen begreifen überhaupt nicht, wie schwierig das ist. Wie kann etwas, was für die meisten Wesen auf diesem Erdball die leichteste Übung überhaupt ist, für ihn so schwer sein?
Scott sieht, wie seine Mutter die Rechnung zu seinem funkelnagelneuen Inhalator verstohlen unter eine Werbebroschüre für das hiesige Möbelhaus schiebt.
Achtzig Dollar für eine externe Lungenprothese.
Er fährt zur Schule und überlegt, was man für diesen Betrag alles kaufen könnte.
Achtzig Dollar sind ein (sparsamer) Wocheneinkauf. Ein Paar neue Schuhe. Ein Friseurbesuch für seine Mom. Eineinhalb Tankfüllungen. Neue Gardinen.
Irgendetwas.
Alles ist nützlicher als eine Lungenprothese.
Scott ist fünfzehn und hat Pickel unter den Haaren, die er sich extra dagegen in die Stirn wachsen lässt. Sein Unterkiefer ist schief gewachsen. Er kommt nicht mit den Haaren klar, die ihm plötzlich an den unmöglichsten Stellen wachsen.
Aber das Atmen ist immer noch das größte Problem.
Jackson fängt ihn am Schultor ab, nachdem er sein Rad angeschlossen hat.
„Heute ist keine-Loser-Tag“, verkündet er und schubst Scott zur Seite.
Jackson ist älter und größer als Scott, und es ist klar, dass er bald der neue Kapitän des Lacrosse-Teams wird. Er erzählt der ganzen Schule, dass ihm seine Eltern zum sechzehnten Geburtstag einen Porsche schenken werden.
Jackson hat auch keine Mühe, zu atmen.
Scott versucht, seinen Schubser als Witz abzutun und macht Anstalten, sich an ihm vorbei ins Schulgebäude zu wurmen.
„Hey, hast du nicht gehört?“
Irgendjemand lacht im Hintergrund. Scott wird gegen ein Mädchen geschubst, das ihn böse anschaut und mit der Zunge schnalzt.
Aber er kann den Winkel nutzen, um an ihm vorbei zu schlüpfen und rennt los, so schnell ihn seine Beine tragen.
Als er im Unterrichtsraum ankommt, steht ihm der Schweiß auf der Stirn.
–
„Du.“
Coach Finstock schaut ihn von oben herab an wie ein unwürdiges Insekt.
„Du willst ins Lacrosse-Team.“
Es ist keine Frage. Es ist in Worte gefasstes Entsetzen.
„Mein Arzt sagt, ich soll Sport treiben?“, erwidert Scott und schaut kurz auf seine Schuhe. Seine Haare fallen ihm ins Gesicht und ein kleiner Teil seiner selbst fragt sich, warum er sich das hier eigentlich antut.
Aber seine Lungen sind zu schlecht für das Leichtathletik-Team oder für den Schwimmclub. Die Baseball-Leute sind viel zu eingebildet und für Basketball hat er nichts übrig.
Und eigentlich möchte er wirklich gerne Lacrosse spielen.
Der Coach betrachtet ihn von unten nach oben und wieder zurück.
„Hör mal“, sagt er schließlich,
„Ich bin der letzte, der was gegen Sport sagt. Aber wieso versuchst du es nicht erstmal damit, mit deinen Freunden nach der Schule ein paar Körbe zu werfen?“
Dann wendet er sich wieder dem Stapel Tests zu, die er gerade korrigiert. Für ihn ist das Gespräch eindeutig beendet.
Scott starrt auf die verstaubten Pokale, die auf dem Regal hinter dem Schreibtisch stehen, auf die winzige kahle Stelle, die sich kreisrund auf dem Kopf des Lehrers zu bilden beginnt.
„Ich ähm...“ Seine Stimme fühlt sich staubig an.
„Ich habe keine Freunde.“
–
In der Mittagspause bemerkt er, dass seine Taschentücher alle sind.
Nicht, dass er gerade dringend welche braucht.
Aber alle Tische in der Caféteria sind besetzt und Jacksons Freunde haben mit Papierkügelchen nach ihm geworfen, als er die Gänge entlang geschlichen ist.
Scott ignoriert seinen knurrenden Magen und sucht das Krankenzimmer auf. Denn: Alles ist weniger schlimm, wenn man beschäftigt aussieht.
Die Schwester, deren Namen er bis heute nicht weiß, sitzt geschäftig hinter ihrem PC und tippt mit ihrem zwei-Finger-Adler-Suchsystem Worte ein.
„McCall, du schon wieder.“ Inzwischen kann sie ihn offensichtlich aus dem Augenwinkel heraus erkennen.
„Was ist es denn diesmal?“
„Taschentücher?“
Er zieht den Kopf ein.
Sie sieht ihn nicht einmal an, sondern prustet in ihren Bildschirm, als habe er etwas Lustiges gesagt.
„Bedien dich.“
Auf der Liege sitzt ein eingestaubter Junge mit aufgeplatzter Lippe und blutender Nase.
Seine Klamotten sind zerschlissen, seine Haare so kurz rasiert, dass er aussieht wie ein Krebskranker. Oder fast. Für einen Krebskranken sehen seine Augen viel zu zornig aus. Scott besucht seine Mutter oft genug im Krankenhaus, um zu wissen, wie schwer kranke Menschen aussehen.
„Also, was war nochmal der Anlass?“, fragt die Schwester. Scott erstarrt und er wendet sich verwirrt herum.
„Weiß nicht“, sagt der Junge auf der Liege und baumelt übertrieben mit den Beinen in der Luft. Scott lässt einen seufzenden Atem fahren, als er bemerkt, dass nicht er mit der Frage gemeint war.
„Braucht man einen Anlass um in eine Hackfresse reinzuhauen?“
Der Junge zuckt mit den Schultern. Sein Blick trifft Scotts und verharrt auf ihm, scharf, dunkel und schwer.
Erschrocken wendet Scott sich wieder ab.
Die Schwester seufzt dramatisch.
„Du kannst doch nicht mit jedem eine Prügelei anfangen, nur weil dir sein Gesicht nicht gefällt, Stilinski!“
Der Junge zuckt erneut mit den Achseln. Er zieht die blutende Nase und wischt sich über das dreckige Gesicht.
„Ich kann's doch versuchen. Jeder braucht ein Ziel im Leben. Außerdem gibt’s auch genügend Gesichter, die mir gefallen.“
Sein Blick legt sich erneut auf Scott, und diesem fallen die Taschentücher aus den bebenden Fingern. Er entschuldigt sich murmelnd, hebt sie auf und verlässt fluchtartig den Raum, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her.
–
Sie warten bei seinem Fahrrad, als der Unterricht vorbei ist. Die meisten Schüler sind schon verschwunden.
Scott betrachtet sie aus der Ferne und nimmt einen Zug von seinem Asthma-Spray.
Er könnte nach Hause laufen. Aber ohne Fahrrad dauert das eine Ewigkeit. Und seine Mom würde nach dem Rad fragen.
Er seufzt angestrengt. Er denkt an den blutig geschlagenen Jungen von vorhin und wünscht sich, er könnte auch ein ganz klein wenig so sein.
Er wünscht sich, er wäre nicht so allein.
–
Jackson schubst ihn gegen sein Fahrrad und tritt ihm ins Schienbein.
Mit Scotts funkelnagelneuem Inhalator in der Tasche seiner neuen Lederjacke dreht er sich um und lacht Scott aus, weil dieser so ein armer Loser ist.
Achtzig Dollar für das Atmen. Futsch. Weg. Hinüber.
Scott wartet, bis die Jungen weg sind. Dann steht er auf, wischt sich den Dreck von seinen blutig geschrammten Knien und beugt sich langsam über sein Rad, so dass es aussieht, als würde er es umständlich abschließen.
Seine Tränen färben den Asphalt pünktchenweise dunkelgrau.
Atmen, denkt eine winzige Stimme in seinem Kopf.
Einfach weiteratmen.
Fandom: Teen Wolf
Challenge: Angst - Joker (Blut, Schweiß und Tränen vom 10.01.2014) - Für das Team
Wörter: ~ 1000
Personen: Scott, Jackson und ein gewisser Kerl mit raspelkurzen Haaren
Anmerkung: Sozusagen ein Prequel zu meiner Bigbang, die ich gerade fertig stelle. Man nehme eine AU, in der Scott und Stiles sich als Kinder nie angefreundet haben (und deswegen ganz traurige kleine Würstchen sind)
Atmen.
Einfach immer weiteratmen.
Die meisten Menschen begreifen überhaupt nicht, wie schwierig das ist. Wie kann etwas, was für die meisten Wesen auf diesem Erdball die leichteste Übung überhaupt ist, für ihn so schwer sein?
Scott sieht, wie seine Mutter die Rechnung zu seinem funkelnagelneuen Inhalator verstohlen unter eine Werbebroschüre für das hiesige Möbelhaus schiebt.
Achtzig Dollar für eine externe Lungenprothese.
Er fährt zur Schule und überlegt, was man für diesen Betrag alles kaufen könnte.
Achtzig Dollar sind ein (sparsamer) Wocheneinkauf. Ein Paar neue Schuhe. Ein Friseurbesuch für seine Mom. Eineinhalb Tankfüllungen. Neue Gardinen.
Irgendetwas.
Alles ist nützlicher als eine Lungenprothese.
Scott ist fünfzehn und hat Pickel unter den Haaren, die er sich extra dagegen in die Stirn wachsen lässt. Sein Unterkiefer ist schief gewachsen. Er kommt nicht mit den Haaren klar, die ihm plötzlich an den unmöglichsten Stellen wachsen.
Aber das Atmen ist immer noch das größte Problem.
Jackson fängt ihn am Schultor ab, nachdem er sein Rad angeschlossen hat.
„Heute ist keine-Loser-Tag“, verkündet er und schubst Scott zur Seite.
Jackson ist älter und größer als Scott, und es ist klar, dass er bald der neue Kapitän des Lacrosse-Teams wird. Er erzählt der ganzen Schule, dass ihm seine Eltern zum sechzehnten Geburtstag einen Porsche schenken werden.
Jackson hat auch keine Mühe, zu atmen.
Scott versucht, seinen Schubser als Witz abzutun und macht Anstalten, sich an ihm vorbei ins Schulgebäude zu wurmen.
„Hey, hast du nicht gehört?“
Irgendjemand lacht im Hintergrund. Scott wird gegen ein Mädchen geschubst, das ihn böse anschaut und mit der Zunge schnalzt.
Aber er kann den Winkel nutzen, um an ihm vorbei zu schlüpfen und rennt los, so schnell ihn seine Beine tragen.
Als er im Unterrichtsraum ankommt, steht ihm der Schweiß auf der Stirn.
–
„Du.“
Coach Finstock schaut ihn von oben herab an wie ein unwürdiges Insekt.
„Du willst ins Lacrosse-Team.“
Es ist keine Frage. Es ist in Worte gefasstes Entsetzen.
„Mein Arzt sagt, ich soll Sport treiben?“, erwidert Scott und schaut kurz auf seine Schuhe. Seine Haare fallen ihm ins Gesicht und ein kleiner Teil seiner selbst fragt sich, warum er sich das hier eigentlich antut.
Aber seine Lungen sind zu schlecht für das Leichtathletik-Team oder für den Schwimmclub. Die Baseball-Leute sind viel zu eingebildet und für Basketball hat er nichts übrig.
Und eigentlich möchte er wirklich gerne Lacrosse spielen.
Der Coach betrachtet ihn von unten nach oben und wieder zurück.
„Hör mal“, sagt er schließlich,
„Ich bin der letzte, der was gegen Sport sagt. Aber wieso versuchst du es nicht erstmal damit, mit deinen Freunden nach der Schule ein paar Körbe zu werfen?“
Dann wendet er sich wieder dem Stapel Tests zu, die er gerade korrigiert. Für ihn ist das Gespräch eindeutig beendet.
Scott starrt auf die verstaubten Pokale, die auf dem Regal hinter dem Schreibtisch stehen, auf die winzige kahle Stelle, die sich kreisrund auf dem Kopf des Lehrers zu bilden beginnt.
„Ich ähm...“ Seine Stimme fühlt sich staubig an.
„Ich habe keine Freunde.“
–
In der Mittagspause bemerkt er, dass seine Taschentücher alle sind.
Nicht, dass er gerade dringend welche braucht.
Aber alle Tische in der Caféteria sind besetzt und Jacksons Freunde haben mit Papierkügelchen nach ihm geworfen, als er die Gänge entlang geschlichen ist.
Scott ignoriert seinen knurrenden Magen und sucht das Krankenzimmer auf. Denn: Alles ist weniger schlimm, wenn man beschäftigt aussieht.
Die Schwester, deren Namen er bis heute nicht weiß, sitzt geschäftig hinter ihrem PC und tippt mit ihrem zwei-Finger-Adler-Suchsystem Worte ein.
„McCall, du schon wieder.“ Inzwischen kann sie ihn offensichtlich aus dem Augenwinkel heraus erkennen.
„Was ist es denn diesmal?“
„Taschentücher?“
Er zieht den Kopf ein.
Sie sieht ihn nicht einmal an, sondern prustet in ihren Bildschirm, als habe er etwas Lustiges gesagt.
„Bedien dich.“
Auf der Liege sitzt ein eingestaubter Junge mit aufgeplatzter Lippe und blutender Nase.
Seine Klamotten sind zerschlissen, seine Haare so kurz rasiert, dass er aussieht wie ein Krebskranker. Oder fast. Für einen Krebskranken sehen seine Augen viel zu zornig aus. Scott besucht seine Mutter oft genug im Krankenhaus, um zu wissen, wie schwer kranke Menschen aussehen.
„Also, was war nochmal der Anlass?“, fragt die Schwester. Scott erstarrt und er wendet sich verwirrt herum.
„Weiß nicht“, sagt der Junge auf der Liege und baumelt übertrieben mit den Beinen in der Luft. Scott lässt einen seufzenden Atem fahren, als er bemerkt, dass nicht er mit der Frage gemeint war.
„Braucht man einen Anlass um in eine Hackfresse reinzuhauen?“
Der Junge zuckt mit den Schultern. Sein Blick trifft Scotts und verharrt auf ihm, scharf, dunkel und schwer.
Erschrocken wendet Scott sich wieder ab.
Die Schwester seufzt dramatisch.
„Du kannst doch nicht mit jedem eine Prügelei anfangen, nur weil dir sein Gesicht nicht gefällt, Stilinski!“
Der Junge zuckt erneut mit den Achseln. Er zieht die blutende Nase und wischt sich über das dreckige Gesicht.
„Ich kann's doch versuchen. Jeder braucht ein Ziel im Leben. Außerdem gibt’s auch genügend Gesichter, die mir gefallen.“
Sein Blick legt sich erneut auf Scott, und diesem fallen die Taschentücher aus den bebenden Fingern. Er entschuldigt sich murmelnd, hebt sie auf und verlässt fluchtartig den Raum, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her.
–
Sie warten bei seinem Fahrrad, als der Unterricht vorbei ist. Die meisten Schüler sind schon verschwunden.
Scott betrachtet sie aus der Ferne und nimmt einen Zug von seinem Asthma-Spray.
Er könnte nach Hause laufen. Aber ohne Fahrrad dauert das eine Ewigkeit. Und seine Mom würde nach dem Rad fragen.
Er seufzt angestrengt. Er denkt an den blutig geschlagenen Jungen von vorhin und wünscht sich, er könnte auch ein ganz klein wenig so sein.
Er wünscht sich, er wäre nicht so allein.
–
Jackson schubst ihn gegen sein Fahrrad und tritt ihm ins Schienbein.
Mit Scotts funkelnagelneuem Inhalator in der Tasche seiner neuen Lederjacke dreht er sich um und lacht Scott aus, weil dieser so ein armer Loser ist.
Achtzig Dollar für das Atmen. Futsch. Weg. Hinüber.
Scott wartet, bis die Jungen weg sind. Dann steht er auf, wischt sich den Dreck von seinen blutig geschrammten Knien und beugt sich langsam über sein Rad, so dass es aussieht, als würde er es umständlich abschließen.
Seine Tränen färben den Asphalt pünktchenweise dunkelgrau.
Atmen, denkt eine winzige Stimme in seinem Kopf.
Einfach weiteratmen.
no subject
Date: 2014-10-04 07:16 pm (UTC)Why....? WHY?????
Hasst du mich? ;______;
Ist es das????
Why are you making my heart hurt??? Why are you making me feel these things? ;_; This is horrible. Not cool! NOT COOL!
*ugly sobbing*
Das ist ein Stilesloser Scott und ein Scottloser Stiles und alles ist furchtbar und wie funktioniert diese Welt und wie überleben die beiden das und alles trieft vor lauter Elend und Herzschmerz und Einsamkeit kommt aus jeder Zeile und ... NOT OKAY!! ;___;
Gah ... armer Scott .... armer Scott, der keine Luft kriegt und keine Freunde hat und geärgert wird und nicht weiß wohin mit sich und dem niemand zuhört und dem niemand sagt dass er toll ist und den niemand anfeuert dass er Lacrosse auf jeden Fall schaffen wird.... ;__; Wääh....
Und armer, zorniger, blutender Stiles ... den niemand zurückhält und dem niemand kreativere Wege zeigt seine Wut rauszulassen ... und den niemand in den Arm nimmt und sagt 'Ich hab dich....'
Geh weg. ;__;
Ich hab Gefühle im Auge....
no subject
Date: 2014-10-04 07:48 pm (UTC)*reicht ein Taschentuch* *flausch*
Aber ja, ein einsamer Scott ist irgendwie das Schrecklichste auf der ganzen Welt. Ein einsamer Scott, der sich während der großen Pause im Krankenzimmer versteckt oder auf der Jungstoilette im dritten Stock am Ende des Ganges sein Sandwich isst, und der versucht, irgendwelche Witze, die andere über ihn machen, als Witz abzutun und awkward grinst und dann versucht wegzugehen. Wäh. ;_;
Nein, nein. Denken wir nicht daran.