Übersinnlich - Fabelwesen (fürs Team)
Sep. 30th, 2014 07:29 pmTeam: Kalliope
Challenge: Übersinnlich – Fabelwesen
Titel: Die unstillbare Gier
Fandom: Tanz der Vampire (Musical)
Charaktere: Graf von Krolock
Wörter: 818
Warnung: ohne Beta
Anmerkung: Selten habe ich mir so schwer getan bei einer Geschichte für diese Challenge. Ich wusste von Anfang an, was ich schreiben wollte, aber irgendwie wollten die Worte einfach nicht zu Papier gebracht werden. Inspiriert wurde die Geschichte von dem Lied: „Die unstillbare Gier“ aus Tanz der Vampire. Eigentlich wollte ich sie noch viel länger und ausführlicher machen, aber ich habe auch so schon die 120 Minuten gesprengt und behalte mir vor, irgendwann zu einer kreativeren Zeit, den Ausgang dieser kleinen Episode zu schreiben. Ich hoffe, dass sie trotzdem den ein oder anderen erfreuen wird.
Und des Kaisers Page aus Napoleons Tross...
Achtzehnhundertdreizehn
Stand er vor dem Schloss.
Dass seine Trauer
mir das Herz nicht brach,
kann ich mir nicht verzeihn.
Der Winter in Transsilvanien war kalt und zermürbend. Vor der Taverne des Dorfes saß ein junger Mann, gerade volljährig geworden und in der Blüte seines Lebens. Noch hatten seine Züge etwas jugendliches, beinahe verletzliches und die hellen, blauen Augen blickten neugierig in die Dunkelheit der Nacht. Der Knabe rieb sich die klammen Finger, die in wollenen Handschuhen steckten, die blassen Wangen waren von der Kälte gerötet. Sein warmer Atem gefror in der kalten Nachtluft und in seinen blonden Locken hatten sich Schneeflocken verfangen, die durch die Luft wirbelten. Seit Stunden schneite es wieder und ein Ende schien noch lange nicht in Sicht zu sein.
Die Offiziere, die Hauptmänner und Generäle, ja, die saßen in der Taverne und ließen es sich gutgehen, während das Fußvolk draußen zu bleiben hatte. Seine Kameraden saßen einige Meter von ihm entfernt, lärmten, tranken und feierten, doch der Knabe hatte sich ein wenig abseits an den schwachen Schein einer Fackel geflüchtet, um wenigstens ein bisschen Wärme zu erhaschen.
Der junge Page zog seinen Mantel enger um seine Schultern um sich vor der beißenden Kälte zu schützen, doch sein ganzer Körper bebte und zitterte, außerdem hatte er Hunger und die Müdigkeit wurde immer überwältigender. Er rückte näher an die Holzwand hinter sich und kauerte sich zusammen. Was, wenn er sich in den Schnee legte, nur einen Moment, um ein wenig zu schlafen? Nur einen Moment die Augen schließen... Seine Augenlider flatterten, als sich plötzlich etwas Schweres über seine Schultern legte. Der Knabe sah erschrocken auf und spürte, wie eine wohlige Wärme ihn umfing. Ein dunkler Mantel aus schwarzem Fell hatte sich um seine schmalen Schultern gelegt, viel zu groß für ihn und doch so willkommen warm. Er sah auf und bemerkte einen Mann neben sich im Schatten der Fackel. „Schlaf nicht ein.“, sagte eine schneidende Stimme und die ihm durch Mark und Bein ging, bevor der Fremde sich ohne weitere Umschweife zum Gehen wandte.
Der Knabe sprang auf und eilte ihm hinterher. „Aber, Monsieur, ihr Mantel...“ Er streckte seine Hand nach dem Anderen aus und erwischte ihn am Ärmel, hinderte ihn so am Gehen. Doch wie erstarrte er, als sein unbekannter Retter sich umwandte. Die Haut des Mannes war bleich – so bleich, dass sie dem frisch gefallenen Schnee Konkurrenz machte und sein Gesicht ebenmäßig und alterslos. Seine langen, schwarzen Haare trug er elegant in der Mode der Aristokraten zurückgekämmt und sie fielen wie Seide über einen dunklen Gehrock aus feinstem Brokat. Am beeindruckendsten jedoch waren die durchdringenden Augen, die so viel älter zu sein schienen als der Rest des Mannes und die ihn mit einer eigentümlichen, beinahe raubtierhaften Weise ansehen, die ihm einen Schauer über den Rücken jagte.
Der Knabe zwang sich, sich wieder zu fassen und räusperte sich leicht. „Monsieur, ihr Mantel...“, setzte er erneut an. Sein Gegenüber formte ein eisiges Lächeln und schüttelte den Kopf.
„Behalt' ihn“, sagte er, „er wird dir dienlicher sein als mir.“
„Aber Monsieur, das kann ich nicht annehmen!“ -
Der Mann kam einen Schritt näher und erst jetzt bemerkte der Knabe, wie groß dieser war. Sein Blick war intensiv und seine Haltung hatte etwas beinahe bedrohliches, doch der junge Mann nahm all seinen Mut zusammen und versuchte standhaft zu bleiben und keinen Schritt zurückzuweichen, auch nicht, als der Andere nur noch wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt war.
„Wie ist dein Name, mein Junge?“ -
Der junge Page straffte sich ein wenig. „Philippe, Monsieur. Mein Name ist Philippe.“
Der Fremde lächelte erneut und für einen Moment schien es dem Knaben, als sähe er hinter den wohlgeformten Lippen zwei weiße, spitze Zähne im Licht des Mondes blitzen. Er schüttelte kurz den Kopf um das Bild zu vertreiben und wirklich, es schien nur seine Einbildung gewesen zu sein.
„Sieh ihn als Geschenk zum Zeichen meiner Unterstützung für den napoleonischen Feldzug an, Philippe“, sagte er und seine Stimme hatte etwas teils amüsiertes, teils spöttisches. „Die Winter in Transsilvanien sind kalt und die Nächte lang.“ Der Fremde streckte seine Hände nach dem Knaben aus und zog den Mantel um den grazilen Körper herum, um diesen darin einzuwickeln.
„So sagt mir wenigstens, was ihr dafür als Gegenleistung verlangt!“ Philippe schlang seine Arme um seinen eigenen Körper und genoss die Wärme, die sich in ihm ausbreitete. Wieder dieses kühle, spöttische Lächeln, dass den Franzosen erschaudern ließ. Wenn es überhaupt noch möglich war, so kam der Anderen noch näher an ihn heran, sodass sich ihre Lippen beinahe berührten und die Nähe des Mannes ihm eine zusätzliche Röte in die Wangen trieb. „Nichts, was du zu geben mir bereit wärst“, raunte er, bevor er sich zurückzog und sich zum Gehen wandte.
„So sagt mir doch wenigstens euren Namen!“, rief der Knabe ihm hinterher und für einen Moment blieb die nun mehr schattenhafte Gestalt stehen. Die Worte „Graf von Krolock“ halten noch nach, als der Mann, schneller als es einem Menschen möglich sollte, in die Dunkelheit der Nacht verschwand.
no subject
Date: 2014-10-01 08:36 am (UTC)Ich hoffe wirklich, dass du weiter schreibst, bisher hab ich mich jedenfalls in die Sotry verliebt:
Die Nacht ist kalt und dunkel, der Graf beeindruckend und unheimlich und Philippe ein ganz armes Hascherl<3
Hach, wenn ich bloß nicht wüsste, wie es ausgeht...