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Team: Kalliope
Challenge: Übernatürliches – Pflock/Pfählen

Fandom: Dracula, generelle Folklore
Charaktere: Vlad Dracul/Abraham van Helsing

Wörter: ca. 2400

Titel:

Anmerkung: Dracula ist der Fürst der Finsternis, Abraham van Helsing der einzige, der ihn besiegen kann. Aber was, wenn der Feind, den man zeit seines Lebens gejagt hat, die einzige Person ist, die mit einem die Ewigkeit durchwandert?


Eins, zwei, drei…
Abe setzte vorsichtig einen schweren, mit Eisen beschlagenen Lederstiefel vor den Anderen, um auf dem braunen, toten Laub, das vereinzelt über den verlassenen Friedhof wehte, kein verräterisches Knirschen verursachte.
Vier, fünf, sechs…
Der Mond stand tief und rot über dem Horizont, halb verborgen von den dunklen Wolken, die sich vor dem schwarzen Relief der Karpaten in der Ferne auftürmten.
Sieben, acht, neun…
Sein wettergegerbter Ledermantel wehte im Wind und blieb im toten Gestrüpp hängen, das die schmiedeeisernen Tore des Kirchhofs hinaufrankte, sodass Abraham kurz innehalten und den Stoff aus den Dornenranken lösen musste. Während er den silberbeschlagenen Holzpflock in der einen Hand sich halb zum Boden hinunter bückte, war ihm für einen Augenblick, als habe er in den Schatten zwischen den dürren Bäumen etwas entlanghuschen sehen, das noch schwärzer war als das Dunkel der Nacht, aber als er sich wieder aufrichtete, war er noch immer allein zwischen den Gräbern.
Zehn, elf, zwölf…
Mitternacht. Eigentlich hatte er schon lange vor Einbruch der Dunkelheit erledigt haben wollen. Aber die Angst hatte die Einwohner von Jakobsdorf festumklammert und erst als er sich bis in die Gruft des Schlosses vorgekämpft hatte, war ihm klar geworden, dass der Hausherr längst geflohen war.
Abraham hatte lange gebraucht, um Draculs Fährte wieder aufzunehmen. In den letzten Jahrzehnten war die Welt schneller geworden. Auto bevölkerten die nun geteerten Straßen. Flugzeuge hatten zum ersten mal den Atlantik überquert. Die ganze Welt schien hell aufzuleuchten und in einem Rausch aus Gold und Flitter zu vergehen. Die Nächte wurde taghell erleuchtet und die flotten jungen Frauen mit den modernen Kurzhaarschnitten und die wilde Musik raubten einem erst den Schlaf und dann den Verstand.
Keine gute Zeit für nachtaktive Blutsauger. Die Menschen hatten aufgehört, die Dunkelheit zu fürchten, das musste auch Dracula bemerkt haben. Da war es kein Wunder, dass es ruhiger um seinen Erzfeind geworden war. Zunächst war Abraham dessen Abwesenheit nicht einmal aufgefallen. Vor etwa zwanzig Jahren hatte er sich ein Detektivbüro in unmittelbarer Nachbarschaft zum Empire State Building angeschafft und davon auch ganz gut leben können. Die Dunkelheit mochte aus der Welt verschwinden, doch das bedeutete nur, dass in den letzten schattigen Ritzen, die es noch gab, die Monster sich nur umso dichter drängten.
Erst als er vor sieben Jahren mit irgendeiner Hollyann im Lichtspielhaus gesessen und diesen albernen deutschen Schauspieler mit seinen spitzen Ohren und noch spitzeren Zähnen gesehen hatte, war ihm aufgefallen, wie still es um Vlad Dracul, den Pfähler, geworden war. Also hatte er angefangen zu recherchieren und dann seine Sachen gepackt.
In den Vereinigten Staaten mochte es keinen Platz für Vampire geben, aber jenseits des Atlantiks sah das schon ganz anders aus. Die schwache Spur hatte ihn schließlich dorthin zurückgeführt, wo alles begonnen hatte. In Siebenbürgen war die Welt so dunkel wie eh und je. Hier wusste man nichts von fließendem Wasser in jedem Haus und Strom und Telefonen. Als sei er nie fort gewesen.
Abraham war in Flandern aufgewachsen, bevor er Priester geworden war. Mit dreißig war er schließlich mit den Truppen des Papstes gegen einen abtrünnigen Grafen geschickt worden. Erst als seine Kameraden duzendweise um ihn vielen, hatte er begonnen, das Grauen zu verstehen, dem sie gegenüberstanden. Am Ende war er der einzige gewesen, der überlebt hatte. Geradeso. Blutüberströmt. Dürstend nach Rache für seine gefallenen Freunde. Und dabei war es geblieben. Abraham van Helsing hatte überlebt.
Das war vor mehr als fünfhundert Jahren gewesen. Abraham hatte nie herausgefunden, warum er nicht gestorben war, aber er hatte seinen göttlichen Auftrag erkannt und angenommen. Ihm war es bestimmt den Fluch zu brechen und den Sünder in den feurigen Abgrund der Hölle zurück zu schicken, aus dem er gekrochen war. Mit etwas Glück würde ihm das heute Nacht endlich gelingen. Mit etwas Glück würde sein Erzfeind heute Nacht endlich ihm gehören.
Er zog den speckigen Hut tiefer ins Gesicht und legte die Hände beide auf die schweren Holztüren der gotischen Kirche. Mit einem lauten Knarren schwang sie auf. Keine Heimlichtuerei mehr. Abraham wusste, was er tat. Noch einmal würde Dracula ihm nicht entkommen.
Der Modergeruch, der ihm entgegenschlug, raubte ihm für eine Sekunde den Atem. Im Hauptschiff war es stockdunkel, aber Abes Augen hatten vor langer Zeit gelernt, hinter die Schatten zu blicken und sich in der Finsternis ebenso gut zurecht zu finden, wie seine Beute. Er schloss die Tür und umwickelte die rostigen Türgriffe mit einem Kranz aus Knoblauch. Er war vorbereitet und würde Dracula bestimmt nicht entkommen lassen.
Die Bänke und das Chorgestühl waren längst verfallen, nur der steinerne Altar stand noch, ebenso wie das Allerheiligste und das ewige Licht, das erst vor kurzem wieder jemand entzündet haben musste. Bei Tageslicht wären die aufwendig verzierten Bleigläser vielleicht beeindruckend gewesen, so erregten sie nur insoweit Abrahams Aufmerksamkeit, als sich vor ihnen eine dunkle Gestalt abzeichnete. Er schloss seinen Griff fester um den Pfahl und zog den Silbersäbel aus seinem Futter.
Er beschleunigte seine Schritte nicht. Es war mehr als deutlich, dass Dracula seine Ankunft bemerkt hatte und wenn er wortlos an Ort und Stelle verharrte, dann nur, weil er auf den richtigen Augenblick für einen Angriff wartete. Abraham ließ ihn nicht aus den Augen. Die schlanke, muskulöse Gestalt Draculas war in weite schwarze Roben gehüllt und verhängnisvoll schön wie eh und je. Keine Falte zeigte sich auf der marmornen Haut, ebenso wie auf seiner eigenen. Anders als bei ihm jedoch wurde Draculas Antlitz auch von keiner noch so kleinen Narbe geziert. Das seidige schwarze Haar trug er diesmal, ganz anders als die Mode es verlangte, offen und lang bis weit über seine Schultern fallend. Draculas Züge waren aristokratisch, die hohen Wangenknochen und die schmale Nase gaben seinem Gesicht ein erstaunlich weiches Aussehen. Die schwarzen, glänzenden Augen allein verrieten, wie alt er sein musste und gaben seiner Erscheinung etwas Sinisteres, aber nur der grausame Zug um den Mund zeugte wirklich von der Bestie, die sich hinter dem distinguierten Mann  verbarg.
Abraham stieg die Stufen zum Altarraum hinauf und fragte sich, worauf Dracula noch wartete. Der Blick, mit der der Fürst der Vampire ihn betrachtete, war eher melancholisch als lauernd.
Abraham tat einen weiteren Schritt und als er den Fuß aufsetzte, ging er im selben Atemzug fließend zum Angriff über. Er hob den Säbel über die linke Schulter, drehte sich halb zur Seite und führte mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, den ersten Schlag. Mit der bloßen Hand wehrte Dracula den Hieb ab. Die Klinge fuhr tief in sein totes Fleisch und als Abraham sich auf dem Absatz umdrehte, den Pflock vorerst in seinen Gürtel steckte und den Säbel nun mit beiden Händen für den nächsten Angriff an sich riss, hinterließ er eine tropfende rote Spur auf dem steinernen Fußboden. Dracula musste erst vor kurzem getrunken haben. Noch bevor Abraham den nächsten Hieb führen konnte, hatte sich die Wunde bereits wieder geschlossen, auch wenn das Silber einen sengenden roten Striemen hinterließ.
„Es gab Zeiten, da hättest du wenigstens noch die Höflichkeit besessen, zu grüßen!“ Noch während er sprach, löste Dracula sich in schwarze Schatten auf, nur um einige Meter entfernt wieder in Erscheinung zu treten. Der Vorwurf in seiner Stimme hatte erstaunlich ernst geklungen. Warum wehrte er sich nicht?
Abraham antwortete nicht, sondern schlug sich selbst am Altar vorbei, um Dracula keine direkte Angriffsfläche zu bieten. Der allerdings rührte sich nicht vom Fleck.
„Ich weiß, du zürnst mir noch immer, Abraham, aber glaubst du nicht, dass es langsam an der Zeit wäre, Frieden zu schließen?“ Die Stimme des Dämons war viel zu silbrig, verführerisch, um von dieser Welt stammen zu können. Dennoch machte es Abraham rasend, die Worte des Widersachers so engelsgleich zu vernehmen. Die List der Vampire war effizient. In all ihrer Morbidität wirkten sie so schön, so vergänglich und ewig zugleich, dass es kein Wunder war, dass ihre menschliche Nahrung ihnen nicht widerstehen konnte. Das war bisher bei allen Exemplaren, die ihm begegnet waren so gewesen, aber ganz besonders bei ihrem Ahnherrn.
„Es kann zwischen uns keinen Frieden geben!“ Diesmal ging sein Schlag ins Leere. Dracula hatte sich erneut verflüchtigt und bloß ein leises Rascheln verriet Abraham, dass der Fürst der Dunkelheit sich ins Gebälk geflüchtet hatte. Suchend blickte Abraham nach an die Decke, konnte aber nichts erkennen.
„Du bist die Ausgeburt der Hölle und es ist meine heilige Pflicht, Gottes Kinder vor dir zu schützen.“ Abraham hatte diese Worte so oft für sich selbst wiederholt, so oft, wann immer er in einsamen Nächten mit seinem Schicksal gehadert hatte, dass es nun ganz natürlich war, sie auszusprechen, aber dennoch fühlten sie sich mit einem Mal fremd an, wie sie von den Wänden der Kirche widerhallten, die schon so lange kein Gotteshaus mehr war. Als läse er sie aus irgendeinem Katechismus einer seit Jahren nicht mehr existierenden Gemeinde vor.
Während er sprach, schritt er die Wände entlang und versuchte weiter, seinen Gegner ausfindig zu machen.
„Ich weiß, du musst das glauben, Abraham!“ Draculas Stimme erschien körperlos und verriet noch immer nichts über seinen Aufenthaltsort. „Aber du musst wissen, auch ich bin einsam und dieser ewige Zwist wird mir leid. Vergiss nicht, es war nie mein Kampf, den wir kämpften!“
Die Ruhe in Draculas Stimme war der blanke Hohn und reizte Abraham nur weiter. Nun gut, wenn der Feigling sich nicht zeigen wollte, dann hatte er seine Mittel.
„Es wurde dein Kampf, als du die Seelen der Unschuldigen in die Verdammnis zogst!“ Den Säbel hatte er längst weggesteckt, der würde ihm hier vorerst nichts bringen, doch das hieß nicht, dass er am Ende seiner Ideen war.
Körperlos wie zuvor hallte Draculas Stimme durch das Gemäuer: „Auch ich war einst unschuldig bevor der Bann deiner Kirche mich zu dem machte, was ich nun bin. Seither wandle ich über die Welt, als Mahnung an die Sterblichkeit aller Dinge unter der Sonne. Ich mache keine Unterschiede. Ich schone niemanden aus Mitleid und töte nie ohne guten Grund.“
Abraham schnaubte, sagte aber nichts. Solange Dracula seine Reden schwang, war er vielleicht abgelenkt. Endlich fand er in seiner Tasche, was er gesucht hatte. Am Rande des Altarraums, wo das schwere Tau, das das eiserne Kruzifix der Kirche in der Schwebe hielt, an einem Balken befestig war, begann Abraham, die beiden Steine aufeinander zu schlagen, während Dracula fortfuhr.
„Ich bin der Tod. Jeder Mensch muss sterben. Wie kannst du es mir verdenken, dass ich das Geschäft ausübe, das dein Gott zu eurer aller Schicksal erkoren hat? Ich bitte dich, Abraham. Ich bin alt. Ich werde müde. Nimm die Hand, die ich dir zur Versöhnung reiche!“
Konnte er das ernst meinen? War Dracula so sehr von seiner Ankunft überrascht worden, dass er versuchte, ihn mit diesem billigen Taschenspielertrick übers Ohr zu hauen?
Endlich schlug er die ersten Funken.
„Wenn du so denkst, brauchst du den Tag ja nicht zu fürchten, an dem du endlich deinem Schöpfer entgegen trittst.“ Das marode Seil brannte wie Zunder. Triumphierend blickte Abraham auf und beobachtete, wie die hellen Flammen auf das Gebälk übergriffen. Bald würde er das Gebäude fliehen müssen, bevor der ganze Dachstuhl einstürzte. Aber nicht bevor er sicher gehen konnte, dass Dracula sein Ende in der lodernden Hölle des Feuers gefunden hatte.
Ein leises Klacken verriet, dass der Vampir wieder auf dem Boden stand. Abraham drehte sich um und sah ihn nur wenige Meter entfernt vor dem Portal der Kirche. Das rote Licht illuminierte den traurigen Blick auf dem Gesicht des Vampirs, als Abraham mit einem freudlosen Lächeln auf den Lippen auf ihn zutrat.
„Auch Feuer kann mich nicht mehr gänzlich vernichten“ Eine Feststellung. „Das habe ich vor einigen Jahren in Verdain herausgefunden, wenn es dich interessiert.“
Abraham zog den Pflock und holte einen aus demselben Holz gearbeiteten Hammer hervor.
„Vielleicht. Aber das hier wird dir mir Sicherheit ein Ende setzen.“ Über ihnen knisterte das Gebälk. Er musste sich beeilen, wenn er hier noch herauskommen wollte. Falls er das wollte. Solange der Vampir nur sein war.
Auge in Auge standen sie einander nun gegenüber und Abraham glaubte fast, nun doch so etwas wie Besorgnis in Darculas seelenlosen Augen zu erkennen.
„Nun denn…“ Er machte noch immer keine Anstalten, weiter das Unvermeidliche hinauszuzögern. Stattdessen ließ er sich vor Abraham auf die Knie sinken und öffnete mit weißen, feingliedrigen Fingern sein Hemd, sodass seine Brust dort, wo einst sein Herz geschlagen haben musste, frei lag.
„Ich bin es leid, vor dir davon zu rennen, Vampirjäger!“ Das letzte Wort klang erstaunlich verächtlich aus dem Mund eines solch morallosen Wesens. „Aber vergiss nicht: Wenn ich fort bin, bist du allein und das ist schlimmer, als unter Feinden zu sein.“
Abraham hob den Pflock.
Als Vlad spürt, wie Abrahams Schaft in ihn eindringt, stöhnt er auf. Es ist nicht so, als ob er wirklich Schmerzen empfinden könnte, aber dennoch überwältigt ihn die Leidenschaft, mit der seine frühere Nemesis manchmal von ihm Besitz ergreift, von Zeit zu Zeit, und bringt ihm vergangene Lust in süße, lebhafte Erinnerung an eine Zeit, als Pfählen noch nie eine andere Bedeutung für ihn gehabt hatte.
Er öffnet die Augen, um zu seinem Liebhaber hinab zu blicken, der unter ihm liegt und ihn mit tiefem Verlangen ansieht. Langsam lässt sich Vlad hinabgleiten und nimmt Abrahams Erektion ganz in sich auf, bevor er beginnt, sich erst langsam, dann immer schneller rhythmisch auf ihm zu bewegen. Begierig lässt er seine Finger über die heiße Haut des Menschen gleiten, der seinerseits die Finger fest in Vlads Pobacken vergräbt.
Während der letzte Rest von Rosa am westlichen Horizont verschwindet und sich langsam die Dunkelheit über den See vor ihrem Haus senkt, reitet Vlad sich ihrem Höhepunkt entgegen. Abraham keucht und greift nach seinem schwarzen Haarschopf und zieht ihn zu sich hinunter, als er schließlich mit aller Macht kommt und sich in Vlad ergießt.
Vlad hört nicht auf, bis auch schließlich er von Lust übermannt wird und er sich endlich zu seinem grinsenden Liebhaber in die Kissen sinken lässt. Auf das Bett hat Abraham bestanden, egal wie sehr Vlad für den Sarg argumentiert hat. Dafür haben sie sich wirklich für das rotgestrichene Haus mit den Birken im Garten und dem Bootssteg entschieden, das im Herbst schon nachmittags im Dunkel liegt und im Winter nie von der Sonne berührt wird.
Auch wenn Vlad selbst keine Erholung braucht, weiß er, dass das bei Abraham anders ist, deshalb wartet er, bis dessen Atem sich beruhigt hat, bevor er sich in dessen Halsbeuge vergräbt, kurz so tut, als wolle er zubeißen, nur um dann zu murmeln: „Ich bin froh, dass du damals auf mich gehört hast, weißt du, Abe?“
Abraham schweigt einen Augenblick, als müsse er all die Jahre noch einmal Revue passieren lassen, die es dann doch noch gebraucht hat, um zu erkennen, dass er schon längst nicht mehr ohne Vlad sein konnte. Dann streicht er Vlad durchs Haar, das es ihm irgendwie angetan zu haben scheint.
„Ich weiß. Und ich bin froh, dass ich die Ewigkeit nicht alleine verbringen muss.“

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