Team: Kalliope
Challenge: Übernatürliches - Flügel (für's Team, Weltherrschaft)
Fandom: Maleficent - Die dunkle Fee
Charaktere: Maleficent/Stefan, Maleficent/Diaval
Wörter: ca. 1400
Titel: Und du wirst meine Flügel sein
Anmerkung: Für alle, die den Film nicht gesehen haben: Ändert das! Er ist so gut! Die Handlung ist im Grunde die, dass Maleficent die Wächterin des Moores ist. Sie verliebt sich in den Bauernjungen Stefan und er sich in sie. Als sie jedoch erwachsen sind, schneidet Stefan ihr die Flügel ab, um selbst König im Reich der Menschen werden zu können. Aus Rache verflucht Maleficent, die jetzt der Hilfe des Raben Diavals, dem sie das Leben gerettet hat und den sie zuweilen in einen Menschen verwandelt, bedarf, Aurora, die Tochter des neuen Königs Stefan. Damit ist die Ausgangslage für „Dornröschen“ gegeben. Wie’s weitergeht, verrate ich aus Spoilergründen nicht:-)
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Der dunkle Himmel war sternenklar, aber es war mitten im Sommer und die Nächte noch immer warm und schwer. In der Ferne krochen vereinzelt Nebelschwaden aus dem Moos auf und Stefan rutschte näher zu Maleficent, die friedlich neben ihm unter dem Mandelbaum schlief, unter dem sie sich geliebt hatten.
Er hatte schon einige Nächte in seinem Leben unter freiem Himmel verbracht. Er kannte die Geräusche des nächtlichen Waldes, das Knacken der uralten Bäume, das Wispern des Windes in den Blättern. Der gelegentliche Schrei eines Käuzchens. Das hier war anders. Das hier war das Moor.
Seit Stefan das erste Mal die Grenze zwischen seiner Welt und der Fremde überschritten hatte, war ihm immer bewusst gewesen, dass er ein Eindringling war, der den Frieden der Täler hier störte. Daran hatte auch Maleficents Zuneigung (Mitleid?) nichts ändern können.
Nun war er es, der mitleidig auf die schlafende Fee hinab blickte. Sanft fuhr er ihr mit kräftigen Fingern über die Stirn. Es kostete ihn noch immer Überwindung, Maleficent zu berühren. Alles an ihr war rein und leicht und zeugte von einer Freiheit, die er niemals hatte genießen können, und alles an ihm war grobschlächtig, schmutzig, bäuerlich. Nicht mehr lange.
Stefan zuckte zurück und warf verstohlen einen Blick über die Schulter. Die tausend Augen, die er in seinem Rücken zu spüren geglaubt hatte, waren nicht da. Entschlossen wandte er sich wieder seiner Geliebten zu. Er atmete tief durch und ließ seine Hand in die Tasche gleiten, im das Messer, das er aus der Küche gestohlen hatte, hervorzuziehen.
Der blanke Stahl schimmerte hell im bleichen Licht des Mondes. Es war so einfach gewesen, ihr das Schlafmittel zu verabreichen. Es würde ebenso einfach sein, sein Werk zu vollenden. Der lederumwickelte Griff lag fest in Stefans rechter Hand. Mit der linken ergriff er sanft Maleficents Schulter und drehte sie behutsam zur Seite. Er wollte sie nicht aufwecken. Die Fee musste seinetwegen nicht unnötig leiden.
Mit zitternden Fingern strich er über das weise Schlüsselbein, das er vor wenigen Stunden noch mit heißen Küssen bedeckt hatte. Die Erinnerung war süß und beinahe reute es ihn, was er gleich tun würde. Aber morgen früh konnte er König sein und keine Macht der Welt würde ihn davon abhalten.
In einer schnellen, fließenden Bewegung zog Stefan die Klinge über die Stelle, an der Maleficents Flügel langsam in ihre Schulterblätter übergingen. Schwarzes, harziges Blut quoll über seine Finger und er stieß angewidert die Luft zwischen den Zähnen hervor, die er eben noch angehalten hatte.
Maleficent rührte sich nicht. Die Drogen waren stark. Stefan ließ ihre Schulter los, um den Flügel fester packen zu können. Er leckte sich die trockenen Lippen und stieß das Messer tiefer in das sehnige Fleisch. Als der Knochen endlich brach, entfuhr Stefan ein gutturaler laut, irgendwo zwischen Ekel und Triumph.
Maleficent erwachte mit einem Schrei. Es war selten, dass sie noch wirklich tief schlief und sie war es nicht mehr gewohnt, sich so gänzlich aus der Tiefe ihres Bewusstseins an die Oberfläche der Realität zurück kämpfen zu müssen. Ihr Atem ging schnell und flach und für einen Moment wusste sie nicht, wo sie war. Maleficent versuchte, sich zu orientieren. Ihre Augen sahen mehr im Dunkel als die eines Menschen und ihre Ohren waren noch immer die einer Wächterin des Moores, dafür bestimmt jedes noch so kleine Knacken im Gehölz zu spüren.
Doch der Schmerz, der in ihren Schultern brannte, war blendend, ohrenbetäubend, nahm ihr jede Sinneswahrnehmung und obwohl sie sicher war, dass ihre Augen weit geöffnet waren, war das für eine Weile nichts als Schwärze.
Sie kniff die Augen zusammen und versuchte, sich zu konzentrieren. Der sonst so stille Wald erschien ihr im Augenblick unendlich laut und tosend. Wo war sie? Was war geschehen? Woher kam dieser sengende, alles in den Schatten stellende Schmerz?
„Krah, Krah.“ Endlich ein vertrautes Geräusch.
„Krah, Krah.“ Da, wieder. Das musste Diaval sein. Sie erkannte die Stimme ihres Rabenfreundes unter hunderten. Ihr Rabenfreund, der ihre Augen und Ohren war, ihre Flügel….Ihre Flügel!
Langsam beruhigte sich Maleficents Herzschlag und so, wie sie es schaffte, langsamere, tiefere Atemzüge zu machen, kehrte ihr Geist allmählich ins Hier und Jetzt zurück. Sie sah auf ihre Hände hinab und bemerkte, dass sie sich auf feuchtem, schwarzem Erdboden abstützten. Über ihr rauschten die Wipfel der Bäume, in deren Schatten sie sich niedergelegt hatte.
Der Schmerz ebbte ab und hinterließ Leere. Aber es gab ja auch nichts mehr, was sie noch hätte schmerzen können. Ihre Flügel, ihre wunderschönen Flügel, waren nur noch ein Fragment ihrer Erinnerung. Stefans Verrat lag Jahre zurück. Nur der Schmerz war geblieben.
Wütend stieß Maleficent sich vom Boden ab und schnellen, zielstrebigen Schrittes, der so gar nicht zu ihrer eigentlichen Ziellosigkeit passte, verließ sie die Lichtung.
Kein Wesen zeigte sich ihr auf ihrem Weg. Auch das war einmal anders gewesen. Früher hatte sie keinen Schritt in diesen Gefilden tun können, ohne dass sie jemand gegrüßt, dass ein Einwohner des Moores ihren Rat erfragt hätte.
Das war, bevor sie ihre Flügel verloren hatte, bevor die Dunkelheit ihres Schicksals sie ergriffen hatte. Nun mieden die Trolle sie ebenso wie die Feldmäuse, wenngleich sie ihr noch immer Respekt entgegenbrachten. Maleficent würde sie mit ihrem Leben schützen, das wussten sie und sie würde –
Mit einem gezischten Fluch wischte sie den Zweig zur Seite, der ihr auf ihrem Weg halb ins Gesicht geschlagen war und obwohl niemand da war, war Maleficent dankbar, dass die Feuchtigkeit in ihren Augen nun eine deutlich bessere Erklärung gefunden hatte.
Trotzig fuhr sie sich mit dem Handrücken übers Gesicht.
„Krah?“
Natürlich hatte der dumme Vogel ihr folgen müssen! Manchmal fragte sie sich, ob es klug gewesen war, sich ausgerechnet dieses Federvieh als Begleiter zu wählen.
„Was willst?“ Maleficent würdigte den Raben, der von Ast zu Ast hüpfte und ihr mit einiger Mühe durch das Unterholz folgte, keines Blickes und stapfte zornig weiter. „Geh wieder schlafen! Ich brauche dich morgen ausgeruht und kräftig!“
„Krah!“
„Ich sagte „Morgen“! Jetzt habe ich keinen Nutzen für dich!“ Doch Diaval flatterte unbeirrt weiter. Es erstaunte Maleficent manchmal, wie ernst er seine Schuld nahm. Eine Schuld, die er vermutlich schon um ein Vielfaches abgetragen hatte.
Und trotzdem blieb er. Trotz aller ungefragten Verwandlungen, trotz der harschen Worte, die sein täglich Brot waren. Wieder hatte Maleficent Tränen in den Augen. Sie biss sich auf die Lippen.
„Lass mich in Frieden, dummes Tier!“ Die Worte hatten kalt klingen sollen, aber selbst in ihren eigenen Ohren hatte sie die Verzweiflung hören können.
Die Bäume lichteten sich und der volle Mond erleuchtete den steinigen Abgrund, der sich nun vor ihren Füßen erstreckte. Maleficent blieb stehen. Umdrehen hätte zugeben bedeutet, dass sie nicht wusste wohin. Also reckte sie das Kinn stolz empor und presste die Lippen fest aufeinander, um starr in die Ferne zu starren.
Wenn sie doch nur weiter gekonnt hätte! Sie wollte alleine sein, sich nicht erklären müssen! Wenn Sie doch nur hätte fortfliegen können.
„Krah?“ Maleficent senkte den Blick und sah Diaval, der vor ihren Füßen im taunassen Gras herumhüpfte und fragend zu ihr aufsah.
„Was willst du?“ Ihre Stimme klang brüchig und sie musste schlucken.
„Krah!“ Diaval flattert aufgeregt auf und ab und Maleficent seufzte.
„Du magst es doch nicht einmal, ein Mensch zu sein! Du schläfst ja noch nicht einmal in Menschengestalt!“ Sie schloss die Augen, um Diaval nicht ansehen zu müssen.
Der war hinter sie getreten und legte seine Arme um sie, während er in die Leere blickte, in die sie sich eben noch geflüchtet hatte. Sein schwarzer Umhang und die feste Umarmung wärmten sie und ein leichter Schauer überlief Maleficent. Selbst Feen konnten frieren, wenn die Kälte bis in ihr Innerstes vordrang. Sie spürte seine raue Wange an ihrer tränennassen und öffnete die Augen in banger Erwartung vor dem Augenblick, in dem die Schonfrist, die seine Stille für sie bedeutete, enden würde.
„So schlimm ist es eigentlich gar nicht. Ich gebe das nur ungern zu, weil du sonst noch glaubst, mir einen Gefallen getan zu haben.“ Obwohl vordergründig ernst gesprochen, lag doch ein leiser Schalk in Diavals Worten und Maleficent lächelte widerwillig. Sie spürte, wie er ihren Duft tief einsog und sie tat dasselbe, um ihre Atemzüge seinen ruhigen, gleichmäßigen anzupassen.
Eine Weile standen sie nur Arm in Arm in helles Mondlicht getaucht beieinander und Maleficent war froh, dass ihr treuer Gefährte offenbar keine Antwort erwartete.
Stunden mochten vergangen sein, vielleicht auch nur Minuten, bevor Diaval sich endlich im Gras niederließ und sie mit sich zog. Als er sich hinlegte, wollte Maleficent protestieren, doch Diaval hielt sie weiter fest im Arm und bettete ihren Kopf sicher auf seiner Brust und endlich spürte sie, wie sie ruhiger wurde.
Maleficent schloss die Augen. Der Wind wehte sanft und trocknete ihre Tränen. Diaval strich ihr liebevoll durchs Haar und lullte sie ein. In der Ferne konnte sie endlich wieder die Rufe der Waldtiere hören, deren Leben weiterging, als sei nie etwas geschehen. Im Halbschlaf griff Maleficent nach Diavals Hand.
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