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Team: Thalia
Autor: Jenchan
Challenge: Angst - Verpasste Gelegenheit (fürs Team)
Titel: Im Rausch der Sinne
Fandom: Tatort Münster
Charaktere: Thiel, Boerne
Words: 1314
Warnings: homosexual themes | unbetaed, uncorrected
Continuation: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 , Teil 5

Kommentar: Der langersehnte Clubbesuch ist da! Hier ein Link, an dem ich mich ein bisschen orientiert hab: Natürliche Aphrodisiaka

Im Rausch der Sinne

Thiel fand, dass es hier wirklich seltsam roch. Er ging leider wirklich nicht oft aus und im Fußballstadium von St. Pauli roch es definitiv eher nach Bier und Hotdogs. Sein Blick flog zu Boerne, dessen Lächeln perfekt in seinem Gesicht saß und mit einem Mal kam er sich irgendwie Fehl am Platz vor. Mehr noch als sonst erschien ihm der Advokat wie ein Prinz in glänzender Rüstung und er war der staubige, nach Pferdemist stinkende Knappe im Hintergrund.
Innerlich schüttelte Thiel irritiert den Kopf. Es war lang her, dass er Märchen gelesen hatte. Das letzte Mal bevor Lukas mit seiner Mutter nach Neuseeland gezogen war und er brauchte es jetzt nun wirklich nicht, an die beiden zu denken. Er fragte sich, woher dieses intensive Empfinden kam. Ja, er dachte immer wieder an Lukas - natürlich, schließlich war das sein Sohn und er vermisste ihn schrecklich.
Aber es war nicht der Gedanke an Lukas, der zu ihm zurückschlich, sondern die Erinnerung an seine Frau.
Frank schloss einen Moment die Augen und atmete etwas tiefer ein. Er erinnerte sich ganz genau daran, wie sie aussah. Wie sie roch und schmeckte.
"Thiel! Jetzt stehen Sie da nicht so rum. Kommen Sie!" Augenblicklich zerrissen die Nebelschwaden der Erinnerung und er brauchte einen Augenblick, um in die Realität zurückzukehren. Ach ja, Boerne hatte ihn ins Paradise Island mitgenommen, nachdem er es endlich geschafft hatte, ihn zu fragen. Und er war hier, weil er einen Fall zu lösen hatte.
Frank räusperte sich, ersparte es sich aber, eine Entschuldigung zu murmeln und folgte dem Rechtsmediziner tiefer in den Club. Seine Augen wanderten über die Gäste, denen man ansehen konnte, dass sie Geld besaßen und offenbar teilweise wenig Scham.
Sein Blick blieb auf dem wild knutschenden Männer-Pärchen hängen, die nur zu gut demonstrierten, was Begehren bedeutete. Dafür sollten die sich lieber mal ein Zimmer nehmen oder es in einen privateren Bereich verlegen. Es war irgendwie nicht das, was er sehen wollte.
Er riss sich von dem Anblick los und sah auf den schwarzen geraden Rücken, der wie eine Säule vor ihm aufragte. Die schwarzen Haare, die leichte Glatze... der helle Kragen des schneeweisen Hemdes.
Thiel kam es hier plötzlich unglaublich heiß und stickig vor und er zog ein wenig an seinem eigenen Hemdkragen. Boerne hatte darauf bestanden, dass er sich entsprechend kleidete, aber Fakt war, dass er lieber in Jeans und T-Shirts herumlief, als so formell in einem Anzug. Außerdem hatte er zugeben müssen, dass er dicker geworden war - oder es einfach nur schon wahnsinnig lange her war, dass er den Anzug trug. Zufrieden war Boerne nicht gewesen, als er ihn gesehen hatte, war dann aber der Meinung, dass sich da ohnehin nichts machen ließ und hatte es akzeptiert.
Erneut flatterten die Augen zu und seine Nase nahm eine neue Duftnote wahr. Sein Kopf begann zu schwimmen und er erinnerte sich an das warme Gefühl, als er an Boernes Schulter eingeschlafen war. Der Geruch von Boerne.
"Erde an Thiel! Gehts Ihnen nicht gut?" Der Rechtsmediziner hatte sich zu ihm umgedreht und winkte mit einer Hand vor seinen Augen, die wie Frank jetzt feststellen konnte irgendwann wohl wieder aufgeflogen sein mussten.
Er blinzelte. "Ja", krächzte er und räusperte sich. "Also eher... ich weiß nicht. Mir ist etwas schwindelig", gab er zu. "Können wir uns irgendwo hinsetzen?"
Ein skeptischer, musternder Blick traf ihn. Adlerauge. Thiel fixierte seinen Blick auf die dunklen Augen des Rechtsmediziners, der ihn so durchdringed anblickte, dass er sich beinahe nackt fühlte. Nackt und heiß und verschwitzt.
Irritiert schüttelte Thiel den Kopf und rieb sich kurz seine Augen, die sich trocken und kratzig anfühlten. Ein Schauder jagte durch seinen Körper, als Boerne die Hand zwischen seine Schulterblättern schob und ihn in eine Richtung dirigierte. Er verstand nicht, was mit ihm passierte, aber vielleicht konnte er es immer noch auf die Blinddarmentzündung schieben? Er war erst seit gestern fieberlos - vielleicht ist seine Temperatur doch wieder gestiegen?
Boerne brachte ihn in ein Separeè, wie er es so fein ausgedrückt hatte. Thiel hätte es eher als einen Nebenraum bezeichnet. Darin stand ein Sofa, es gab verschiedene abstrakte Bilder und einen Fernseher, warum auch immer man in einem Club fernsehen wollen würde. Aber irgendwie war er im Moment ohnehin nicht wirklich fähig, irgendetwas wie Logik in dieses Erlebnis zu bringen und er war dankbar, als er sich setzen konnte.
Boerne verschwand noch einmal aus dem Zimmer und Thiel nutzte es, sich hinzulegen und seinem Körper die Möglichkeit zu geben, sich etwas zu entspannen...

Zarte Finger wanderten über seine heiße Haut. Wie Ameisen, die zu tausendenen unter seiner Haut krabbelten, breitete sich das Prickeln in ihm aus und brachte ihn zum Keuchen. Sein Blut kochte, die Umgebung dampfte. Durch Rauchschwaden nahm er diese dunklen Augen wahr - nur einen kurzen Moment, dann waren seine wieder fest verschlossen und er beugte sich hingebungsvoll durch.
Die Lippen waren so weich und er spürte das Kitzeln der Gesichtbehaarung. Ein leichtes Kratzen, das ihm nur noch mehr einheizte. Wie lange hatte er so etwas schon nicht mehr gefühlt?
"Boerne?", nuschelte er leise und spürte plötzlich etwas kaltes auf seiner Stirn. Irrtiert hob er die Hand und verwischte die kalten Tropfen. Dann schlug er die Augen auf und starrte in das Gesicht des Rechtsmediziners.
"Guten Morgen, Dornröschen. Hier trinken Sie ein paar Schlucke." Schwerfällig setzte sich Thiel auf und registrierte ein verräterisches Ziehen in seinen Lenden. Er hoffte inständig, Boerne hatte das nicht mitbekommen und zog gar die falschen Schlüsse.
Er nahm mit einem leichten Zittern seiner Hände das Glas entgegen und stellte fest, dass es simples, klares Leitungswasser war. Er trank es leer, aber selbst danach fühlte sich seine Kehle noch trocken an. Mit belegter Stimme fragte er: "Was ist passiert?"
Boerne war ans Fenster gegangen und angenehm frische Abendluft strömte durch die Öffnung in den Raum und klärte ein wenig Franks Sinne.
"Sie sind eingeschlafen. Beachtlich schnell, wenn ich anmerken darf. Ich habe Sie nur zwei Minuten allein gelassen."
Zwei Minuten? Thiel kamen es wie Stunden vor und in seinem Körper tobte das Echo seines Traumes. Die zarten Hände, das leichte Pieksen des Bartes gepaart mit weichen Lippen.
Er wandte den Blick von Boerne ab. Das alles begann bizarre Auswüchse anzunehmen und er wollte gar nicht darüber nachdenken, was es zu bedeuten hatte, dass er plötzlich so von dem Rechtsmediziner dachte. Falls es überhaupt etwas zu bedeuten hatte.
"Ich meine, warum fühle ich mich so schwummrig?", erklärte Thiel, was er eigentlich wissen wollte.
Jetzt kam Boerne zu und ihm und sah ihm fest in die Augen. "Dacht ich es doch gleich", nickte der Professor. "Ganz klar, Sie sind berauscht."
Frank sah den Mann an, als wäre ihm ein zweiter Kopf gewachsen. "Berauscht. Ich kann mich nicht erinnern, Drogen konsumiert zu haben." Außer gelegentlich ein paar Bierchen gönnte er sich ja nicht einmal mehr Alkohol.
"Aber Herr Thiel", begann Boerne und Thiel begann es zu hassen, wenn er diesen belehrenden Tonfall hört. Es bedeutete, dass er sich auf einen langen, oft nichtssagenden Vortrag konzentrieren musste.
"Rauschmittel kann man auch durch die Luft konsumieren. In dem Fall waren es Jasmin und Sandelholz. Schon im alten Griechenland hat man sich der natürlicher Rauschmittel in Form von Nahrung, Getränken und Rauch bedient. Am Festtag der Göttin Aphrodite hat man sogenannte Aphrodisiaka eingenommen, um seine Sinne zu erweitern. Aphrodite galt früher als die Göttin der Fruchtbarkeit und stand für Entstehung und Wachstum. Später wurde sie die Göttin der Liebe, Schönheit und sinnlichen Begierde..."
Frank hob die Hand. "Sie wollen also damit sagen, das ich..." Er rieb sich über das Gesicht.
"Sie sollten wirklich daran arbeiten, Herr Thiel. Was ich damit sagen will ist, dass Sie äußerst gut auf natürliche Aphrodisiaka ansprechen. Wenn Sie sich wieder fit genug fühlen, zeige ich Ihnen, wo Sie hier die Toiletten finden können."
Leise stöhnte Thiel in seine Hände und hatte das Gefühl, dass es wohl kaum etwas in seinem Leben gab, dass ihm ähnlich peinlich war.

Date: 2014-09-28 05:50 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Du läßt Thiel aber auch gerne leiden ... der Ärmste ;) Aber ich beschwere mich nicht, weil ich dieselbe Neigung habe *eg*

Wenn Sie sich wieder fit genug fühlen, zeige ich Ihnen, wo Sie hier die Toiletten finden können.
Wirklich, Boerne. Etwas mehr Mitgefühl und Hilfe wäre nett ;)

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