H/C - Joker - fürs Team
Sep. 25th, 2014 03:06 amTeam: Thalia
Challenge: Hurt/Comfort – Joker von der Sommerchallenge 2013: Am Ende der Kräfte – fürs Team
Fandom: The Expendables 3, Sugardaddy AU (was für ein komplett irreführender Titel)
Titel: Hilfe ist unterwegs
Inhalt: Smilee muss eine Entscheidung treffen und gibt auf.
Anmerkung: Dafür, dass das nur fluffiger Schwachsinn mit ein bisschen Drama werden sollte, artet das hier ganz schön aus. Fortsetzung im nächsten Teil (der dann auch wieder mehr comfort beinhalten wird, aber immerhin gibt es hier ein Sandwich?), aber das hier musste erstmal weg. xD
Hilfe ist unterwegs
„Tu beim nächsten Mal wenigstens so, als könntest du kämpfen!“
Der Typ kommt ihm ganz nah, sein Atem riecht nach Bier und billigen Zwiebelringen und Smilee spürt, wie ihm die Galle hochsteigt. Ihm war schon heute Morgen übel, als er mit Kopfschmerzen aufgestanden ist, und dieser schmierige nach Essig stinkende Kerl gibt ihm fast den Rest.
Er hält die Klappe, während der Mann weiter Zeter und Mordio schreit und ihm schließlich 70 Dollar in schweißfeuchten, zerknickten Scheinen auf den Schoß wirft und wütend davon rauscht.
Abgemacht war das Doppelte, doch nur, falls er es bis zur fünften Runde schafft. In der dritten ist er schon zu Boden gegangen und kam einfach nicht mehr hoch. Er kann sich nicht mehr genau erinnern, wie er überhaupt in die Kabine gekommen ist, er erinnert sich nur an Johlen und Gekreische und das ihm jemand einen Tritt zwischen die Rippen verpasst hat, ehe er an die eiskalten Metallspinde gelehnt wieder zu sich gekommen ist.
Smilee schließt die Augen und zieht die Knie an. Die Geldscheine knistern und segeln auf den Boden, doch gerade ist es ihm egal.
Sein ganzer Körper fühlt sich an wie ein Schlachtfeld, er hat kein Gefühl mehr in der linken Hand, sein Schädel dröhnt und jedes Mal wenn er den Mund aufmacht, befürchtet er, dass er sich die Backenzähne in die Handfläche spucken kann.
Langsam öffnet er die Augen und schaut auf seine Uhr hinunter. Kurz vor halb elf. Mars schiebt immer noch Nachtschichten im Krankenhaus, doch Thorn hat gleich Feierabend und Smilee wird es niemals schaffen, vor ihm zuhause zu sein, also muss er warten, bis Thorn eingeschlafen ist und sich dann in die Wohnung schleichen.
So wie seit zwei Wochen.
Mit einem Mal bleibt ihm die Luft weg und eine unglaubliche Sehnsucht nach seinen besten Freunden überkommt ihn. Er will nach Hause, richtig nach Hause, mit albernen Videospielen am Samstagabend, dem Gefluche, weil Smilee wieder vergessen hat, irgendetwas einzukaufen, Lunas Anrufen und ihren bösen Witzen über Barney...
Barney…
Smilee kneift die Augen zusammen, atmet langsam und tief ein, ignoriert krampfhaft das Zittern seiner Oberarme und das Ziehen zwischen seinen Rippen und stemmt sich nach oben. Er sollte duschen und sich das Blut abwaschen, das an seiner Stirn klebt, doch er will keine Sekunde länger hierbleiben. Er packt seine Tasche, gießt sich Wasser aus seiner Trinkflasche übers Gesicht und trocknet sich mit einem verschwitzten, kratzigen Handtuch ab. Dann klaubt er das Geld vom Boden auf, obwohl er sich fast übergibt, als er sich nach vorne beugt.
Raus hier, denkt er und hastet durch die Gänge. Wenigstens begegnet er niemandem aus der Meute seines Gegners, denn so, wie Smilee sich im Moment fühlt, könnte ihn wahrscheinlich ein Fünfjähriger auf die Matte legen.
Er stößt die Tür auf und tritt nach draußen in die kalte Nachtluft hinaus.
Auf der anderen Straßenseite, an seinen schwarzen Pickuptruck gelehnt, steht Barney. Als er Smilee sieht, wirft er die Zigarre weg, kommt auf ihn zu und packt ihn unsanft an der Schulter.
„Du kannst froh sein, dass ich hier stehe und nicht Luna.“
Eine Stunde später steht Smilee unter der Dusche in Barneys Wohnung und überlegt, wie er aus der Nummer hier wieder rauskommen soll. Barney hat bisher kein Wort gesagt, was sich viel schlimmer anfühlt, als wenn er Smilee angebrüllt hätte, ihm bloß das Bad gezeigt und ihn dann im Flur stehen lassen.
Er stellt das Wasser endlich ab, warm ist es eh schon lange nicht mehr. So richtig sauber fühlt er sich nicht, im Gegenteil, seine Handgelenke sind rau und klebrig, doch er weiß, dass er sich nicht ewig verstecken kann. Wenn Barney ihn in schäbigen, halblegalen Boxclubs am Ende der Stadt aufstöbern kann, dann höchstwahrscheinlich auch in seinem eigenen Badezimmer.
Als Smilee versucht über diesen Gedanken ein bisschen zu lachen, kehren seine Kopfschmerzen zurück. Von der Waschmaschine her, wo er seine Tasche abgelegt hat, plärrt sein Handy los, zum zehnten Mal innerhalb der letzten halben Stunde. Luna wahrscheinlich, und Thorn.
Wenn er jetzt rangeht, wird er auf den weiß gefliesten Boden sinken und auf der Stelle anfangen zu heulen. Gott, er ist ein solcher Feigling.
Er kramt sein Handy hervor, drückt den Anruf weg und schaltet es dann ganz aus. Sie werden ihn sowieso vierteilen (sofern Barney noch irgendetwas von ihm übrig lässt), da macht das jetzt auch nicht mehr.
Als er nach einer weiteren halben Stunde, die er mit besonders gründlichem Abtrocknen und weltrekordverdächtig langsamen Anziehen verschwendet hat, die Tür öffnet, läuft er Barney direkt in die Arme.
Smilee kann nicht verhindern, dass er zurückzuckt und Barney anstarrt wie das Kaninchen die Schlange, aber dann hofft er entgegen jeder Hoffnung, dass Barney lächeln und einen seiner blöden albernen Witze machen („Bist du zu weit raus geschwommen?“ oder sowas in dem Dreh) und alles halb so schlimm wird.
Doch Barney sagt bloß „Komm mit“, dreht sich um und läuft langsam in die Küche. Smilee beeilt sich, ihm zu folgen. Er war noch nie in Barneys Wohnung, sie ist klein und eigentlich zu eng für jemanden mit derartig breiten Schultern, aber bevor er sich irgendeinen Spruch dazu ausdenken, irgendetwas, was die Stimmung zwischen ihnen wenigstens ein bisschen lockert, steht er bereits in der Küche, hilflos, müde und völlig fehl am Platze.
Barney lehnt an der Theke und zeigt auf den schmalen, weißen Küchentisch.
„Setz dich.“
Smilee setzt sich, dann wird ein Teller mit einem Sandwich vor ihm abgestellt.
„Iss.“
Smilee will eigentlich protestieren, sagen, dass er keine zwölf Jahre alt ist, doch sein laut knurrender Magen macht ihm einen Strich durch die Rechnung und er senkt den Kopf und streckt die Hände nach seiner Henkersmahlzeit aus.
Er schlingt das Brot förmlich hinunter – wann hat er eigentlich das letzte Mal irgendwas gegessen außer Energydrinks und Müsliriegeln? – weil er jeden Moment damit rechnet, dass Barney explodieren und ihn anbrüllen wird, doch er tut nichts dergleichen. Ein Glas Limonade schiebt er ihm hin, der Rest ist Schweigen, und Smilee dreht langsam durch.
Als er nichts mehr zu essen und zu trinken hat, hält er das Schweigen nicht mehr aus. Er ist nun mal kein sehr geduldiger Typ und dass Anspannung und Schuld ein schmerzhaftes Loch in seinen Bauch fressen, hilft seiner Stimmung auch nicht gerade weiter.
Er schiebt den Teller weg, packt sich ein dreistes Grinsen aufs Gesicht und starrt Barney direkt ins Gesicht.
„Danke, Opa“, sagt er laut, lehnt sich zurück, verdreht die Augen. „Kann ich jetzt gehen?“
Barney reagiert nicht. Sein Blick ist genauso undurchdringlich wie zuvor. Warum sagt er nichts, verdammt noch mal, warum schreit er Smilee nicht an, gibt ihm eine Ohrfeige, macht ihn nieder, so wie er es verdient hat…
Nach ein paar Augenblicken zieht Barney den zweiten Stuhl zurück und lässt sich schwerfällig darauf nieder.
Smilee stellt unwillkürlich die Füße etwas weiter auseinander, als mache er sich für einen Schlag bereit.
„Ich schätze es nicht besonders, wenn man mich anlügt“, sagt Barney. Seine Stimme ist leise, er flüstert zwar nicht, doch Smilee, der immer noch auf Geschrei wartet, hat Mühe ihn zu verstehen. Barney streckt die Hand aus und einen Moment lang glaubt Smilee, dass er vielleicht nach seinem Unterarm greifen will, doch dann zieht Barney bloß den Aschenbecher näher zu sich.
„Also, John“, fährt Barney fort. „Karten auf den Tisch. Was läuft hier?“
„Ich muss dir gar nichts sagen, alter Mann“, erwidert Smilee. Die Wörter zittern, noch bevor sie seinen Mund verlassen.
Barney zieht eine Zigarre aus seiner Hemdtasche.
„Entweder redest du mit mir oder ich rufe Luna an und sage ihr, wo sie dich findet“, sagt er seufzend, so als stelle Smilee seine Geduld auf eine harte Probe.
Smilee reißt die Augen auf. „Das… das ist Erpressung!“
„Ja“, sagt Barney und dann nichts mehr.
Scheiße.
Es ist eigentlich überhaupt keine Frage, was er tun wird, denn Smilee ist sich totsicher, dass er das Aufeinandertreffen mit Luna nicht überleben wird (sie wird ihn in Stücke reißen und er hat es verdient, denn er hat gelogen und ihr Vertrauen missbraucht).
Doch jetzt sieht er sich Barney und seinen stillen, dunklen Blicken gegenüber, die er nicht so richtig einschätzen kann.
Smilee schließt die Augen und legt den Kopf auf der Lehne ab. Er ist am Ende, merkt er plötzlich. Erschöpft, müde, zerschlagen und ausgebrannt und vielleicht, nur vielleicht, hat er sogar insgeheim gewollt, dass jemand ihn findet und ihn am Kragen raus zerrt, aus all der Scheiße, in die er sich mal wieder gebracht hat.
Ein bitteres Lächeln schleicht sich auf sein Gesicht.
Es wäre schön gewesen, wenn nicht ausgerechnet Barney ihn gefunden hätte, denn gerade vor ihm wollte er nicht schwach wirken.
Wollte kein laufender, eins achtzig großer Fehlschlag sein, sondern alles im Griff haben, ein guter, solider Kerl sein, damit Barney sich vielleicht wirklich ein bisschen in ihn verlieben könnte.
Nun, das kann er vergessen.
Er gibt auf.
„Was willst du wissen?“
- Fortsetzung folgt
Challenge: Hurt/Comfort – Joker von der Sommerchallenge 2013: Am Ende der Kräfte – fürs Team
Fandom: The Expendables 3, Sugardaddy AU (was für ein komplett irreführender Titel)
Titel: Hilfe ist unterwegs
Inhalt: Smilee muss eine Entscheidung treffen und gibt auf.
Anmerkung: Dafür, dass das nur fluffiger Schwachsinn mit ein bisschen Drama werden sollte, artet das hier ganz schön aus. Fortsetzung im nächsten Teil (der dann auch wieder mehr comfort beinhalten wird, aber immerhin gibt es hier ein Sandwich?), aber das hier musste erstmal weg. xD
Hilfe ist unterwegs
„Tu beim nächsten Mal wenigstens so, als könntest du kämpfen!“
Der Typ kommt ihm ganz nah, sein Atem riecht nach Bier und billigen Zwiebelringen und Smilee spürt, wie ihm die Galle hochsteigt. Ihm war schon heute Morgen übel, als er mit Kopfschmerzen aufgestanden ist, und dieser schmierige nach Essig stinkende Kerl gibt ihm fast den Rest.
Er hält die Klappe, während der Mann weiter Zeter und Mordio schreit und ihm schließlich 70 Dollar in schweißfeuchten, zerknickten Scheinen auf den Schoß wirft und wütend davon rauscht.
Abgemacht war das Doppelte, doch nur, falls er es bis zur fünften Runde schafft. In der dritten ist er schon zu Boden gegangen und kam einfach nicht mehr hoch. Er kann sich nicht mehr genau erinnern, wie er überhaupt in die Kabine gekommen ist, er erinnert sich nur an Johlen und Gekreische und das ihm jemand einen Tritt zwischen die Rippen verpasst hat, ehe er an die eiskalten Metallspinde gelehnt wieder zu sich gekommen ist.
Smilee schließt die Augen und zieht die Knie an. Die Geldscheine knistern und segeln auf den Boden, doch gerade ist es ihm egal.
Sein ganzer Körper fühlt sich an wie ein Schlachtfeld, er hat kein Gefühl mehr in der linken Hand, sein Schädel dröhnt und jedes Mal wenn er den Mund aufmacht, befürchtet er, dass er sich die Backenzähne in die Handfläche spucken kann.
Langsam öffnet er die Augen und schaut auf seine Uhr hinunter. Kurz vor halb elf. Mars schiebt immer noch Nachtschichten im Krankenhaus, doch Thorn hat gleich Feierabend und Smilee wird es niemals schaffen, vor ihm zuhause zu sein, also muss er warten, bis Thorn eingeschlafen ist und sich dann in die Wohnung schleichen.
So wie seit zwei Wochen.
Mit einem Mal bleibt ihm die Luft weg und eine unglaubliche Sehnsucht nach seinen besten Freunden überkommt ihn. Er will nach Hause, richtig nach Hause, mit albernen Videospielen am Samstagabend, dem Gefluche, weil Smilee wieder vergessen hat, irgendetwas einzukaufen, Lunas Anrufen und ihren bösen Witzen über Barney...
Barney…
Smilee kneift die Augen zusammen, atmet langsam und tief ein, ignoriert krampfhaft das Zittern seiner Oberarme und das Ziehen zwischen seinen Rippen und stemmt sich nach oben. Er sollte duschen und sich das Blut abwaschen, das an seiner Stirn klebt, doch er will keine Sekunde länger hierbleiben. Er packt seine Tasche, gießt sich Wasser aus seiner Trinkflasche übers Gesicht und trocknet sich mit einem verschwitzten, kratzigen Handtuch ab. Dann klaubt er das Geld vom Boden auf, obwohl er sich fast übergibt, als er sich nach vorne beugt.
Raus hier, denkt er und hastet durch die Gänge. Wenigstens begegnet er niemandem aus der Meute seines Gegners, denn so, wie Smilee sich im Moment fühlt, könnte ihn wahrscheinlich ein Fünfjähriger auf die Matte legen.
Er stößt die Tür auf und tritt nach draußen in die kalte Nachtluft hinaus.
Auf der anderen Straßenseite, an seinen schwarzen Pickuptruck gelehnt, steht Barney. Als er Smilee sieht, wirft er die Zigarre weg, kommt auf ihn zu und packt ihn unsanft an der Schulter.
„Du kannst froh sein, dass ich hier stehe und nicht Luna.“
Eine Stunde später steht Smilee unter der Dusche in Barneys Wohnung und überlegt, wie er aus der Nummer hier wieder rauskommen soll. Barney hat bisher kein Wort gesagt, was sich viel schlimmer anfühlt, als wenn er Smilee angebrüllt hätte, ihm bloß das Bad gezeigt und ihn dann im Flur stehen lassen.
Er stellt das Wasser endlich ab, warm ist es eh schon lange nicht mehr. So richtig sauber fühlt er sich nicht, im Gegenteil, seine Handgelenke sind rau und klebrig, doch er weiß, dass er sich nicht ewig verstecken kann. Wenn Barney ihn in schäbigen, halblegalen Boxclubs am Ende der Stadt aufstöbern kann, dann höchstwahrscheinlich auch in seinem eigenen Badezimmer.
Als Smilee versucht über diesen Gedanken ein bisschen zu lachen, kehren seine Kopfschmerzen zurück. Von der Waschmaschine her, wo er seine Tasche abgelegt hat, plärrt sein Handy los, zum zehnten Mal innerhalb der letzten halben Stunde. Luna wahrscheinlich, und Thorn.
Wenn er jetzt rangeht, wird er auf den weiß gefliesten Boden sinken und auf der Stelle anfangen zu heulen. Gott, er ist ein solcher Feigling.
Er kramt sein Handy hervor, drückt den Anruf weg und schaltet es dann ganz aus. Sie werden ihn sowieso vierteilen (sofern Barney noch irgendetwas von ihm übrig lässt), da macht das jetzt auch nicht mehr.
Als er nach einer weiteren halben Stunde, die er mit besonders gründlichem Abtrocknen und weltrekordverdächtig langsamen Anziehen verschwendet hat, die Tür öffnet, läuft er Barney direkt in die Arme.
Smilee kann nicht verhindern, dass er zurückzuckt und Barney anstarrt wie das Kaninchen die Schlange, aber dann hofft er entgegen jeder Hoffnung, dass Barney lächeln und einen seiner blöden albernen Witze machen („Bist du zu weit raus geschwommen?“ oder sowas in dem Dreh) und alles halb so schlimm wird.
Doch Barney sagt bloß „Komm mit“, dreht sich um und läuft langsam in die Küche. Smilee beeilt sich, ihm zu folgen. Er war noch nie in Barneys Wohnung, sie ist klein und eigentlich zu eng für jemanden mit derartig breiten Schultern, aber bevor er sich irgendeinen Spruch dazu ausdenken, irgendetwas, was die Stimmung zwischen ihnen wenigstens ein bisschen lockert, steht er bereits in der Küche, hilflos, müde und völlig fehl am Platze.
Barney lehnt an der Theke und zeigt auf den schmalen, weißen Küchentisch.
„Setz dich.“
Smilee setzt sich, dann wird ein Teller mit einem Sandwich vor ihm abgestellt.
„Iss.“
Smilee will eigentlich protestieren, sagen, dass er keine zwölf Jahre alt ist, doch sein laut knurrender Magen macht ihm einen Strich durch die Rechnung und er senkt den Kopf und streckt die Hände nach seiner Henkersmahlzeit aus.
Er schlingt das Brot förmlich hinunter – wann hat er eigentlich das letzte Mal irgendwas gegessen außer Energydrinks und Müsliriegeln? – weil er jeden Moment damit rechnet, dass Barney explodieren und ihn anbrüllen wird, doch er tut nichts dergleichen. Ein Glas Limonade schiebt er ihm hin, der Rest ist Schweigen, und Smilee dreht langsam durch.
Als er nichts mehr zu essen und zu trinken hat, hält er das Schweigen nicht mehr aus. Er ist nun mal kein sehr geduldiger Typ und dass Anspannung und Schuld ein schmerzhaftes Loch in seinen Bauch fressen, hilft seiner Stimmung auch nicht gerade weiter.
Er schiebt den Teller weg, packt sich ein dreistes Grinsen aufs Gesicht und starrt Barney direkt ins Gesicht.
„Danke, Opa“, sagt er laut, lehnt sich zurück, verdreht die Augen. „Kann ich jetzt gehen?“
Barney reagiert nicht. Sein Blick ist genauso undurchdringlich wie zuvor. Warum sagt er nichts, verdammt noch mal, warum schreit er Smilee nicht an, gibt ihm eine Ohrfeige, macht ihn nieder, so wie er es verdient hat…
Nach ein paar Augenblicken zieht Barney den zweiten Stuhl zurück und lässt sich schwerfällig darauf nieder.
Smilee stellt unwillkürlich die Füße etwas weiter auseinander, als mache er sich für einen Schlag bereit.
„Ich schätze es nicht besonders, wenn man mich anlügt“, sagt Barney. Seine Stimme ist leise, er flüstert zwar nicht, doch Smilee, der immer noch auf Geschrei wartet, hat Mühe ihn zu verstehen. Barney streckt die Hand aus und einen Moment lang glaubt Smilee, dass er vielleicht nach seinem Unterarm greifen will, doch dann zieht Barney bloß den Aschenbecher näher zu sich.
„Also, John“, fährt Barney fort. „Karten auf den Tisch. Was läuft hier?“
„Ich muss dir gar nichts sagen, alter Mann“, erwidert Smilee. Die Wörter zittern, noch bevor sie seinen Mund verlassen.
Barney zieht eine Zigarre aus seiner Hemdtasche.
„Entweder redest du mit mir oder ich rufe Luna an und sage ihr, wo sie dich findet“, sagt er seufzend, so als stelle Smilee seine Geduld auf eine harte Probe.
Smilee reißt die Augen auf. „Das… das ist Erpressung!“
„Ja“, sagt Barney und dann nichts mehr.
Scheiße.
Es ist eigentlich überhaupt keine Frage, was er tun wird, denn Smilee ist sich totsicher, dass er das Aufeinandertreffen mit Luna nicht überleben wird (sie wird ihn in Stücke reißen und er hat es verdient, denn er hat gelogen und ihr Vertrauen missbraucht).
Doch jetzt sieht er sich Barney und seinen stillen, dunklen Blicken gegenüber, die er nicht so richtig einschätzen kann.
Smilee schließt die Augen und legt den Kopf auf der Lehne ab. Er ist am Ende, merkt er plötzlich. Erschöpft, müde, zerschlagen und ausgebrannt und vielleicht, nur vielleicht, hat er sogar insgeheim gewollt, dass jemand ihn findet und ihn am Kragen raus zerrt, aus all der Scheiße, in die er sich mal wieder gebracht hat.
Ein bitteres Lächeln schleicht sich auf sein Gesicht.
Es wäre schön gewesen, wenn nicht ausgerechnet Barney ihn gefunden hätte, denn gerade vor ihm wollte er nicht schwach wirken.
Wollte kein laufender, eins achtzig großer Fehlschlag sein, sondern alles im Griff haben, ein guter, solider Kerl sein, damit Barney sich vielleicht wirklich ein bisschen in ihn verlieben könnte.
Nun, das kann er vergessen.
Er gibt auf.
„Was willst du wissen?“
- Fortsetzung folgt