Original: Volltreffer
Sep. 9th, 2007 05:17 pmTitel: Volltreffer
Autor:
jarienn
Fandom: Original
Charaktere: Jeff Daniels und Charlie Bright sowie diverse Statisten
Rating: PG-13 (wegen Blut, Gewalt, Gefluche und einem Toten)
Wordcount: ~ 2500
A/N: Jeff und Charlie sind zwar kein Liebespaar (und werden es auch nie), sondern Cops, aber sie sind mit Abstand das Pärchen, das ich in meinen Originalgeschichten am liebsten schreibe. Ich hoffe, dass ich damit nicht schon von vornherein die Challenge verloren habe. ^.^;
Challenge: # 1 - OTPs
Volltreffer
Jeff schob sich vorsichtig um eine Ecke des baufälligen, verlassenen Lagerhauses. Spinnweben verfingen sich in seinem Haar. Er wischte sie mit einer Hand beiseite, schauderte unwillkürlich, als er versuchte, eine Regung zwischen den sich unübersichtlich in der Halle stapelnden Kisten auszumachen.
'Die Dealer können überall sein', dachte er wenig amüsiert. 'Charlie könnte überall sein. Verdammt! Wo bleibt die Verstärkung?!'
Wie lange war es her, seit er das Revier über sein Handy verständigt hatte?
Er fuhr sich mit einer Hand über die schweißnasse Stirn, zwang sich dazu, ruhig zu bleiben.
Am Morgen waren Jeff und Charlie zum Hafen gefahren, um den Tatort eines Mordes noch einmal in Augenschein zu nehmen. Als sie bemerkten, dass sie mitten in eine Drogenübergabe stolperten, war es bereits zu spät. Die Dealer eröffneten das Feuer und verteilten sich über das Gelände, das das Lagerhaus umgab. Für die Dealer war es ein Heimspiel, für die Detectives fast gänzlich unbekanntes Terrain.
Sie hatten keinen blassen Schimmer, was sie in der Lagerhalle oder deren Umgebung vorfinden würden. Zu allem Überfluss wurden sie auch noch getrennt. Beiden war bewusst, dass, wenn sie nicht sehr vorsichtig waren, die Dealer auf übelste Weise gewinnen würden.
Jeff verließ seine Deckung und lief geduckt zu einem weiteren Kistenstapel. Dort stolperte und fiel er über einen dort kauernden Körper. Jeff schlug hart auf dem Betonboden auf, rollte sich geistesgegenwärtig über die Schulter ab, setzte sich auf und richtete seine Waffe auf die Person, die ihrerseits mit einer Waffe auf ihn zielte. Jeffs Finger gefror am Abzug und er rief in einem scharfen Flüstern: „Verdammt, Charlie! Wo hast du gesteckt?“
„Find’s auch schön, dich zu sehen“, gab die Werwölfin zurück. „Bist du in Ordnung, Jeff?“, fragte sie leise, als sie ihre Pistole sinken ließ.
„Klar. Und du?“
Charlie wollte in einer Geste der Gleichgültigkeit die Schultern zucken, doch statt dessen zuckte sie vor Schmerz zusammen. Jeff robbte näher, um seine Partnerin genauer anzusehen. Er fand ein Loch in ihrer Jacke, und der rechte Ärmel war blutig. Jeff verfiel nicht in Panik; Charlie benutzte den Arm noch immer, hielt ihre Pistole jedoch mit beiden Händen. 'Nicht so schlimm also', dachte Jeff erleichtert. Die Sanitäter konnten sich später darum kümmern.
„Ich hab beim Revier um Verstärkung gebeten”, sagten beide gleichzeitig und grinsten sich dann angespannt an.
Jeff richtete sich halb auf und schaute sich in der Umgebung ihrer Deckung um. „Dann müssen wir also nur so lange überleben, bis sie hier ankommen.“
„Und wir müssen die Drogendealer davon abhalten, zu verschwinden“, setzte Charlie hinzu.
Jeff schaute sich kurz und erstaunt nach seiner Partnerin um. Sie schwebten in Lebensgefahr, und Jeff selbst hatte bereits sämtliche Ambitionen aufgegeben, irgendjemanden festnehmen zu wollen.
Zu Beginn waren es sieben Männer gewesen, bewaffnet bis an die Zähne. Es war mehr als wahrscheinlich, dass sie sich bereits aus dem Staub gemacht hatten. Jeff konnte nicht verhindern, dass er hoffte, sie wären verschwunden. Der Gedanke daran, dass Charlie und er sich ihren Weg frei schießen müssten, behagte ihm nicht gerade. Sie waren den Dealern zahlenmäßig weit unterlegen, und er brauchte nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, wie alles enden würde, wenn es zu einer Konfrontation käme.
Etwas fiel zu ihrer Rechten krachend zu Boden. Jeff wirbelte in die Richtung herum, aus der das Geräusch kam. Verstärkung oder die Dealer? Anstatt sich bemerkbar zu machen und die Aufmerksamkeit desjenigen auf sich zu ziehen, der sich zusammen mit ihnen in der Lagerhalle befand, schwieg Jeff. Er fühlte, wie Charlie leicht seine Hand berührte, eine wortlose Geste, deren Bedeutung Jeff nur zu gut kannte: Bleib ruhig.
„Sie sind hier! Ich weiß, dass sie hier sind!“, ertönte eine Stimme. „Haltet die Augen offen.“ Dann folgte eine leise Unterhaltung, von der Jeff und Charlie nur das Ende mitbekamen. „Nein! Ich will sie tot. Sie haben zu viel gesehen!”
Keine Verstärkung also. Jeff spürte, wie ihm der Schweiß in den Kragen seines Hemdes lief. Er sah zu Charlie. „Trennen?“, flüsterte er stirnrunzelnd.
Charlie setzte zu einem Nicken an, aber dann erklang neuer Lärm, als die übrigen Drogendealer ihre Suche wieder aufnahmen. Charlie lauschte und schloss einen Moment die Augen. „Wie sitzen in der Falle“, sagte sie dumpf und bestätigte damit Jeffs schlimmste Befürchtung.
„Haben wir eine Wahl?“, fragte er.
„Wir haben keine. Aber etwas bleibt immer“, sagte Charlie dann langsam und ließ ihren Partner dabei nicht aus den Augen. „Lektion Eins: In Deckung bleiben. Warten. Unsere Stellung verteidigen.”
Jeff schüttelte den Kopf. Das war alles andere als eine Möglichkeit, die er in Erwägung ziehen wollte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie entdeckt wurden. Und dann – Plötzlich lächelte er, ein Lächeln, bei dem Charlie aus Erfahrung wusste, dass er im Begriff war, etwas Dummes zu tun oder zu sagen. Sie sollte nicht enttäuscht werden.
„Ich gebe dir Deckung, und siehst zu, dass du hier heile rauskommst.“
„Nein!”, knurrte Charlie. Sie packte ihn am Revers seiner Jacke – mit der gleichen Hand, die nun ihre Pistole hielt.
Jeff wurde nervös, doch weniger wegen der Waffe in unmittelbarer Nähe zu seinem Herzen, sondern vielmehr wegen der nicht gänzlich unerwarteten Reaktion seiner Partnerin.
„Hey! Hier drüben sind Blutspuren!“, rief jemand ganz in ihrer Nähe.
Jeff dachte nicht mehr nach. Er befreite sich unsanft von Charlie. „Lauf!“, befahl er ihr und stürzte selbst aus ihrer Deckung. Er gab zwei Schüsse ab, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, damit Charlie fliehen konnte.
„Keine Bewegung!“, rief eine weitere Stimme am anderen Ende des Lagerhauses. Dann lautes Rufen, Schüsse. Verstärkung! Endlich – zu spät?
Jeff erreichte die nächste Deckung, als sich eine Kugel direkt über ihm in eine der Kisten bohrte. Dann war er sicher. Er war erleichtert, dass er noch immer am Leben war, es gegen jede Chance geschafft hatte – bis er in den Lauf eines Revolvers sah. Er erkannte einen der Dealer als denjenigen, der die Waffe hielt. Der junge Mann, kaum erwachsen, wollte mit wutverzerrtem Gesicht den Hahn seines Revolvers spannen.
„Stirb, du Schw-!“
Der Mann verstummte mitten im Wort. Eine Kugel hatte ihn direkt zwischen die Augen getroffen. Ein perfekter Schuss. Der Schuss eines Meisterschützen, ohne jeden Zweifel. Jeff wusste unwillkürlich, wer ihn abgegeben hatte. Der Drogendealer sank tot zu Boden.
Jeff konnte seinen Beinen nicht länger befehlen, ihn aufrecht zu halten. Das war haarscharf gewesen, und er wusste es. Er brauchte einen Augenblick – vielleicht mehr als einen Augenblick, um sich davon zu erholen. Er hoffte, dass keiner der anderen Cops gerade in diesem Moment um die Ecke kam, und sah, wie der toughe Detective Jeffrey Daniels am Boden saß und am ganzen Körper zitterte.
Es war Charlie, die schließlich vor ihm kniete. Sie lehnte sich ein wenig vor, um Jeff ins Gesicht sehen zu können; in ihren Augen spiegelten sich Sorge und mehr als nur eine Spur Ärger.
Jeff war froh und erleichtert, dass seiner Partnerin nichts geschehen war. Er ertappte sich dabei, dass er gegen den fast unwiderstehlich werdenden Drang ankämpfen musste, die Werwölfin hier und jetzt in seine Arme zu reißen und ihr unter Küssen zu sagen, was sie ihm bedeutete. Der Augenblick schien ihm perfekt zu sein. Wenn sie ihn bloß nicht dadurch ruinierte, dass sie –
„Was fällt dir eigentlich ein?!“, rief sie wütend. „Wir hätten eine größere Chance gehabt, leise und unbemerkt raus zu kommen, wenn wir uns getrennt hätten. Selbst wenn wir in Deckung geblieben wären –“, Charlie hatte plötzlich Mühe, ihre Fassung zu behalten. „Versuch ja nie wieder, für mich zu sterben, hast du mich verstanden?!“, brachte sie leise, aber eindringlich hervor.
„Okay“, war alles, was Jeff als Antwort zustande brachte.
„Wir sind Detectives!“, fuhr Charlie ihn an als erkläre das alles. „Verdammt! Ich bin hinter dir hergelaufen. Ich hatte nicht vor, dich alleine sterben zu lassen“, setzte sie leise hinzu und wich Jeffs Blick aus.
„Okay“, war wieder das einzige, das Jeff darauf zu sagen hatte. Er hatte zu sehr damit zu tun, sein Zittern unter Kontrolle zu bekommen und damit klar zu kommen, was Charlie gerade gesagt hatte; nicht nur, dass er sein eigenes Leben leichtfertig aufs Spiel gesetzt hatte, wie Charlie ihm gerade klar gemacht hatte, nein, er hatte auch Charlie in Todesgefahr gebracht. Und das war etwas, mit dem er nicht so schnell zurecht kommen würde.
„Jemand verletzt?“, fragte eine Stimme hinter ihnen.
„Jeff?“, fragte Charlie, für den Moment nicht mehr ärgerlich, sondern nur besorgt.
„Nur ein paar Kratzer“, grollte Jeff. „Du bist diejenige mit der Schussverletzung.“
Der Sanitäter bedeutet Charlie, sich auf den Boden zu setzen, während er sich selbst neben sie kniete. Jeff schaute benommen zu, als Charlie sich ihrer Jacke entledigte und sehr vorsichtig den mit ihrem Blut befleckten Ärmel hochschob. Als der Sanitäter die Wunde untersuchte, unterdrückte Charlie ein schmerzerfülltes Winseln.
„Nur eine oberflächliche Fleischwunde, aber Sie sollten trotzdem einen Arzt aufsuchen. Die Wunde sollte genäht werden“, meinte er Sanitäter, während er die Wunde mit der gleichen Nüchternheit versorgte, mit der andere Menschen sich um einen Schnitt im Finger kümmern würden. „Sind Sie schon mal angeschossen worden?“, fragte er dann. Charlie nickte. Der Sanitäter lächelte, schüttelte aber amüsiert tadelnd den Kopf. „Ein so hübsches Mädchen sollte besser auf sich aufpassen. Jedenfalls wissen Sie ja, wie Sie sich um die Wunde zu kümmern haben.“
Charlie nickte erneut wortlos. Jeff sah ein wenig dümmlich von ihr zum Sanitäter. Er hatte dunkles Haar und braune Augen, die jedoch bemerkenswert ausdruckslos waren; er sah alles andere als schlecht aus, seine Uniform unterstrich diesen Eindruck noch. Jeff kannte Charlie inzwischen gut genug, um zu wissen, dass der Sanitäter genau die Art von Mann war, die sie attraktiv finden würde.
„Ich brauche dann noch eine Unterschrift.“ Der Sanitäter hielt Charlie ein Klemmbrett hin. Ohne Zögern kritzelte sie ihren Namen dorthin, wo der Sanitäter hin deutete. Der Mann schaute auf die Unterschrift und lächelte noch breiter. „Charlotte Bright. Und Ihre Telefonnummer, Charlotte?“
Jeff entriss ihm das Klemmbrett und sah sich das vermeintlich offizielle Schriftstück genauer an. Es war lediglich irgendeine Liste, ganz sicher nichts Offizielles. Er gab das Klemmbrett grob an den Sanitäter zurück. „Besten Dank. Sie können jetzt gehen“, knurrte Jeff.
„Jeff!“, protestierte Charlie, aber der Sanitäter war bereits aufgestanden und sah die beiden Detectives stirnrunzelnd an. Dann sagte er: „Vielleicht später einmal, Charlotte, wenn Sie nicht so beschäftigt sind.“ Er schulterte seinen schweren Koffer und wandte sich zum Gehen. „Mein Name ist Alec Main.“
Jeff hatte genug. Er stand auf und zog Charlie mit einer Hand am Ellbogen mit sich hoch.
„Du warst unverschämt, Jeff!“, beschwerte sich Charlie und entzog ihm ihren Arm.
„Wird nicht das letzte Mal gewesen sein“, brummte Jeff, als sie sich auf den Weg zu ihren Kollegen machten.
„Was zum Teufel war das für eine hirnverbrannte Nummer da drin?!“ Der Mann, der diese Worte sagte, war groß, kräftig, und seine Nase sah aus als sei sie bereits ein ums andere Mal gebrochen worden. Weder Jeff noch Charlie kannten ihn, aber sein Gebaren – und seine Marke – wiesen ihn als Kollegen aus. „Warum seid ihr verdammt noch mal nicht in eurer Deckung geblieben, bis wir kamen?“, verlangte er zu wissen und baute sich vor ihnen auf.
Instinktiv schob Jeff sich zwischen den Riesen und seine Partnerin. „Sie waren zu spät dran!“, schnappte er. „Wir saßen in der Falle!“
„Und deshalb haben Sie sich dazu entschlossen, Selbstmord zu begehen?“
„Sie sind nicht mein Chief“, versetzte Jeff. „Ich sehe nicht ein, warum ich mich vor Ihnen rechtfertigen sollte. Das Levitenlesen überlasse ich doch lieber ihm, einverstanden?“
„Wäre Ihre Partnerin nicht gewesen, dann wären Sie jetzt tot, Mann!“, stellte der Riese klar und stemmte seine nicht minder riesigen Fäuste in die Hüften. Er bedachte Charlie mit einem anerkennenden Blick. „Das war ein großartiger Schuss, und Sie haben ihn abgefeuert, während Sie liefen. Einfach unglaublich!“
„Danke, denke ich“, meinte Charlie, die kein Lob erwartet hatte. Automatisch versuchte sie, auch Jeffs Verhalten zu rechtfertigen. „Mein Partner hat lediglich versucht, die Dealer dazu zu bringen, dass sie ihre Aufmerksamkeit auf zwei Ziele verteilen.“ Sie merkte nicht, wie Jeff zusammenzuckte. „Wir dachten, wir hätten eine bessere Chance, wenn wir von zwei Seiten auf sie zu kommen könnten.“
Das war zuviel für Jeff. Er wollte nicht, dass Charlie für ihn log; es war unnötig. „Eigentlich“, wandte er ein und ignorierte Charlies warnenden, aber zugleich auch bestürzten Laut, „war meine Partnerin zu schwer verletzt, um ihre Waffe zu halten. Da war es doch nur natürlich, dass ich versucht habe, die Aufmerksamkeit der Verbrecher gänzlich auf mich zu ziehen, um die Dealer aus ihrer Deckung zu locken.“
„Und was dann?“, fragte ein anderer Mann ungläubig, „wollten Sie sie mit Ihrem Blut besudeln, während die Sie in ein Sieb verwandelten?“
„Wenn die Pflicht es verlangt, ja“, erwiderte Jeff frech.
Der Neuankömmling war das genaue Gegenteil des Riesen: lang und dünn wie eine Bohnenstange, die Nase eines Adlers, wache, helle Augen. Er war älter als Jeff. Sein graues Haar war militärisch kurz geschnitten; nicht nur dieses ließ einen an einen Sergeant denken. Jetzt bedeutete er dem Riesen, sich wieder um dessen Arbeit zu kümmern. „Wir haben immer noch nicht alle Verdächtigen gefasst. Würde es Ihnen etwas ausmachen, sie zu fangen, Ludwig?“
Ludwig gab einen unverbindlichen Laut von sich. „Sicher, Boss.“ Noch einmal schaute er anerkennend zu Charlie. „Sollten Sie mal Lust haben, einige Runden auf dem Schießstand zu absolvieren, lassen Sie es mich wissen. Mein Name ist Benedict Ludwig.“
„Ich bin von Ihrer Tapferkeit beeindruckt“, sagte der Dünne zu Jeff, nachdem Ludwig gegangen war. Aber der Mann lächelte nicht und fügte hinzu: „Es hätte sich ganz gut in Ihrem Nachruf gemacht. Aber, da Sie es ja Dank Ihrer Partnerin geschafft haben, zu überleben, muss ich mir das für später aufheben und ihre ungeheuerliche Dummheit Ihrem Chief melden.“
„Hey!“, rief Jeff verärgert aus. „Ich hatte keine andere Wahl! Ich dachte, ich hätte eine reelle Chance und ich war nicht verletzt wie Charlie. Wenn die Dealer mir gefolgt wären, dann hätte ich sie beschäftigen können und hätte uns so mehr Zeit verschafft.“
Der Dünne streckte plötzlich seine Hand aus und tippte mit dem Finger direkt zwischen Jeffs Augen. Jeff blinzelte und schlug die Hand des Mannes grob weg, machte einen Schritt zurück. „Sie hätten sich fast eine Kugel genau dort eingefangen, Junior“, sagte der Mann. „Sie hätten in Ihrer Deckung bleiben und auf uns warten sollen.“
„Sie waren bereits auf der Suche nach uns!“, gab Jeff aufgebracht zurück, seine Hände ballten sich unwillkürlich zu Fäusten. „Zu warten stand nicht zur Debatte!“
„Doch, das tat es, und Sie wissen es“, erwiderte der Mann kühl. „Sie haben Panik gekriegt. Ich werde das im Bericht vermerken. Vielleicht sollten Sie noch einmal die Schulbank drücken, Junior, damit Sie – sollten Sie noch einmal in so eine Situation geraten – wissen, was die Regeln für solch einen Fall vorsehen.“
Der Mann schaute zu Charlie und sein Gesicht nahm einen unergründlichen Ausdruck an. Er schlug Jeff jovial auf die Schulter und wandte sich zum Gehen. „Ich weiß, dass Sie sich Sorgen um Ihre Partnerin gemacht haben, aber anstatt sie beide zu retten, hätten Sie sie beide umbringen können. Wenn Sie unbedingt ein Held sein wollen, dann seien Sie in Zukunft cleverer, Junior.“
„Wen nennt er hier Junior?“, fauchte Jeff wütend.
„Idiot wäre passender“, versetzte Charlie knapp.
„Charlie!“, rief Jeff und vertrat ihr den Weg. „Ich habe das Richtige getan!“
„Hast du das?“ Charlie schaute ihn herausfordernd an.
Jeff biss jedoch nicht an; er wusste nur zu gut, wie ein Gespräch dieser Art zwischen ihnen enden würde. „Ich will jetzt nicht mit dir streiten, okay?“
Stille. Manchmal konnte sie schlimmer sein als ein Streit, und Charlie war gut auf diesem Gebiet.
Autor:
Fandom: Original
Charaktere: Jeff Daniels und Charlie Bright sowie diverse Statisten
Rating: PG-13 (wegen Blut, Gewalt, Gefluche und einem Toten)
Wordcount: ~ 2500
A/N: Jeff und Charlie sind zwar kein Liebespaar (und werden es auch nie), sondern Cops, aber sie sind mit Abstand das Pärchen, das ich in meinen Originalgeschichten am liebsten schreibe. Ich hoffe, dass ich damit nicht schon von vornherein die Challenge verloren habe. ^.^;
Challenge: # 1 - OTPs
Volltreffer
Jeff schob sich vorsichtig um eine Ecke des baufälligen, verlassenen Lagerhauses. Spinnweben verfingen sich in seinem Haar. Er wischte sie mit einer Hand beiseite, schauderte unwillkürlich, als er versuchte, eine Regung zwischen den sich unübersichtlich in der Halle stapelnden Kisten auszumachen.
'Die Dealer können überall sein', dachte er wenig amüsiert. 'Charlie könnte überall sein. Verdammt! Wo bleibt die Verstärkung?!'
Wie lange war es her, seit er das Revier über sein Handy verständigt hatte?
Er fuhr sich mit einer Hand über die schweißnasse Stirn, zwang sich dazu, ruhig zu bleiben.
Am Morgen waren Jeff und Charlie zum Hafen gefahren, um den Tatort eines Mordes noch einmal in Augenschein zu nehmen. Als sie bemerkten, dass sie mitten in eine Drogenübergabe stolperten, war es bereits zu spät. Die Dealer eröffneten das Feuer und verteilten sich über das Gelände, das das Lagerhaus umgab. Für die Dealer war es ein Heimspiel, für die Detectives fast gänzlich unbekanntes Terrain.
Sie hatten keinen blassen Schimmer, was sie in der Lagerhalle oder deren Umgebung vorfinden würden. Zu allem Überfluss wurden sie auch noch getrennt. Beiden war bewusst, dass, wenn sie nicht sehr vorsichtig waren, die Dealer auf übelste Weise gewinnen würden.
Jeff verließ seine Deckung und lief geduckt zu einem weiteren Kistenstapel. Dort stolperte und fiel er über einen dort kauernden Körper. Jeff schlug hart auf dem Betonboden auf, rollte sich geistesgegenwärtig über die Schulter ab, setzte sich auf und richtete seine Waffe auf die Person, die ihrerseits mit einer Waffe auf ihn zielte. Jeffs Finger gefror am Abzug und er rief in einem scharfen Flüstern: „Verdammt, Charlie! Wo hast du gesteckt?“
„Find’s auch schön, dich zu sehen“, gab die Werwölfin zurück. „Bist du in Ordnung, Jeff?“, fragte sie leise, als sie ihre Pistole sinken ließ.
„Klar. Und du?“
Charlie wollte in einer Geste der Gleichgültigkeit die Schultern zucken, doch statt dessen zuckte sie vor Schmerz zusammen. Jeff robbte näher, um seine Partnerin genauer anzusehen. Er fand ein Loch in ihrer Jacke, und der rechte Ärmel war blutig. Jeff verfiel nicht in Panik; Charlie benutzte den Arm noch immer, hielt ihre Pistole jedoch mit beiden Händen. 'Nicht so schlimm also', dachte Jeff erleichtert. Die Sanitäter konnten sich später darum kümmern.
„Ich hab beim Revier um Verstärkung gebeten”, sagten beide gleichzeitig und grinsten sich dann angespannt an.
Jeff richtete sich halb auf und schaute sich in der Umgebung ihrer Deckung um. „Dann müssen wir also nur so lange überleben, bis sie hier ankommen.“
„Und wir müssen die Drogendealer davon abhalten, zu verschwinden“, setzte Charlie hinzu.
Jeff schaute sich kurz und erstaunt nach seiner Partnerin um. Sie schwebten in Lebensgefahr, und Jeff selbst hatte bereits sämtliche Ambitionen aufgegeben, irgendjemanden festnehmen zu wollen.
Zu Beginn waren es sieben Männer gewesen, bewaffnet bis an die Zähne. Es war mehr als wahrscheinlich, dass sie sich bereits aus dem Staub gemacht hatten. Jeff konnte nicht verhindern, dass er hoffte, sie wären verschwunden. Der Gedanke daran, dass Charlie und er sich ihren Weg frei schießen müssten, behagte ihm nicht gerade. Sie waren den Dealern zahlenmäßig weit unterlegen, und er brauchte nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, wie alles enden würde, wenn es zu einer Konfrontation käme.
Etwas fiel zu ihrer Rechten krachend zu Boden. Jeff wirbelte in die Richtung herum, aus der das Geräusch kam. Verstärkung oder die Dealer? Anstatt sich bemerkbar zu machen und die Aufmerksamkeit desjenigen auf sich zu ziehen, der sich zusammen mit ihnen in der Lagerhalle befand, schwieg Jeff. Er fühlte, wie Charlie leicht seine Hand berührte, eine wortlose Geste, deren Bedeutung Jeff nur zu gut kannte: Bleib ruhig.
„Sie sind hier! Ich weiß, dass sie hier sind!“, ertönte eine Stimme. „Haltet die Augen offen.“ Dann folgte eine leise Unterhaltung, von der Jeff und Charlie nur das Ende mitbekamen. „Nein! Ich will sie tot. Sie haben zu viel gesehen!”
Keine Verstärkung also. Jeff spürte, wie ihm der Schweiß in den Kragen seines Hemdes lief. Er sah zu Charlie. „Trennen?“, flüsterte er stirnrunzelnd.
Charlie setzte zu einem Nicken an, aber dann erklang neuer Lärm, als die übrigen Drogendealer ihre Suche wieder aufnahmen. Charlie lauschte und schloss einen Moment die Augen. „Wie sitzen in der Falle“, sagte sie dumpf und bestätigte damit Jeffs schlimmste Befürchtung.
„Haben wir eine Wahl?“, fragte er.
„Wir haben keine. Aber etwas bleibt immer“, sagte Charlie dann langsam und ließ ihren Partner dabei nicht aus den Augen. „Lektion Eins: In Deckung bleiben. Warten. Unsere Stellung verteidigen.”
Jeff schüttelte den Kopf. Das war alles andere als eine Möglichkeit, die er in Erwägung ziehen wollte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie entdeckt wurden. Und dann – Plötzlich lächelte er, ein Lächeln, bei dem Charlie aus Erfahrung wusste, dass er im Begriff war, etwas Dummes zu tun oder zu sagen. Sie sollte nicht enttäuscht werden.
„Ich gebe dir Deckung, und siehst zu, dass du hier heile rauskommst.“
„Nein!”, knurrte Charlie. Sie packte ihn am Revers seiner Jacke – mit der gleichen Hand, die nun ihre Pistole hielt.
Jeff wurde nervös, doch weniger wegen der Waffe in unmittelbarer Nähe zu seinem Herzen, sondern vielmehr wegen der nicht gänzlich unerwarteten Reaktion seiner Partnerin.
„Hey! Hier drüben sind Blutspuren!“, rief jemand ganz in ihrer Nähe.
Jeff dachte nicht mehr nach. Er befreite sich unsanft von Charlie. „Lauf!“, befahl er ihr und stürzte selbst aus ihrer Deckung. Er gab zwei Schüsse ab, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, damit Charlie fliehen konnte.
„Keine Bewegung!“, rief eine weitere Stimme am anderen Ende des Lagerhauses. Dann lautes Rufen, Schüsse. Verstärkung! Endlich – zu spät?
Jeff erreichte die nächste Deckung, als sich eine Kugel direkt über ihm in eine der Kisten bohrte. Dann war er sicher. Er war erleichtert, dass er noch immer am Leben war, es gegen jede Chance geschafft hatte – bis er in den Lauf eines Revolvers sah. Er erkannte einen der Dealer als denjenigen, der die Waffe hielt. Der junge Mann, kaum erwachsen, wollte mit wutverzerrtem Gesicht den Hahn seines Revolvers spannen.
„Stirb, du Schw-!“
Der Mann verstummte mitten im Wort. Eine Kugel hatte ihn direkt zwischen die Augen getroffen. Ein perfekter Schuss. Der Schuss eines Meisterschützen, ohne jeden Zweifel. Jeff wusste unwillkürlich, wer ihn abgegeben hatte. Der Drogendealer sank tot zu Boden.
Jeff konnte seinen Beinen nicht länger befehlen, ihn aufrecht zu halten. Das war haarscharf gewesen, und er wusste es. Er brauchte einen Augenblick – vielleicht mehr als einen Augenblick, um sich davon zu erholen. Er hoffte, dass keiner der anderen Cops gerade in diesem Moment um die Ecke kam, und sah, wie der toughe Detective Jeffrey Daniels am Boden saß und am ganzen Körper zitterte.
Es war Charlie, die schließlich vor ihm kniete. Sie lehnte sich ein wenig vor, um Jeff ins Gesicht sehen zu können; in ihren Augen spiegelten sich Sorge und mehr als nur eine Spur Ärger.
Jeff war froh und erleichtert, dass seiner Partnerin nichts geschehen war. Er ertappte sich dabei, dass er gegen den fast unwiderstehlich werdenden Drang ankämpfen musste, die Werwölfin hier und jetzt in seine Arme zu reißen und ihr unter Küssen zu sagen, was sie ihm bedeutete. Der Augenblick schien ihm perfekt zu sein. Wenn sie ihn bloß nicht dadurch ruinierte, dass sie –
„Was fällt dir eigentlich ein?!“, rief sie wütend. „Wir hätten eine größere Chance gehabt, leise und unbemerkt raus zu kommen, wenn wir uns getrennt hätten. Selbst wenn wir in Deckung geblieben wären –“, Charlie hatte plötzlich Mühe, ihre Fassung zu behalten. „Versuch ja nie wieder, für mich zu sterben, hast du mich verstanden?!“, brachte sie leise, aber eindringlich hervor.
„Okay“, war alles, was Jeff als Antwort zustande brachte.
„Wir sind Detectives!“, fuhr Charlie ihn an als erkläre das alles. „Verdammt! Ich bin hinter dir hergelaufen. Ich hatte nicht vor, dich alleine sterben zu lassen“, setzte sie leise hinzu und wich Jeffs Blick aus.
„Okay“, war wieder das einzige, das Jeff darauf zu sagen hatte. Er hatte zu sehr damit zu tun, sein Zittern unter Kontrolle zu bekommen und damit klar zu kommen, was Charlie gerade gesagt hatte; nicht nur, dass er sein eigenes Leben leichtfertig aufs Spiel gesetzt hatte, wie Charlie ihm gerade klar gemacht hatte, nein, er hatte auch Charlie in Todesgefahr gebracht. Und das war etwas, mit dem er nicht so schnell zurecht kommen würde.
„Jemand verletzt?“, fragte eine Stimme hinter ihnen.
„Jeff?“, fragte Charlie, für den Moment nicht mehr ärgerlich, sondern nur besorgt.
„Nur ein paar Kratzer“, grollte Jeff. „Du bist diejenige mit der Schussverletzung.“
Der Sanitäter bedeutet Charlie, sich auf den Boden zu setzen, während er sich selbst neben sie kniete. Jeff schaute benommen zu, als Charlie sich ihrer Jacke entledigte und sehr vorsichtig den mit ihrem Blut befleckten Ärmel hochschob. Als der Sanitäter die Wunde untersuchte, unterdrückte Charlie ein schmerzerfülltes Winseln.
„Nur eine oberflächliche Fleischwunde, aber Sie sollten trotzdem einen Arzt aufsuchen. Die Wunde sollte genäht werden“, meinte er Sanitäter, während er die Wunde mit der gleichen Nüchternheit versorgte, mit der andere Menschen sich um einen Schnitt im Finger kümmern würden. „Sind Sie schon mal angeschossen worden?“, fragte er dann. Charlie nickte. Der Sanitäter lächelte, schüttelte aber amüsiert tadelnd den Kopf. „Ein so hübsches Mädchen sollte besser auf sich aufpassen. Jedenfalls wissen Sie ja, wie Sie sich um die Wunde zu kümmern haben.“
Charlie nickte erneut wortlos. Jeff sah ein wenig dümmlich von ihr zum Sanitäter. Er hatte dunkles Haar und braune Augen, die jedoch bemerkenswert ausdruckslos waren; er sah alles andere als schlecht aus, seine Uniform unterstrich diesen Eindruck noch. Jeff kannte Charlie inzwischen gut genug, um zu wissen, dass der Sanitäter genau die Art von Mann war, die sie attraktiv finden würde.
„Ich brauche dann noch eine Unterschrift.“ Der Sanitäter hielt Charlie ein Klemmbrett hin. Ohne Zögern kritzelte sie ihren Namen dorthin, wo der Sanitäter hin deutete. Der Mann schaute auf die Unterschrift und lächelte noch breiter. „Charlotte Bright. Und Ihre Telefonnummer, Charlotte?“
Jeff entriss ihm das Klemmbrett und sah sich das vermeintlich offizielle Schriftstück genauer an. Es war lediglich irgendeine Liste, ganz sicher nichts Offizielles. Er gab das Klemmbrett grob an den Sanitäter zurück. „Besten Dank. Sie können jetzt gehen“, knurrte Jeff.
„Jeff!“, protestierte Charlie, aber der Sanitäter war bereits aufgestanden und sah die beiden Detectives stirnrunzelnd an. Dann sagte er: „Vielleicht später einmal, Charlotte, wenn Sie nicht so beschäftigt sind.“ Er schulterte seinen schweren Koffer und wandte sich zum Gehen. „Mein Name ist Alec Main.“
Jeff hatte genug. Er stand auf und zog Charlie mit einer Hand am Ellbogen mit sich hoch.
„Du warst unverschämt, Jeff!“, beschwerte sich Charlie und entzog ihm ihren Arm.
„Wird nicht das letzte Mal gewesen sein“, brummte Jeff, als sie sich auf den Weg zu ihren Kollegen machten.
„Was zum Teufel war das für eine hirnverbrannte Nummer da drin?!“ Der Mann, der diese Worte sagte, war groß, kräftig, und seine Nase sah aus als sei sie bereits ein ums andere Mal gebrochen worden. Weder Jeff noch Charlie kannten ihn, aber sein Gebaren – und seine Marke – wiesen ihn als Kollegen aus. „Warum seid ihr verdammt noch mal nicht in eurer Deckung geblieben, bis wir kamen?“, verlangte er zu wissen und baute sich vor ihnen auf.
Instinktiv schob Jeff sich zwischen den Riesen und seine Partnerin. „Sie waren zu spät dran!“, schnappte er. „Wir saßen in der Falle!“
„Und deshalb haben Sie sich dazu entschlossen, Selbstmord zu begehen?“
„Sie sind nicht mein Chief“, versetzte Jeff. „Ich sehe nicht ein, warum ich mich vor Ihnen rechtfertigen sollte. Das Levitenlesen überlasse ich doch lieber ihm, einverstanden?“
„Wäre Ihre Partnerin nicht gewesen, dann wären Sie jetzt tot, Mann!“, stellte der Riese klar und stemmte seine nicht minder riesigen Fäuste in die Hüften. Er bedachte Charlie mit einem anerkennenden Blick. „Das war ein großartiger Schuss, und Sie haben ihn abgefeuert, während Sie liefen. Einfach unglaublich!“
„Danke, denke ich“, meinte Charlie, die kein Lob erwartet hatte. Automatisch versuchte sie, auch Jeffs Verhalten zu rechtfertigen. „Mein Partner hat lediglich versucht, die Dealer dazu zu bringen, dass sie ihre Aufmerksamkeit auf zwei Ziele verteilen.“ Sie merkte nicht, wie Jeff zusammenzuckte. „Wir dachten, wir hätten eine bessere Chance, wenn wir von zwei Seiten auf sie zu kommen könnten.“
Das war zuviel für Jeff. Er wollte nicht, dass Charlie für ihn log; es war unnötig. „Eigentlich“, wandte er ein und ignorierte Charlies warnenden, aber zugleich auch bestürzten Laut, „war meine Partnerin zu schwer verletzt, um ihre Waffe zu halten. Da war es doch nur natürlich, dass ich versucht habe, die Aufmerksamkeit der Verbrecher gänzlich auf mich zu ziehen, um die Dealer aus ihrer Deckung zu locken.“
„Und was dann?“, fragte ein anderer Mann ungläubig, „wollten Sie sie mit Ihrem Blut besudeln, während die Sie in ein Sieb verwandelten?“
„Wenn die Pflicht es verlangt, ja“, erwiderte Jeff frech.
Der Neuankömmling war das genaue Gegenteil des Riesen: lang und dünn wie eine Bohnenstange, die Nase eines Adlers, wache, helle Augen. Er war älter als Jeff. Sein graues Haar war militärisch kurz geschnitten; nicht nur dieses ließ einen an einen Sergeant denken. Jetzt bedeutete er dem Riesen, sich wieder um dessen Arbeit zu kümmern. „Wir haben immer noch nicht alle Verdächtigen gefasst. Würde es Ihnen etwas ausmachen, sie zu fangen, Ludwig?“
Ludwig gab einen unverbindlichen Laut von sich. „Sicher, Boss.“ Noch einmal schaute er anerkennend zu Charlie. „Sollten Sie mal Lust haben, einige Runden auf dem Schießstand zu absolvieren, lassen Sie es mich wissen. Mein Name ist Benedict Ludwig.“
„Ich bin von Ihrer Tapferkeit beeindruckt“, sagte der Dünne zu Jeff, nachdem Ludwig gegangen war. Aber der Mann lächelte nicht und fügte hinzu: „Es hätte sich ganz gut in Ihrem Nachruf gemacht. Aber, da Sie es ja Dank Ihrer Partnerin geschafft haben, zu überleben, muss ich mir das für später aufheben und ihre ungeheuerliche Dummheit Ihrem Chief melden.“
„Hey!“, rief Jeff verärgert aus. „Ich hatte keine andere Wahl! Ich dachte, ich hätte eine reelle Chance und ich war nicht verletzt wie Charlie. Wenn die Dealer mir gefolgt wären, dann hätte ich sie beschäftigen können und hätte uns so mehr Zeit verschafft.“
Der Dünne streckte plötzlich seine Hand aus und tippte mit dem Finger direkt zwischen Jeffs Augen. Jeff blinzelte und schlug die Hand des Mannes grob weg, machte einen Schritt zurück. „Sie hätten sich fast eine Kugel genau dort eingefangen, Junior“, sagte der Mann. „Sie hätten in Ihrer Deckung bleiben und auf uns warten sollen.“
„Sie waren bereits auf der Suche nach uns!“, gab Jeff aufgebracht zurück, seine Hände ballten sich unwillkürlich zu Fäusten. „Zu warten stand nicht zur Debatte!“
„Doch, das tat es, und Sie wissen es“, erwiderte der Mann kühl. „Sie haben Panik gekriegt. Ich werde das im Bericht vermerken. Vielleicht sollten Sie noch einmal die Schulbank drücken, Junior, damit Sie – sollten Sie noch einmal in so eine Situation geraten – wissen, was die Regeln für solch einen Fall vorsehen.“
Der Mann schaute zu Charlie und sein Gesicht nahm einen unergründlichen Ausdruck an. Er schlug Jeff jovial auf die Schulter und wandte sich zum Gehen. „Ich weiß, dass Sie sich Sorgen um Ihre Partnerin gemacht haben, aber anstatt sie beide zu retten, hätten Sie sie beide umbringen können. Wenn Sie unbedingt ein Held sein wollen, dann seien Sie in Zukunft cleverer, Junior.“
„Wen nennt er hier Junior?“, fauchte Jeff wütend.
„Idiot wäre passender“, versetzte Charlie knapp.
„Charlie!“, rief Jeff und vertrat ihr den Weg. „Ich habe das Richtige getan!“
„Hast du das?“ Charlie schaute ihn herausfordernd an.
Jeff biss jedoch nicht an; er wusste nur zu gut, wie ein Gespräch dieser Art zwischen ihnen enden würde. „Ich will jetzt nicht mit dir streiten, okay?“
Stille. Manchmal konnte sie schlimmer sein als ein Streit, und Charlie war gut auf diesem Gebiet.