Angst - Trauma - fürs Team
Sep. 15th, 2014 04:52 amTeam: Thalia
Challenge: Angst – Trauma – fürs Team
Fandom: The Expendables 3
Titel: Herz verschenkt
Inhalt: Barney denkt über seine neuen Rekruten nach.
Anmerkung: Es gilt wieder, dass Rambo und Rocky mein headcanon für young!Barney sind.
Herz verschenkt
Die Grenze von Mexiko liegt ein paar Meilen hinter ihnen, doch die Landschaft hat sich kein bisschen verändert. Staubige Einöde gespickt mit verdorrten Pflanzen und hartnäckigem, trotzigem Buschwerk zieht an ihnen vorbei und erst als Bonaparte den Wagen vom Highway hinunter lenkt, schaut Barney auf.
„Was hast du vor?“, fragt er leise. Sie haben nicht mehr gesprochen, seit sie Tijuana verlassen haben, und die Wörter kratzen unsanft in Barneys Kehle.
„Wir brauchen eine Pause“, meint Bonaparte und schaut höchst konzentriert auf die völlig freie Straße vor ihnen. Barney runzelt die Stirn. Das passt nicht zu ihm, denkt er, doch er sagt nichts weiter und eine halbe Stunde später schreibt er falsche Namen in das Gästebuch eines schäbigen Motels am Rande einer finsteren Landstraße.
Ein Doppelzimmer mit getrennten Betten wird ihr Domizil für die Nacht, weil es schwerer ist zwei Männer zu überwältigen als einen einzelnen. Ihre berufsbedingte Paranoia lässt sich nur schwer abschütteln.
Bonaparte verschwindet im Badezimmer und ein paar Augenblicke später hört Barney das Rauschen der Dusche. Er lässt sich auf der Bettkante nieder und schaut in dem tristen, braungrauen Raum umher. Neben ihm steht ein niedriger Nachttisch aus speckigem Holz, darauf eine Lampe. Der billige gelbliche Plastikschirm ist an mehreren Stellen gesprungen und das Licht flackert ab und zu, sodass die Schatten an den Wänden wie Gespenster zucken.
Sie brauchen keine Pause, das ist vollkommener Schwachsinn.
Bonaparte wollte ihm wahrscheinlich einen Gefallen tun, weil er geahnt haben muss, wie sehr Barney das Treffen mit dem jungen Soldaten aufgewühlt hat.
Selbst jetzt driften seine Gedanken zurück zu John Smilee, diesem tumbem großen Jungen mit den roten Stiefeln, der sich für ein paar Pesos mehr die Zähne aus dem Mund schlagen lässt, weil er glaubt, dass er Strafe und Schmerzen verdient hat, weil er hofft, dass irgendein Schlag mal seinen Schädel spalten wird und weil er sich dann vorstellen kann, dass sich der Staub von Tijuana wie der blutgetränkte Wüstensand anfühlt, in dem seine Brüder und Schwestern erschossen wurden.
Barney seufzt. Er sollte ihn nicht „Junge“ nennen. Smilee ist beinah dreißig, auch wenn er jünger wirkt, mit seinem hübschen Gesicht und dem gehetzten, ständig zornigen Blick in den Augen. Aber Barney hat sich als erwachsener Mann nach seiner Mutter schreien hören, denn der Krieg schält jedes bisschen Mut von jungen Menschen ab und zurück bleiben, wenn alles gut geht, Leichen, oder eben ängstliche, verlorene Kinder, denen Arme, Beine, Augen oder Stimmen fehlen.
Die Lampe flackert und beginnt zu summen und Barney fragt sich, wie Smilee wohl seinen Abend verbringt. Ob er sich hingelegt hat, auf die schmuddelige Matratze in seiner düsteren Wohnung, einen tropfenden Eisbeutel aufs Gesicht gepresst, damit die Augen nicht zu schwellen, und er morgen im Ring wieder überzeugend verprügelt werden kann.
Es ist bloß ein Gedankenspiel, denn Barney weiß natürlich nicht, wo Smilee wohnt, doch er hat das Gefühl, dass zwischen seiner schäbigen Mansarde in Philadelphia vor mehr als dreißig Jahren und Smilees Behausung nicht so viele Unterschiede bestehen.
Ich kenne Typen wie dich, hatte Barney zu dem jungen Mann gesagt, und hätte am liebsten hinzugefügt, weil ich selbst so einer bin.
Doch innerhalb zweier Herzschläge hat er sich daran erinnert, dass er nicht gekommen war, um Smilee zu retten sondern um ihn gegen Stonebanks anzuheuern. Er kann es sich nicht leisten, den Burschen lieb zu gewinnen – oder Thorn oder Mars oder Luna.
Dass es längst zu spät dafür ist, weiß er selbst, doch er schiebt den Gedanken von sich. Er muss stark bleiben, denn sonst hätte es überhaupt nichts gebracht, Lee und die anderen wegzuschicken, weil er es nicht ertragen hätte, noch jemandem im Krankenhaus zu sehen.
Barneys Herz krampft sich plötzlich zusammen, als ihm ein Bild der Kinder – nein, der jungen Leuten, seinem neuen Team! –durch den Kopf schießt: in grauen Betten liegen sie, Thorn ohne Hände, Luna, der ein Auge fehlt, Mars mit verbranntem Gesicht und Smilee, der nie mehr laufen wird, und es ist alles seine Schuld, weil er zu feige war, Conrad in den Kopf zu schießen und deshalb auf seine Brust gezielt hat, damals, als seine Welt auseinanderbrach und er wochenlang nur noch weißes Rauschen gehört hat.
Eine Tür schlägt zu und Barney keucht auf, zu Tode erschrocken.
Bonaparte steht im Raum, ein dunkelgraues Handtuch um den Hals geschlungen, und schaut ihn misstrauisch an.
„Alles in Ordnung?“, fragt er.
„Sicher“, sagt Barney hastig. „Alles in Ordnung.“
Was auch sonst.
Challenge: Angst – Trauma – fürs Team
Fandom: The Expendables 3
Titel: Herz verschenkt
Inhalt: Barney denkt über seine neuen Rekruten nach.
Anmerkung: Es gilt wieder, dass Rambo und Rocky mein headcanon für young!Barney sind.
Herz verschenkt
Die Grenze von Mexiko liegt ein paar Meilen hinter ihnen, doch die Landschaft hat sich kein bisschen verändert. Staubige Einöde gespickt mit verdorrten Pflanzen und hartnäckigem, trotzigem Buschwerk zieht an ihnen vorbei und erst als Bonaparte den Wagen vom Highway hinunter lenkt, schaut Barney auf.
„Was hast du vor?“, fragt er leise. Sie haben nicht mehr gesprochen, seit sie Tijuana verlassen haben, und die Wörter kratzen unsanft in Barneys Kehle.
„Wir brauchen eine Pause“, meint Bonaparte und schaut höchst konzentriert auf die völlig freie Straße vor ihnen. Barney runzelt die Stirn. Das passt nicht zu ihm, denkt er, doch er sagt nichts weiter und eine halbe Stunde später schreibt er falsche Namen in das Gästebuch eines schäbigen Motels am Rande einer finsteren Landstraße.
Ein Doppelzimmer mit getrennten Betten wird ihr Domizil für die Nacht, weil es schwerer ist zwei Männer zu überwältigen als einen einzelnen. Ihre berufsbedingte Paranoia lässt sich nur schwer abschütteln.
Bonaparte verschwindet im Badezimmer und ein paar Augenblicke später hört Barney das Rauschen der Dusche. Er lässt sich auf der Bettkante nieder und schaut in dem tristen, braungrauen Raum umher. Neben ihm steht ein niedriger Nachttisch aus speckigem Holz, darauf eine Lampe. Der billige gelbliche Plastikschirm ist an mehreren Stellen gesprungen und das Licht flackert ab und zu, sodass die Schatten an den Wänden wie Gespenster zucken.
Sie brauchen keine Pause, das ist vollkommener Schwachsinn.
Bonaparte wollte ihm wahrscheinlich einen Gefallen tun, weil er geahnt haben muss, wie sehr Barney das Treffen mit dem jungen Soldaten aufgewühlt hat.
Selbst jetzt driften seine Gedanken zurück zu John Smilee, diesem tumbem großen Jungen mit den roten Stiefeln, der sich für ein paar Pesos mehr die Zähne aus dem Mund schlagen lässt, weil er glaubt, dass er Strafe und Schmerzen verdient hat, weil er hofft, dass irgendein Schlag mal seinen Schädel spalten wird und weil er sich dann vorstellen kann, dass sich der Staub von Tijuana wie der blutgetränkte Wüstensand anfühlt, in dem seine Brüder und Schwestern erschossen wurden.
Barney seufzt. Er sollte ihn nicht „Junge“ nennen. Smilee ist beinah dreißig, auch wenn er jünger wirkt, mit seinem hübschen Gesicht und dem gehetzten, ständig zornigen Blick in den Augen. Aber Barney hat sich als erwachsener Mann nach seiner Mutter schreien hören, denn der Krieg schält jedes bisschen Mut von jungen Menschen ab und zurück bleiben, wenn alles gut geht, Leichen, oder eben ängstliche, verlorene Kinder, denen Arme, Beine, Augen oder Stimmen fehlen.
Die Lampe flackert und beginnt zu summen und Barney fragt sich, wie Smilee wohl seinen Abend verbringt. Ob er sich hingelegt hat, auf die schmuddelige Matratze in seiner düsteren Wohnung, einen tropfenden Eisbeutel aufs Gesicht gepresst, damit die Augen nicht zu schwellen, und er morgen im Ring wieder überzeugend verprügelt werden kann.
Es ist bloß ein Gedankenspiel, denn Barney weiß natürlich nicht, wo Smilee wohnt, doch er hat das Gefühl, dass zwischen seiner schäbigen Mansarde in Philadelphia vor mehr als dreißig Jahren und Smilees Behausung nicht so viele Unterschiede bestehen.
Ich kenne Typen wie dich, hatte Barney zu dem jungen Mann gesagt, und hätte am liebsten hinzugefügt, weil ich selbst so einer bin.
Doch innerhalb zweier Herzschläge hat er sich daran erinnert, dass er nicht gekommen war, um Smilee zu retten sondern um ihn gegen Stonebanks anzuheuern. Er kann es sich nicht leisten, den Burschen lieb zu gewinnen – oder Thorn oder Mars oder Luna.
Dass es längst zu spät dafür ist, weiß er selbst, doch er schiebt den Gedanken von sich. Er muss stark bleiben, denn sonst hätte es überhaupt nichts gebracht, Lee und die anderen wegzuschicken, weil er es nicht ertragen hätte, noch jemandem im Krankenhaus zu sehen.
Barneys Herz krampft sich plötzlich zusammen, als ihm ein Bild der Kinder – nein, der jungen Leuten, seinem neuen Team! –durch den Kopf schießt: in grauen Betten liegen sie, Thorn ohne Hände, Luna, der ein Auge fehlt, Mars mit verbranntem Gesicht und Smilee, der nie mehr laufen wird, und es ist alles seine Schuld, weil er zu feige war, Conrad in den Kopf zu schießen und deshalb auf seine Brust gezielt hat, damals, als seine Welt auseinanderbrach und er wochenlang nur noch weißes Rauschen gehört hat.
Eine Tür schlägt zu und Barney keucht auf, zu Tode erschrocken.
Bonaparte steht im Raum, ein dunkelgraues Handtuch um den Hals geschlungen, und schaut ihn misstrauisch an.
„Alles in Ordnung?“, fragt er.
„Sicher“, sagt Barney hastig. „Alles in Ordnung.“
Was auch sonst.
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Date: 2014-09-26 10:38 pm (UTC)(Warum fällt es mir so schwer, gute Reviews auf Deutsch zu schreiben?! Verdammt, ich mach das so selten. xD)
Danke fürs Posten!
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Date: 2014-10-10 01:33 pm (UTC)Barney und Bonaparte waren ein grandioses Team im Film, hach, ich brauch mehr zu denen. <333
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Date: 2014-09-28 12:32 pm (UTC)dass er nicht gekommen war, um Smilee zu retten
Es bringt mich ein bisschen um, wie gut das Barneys ganze (erste) Einstellung gegenüber seinem neuen Team beschreibt. Er will sie bloß mit in den Krieg nehmen, um die Leute nicht umzubringen, die ihm so richtig viel bedeuten, und quasi nach dem ersten Treffen sind sie ihm schon so ans Herz gewachsen, dass auch im Grunde echt genauso gut das alte Team hätte mitnehmen können. Schön, wie du das in diese Worte verpackt hast ♥
er wochenlang nur noch weißes Rauschen gehört hat
DFKJSÖLFJLSÖDFJLSDKF WHAT ARE WORDS ach Gott ich liebe diese Beschreibung.
Sehr schön, sehr melancholisch, sehr dicht, gefällt mir sehr gut ♥
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Date: 2014-10-10 01:58 pm (UTC)Aber okay, so hellbent on sadness wie Barney ist, hätte Bonaparte ihn wahrscheinlich auch nach Las Vegas schleppen können und es hätte ihn nicht davon abgehalten, an traurige Burschen mit krumm geschlagenen Nasen zu denken. <3
(oder an Lee. Ehehehehe.... vielleicht muss ich dazu auch noch mal was schreiben. HÖHÖHÖ).