[identity profile] exiles-diary.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Thalia
Autor: Jenchan
Challenge: Fluff - Familienkisten (fürs Team)
Titel: Ferien
Fandom: Original (Hugh-versum)
Charaktere: Hugh, Eliza
Words: 2012
Warnings: Weihnachtsgeschichte (ja, ihr lest richtig) | unbetaed, uncorrected
Continuation: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5 | Teil 6 | Teil 7 | Teil 8 | Teil 9 | Teil 10 | Teil 11 | Teil 12

Kommentar: Nachdem ich es endlich geschafft habe, mir selbst in den Arsch zu treten und die Idee runter zu schreiben, bin ich erstaunt darüber... in welche Richtung das gegangen ist. Aber ich bin auch überglücklich darüber, dass mir überhaupt etwas gelungen ist, nachdem ich schon den ganzen August mit mir kämpfe, dass ich etwas schreibe. Erwartet also nicht zuviel.

Ferien

"Fährst du in den Ferien gar nicht nach Hause?"
Die Frage war so unmittelbar in den Raum gestellt, dass Hugh innerlich erschrak, aber er drehte sich zu der Frau um und schenkte ihr ein Lächeln. "Miss Eliza", nickte er ihr höflich zu. "Ich habe gar nicht bemerkt, dass Si... du reingekommen bist." Immer noch brauchte es ihm unglaubliche Mühe, einen derart unverschämt vertraulichen Ton gegenüber Eliza anzuschlagen, aber er wollte sich auch nicht ihren Zorn zuziehen. Er hatte jetzt schon einige Male erlebt, welch unglaublich feurige Natur in ihr schlummerte. Dann schüttelte er den Kopf und meinte: "Es ist zu weit weg. Außerdem haben wir im Winter immer besonders viel Schnee. Wenn ich es also nach Hause schaffe", was natürlich keine Frage war, da er garantiert mir dem Hubschrauber vom Flughafen abgeholt werden würde: "... besteht die Gefahr, dass ich mitunter nicht rechtzeitig zurück bin."
"Oh. Ich nehme nicht an, dass deine Familie zu den Feiertagen herkommen wird?", hakte Eliza nach und Hugh schenkte ihr ein Lächeln.
"Bei uns läuft das alles ein bisschen anders, wie hier." Er hatte es schon sonderbar gefunden, als Mitte November in den Supermärkten hier begonnen wurde, Weihnachtsdekoration und jede Menge Weihnachtsschokolade verkauft zu werden. Er hatte zwar davon gehört, dass besonders im Westen die festliche Zeit früher beginnt, aber es selbst mitzuerleben war dann noch einmal eine Spur anders.
"Und wie feiert ihr?"
"Im Wesentlichen ganz ähnlich - nur später."
"Später."
Hugh wandte sich vom Fenster ab und deutete Eliza, dass sie sich ruhig setzen konnten. "Bei uns beginnen die Vorbereitungen, die hier schon seit Mitte November laufen, erste wenige Tage vor dem allgemein gültigen Jahreswechsel", erklärte Hugh, als sie sich aufs Sofa setzten. "In meinem Land ist die orthodoxe Kirche sehr verbreitet. Es gab zwar ein Dekret etwa mitte des 20. Jahrhunderts, das unsere Zeitrechnung angeglichen hat - auch um die Korrespondenz ins Ausland zu vereinfachen, aber die Feiertage und Festlichkeiten unterliegen der alten Zeitrechnung."
Eliza nickte. Sie hatte ja Geschichte in ihrem Studium dabei und wusste daher, wovon Hugh sprach. Sie grinste leicht: "Das heißt, du kommst aus dem Feiern gar nicht mehr raus."
"Nun. Ich fühle mich im Moment nicht besonders festlich", gab Hugh zu. "Nur etwas befremdlich."
Eliza schenkte ihm ein mitfühlendes Lächeln. "Wenn du die Feiertage noch nichts vor hast. Willst du dann mit mir kommen? Ich fliege meine Eltern besuchen. Dann kannst du kennenlernen, wie wir Weihnachten feiern."
Hugh sah die Kommilitonin überrascht an. "Ich soll mitkommen? Nach Santa Fe? Ich möchte Ihrer Familie nicht zur Last fallen. Haben Sie..."
"Hugh...", unterbrach sie ihn und lächelte. "Kein Grund, sich so aufzuregen. Bei uns ist das normal, dass man einfach mal Leute mitbringt. Wir sind sehr gastfreundlich. Meine Eltern werden dich mögen."
Nun wurde Hugh etwas skeptischer, aber er atmete schließlich tief durch. "Nun. Da Si... du die Einladung nun ausgesprochen hast, wäre es reichlich unhöflich von mir, sie auszuschlagen. Aber ich bestehe darauf, den Flug zu bezahlen und... du musst mir helfen, ein geeignetes Gastpräsent zu erwerben." Er wusste schließlich gar nichts über Elizas Familie.
Eliza lachte. "Meinetwegen. Aber nicht mehr heute, es ist schon spät und ich habe morgen in der Früh noch eine Vorlesung." Sie erhob sich. "Gute Nacht, Hugh. Und viele Dank, dass du die Einladung angenommen hast."
Das fröhliche Lächeln, dass er von Eliza zum Abschied erhielt, stattete ihn erneut mit einem unglaublich guten Gefühl aus. Dennoch fragte er sich ein wenig, worauf er sich hier eingelassen hatte.

"Hugh! Das ist nicht dein ernst. Erste Klasse? Das ist doch viel zu teuer!" Elizas Proteste gingen bei einem Ohr rein und beim anderen wieder hinaus. Natürlich war die erste Klasse teurer wie die zweite. Aber Hugh sah gar nicht ein, dass er weniger comfort testete, wenn es nicht unbedingt notwendig war.
"Als du gesagt hast, du bestehst darauf, die Tickets zu organisieren, wusste ich nicht, dass du vorhast solche Tickets zu holen. Ich kann das nicht annehmen!", beschwerte sich Eliza weiter und stellte sich ihm schließlich in den Weg. Hugh seufzte tief und sah sie an: "Miss Eliza. Wollen Sie wirklich, dass ich ihr Ticket umbuche und wir getrennt reisen?"
"Achte auf deine Sprache", erwiderte sie ganz automatisch auf die Verwendung der Höflichkeitsregeln. Dann seufzte sie. "Aber das ist wirklich zu teuer."
"Machen Si... mach dir keine Sorgen. Ich kann es mir leisten. Wirklich. Wenn du willst können wir jetzt etwas warmes Essen gehen. Du scheinst zu frieren." Und bis sie fliegen konnten, dauerte es noch ein paar Stunden. Hier am Flughafen gab es einige Lokalitäten, in die sie einkehren konnten.
"Mir ist wirklich ein bisschen kalt", erwiderte Eliza und gab damit nach, dass Hugh sie auch noch ausführte.

"Ist dieses Gastgeschenk wirklich ausreichend?", fragte Hugh und sah die Schachtel Pralinen skeptisch an, die er aus seinem kleinen Koffer geholt hatte, als sie aus dem Taxi vor Elizas Elternhaus ausstiegen. Es war ein recht großes Haus, verglichen mit den ebenerdigen Bauten, an denen sie vorrangig vorbeigefahren waren. Ohnehin hatte die ganze Stadt nicht wie eine Großstadt gewirkt, aber hatte durch und durch spanischen Charakter.
"Sie liebt diese Pralinen, es ist also in Ordnung."
Hugh sah die Pralinen immer noch skeptisch an und spielte sogar mit den Gedanken, dass er sich einen Laden suchte, um etwas besseres zu finden. Aber Eliza berührte ihn am Arm und holte ihn in die Realität zurück. "Es ist wirklich okay. Du wirst schon sehen. Du hättest auch ganz ohne kommen können."
Niemals. Ganz ohne war noch schrecklicher als mit einer mikrigen Pralinenschachtel aufzukreuzen. "Komm jetzt", nickte sie ihm zu und er folgte ihr zum Eingang. Sie drückte nicht auf die Klingel, sondern sperrte einfach auf und ließ sich selbst hinein. Obwohl sie jemanden mithatte, den die Familie noch nicht kannte.
Auf Spanisch rief sie: "Ich bin wieder zu Hause. Und ich habe jemanden mitgebracht."
Natürlich verstand Hugh kein Wort und war fasziniert, was dann passierte. Auf einmal waren im Flur ein ganzer Haufen an Leuten, die Eliza umarmten und küssten und drückten. Unwillkürlich war Hugh ein ganz klein wenig zurückgewichen. Er wusste zwar, dass auch bei ihm unter den weniger gehobeneren Bürgern derartig überschwängliche Begrüßungen üblich waren, aber er selbst hatte so etwas noch niemals persönlich miterlebt und wo er sich zwischen dem ganzen festlichen Getue schon seltsam außerirdisch gefühlt hatte, wurde das befremdliche Gefühl hier noch sehr viel intensiver. Für einen Moment kam er sich wirklich vor, als käme er aus einer ganz anderen Welt.
Er war sich nicht mehr sicher, ob das wirklich eine so prickelnde Idee gewesen war, hierher mit zu kommen. Es hätte abermillionen Möglichkeiten gegeben die Einladung auszuschlagen. Aber er hatte sie angenommen - warum?
Er verstand nicht, wie die Mutter, die Schwester und wer hier noch aller im Flur stand, danach fragte, wen sie da mitgebracht hatte. Er bekam nur mit, dass sich langsam die Aufmerksamkeit auf ihn richtete. Ganz und gar auf ihn richtete.
Seine Schultern versteiften sich noch etwas mehr und richteten ihn noch etwas gerader, auch wenn seine Haltung schon tadellos war. Seine eigenen Gedanken machten auch schon eine wirre Checkliste, ob er keine Falten in seinem Blazer hatte, die Bügelfalten am Hosbein korrekt saß, das Hemd keine Flecken besaß - natürlich nicht, er ließ es ja professionell reinigen - alles mögliche durchschoss ihn, nur nicht, dass von ihm offenbar erwartet wurde, dass er etwas sagte.
Das kam erst, als Eliza ihm vorsichtig am Ärmel zupfte und leise frage: "Hugh? Alles in Ordnung?"
Er räusperte sich und schenkte zuerst Eliza ein leichtes Lächeln. "Ja. Entschuldigung." Dann wandte er sich an Elizas Mutter. "Guten Tag, ich bin Hugh Malkovich der Zweite und gehe mit Ihrer Tochter zur selben Universität", stellte er sich souverän vor. "Ich danke Ihnen sehr für die Einladung und habe Ihnen ein kleines Gastgeschenk mitgebracht." Er reichte Frau Martinez die Pralinenschachtel, die ihn einfach nur ansah und zum ersten Mal bekam er die Befürchtung, dass Frau Martinez mitunter gar kein Englisch sprach. Nun etwas verunsichert sah er Eliza kurz an.
Frau Martinez lehnte sich inzwischen zu ihrer Tochter und flüsterte etwas, auf Spanisch, das Eliza zum Lächeln brachte. "Er ist immer so", erwiderte Eliza auf Englisch und lauter. "Ich habe ihm schon versucht beizubringen, dass er nicht so hochgestochen reden soll, aber..." Sie zuckte mit den Schultern.
Dann brach Elizas Mutter in ein breites, freundliches Lächeln aus, das in Attraktivität in nichts dem von ihrer Tochter nachstand. Dann wurde er auch schon mit einem "Herzlich Willkommen" fest in die Arme dieser Frau geschlossen. Hugh dachte, seine Rippen würden berechen, als ihm jegliche Luft aus den Lungen gedrückt wurde. Er war kaum zu Atem gekommen, da wurde er auch schon tiefer ins Haus geschoben.

"Alles in Ordnung?" Die Frage war nur leise gestellt, aber Hugh fuhr trotzdem zusammen. Dann rieb er sich kurz die Schläfen und schenkte Eliza ein freundliches Lächeln.
"Die Frage hast du mir heute schon einmal gestellt."
"Ich weiß. Aber ich bin von der Antwort nicht ganz überzeugt."
"Es ist ein sehr turbulenter Abend", erwiderte Hugh ausweichend. "Es ist schon spät, ich sollte mir langsam ein Hotel suchen."
Eliza schüttelte leicht den Kopf. "Als ich die Einladung aussprach, habe ich angenommen, du bleibst hier."
"Hier?" Hugh sah sich um und erkannte erst, als er Elizas Stirnrunzeln sah, dass es mitunter falsch aufgefasst wurde. "Ich möchte deiner Familie nicht zur Last fallen."
"Hattest du denn den Eindruck, dass du eine Belastung für uns bist?", fragte sie leise und Hugh war sich beinahe sicher, dass ein gefährlicher Unterton in ihrer Stimme mitschwang. Aber beginnende Kopfschmerzen machte es ihm ohnehin schon schwierig, sich auf den Umgang mit Eliza zu konzentrieren, dass er sich über so feine Nuancen nicht ganz sicher war. Schließlich meinte Eliza - das sah er ihn an - enttäuscht: "Du fühlst dich hier nicht wohl."
"Miss Eliza...", begann Hugh, wurde aber von der heißblütigen Frau aufgehalten, die abwinkte.
"Du brauchst dich dafür nicht entschuldigen. Mir hätte klar sein müssen, dass es dir hier nicht gefällt."
Jetzt trat Hugh auf die kleinere Frau zu und legte eine Hand auf ihre Schultern. "Mi.. Eliza", sprach er sie an und ließ das Miss weg, wie sie es schon öfter von ihm verlangt hatte. "Du hast eine ausgesprochen nette und lebhafte Familie. Es war ein wirklich außergewöhnlicher Abend und ich möchte nicht, dass du denkst, es würde mir hier nicht gefallen."
"Aber?", fragte Eliza und sah zu Hugh auf, der sich in diesen tiefen ausdrucksstarken Augen einen Moment verlor. Dann schaltete sich sein Verstand ein und er lächelte Eliza sanft an.
"Kein aber. Es ist nett hier."
"Du bist nur höflich."
Hugh legte den Kopf leicht schief und fragte stumm: Wirklich?
Das entlockte Eliza ein leichtes Lächeln. "Ja, aber das ist in Ordnung. Ich denke, ich hätte dich nicht mitgenommen, wenn ich befürchten hätte müssen, dass du schlecht über meine Familie denkst." Dann atmete sie tief durch und fragte, wesewegen sie ihn überhaupt suchen gegangen war: "Kommst du nachher mit in die Kirche?"
"Kirche? Wieso?"
"Christmette. Heute ist Weihnachten", erinnerte Eliza.
Hugh nickte langsam und schüttelte dann leicht den Kopf. "Ich glaube, das ist keine gute Idee." Also Eliza ihn fragend ansah, meinte er ehrlich: "Ich fühle mich schon  befremdlich genug. Außerdem zeichnen sich langsam Kopfschmerzen ab. Deshalb hätte ich mich auch langsam verabschiedet, um mir ein Hotel zu suchen."
Eliza begann zu verstehen. "Meine Familie wäre ziemlich gekränkt, wenn du uns so vorzeitig verlässt. Auch wenn ich es verstehen kann..." Sie war immer leiser geworden und schüttelte dann den Kopf. Selbstbewusster und mit mehr Feuer in ihren Augen sah sie im halbdunklen wieder zu ihm auf: "Nein, ich würde es nicht verstehen. Ich fände es sehr schön, wenn du bleiben würdest."
Hughs Herz machte einen kurzen Sprung und er schwieg eine Weile. Er konnte nicht behaupten, dass er aus Eliza oder irgendeinen der Menschen, denen er bisher begegnet war, schlau wurde. Aber er konnte gerade Eliza Martinez nichts abschlagen.
"In Ordnung. Wenn es.. dein.. Wunsch ist." Erneut fragte er sich, was er sich da eigentlich antat.
Dann war der Moment vorbei als Elizas Bruder aus dem Wohnzimmer kam und nach ihnen rief. Schien fast so, als musste er noch etwas länger durchhalten.

Date: 2014-09-11 04:03 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Na klasse, passend zur ersten Herbsterkältung die erste Weihnachtsgeschichte ;) Nein, ganz im Ernst, ich kann jederzeit Winter/Weihnachtsgeschichten lesen. Wobei ich Hugh und Eliza noch nicht kenne, und daher alles nicht so gut einordnen kann. Der "Kulturschock" kam trotzdem gut rüber :) Und super, daß Du den Schreib-Schweinehund wieder einmal überwunden hast! Wir laufen ja fast schon auf die Zielgerade ein ...

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios