[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Thalia
Challenge: Hurt/Comfort – Stimmlos – fürs Team
Fandom: The Expendables
Titel: Still in mir
Inhalt: Billy erleidet einen Schock und Barney ergreift die Initiative, um ihm wieder auf die Beine zu helfen. Das ist der fluffy comfort Teil. Wirklich. Es ist superfluffy und domestic. (Und nein, ich habe das nicht innerhalb einer Minute geschrieben, ich wollte es nur unbedingt zusammen posten xD).



Still in mir

Als Billy aus dem Krankenhaus entlassen wird, bleich und abgemagert und mit tiefen dunklen Ringen unter den Augen, bringen sie ein paar seiner Sachen in Barneys Wohnung und quartieren den Burschen im Gästezimmer ein.

„Er darf nicht allein sein“, hatte Barney Lee erklärt (nach acht Stunden dringend notwendigem Schlaf in einem freien Bett des Krankenhauses). „Es darf nicht still um ihn werden und er darf sich nicht verkriechen.“

„Jaja, ich bin ja nicht blöd“, hatte Lee geantwortet. „Und was soll ich dabei machen?“

Kaum hatte er das gesagt, hatte Barney zum ersten Mal seit Tagen breit gegrinst. „Du ziehst bei mir ein.“

Er würde den Teufel tun, hatte Lee gedacht, doch schlussendlich hatte er nachgegeben, denn er vertraut Barney und darauf, dass er weiß, wie sie dem Jungen helfen können, der seit gut zwei Wochen kein Wort mehr hervorgebracht hat. Wenn sie es sich dafür zu dritt in Barneys mittelgroßer Wohnung bequem machen müssen, warum nicht. Lee kann sich Schlimmeres vorstellen, als ein paar Wochen oder Monate auf einer Schlafcouch zu nächtigen.

Am Anfang sieht es allerdings nicht so aus, als würde ihr plötzliches Aufeinanderhocken irgendeinen Zweck erfüllen. Billy schließt grundsätzlich die Tür, wenn er in sein Zimmer geht und wenn Barney oder Lee ihn nicht holen, erscheint er nicht zum Essen. Lee kann ihm nicht mal einen Vorwurf machen, denn er glaubt, dass es Dinge gibt, die man mit sich selbst ausmachen muss, doch Barney beharrt darauf, dass sie gemeinsam frühstücken und zu Abend essen und sich dabei um den engen Küchentisch drängen, als säßen sie in einem Bunker.

Am Ende hat er natürlich Recht.

Barney begrüßt Billy jeden Morgen und jeden Abend und fragt ihn „Geht’s dir gut?“, „Hast du Hunger?“ oder „Möchtest du mich zu Tool begleiten?“ und einige Zeit lang sagt der Junge logischerweise kein Wort, starrt auf seinen Teller und stochert lustlos und manchmal zornig in seinen Nudeln umher, doch nach ein paar Tagen bemerkt Lee, dass sein Nicken oder Kopfschütteln enthusiastischer wird

Von da an geht es bergauf. Sie finden einen Rhythmus zu dritt in einer Wohnung und in Billys umständlicher Zeichensprache und obwohl es sich immer noch so anfühlt, als würden sie eine bekloppte Scharade spielen, wenn eine unvorhergesehene Situation auftritt (wie zum Beispiel, als der Postbote an der Tür stand und Billy Lee begreiflich machen musste, dass das Päckchen nur persönlich abgegeben werden konnte), nimmt ihr Alltag langsam aber sicher Gestalt an.


In der vierten Woche hockt Lee am Wohnzimmertisch und schärft diverse Wurfmesser, während Barney sich ein Eishockeyspiel anschaut. Billy sitzt neben ihnen auf der Couch, doch er würdigt den Fernseher keines Blickes sondern rutscht unruhig hin und her. Lee überlegt, ob er ihm sagen soll, dass er ihn an der Wand festpinnen wird, wenn er nicht sofort still sitzt, als ein kleiner weißer Notizzettel über den Tisch zu ihm geschoben wird.

Hi Lee.

Lee schaut auf und sieht in Billys halbverschämtes, grinsendes Gesicht. Er hält Barneys unglaublich kitschigen Kugelschreiber in den Händen. Lee hatte eigentlich gedacht, dass er dieses potthässliche Ding nie wieder sehen würde, nachdem Gunnar es einmal in die Finger bekommen hatte, doch da hat er sich anscheinend geirrt.
Vielleicht hat Barney aber auch mehrere von diesen Stiften, zuzutrauen wäre es ihm.

Lee legt die Messer beiseite und zückt einen Bleistift.

Hi Junge. Was gibt’s?

Er schiebt den Zettel zurück, was Billy dazu veranlasst den Kopf schief zu legen und die Stirn zu runzeln. Er kritzelt etwas auf das Blatt und es wandert wieder zu Lee.

Du brauchst nicht zu schreiben. Ich kann sehr gut hören.

Lee verdreht die Augen und bemüht sich, trotz seines Ärgers, um eine halbwegs leserliche Handschrift.

Seh ich aus, als wär ich bescheuert? Der Trottel muss nicht jedes Gespräch mitkriegen oder?

Billy grinst.
Immerhin schmeißt er uns jetzt nicht mehr aus dem Wohnzimmer, weil wir zu laut reden, während er fernsieht. Ist doch auch was.

Lee schnaubt amüsiert. Als Barney ihm einen verwirrten Blick zuwirft, grinst er bloß und winkt ab.

Wieso bist du nicht schon früher auf die Idee mit dem Schreiben gekommen?

Diesmal braucht Billy länger mit seiner Antwort.

Die Therapeutin im Krankenhaus meinte, dass man sich zu schnell daran gewöhnt. Ich will nicht abhängig von so einer Krücke sein.

Dieser Knabe überrascht ihn jedes Mal wieder aufs Neue. Lee räuspert sich umständlich und dreht den Stift zwischen den Fingern hin und her. Hoffentlich begeht er jetzt keinen riesigen Fehler.

Okay, schreibt er. Wie wärs, wenn du es mit Sprechen versuchst?

???

Los, Junge. Probiers.


Billy schluckt und legt den Stift ordentlich auf den Tisch, presst die Hände fest neben sich aufs Sofa und wirft einen raschen Blick auf Barney, als habe er Angst, dass der ihn beobachten könnte. Lee will ihm ermutigend zunicken, doch da schließt Billy bereits die Augen und öffnet langsam den Mund. Er nimmt ein paar tiefe, kehlige Atemzüge und reißt den Mund noch ein bisschen weiter auf, doch egal wie sehr er sich auch bemüht, es kommt kein Ton hervor.

Mit einem frustrierten Schnauben wirft sich Billy zurück in die Polster und presst zitternd die Hände auf seine Augen. Er schüttelt ein paar Mal heftig den Kopf und blinzelt, als müsse er Tränen zurückdrängen.

Ach fuck, denkt Lee, das hat er nicht gewollt. Hastig steht er auf, packt Billy am Arm und zerrt ihn mit sich. Barney starrt ihnen verwirrt nach, doch Lee hat jetzt keine Zeit für Erklärungen und deutet bloß ungeduldig auf den Fetzen Papier auf dem Tisch.

„Dann singst du eben“, ruft er laut und schüttelt den Jungen ein bisschen, während sie durch den Flur gehen, bis Billy sich mit dem Ärmel das Gesicht abwischt und sich ein schwaches Lächeln abringt. Lee nickt und führt ihn bis in Barneys Garage und dann zeigt er Billy endlich, wie man vernünftig mit Messern umgeht, weil sie den Jungs in der Armee einfach nichts mehr beibringen.



Sie lassen ihn tagsüber allein, wenn er sie nicht begleiten will, was nicht sehr häufig vorkommt. Barney schraubt dann an seinem Flugzeug herum und Lee erledigt kleinere Kurieraufträge für Tool, da es ihn in den Fingern juckt.

So kommt es, dass er nach einer langwierigen Fahrt in die Bayous erst viel zu spät am Abend bemerkt, dass er drei verpasste Anrufe auf dem Handy hat.

Als er die Mailbox abhört, herrscht Schweigen, nur unterbrochen von schwerem keuchendem Luftholen.

Oh Gott.

Lee rast nach Hause. Er ist nicht zu spät, er darf nicht zu spät sein, wofür überhaupt, er braucht sich keine Sorgen zu machen, als ob der Junge sich etwas angetan hätte, nein, das ist nicht passiert, er wird nicht zu Blut und offenen Wunden nach Hause zurückkehren…

Lee stürmt ins Haus. In der Küche brennt Licht und er geht schnurstracks darauf zu, und was ihn da erwartet, lässt das Blut in seinen Adern einen Moment lang stocken.

Barney sitzt leicht vornübergebeugt am Tisch und redet ununterbrochen auf Billy ein, der ihm gegenüber hockt, den silbernen Totenkopfstift wie einen Talisman umklammert. Er zittert am ganzen Leib, sein Gesicht ist knallrot und verschwollen, er weint immer noch sein stummes, schmerzhaftes Weinen, nur unterbrochen von Atemzügen, die in seiner Brust rasseln, und er reißt wie besessen das Papier aus seinem Schreibblock und verteilt die Fetzen auf dem ganzen Fußboden.

„Es ist okay, Billy“, sagt Barney leise und beherrscht. „Es ist okay. Du bist immer noch im Team, du bist und bleibst ein Expendable, verstehst du mich? Du brauchst Zeit, das ist alles und die bekommst du, wir warten auf dich, es ist okay, Junge, du gehörst immer noch zu uns…“

So geht es weiter, zehn, fünfzehn dreißig Minuten lang, bis Billy vor lauter Erschöpfung die Augen schließt und beinah vom Stuhl fällt. Lee fängt ihn auf und lässt sich sanft auf den papierbeschneiten Boden gleiten.

„Ich war nicht da“, sagt er nach ein paar Augenblicken, in denen sie bloß auf Billy gestarrt haben. Es ist eine Entschuldigung und Barney weiß das.

„Aber ich“, sagt er mit einem milden Lächeln. „Wir sind ein Team. Vergiss du das nicht auch noch.“



Es dauert drei Monate, bis Billy sich nach dieser Episode wieder erholt hat, was weder seiner noch Lees Geduld sonderlich gut tut. Sie verbringen viel Zeit zusammen, auf dem Schießstand oder bei Tool, bis sie restlos jede seiner alten Schrottkisten repariert haben und Lee ernstlich darüber nachdenkt, eine Tattoonadel in die Hand zu nehmen, nur um sich irgendwie weiter zu beschäftigen.

Tool versorgt ihn stattdessen mit einem weiteren Kurierauftrag und er schwört hoch und heilig, dass Lee diesmal in kein Funkloch geraten wird.

Lee nimmt nur an, weil Barney ihn praktisch mit einem Fußtritt ins Auto befördert („Du musst hier raus, wirklich, und der Junge schafft einen Tag ohne dich!“), doch er kann die verdammte Unruhe nicht abschütteln und als er sich endlich auf den Heimweg machen darf, bricht er jede nur erdenkliche Verkehrsregel.

Trotzdem kommt er erst kurz vor Mitternacht zuhause an. Von Barneys Wagen in der Einfahrt fehlt jede Spur und der Knoten in Lees Brust wird mit einem Schlag enger. Er überprüft erneut sein Handy, obwohl er es den ganzen Tag in der Hosentasche getragen hat und es vollkommen unmöglich ist, dass er einen Anruf verpasst hat.

Keine neuen Nachrichten.

Lee wendet sich dem Haus zu und geht raschen Schrittes hinein. Der Flur und das Wohnzimmer sind dunkel, doch aus der Küche fällt wie immer ein breiter, gelber Lichtschein.

„Billy?“, ruft Lee und schaut in die dunklen Räume, bevor er sich der Küche nähert. Als er die Hand nach der Klinke ausstreckt, öffnet sich plötzlich die Tür und Billy steht dahinter mit dem breitesten Grinsen der Welt auf dem Gesicht.

Lee kann nicht anders, als es zu erwidern.

„Hey, Junge“, sagt er verblüfft. „Geht’s dir gut?“

Billy nickt, dann wirft er hastig einen Blick über die Schulter. Er greift nach Lees Hand und zieht ihn in die Küche.

„Was ist denn los?“, fragt Lee verwirrt, doch dann fällt sein Blick auf die großen Pizzakartons auf dem Tisch.

„Was zum…“ Lee kommt nicht weiter, denn Billy kann es anscheinend nicht mehr abwarten und hält ihm grinsend eine Rechnung über achtzehn Dollar unter die Nase.

„Pizza on Wheels“ steht drauf.

Und darunter: „bestellt per Telefon“

Lee will etwas sagen, irgendetwas, ach fuck, eigentlich will er singen, doch er bringt keinen Ton hervor und dann steht Billy plötzlich vor ihm, groß und lachend und unbesiegbar, und schließt ihn fest in die Arme und flüstert mit rauer ungeübter Stimme immer wieder „Danke danke danke...“.



-Ende

Date: 2014-09-14 03:57 pm (UTC)
From: [identity profile] ayawinner.livejournal.com
Zum Glück hast du diesen Teil direkt hinterher gepostet.

„Es darf nicht still um ihn werden und er darf sich nicht verkriechen.“
WIR WEINEN JETZT NICHT DARÜBER DASS ES UM RAMBO!BARNEY ENTSETZLICH STILL WURDE UND ER SICH KOMPLETT VERKROCHEN HAT OH GOTT

Es ist so herzerwärmend, wie (on second thought) bereitwillig Lee bei ihm einzieht ;__; IN SEINER MITTELGROSSEN WOHNUNG AUF DER SCHLAFCOUCH UM BILLY ZU HELFEN OH MEIN GOTT all the family feels ALL OF THEM

bemüht sich, trotz seines Ärgers, um eine halbwegs leserliche Handschrift.
ALLE LIEBE DER WELT FÜR DIESE REFERENCE MWAHAHAHAH ich mag es, wie es an dieser Stelle (eigentlich schon ein Stück vorher mit dem Postboten) ein bisschen, naja, humorvoller wird. Immer noch tragisch, aber man merkt so richtig, wie es Stück für Stück besser wird mit Billys Gesundheit und ihrem Zusammenleben und allem. HACH HACH HACH ♥

dann zeigt er Billy endlich, wie man vernünftig mit Messern umgeht, weil sie den Jungs in der Armee einfach nichts mehr beibringen.
ABLENKUNG HACH DEIN LEE IST ABSOLUT WUNDERVOLL MIT ALLEM WAS ER TUT und ich finde es so niedlich (ich schreibe "niedlich", um nicht wieder "herzzerreißend" sagen zu müssen), dass Billy erst mal nicht will, dass Barney was davon mitkriegt, vermutlich weil Barney sowieso schon genug an allem zu knabbern hat und sie alle massive Idioten sind und sich so sehr sorgen, und weil Billy sich auch in der ganzen Situation nicht so richtig wohlfühlt poor baby

UND DAS ENDE KIWI
Ach Gott ist das schön, ist das alles schön, du bist echt großartig, ich liebe alles, wie sie erst mal einen solchen katastrophalen Rückschlag erleben und dann doch in ganz ganz kleinen Schritten wieder alles besser wird und Billy überhaupt erst mal an dem neutralen Lieferservice geprobt hat, bei dem es auch nicht so schlimm gewesen wäre, wenn er zehn Mal nur ins Telefon geatmet hätte, statt was zu bestellen, aber es hat funktioniert und alles ist super ♥

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