H/C - Geschlafen - fürs Team
Sep. 11th, 2014 10:20 amTeam: Thalia
Challenge: Hurt/Comfort – Wann hast du das letzte Mal geschlafen – fürs Team
Fandom: The Expendables
Titel: Tausend Meilen zwischen sich und den anderen
Inhalt: Billy erleidet einen Schock und Barney ergreift die Initiative, um ihm wieder auf die Beine zu helfen. Das hier ist der Hurt-Teil. Im zweiten folgt dann fluffy domestic comfort (was so nicht geplant war aber hey)!
Anmerkung: Für
ayawinner, die sich etwas mit Mutismus gewünscht hat. Es ist eher vage, sorry. Es gibt außerdem eine Referenz zu Rambo, weil das immer noch mein persönlicher Headcanon für young!Barney ist.
Tausend Meilen zwischen sich und den anderen
Als sie ihn finden ist er immerhin nicht tot, doch das ist nicht sofort klar.
„Junge!“
Barney stürzt zu ihm, scheiß auf Deckung oder irgendwas anderes, was ihm helfen könnte zu überleben, und Lee flucht und rennt ihm nach, vertraut drauf, dass Hale und Gunnar das stockfinstere Dickicht im Blick behalten werden.
Billy liegt mit dem Gesicht nach unten im Schlamm, lang ausgestreckt, das Funkgerät gute zwei Meter von ihm entfernt gegen einen Baum geschleudert. Sein Gewehr ist nicht zu sehen, was kein gutes Zeichen ist, aber Lee versucht rational zu denken, wenn irgendwer hier gewesen wäre, hätten sie Billy den Garaus gemacht oder ihn verschleppt.
Es kann also nicht so schlimm sein, aber dann bemerkt er, dass Barney stehen geblieben ist, als wäre er gegen eine Wand gelaufen.
„Was-?“, fragt Lee, doch da sieht er es selbst.
Billy liegt still da, reagiert überhaupt nicht auf sie und seine Hände hat er knapp über den Ohren fest an den Hinterkopf gepresst.
Lee kennt die Pose. Sie alle kennen sie. Bosnien, Vietnam, Afghanistan, es spielt keine Rolle, sie bedeutet überall das Gleiche.
Entführung.
Folter.
Exekution.
Lee spürt Bilder in sich aufsteigen, die er lang vergessen glaubte und er weiß, dass es Barney genau so geht.
Verdammte Scheiße.
Barney reißt sich mühsam aus seiner Starre und geht langsam auf den Jungen zu, sagt dabei immer wieder seinen Namen, doch Billy rührt sich nicht, sogar dann nicht, als Barney ihn an der Schulter packt und langsam herumdreht.
Mit blinden Augen starrt er in den Himmel hinauf. Tränen laufen ihm über die Wangen und zerren Spuren durch den Schlamm auf seinem Gesicht, doch Lee weiß aus eigener Erfahrung, dass er nichts davon mitbekommt.
„Billy“, sagt Barney erneut, leiser diesmal. Langsam streckt er die Hand aus, als wolle er ihm über die Stirn streichen, doch dann hält er auf halbem Weg inne und lässt sie wieder sinken. Er wirkt seltsam hilflos. Sie halten alle irgendwelche Dämonen in Schach, aber gegen die von anderen sind sie machtlos, das wird Lee auf einmal schmerzlich bewusst.
Plötzlich öffnet Billy den Mund, beginnt zu hecheln und ballt die Fäuste, doch er sagt immer noch kein Wort, auch wenn sein ganzer Körper sich verzieht, als würde er vor Schmerzen brüllen.
Oh Gott.
Sie bringen ihn zum Flugzeug, die gleichen vier Meilen zurück, die sie schon hierher gelaufen sind. Sie wechseln sich ab, den Jungen zu stützen, aber nach einer halben Stunde knicken Billy die Beine weg und er fällt mitten im Laufen in Ohnmacht, kracht ohne einen Laut von sich zu geben, gegen Gunnar, der ihn nur mühsam auffängt.
Das macht den Abstieg nicht leichter, doch insgeheim ist Lee ganz froh darüber, dass Billys toter Blick sich nicht mehr in seinen Nacken bohrt.
Als sie das Flugzeug endlich erreichen, sind sie am Ende ihrer Kräfte angelangt. Barneys Gesicht wirkt aschgrau im fahlen Licht der Morgensonne und Lee hofft, dass Billy der Einzige ist, den sie halbtot von hier wegtragen müssen.
Yin, der mit Toll das Flugzeug bewacht hat, wirft einen Blick auf ihre zerschundene Truppe und als er Billy sieht, schüttelt er unmerklich den Kopf.
„Das ist schlecht“, sagt er leise.
Barney schnaubt. „Meinst du wirklich“, faucht er und schiebt sich ohne ein weiteres Wort an ihm vorbei ins Flugzeug.
Yin öffnet den Mund, doch Lee sieht, wie Hale ihm die Hand auf die Schulter legt und ihn zurückhält.
Billy ist von Ohnmacht zu unruhigem Schlaf übergegangen, als sie ihn auf die Pritsche legen, er zuckt und ballt die Fäuste und alle paar Minuten reißt er den Mund auf, ohne einen einzigen Ton hervorzubringen.
Lee schaut zu, wie Hale zögerlich eine zerschlissene Decke auseinanderfaltet und sie ungelenk über dem Jungen ausbreitet. Sie bedeckt ihn kaum bis zu den Knien, der Junge ist groß, einen Kopf größer als Barney und das ist Lee bisher nicht so aufgefallen.
Plötzlich steht Gunnar neben ihm. Er stößt einen langgezogenen, klagenden Laut aus, klingt mehr wie ein Tier als ein Mensch, ehe er sich die Jacke auszieht und sie über Billys Beine drapiert.
Lee dreht sich um und taumelt ins Cockpit. Er hat sich noch nie in seinem Leben so grauenhaft hilflos gefühlt. Unter größter Anstrengung richtet er den Blick auf Barney, der das Steuer so fest umklammert, bis das Plastik protestierend knirscht. Lee schluckt.
„Hat er irgendetwas erzählt?“, fragt er und seine Worte dröhnen so laut in dieser Grabkammer von Flugzeug, als habe er ein paar Kugeln in die Scheibe geschossen.
Barney sieht auf, das Gesicht zerstört von purer Angst, die Furchen in seine Wangen gräbt.
„Nein, nichts“, sagt er gequält. „Was gibt es schon zu sagen?“
„Ja“, erwidert Lee und starrt in die Nacht vor ihnen hinaus. „Was schon.“
Sie bringen ihn ins Krankenhaus, wohin auch sonst, und Barney bleibt die ganze Nacht bei ihm. Lee verschwindet für ein paar Stunden zu Tool, um ein wenig zu schlafen. Irgendwann wird Barney sich auch ausruhen müssen (oder er wird vor lauter Erschöpfung zusammenbrechen) und dann muss jemand da sein, der auf den Jungen aufpasst, sagt Lee sich und erst als er in der nach Motoröl und Zigarrenrauch stinkenden Wohnung auf einem quietschenden Klappbett liegt, dessen Stahlfedern sich in seinen Rücken graben, kann er sich eingestehen, dass er abgehauen ist, weil er es nicht ertragen hat, Billy in all dem grellen Weiß zu sehen.
Barney ruft ihn ein paar Tage später an, als Lee gerade dabei ist, die nächsten Missionen zu koordinieren, weil ihr entsetzliches Leben keine Rücksicht auf schwer verwundete Kinder nimmt.
Er klingt grau und uralt über die Leitung hinweg und Lee macht sich sofort auf den Weg ins Krankenhaus.
Als er ankommt ist das Bett leer. Der Junge ist wahrscheinlich bei einer Untersuchung, schießt es Lee durch den Kopf, so wie die letzten paar Mal auch und er zwingt sich, ruhiger zu atmen, während er Barney betrachtet, der wie ein verwitterter Stein auf dem unbequemen Besucherstuhl hockt und ständig gähnt.
„Du siehst scheiße aus“, faucht Lee schärfer als beabsichtigt und Barney zuckt tatsächlich zusammen. Das ganze Team hat abwechselnd Wache an Billys Bett gehalten – als könnte das irgendetwas ausrichten – doch Barney hat den Löwenanteil übernommen.
„Freut mich auch dich zu sehen, Christmas“, murmelt Barney. Vor lauter Müdigkeit nuschelt er noch stärker sonst und Lee schnaubt empört.
„Wann hast du das letzte Mal geschlafen, du Idiot, hm?“, fragt er ihn. „Ein, zwei Tage noch, dann können wir dich auch einweisen!“
Wieso hat er nicht früher angerufen, um sich ablösen zu lassen, fragt sich Lee und fixiert Barney mit einem finsteren Blick, doch Barney schaut ihn nur aus großen, blutunterlaufenen Augen an, dann ringt er sich ein Lächeln ab.
„Der Junge ist bei einer Untersuchung“, sagt er und geht überhaupt nicht auf Lees Frage ein. „Er ist vorhin aufgewacht. Es geht ihm gut.“
„Red kein Blech!“
Barney lächelt immer noch und Lee spürt, dass er wütend wird, denn er ist übermüdet, vollgepumpt mit Adrenalin und unterdrückter Angst.
Keine gute Mischung.
Er muss die Fäuste ballen, als Barney sich streckt und auf seine Schuhspitzen hinunterblickt.
„Ich weiß, was er hat“, sagt er langsam, er flüstert fast. „Er spricht nicht.“
Lee begreift nichts und stößt ein wütendes Geräusch aus, vom der er nicht glauben kann, dass es tatsächlich aus seiner eigenen Kehle stammt.
„Was soll das heißen?“, fragt er. „Hat er Amnesie?“
Barney schüttelt den Kopf – und blinzelt ein paar Mal heftig, als habe er Schwierigkeiten seine Augen zu fokussieren. „Keine Amnesie. Er weiß, wer er ist, er hat Hale und mich erkannt und irgendein Papier ausgefüllt. Doch er sagt kein Wort. Wenn man ihn fragt, wie er heißt, zeigt er auf mich und…“ Barney seufzt, streicht sich fahrig durchs Gesicht und deutet dann hilflos im Zimmer umher. Lee entspannt sich schlagartig. Seine Wut hilft niemandem weiter. Er macht einen Schritt auf Barney zu und legt ihm die Hand auf die Schulter, bis Barney aufblickt und erneut mühevoll lächelt, als glaube er, er müsse ausgerechnet Lee etwas vorspielen. „Ich kenne das. Ich weiß, was er hat“, fährt Barney fort.
„Spucks aus.“
„Es heißt Mutismus.
„Stummheit?“
Barney nickt.
„Er kann nicht sprechen, obwohl er keine körperlichen Schäden hat. Es ist… wie eine Sperre im Kopf, als hätte man Watte zwischen den Zähnen, die einem die Kehle verstopft, bis man glaubt zu ersticken und je länger man den Mund öffnet, umso weniger kann man atmen.“
Die letzten paar Worte hat Barney nur noch dem Fußboden entgegen gemurmelt und obwohl Lee keine Ahnung von solchem Kram hat, ist er nicht bescheuert.
„Du kennst das“, sagt er leise. Es ist keine Frage.
Barney nickt schwerfällig.
„Du hast das selbst erlebt.“
Wieder ein Nicken.
„Vietnam?“
Noch ein Nicken und jetzt hält Lee es nicht mehr aus, packt Barney im Nacken und schüttelt ihn heftig.
„Mach deinen verdammten Mund auf!“, brüllt er und merkt erst nach und nach, dass er in Panik gerät. Ihm steht plötzlich ein Bild vor Augen, wie Billy auf dem Rücken liegt und in den Himmel schreit, ohne einen einzigen Ton von sich zu geben, dann denkt er an Barney mit langem, dunklem Haar – er hat die schäbigen zerknickten Fotos gesehen – der aus dem einem Krieg zurück in seine kalte graue Heimat gekrochen ist, tausend Meilen zwischen ihm und allen anderen, und der keine Stimme hatte, um nach Hilfe zu schreien.
Lee sieht das alles vor sich und ist vor lauter Trauer und Angst wie gelähmt, er kann seine Hand nicht von Barney nehmen und erst als Barney sich langsam aufrichtet und Lee behutsam in die Arme schließt, spürt er, dass er den Atem angehalten hat.
„Tut mir Leid“, sagt Barney, was nicht zu ihm passt und Lee beschließt, das nie niemals gegen ihn zu verwenden, während er stocksteif in seinen Armen steht. „Ich kenne das. Ich habe das schon durch. Und der Junge schafft das auch.“
„Woher willst du das wissen?“, fragt Lee mit rauer Stimme, als Barney auch nach ein paar Augenblicken nicht wieder ihren üblichen Abstand zwischen sie bringt und sich stattdessen nur noch fester an Lee klammert. Lee schluckt, dann hebt er die Arme und legt sie vorsichtig um Barneys Schultern.
„Weil wir ihm helfen werden“, sagt Barney seufzend.
Dann legt er den Kopf auf Lees Schulter und ist augenblicklich eingeschlafen.
Challenge: Hurt/Comfort – Wann hast du das letzte Mal geschlafen – fürs Team
Fandom: The Expendables
Titel: Tausend Meilen zwischen sich und den anderen
Inhalt: Billy erleidet einen Schock und Barney ergreift die Initiative, um ihm wieder auf die Beine zu helfen. Das hier ist der Hurt-Teil. Im zweiten folgt dann fluffy domestic comfort (was so nicht geplant war aber hey)!
Anmerkung: Für
Tausend Meilen zwischen sich und den anderen
Als sie ihn finden ist er immerhin nicht tot, doch das ist nicht sofort klar.
„Junge!“
Barney stürzt zu ihm, scheiß auf Deckung oder irgendwas anderes, was ihm helfen könnte zu überleben, und Lee flucht und rennt ihm nach, vertraut drauf, dass Hale und Gunnar das stockfinstere Dickicht im Blick behalten werden.
Billy liegt mit dem Gesicht nach unten im Schlamm, lang ausgestreckt, das Funkgerät gute zwei Meter von ihm entfernt gegen einen Baum geschleudert. Sein Gewehr ist nicht zu sehen, was kein gutes Zeichen ist, aber Lee versucht rational zu denken, wenn irgendwer hier gewesen wäre, hätten sie Billy den Garaus gemacht oder ihn verschleppt.
Es kann also nicht so schlimm sein, aber dann bemerkt er, dass Barney stehen geblieben ist, als wäre er gegen eine Wand gelaufen.
„Was-?“, fragt Lee, doch da sieht er es selbst.
Billy liegt still da, reagiert überhaupt nicht auf sie und seine Hände hat er knapp über den Ohren fest an den Hinterkopf gepresst.
Lee kennt die Pose. Sie alle kennen sie. Bosnien, Vietnam, Afghanistan, es spielt keine Rolle, sie bedeutet überall das Gleiche.
Entführung.
Folter.
Exekution.
Lee spürt Bilder in sich aufsteigen, die er lang vergessen glaubte und er weiß, dass es Barney genau so geht.
Verdammte Scheiße.
Barney reißt sich mühsam aus seiner Starre und geht langsam auf den Jungen zu, sagt dabei immer wieder seinen Namen, doch Billy rührt sich nicht, sogar dann nicht, als Barney ihn an der Schulter packt und langsam herumdreht.
Mit blinden Augen starrt er in den Himmel hinauf. Tränen laufen ihm über die Wangen und zerren Spuren durch den Schlamm auf seinem Gesicht, doch Lee weiß aus eigener Erfahrung, dass er nichts davon mitbekommt.
„Billy“, sagt Barney erneut, leiser diesmal. Langsam streckt er die Hand aus, als wolle er ihm über die Stirn streichen, doch dann hält er auf halbem Weg inne und lässt sie wieder sinken. Er wirkt seltsam hilflos. Sie halten alle irgendwelche Dämonen in Schach, aber gegen die von anderen sind sie machtlos, das wird Lee auf einmal schmerzlich bewusst.
Plötzlich öffnet Billy den Mund, beginnt zu hecheln und ballt die Fäuste, doch er sagt immer noch kein Wort, auch wenn sein ganzer Körper sich verzieht, als würde er vor Schmerzen brüllen.
Oh Gott.
Sie bringen ihn zum Flugzeug, die gleichen vier Meilen zurück, die sie schon hierher gelaufen sind. Sie wechseln sich ab, den Jungen zu stützen, aber nach einer halben Stunde knicken Billy die Beine weg und er fällt mitten im Laufen in Ohnmacht, kracht ohne einen Laut von sich zu geben, gegen Gunnar, der ihn nur mühsam auffängt.
Das macht den Abstieg nicht leichter, doch insgeheim ist Lee ganz froh darüber, dass Billys toter Blick sich nicht mehr in seinen Nacken bohrt.
Als sie das Flugzeug endlich erreichen, sind sie am Ende ihrer Kräfte angelangt. Barneys Gesicht wirkt aschgrau im fahlen Licht der Morgensonne und Lee hofft, dass Billy der Einzige ist, den sie halbtot von hier wegtragen müssen.
Yin, der mit Toll das Flugzeug bewacht hat, wirft einen Blick auf ihre zerschundene Truppe und als er Billy sieht, schüttelt er unmerklich den Kopf.
„Das ist schlecht“, sagt er leise.
Barney schnaubt. „Meinst du wirklich“, faucht er und schiebt sich ohne ein weiteres Wort an ihm vorbei ins Flugzeug.
Yin öffnet den Mund, doch Lee sieht, wie Hale ihm die Hand auf die Schulter legt und ihn zurückhält.
Billy ist von Ohnmacht zu unruhigem Schlaf übergegangen, als sie ihn auf die Pritsche legen, er zuckt und ballt die Fäuste und alle paar Minuten reißt er den Mund auf, ohne einen einzigen Ton hervorzubringen.
Lee schaut zu, wie Hale zögerlich eine zerschlissene Decke auseinanderfaltet und sie ungelenk über dem Jungen ausbreitet. Sie bedeckt ihn kaum bis zu den Knien, der Junge ist groß, einen Kopf größer als Barney und das ist Lee bisher nicht so aufgefallen.
Plötzlich steht Gunnar neben ihm. Er stößt einen langgezogenen, klagenden Laut aus, klingt mehr wie ein Tier als ein Mensch, ehe er sich die Jacke auszieht und sie über Billys Beine drapiert.
Lee dreht sich um und taumelt ins Cockpit. Er hat sich noch nie in seinem Leben so grauenhaft hilflos gefühlt. Unter größter Anstrengung richtet er den Blick auf Barney, der das Steuer so fest umklammert, bis das Plastik protestierend knirscht. Lee schluckt.
„Hat er irgendetwas erzählt?“, fragt er und seine Worte dröhnen so laut in dieser Grabkammer von Flugzeug, als habe er ein paar Kugeln in die Scheibe geschossen.
Barney sieht auf, das Gesicht zerstört von purer Angst, die Furchen in seine Wangen gräbt.
„Nein, nichts“, sagt er gequält. „Was gibt es schon zu sagen?“
„Ja“, erwidert Lee und starrt in die Nacht vor ihnen hinaus. „Was schon.“
Sie bringen ihn ins Krankenhaus, wohin auch sonst, und Barney bleibt die ganze Nacht bei ihm. Lee verschwindet für ein paar Stunden zu Tool, um ein wenig zu schlafen. Irgendwann wird Barney sich auch ausruhen müssen (oder er wird vor lauter Erschöpfung zusammenbrechen) und dann muss jemand da sein, der auf den Jungen aufpasst, sagt Lee sich und erst als er in der nach Motoröl und Zigarrenrauch stinkenden Wohnung auf einem quietschenden Klappbett liegt, dessen Stahlfedern sich in seinen Rücken graben, kann er sich eingestehen, dass er abgehauen ist, weil er es nicht ertragen hat, Billy in all dem grellen Weiß zu sehen.
Barney ruft ihn ein paar Tage später an, als Lee gerade dabei ist, die nächsten Missionen zu koordinieren, weil ihr entsetzliches Leben keine Rücksicht auf schwer verwundete Kinder nimmt.
Er klingt grau und uralt über die Leitung hinweg und Lee macht sich sofort auf den Weg ins Krankenhaus.
Als er ankommt ist das Bett leer. Der Junge ist wahrscheinlich bei einer Untersuchung, schießt es Lee durch den Kopf, so wie die letzten paar Mal auch und er zwingt sich, ruhiger zu atmen, während er Barney betrachtet, der wie ein verwitterter Stein auf dem unbequemen Besucherstuhl hockt und ständig gähnt.
„Du siehst scheiße aus“, faucht Lee schärfer als beabsichtigt und Barney zuckt tatsächlich zusammen. Das ganze Team hat abwechselnd Wache an Billys Bett gehalten – als könnte das irgendetwas ausrichten – doch Barney hat den Löwenanteil übernommen.
„Freut mich auch dich zu sehen, Christmas“, murmelt Barney. Vor lauter Müdigkeit nuschelt er noch stärker sonst und Lee schnaubt empört.
„Wann hast du das letzte Mal geschlafen, du Idiot, hm?“, fragt er ihn. „Ein, zwei Tage noch, dann können wir dich auch einweisen!“
Wieso hat er nicht früher angerufen, um sich ablösen zu lassen, fragt sich Lee und fixiert Barney mit einem finsteren Blick, doch Barney schaut ihn nur aus großen, blutunterlaufenen Augen an, dann ringt er sich ein Lächeln ab.
„Der Junge ist bei einer Untersuchung“, sagt er und geht überhaupt nicht auf Lees Frage ein. „Er ist vorhin aufgewacht. Es geht ihm gut.“
„Red kein Blech!“
Barney lächelt immer noch und Lee spürt, dass er wütend wird, denn er ist übermüdet, vollgepumpt mit Adrenalin und unterdrückter Angst.
Keine gute Mischung.
Er muss die Fäuste ballen, als Barney sich streckt und auf seine Schuhspitzen hinunterblickt.
„Ich weiß, was er hat“, sagt er langsam, er flüstert fast. „Er spricht nicht.“
Lee begreift nichts und stößt ein wütendes Geräusch aus, vom der er nicht glauben kann, dass es tatsächlich aus seiner eigenen Kehle stammt.
„Was soll das heißen?“, fragt er. „Hat er Amnesie?“
Barney schüttelt den Kopf – und blinzelt ein paar Mal heftig, als habe er Schwierigkeiten seine Augen zu fokussieren. „Keine Amnesie. Er weiß, wer er ist, er hat Hale und mich erkannt und irgendein Papier ausgefüllt. Doch er sagt kein Wort. Wenn man ihn fragt, wie er heißt, zeigt er auf mich und…“ Barney seufzt, streicht sich fahrig durchs Gesicht und deutet dann hilflos im Zimmer umher. Lee entspannt sich schlagartig. Seine Wut hilft niemandem weiter. Er macht einen Schritt auf Barney zu und legt ihm die Hand auf die Schulter, bis Barney aufblickt und erneut mühevoll lächelt, als glaube er, er müsse ausgerechnet Lee etwas vorspielen. „Ich kenne das. Ich weiß, was er hat“, fährt Barney fort.
„Spucks aus.“
„Es heißt Mutismus.
„Stummheit?“
Barney nickt.
„Er kann nicht sprechen, obwohl er keine körperlichen Schäden hat. Es ist… wie eine Sperre im Kopf, als hätte man Watte zwischen den Zähnen, die einem die Kehle verstopft, bis man glaubt zu ersticken und je länger man den Mund öffnet, umso weniger kann man atmen.“
Die letzten paar Worte hat Barney nur noch dem Fußboden entgegen gemurmelt und obwohl Lee keine Ahnung von solchem Kram hat, ist er nicht bescheuert.
„Du kennst das“, sagt er leise. Es ist keine Frage.
Barney nickt schwerfällig.
„Du hast das selbst erlebt.“
Wieder ein Nicken.
„Vietnam?“
Noch ein Nicken und jetzt hält Lee es nicht mehr aus, packt Barney im Nacken und schüttelt ihn heftig.
„Mach deinen verdammten Mund auf!“, brüllt er und merkt erst nach und nach, dass er in Panik gerät. Ihm steht plötzlich ein Bild vor Augen, wie Billy auf dem Rücken liegt und in den Himmel schreit, ohne einen einzigen Ton von sich zu geben, dann denkt er an Barney mit langem, dunklem Haar – er hat die schäbigen zerknickten Fotos gesehen – der aus dem einem Krieg zurück in seine kalte graue Heimat gekrochen ist, tausend Meilen zwischen ihm und allen anderen, und der keine Stimme hatte, um nach Hilfe zu schreien.
Lee sieht das alles vor sich und ist vor lauter Trauer und Angst wie gelähmt, er kann seine Hand nicht von Barney nehmen und erst als Barney sich langsam aufrichtet und Lee behutsam in die Arme schließt, spürt er, dass er den Atem angehalten hat.
„Tut mir Leid“, sagt Barney, was nicht zu ihm passt und Lee beschließt, das nie niemals gegen ihn zu verwenden, während er stocksteif in seinen Armen steht. „Ich kenne das. Ich habe das schon durch. Und der Junge schafft das auch.“
„Woher willst du das wissen?“, fragt Lee mit rauer Stimme, als Barney auch nach ein paar Augenblicken nicht wieder ihren üblichen Abstand zwischen sie bringt und sich stattdessen nur noch fester an Lee klammert. Lee schluckt, dann hebt er die Arme und legt sie vorsichtig um Barneys Schultern.
„Weil wir ihm helfen werden“, sagt Barney seufzend.
Dann legt er den Kopf auf Lees Schulter und ist augenblicklich eingeschlafen.
no subject
Date: 2014-09-11 04:41 pm (UTC)... und jetzt lese ich schnell weiter für mehr davon :)
no subject
Date: 2014-09-14 03:42 pm (UTC)Und sowas verkaufst du uns als h/c :( Das ist ja schon richtige angst. Richtige, ausgewachsene, bedrückende angst.
Ich liebe es.
Mir gefällt im Grunde alles daran. Der spannende, ungewisse Einstieg in die Geschichte, Lees Verzweiflung, Barneys Angst und oh Gott more like stab me in the heart und dann auch noch die RAMBO REFERENCE ALS OB ALLES ANDERE NICHT SCHON NIEDERSCHMETTERND GENUG GEWESEN WÄRE.
UND AUSSERDEM
weil ihr entsetzliches Leben keine Rücksicht auf schwer verwundete Kinder nimmt
I'll be over here, sobbing a lot. Zum Glück gibt es dieses Fünkchen comfort am Ende.
Und dann auch noch für mich Mensch hättest du da nicht ein Päckchen Tempos mitschicken können ;___;
EDITIERT WEIL ICH VOR LAUTER ANGST NICHT MAL MEHR RICHTIG SCHREIBEN KANN und nochmal because fu :P