H/C - Stimmlos (für mich)
Sep. 8th, 2014 10:23 amTeam: Erato
Challenge: H/C - Stimmlos (für mich)
Titel: Nach Allison
Fandom: Teen Wolf
Charaktere: Lydia, Derek
Wörter: 1951
Warnung: nur Spoiler
A/N: Ich mag die Beiden *hihi* (und dazu wird es bestimmt auch noch eine Fortsetzung geben, da das Ende ziemlich offen ist)
„Peter! Peter“, rief Lydia sofort als sie die Tür geöffnet hatte und in das Apartment trat. „Peter!“
„Hey!“ Derek kam wenig begeistert aus seinem Schlafzimmer getorkelt. Es war bereits nach Mitternacht und das war keine Uhrzeit für einen unangekündigten Besuch.
„Derek!“ Lydia drehte sich zu ihm um. „Ist Peter hier?“
Dieser verschränkte nur die Arme vor der Brust. „Du weißt schon, dass Peter hier nicht wohnt?“ Er hing hier nur manchmal rum, wovon Derek ihn irgendwie nicht abhalten konnte, obwohl er es schon mehrmals versucht hatte. „Was willst überhaupt von ihm?“
Jeder in Scotts Rudel wusste, dass man sich von Peter fern halten sollte. Er war einfach niemand, den man vertrauen sollte.
„Ich … ich“ Plötzlich war Lydia um Worte verlegen. Vielleicht wurde ihr gerade erst richtig bewusst, wo sie war und was sie getan hatte. „Ich wollte ihn etwas fragen.“
„Peter?“ Derek klang immer noch nicht überzeugt. „Mitten in der Nacht?“
Lydia nickte nur und blickte auf. „Ich wusste nicht, wen ich sonst fragen sollte. Peter ist der Einzige-“ Sie stoppte und schüttelte den Kopf. „Das war dumm, es tut mir leid.“ Sie drehte sich um und wollte wieder verschwinden.
Mit ein paar Schritten hatte Derek zu ihr aufgeschlossen und griff sie sanft am Arm. „Hey, Lydia, alles okay?“ Sie wirkte so durcheinander und gar nicht wie das Mädchen, das er kannte. Sie war stark und selbstbewusst, nicht unsicher und verwirrt.
„Ja, alles ok.“ Lydia schaute Derek nicht an und versuchte sich loszureißen.
Dieser jedoch wollte sich nicht so schnell abschütteln lassen. Er trat zwischen ihr und die Tür und versuchte Blickkontakt herzustellen. „Was ist los? Worüber wolltest du mit Peter sprechen?“ Er bückte sich etwas, da Lydia immer noch stur zu Boden blickte. „Wie kann ich helfen?“
Lydia schüttelte wieder den Kopf. „Ich sollte gehen.“
„Oder du kannst bleiben und ich mache uns einen Tee.“ Er ließ sie wieder los, da er merkte, dass man sie nicht zwingen sollte, darüber zu reden, aber er spürte auch, dass sie es eigentlich brauchte. Deswegen wollte er ihr die Wahl lassen.
Er trat zurück ins Loft und wandte sich zu der Küchenzeile und setzte schon einmal das Wasser auf. Lydia stand immer noch an Ort und Stelle. Derek nahm es als Zeichen, dass sie vielleicht doch nicht direkt wieder weglaufen würde.
Schließlich folgte sie ihm langsam. „Was weißt du über Banshees?“
Etwas überrascht, dass Lydia darüber sprechen wollte, antwortete er: „Ein wenig. Nicht viel, muss ich zugeben, aber ich werde versuchen, dir zu helfen, wenn ich kann.“ Jetzt war es auch klar, wieso sie zu Peter wollte. Auch wenn man ihm nicht trauen konnte, hatte er ein ungeheures Wissen, wenn es um das Übernatürliche ging. Vermutlich wusste er mehr als jeder Andere über Banshees. Wahrscheinlich hatte er bereits über Lydia Bescheid gewusst, bevor er sie gebissen hatte. Schließlich hatte er sie auch benutzt, um seinen Körper wieder zurück von den Toten zu holen. „Was willst du wissen?“
„Ich ... ich verstehe meine Kräfte immer noch nicht. Es ist meist eher ein Rätselraten und ich habe das Gefühl, dass ich eher im Weg bin, als wirklich zu helfen.“
Derek stellte die Tasse mit heißem Wasser vor sie. „Denk das niemals. Du bist alleine. Du hast niemanden, der dir zeigt, wie du mit deinen Kräften umzugehen hast, aber es heißt nicht, dass du im Weg bist. Niemand denkt das.“
Lydia seufzte und griff nach der Tasse. Sie schloss ihre Finger darum, um sich an der heißen Flüssigkeit aufzuwärmen. „Ich habe nichts tun können“, sagte sie schließlich ganz leise und Derek wusste direkt, was sie meinte.
Er legte seine Hand um ihre. „Es ist nicht deine Schuld.“ Derek kannte sich mit Schuldgefühlen aus und er wusste, dass sie einen von innen zerfressen konnten, wenn man nicht aufpasste. Er wusste, wie es sich anfühlte. Und Lydia hatte das nicht verdient. „Du hättest nichts tun können, um Allison zu helfen.“
„Ich habe es gespürt. Ich wusste, dass etwas Schreckliches passieren würde. Ich hätte-“ Lydia brach ab, weil sie mit den Tränen kämpfen musste.
„Lydia“, sprach Derek sanft und wartete, bis sie ihn anschaute. „Es war ihre Entscheidung. Du hast versucht, sie zu warnen. Aber Allison ist trotzdem gegangen. Sie wollte dir helfen, weil du ihr viel bedeutet hast. Es ist nicht deine Schuld und es ist auch nicht Allisons Schuld. Das sind Dinge, die passieren, so grausam es auch klingen mag.“
Lydia schüttelte nur den Kopf und konnte ihre Tränen nun nicht mehr zurückhalten. Derek umrundete den kleinen Tresen und nahm sie in die Arme. Erst lehnte sie sich nur zögerlich an ihn, bevor sie ihre Arme um ihn legte und ihre Hände in sein Shirt krallte. Sie weinte bitterlich und versuchte auch nicht, es zu stoppen. Er streichelte ihr beruhigend über den Rücken. Derek sagte nichts, denn er wusste, dass man in solchen Momenten nichts sagen konnte, was es besser machte.
Irgendwann wurden Lydias Tränen weniger und sie löste sich langsam von ihm. Sie wischte sich mit der Hand übers Gesicht und Derek reichte ihr direkt ein Taschentuch, die etwas abseits auf den Tresen standen.
„Geht es besser?“, fragte er nach.
Sie nickte und Lydia konnte es selber nicht ganz glauben. Es tat gut, seine Trauer einfach mal fließen zu lassen. Auch wenn Derek die letzte Person war, von der Lydia gedacht hätte, bei der sie sich ausheulen würde. Aber wohl besser so, als wenn es bei Peter passiert wäre. „Danke“, sagte sie noch etwas heiser.
„Keine Ursache.“ Derek nickte und schob ihre Tasse noch etwas näher zu ihr hin. „Trink was.“
Lydia nahm einen kleinen Schluck, da das Getränk sehr heiß war. Derek ließ sie dabei nicht ein einziges Mal aus den Augen. „Worüber wolltest du mit Peter sprechen?“, wollte er wissen, denn sie hätte bestimmt nicht über Allison mit ihm gesprochen. Es musste etwas Anderes sein.
Lydia schluckte schwer. „Irgendetwas ist anders“, gab sie schließlich zu. „Ich habe das Gefühl, dass sie weg sind.“
Derek zog die Augenbrauen zusammen. „Deine Kräfte?“
Sie nickte nur.
„Wie kommst du darauf?“
„Da ist nichts mehr. Keine Stimmen oder Geräusche, keine komischen Gefühle, dass irgendetwas passiert. Und ich fühle mich, als ob ich nicht mehr schreien kann. Ich fühle mich stimmlos.“ Sie blickte auf und Derek direkt ins Gesicht. „Ist so etwas möglich? Kann man seine Kräfte verlieren?“
Derek musste zugeben, dass er nicht die geringste Ahnung hatte. Er hatte noch nie davon gehört, aber es gab vieles, wovon er noch nicht gehört hatte. Es war möglich. Es war aber auch möglich, dass sie es sich nur einbildete. Wie sie selber gesagt hatte, hatte sie ihre Kräfte noch nicht richtig unter Kontrolle. Vielleicht zeigte es sich nur, wenn sie in Gefahr waren und diese war nun erst einmal vorbei.
Jedoch sagte Derek nichts von dem und fragte nur: „Wäre es so schlimm?“
„Ich weiß nicht.“ Lydia mochte ihre Kräfte nicht, aber vorrangig, weil sie sie nicht verstand und nicht helfen konnte. Aber sie wollte helfen und ab und an hatte ihr Gefühl auch schon einmal geholfen. „Aber irgendwie fühle ich mich leer. Ich will etwas hören, aber da ist nichts. Ich will schreien, aber ich habe keine Stimme.“
„Vielleicht ist es ein gutes Zeichen. Vielleicht heißt es nicht, dass du deine Kräfte verlierst, vielleicht bedeutet es nur, dass gerade nichts Böses in deinem Umfeld ist. Dass vielleicht einfach mal alles gut ist.“
„Sicher?“
„Nein“, erwiderte Derek todernst. „Ich weiß genauso viel wie du.“
„Es fühlt sich aber irgendwie falsch an. Ich fühle mich falsch und das ist noch schlimmer als nicht zu wissen, wie ich meine Kräfte richtig benutze. Auch wenn ich sie teilweise nicht mag, will ich sie behalten. Ich brauche sie.“
Derek nickte. „Wann hat das angefangen?“
Wieder eine kleine Pause, bevor Lydia antwortete. „Nach Allison.“ Das Wort wog so schwer wie eine Kanonenkugel. Lydia atmete einmal tief durch, um nicht direkt wieder mit dem Weinen anzufangen.
Derek nickte verstehend. „Du musst dir keine Sorgen machen, Lydia.“
Sie blickte auf und schien verwirrt.
„Du verlierst deine Kräfte nicht, du bist dir nur unsicher. Banshees sagen den Tod voraus, aber du willst deinen Freunden damit helfen. Bei Allison konntest du es nicht und deswegen bist du verwirrt und traurig. Es ist eine ganz normale Reaktion.“ Derek machte eine kurze Pause, bevor er fortfuhr: „Ich habe so etwas ähnliches erlebt. Ich hatte meine Kräfte schon vollkommen unter Kontrolle, aber nach dem Tod von einer guten Freundin, hatte ich wieder Probleme. Ich konnte meine Werwolfseite nicht kontrollieren, wenn der Vollmond kam.“
„Aber ich habe keine Probleme, sie zu kontrollieren. Sie sind einfach weg.“
„Wie Allison.“
Lydia nickte. „Wie Allison“, wiederholte sie.
„Und du willst nicht, dass sie weg ist. Du willst nicht, dass sie für immer fort ist und du sperrst deine Fähigkeiten weg, weil du ihnen die Schuld gibst. Und vielleicht hoffst du auch, dass sie zusammen mit deinen Kräften zurückkommt.“
Lydia schüttelte den Kopf und biss sich auf die Unterlippe. „Nein“, hauchte sie.
„Du kannst noch alles fühlen. Du kannst Stimmen hören. Du wehrst dich nur dagegen, weil du Angst hast, wieder einen Fehler wie bei Allison zu machen.“
„Hör auf“, flehte Lydia und Tränen liefen ihr wieder übers Gesicht.
„Deine Kräfte sind noch da. Genau hier.“ Derek berührte mit seinen Fingern Lydias Brustkorb, genau an der Stelle, wo ihr Herz saß. „Du hast nur Angst, sie rauszulassen, weil du Angst hast, dass die Schuld und die Trauer dich zerreißen könnten.“
Lydia schüttelte vehement den Kopf und drückte Derek von sich weg. „Hör endlich auf!“, schrie sie fast und stand von dem Hocker auf. Sie wandte sich zum Gehen und stürmte zur Tür. Eine Hand an ihrem Arm ließ sie innehalten.
Langsam drehte sie sich um, obwohl sie nichts mehr von Derek hören wollte. Er war keine Hilfe gewesen. Er hatte nur alles viel schlimmer gemacht. Aber er stand immer noch in der Küche. Verwirrt schüttelte sie den Kopf und schaute sich um. Da war niemand neben ihr. Niemand, der sie hätte am Arm packen können.
„Was war das?“, fragte sie und schaute Derek an.
Dieser kam nur langsam näher. Er zog seine Schultern hoch. „Du bist die Banshee. Du hörst und spürst Dinge, die Anderen verborgen bleiben.“
„Da war etwas an meinem Arm.“
„Was fühlst du noch?“ Derek kam noch einen Schritt näher. „Was hörst du?“
Lydia schloss die Augen. Sie hörte Dereks Atem, und auch ihren Eigenen, aber sonst war es still. Keine Stimmen oder Geräusche. „Nichts“, gab sie trocken zurück. „Da ist rein gar nichts.“
„Warum bist du nicht gegangen? Ich habe dich wütend gemacht.“
„Weil da etwas an meinem Arm war, als ob mich jemand aufhalten wollte.“ Lydia schien verwirrt. Vermutlich überlegte sie, ob sie nicht doch einfach verschwinden sollte.
„Ich weiß nicht, was oder vielleicht auch wer es war, aber du hast etwas gespürt, oder nicht? Deine Kräfte sind nicht weg.“ Er lächelte leicht. „Deswegen hast du dir doch Sorgen gemacht.“
„Ja.“ Lydia war mehr als abwesend.
„Was ist los?“ Derek trat wieder einen Schritt näher. „Lydia?“
Sie blickte auf und blinzelte die Tränen weg. „Kann ich heute hier schlafen?“
Derek war mehr als überrumpelt. „Was?“
„Ich will nicht alleine sein.“
Schließlich nickte Derek nur und zeigte in Richtung Schlafzimmer. „Du kannst auf dem Bett schlafen. Ich nehme die Couch.“
Anstatt eine Antwort zu geben, nahm Lydia seine Hand und zog ihn hinter sich her. „Es tut mir leid“, sagte sie.
„Was denn?“
„Ich habe überreagiert. Du wolltest nur helfen. Vielleicht bist du etwas harsch vorgegangen, aber du hattest Recht. Ich hatte Angst.“
„Lydia, alles okay?“ Sie verhielt sich merkwürdig.
„Können Banshees auch Tote hören?“
Derek sah sie lange an. Beide standen am Rand des Bettes. „Ich habe davon gehört, aber ich habe es bis jetzt nur für Gerüchte gehalten. Vielleicht ist es möglich, ja.“
Lydia lächelte leicht. „Dann ist alles okay.“
Challenge: H/C - Stimmlos (für mich)
Titel: Nach Allison
Fandom: Teen Wolf
Charaktere: Lydia, Derek
Wörter: 1951
Warnung: nur Spoiler
A/N: Ich mag die Beiden *hihi* (und dazu wird es bestimmt auch noch eine Fortsetzung geben, da das Ende ziemlich offen ist)
„Peter! Peter“, rief Lydia sofort als sie die Tür geöffnet hatte und in das Apartment trat. „Peter!“
„Hey!“ Derek kam wenig begeistert aus seinem Schlafzimmer getorkelt. Es war bereits nach Mitternacht und das war keine Uhrzeit für einen unangekündigten Besuch.
„Derek!“ Lydia drehte sich zu ihm um. „Ist Peter hier?“
Dieser verschränkte nur die Arme vor der Brust. „Du weißt schon, dass Peter hier nicht wohnt?“ Er hing hier nur manchmal rum, wovon Derek ihn irgendwie nicht abhalten konnte, obwohl er es schon mehrmals versucht hatte. „Was willst überhaupt von ihm?“
Jeder in Scotts Rudel wusste, dass man sich von Peter fern halten sollte. Er war einfach niemand, den man vertrauen sollte.
„Ich … ich“ Plötzlich war Lydia um Worte verlegen. Vielleicht wurde ihr gerade erst richtig bewusst, wo sie war und was sie getan hatte. „Ich wollte ihn etwas fragen.“
„Peter?“ Derek klang immer noch nicht überzeugt. „Mitten in der Nacht?“
Lydia nickte nur und blickte auf. „Ich wusste nicht, wen ich sonst fragen sollte. Peter ist der Einzige-“ Sie stoppte und schüttelte den Kopf. „Das war dumm, es tut mir leid.“ Sie drehte sich um und wollte wieder verschwinden.
Mit ein paar Schritten hatte Derek zu ihr aufgeschlossen und griff sie sanft am Arm. „Hey, Lydia, alles okay?“ Sie wirkte so durcheinander und gar nicht wie das Mädchen, das er kannte. Sie war stark und selbstbewusst, nicht unsicher und verwirrt.
„Ja, alles ok.“ Lydia schaute Derek nicht an und versuchte sich loszureißen.
Dieser jedoch wollte sich nicht so schnell abschütteln lassen. Er trat zwischen ihr und die Tür und versuchte Blickkontakt herzustellen. „Was ist los? Worüber wolltest du mit Peter sprechen?“ Er bückte sich etwas, da Lydia immer noch stur zu Boden blickte. „Wie kann ich helfen?“
Lydia schüttelte wieder den Kopf. „Ich sollte gehen.“
„Oder du kannst bleiben und ich mache uns einen Tee.“ Er ließ sie wieder los, da er merkte, dass man sie nicht zwingen sollte, darüber zu reden, aber er spürte auch, dass sie es eigentlich brauchte. Deswegen wollte er ihr die Wahl lassen.
Er trat zurück ins Loft und wandte sich zu der Küchenzeile und setzte schon einmal das Wasser auf. Lydia stand immer noch an Ort und Stelle. Derek nahm es als Zeichen, dass sie vielleicht doch nicht direkt wieder weglaufen würde.
Schließlich folgte sie ihm langsam. „Was weißt du über Banshees?“
Etwas überrascht, dass Lydia darüber sprechen wollte, antwortete er: „Ein wenig. Nicht viel, muss ich zugeben, aber ich werde versuchen, dir zu helfen, wenn ich kann.“ Jetzt war es auch klar, wieso sie zu Peter wollte. Auch wenn man ihm nicht trauen konnte, hatte er ein ungeheures Wissen, wenn es um das Übernatürliche ging. Vermutlich wusste er mehr als jeder Andere über Banshees. Wahrscheinlich hatte er bereits über Lydia Bescheid gewusst, bevor er sie gebissen hatte. Schließlich hatte er sie auch benutzt, um seinen Körper wieder zurück von den Toten zu holen. „Was willst du wissen?“
„Ich ... ich verstehe meine Kräfte immer noch nicht. Es ist meist eher ein Rätselraten und ich habe das Gefühl, dass ich eher im Weg bin, als wirklich zu helfen.“
Derek stellte die Tasse mit heißem Wasser vor sie. „Denk das niemals. Du bist alleine. Du hast niemanden, der dir zeigt, wie du mit deinen Kräften umzugehen hast, aber es heißt nicht, dass du im Weg bist. Niemand denkt das.“
Lydia seufzte und griff nach der Tasse. Sie schloss ihre Finger darum, um sich an der heißen Flüssigkeit aufzuwärmen. „Ich habe nichts tun können“, sagte sie schließlich ganz leise und Derek wusste direkt, was sie meinte.
Er legte seine Hand um ihre. „Es ist nicht deine Schuld.“ Derek kannte sich mit Schuldgefühlen aus und er wusste, dass sie einen von innen zerfressen konnten, wenn man nicht aufpasste. Er wusste, wie es sich anfühlte. Und Lydia hatte das nicht verdient. „Du hättest nichts tun können, um Allison zu helfen.“
„Ich habe es gespürt. Ich wusste, dass etwas Schreckliches passieren würde. Ich hätte-“ Lydia brach ab, weil sie mit den Tränen kämpfen musste.
„Lydia“, sprach Derek sanft und wartete, bis sie ihn anschaute. „Es war ihre Entscheidung. Du hast versucht, sie zu warnen. Aber Allison ist trotzdem gegangen. Sie wollte dir helfen, weil du ihr viel bedeutet hast. Es ist nicht deine Schuld und es ist auch nicht Allisons Schuld. Das sind Dinge, die passieren, so grausam es auch klingen mag.“
Lydia schüttelte nur den Kopf und konnte ihre Tränen nun nicht mehr zurückhalten. Derek umrundete den kleinen Tresen und nahm sie in die Arme. Erst lehnte sie sich nur zögerlich an ihn, bevor sie ihre Arme um ihn legte und ihre Hände in sein Shirt krallte. Sie weinte bitterlich und versuchte auch nicht, es zu stoppen. Er streichelte ihr beruhigend über den Rücken. Derek sagte nichts, denn er wusste, dass man in solchen Momenten nichts sagen konnte, was es besser machte.
Irgendwann wurden Lydias Tränen weniger und sie löste sich langsam von ihm. Sie wischte sich mit der Hand übers Gesicht und Derek reichte ihr direkt ein Taschentuch, die etwas abseits auf den Tresen standen.
„Geht es besser?“, fragte er nach.
Sie nickte und Lydia konnte es selber nicht ganz glauben. Es tat gut, seine Trauer einfach mal fließen zu lassen. Auch wenn Derek die letzte Person war, von der Lydia gedacht hätte, bei der sie sich ausheulen würde. Aber wohl besser so, als wenn es bei Peter passiert wäre. „Danke“, sagte sie noch etwas heiser.
„Keine Ursache.“ Derek nickte und schob ihre Tasse noch etwas näher zu ihr hin. „Trink was.“
Lydia nahm einen kleinen Schluck, da das Getränk sehr heiß war. Derek ließ sie dabei nicht ein einziges Mal aus den Augen. „Worüber wolltest du mit Peter sprechen?“, wollte er wissen, denn sie hätte bestimmt nicht über Allison mit ihm gesprochen. Es musste etwas Anderes sein.
Lydia schluckte schwer. „Irgendetwas ist anders“, gab sie schließlich zu. „Ich habe das Gefühl, dass sie weg sind.“
Derek zog die Augenbrauen zusammen. „Deine Kräfte?“
Sie nickte nur.
„Wie kommst du darauf?“
„Da ist nichts mehr. Keine Stimmen oder Geräusche, keine komischen Gefühle, dass irgendetwas passiert. Und ich fühle mich, als ob ich nicht mehr schreien kann. Ich fühle mich stimmlos.“ Sie blickte auf und Derek direkt ins Gesicht. „Ist so etwas möglich? Kann man seine Kräfte verlieren?“
Derek musste zugeben, dass er nicht die geringste Ahnung hatte. Er hatte noch nie davon gehört, aber es gab vieles, wovon er noch nicht gehört hatte. Es war möglich. Es war aber auch möglich, dass sie es sich nur einbildete. Wie sie selber gesagt hatte, hatte sie ihre Kräfte noch nicht richtig unter Kontrolle. Vielleicht zeigte es sich nur, wenn sie in Gefahr waren und diese war nun erst einmal vorbei.
Jedoch sagte Derek nichts von dem und fragte nur: „Wäre es so schlimm?“
„Ich weiß nicht.“ Lydia mochte ihre Kräfte nicht, aber vorrangig, weil sie sie nicht verstand und nicht helfen konnte. Aber sie wollte helfen und ab und an hatte ihr Gefühl auch schon einmal geholfen. „Aber irgendwie fühle ich mich leer. Ich will etwas hören, aber da ist nichts. Ich will schreien, aber ich habe keine Stimme.“
„Vielleicht ist es ein gutes Zeichen. Vielleicht heißt es nicht, dass du deine Kräfte verlierst, vielleicht bedeutet es nur, dass gerade nichts Böses in deinem Umfeld ist. Dass vielleicht einfach mal alles gut ist.“
„Sicher?“
„Nein“, erwiderte Derek todernst. „Ich weiß genauso viel wie du.“
„Es fühlt sich aber irgendwie falsch an. Ich fühle mich falsch und das ist noch schlimmer als nicht zu wissen, wie ich meine Kräfte richtig benutze. Auch wenn ich sie teilweise nicht mag, will ich sie behalten. Ich brauche sie.“
Derek nickte. „Wann hat das angefangen?“
Wieder eine kleine Pause, bevor Lydia antwortete. „Nach Allison.“ Das Wort wog so schwer wie eine Kanonenkugel. Lydia atmete einmal tief durch, um nicht direkt wieder mit dem Weinen anzufangen.
Derek nickte verstehend. „Du musst dir keine Sorgen machen, Lydia.“
Sie blickte auf und schien verwirrt.
„Du verlierst deine Kräfte nicht, du bist dir nur unsicher. Banshees sagen den Tod voraus, aber du willst deinen Freunden damit helfen. Bei Allison konntest du es nicht und deswegen bist du verwirrt und traurig. Es ist eine ganz normale Reaktion.“ Derek machte eine kurze Pause, bevor er fortfuhr: „Ich habe so etwas ähnliches erlebt. Ich hatte meine Kräfte schon vollkommen unter Kontrolle, aber nach dem Tod von einer guten Freundin, hatte ich wieder Probleme. Ich konnte meine Werwolfseite nicht kontrollieren, wenn der Vollmond kam.“
„Aber ich habe keine Probleme, sie zu kontrollieren. Sie sind einfach weg.“
„Wie Allison.“
Lydia nickte. „Wie Allison“, wiederholte sie.
„Und du willst nicht, dass sie weg ist. Du willst nicht, dass sie für immer fort ist und du sperrst deine Fähigkeiten weg, weil du ihnen die Schuld gibst. Und vielleicht hoffst du auch, dass sie zusammen mit deinen Kräften zurückkommt.“
Lydia schüttelte den Kopf und biss sich auf die Unterlippe. „Nein“, hauchte sie.
„Du kannst noch alles fühlen. Du kannst Stimmen hören. Du wehrst dich nur dagegen, weil du Angst hast, wieder einen Fehler wie bei Allison zu machen.“
„Hör auf“, flehte Lydia und Tränen liefen ihr wieder übers Gesicht.
„Deine Kräfte sind noch da. Genau hier.“ Derek berührte mit seinen Fingern Lydias Brustkorb, genau an der Stelle, wo ihr Herz saß. „Du hast nur Angst, sie rauszulassen, weil du Angst hast, dass die Schuld und die Trauer dich zerreißen könnten.“
Lydia schüttelte vehement den Kopf und drückte Derek von sich weg. „Hör endlich auf!“, schrie sie fast und stand von dem Hocker auf. Sie wandte sich zum Gehen und stürmte zur Tür. Eine Hand an ihrem Arm ließ sie innehalten.
Langsam drehte sie sich um, obwohl sie nichts mehr von Derek hören wollte. Er war keine Hilfe gewesen. Er hatte nur alles viel schlimmer gemacht. Aber er stand immer noch in der Küche. Verwirrt schüttelte sie den Kopf und schaute sich um. Da war niemand neben ihr. Niemand, der sie hätte am Arm packen können.
„Was war das?“, fragte sie und schaute Derek an.
Dieser kam nur langsam näher. Er zog seine Schultern hoch. „Du bist die Banshee. Du hörst und spürst Dinge, die Anderen verborgen bleiben.“
„Da war etwas an meinem Arm.“
„Was fühlst du noch?“ Derek kam noch einen Schritt näher. „Was hörst du?“
Lydia schloss die Augen. Sie hörte Dereks Atem, und auch ihren Eigenen, aber sonst war es still. Keine Stimmen oder Geräusche. „Nichts“, gab sie trocken zurück. „Da ist rein gar nichts.“
„Warum bist du nicht gegangen? Ich habe dich wütend gemacht.“
„Weil da etwas an meinem Arm war, als ob mich jemand aufhalten wollte.“ Lydia schien verwirrt. Vermutlich überlegte sie, ob sie nicht doch einfach verschwinden sollte.
„Ich weiß nicht, was oder vielleicht auch wer es war, aber du hast etwas gespürt, oder nicht? Deine Kräfte sind nicht weg.“ Er lächelte leicht. „Deswegen hast du dir doch Sorgen gemacht.“
„Ja.“ Lydia war mehr als abwesend.
„Was ist los?“ Derek trat wieder einen Schritt näher. „Lydia?“
Sie blickte auf und blinzelte die Tränen weg. „Kann ich heute hier schlafen?“
Derek war mehr als überrumpelt. „Was?“
„Ich will nicht alleine sein.“
Schließlich nickte Derek nur und zeigte in Richtung Schlafzimmer. „Du kannst auf dem Bett schlafen. Ich nehme die Couch.“
Anstatt eine Antwort zu geben, nahm Lydia seine Hand und zog ihn hinter sich her. „Es tut mir leid“, sagte sie.
„Was denn?“
„Ich habe überreagiert. Du wolltest nur helfen. Vielleicht bist du etwas harsch vorgegangen, aber du hattest Recht. Ich hatte Angst.“
„Lydia, alles okay?“ Sie verhielt sich merkwürdig.
„Können Banshees auch Tote hören?“
Derek sah sie lange an. Beide standen am Rand des Bettes. „Ich habe davon gehört, aber ich habe es bis jetzt nur für Gerüchte gehalten. Vielleicht ist es möglich, ja.“
Lydia lächelte leicht. „Dann ist alles okay.“